<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Den Nutzen von Ratings erschließen &#187; Ethisches Rating</title>
	<atom:link href="http://www.everling.de/category/ratings/ethisches-rating/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.everling.de</link>
	<description>Dr. Oliver Everling</description>
	<lastBuildDate>Wed, 29 Apr 2026 13:36:23 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=4.2.7</generator>
	<item>
		<title>Warum KI-Brillen beim Betreten der Bankhalle kein Kundenrating anzeigen werden</title>
		<link>http://www.everling.de/warum-ki-brillen-beim-betreten-der-bankhalle-kein-kundenrating-anzeigen-werden/</link>
		<comments>http://www.everling.de/warum-ki-brillen-beim-betreten-der-bankhalle-kein-kundenrating-anzeigen-werden/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Feb 2026 13:36:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethisches Rating]]></category>
		<category><![CDATA[KYC-Rating]]></category>
		<category><![CDATA[Privatkundenrating]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.everling.de/?p=14915</guid>
		<description><![CDATA[Die Befürchtung, dass Bankmitarbeiter künftig mithilfe von KI-Brillen schon beim Betreten der Bankhalle automatisch das Rating und Scoring eines Privatkunden sehen könnten, erweist sich bei näherer Betrachtung als unbegründet. Gemeint ist dabei das Szenario, dass ein Kunde die Filiale betritt und ein Mitarbeiter ihn sofort biometrisch erkennt und mit Bonitätsinformationen verknüpft. Genau dieses Zusammenspiel aus [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Befürchtung, dass Bankmitarbeiter künftig mithilfe von KI-Brillen schon beim Betreten der Bankhalle automatisch das Rating und Scoring eines Privatkunden sehen könnten, erweist sich bei näherer Betrachtung als unbegründet. Gemeint ist dabei das Szenario, dass ein Kunde die Filiale betritt und ein Mitarbeiter ihn sofort biometrisch erkennt und mit Bonitätsinformationen verknüpft. Genau dieses Zusammenspiel aus Echtzeit-Identifikation im öffentlich zugänglichen Raum und sofortiger Datenanzeige scheitert nach heutigem Stand sowohl an technischen als auch an regulatorischen Hürden.</p>
<p>Ein Blick auf die aktuelle Debatte um Smart Glasses zeigt zunächst, dass Gesichtserkennung in diesem Umfeld keineswegs ein neues Thema ist und bereits mehrfach verworfen wurde. Thomas Riedel schreibt in seinem Newsletter vom 16. Februar 2026: „Gesichtserkennung ist wirklich nichts Neues im Hause Meta. Schon 2021 wurde das Feature für ihre Smart Glasses diskutiert und aufgrund von Bedenken nicht umgesetzt.“ Schon diese Historie macht deutlich, dass selbst große Technologiekonzerne die Risiken und Hürden solcher Funktionen sehr genau sehen.</p>
<p>Entscheidend gegen das skizzierte Bank-Szenario spricht vor allem die Rechtslage in Europa. Riedel betont: „In der EU wird Gesichtserkennung nicht pauschal verboten, aber extrem streng kategorisiert.“ Besonders relevant ist die Einordnung der biometrischen Echtzeit-Fernidentifizierung in öffentlich zugänglichen Räumen. Wörtlich heißt es: „Die biometrische Echtzeit-Fernidentifizierung in öffentlich zugänglichen Räumen ist grundsätzlich verboten.“ Eine Bankhalle ist typischerweise öffentlich zugänglich, sodass ein automatisches Scannen eintretender Kunden rechtlich kaum zulässig wäre.</p>
<p>Hinzu kommen die strengen Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung. Der Newsletter stellt klar: „Biometrische Daten gelten als ‚besondere Kategorien personenbezogener Daten‘. Für eine Verarbeitung ist fast immer eine explizite Einwilligung der betroffenen Person nötig.“ Für das häufig beschworene Szenario würde das bedeuten, dass Banken vor jeder möglichen Gesichtserkennung die ausdrückliche Zustimmung jedes eintretenden Kunden einholen müssten. Ein verdecktes oder automatisches Erkennen beim Betreten der Filiale wäre damit praktisch ausgeschlossen.</p>
<p>Auch technisch ist die Lage komplexer, als es manche Darstellungen suggerieren. Riedel weist auf ein grundlegendes Problem hin: „Im Grunde müsste von jedem Gesicht ein Zahlenvektor erstellt und mit der Datenbank abgeglichen werden, um herauszufinden: Diese Person möchte nicht gescannt werden. Aber es fand bereits ein Gesichtsscan statt, um das überhaupt erst herauszufinden! Das ergibt also keinen Sinn.“ Dieses Paradox zeigt, wie schwer eine datenschutzkonforme Umsetzung in offenen Umgebungen tatsächlich ist.</p>
<p>Zudem werden die Fähigkeiten der Brillen selbst häufig überschätzt. Am Beispiel früherer Berichte stellt Riedel klar: „Die Meta Ray-Ban scannte also nichts, sondern lieferte nur die Bilder.“ Die eigentliche Auswertung erfolgte extern. Für Banken würde ein Echtzeit-Scoring daher eine komplexe, rechtlich geprüfte Backend-Infrastruktur erfordern, nicht nur eine Brille auf der Nase eines Mitarbeiters.</p>
<p>Auch experimentelle Hacks ändern daran wenig. Über entsprechende Bastlerlösungen heißt es nüchtern, sie seien „nur was für Bastler“. Von einer stabilen, regulierungskonformen Massenlösung für den Bankbetrieb kann also keine Rede sein.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund zieht Riedel eine eindeutige regulatorische Bewertung: „Schlussfolgerung: Unter der aktuellen Regulierung in der EU ist ein Gesichtsscan rechtlich gesehen unmöglich.“ Entsprechend fällt auch seine praktische Antwort aus: „Die Antwort lautet immer nein. Und die Antwort wird auch in Zukunft nein sein.“</p>
<p>Für Banken bedeutet dies: Das beschriebene Szenario, wonach ein Kunde die Bankhalle betritt und der Mitarbeiter sofort per KI-Brille sein Rating sieht, ist derzeit weder rechtlich zulässig noch technisch trivial umsetzbar. Die europäische Regulierung, die Anforderungen der DSGVO und die tatsächliche Funktionsweise heutiger Smart Glasses setzen hier sehr enge Grenzen.</p>
<p>Die verbreitete Sorge vor einem automatischen Bonitäts-Overlay beim Betreten der Filiale erscheint daher nach heutigem Stand unbegründet. Wie Thomas Riedel zusammenfasst, brauchen wir vor allem eines nicht: „Angst vor einem innovativen Produkt aufgrund von Uninformiertheit.“</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.everling.de/warum-ki-brillen-beim-betreten-der-bankhalle-kein-kundenrating-anzeigen-werden/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Unternehmenskultur für den sicheren und ethischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz</title>
		<link>http://www.everling.de/unternehmenskultur-fuer-den-sicheren-und-ethischen-einsatz-von-kuenstlicher-intelligenz/</link>
		<comments>http://www.everling.de/unternehmenskultur-fuer-den-sicheren-und-ethischen-einsatz-von-kuenstlicher-intelligenz/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2024 13:45:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethisches Rating]]></category>
		<category><![CDATA[Managementrating]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.everling.de/?p=14160</guid>
		<description><![CDATA[Sarah Gadd, CDO und Head of Data &#038; Process Engineering bei Julius Bär, sprach auf der Handelsblatt Tagung „BankenTech“ über die Bedeutung der Unternehmenskultur im sicheren und ethischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Sie betonte, dass KI in der Finanzbranche eine transformative Rolle spielt, aber nur dann nachhaltig und vertrauenswürdig genutzt werden kann, wenn eine [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sarah Gadd, CDO und Head of Data &#038; Process Engineering bei Julius Bär, sprach auf der Handelsblatt Tagung „BankenTech“ über die Bedeutung der Unternehmenskultur im sicheren und ethischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Sie betonte, dass KI in der Finanzbranche eine transformative Rolle spielt, aber nur dann nachhaltig und vertrauenswürdig genutzt werden kann, wenn eine starke kulturelle Grundlage geschaffen wird. </p>
<p>Ein zentrales Element ihrer Argumentation war die Notwendigkeit, dass Unternehmen eine Kultur der Verantwortung, Transparenz und ethischen Entscheidungsfindung etablieren, um sicherzustellen, dass KI-Anwendungen nicht nur effektiv, sondern auch fair und sicher sind. Gadd erklärte, dass Unternehmen sich bewusst mit den potenziellen Risiken von KI auseinandersetzen müssen, wie etwa Verzerrungen in den Algorithmen oder Datenschutzprobleme, und dass eine offene, kollaborative Unternehmenskultur dabei hilft, solche Risiken zu identifizieren und zu minimieren.</p>
<p>In ihrer Ausführung wies Gadd darauf hin, dass der Einsatz von KI nicht nur technische, sondern auch menschliche Dimensionen umfasst. Die Einbindung verschiedener Perspektiven innerhalb eines Unternehmens, von der Entwicklung über die Implementierung bis hin zur Kontrolle, ist entscheidend, um sicherzustellen, dass KI-Systeme nicht unbeabsichtigt diskriminieren oder gegen ethische Standards verstoßen. Sie betonte, dass KI nicht nur als technologische Innovation, sondern als integraler Bestandteil der Unternehmenswerte betrachtet werden sollte. Eine Kultur, die kontinuierliche Schulungen, ethische Richtlinien und eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen fördert, kann dazu beitragen, dass KI verantwortungsbewusst und im Einklang mit den Unternehmenszielen eingesetzt wird.</p>
<p>&#8222;Kultur ist die Grundlage für skalierbare Innovation&#8220;, sagt Gadd und entwirft eine Pyramide mit &#8222;Literaten Culture&#8220; als Basis. Eine „Literate Culture“ im Kontext von Künstlicher Intelligenz bedeutet, dass Unternehmen eine umfassende KI-Kompetenz innerhalb ihrer Organisation fördern, sodass alle Mitarbeiter ein grundlegendes Verständnis für die Technologie und ihre Auswirkungen haben. Ein „Ethical Approach“ stellt sicher, dass KI-Anwendungen in Übereinstimmung mit ethischen Prinzipien entwickelt und eingesetzt werden, wobei Themen wie Transparenz, Fairness und Datenschutz im Mittelpunkt stehen. „Governed and Trusted“ bezieht sich auf die Notwendigkeit, KI-Systeme streng zu überwachen, um Vertrauen und Verantwortung in ihrer Anwendung sicherzustellen, durch klare Governance-Modelle und Richtlinien. „Self-Service Access“ fördert den unkomplizierten Zugang zu KI-Tools und -Daten, sodass Nutzer selbstständig Lösungen entwickeln und implementieren können, ohne auf zentrale IT-Abteilungen angewiesen zu sein. Schließlich bedeutet „AI at Scale“, dass Unternehmen KI auf breiter Basis einsetzen, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen und Effizienz, Skalierbarkeit und Innovation in verschiedenen Bereichen voranzutreiben.</p>
<p>Abschließend erklärte Gadd, dass der sichere und ethische Einsatz von KI auch die Stärkung des Vertrauens bei Kunden und der Öffentlichkeit erfordert. &#8222;Kultur ist der Schlüssel &#8211; Zusammenarbeit und Literacy sind entscheidend&#8220;, sagt Gadd. Um das volle Potenzial von KI auszuschöpfen, müssen Unternehmen die Technologie nicht nur aus einer technischen Perspektive betrachten, sondern auch aus einer sozialen und ethischen. Nur durch eine enge Verzahnung von Unternehmenskultur und technologischem Fortschritt könne gewährleistet werden, dass KI-Lösungen verantwortungsvoll eingesetzt werden und die gewünschten positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Unternehmen haben. Die einzige Fähigkeit, die im 21. Jahrhundert wichtig sein wird, ist die Fähigkeit zu lernen &#8211; mit dieser Weisheit vom Management-Guru Peter Drucker schließt Gadd ihren Vortrag.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.everling.de/unternehmenskultur-fuer-den-sicheren-und-ethischen-einsatz-von-kuenstlicher-intelligenz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Moral Hazard &#8211; Finanzielle, rechtliche und wirtschaftliche Perspektiven</title>
		<link>http://www.everling.de/moral-hazard-finanzielle-rechtliche-und-wirtschaftliche-perspektiven/</link>
		<comments>http://www.everling.de/moral-hazard-finanzielle-rechtliche-und-wirtschaftliche-perspektiven/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Jan 2022 20:25:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Bankenrating]]></category>
		<category><![CDATA[Ethisches Rating]]></category>
		<category><![CDATA[Governancerating]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalrating]]></category>
		<category><![CDATA[Kreditrating]]></category>
		<category><![CDATA[Länderrating]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmensrating]]></category>
		<category><![CDATA[Verbriefungsrating]]></category>
		<category><![CDATA[Versicherungsrating]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.everling.de/?p=12162</guid>
		<description><![CDATA[Es ist das erste Buch, das eine interdisziplinäre Analyse von Moral Hazard bietet und erklärt, warum die Auseinandersetzung mit diesem Thema heute so wichtig ist. Als solches wird es das Interesse von Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen, einschließlich Wirtschaftswissenschaftlern, Politikwissenschaftlern und Rechtsanwälten, wecken: Moral Hazard: A Financial, Legal, and Economic Perspective (Routledge International Studies in Money and [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist das erste Buch, das eine interdisziplinäre Analyse von Moral Hazard bietet und erklärt, warum die Auseinandersetzung mit diesem Thema heute so wichtig ist. Als solches wird es das Interesse von Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen, einschließlich Wirtschaftswissenschaftlern, Politikwissenschaftlern und Rechtsanwälten, wecken: Moral Hazard: A Financial, Legal, and Economic Perspective (Routledge International Studies in Money and Banking).</p>
<p>Die Herausgeber des Buches: Juan Flores Zendejas ist außerordentlicher Professor am Institut für Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Genf. Norbert Gaillard ist Ökonom und unabhängiger Berater. Rick Michalek ist ein in New York ansässiger unabhängiger Rechts- und Finanzberater.</p>
<p>Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Teil I umfasst zwei Kapitel und ist konzeptioneller Natur. Es befasst sich mit der Ethik und anderen grundlegenden Fragen im Zusammenhang mit Moral Hazard. Teil II liefert historische und empirische Beweise zum Moral Hazard im internationalen Finanzwesen. Hier werden die Exportkreditindustrie, die internationalen &#8222;Kreditgeber der letzten Instanz&#8220; und der IWF untersucht. Teil III schließlich befasst sich mit Moral Hazard im Finanz- und Unternehmensbereich. Kapitel 10 bietet globale Schlussfolgerungen und gibt Empfehlungen.</p>
<p>In Kapitel 2 befasst sich Rutger Claassen mit der ethischen Perspektive und analysiert die Verflechtung von Moral mit dem Begriff &#8222;Moral Hazard&#8220;. Er zeigt, dass der Begriff „moralisches Risiko“ historisch gesehen eine starke moralische Konnotation hatte, da denen, die Versicherungssysteme missbrauchten, moralische Schuld zugeschrieben wurde. Ökonomen haben Moral Hazard jedoch als neutralen Fachbegriff genommen und sehen das Risikoanpassungsverhalten des Einzelnen einfach als rational kalkulierte Reaktion auf Versicherungs- und Versicherungssituationen. Aber die Frage bleibt nach Ansicht des Autors bestehen: Ist moralisch gefährliches Verhalten – manchmal oder immer – unmoralisch? Moral Hazard sei pro tanto moralisch falsch. Seine Analyse basiert auf der Tatsache, dass Versicherungen Menschen in ein Treuhandverhältnis einbringen. Sie sind dann moralisch verpflichtet, für die anderen in ihrem Versicherungspool zu handeln und zu versuchen, ein optimales soziales Risikoniveau zu erreichen. Es gibt jedoch entlastende Gründe, die die moralische Verantwortung mindern. Schließlich werden die politischen Implikationen diskutiert, die am Moral Hazard von Großbanken in der Finanzkrise veranschaulicht werden.</p>
<p>In Kapitel 3 bestreitet Stefano Ugolini die allgemein akzeptierte Vorstellung, dass die Kreditvergabe als letztes Mittel notwendigerweise dem Moral Hazard förderlich ist. Sein Kapitel hinterfragt diese Behauptung, indem es die Entwicklung der monetären Theorie und Praxis über einen sehr langen Zeitraum verfolgt. Während die meisten Ökonomen den Zusammenhang zwischen Kreditvergabe als letztem Mittel und moralischem Risiko für unvermeidlich halten, haben andere (insbesondere Walter Bagehot) behauptet, dass die beiden unter bestimmten Bedingungen voneinander getrennt werden können. Er gibt einen kurzen Überblick über die Praktiken der Währungsbehörden im Laufe der Jahrhunderte sieht hier Bestätigungen seiner These.</p>
<p>In Kapitel 4 zeigen Gaillard und Darbellay, wie die Maßnahmen von Exportkreditagenturen (ECA) und Export-Importbanken (EIBs) Moral Hazard gefördert und Risikoverhalten ausgelöst haben. Sie untersuchen, wie und warum die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen von ECAs und EIBs dazu beigetragen haben, Moral Hazard zu verstärken. Sie erklären, dass Moral Hazard aus einer Kombination des harten internationalen Wettbewerbs und der Informationsasymmetrie zwischen Versicherern/Kreditgebern, Exporteuren und Importeuren resultiert. Gaillard und Darbellay verfolgen die Praktiken der US-amerikanischen Exim Bank in den 1970er Jahren. Ihr Bericht deutet darauf hin, dass diese Institution im Kontext massiver Kreditvergabe an Entwicklungsländer auf die Verwendung eines zuverlässigen Länderrisiko-Ratingsystems verzichtet und den ausländischen Kreditnehmern Priorität einräumt, die am ehesten in der Lage sind, eine Vorzugsbehandlung von ihrer Regierung zu erhalten. Ein wichtiges, aber nicht überraschendes Ergebnis dieser Situation war, dass der Prozentsatz notleidender Kredite zwischen 1975 und 1982 in die Höhe schoss und die Glaubwürdigkeit der US-amerikanischen Exim Bank untergrub.</p>
<p>Kapitel 5 gibt einen Überblick über die Bemühungen um die internationale Zusammenarbeit im Streben nach Finanzstabilität. Flores Zendejas und Gaillard argumentieren, dass sowohl der Gläubiger- als auch der Schuldner-Moral-Hazard die Handlungen eines internationalen Kreditgebers der letzten Instanz (International Lender Of Last Resort, ILOLR) untergraben haben. Sie unterscheiden historische Perioden und zeigen, wie die Bank of England und die Bank of France in den Jahren der Pax Britannica de facto ILOLR waren und es schafften, beide Arten von Moral Hazard einzudämmen. In den Zwischenkriegsjahren entwickelte der Völkerbund neue Formen von Krediten der letzten Instanz, konnte die Weltwirtschaftskrise jedoch nicht verhindern, weil die wichtigsten kapitalexportierenden Länder nicht zusammenarbeiteten. Schließlich gewährte der IWF seit seiner Gründung im Jahr 1944 verschiedene Kreditfazilitäten unter der Bedingung, dass die Empfängerländer eine makroökonomische Stabilisierung akzeptieren. Flores Zendejas und Gaillard behaupten, dass der Prozess der finanziellen Globalisierung, der in den 1980er Jahren begann, das Moral Hazard der Gläubiger verschärfte. Für sie wurde dieses Thema vom IWF weitgehend übersehen, sollte aber allen politischen Entscheidungsträgern Anlass zur Sorge geben.</p>
<p>Kapitel 6 untersucht, wie es dem IWF gelingt, Moral Hazard zu bekämpfen. Giuseppe Bianco beschreibt, wie die Schuldentragfähigkeitsanalyse und die Konditionalität zwei wichtige politische Instrumente sind, die das moralische Risiko von Schuldnern begrenzen. Bei Bedarf muss ein Land seine Schulden umstrukturieren, bevor es Hilfen erhalten kann. Als nächstes muss sich ein Land im Austausch für die IWF-Hilfe zu wirtschaftlichen Reformen verpflichten: Diese Konditionalität soll sicherstellen, dass die Regierung „ihre Hausaufgaben macht“. Die Politik der Kreditvergabe in Zahlungsverzug (während der Übernahme einer Position eines vorrangigen Gläubigers) und das Erfordernis von Finanzierungszusicherungen sind darauf ausgerichtet, das Moral Hazard der Gläubiger einzudämmen. Sie drängen private Gläubiger zu einer ausgehandelten Vereinbarung mit ihrem Staatsschuldner, um die Schuldenkrise zu lösen und das Eingreifen des IWF zu erleichtern. Der bevorzugte Gläubigerstatus des Fonds mindert beide Arten von Moral Hazard. In diesem Kapitel werden die Stärken und Inkonsistenzen bei der Verwendung und Anwendung dieser Richtlinien aufgezeigt.</p>
<p>In Kapitel 7 argumentieren Gaillard und Michalek, dass die zwischen 1970 und 1984 häufig beobachteten Rettungsaktionen den Weg in die gegenwärtige Ära des Moral Hazard geebnet haben. 1971 wurde die Rettungsaktion von Lockheed vom Kongress mit knapper Mehrheit verabschiedet, was die Bedenken der politischen Entscheidungsträger über den staatlichen Interventionismus widerspiegelte. Gaillard und Michalek zeigen jedoch, dass Rettungsaktionen zwischen 1974 und 1981 zu einem gängigen Instrument der Politik wurden. Die Größe des Unternehmens war eindeutig ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung der Behörden, ob sie gerettet werden sollten oder nicht. Die Institutionalisierung der &#8222;&#8220;Too Big To Fail&#8220; bzw. TBTF-Politik wurde 1982–1984 abgeschlossen. 1982 forderte die Reagan-Regierung zusätzliche IWF-Quoten zur Unterstützung der von den Staatsschuldenturbulenzen betroffenen US-Banken. 1984 stellte der Comptroller of the Currency fest, dass große Banken jetzt TBTF sind. Für Gaillard und Michalek förderte dieses neue Paradigma die Risikobereitschaft und brachte eine heimtückische Form der „großen Regierung“ hervor.</p>
<p>In Kapitel 8 behaupten Gotoh und Sinclair, dass die Automobilindustrie aufgrund ihres hochgradig politisierten Charakters verschiedene Beispiele von Moral Hazard erlebt hat. Dieses Kapitel beleuchtet zwei gegensätzliche Arten von Moral Hazard: die liberale Kritik des Staatsinterventionismus und die kritische Sicht des kurzfristigen Finanzkapitalismus. Für Gotoh und Sinclair wird die erstgenannte Form des Moral Hazard vor allem in koordinierten Marktwirtschaften gesehen, wo die Regierung durch Industriepolitik und Rettungspakete interveniert. Die Autoren präsentieren eindrucksvolle Beispiele anhand der Fälle Nissan und Renault, in die von der japanischen und französischen Regierung eingegriffen wurde. Sie argumentieren, dass die letztgenannte Art von Moral Hazard vor allem in liberalen Marktwirtschaften beobachtet wird, die den kurzfristigen Shareholder Value und die finanziellen Renditen betonen. Das aufschlussreichste Beispiel war der Fall von General Motors, wo unzureichende Investitionen in Forschung und Entwicklung und die Abhängigkeit von firmeneigenen Finanzmitteln dazu dienten, hohe Dividenden und Rentnerleistungen aufrechtzuerhalten.</p>
<p>Kapitel 9 von Cheryl Block befasst sich mit einzigartigen Design- und Kostenschätzungsherausforderungen in Bezug auf die US-Notfallreaktionen in der Finanzkrise 2007-2009 und die COVID-19-Pandemie 2020. Insbesondere zeigt sie, dass die fragmentierte und unzureichende US-Notfallinfrastruktur oft überstürzte Ad-hoc-Lösungen für Krisen erfordert, was zu ineffizienten und schlampigen Lösungen führt. In diesem Kapitel werden Hilfsmaßnahmen und rettungsähnliche Interventionskonzepte verglichen, die von der Federal Reserve, anderen Regierungsbehörden und dem Kongress als Reaktion auf beide Krisen umgesetzt wurden, und konzentriert sich insbesondere auf den Emergency Economic Stabilization Act (EESA) von 2008 und den Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act (CARES-Gesetz). Berücksichtigt werden auch nicht ohne weiteres quantifizierbare spezifische Budgetkosten, darunter potenzielle Moral Hazards, indirekte Entlastungen durch besondere Steuererleichterungen und Abbau von Regulierungen.</p>
<p>Im abschließenden Kapitel fassen Gaillard und Michalek die wichtigsten Argumente und Ergebnisse der Kapitel 2–9 zusammen und unterbreiten dann Empfehlungen zur Beseitigung der Wurzeln von Moral Hazard, die über die „Feinabstimmung“ der makroprudenziellen und mikroprudenziellen Politik hinausgehen. Erstens sollte nach Meinung der Autoren die Federal Reserve die Entwicklung der Preise von Finanzanlagen in ihre Geldpolitik einbeziehen. Zweitens wird die strikte Trennung der Einlagenfunktion der Universalbanken von ihren Kapitalmarktaktivitäten befürwortet. Drittens könnten TBTF-Banken gezwungen sein, einen bestimmten Prozentsatz der von ihnen stammenden Wertpapiere zu halten. Viertens sollte die Häufigkeit, mit der ein Wertpapier als Sicherheit verwendet werden kann, drastisch reduziert werden. Fünftens könnte eine Mikrosteuer auf alle elektronischen Zahlungen eingeführt werden, um spekulative Transaktionen mit asymmetrischen Renditen im Verhältnis zu ihrem maximalen Risiko zu bestrafen. Sechstens müssen nach Ansicht der Autoren bestimmte Arten von Finanzprodukten verboten werden. Siebtens sollten einige „sichere Häfen“, die in Gesetze und Vorschriften eingebettet sind, die moralisch gefährliches Verhalten ermöglichen, überdacht werden.</p>
<p>Das Buch liefert Denkanstöße, auf die niemand in der Ratingbranche verzichten sollte.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.everling.de/moral-hazard-finanzielle-rechtliche-und-wirtschaftliche-perspektiven/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Seminar &#8222;Nachhaltigkeitsrating&#8220;</title>
		<link>http://www.everling.de/seminar-nachhaltigkeitsrating/</link>
		<comments>http://www.everling.de/seminar-nachhaltigkeitsrating/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 May 2014 17:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethisches Rating]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeitsrating]]></category>
		<category><![CDATA[oekom research]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.everling.de/?p=5788</guid>
		<description><![CDATA[Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lädt zum Seminar &#8222;Nachhaltigkeitsrating&#8220; ein. Es findet vom 09. &#8211; 11. Mai 2014 in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach statt. Ethische, ökologische und soziale Kriterien bei der Geldanlage, bei Investition und Finanzierung werden oft gefordert, aber in der Praxis selten beachtet. Oft scheinen institutionellen wie auch privaten Investoren allein Gewinnziele im [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lädt zum Seminar &#8222;Nachhaltigkeitsrating&#8220; ein. Es findet vom 09. &#8211; 11. Mai 2014 in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach statt.</p>
<p>Ethische, ökologische und soziale Kriterien bei der Geldanlage, bei Investition und Finanzierung werden oft gefordert, aber in der Praxis selten beachtet. Oft scheinen institutionellen wie auch privaten Investoren allein Gewinnziele im Vordergrund zu stehen, die nur klingende Münzen zum Maßstab des Handelns machen. Bei genauerer Betrachtung steckt dahinter oft nicht böse Absicht, sondern das Unvermögen, Aspekte der Nachhaltigkeit in strukturierter und objektiver Form in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Das Seminar geht dazu innovativen Ansätzen des Nachhaltigkeitsratings nach und wirft Licht hinter die Kulissen von Banken, Emittenten, professioneller Vermögensverwalter und sonstiger Finanzdienstleister.</p>
<p>Das Detailprogramm findet sich auf der Homepage der Stiftung unter folgendem Link:</p>
<p><a href="https://shop.freiheit.org/#!/events/id/qefmv">https://shop.freiheit.org/#!/events/id/qefmv</a></p>
<p>Anmeldungen direkt an <a href="mailto:baerbel.beer@freiheit.org">baerbel.beer@freiheit.org</a>. Bärbel Beer: &#8222;Wir freuen uns schon sehr auf Ihre Anmeldung.&#8220;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.everling.de/seminar-nachhaltigkeitsrating/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Neuer Ansatz für ethisches Investment</title>
		<link>http://www.everling.de/neuer-ansatz-fur-ethisches-investment/</link>
		<comments>http://www.everling.de/neuer-ansatz-fur-ethisches-investment/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Dec 2012 11:37:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethisches Rating]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeitsrating]]></category>
		<category><![CDATA[oekom research]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.everling.de/?p=4662</guid>
		<description><![CDATA[Um Investoren Lösungen für eine langfristige Vermögensbildung nach den Prinzipien von Nachhaltigkeit anbieten zu können, hat Natixis Asset Management (NAM) eine neue Investment-Sparte gegründet: Mirova. Diese soll sich ausschließlich dem Thema „Ethische Investments“ widmen. Vermarktet wird Mirovas Angebot über die globale Vertriebsplattform von Natixis Global Asset Management. Diese richtet sich an private und institutionelle Anleger, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Um Investoren Lösungen für eine langfristige Vermögensbildung nach den Prinzipien von Nachhaltigkeit anbieten zu können, hat Natixis Asset Management (NAM) eine neue Investment-Sparte gegründet: Mirova. Diese soll sich ausschließlich dem Thema „Ethische Investments“ widmen. Vermarktet wird Mirovas Angebot über die globale Vertriebsplattform von Natixis Global Asset Management. Diese richtet sich an private und institutionelle Anleger, Unternehmen, Multi-Manager, Privatbanken, unabhängige Finanzberater sowie Bankennetzwerke.</p>
<p>&#8222;Wertschöpfung mit den Prinzipien nachhaltiger Entwicklung zu kombinieren, ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit&#8220;, verteidigt NAM das neue Konzept. Das gegenwärtig herrschende Ungleichgewicht zwischen Wachstum und Verschuldung, die Loslösung von der Realwirtschaft, der Raubbau an natürlichen Rohstoffen und der Klimawandel würden deutlich machen, dass das gegenwärtige Wirtschaftsmodell nicht länger haltbar sei.</p>
<p>„Wir sind davon überzeugt, dass in der Vermögensverwaltung ein anderes Denken notwendig ist, um den Risiken und Chancen einer sich wandelnden Welt gerecht zu werden“, so Philippe Zaouati, stellvertretender Geschäftsführer von Natixis Asset Management und Leiter der Investment-Sparte Mirova. Ziel von Mirova sei es, eine aktive und verantwortungsvolle Rolle bei der Finanzierung der Realwirtschaft zu übernehmen. Außerdem möchte Mirova Investoren Lösungen an die Hand geben, um deren Erwartungen in puncto Rendite und Nachhaltigkeit zu erfüllen. “Als Vorreiter bei ethischen Investments“ ist unser Tochterunternehmen Natixis Asset Management bestens aufgestellt, um Investoren künftig ein noch umfassenderes Angebot bieten zu können“, betont Jörg Knaf, Managing Director für Nordeuropa von Natixis Global Asset Management.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.everling.de/neuer-ansatz-fur-ethisches-investment/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
