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	<title>Den Nutzen von Ratings erschließen &#187; Länderrating</title>
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		<title>Zwischen Endmodell und Entwicklungsprozess: Das unterschiedliche Selbstverständnis politischer Systeme in den USA und China</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 01:07:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Selbstverständnis politischer Systeme unterscheidet sich deutlich zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China, insbesondere in der Frage, ob ein politisches und gesellschaftliches Modell als weitgehend abgeschlossen oder als historisch fortlaufender Entwicklungsprozess verstanden wird. In vielen westlichen Demokratien, besonders in den USA, hat sich über Jahrzehnte hinweg die Vorstellung etabliert, dass die liberale Demokratie in Verbindung mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung gewissermaßen den Endpunkt politischer Entwicklung darstellt. Diese Idee gewann vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges an Einfluss. Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama formulierte Anfang der 1990er Jahre die These vom „Ende der Geschichte“. Damit meinte er nicht, dass historische Ereignisse aufhören würden, sondern dass sich mit der liberalen Demokratie und der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ein politisches Modell durchgesetzt habe, das langfristig keine grundlegende ideologische Alternative mehr besitze. In diesem Denken wird die bestehende Ordnung weniger als historisches Experiment betrachtet, sondern eher als normativer Maßstab, an dem sich andere Systeme messen lassen müssen. Politische Auseinandersetzungen bewegen sich daher meist innerhalb des bestehenden Rahmens und betreffen Fragen der konkreten Ausgestaltung, etwa Steuersysteme, soziale Sicherung, Regulierung oder Bürgerrechte. Die grundlegenden institutionellen Prinzipien – Mehrparteiensystem, Gewaltenteilung, individuelle Freiheitsrechte und freie Wahlen – gelten dabei als stabile und im Grunde abgeschlossene Struktur.</p>
<p>Das offizielle Selbstverständnis der Volksrepublik China unterscheidet sich davon deutlich. Die Kommunistische Partei beschreibt das eigene System als „Sozialismus mit chinesischen Besonderheiten“ und betont immer wieder, dass sich China in einer langfristigen historischen Entwicklungsphase befindet. Ein zentraler Begriff in diesem Zusammenhang ist die sogenannte „primäre Phase des Sozialismus“. Diese Vorstellung besagt, dass China sich noch nicht in einem endgültigen Zustand sozialistischer Entwicklung befindet, sondern in einem langen Übergangsprozess, der möglicherweise viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte dauern kann. Innerhalb dieses Rahmens wird das politische und wirtschaftliche System bewusst als wandelbar dargestellt. Marktmechanismen, staatliche Planung, institutionelle Reformen und administrative Experimente werden nicht als Widerspruch zum System verstanden, sondern als notwendige Anpassungen auf dem Weg einer langfristigen Transformation. Besonders seit den Reformen unter Deng Xiaoping wird betont, dass wirtschaftliche Entwicklung, Modernisierung und institutionelle Anpassung Schritt für Schritt erfolgen müssen.</p>
<p>Diese Sichtweise spiegelt sich auch in den langfristigen Entwicklungsstrategien wider, die in China regelmäßig formuliert werden. Politische Programme werden häufig in Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten gedacht. Der Aufbau der Volksrepublik nach 1949, die Reform- und Öffnungspolitik seit 1978 sowie die heutigen Modernisierungsstrategien werden als aufeinanderfolgende Phasen eines größeren historischen Projekts dargestellt. Ziele wie die vollständige Modernisierung der Wirtschaft oder der Aufbau eines „modernen sozialistischen Staates“ werden oft in Perspektiven bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts formuliert. Dadurch entsteht das Bild eines politischen Systems, das sich bewusst als unfertig versteht und dessen Legitimation teilweise daraus abgeleitet wird, dass es sich ständig weiterentwickeln soll.</p>
<p>Hinter diesen unterschiedlichen Selbstbildern stehen auch verschiedene philosophische und historische Traditionen. Die politische Kultur der westlichen Demokratien ist stark von der europäischen Aufklärung geprägt. Vorstellungen von universellen Menschenrechten, individueller Freiheit und demokratischer Selbstbestimmung führten zu der Annahme, dass es prinzipiell ein bestmögliches politisches Modell geben könne, das für alle Gesellschaften anwendbar ist. Das chinesische politische Denken wurde dagegen über Jahrhunderte stärker von pragmatischen und historisch orientierten Traditionen beeinflusst, unter anderem vom Konfuzianismus, der großen Wert auf soziale Stabilität, moralische Ordnung und die Anpassungsfähigkeit staatlicher Strukturen legt. In dieser Perspektive steht weniger die Frage nach einem endgültigen idealen System im Vordergrund, sondern vielmehr die Fähigkeit eines Staates, sich an wechselnde historische Bedingungen anzupassen und langfristige Stabilität zu gewährleisten.</p>
<p>Gleichzeitig erfüllt das chinesische Entwicklungsnarrativ auch eine politische Funktion. Indem das System als historischer Prozess beschrieben wird, können bestehende Probleme oder Widersprüche als Teil eines Übergangs interpretiert werden. Wirtschaftliche Ungleichheiten, institutionelle Reformen oder neue politische Maßnahmen erscheinen in diesem Rahmen nicht als grundlegende Krise des Systems, sondern als Herausforderungen auf dem Weg zu einem langfristigen Ziel. Das erlaubt eine größere Flexibilität bei politischen Experimenten, etwa bei regionalen Sonderregelungen oder schrittweisen Reformen. Im westlichen Selbstverständnis dagegen werden Probleme oft eher als Abweichungen von einem bereits als richtig angesehenen Modell interpretiert.</p>
<p>In der Realität werden jedoch beide Selbstbilder zunehmend hinterfragt. In vielen westlichen Gesellschaften ist der Optimismus der frühen 1990er Jahre deutlich schwächer geworden. Politische Polarisierung, wirtschaftliche Krisen und internationale Machtverschiebungen haben Zweifel daran geweckt, ob die liberale Demokratie tatsächlich einen endgültigen historischen Endpunkt darstellt. Gleichzeitig wird auch in China diskutiert, inwieweit das offizielle Entwicklungsnarrativ eher eine politische Strategie zur Legitimation der bestehenden Machtstrukturen ist als eine offene Suche nach einem zukünftigen System. Trotz dieser Kritik bleibt der Unterschied im Selbstverständnis deutlich: Während das westliche Modell lange Zeit dazu neigte, sich als normatives Ziel politischer Entwicklung zu verstehen, präsentiert sich das chinesische System offiziell als ein historisches Projekt, dessen endgültige Form noch nicht erreicht ist.</p>
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		<title>Politische Stabilität und Reformkurs stärken Perspektiven für Japans Credit Ratings</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 07:52:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Der klare Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi und die daraus resultierende politische Stabilität in Japan haben nicht nur die Aktienmärkte beflügelt, sondern werfen auch ein neues Licht auf die Perspektiven für Credit Ratings des Landes. Mit 316 Sitzen verfügt ihre Liberaldemokratische Partei über mehr als zwei Drittel der Mandate im Unterhaus. „Sie ist nicht länger auf die Unterstützung ihres bisherigen Koalitionspartners angewiesen und kann Gesetzesinitiativen notfalls auch gegen das Oberhaus durchsetzen. Das erhöht die politische Handlungsfähigkeit deutlich“, betont June-Yon Kim, Lead-Portfoliomanager für japanische Aktien bei Lazard Asset Management. Für Ratingagenturen ist diese gestärkte Handlungsfähigkeit ein zentrales Element, da sie Reformfähigkeit, Planbarkeit und institutionelle Stabilität signalisiert.</p>
<p>„Politische Stabilität reduziert Unsicherheit – und das wird honoriert“, so Kim weiter. Diese Reduktion von Unsicherheit ist auch aus Sicht der Kreditwürdigkeit relevant: Eine verlässliche politische Mehrheit erleichtert die Umsetzung fiskalischer und struktureller Maßnahmen, was sich positiv auf die Einschätzung langfristiger Schuldentragfähigkeit auswirken kann. Die unmittelbare Marktreaktion mit neuen Rekordständen im Nikkei 225 und anhaltender Stärke des TOPIX unterstreicht das gestiegene Vertrauen der Investoren in die wirtschaftspolitische Kontinuität. Auch wenn Aktienkursentwicklungen kein direktes Ratingkriterium sind, spiegeln sie doch die Erwartungen hinsichtlich Wachstum, Unternehmensgewinnen und makroökonomischer Stabilität wider.</p>
<p>Gleichzeitig rückt die reflationäre Agenda der Regierung in den Fokus der Bonitätsanalyse. Gezielte Staatsausgaben und eine mögliche zweijährige Aussetzung der Verbrauchsteuer auf Lebensmittel und Getränke sollen Wachstum und Konsum stärken. „Zwar haben diese Pläne Bedenken hinsichtlich der Haushaltsdisziplin ausgelöst, wir sehen den jüngsten Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen jedoch eher als Ausdruck einer längst überfälligen wirtschaftlichen Normalisierung, denn als Zeichen fiskalischer Spannungen“, erklärt Kim. Für Credit Ratings ist entscheidend, ob zusätzliche Ausgaben strukturelles Wachstum generieren oder zu einer dauerhaften Ausweitung des Defizits führen. Die Regierung habe mehrfach betont, „Wachstumsimpulse mit solider Haushaltsführung verbinden zu wollen – ein entscheidender Faktor für die Stabilität der Anleihe- und Währungsmärkte“. Genau diese Balance zwischen Impulssetzung und fiskalischer Disziplin ist maßgeblich für die Bewertung der langfristigen Schuldentragfähigkeit.</p>
<p>Auch die Geldpolitik der Bank of Japan spielt für Ratingüberlegungen eine zentrale Rolle. Nach der Zinserhöhung im Dezember und einem Leitzins von 0,75 Prozent im Januar verfolgt die Notenbank einen graduellen, datenabhängigen Normalisierungspfad. Eine mögliche Anhebung in Richtung 1 Prozent bis zur Jahresmitte wird am Markt diskutiert. Entscheidend für die Bonität ist dabei, dass die geldpolitische Normalisierung glaubwürdig und konjunkturgerecht erfolgt. Steigende Zinsen können mittelfristig zwar die Zinslast des Staates erhöhen, signalisieren aber zugleich das Ende jahrzehntelanger Deflation und eine Rückkehr zu nominalem Wachstum – ein Faktor, der die Schuldenquote relativ zum Bruttoinlandsprodukt stabilisieren oder senken kann.</p>
<p>Strukturelle Reformen, insbesondere im Bereich Corporate Governance, sind ein weiterer Baustein mit indirekter Relevanz für das Länderrating. Strengere Vorgaben zum Umgang mit überschüssiger Liquidität könnten Unternehmen zu höherer Kapitaleffizienz bewegen. „Verbesserungen bei Kapitaleffizienz und Shareholder-Returns sind aus unserer Sicht zentrale Gründe für die nachhaltige Neubewertung des japanischen Marktes“, so Kim. Höhere Produktivität, bessere Kapitalallokation und steigende Gewinne stärken die Steuerbasis des Staates und damit langfristig auch dessen fiskalische Position.</p>
<p>Risiken bleiben jedoch bestehen. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Verhältnis zu China, sowie die Debatte um eine Reform des pazifistischen Artikels 9 der Verfassung könnten Unsicherheiten erzeugen, die sich negativ auf Investitionen und Wachstum auswirken. Für Ratingagenturen sind solche externen Risiken Bestandteil der politischen und institutionellen Analyse, insbesondere wenn sie potenziell Auswirkungen auf Verteidigungsausgaben oder Handelsbeziehungen haben.</p>
<p>Insgesamt deutet die aktuelle Entwicklung jedoch auf eine Stabilisierung und potenzielle Stärkung des makroökonomischen Umfelds hin. „Die Abkehr von jahrzehntelanger Deflation hin zu moderater Inflation verbessert die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Gewinnwachstum zusätzlich“, erklärt Kim. Sollte es der Regierung gelingen, Wachstumsimpulse, geldpolitische Normalisierung und Haushaltsdisziplin in Einklang zu bringen, könnten sich die positiven Signale der Kapitalmärkte mittelfristig auch in einer gefestigten oder verbesserten Einschätzung der Kreditwürdigkeit Japans niederschlagen.</p>
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		<title>Geopolitischer Schock und seine Folgen für Credit Ratings</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 11:55:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die jüngsten US-Militäraktionen markieren einen geopolitischen Einschnitt, dessen Tragweite weit über kurzfristige Marktbewegungen hinausgeht und insbesondere für Credit Ratings relevante Implikationen birgt. Wie Ebury-Marktstratege Matthew Ryan betont, habe der „Zeitpunkt und Umfang der US-Militäraktion viele Marktteilnehmer überrascht“, doch könnte „die unmittelbare Marktreaktion vergleichsweise begrenzt bleiben“. Für Ratingagenturen ist diese Einschätzung insofern bedeutsam, als sie zwischen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die jüngsten US-Militäraktionen markieren einen geopolitischen Einschnitt, dessen Tragweite weit über kurzfristige Marktbewegungen hinausgeht und insbesondere für Credit Ratings relevante Implikationen birgt. Wie Ebury-Marktstratege Matthew Ryan betont, habe der „Zeitpunkt und Umfang der US-Militäraktion viele Marktteilnehmer überrascht“, doch könnte „die unmittelbare Marktreaktion vergleichsweise begrenzt bleiben“. Für Ratingagenturen ist diese Einschätzung insofern bedeutsam, als sie zwischen temporären Schocks und strukturellen Verschlechterungen der Kreditqualität differenzieren müssen. Wenn, wie Ryan ausführt, „eine entsprechende Risikoprämie bereits teilweise in den Märkten eingepreist“ war und der Angriff „zu einem Zeitpunkt [erfolgte], als die Börsen geschlossen waren“, deutet dies zunächst auf eine begrenzte unmittelbare Volatilität in Refinanzierungskosten und Spreads hin. Dennoch verweist er darauf, dass „zunächst ein klassisches ‚Risk-off‘-Umfeld dominieren“ dürfte – ein Szenario, das typischerweise zu steigenden Risikoaufschlägen, restriktiveren Finanzierungsbedingungen und potenziell sinkender Schuldentragfähigkeit bei anfälligen Emittenten führt.</p>
<p>Für staatliche Schuldner sind vor allem die Auswirkungen auf Wechselkurse, Energiepreise und Kapitalflüsse ratingrelevant. Ryan erwartet, dass „der US-Dollar von der erhöhten Risikoaversion sowie von steigenden Energiepreisen profitieren“ dürfte, ebenso der Schweizer Franken, während „Schwellenländerwährungen hingegen anfällig“ erscheinen, „insbesondere von Ländern, die in hohem Maße Nettoimporteure von Öl sind“. Eine anhaltende Abwertung der Lokalwährungen in Kombination mit steigenden Ölpreisen würde in vielen Emerging Markets die Importrechnung erhöhen, Leistungsbilanzdefizite ausweiten und fiskalischen Druck verstärken. Ratingagenturen könnten in solchen Fällen negative Ausblicke oder Herabstufungen prüfen, wenn die externen Puffer – etwa Devisenreserven oder fiskalische Spielräume – nicht ausreichen, um den Schock abzufedern.</p>
<p>Auch auf Unternehmensebene sind differenzierte Effekte zu erwarten. Energieintensive Branchen sähen sich bei deutlich steigenden Ölpreisen mit Margendruck konfrontiert, was Kennzahlen wie EBITDA-Margen und Zinsdeckungsgrade verschlechtern könnte. Ryan warnt, dass „eine vollständige Blockade dieser zentralen Schifffahrtsroute des Iran […] aus Marktsicht das größte Risiko“ darstelle. In einem solchen Szenario könnten „die Öl-Futures nach unserer Einschätzung in Richtung der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel steigen“. Ein derartiger Preissprung hätte direkte Konsequenzen für die Kreditprofile von Airlines, Logistikunternehmen oder Chemiekonzernen, während Energieproduzenten und -exporteure profitieren könnten. Ratingentscheidungen würden entsprechend sektor- und unternehmensspezifisch ausfallen.</p>
<p>Gleichzeitig relativiert der historische Vergleich die Wahrscheinlichkeit dauerhafter Ratingverschiebungen. „Historisch betrachtet führen steigende geopolitische Risiken meist nur zu vorübergehenden Marktverwerfungen“, so Ryan, und „in der Regel erholen sich die Märkte relativ rasch, sobald der unmittelbare Schock nachlässt“. Für Kreditratings bedeutet dies, dass kurzfristige Volatilität allein selten ausreicht, um strukturelle Bonitätsveränderungen zu rechtfertigen. Entscheidend ist vielmehr, „wie nachhaltig die aktuellen Auswirkungen sein werden“, was „maßgeblich von mehreren ungewissen Faktoren“ abhänge, darunter „die Dauer und Ausweitung des Konflikts sowie die Lage an der Straße von Hormus“. Sollte der Konflikt zeitlich begrenzt bleiben und keine gravierenden Störungen der Energieversorgung nach sich ziehen, dürften Ratingmaßnahmen eher punktuell und vorsichtig ausfallen. Eine Eskalation hingegen könnte über höhere Energiepreise, verschärfte Finanzierungsbedingungen und schwächere Wachstumsprognosen eine breitere Neubewertung von Kreditrisiken auslösen – sowohl bei Staaten als auch bei Unternehmen.</p>
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		<title>Krieg zwischen den USA, Israel und Iran und Folgen für Kreditratings im Kontext des Ukrainekriegs</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 08:11:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein offener Krieg zwischen Vereinigte Staaten, Israel und Iran würde die geopolitische Architektur des Nahen Ostens grundlegend verändern und erhebliche Auswirkungen auf internationale Finanzmärkte und staatliche Kreditratings haben. Für Ratingagenturen steht in einem solchen Szenario weniger die militärische Dynamik im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie sich fiskalische Belastungen, wirtschaftliche Schocks, Energiepreisvolatilität und politische Stabilität [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein offener Krieg zwischen Vereinigte Staaten, Israel und Iran würde die geopolitische Architektur des Nahen Ostens grundlegend verändern und erhebliche Auswirkungen auf internationale Finanzmärkte und staatliche Kreditratings haben. Für Ratingagenturen steht in einem solchen Szenario weniger die militärische Dynamik im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie sich fiskalische Belastungen, wirtschaftliche Schocks, Energiepreisvolatilität und politische Stabilität auf die Schuldentragfähigkeit einzelner Staaten auswirken.</p>
<p>Ein militärischer Konflikt in dieser Konstellation hätte unmittelbare Effekte auf Energiepreise, insbesondere wenn Lieferketten im Persischen Golf oder in der Straße von Hormus beeinträchtigt würden. Steigende Ölpreise können für energieexportierende Staaten kurzfristig zu höheren Einnahmen führen, gleichzeitig aber die globale Inflation antreiben und das Wachstum in importabhängigen Volkswirtschaften dämpfen. Ratingagenturen müssten daher differenzieren: Während rohstoffreiche Länder kurzfristig fiskalisch profitieren könnten, würden stark verschuldete Energieimporteure mit höheren Subventionskosten und wachsendem Haushaltsdruck konfrontiert.</p>
<p>Für Israel selbst würde ein ausgedehnter Krieg steigende Verteidigungsausgaben, mögliche Produktionsausfälle und sinkende Investitionen bedeuten. Selbst wenn das Land über eine diversifizierte, innovationsgetriebene Wirtschaft verfügt, könnten längere Kampfhandlungen zu einer Neubewertung des Ausblicks führen, insbesondere wenn sich das Haushaltsdefizit ausweitet oder das Vertrauen internationaler Kapitalmärkte sinkt. Die Vereinigten Staaten verfügen zwar über die Weltleitwährung und eine außergewöhnliche Refinanzierungsfähigkeit, doch auch hier würden steigende Militärausgaben und zusätzliche geopolitische Verpflichtungen in einer Phase ohnehin hoher Staatsverschuldung in Ratingmodellen berücksichtigt werden.</p>
<p>Eine zentrale Rolle spielen die Vereinigte Arabische Emirate sowie andere Staaten der Golfregion, die potenziell Ziel iranischer Vergeltungsschläge werden könnten. Angriffe auf kritische Infrastruktur, Häfen oder Energieanlagen würden nicht nur direkte Schäden verursachen, sondern auch Versicherungsprämien, Risikozuschläge und Finanzierungskosten erhöhen. Selbst bei robusten Staatsfinanzen könnten Ratingagenturen bei einer dauerhaften Verschlechterung der Sicherheitslage den Ausblick anpassen. Länder wie Saudi-Arabien oder Katar wären je nach Intensität des Konflikts ebenfalls mit höheren geopolitischen Risikoaufschlägen konfrontiert, auch wenn ihre hohen Devisenreserven kurzfristig stabilisierend wirken.</p>
<p>Darüber hinaus ist die geopolitische Verflechtung zwischen dem Iran und Russland von erheblicher Bedeutung. Der Iran gilt als militärischer Zulieferer und als Partner bei der Umgehung westlicher Sanktionen, was indirekt Auswirkungen auf den Krieg in der Ukraine hat. Sollte ein Regimewechsel in Teheran erfolgen oder die militärische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Iran stark eingeschränkt werden, könnte sich der Druck auf Russland erhöhen. Ratingtechnisch würde dies bedeuten, dass sich die geopolitische Risikolage für osteuropäische Staaten und für die Ukraine selbst perspektivisch verändern könnte. Ein geschwächter iranischer Unterstützungsapparat für Moskau könnte mittelbar die Dauer und Intensität des Ukrainekriegs beeinflussen, was wiederum fiskalische Belastungen und Wiederaufbauperspektiven neu bewerten ließe.</p>
<p>Gleichzeitig darf nicht übersehen werden, dass ein Regimewechsel im Iran kurzfristig erhebliche Instabilität, Kapitalflucht und Produktionsausfälle verursachen könnte. Für das Land selbst wären weitere Herabstufungen wahrscheinlich, sofern nicht schnell eine international anerkannte, wirtschaftlich reformorientierte Regierung etabliert würde. Der Iran wird aufgrund der Sanktionen von US-amerikanischen Agenturen ohnehin nicht geratet. Langfristig könnte jedoch eine politische Öffnung zu einer schrittweisen Reintegration in globale Kapitalmärkte führen, was positive Ratingperspektiven eröffnen würde.</p>
<p>Insgesamt würden Ratingagenturen bei einem solchen Kriegsszenario mehrere Ebenen gleichzeitig analysieren: unmittelbare fiskalische Kosten, Auswirkungen auf Wachstum und Inflation, geopolitische Eskalationsrisiken sowie mögliche strukturelle Veränderungen in Allianzen und Handelsströmen. Besonders sensibel wären Länder mit hoher Auslandsverschuldung, geringer fiskalischer Flexibilität oder starker Abhängigkeit von regionaler Stabilität. Der Konflikt hätte damit nicht nur militärische und politische, sondern auch tiefgreifende finanzielle Konsequenzen, die sich in veränderten Risikoaufschlägen, Ausblicksanpassungen und potenziellen Ratingherabstufungen widerspiegeln könnten.</p>
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		<title>Argentinien zwischen Reformhoffnung und Ratingwende</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Feb 2026 09:30:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Argentinien steht nach Jahren chronischer Instabilität an einem möglichen Wendepunkt, dessen Tragweite bis in die Einschätzungen internationaler Ratingagenturen hineinreicht. Nach dem klaren Sieg von Präsident Javier Milei bei den Zwischenwahlen 2025 sieht James Donald von Lazard Asset Management ein enges Zeitfenster, in dem Glaubwürdigkeit dauerhaft verankert werden muss. „Wir sehen ein Zeitfenster von zwölf bis [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Argentinien steht nach Jahren chronischer Instabilität an einem möglichen Wendepunkt, dessen Tragweite bis in die Einschätzungen internationaler Ratingagenturen hineinreicht. Nach dem klaren Sieg von Präsident Javier Milei bei den Zwischenwahlen 2025 sieht James Donald von Lazard Asset Management ein enges Zeitfenster, in dem Glaubwürdigkeit dauerhaft verankert werden muss. „Wir sehen ein Zeitfenster von zwölf bis achtzehn Monaten, in dem strukturelle Reformen verankert werden müssen“, sagt er, und warnt zugleich: „Bleibt die Umsetzung halbherzig, droht erneut ein Vertrauensverlust.“ Für Credit Ratings ist diese Aussage zentral, weil sie den Übergang von kurzfristiger Stabilisierung zu struktureller Verlässlichkeit markiert, den Ratingagenturen als Voraussetzung für nachhaltige Heraufstufungen betrachten.</p>
<p>Die makroökonomischen Eckdaten haben sich in kurzer Zeit deutlich verbessert. Die monatliche Inflation ist von etwa 20 Prozent Anfang 2024 auf rund 2 Prozent Ende 2025 gefallen, während erstmals seit über einem Jahrzehnt ein Primärüberschuss erzielt wurde. „Die Kombination aus sinkender Inflation und Haushaltsdisziplin ist die Grundlage für dauerhaft niedrigere Finanzierungskosten“, betont Donald. „Ohne diese beiden Faktoren wäre jede Marktberuhigung nur temporär.“ Für die Ratingpraxis bedeutet dies eine Aufwertung der geld- und fiskalpolitischen Glaubwürdigkeit, was sich in geringeren Risikoannahmen, stabileren Ausblicken und perspektivisch niedrigeren Länderrisikoaufschlägen niederschlagen kann.</p>
<p>Gleichzeitig bleibt das Risikoprofil fragil, da die Nettowährungsreserven nahe Null liegen und 2026 hohe Schuldendienstverpflichtungen anstehen. Allein diese Faktoren wirken in klassischen Ratingmodellen als Belastung für Liquiditäts- und Refinanzierungskennzahlen. Hinzu kommt die Frage der Wechselkursstrategie. Donald weist darauf hin, dass der Peso zuvor real überbewertet war, weil „der Wechselkurs monatlich nur um 1 Prozent abgewertet wurde, während die Inflation darüber lag“. Die angekündigte Flexibilisierung und der Aufbau von Reserven bis Ende 2026 sind daher nicht nur makroökonomisch, sondern auch ratingrelevant, da sie die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks erhöhen und die Wahrscheinlichkeit erneuter Zahlungsprobleme senken können.</p>
<p>Auch die Entwicklung der Risikoaufschläge spielt für die Wahrnehmung der Kreditwürdigkeit eine wichtige Rolle. Mit Spreads von rund 500 Basispunkten über US-Staatsanleihen signalisiert der Markt laut Donald, „dass die Reformfortschritte anerkannt werden“. Für Ratingagenturen ist dies kein formales Kriterium, wohl aber ein Stimmungsindikator, der zeigt, dass Investoren beginnen, politische Stabilität und Reformfortschritte in geringere Ausfallwahrscheinlichkeiten zu übersetzen. Ein gesicherter Marktzugang würde dieses Signal verstärken und könnte als externer Beleg für verbesserte Schuldentragfähigkeit dienen.</p>
<p>Langfristig hängt die Perspektive für eine nachhaltige Heraufstufung jedoch vom Wachstumspotenzial ab. Besonders der Energiesektor gilt als Hebel, da die Exporterlöse aus Öl und Gas bis 2030 massiv steigen könnten und auch Lithium-, Gold- und Agrarausfuhren zulegen dürften. „Sollten sich diese Projektionen realisieren, würde sich Argentiniens Schuldentragfähigkeit fundamental verbessern“, sagt Donald. „Das wäre der entscheidende Unterschied zu früheren Reformzyklen.“ Für Credit Ratings bedeutet dies, dass strukturelle Wachstumsquellen die fiskalische Basis verbreitern und damit die langfristige Rückzahlungsfähigkeit des Staates stärken würden.</p>
<p>In der Summe bleibt Argentinien ein Hochrisikoland, doch die Kombination aus sinkender Inflation, Haushaltsdisziplin und Reformtempo hat das Verhältnis von Risiko und Ertrag verschoben. Ob daraus eine dauerhafte Neubewertung durch die Ratingagenturen entsteht, hängt davon ab, ob politische Disziplin, Reserveaufbau und Marktzugang in den kommenden Monaten tatsächlich konsistent umgesetzt werden. „Argentinien ist kein defensives Investment“, resümiert Donald, „aber wenn die Reformagenda durchgehalten wird, könnte sich das aktuelle Umfeld im Rückblick als strategisches Einstiegsfenster erweisen.“</p>
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		<title>Rubios Kurswechsel-Narrativ und seine Bedeutung für Credit Ratings</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 13:41:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Branchenrating]]></category>
		<category><![CDATA[Länderrating]]></category>
		<category><![CDATA[Ratings]]></category>

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		<description><![CDATA[Die heutige Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz dürfte an den Finanzmärkten vor allem deshalb Aufmerksamkeit erregen, weil sie eine klare ideologische und wirtschaftspolitische Stoßrichtung signalisiert, die stärker auf nationale Interessen, Reindustrialisierung und strategische Autonomie setzt. Märkte reagieren nicht nur auf konkrete Maßnahmen, sondern auf Narrative, die zukünftige Politik vorwegnehmen, und genau hier [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die heutige Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz dürfte an den Finanzmärkten vor allem deshalb Aufmerksamkeit erregen, weil sie eine klare ideologische und wirtschaftspolitische Stoßrichtung signalisiert, die stärker auf nationale Interessen, Reindustrialisierung und strategische Autonomie setzt. Märkte reagieren nicht nur auf konkrete Maßnahmen, sondern auf Narrative, die zukünftige Politik vorwegnehmen, und genau hier setzt Rubio an, wenn er den historischen Rahmen betont: „Wir versammeln uns heute hier als Mitglieder eines historischen Bündnisses – eines Bündnisses, das die Welt gerettet und verändert hat.“ Solche Formulierungen unterstreichen die Bedeutung transatlantischer Beziehungen, was grundsätzlich stabilisierend auf europäische Risikoassets wirken kann, weil Investoren Kontinuität in der sicherheitspolitischen Kooperation erwarten.</p>
<p>Gleichzeitig enthält die Rede deutliche Kritik an Globalisierung und Freihandel, was potenziell volatilitätssteigernd wirkt. Wenn Rubio sagt, man habe „eine dogmatische Vision von freiem und uneingeschränktem Handel“ verfolgt, die zur Deindustrialisierung geführt habe, signalisiert das eine mögliche Unterstützung für protektionistischere Maßnahmen oder industriepolitische Eingriffe. Für Aktienmärkte bedeutet das typischerweise eine Sektorrotation: Industriewerte, Rüstungsunternehmen und Infrastruktur könnten profitieren, während exportabhängige Branchen und global integrierte Lieferketten unter Druck geraten könnten. Auch Währungen reagieren sensibel auf solche Töne, weil sie langfristig Handelsströme beeinflussen.</p>
<p>Besonders aufmerksam dürften Anleihemärkte zuhören, wenn Rubio die Notwendigkeit betont, wirtschaftliche und militärische Stärke wieder aufzubauen. Seine Aussage, man wolle „unsere Wirtschaften neu industrialisieren und unsere Fähigkeit wiederaufbauen, unser Volk zu verteidigen“, deutet auf höhere Staatsausgaben hin, insbesondere für Verteidigung und Industriepolitik. Das kann langfristig zu höheren Renditen führen, weil Investoren steigende Haushaltsdefizite einpreisen. Gleichzeitig könnten europäische Staatsanleihen unterschiedlich reagieren, je nachdem, ob Märkte mehr fiskalische Integration oder nationale Alleingänge erwarten.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Punkt für die Märkte ist die geopolitische Dimension. Rubio betont mehrfach die enge Verbindung zwischen den USA und Europa und sagt: „Wir wollen, dass Europa stark ist.“ Das kann als Signal interpretiert werden, dass die USA weiterhin sicherheitspolitisches Engagement zeigen, was tendenziell risikofreudige Marktstimmung unterstützt, weil geopolitische Unsicherheit ein zentraler Risikofaktor ist. Gleichzeitig erhöht seine Forderung nach mehr Eigenverantwortung Europas den Druck auf europäische Regierungen, Verteidigungsausgaben zu steigern, was wiederum positive Impulse für den europäischen Rüstungssektor bedeuten kann.</p>
<p>Deutlich kritischer sehen Märkte die Passagen, in denen Rubio internationale Institutionen infrage stellt. Wenn er sagt, die Vereinten Nationen hätten „bei den dringendsten Fragen, die vor uns liegen, keine Antworten“, könnte das als Hinweis auf eine stärker unilateral geprägte Außenpolitik interpretiert werden. Solche Signale erhöhen normalerweise die geopolitische Risikoprämie, was Gold, den US-Dollar und andere sichere Häfen kurzfristig stützen kann, während Aktienmärkte nervöser reagieren.</p>
<p>Auch Energie- und Klimapolitik spielen eine Rolle für die Marktbewertung. Rubios Kritik an Politik, die „unser Volk verarmen“ lasse, während andere Länder fossile Energien nutzen, deutet auf eine mögliche Verschiebung der Prioritäten hin. Für Energieunternehmen, insbesondere im fossilen Bereich, wären solche Signale positiv, während erneuerbare Energien stärker politischem Risiko ausgesetzt sein könnten, zumindest aus Sicht globaler Investoren, die politische Trends antizipieren.</p>
<p>Langfristig entscheidend ist der Ton der Rede, der stark auf Zivilisation, Souveränität und industrielle Basis abzielt. Seine Aussage, man wolle „für kritische Notwendigkeiten nicht von anderen abhängen“, passt in den globalen Trend zu strategischer Autonomie und Deglobalisierung. Märkte interpretieren solche Aussagen häufig als strukturellen Wandel hin zu regionaleren Wirtschaftsblöcken, was die Bewertung globaler Lieferketten, Logistikunternehmen und multinationaler Konzerne beeinflussen kann.</p>
<p>Schließlich wirkt auch der politische Kontext rund um Donald Trump auf die Marktreaktionen, da Rubio explizit auf dessen Agenda verweist. Wenn Investoren erwarten, dass diese Linie konkrete Politik wird, reagieren sie oft frühzeitig mit Anpassungen in Portfolioallokationen, insbesondere zugunsten von US-Industrie, Verteidigung und heimmarktorientierten Unternehmen.</p>
<p>Unterm Strich dürfte die Rede kurzfristig gemischte Reaktionen hervorrufen: unterstützend für Risikoassets durch das Bekenntnis zum transatlantischen Bündnis, aber gleichzeitig volatilitätssteigernd durch protektionistische und systemkritische Töne. Mittel- bis langfristig verstärkt sie das Narrativ einer Welt mit stärkerem geopolitischem Wettbewerb, mehr Industriepolitik und weniger Vertrauen in reine Marktintegration – ein Umfeld, in dem politische Signale wieder stärker zu den zentralen Treibern der Finanzmärkte gehören. Wenn du willst, kann ich dir auch konkret aufschlüsseln, welche Branchen und Anlageklassen historisch am stärksten auf solche politischen Signale reagieren.</p>
<p>Für Credit Ratings ist die in der Rede skizzierte wirtschaftspolitische Stoßrichtung vor allem deshalb relevant, weil sie auf höhere Staatsausgaben, stärkere Industriepolitik und eine mögliche Abkehr von multilateralen Strukturen hindeutet. Ratingagenturen achten besonders auf fiskalische Nachhaltigkeit, institutionelle Stabilität und die Vorhersehbarkeit der Politik. Wenn Regierungen im Zuge von Reindustrialisierung und höheren Verteidigungsausgaben ihre Haushaltsdefizite ausweiten, könnte das mittelfristig Druck auf die Bonitätsprofile ausüben, insbesondere bei Staaten mit ohnehin hoher Verschuldung. Gleichzeitig könnten strategische Investitionen in Infrastruktur und industrielle Basis von Agenturen auch positiv bewertet werden, sofern sie das langfristige Wachstumspotenzial erhöhen und die wirtschaftliche Resilienz stärken.</p>
<p>Das wahrscheinliche Verhalten großer Agenturen wie S&#038;P Global Ratings, Moody’s Investors Service und Fitch Ratings wäre zunächst vorsichtig abwartend, begleitet von stärkerem Fokus auf politische Risiken in ihren Ausblicken. Sie dürften genauer analysieren, ob eine stärker nationale Ausrichtung der Wirtschaftspolitik zu Handelskonflikten, geringerer wirtschaftlicher Integration oder erhöhter Volatilität führt, was typischerweise negative Ratingfaktoren sind. Gleichzeitig könnten sie in Szenarioanalysen stärker gewichten, ob eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und der industriellen Kapazitäten die strukturelle Kreditwürdigkeit verbessert, etwa durch stabilere Lieferketten und geringere externe Abhängigkeiten.</p>
<p>Auf der Ebene von Unternehmensratings könnten insbesondere Branchen mit Bezug zu Verteidigung, Infrastruktur und strategischen Industrien von stabileren oder verbesserten Ausblicken profitieren, während exportorientierte Sektoren stärker unter Beobachtung geraten dürften, falls protektionistische Maßnahmen zunehmen. Insgesamt würden Ratingagenturen wahrscheinlich stärker qualitative Faktoren wie geopolitische Risiken, politische Kohärenz und institutionelle Effektivität betonen, weil die Rede klar signalisiert, dass wirtschaftliche Entscheidungen stärker politisch motiviert sein könnten. Für Investoren bedeutet das ein Umfeld, in dem Ratingänderungen häufiger durch politische Richtungswechsel ausgelöst werden könnten als durch rein konjunkturelle Entwicklungen.</p>
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		<title>Wenn die Unabhängigkeit der Fed zum Ratingfaktor wird</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 16:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Diskussion um die Unabhängigkeit der US-Notenbank ist längst zu einem zentralen Faktor für die Bewertung der wirtschaftlichen Stabilität der Vereinigten Staaten geworden. Für unabhängige Ratingagenturen zählt nicht nur die Höhe der Staatsverschuldung oder das Wachstum, sondern auch die institutionelle Verlässlichkeit der Geldpolitik. Genau hier setzt die Analyse von Axel D. Angermann an. Der Chef-Volkswirt [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Diskussion um die Unabhängigkeit der US-Notenbank ist längst zu einem zentralen Faktor für die Bewertung der wirtschaftlichen Stabilität der Vereinigten Staaten geworden. Für unabhängige Ratingagenturen zählt nicht nur die Höhe der Staatsverschuldung oder das Wachstum, sondern auch die institutionelle Verlässlichkeit der Geldpolitik. Genau hier setzt die Analyse von Axel D. Angermann an. Der Chef-Volkswirt der FERI Gruppe schreibt: „Würde die Federal Reserve (Fed) auf diese Linie einschwenken, wäre ihre Unabhängigkeit faktisch beendet. Damit ginge ein wesentlicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor der USA der vergangenen Jahrzehnte verloren.“ Aus Sicht der Ratingagenturen wäre ein solcher Vertrauensverlust kein politisches Detail, sondern ein strukturelles Risiko für die Bonität des Landes.</p>
<p>Die Nominierung von Kevin Warsh als möglicher Nachfolger von Jerome Powell wird deshalb von den Kapitalmärkten nicht nur als Personalie, sondern als Signal an Investoren und Bewertungsinstitutionen verstanden. Angermann betont, dass Warsh zwar möglichen Zinssenkungen offener gegenübersteht, aber „keine ausgewiesene Taube“ ist. Seine fachliche Eignung stehe „als ehemaliger Notenbankgouverneur außer Frage“. Für Ratingagenturen ist diese Einschätzung entscheidend, da sie Stabilität und Kontinuität in der Geldpolitik als Grundlage für ein hohes Credit Rating ansehen.</p>
<p>Besonders relevant ist auch die Zusammensetzung des Offenmarktausschusses. Angermann verweist darauf, dass „der Chairman die geldpolitischen Entscheidungen nicht allein“ trifft, sondern mit elf weiteren Mitgliedern, von denen mehrere aktuell „geldpolitisch falkenhafter als ihre Vorgänger“ seien. Daraus folgert er, dass das Entscheidungsgremium „im Vergleich zum vergangenen Jahr insgesamt weniger geneigt“ ist, politischen Druck zu akzeptieren. Für die Kreditwürdigkeit der USA bedeutet dies, dass die institutionellen Kontrollmechanismen bislang noch greifen.</p>
<p>Gleichzeitig warnt Angermann vor den möglichen Folgen eines politischen Eingriffs in die Notenbank. Er schreibt: „Wird die Unabhängigkeit der Fed ernsthaft infrage gestellt, drohen massive Finanzmarktturbulenzen.“ Besonders wahrscheinlich seien „ein weiterer drastischer Verfall des US-Dollars und deutlich steigende Langfristzinsen“. Für Ratingagenturen wären genau diese Entwicklungen ein klares Warnsignal, da sie die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen unmittelbar belasten würden.</p>
<p>Trotz der kurzfristigen Beruhigung bleibt die Lage fragil. Angermann macht deutlich, dass die Gefahr nicht gebannt ist: „Mittel- bis langfristig werden die Versuche weitergehen, die Unabhängigkeit zu unterminieren.“ Für Investoren und Ratingagenturen bedeutet dies, dass die politische Einflussnahme auf die Geldpolitik zu einem dauerhaften Risikofaktor für das Credit Rating der USA geworden ist.</p>
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		<title>Emerging-Markets-Anleihen 2026: Verbesserte Fundamentaldaten und stabile Marktstruktur schaffen Chancen</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2026 10:35:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Diskussion um Emerging-Markets-Anleihen war lange von Volatilität und Unsicherheit geprägt, doch im Jahr 2026 zeichnet sich eine strukturelle Neubewertung dieser Anlageklasse ab. Thomas Christiansen, Head of Emerging Markets Fixed Income bei der UBP, beschreibt in seinem Marktkommentar einen grundlegenden Wandel, der nicht nur auf kurzfristigen Marktbewegungen beruht, sondern auf nachhaltig verbesserten Rahmenbedingungen. Während viele [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Diskussion um Emerging-Markets-Anleihen war lange von Volatilität und Unsicherheit geprägt, doch im Jahr 2026 zeichnet sich eine strukturelle Neubewertung dieser Anlageklasse ab. Thomas Christiansen, Head of Emerging Markets Fixed Income bei der UBP, beschreibt in seinem Marktkommentar einen grundlegenden Wandel, der nicht nur auf kurzfristigen Marktbewegungen beruht, sondern auf nachhaltig verbesserten Rahmenbedingungen. Während viele entwickelte Volkswirtschaften mit steigenden Finanzierungskosten und einer angespannten Fiskalpolitik kämpfen, zeigen zahlreiche Schwellenländer eine deutlich robustere Ausgangslage. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Kreditratings wider, denn „2025 lag das Verhältnis von Rating-Upgrades zu Downgrades bei rund 2:1 – ein klares Signal für eine strukturelle Verbesserung innerhalb der Anlageklasse“.</p>
<p>Neben der verbesserten Bonität hat sich auch die Marktstruktur gewandelt. Ein wachsender Anteil lokaler Investoren reduziert die Abhängigkeit von internationalen Kapitalströmen und erhöht die Stabilität über den gesamten Marktzyklus hinweg. Gleichzeitig steht die Unternehmensseite auf einem soliden Fundament. Die durchschnittliche Nettoverschuldung liegt bei nur etwa 1,2x und damit nicht nur unter dem Niveau der entwickelten Märkte, sondern auch deutlich unter den Werten von vor zehn Jahren. Diese konservative Bilanzqualität trägt wesentlich zu stabileren Erträgen und einer attraktiveren Spread-Vergütung bei, was die Anlageklasse für Investoren wieder interessanter macht.</p>
<p>Trotz der in den vergangenen Jahren erfolgten Spread-Einengung bestehen weiterhin Renditechancen. Die Kapitalflüsse haben sich 2025 klar gedreht und sind wieder positiv, während die Anlageklasse global nach wie vor untergewichtet ist. Dieses strukturelle Unterinvestment eröffnet zusätzlichen Spielraum für weitere Zuflüsse, sobald Investoren die verbesserten Fundamentaldaten stärker in ihre Allokationsentscheidungen einbeziehen. Besonders hervorzuheben sind Lokalwährungsanleihen, die von hohen realen Zinsen, einem attraktiven Verhältnis von Carry zu Volatilität sowie der Erwartung eines moderat schwächeren US-Dollars profitieren. Dieser Effekt entlastet Emittenten mit Dollarverbindlichkeiten und erhöht zugleich das Renditepotenzial lokaler Währungen.</p>
<p>Auch Frontier Markets rücken in diesem Umfeld stärker in den Fokus. Zwar bleiben sie ein Nischenmarkt, doch sie bieten für selektive Investoren überdurchschnittliche Chancen bei weiterhin robuster Wachstumsbasis. Insgesamt vereinen Schwellenländeranleihen für 2026 attraktive Ertragschancen, eine weiter verbesserte Kreditqualität und einen hohen Diversifikationseffekt. Geopolitische Risiken und mögliche Gegenbewegungen des US-Dollars bleiben zwar relevante Themen, dominieren das Marktbild derzeit jedoch nicht. Angesichts der robusten Fundamentaldaten, der geringen Allokationen und der zunehmenden Stabilität der Anlageklasse spricht vieles dafür, dass EM-Anleihen im kommenden Jahr überdurchschnittlich abschneiden dürften.</p>
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		<title>EM-Unternehmensanleihen: Warum Fundamentaldaten und Makro-Trends die Bewertungen stützen</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2026 10:33:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[EM-Unternehmensanleihen stehen weiterhin im Fokus internationaler Investoren, da sie in einem Umfeld moderater Zinsen und stabiler Konjunktur attraktive Ertragschancen bieten. Trotz bereits enger Spreads und hoher Nachfrage bleibt der Ausblick für diese Anlageklasse positiv, weil sowohl die Fundamentaldaten der Emittenten als auch das makroökonomische Umfeld unterstützend wirken. Denise Simon, Portfoliomanagerin und Analystin im Emerging Market [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>EM-Unternehmensanleihen stehen weiterhin im Fokus internationaler Investoren, da sie in einem Umfeld moderater Zinsen und stabiler Konjunktur attraktive Ertragschancen bieten. Trotz bereits enger Spreads und hoher Nachfrage bleibt der Ausblick für diese Anlageklasse positiv, weil sowohl die Fundamentaldaten der Emittenten als auch das makroökonomische Umfeld unterstützend wirken. Denise Simon, Portfoliomanagerin und Analystin im Emerging Market Debt-Team bei Lazard Asset Management, betont, dass die Anlageklasse „weiterhin attraktive laufende Erträge“ biete und zudem „noch etwas Potenzial für weitere Spreadeinengungen bei Schwellenländeranleihen relativ zu US-Unternehmensanleihen“ bestehe.</p>
<p>Ein zentraler Grund für diese Einschätzung liegt in der robusten finanziellen Verfassung vieler Emittenten. Simon analysiert: „Mit Ausnahme einiger Emittenten aus der Chemiebranche sind die Unternehmensfundamentaldaten insgesamt weiterhin solide und bewegen sich am oberen Ende der historischen Bandbreite.“ Diese Stabilität schafft Vertrauen bei Investoren und bildet die Grundlage dafür, dass die aktuellen Bewertungen trotz der bereits engen Spreads als gerechtfertigt angesehen werden können. Gleichzeitig trägt das makroökonomische Umfeld zur Unterstützung bei. „Viele Entwicklungs- und Schwellenländer verzeichnen ein angemessenes Wirtschaftswachstum, eine gedämpfte Inflation und profitieren von stärkeren Währungen“, so Simon. In mehreren Ländern verbessern sich zudem die fundamentalen Trends nach Phasen erhöhter Belastung, während politische Veränderungen, etwa in Lateinamerika, zusätzliche wirtschaftsfreundliche Impulse liefern könnten.</p>
<p>Auch von der geldpolitischen Seite kommen unterstützende Signale. Die Erwartung stabiler bis sinkender US-Zinsen wirkt entlastend für Schwellenländeranleihen und erhöht deren Attraktivität im Vergleich zu US-Unternehmensanleihen. Laut Simon profitieren sie „aufgrund technischer Faktoren von höheren Renditen und Spreads in den Schwellenländern im Vergleich zu den USA“, was die Nachfrage nach Anlagen außerhalb der Vereinigten Staaten zusätzlich antreibt. Dennoch weist sie darauf hin, dass der Markt nicht frei von Risiken ist. Eine Belebung der Neuemissionstätigkeit könne zeitweise für Gegenwind sorgen und die Kurse belasten, auch wenn dies aus langfristiger Sicht neue Chancen eröffnet.</p>
<p>In ihrem Fazit unterstreicht Simon, dass das aktuelle Spreadniveau zwar „am unteren Ende der historischen Spannen“ liege und damit das durchschnittliche Kurspotenzial begrenze, die Bewertungen jedoch weiterhin durch Fundamentaldaten und das gesamtwirtschaftliche Umfeld gestützt würden. Gleichzeitig eröffnet die unterschiedliche Bewertung einzelner Emittenten Spielraum für eine gezielte Titelauswahl. „Darüber hinaus erwarten wir, dass sowohl Neuemissionen als auch unterjährige Volatilität potenzielle Alphaquellen bieten“, sagt sie. Zugleich mahnt sie zur Vorsicht, da der geringere Spreadpuffer die Fehlertoleranz reduziere. Eine sorgfältige Kreditauswahl und ein aktives Portfoliorisikomanagement bleiben daher entscheidend, um in diesem Marktumfeld nachhaltig erfolgreich zu sein. U</p>
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		<title>Venezuela-Krise: Geopolitische Risiken und ihre Bedeutung für Ratings und Creditmärkte</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Jan 2026 09:29:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktienrating]]></category>
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		<description><![CDATA[Die politischen Umwälzungen in Venezuela sind weniger ein isoliertes regionales Ereignis als vielmehr ein Stresstest für die Risikowahrnehmung an den globalen Kapitalmärkten – mit klaren Implikationen für Credit Spreads, Länder- und Sektorratings sowie die Allokation institutioneller Investoren. In Phasen geopolitischer Unsicherheit reagieren Märkte typischerweise nicht nur über Preise, sondern auch über eine Neubewertung von Ausfallrisiken, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die politischen Umwälzungen in Venezuela sind weniger ein isoliertes regionales Ereignis als vielmehr ein Stresstest für die Risikowahrnehmung an den globalen Kapitalmärkten – mit klaren Implikationen für Credit Spreads, Länder- und Sektorratings sowie die Allokation institutioneller Investoren. In Phasen geopolitischer Unsicherheit reagieren Märkte typischerweise nicht nur über Preise, sondern auch über eine Neubewertung von Ausfallrisiken, Refinanzierungsbedingungen und langfristiger Schuldentragfähigkeit. Die jüngsten Entwicklungen bestätigen dieses Muster, auch wenn die unmittelbaren Marktreaktionen bislang begrenzt bleiben.</p>
<p>Kurzfristig zeigte sich die klassische Flucht in sichere Anlagen. Gold und der US-Dollar legten spürbar zu, was weniger als Signal einer systemischen Krise zu lesen ist, sondern vielmehr als temporäre Risikoabsicherung. Michael Bradshaw, Leiter Edelmetalle bei Allspring Global Investments, bringt dies auf den Punkt: „Infolge der politischen Unruhen in Venezuela stieg der Goldpreis um fast zwei Prozent und unterstrich damit seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen in Zeiten der Unsicherheit.“ Für Kreditmärkte ist diese Bewegung insofern relevant, als sie auf eine erhöhte Sensibilität gegenüber politischen Schocks hindeutet, ohne bislang eine nachhaltige Risikoaversion auszulösen. Bradshaw relativiert zugleich die langfristige Bedeutung geopolitischer Impulse für Bewertungsmodelle: „Aus unserer Sicht sind geopolitische Ereignisse wie dieses zwar grundsätzlich ein Grund, Gold zu besitzen, aber nicht unbedingt ein Grund, heute Gold zu kaufen.“</p>
<p>Für Sovereign- und Corporate-Credit-Analysten steht Venezuela selbst weiterhin außerhalb des investierbaren Universums vieler institutioneller Portfolios. Entscheidend ist daher weniger das Land an sich als die Frage nach Zweitrundeneffekten, insbesondere über den Ölmarkt. Matthias Scheiber, Leiter Multi-Asset Solutions bei Allspring Global Investments, betont: „Zwar sind die unmittelbaren Auswirkungen offenbar auf einzelne Anlageklassen wie Gold und den US-Dollar beschränkt, doch die Auswirkungen auf Rohstoffe, die regionale Politik und die globale Machtbalance verdienen eine genauere Betrachtung.“ Aus Ratingsicht ist dabei zentral, dass Venezuela mit rund einem Prozent der weltweiten Ölproduktion angesichts eines von der Internationalen Energieagentur prognostizierten Überangebots von 3,8 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2026 keine preisbestimmende Rolle spielt. Entsprechend bleiben die Auswirkungen auf inflationsgetriebene Kreditrisiken und die Cashflow-Profile energieintensiver Schuldner überschaubar.</p>
<p>Mittelfristig verschiebt sich der Fokus jedoch auf strukturelle Faktoren, die auch in Kreditratings eine zentrale Rolle spielen: Investitionsklima, institutionelle Stabilität und Infrastrukturqualität. Trotz der weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven ist Venezuelas Produktionsbasis durch jahrzehntelange Unterinvestitionen und den Verfall der Infrastruktur geschwächt. Selbst bei einer politischen Stabilisierung würde eine signifikante Ausweitung der Förderung Jahre in Anspruch nehmen, was die kurzfristige Verbesserung der Schuldentragfähigkeit unrealistisch erscheinen lässt. Die von der Opposition in Aussicht gestellte Verdreifachung der Förderung auf rund drei Millionen Barrel pro Tag bleibt damit ein langfristiges Szenario mit hoher Unsicherheit – ein klassischer Fall, in dem Ratingagenturen Potenzial klar von Realisierbarkeit trennen.</p>
<p>Für Emerging Markets insgesamt ist der politische Umbruch dennoch relevant, da er die regionale Risikowahrnehmung beeinflusst. Derrick Irwin, Co-Head Intrinsic Emerging Markets Equity bei Allspring Global Investments, verweist auf die politische Signalwirkung: „Der politische Umbruch in Venezuela hat weitreichende Auswirkungen auf Lateinamerika und die globale Geopolitik.“ In einem Umfeld mehrerer wichtiger Wahlen in Lateinamerika im Jahr 2026 könnten politische Verschiebungen die fiskal- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen einzelner Länder verändern – ein Aspekt, der sich direkt in Ratingausblicken und Risikoaufschlägen niederschlägt, auch wenn Irwin betont, dass sich die grundsätzliche Einschätzung für den Großteil der Region bislang nicht geändert habe.</p>
<p>Auf globaler Ebene berührt Venezuela zudem die strategischen Kalküle großer Akteure wie China, was indirekt auch für Kreditmärkte relevant ist. Veränderungen in geopolitischen Allianzen und Machtprojektionen fließen zunehmend in qualitative Ratingfaktoren ein, etwa über Handelsbeziehungen, Investitionsströme oder Sanktionsrisiken. Ob die Ereignisse in Venezuela eher abschreckend oder eskalierend wirken, bleibt offen – in beiden Fällen erhöht sich jedoch die Bedeutung geopolitischer Szenarioanalysen im Credit Research.</p>
<p>Für Anleiheinvestoren bleibt die Lage vorerst kontrollierbar. Jamie Newton, Leiter des globalen Fixed Income Research bei Allspring Global Investments, fasst zusammen: „Die Anleiherenditen dürften stabil bleiben, da die Märkte bislang keine signifikante militärische Eskalation oder erhöhte Verteidigungsausgaben eingepreist haben.“ Damit rücken erneut die klassischen Treiber von Ratings und Credit Spreads in den Vordergrund: Geldpolitik, Inflation und Wachstumsperspektiven. Solange sich die Unsicherheit nicht zu einer breiteren geopolitischen Eskalation ausweitet, dürfte Venezuela eher als Mahnung dienen denn als Auslöser einer Neubewertung globaler Kreditrisiken.</p>
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