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	<title>Den Nutzen von Ratings erschließen &#187; Länderrating</title>
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		<title>Wirtschaft unter Druck: Coface senkt globale Wachstumsprognose und stuft acht Länder herab</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 10:34:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Coface]]></category>

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		<description><![CDATA[Die globale Wirtschaft steht im Sommer 2026 weiterhin unter erheblichem Druck, da sich die wirtschaftlichen Nachwirkungen des Nahost-Konflikts weltweit bemerkbar machen. Obwohl ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran vorübergehend zu einer fragilen Entspannung am Persischen Golf geführt hat, sind die globalen Lieferketten nachhaltig gestört, was den finanziellen Druck auf Unternehmen massiv erhöht. Vor [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die globale Wirtschaft steht im Sommer 2026 weiterhin unter erheblichem Druck, da sich die wirtschaftlichen Nachwirkungen des Nahost-Konflikts weltweit bemerkbar machen. Obwohl ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran vorübergehend zu einer fragilen Entspannung am Persischen Golf geführt hat, sind die globalen Lieferketten nachhaltig gestört, was den finanziellen Druck auf Unternehmen massiv erhöht. Vor diesem Hintergrund hat der internationale Kreditversicherer Coface reagiert und seine globale Wachstumsprognose für das Jahr 2026 auf 2,3 Prozent herabgesenkt. Laut Coface-Volkswirt Markus Kuger ist eine schnelle Normalisierung derzeit nicht in Sicht, da insbesondere die Straße von Hormus ein zentraler Engpass für den Transport von Öl, Gas und wichtigen Vorprodukten bleibt. Die Blockade dieser Route verdeutlicht das Ausmaß der Krise: Im Mai 2026 passierten lediglich 145 Schiffe die Straße von Hormus, während es im Vorjahreszeitraum noch über 3.300 waren.</p>
<p>Dieser logistische Stress führt in Kombination mit hohen Energiepreisen, die im Jahresdurchschnitt bei schätzungsweise 85 US-Dollar pro Barrel Öl liegen, zu einer spürbaren Belastung der Produktions- und Transportkosten. Kuger führt dazu aus, dass Unternehmen bereits von längeren Lieferzeiten, steigenden Kosten und ersten Engpässen berichten, worauf viele mit einem vorsorglichen Lageraufbau reagieren, der wiederum Liquidität bindet und die Margen zusätzlich belastet. In der Folge rechnet Coface mit einem weltweiten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent, wovon unter anderem die USA, Frankreich und Japan besonders stark betroffen sein dürften.</p>
<p>Die Auswirkungen treffen die verschiedenen Regionen der Erde mit unterschiedlicher Intensität. Während in Europa hohe Energiepreise und Unsicherheiten die Binnenkonjunktur dämpfen, sodass für die Eurozone nur ein Wachstum von 0,7 Prozent prognostiziert wird, kämpfen die USA mit einer wieder ansteigenden Inflation, die im Mai 4,2 Prozent erreichte und die Kaufkraft einkommensschwächerer Haushalte schmälert. In den Schwellenländern Lateinamerikas, wie beispielsweise in Brasilien mit einem Leitzins von 14,5 Prozent, führen eine restriktivere Geldpolitik und die Teuerung zu weiteren Erschwernissen. In Asien zeigt sich ein gespaltenes Bild, bei dem das verarbeitende Gewerbe und konsumnahe Branchen unter erheblichem Margendruck stehen, wohingegen die Halbleiterindustrie und andere technologiegetriebene Sektoren weiterhin robust wachsen.</p>
<p>Wegen dieser veränderten Rahmenbedingungen hat Coface in seinem aktuellen Risk Review die Länderrisikobewertung für acht Staaten nach unten korrigiert. Besonders heftig trifft es stark importabhängige Volkswirtschaften in Südostasien. Die Länder Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Vietnam wurden jeweils von der Stufe A4 auf B herabgestuft. Als Hauptursachen nennt Markus Kuger höhere Energieimportkosten, wachsende Inflation und einen zunehmenden Druck auf den Außenhandel, welche die wirtschaftliche Stabilität dieser Länder belasten, wobei in Vietnam zusätzlich noch steigende Produktionskosten und Lieferkettenprobleme hinzukommen. Ebenfalls in Asien wurde Kambodscha aufgrund seiner hohen Abhängigkeit von Energieimporten von C auf D herabgestuft.</p>
<p>Auch andere Kontinente und rohstoffabhängige Staaten bleiben von den Korrekturen nicht verschont. In Afrika verschlechterte sich das Risikoumfeld merklich, was zu einer Herabstufung von Tansania von B auf C sowie von Madagaskar von C auf D führte, da dort Inflation, eine schwächere Nachfrage und strukturelle Verwundbarkeiten den Ausschlag gaben. Sogar der Golfstaat Kuwait wurde von A4 auf B zurückgestuft. Die Begründung hierfür liegt in der ausgeprägten Abhängigkeit des Landes vom Öltransport durch die blockierte Straße von Hormus, was das Emirat im aktuellen Marktumfeld besonders anfällig für maritime Handelsstörungen macht.</p>
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		<title>Knapper Wahlsieg in Kolumbien stellt Credit Rating auf den Prüfstand</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 13:53:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Länderrating]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Präsidentschaftsstichwahl in Kolumbien hat den erwarteten politischen Kurswechsel gebracht, allerdings deutlich knapper als von vielen Beobachtern prognostiziert. Nach Auszählung von 99,9 Prozent der Stimmen kam Abelardo de la Espriella auf 49,7 Prozent der Stimmen, während Iván Cepeda 48,7 Prozent erreichte. Für die Finanzmärkte ist damit weniger der Wahlsieg selbst von Bedeutung als vielmehr die [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Präsidentschaftsstichwahl in Kolumbien hat den erwarteten politischen Kurswechsel gebracht, allerdings deutlich knapper als von vielen Beobachtern prognostiziert. Nach Auszählung von 99,9 Prozent der Stimmen kam Abelardo de la Espriella auf 49,7 Prozent der Stimmen, während Iván Cepeda 48,7 Prozent erreichte. Für die Finanzmärkte ist damit weniger der Wahlsieg selbst von Bedeutung als vielmehr die Frage, welche politischen Handlungsspielräume sich aus diesem engen Ergebnis ergeben.</p>
<p>Viktor Szabo, Investment Director EMD bei Aberdeen Investments, verweist darauf, dass „die Märkte weitgehend eingepreist hatten“, dass de la Espriella die Wahl gewinnen würde. Entscheidend sei nun, „was dieses knappe Mandat für die Regierbarkeit und die Umsetzung der Politik bedeutet“.</p>
<p>Aus Sicht der Investoren verbindet sich mit der neuen Regierung die Erwartung eines wirtschaftspolitischen Kurswechsels. Nach Einschätzung von Szabo dürfte eine Regierung unter de la Espriella Kolumbien „von der derzeitigen Kombination aus sehr lockerer Fiskalpolitik und sehr straffer Geldpolitik wegführen“. Insbesondere die Staatsfinanzen stehen dabei im Fokus. „Eine Haushaltskonsolidierung ist dringend erforderlich: Die Verschuldung steigt, die Finanzpolitik hat an Glaubwürdigkeit verloren“, betont der Experte.</p>
<p>Die neue Regierung hat bislang marktfreundliche Signale ausgesendet. Nach Angaben von Szabo habe das Wirtschaftsteam de la Espriellas „Anzeichen für eine straffere Fiskalpolitik, eine stärkere Achtung der makroökonomischen Institutionen sowie einen offeneren Ansatz bei Investitionen in Kohlenwasserstoffe und den Rohstoffsektor im Allgemeinen signalisiert“. Sollten diese Vorhaben umgesetzt werden, könnten sie das Vertrauen internationaler Investoren stärken, den Zugang zu Kapitalmärkten erleichtern und die mittelfristigen Wachstumsperspektiven verbessern.</p>
<p>Für die Bonitätsbewertung des Landes sind diese Entwicklungen von erheblicher Bedeutung. Ratingagenturen dürften genau beobachten, ob die neue Regierung ihre Ankündigungen tatsächlich in konkrete Maßnahmen umsetzt. Szabo weist darauf hin, dass die Agenturen „Nachweise dafür sehen wollen, dass die neue Regierung den Schuldenkurs wieder auf eine tragfähige Grundlage stellen kann“. Gelingt eine glaubwürdige Konsolidierung der Staatsfinanzen, könnte dies den Druck auf das aktuelle Credit Rating verringern und mittelfristig die Grundlage für einen stabileren Rating-Ausblick schaffen. Umgekehrt würde ein Ausbleiben von Reformen die Zweifel an der fiskalischen Tragfähigkeit verstärken und das Risiko negativer Ratingmaßnahmen erhöhen.</p>
<p>Allerdings bleibt die politische Ausgangslage schwierig. Der zentrale Unsicherheitsfaktor sei laut Szabo das verfügbare politische Kapital des künftigen Präsidenten. De la Espriella habe seinen Wahlkampf stark auf Fragen der inneren Sicherheit ausgerichtet, die nun voraussichtlich auch die politische Agenda der ersten Regierungsmonate prägen werden. Gleichzeitig offenbare das knappe Wahlergebnis „ein Land, das tief gespalten ist zwischen Kontinuität und Wandel“.</p>
<p>Diese Polarisierung könnte die Umsetzung wirtschaftspolitischer Reformen erschweren. Szabo warnt, dass „die Haushaltskonsolidierung, die Energiereformen und investitionsfreundliche Maßnahmen auf gesellschaftlichen und parlamentarischen Widerstand stoßen“ könnten. Gerade für Ratingagenturen ist daher nicht nur die wirtschaftspolitische Ausrichtung relevant, sondern auch die Fähigkeit der Regierung, stabile politische Mehrheiten zu organisieren und Reformen nachhaltig durchzusetzen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund werden Investoren und Bonitätsprüfer die Entwicklung in den kommenden Monaten genau verfolgen. Entscheidend wird sein, ob die neue Regierung eine strengere Sicherheitspolitik mit fiskalischer Disziplin und einer tragfähigen Koalitionsstrategie verbinden kann. Erst dann dürfte sich zeigen, ob der politische Wechsel tatsächlich zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten und damit auch der Kreditwürdigkeit Kolumbiens führt.</p>
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		<title>Zwischen mathematischer Präzision und systemischer Illusion</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2026 17:44:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Anleiherating]]></category>
		<category><![CDATA[Länderrating]]></category>
		<category><![CDATA[Ratings]]></category>
		<category><![CDATA[Egan-Jones]]></category>

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		<description><![CDATA[Die jüngsten Veröffentlichungen von Egan-Jones Ratings Company offenbaren einen bemerkenswerten Widerspruch innerhalb der modernen Ratingindustrie: Einerseits präsentiert sich das Haus als intellektueller Gegenentwurf zu etablierten Agenturen, andererseits reproduziert es genau jene strukturellen Unsicherheiten, die es selbst kritisiert. Besonders deutlich wird dies im Zusammenspiel des Essays „Rating Structured Securities – Secular Credit Risk Decay“ von Sylvain [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die jüngsten Veröffentlichungen von Egan-Jones Ratings Company offenbaren einen bemerkenswerten Widerspruch innerhalb der modernen Ratingindustrie: Einerseits präsentiert sich das Haus als intellektueller Gegenentwurf zu etablierten Agenturen, andererseits reproduziert es genau jene strukturellen Unsicherheiten, die es selbst kritisiert. Besonders deutlich wird dies im Zusammenspiel des Essays „Rating Structured Securities – Secular Credit Risk Decay“ von Sylvain Raynes und der parallel veröffentlichten Länderanalyse zum Kingdom of the Netherlands.</p>
<p>Raynes formuliert seine zentrale These mit fast missionarischem Gestus: „credit risk in structured finance is fundamentally different from that in corporate finance.“ Gleichzeitig wirft er Investoren und Ratingagenturen vor, strukturierte Produkte fälschlicherweise wie klassische Unternehmensanleihen zu behandeln. Während Unternehmensratings „static by definition“ seien, müssten strukturierte Finanzprodukte dynamisch bewertet werden. Seine Kritik zielt damit letztlich auf die Grundlogik traditioneller Ratingsysteme.</p>
<p>Die Argumentation wirkt auf den ersten Blick überzeugend. Tatsächlich unterliegen Verbriefungen einem kontinuierlichen Tilgungs- und Informationsprozess, der Risiken mit zunehmender Laufzeit transparenter macht. Raynes beschreibt dies fast deterministisch: „the rating of all securities in the trust will eventually telescope to AAA“. Genau an dieser Stelle beginnt jedoch das Problem. Denn die Behauptung, dass Ratings quasi naturgesetzlich gegen AAA konvergieren, blendet fundamentale Risiken systemischer Marktverwerfungen aus. Die Finanzkrise 2007/08 zeigte gerade, dass vermeintlich „deleveragende“ Strukturen unter Stressbedingungen keineswegs automatisch sicherer werden. Liquiditätsrisiken, Korrelationseffekte und makroökonomische Schocks können mathematische Konvergenzmodelle abrupt zerstören.</p>
<p>Besonders irritierend ist die rhetorische Selbstgewissheit, mit der Raynes seine Sichtweise präsentiert. Er bezeichnet seine These als „the most complicated no-brainer on the Street“. Diese Formulierung verrät ein technokratisches Grundverständnis, das Komplexität nicht reduziert, sondern immunisiert: Wer widerspricht, hat das Modell angeblich nur nicht verstanden. Die Geschichte der Finanzmärkte liefert allerdings genügend Beispiele dafür, dass gerade „selbst-evidente“ Modelle katastrophal scheitern können.</p>
<p>Hinzu kommt ein bemerkenswerter Widerspruch zwischen theoretischem Anspruch und regulatorischer Realität. Während der Essay die analytische Überlegenheit dynamischer Ratings suggeriert, verweist der Disclaimer mehrfach darauf, dass Egan-Jones „not an NRSRO“ für strukturierte Finanzierungen und Staatsanleihen ist. Damit entsteht ein paradoxes Bild: Eine Agentur kritisiert die etablierten Bewertungsmechanismen scharf, verfügt jedoch selbst in zentralen Segmenten nicht über die regulatorische Anerkennung, die für institutionelle Marktteilnehmer entscheidend ist.</p>
<p>Auch die Länderanalyse der Niederlande offenbart methodische Inkonsistenzen. Einerseits wird das Land mit „AA-“ bewertet, obwohl das „ratio-implied rating“ laut Bericht eigentlich „AA“ wäre. Die Abweichung wird lapidar mit „best judgement“ erklärt. Genau jene subjektive Komponente, die quantitative Modelle angeblich überwinden sollen, kehrt damit durch die Hintertür zurück. Besonders problematisch ist, dass die Prognosen gleichzeitig erhebliche Unsicherheiten enthalten: schwaches Wachstum, steigende Defizite, zunehmende Staatsausgaben und globale Handelsrisiken. Trotzdem bleibt die Tonalität bemerkenswert stabil und beinahe beruhigend.</p>
<p>Die Analyse arbeitet zudem mit einer auffälligen Vermischung von qualitativen und normativen Kategorien. Unter den „Credit Quality Drivers“ erscheinen etwa „Economic Freedom“ oder „Ease of Doing Business“. Dahinter steht die implizite Annahme, dass wirtschaftsliberale Strukturen automatisch zu besserer Kreditqualität führen. Diese Perspektive ist keineswegs neutral, sondern Ausdruck einer spezifischen ökonomischen Ideologie. Dass ein Staat hohe soziale Stabilität oder robuste öffentliche Infrastruktur aufweist, wird dagegen weit weniger prominent gewichtet.</p>
<p>Geradezu entlarvend wirken die zahlreichen Haftungsausschlüsse. Einerseits beansprucht Egan-Jones tiefgehende analytische Kompetenz, andererseits erklärt das Unternehmen ausdrücklich, man habe Daten vielfach „not independently verified“. Gleichzeitig betont die Agentur mehrfach, Ratings seien lediglich „statements of opinion and not statements of fact“. Diese Konstruktion ist typisch für die Ratingbranche: maximaler Einfluss bei minimaler Haftung.</p>
<p>Auch die permanente Betonung mathematischer Präzision erzeugt eine problematische Scheingenauigkeit. Raynes verweist auf „Dirac delta-functions“, „Wiener processes“ und „distributional convergence“, um Kreditrisiken quasi physikalisch erscheinen zu lassen. Doch Finanzmärkte sind keine mechanischen Systeme. Sie reagieren auf Politik, Psychologie, Regulierung und geopolitische Schocks. Die Sprache der Naturwissenschaft erzeugt hier vor allem Autorität.</p>
<p>Besonders bemerkenswert ist schließlich der implizite Konflikt zwischen Marktlogik und öffentlichem Interesse. Raynes argumentiert offen, Investoren würden durch dynamische Aufwertungen erhebliche Gewinne erzielen können: „the credit rating of the majority of your assets is understated“. Ratings erscheinen damit weniger als Instrument zur Risikoaufklärung denn als Werkzeug zur Kapitaloptimierung und Bilanzentlastung. Der eigentliche gesellschaftliche Zweck von Ratings — Transparenz und Stabilität — tritt in den Hintergrund.</p>
<p>Die Veröffentlichungen zeigen damit exemplarisch das Grundproblem moderner Ratingökonomie: Ratings sind keine objektiven Messungen, sondern Interpretationen unter Unsicherheit. Dennoch werden sie von Märkten, Banken und Regulierern behandelt, als besäßen sie naturwissenschaftliche Präzision. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr. Nicht in einzelnen Modellen oder Methoden, sondern im Glauben, komplexe Finanzrealitäten ließen sich dauerhaft in scheinbar eindeutige Buchstabenfolgen wie „AA-“ oder „AAA“ übersetzen.
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		<title>Emerging-Markets-Aktien: Der Beginn eines neuen Zyklus?</title>
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		<pubDate>Tue, 19 May 2026 07:18:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktienrating]]></category>
		<category><![CDATA[Anleiherating]]></category>
		<category><![CDATA[Länderrating]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Einschätzung von James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management in New York, zu den Perspektiven der Schwellenländeraktien verweist nicht nur auf Marktzyklen, Währungsentwicklungen und Gewinnwachstum, sondern lässt sich auch aus Sicht des Credit Ratings interpretieren. Denn die Attraktivität von Emerging Markets hängt eng mit der Bonität von Staaten, Unternehmen und [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einschätzung von James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management in New York, zu den Perspektiven der Schwellenländeraktien verweist nicht nur auf Marktzyklen, Währungsentwicklungen und Gewinnwachstum, sondern lässt sich auch aus Sicht des Credit Ratings interpretieren. Denn die Attraktivität von Emerging Markets hängt eng mit der Bonität von Staaten, Unternehmen und Finanzsystemen zusammen. Ratings spiegeln letztlich die Fähigkeit wider, wirtschaftliche Schocks zu absorbieren, Kapital effizient einzusetzen und Fremdkapital nachhaltig zu bedienen.</p>
<p>Wenn Donald feststellt: „Emerging-Markets-Aktien haben sich in den letzten zwölf Jahren in US-Dollar gerechnet schlechter entwickelt als andere Aktienmärkte“, verweist dies indirekt auf die enge Verbindung zwischen Währungsstabilität und Kreditwürdigkeit. Eine starke Dollarphase verschlechtert für viele Schwellenländer die Refinanzierungsbedingungen, weil ein erheblicher Teil der Staats- und Unternehmensverschuldung in US-Dollar denominiert ist. Aus Sicht der Ratingagenturen erhöht eine Dollaraufwertung deshalb häufig die externe Verwundbarkeit eines Landes. Sinkende Währungsreserven, steigende Schuldendienstquoten und Kapitalabflüsse wirken sich typischerweise negativ auf Sovereign Ratings aus. Dass Donald nun davon ausgeht, „dass der anhaltende Gegenwind durch den US-Dollar deutlich nachgelassen hat“, kann daher als Hinweis auf eine mögliche Stabilisierung der kreditrelevanten Fundamentaldaten vieler Emerging Markets interpretiert werden.</p>
<p>Besonders relevant ist seine Aussage: „Insgesamt sehen wir mittelfristig weiterhin einen stabilen bis schwächeren US-Dollar als den wahrscheinlicheren Kurs.“ Ein schwächerer Dollar reduziert in vielen Schwellenländern die Belastung aus Fremdwährungsschulden und verbessert gleichzeitig die Fähigkeit von Staaten und Unternehmen, internationale Verbindlichkeiten zu bedienen. Ratingagenturen bewerten solche Entwicklungen in der Regel positiv, weil sie Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken reduzieren. Gleichzeitig fördern stärkere Kapitalzuflüsse die Stabilität der Finanzmärkte und stärken die Devisenreserven, die für die Kreditwürdigkeit vieler EM-Staaten eine zentrale Rolle spielen.</p>
<p>Auch Donalds Verweis auf das hohe US-Zwillingsdefizit besitzt eine direkte Ratingdimension. Hohe Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite gelten langfristig als potenzielle Belastung für die fiskalische Stabilität und damit für die Bonität eines Staates. Sollte sich die relative Stärke der US-Wirtschaft tatsächlich abschwächen, wie Donald argumentiert, könnte dies zu einer Neubewertung globaler Kapitalströme führen. Für Emerging Markets wäre dies ratingtechnisch bedeutsam, weil Investoren dann verstärkt nach Märkten mit solideren Wachstumsperspektiven und attraktiveren Renditen suchen könnten.</p>
<p>Wenn Donald erklärt: „Wenn die Dominanz der US-Wirtschaft nachlässt, schwächt sich in der Regel auch der Dollar ab – was historisch positiv für EM-Aktien war“, verweist dies auf historische Phasen sinkender Risikoaufschläge. In solchen Zyklen verbessern sich häufig auch die Credit Spreads von Schwellenländeranleihen. Ratings profitieren insbesondere dann, wenn sich die wirtschaftliche Diversifizierung erhöht und die Abhängigkeit von kurzfristigen Kapitalzuflüssen sinkt.</p>
<p>Von zentraler Bedeutung für die Kreditqualität ist Donalds Hinweis auf die Unternehmensprofitabilität: „Viele Unternehmen in den Emerging Markets weisen heute eine Profitabilität auf, die mit der entwickelten Welt vergleichbar ist und teilweise sogar über der von Europa oder Japan liegt.“ Für das Credit Rating von Unternehmen ist nachhaltige Profitabilität ein Kernfaktor. Höhere Margen verbessern den operativen Cashflow, erhöhen die Zinsdeckungsfähigkeit und reduzieren das Ausfallrisiko. Gerade asiatische Technologieunternehmen profitieren inzwischen von global integrierten Wertschöpfungsketten und weisen teilweise Bilanzkennzahlen auf, die mit Investment-Grade-Emittenten aus Industrieländern konkurrieren können.</p>
<p>Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang Donalds Aussage: „Ein großer Teil des KI-bezogenen Geschäfts ist in den Emerging Markets beheimatet – insbesondere in Taiwan und Südkorea.“ Die technologische Führungsrolle von Taiwan und Südkorea stärkt nicht nur die Eigenkapitalstory dieser Märkte, sondern beeinflusst auch deren Kreditprofile positiv. Volkswirtschaften mit hoher technologischer Wertschöpfung verfügen tendenziell über resilientere Exportstrukturen, höhere Produktivität und bessere fiskalische Perspektiven. Diese Faktoren fließen regelmäßig in Sovereign- und Corporate-Ratings ein.</p>
<p>Die von Donald genannten Gewinnerwartungen für 2026 besitzen ebenfalls eine direkte Relevanz für die Bonitätsanalyse. Stark steigende Gewinne verbessern Kennzahlen wie Debt-to-EBITDA oder Interest Coverage Ratios. Besonders in Südkorea mit erwarteten Gewinnsteigerungen von rund 140 Prozent könnte dies zu einer Neubewertung von Unternehmensrisiken führen. Allerdings zeigt Donald zugleich ein wesentliches Merkmal professioneller Credit-Analyse, wenn er geopolitische Risiken klar adressiert. Seine Warnung, dass eine Eskalation im Nahen Osten „deutlich stärkere Folgen für Inflation, Weltwirtschaft und Kapitalmärkte haben“ könne, verweist auf die hohe Sensitivität von Ratings gegenüber geopolitischen Schocks.</p>
<p>Noch deutlicher wird dies bei seiner Aussage: „Dadurch würden die Ölpreise einen weiteren Schub in Richtung der 150-US-Dollar-Marke bekommen. In diesem Fall ist eine globale Rezession zu befürchten.“ Ein solcher Ölpreisschock hätte erhebliche Auswirkungen auf die Kreditqualität vieler Staaten und Unternehmen. Importabhängige Volkswirtschaften würden steigende Leistungsbilanzdefizite und höhere Inflationsraten erleben, während sich die Refinanzierungsbedingungen verschlechtern könnten. Gleichzeitig würden Rezessionsrisiken zu höheren Ausfallwahrscheinlichkeiten im Unternehmenssektor führen. Ratingagenturen reagieren in solchen Phasen häufig mit negativen Ausblicken oder Herabstufungen.</p>
<p>Donalds Hinweis auf strukturelle Veränderungen in Asien besitzt ebenfalls hohe Relevanz für Credit Ratings. Wenn Unternehmen in China, Südkorea und Taiwan künftig ihre Kapitalallokation stärker auf Effizienz und Profitabilität ausrichten, verbessert dies potenziell die Governance-Strukturen und die Kapitaldisziplin. Beides sind zentrale qualitative Faktoren in modernen Ratingmodellen. Unternehmen mit hoher Liquidität, disziplinierter Ausschüttungspolitik und effizientem Kapitaleinsatz erhalten in der Regel günstigeren Zugang zum Kapitalmarkt.</p>
<p>Auch die Aussage: „Wir möchten, dass sich Regionen unterschiedlich entwickeln und nicht alle Märkte gleichzeitig boomen oder schwächeln“, lässt sich ratingstrategisch interpretieren. Unterschiedliche Konjunkturzyklen reduzieren globale Klumpenrisiken und verbessern die Diversifikationsmöglichkeiten institutioneller Investoren. Für Kreditinvestoren bedeutet dies geringere Korrelationen zwischen Ausfallrisiken verschiedener Regionen und damit stabilere Portfolios.</p>
<p>Besonders aufschlussreich ist Donalds Beobachtung zum Anlegerverhalten: „Zum ersten Mal seit vielen Jahren stellen sich viele Investoren die Frage, ob sie zu stark in den USA und zu wenig in Schwellenländern investiert sind.“ Solche Kapitalumschichtungen beeinflussen unmittelbar die Finanzierungskosten von Staaten und Unternehmen. Sinkende Risikoaufschläge und höhere Nachfrage nach EM-Anleihen können die Kreditqualität stabilisieren, weil sich die Refinanzierungskosten verringern und die Kapitalmarktliquidität steigt.</p>
<p>Die historische Erinnerung Donalds an die Phase von 2001 bis 2007 unterstreicht schließlich, dass Emerging Markets in längeren Zyklen erhebliche Bonitätsverbesserungen durchlaufen können. Damals profitierten zahlreiche Länder von Rohstoffboom, Reformprogrammen und steigenden Devisenreserven. Viele Staaten erreichten erstmals Investment-Grade-Status oder verbesserten ihre Ratings signifikant. Sollte sich ein ähnlicher Zyklus erneut entwickeln, könnten sowohl Aktien- als auch Kreditmärkte der Schwellenländer von einer nachhaltigen Neubewertung profitieren.</p>
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		<title>Zwischen Endmodell und Entwicklungsprozess: Das unterschiedliche Selbstverständnis politischer Systeme in den USA und China</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 01:07:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Selbstverständnis politischer Systeme unterscheidet sich deutlich zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China, insbesondere in der Frage, ob ein politisches und gesellschaftliches Modell als weitgehend abgeschlossen oder als historisch fortlaufender Entwicklungsprozess verstanden wird. In vielen westlichen Demokratien, besonders in den USA, hat sich über Jahrzehnte hinweg die Vorstellung etabliert, dass die liberale Demokratie [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Selbstverständnis politischer Systeme unterscheidet sich deutlich zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China, insbesondere in der Frage, ob ein politisches und gesellschaftliches Modell als weitgehend abgeschlossen oder als historisch fortlaufender Entwicklungsprozess verstanden wird. In vielen westlichen Demokratien, besonders in den USA, hat sich über Jahrzehnte hinweg die Vorstellung etabliert, dass die liberale Demokratie in Verbindung mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung gewissermaßen den Endpunkt politischer Entwicklung darstellt. Diese Idee gewann vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges an Einfluss. Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama formulierte Anfang der 1990er Jahre die These vom „Ende der Geschichte“. Damit meinte er nicht, dass historische Ereignisse aufhören würden, sondern dass sich mit der liberalen Demokratie und der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ein politisches Modell durchgesetzt habe, das langfristig keine grundlegende ideologische Alternative mehr besitze. In diesem Denken wird die bestehende Ordnung weniger als historisches Experiment betrachtet, sondern eher als normativer Maßstab, an dem sich andere Systeme messen lassen müssen. Politische Auseinandersetzungen bewegen sich daher meist innerhalb des bestehenden Rahmens und betreffen Fragen der konkreten Ausgestaltung, etwa Steuersysteme, soziale Sicherung, Regulierung oder Bürgerrechte. Die grundlegenden institutionellen Prinzipien – Mehrparteiensystem, Gewaltenteilung, individuelle Freiheitsrechte und freie Wahlen – gelten dabei als stabile und im Grunde abgeschlossene Struktur.</p>
<p>Das offizielle Selbstverständnis der Volksrepublik China unterscheidet sich davon deutlich. Die Kommunistische Partei beschreibt das eigene System als „Sozialismus mit chinesischen Besonderheiten“ und betont immer wieder, dass sich China in einer langfristigen historischen Entwicklungsphase befindet. Ein zentraler Begriff in diesem Zusammenhang ist die sogenannte „primäre Phase des Sozialismus“. Diese Vorstellung besagt, dass China sich noch nicht in einem endgültigen Zustand sozialistischer Entwicklung befindet, sondern in einem langen Übergangsprozess, der möglicherweise viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte dauern kann. Innerhalb dieses Rahmens wird das politische und wirtschaftliche System bewusst als wandelbar dargestellt. Marktmechanismen, staatliche Planung, institutionelle Reformen und administrative Experimente werden nicht als Widerspruch zum System verstanden, sondern als notwendige Anpassungen auf dem Weg einer langfristigen Transformation. Besonders seit den Reformen unter Deng Xiaoping wird betont, dass wirtschaftliche Entwicklung, Modernisierung und institutionelle Anpassung Schritt für Schritt erfolgen müssen.</p>
<p>Diese Sichtweise spiegelt sich auch in den langfristigen Entwicklungsstrategien wider, die in China regelmäßig formuliert werden. Politische Programme werden häufig in Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten gedacht. Der Aufbau der Volksrepublik nach 1949, die Reform- und Öffnungspolitik seit 1978 sowie die heutigen Modernisierungsstrategien werden als aufeinanderfolgende Phasen eines größeren historischen Projekts dargestellt. Ziele wie die vollständige Modernisierung der Wirtschaft oder der Aufbau eines „modernen sozialistischen Staates“ werden oft in Perspektiven bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts formuliert. Dadurch entsteht das Bild eines politischen Systems, das sich bewusst als unfertig versteht und dessen Legitimation teilweise daraus abgeleitet wird, dass es sich ständig weiterentwickeln soll.</p>
<p>Hinter diesen unterschiedlichen Selbstbildern stehen auch verschiedene philosophische und historische Traditionen. Die politische Kultur der westlichen Demokratien ist stark von der europäischen Aufklärung geprägt. Vorstellungen von universellen Menschenrechten, individueller Freiheit und demokratischer Selbstbestimmung führten zu der Annahme, dass es prinzipiell ein bestmögliches politisches Modell geben könne, das für alle Gesellschaften anwendbar ist. Das chinesische politische Denken wurde dagegen über Jahrhunderte stärker von pragmatischen und historisch orientierten Traditionen beeinflusst, unter anderem vom Konfuzianismus, der großen Wert auf soziale Stabilität, moralische Ordnung und die Anpassungsfähigkeit staatlicher Strukturen legt. In dieser Perspektive steht weniger die Frage nach einem endgültigen idealen System im Vordergrund, sondern vielmehr die Fähigkeit eines Staates, sich an wechselnde historische Bedingungen anzupassen und langfristige Stabilität zu gewährleisten.</p>
<p>Gleichzeitig erfüllt das chinesische Entwicklungsnarrativ auch eine politische Funktion. Indem das System als historischer Prozess beschrieben wird, können bestehende Probleme oder Widersprüche als Teil eines Übergangs interpretiert werden. Wirtschaftliche Ungleichheiten, institutionelle Reformen oder neue politische Maßnahmen erscheinen in diesem Rahmen nicht als grundlegende Krise des Systems, sondern als Herausforderungen auf dem Weg zu einem langfristigen Ziel. Das erlaubt eine größere Flexibilität bei politischen Experimenten, etwa bei regionalen Sonderregelungen oder schrittweisen Reformen. Im westlichen Selbstverständnis dagegen werden Probleme oft eher als Abweichungen von einem bereits als richtig angesehenen Modell interpretiert.</p>
<p>In der Realität werden jedoch beide Selbstbilder zunehmend hinterfragt. In vielen westlichen Gesellschaften ist der Optimismus der frühen 1990er Jahre deutlich schwächer geworden. Politische Polarisierung, wirtschaftliche Krisen und internationale Machtverschiebungen haben Zweifel daran geweckt, ob die liberale Demokratie tatsächlich einen endgültigen historischen Endpunkt darstellt. Gleichzeitig wird auch in China diskutiert, inwieweit das offizielle Entwicklungsnarrativ eher eine politische Strategie zur Legitimation der bestehenden Machtstrukturen ist als eine offene Suche nach einem zukünftigen System. Trotz dieser Kritik bleibt der Unterschied im Selbstverständnis deutlich: Während das westliche Modell lange Zeit dazu neigte, sich als normatives Ziel politischer Entwicklung zu verstehen, präsentiert sich das chinesische System offiziell als ein historisches Projekt, dessen endgültige Form noch nicht erreicht ist.</p>
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		<title>Politische Stabilität und Reformkurs stärken Perspektiven für Japans Credit Ratings</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 07:52:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Der klare Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi und die daraus resultierende politische Stabilität in Japan haben nicht nur die Aktienmärkte beflügelt, sondern werfen auch ein neues Licht auf die Perspektiven für Credit Ratings des Landes. Mit 316 Sitzen verfügt ihre Liberaldemokratische Partei über mehr als zwei Drittel der Mandate im Unterhaus. „Sie ist nicht länger auf die Unterstützung ihres bisherigen Koalitionspartners angewiesen und kann Gesetzesinitiativen notfalls auch gegen das Oberhaus durchsetzen. Das erhöht die politische Handlungsfähigkeit deutlich“, betont June-Yon Kim, Lead-Portfoliomanager für japanische Aktien bei Lazard Asset Management. Für Ratingagenturen ist diese gestärkte Handlungsfähigkeit ein zentrales Element, da sie Reformfähigkeit, Planbarkeit und institutionelle Stabilität signalisiert.</p>
<p>„Politische Stabilität reduziert Unsicherheit – und das wird honoriert“, so Kim weiter. Diese Reduktion von Unsicherheit ist auch aus Sicht der Kreditwürdigkeit relevant: Eine verlässliche politische Mehrheit erleichtert die Umsetzung fiskalischer und struktureller Maßnahmen, was sich positiv auf die Einschätzung langfristiger Schuldentragfähigkeit auswirken kann. Die unmittelbare Marktreaktion mit neuen Rekordständen im Nikkei 225 und anhaltender Stärke des TOPIX unterstreicht das gestiegene Vertrauen der Investoren in die wirtschaftspolitische Kontinuität. Auch wenn Aktienkursentwicklungen kein direktes Ratingkriterium sind, spiegeln sie doch die Erwartungen hinsichtlich Wachstum, Unternehmensgewinnen und makroökonomischer Stabilität wider.</p>
<p>Gleichzeitig rückt die reflationäre Agenda der Regierung in den Fokus der Bonitätsanalyse. Gezielte Staatsausgaben und eine mögliche zweijährige Aussetzung der Verbrauchsteuer auf Lebensmittel und Getränke sollen Wachstum und Konsum stärken. „Zwar haben diese Pläne Bedenken hinsichtlich der Haushaltsdisziplin ausgelöst, wir sehen den jüngsten Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen jedoch eher als Ausdruck einer längst überfälligen wirtschaftlichen Normalisierung, denn als Zeichen fiskalischer Spannungen“, erklärt Kim. Für Credit Ratings ist entscheidend, ob zusätzliche Ausgaben strukturelles Wachstum generieren oder zu einer dauerhaften Ausweitung des Defizits führen. Die Regierung habe mehrfach betont, „Wachstumsimpulse mit solider Haushaltsführung verbinden zu wollen – ein entscheidender Faktor für die Stabilität der Anleihe- und Währungsmärkte“. Genau diese Balance zwischen Impulssetzung und fiskalischer Disziplin ist maßgeblich für die Bewertung der langfristigen Schuldentragfähigkeit.</p>
<p>Auch die Geldpolitik der Bank of Japan spielt für Ratingüberlegungen eine zentrale Rolle. Nach der Zinserhöhung im Dezember und einem Leitzins von 0,75 Prozent im Januar verfolgt die Notenbank einen graduellen, datenabhängigen Normalisierungspfad. Eine mögliche Anhebung in Richtung 1 Prozent bis zur Jahresmitte wird am Markt diskutiert. Entscheidend für die Bonität ist dabei, dass die geldpolitische Normalisierung glaubwürdig und konjunkturgerecht erfolgt. Steigende Zinsen können mittelfristig zwar die Zinslast des Staates erhöhen, signalisieren aber zugleich das Ende jahrzehntelanger Deflation und eine Rückkehr zu nominalem Wachstum – ein Faktor, der die Schuldenquote relativ zum Bruttoinlandsprodukt stabilisieren oder senken kann.</p>
<p>Strukturelle Reformen, insbesondere im Bereich Corporate Governance, sind ein weiterer Baustein mit indirekter Relevanz für das Länderrating. Strengere Vorgaben zum Umgang mit überschüssiger Liquidität könnten Unternehmen zu höherer Kapitaleffizienz bewegen. „Verbesserungen bei Kapitaleffizienz und Shareholder-Returns sind aus unserer Sicht zentrale Gründe für die nachhaltige Neubewertung des japanischen Marktes“, so Kim. Höhere Produktivität, bessere Kapitalallokation und steigende Gewinne stärken die Steuerbasis des Staates und damit langfristig auch dessen fiskalische Position.</p>
<p>Risiken bleiben jedoch bestehen. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Verhältnis zu China, sowie die Debatte um eine Reform des pazifistischen Artikels 9 der Verfassung könnten Unsicherheiten erzeugen, die sich negativ auf Investitionen und Wachstum auswirken. Für Ratingagenturen sind solche externen Risiken Bestandteil der politischen und institutionellen Analyse, insbesondere wenn sie potenziell Auswirkungen auf Verteidigungsausgaben oder Handelsbeziehungen haben.</p>
<p>Insgesamt deutet die aktuelle Entwicklung jedoch auf eine Stabilisierung und potenzielle Stärkung des makroökonomischen Umfelds hin. „Die Abkehr von jahrzehntelanger Deflation hin zu moderater Inflation verbessert die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Gewinnwachstum zusätzlich“, erklärt Kim. Sollte es der Regierung gelingen, Wachstumsimpulse, geldpolitische Normalisierung und Haushaltsdisziplin in Einklang zu bringen, könnten sich die positiven Signale der Kapitalmärkte mittelfristig auch in einer gefestigten oder verbesserten Einschätzung der Kreditwürdigkeit Japans niederschlagen.</p>
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		<title>Geopolitischer Schock und seine Folgen für Credit Ratings</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 11:55:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die jüngsten US-Militäraktionen markieren einen geopolitischen Einschnitt, dessen Tragweite weit über kurzfristige Marktbewegungen hinausgeht und insbesondere für Credit Ratings relevante Implikationen birgt. Wie Ebury-Marktstratege Matthew Ryan betont, habe der „Zeitpunkt und Umfang der US-Militäraktion viele Marktteilnehmer überrascht“, doch könnte „die unmittelbare Marktreaktion vergleichsweise begrenzt bleiben“. Für Ratingagenturen ist diese Einschätzung insofern bedeutsam, als sie zwischen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die jüngsten US-Militäraktionen markieren einen geopolitischen Einschnitt, dessen Tragweite weit über kurzfristige Marktbewegungen hinausgeht und insbesondere für Credit Ratings relevante Implikationen birgt. Wie Ebury-Marktstratege Matthew Ryan betont, habe der „Zeitpunkt und Umfang der US-Militäraktion viele Marktteilnehmer überrascht“, doch könnte „die unmittelbare Marktreaktion vergleichsweise begrenzt bleiben“. Für Ratingagenturen ist diese Einschätzung insofern bedeutsam, als sie zwischen temporären Schocks und strukturellen Verschlechterungen der Kreditqualität differenzieren müssen. Wenn, wie Ryan ausführt, „eine entsprechende Risikoprämie bereits teilweise in den Märkten eingepreist“ war und der Angriff „zu einem Zeitpunkt [erfolgte], als die Börsen geschlossen waren“, deutet dies zunächst auf eine begrenzte unmittelbare Volatilität in Refinanzierungskosten und Spreads hin. Dennoch verweist er darauf, dass „zunächst ein klassisches ‚Risk-off‘-Umfeld dominieren“ dürfte – ein Szenario, das typischerweise zu steigenden Risikoaufschlägen, restriktiveren Finanzierungsbedingungen und potenziell sinkender Schuldentragfähigkeit bei anfälligen Emittenten führt.</p>
<p>Für staatliche Schuldner sind vor allem die Auswirkungen auf Wechselkurse, Energiepreise und Kapitalflüsse ratingrelevant. Ryan erwartet, dass „der US-Dollar von der erhöhten Risikoaversion sowie von steigenden Energiepreisen profitieren“ dürfte, ebenso der Schweizer Franken, während „Schwellenländerwährungen hingegen anfällig“ erscheinen, „insbesondere von Ländern, die in hohem Maße Nettoimporteure von Öl sind“. Eine anhaltende Abwertung der Lokalwährungen in Kombination mit steigenden Ölpreisen würde in vielen Emerging Markets die Importrechnung erhöhen, Leistungsbilanzdefizite ausweiten und fiskalischen Druck verstärken. Ratingagenturen könnten in solchen Fällen negative Ausblicke oder Herabstufungen prüfen, wenn die externen Puffer – etwa Devisenreserven oder fiskalische Spielräume – nicht ausreichen, um den Schock abzufedern.</p>
<p>Auch auf Unternehmensebene sind differenzierte Effekte zu erwarten. Energieintensive Branchen sähen sich bei deutlich steigenden Ölpreisen mit Margendruck konfrontiert, was Kennzahlen wie EBITDA-Margen und Zinsdeckungsgrade verschlechtern könnte. Ryan warnt, dass „eine vollständige Blockade dieser zentralen Schifffahrtsroute des Iran […] aus Marktsicht das größte Risiko“ darstelle. In einem solchen Szenario könnten „die Öl-Futures nach unserer Einschätzung in Richtung der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel steigen“. Ein derartiger Preissprung hätte direkte Konsequenzen für die Kreditprofile von Airlines, Logistikunternehmen oder Chemiekonzernen, während Energieproduzenten und -exporteure profitieren könnten. Ratingentscheidungen würden entsprechend sektor- und unternehmensspezifisch ausfallen.</p>
<p>Gleichzeitig relativiert der historische Vergleich die Wahrscheinlichkeit dauerhafter Ratingverschiebungen. „Historisch betrachtet führen steigende geopolitische Risiken meist nur zu vorübergehenden Marktverwerfungen“, so Ryan, und „in der Regel erholen sich die Märkte relativ rasch, sobald der unmittelbare Schock nachlässt“. Für Kreditratings bedeutet dies, dass kurzfristige Volatilität allein selten ausreicht, um strukturelle Bonitätsveränderungen zu rechtfertigen. Entscheidend ist vielmehr, „wie nachhaltig die aktuellen Auswirkungen sein werden“, was „maßgeblich von mehreren ungewissen Faktoren“ abhänge, darunter „die Dauer und Ausweitung des Konflikts sowie die Lage an der Straße von Hormus“. Sollte der Konflikt zeitlich begrenzt bleiben und keine gravierenden Störungen der Energieversorgung nach sich ziehen, dürften Ratingmaßnahmen eher punktuell und vorsichtig ausfallen. Eine Eskalation hingegen könnte über höhere Energiepreise, verschärfte Finanzierungsbedingungen und schwächere Wachstumsprognosen eine breitere Neubewertung von Kreditrisiken auslösen – sowohl bei Staaten als auch bei Unternehmen.</p>
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		<title>Krieg zwischen den USA, Israel und Iran und Folgen für Kreditratings im Kontext des Ukrainekriegs</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2026 08:11:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein offener Krieg zwischen Vereinigte Staaten, Israel und Iran würde die geopolitische Architektur des Nahen Ostens grundlegend verändern und erhebliche Auswirkungen auf internationale Finanzmärkte und staatliche Kreditratings haben. Für Ratingagenturen steht in einem solchen Szenario weniger die militärische Dynamik im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie sich fiskalische Belastungen, wirtschaftliche Schocks, Energiepreisvolatilität und politische Stabilität [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein offener Krieg zwischen Vereinigte Staaten, Israel und Iran würde die geopolitische Architektur des Nahen Ostens grundlegend verändern und erhebliche Auswirkungen auf internationale Finanzmärkte und staatliche Kreditratings haben. Für Ratingagenturen steht in einem solchen Szenario weniger die militärische Dynamik im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie sich fiskalische Belastungen, wirtschaftliche Schocks, Energiepreisvolatilität und politische Stabilität auf die Schuldentragfähigkeit einzelner Staaten auswirken.</p>
<p>Ein militärischer Konflikt in dieser Konstellation hätte unmittelbare Effekte auf Energiepreise, insbesondere wenn Lieferketten im Persischen Golf oder in der Straße von Hormus beeinträchtigt würden. Steigende Ölpreise können für energieexportierende Staaten kurzfristig zu höheren Einnahmen führen, gleichzeitig aber die globale Inflation antreiben und das Wachstum in importabhängigen Volkswirtschaften dämpfen. Ratingagenturen müssten daher differenzieren: Während rohstoffreiche Länder kurzfristig fiskalisch profitieren könnten, würden stark verschuldete Energieimporteure mit höheren Subventionskosten und wachsendem Haushaltsdruck konfrontiert.</p>
<p>Für Israel selbst würde ein ausgedehnter Krieg steigende Verteidigungsausgaben, mögliche Produktionsausfälle und sinkende Investitionen bedeuten. Selbst wenn das Land über eine diversifizierte, innovationsgetriebene Wirtschaft verfügt, könnten längere Kampfhandlungen zu einer Neubewertung des Ausblicks führen, insbesondere wenn sich das Haushaltsdefizit ausweitet oder das Vertrauen internationaler Kapitalmärkte sinkt. Die Vereinigten Staaten verfügen zwar über die Weltleitwährung und eine außergewöhnliche Refinanzierungsfähigkeit, doch auch hier würden steigende Militärausgaben und zusätzliche geopolitische Verpflichtungen in einer Phase ohnehin hoher Staatsverschuldung in Ratingmodellen berücksichtigt werden.</p>
<p>Eine zentrale Rolle spielen die Vereinigte Arabische Emirate sowie andere Staaten der Golfregion, die potenziell Ziel iranischer Vergeltungsschläge werden könnten. Angriffe auf kritische Infrastruktur, Häfen oder Energieanlagen würden nicht nur direkte Schäden verursachen, sondern auch Versicherungsprämien, Risikozuschläge und Finanzierungskosten erhöhen. Selbst bei robusten Staatsfinanzen könnten Ratingagenturen bei einer dauerhaften Verschlechterung der Sicherheitslage den Ausblick anpassen. Länder wie Saudi-Arabien oder Katar wären je nach Intensität des Konflikts ebenfalls mit höheren geopolitischen Risikoaufschlägen konfrontiert, auch wenn ihre hohen Devisenreserven kurzfristig stabilisierend wirken.</p>
<p>Darüber hinaus ist die geopolitische Verflechtung zwischen dem Iran und Russland von erheblicher Bedeutung. Der Iran gilt als militärischer Zulieferer und als Partner bei der Umgehung westlicher Sanktionen, was indirekt Auswirkungen auf den Krieg in der Ukraine hat. Sollte ein Regimewechsel in Teheran erfolgen oder die militärische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Iran stark eingeschränkt werden, könnte sich der Druck auf Russland erhöhen. Ratingtechnisch würde dies bedeuten, dass sich die geopolitische Risikolage für osteuropäische Staaten und für die Ukraine selbst perspektivisch verändern könnte. Ein geschwächter iranischer Unterstützungsapparat für Moskau könnte mittelbar die Dauer und Intensität des Ukrainekriegs beeinflussen, was wiederum fiskalische Belastungen und Wiederaufbauperspektiven neu bewerten ließe.</p>
<p>Gleichzeitig darf nicht übersehen werden, dass ein Regimewechsel im Iran kurzfristig erhebliche Instabilität, Kapitalflucht und Produktionsausfälle verursachen könnte. Für das Land selbst wären weitere Herabstufungen wahrscheinlich, sofern nicht schnell eine international anerkannte, wirtschaftlich reformorientierte Regierung etabliert würde. Der Iran wird aufgrund der Sanktionen von US-amerikanischen Agenturen ohnehin nicht geratet. Langfristig könnte jedoch eine politische Öffnung zu einer schrittweisen Reintegration in globale Kapitalmärkte führen, was positive Ratingperspektiven eröffnen würde.</p>
<p>Insgesamt würden Ratingagenturen bei einem solchen Kriegsszenario mehrere Ebenen gleichzeitig analysieren: unmittelbare fiskalische Kosten, Auswirkungen auf Wachstum und Inflation, geopolitische Eskalationsrisiken sowie mögliche strukturelle Veränderungen in Allianzen und Handelsströmen. Besonders sensibel wären Länder mit hoher Auslandsverschuldung, geringer fiskalischer Flexibilität oder starker Abhängigkeit von regionaler Stabilität. Der Konflikt hätte damit nicht nur militärische und politische, sondern auch tiefgreifende finanzielle Konsequenzen, die sich in veränderten Risikoaufschlägen, Ausblicksanpassungen und potenziellen Ratingherabstufungen widerspiegeln könnten.</p>
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		<title>Argentinien zwischen Reformhoffnung und Ratingwende</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Feb 2026 09:30:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Argentinien steht nach Jahren chronischer Instabilität an einem möglichen Wendepunkt, dessen Tragweite bis in die Einschätzungen internationaler Ratingagenturen hineinreicht. Nach dem klaren Sieg von Präsident Javier Milei bei den Zwischenwahlen 2025 sieht James Donald von Lazard Asset Management ein enges Zeitfenster, in dem Glaubwürdigkeit dauerhaft verankert werden muss. „Wir sehen ein Zeitfenster von zwölf bis [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Argentinien steht nach Jahren chronischer Instabilität an einem möglichen Wendepunkt, dessen Tragweite bis in die Einschätzungen internationaler Ratingagenturen hineinreicht. Nach dem klaren Sieg von Präsident Javier Milei bei den Zwischenwahlen 2025 sieht James Donald von Lazard Asset Management ein enges Zeitfenster, in dem Glaubwürdigkeit dauerhaft verankert werden muss. „Wir sehen ein Zeitfenster von zwölf bis achtzehn Monaten, in dem strukturelle Reformen verankert werden müssen“, sagt er, und warnt zugleich: „Bleibt die Umsetzung halbherzig, droht erneut ein Vertrauensverlust.“ Für Credit Ratings ist diese Aussage zentral, weil sie den Übergang von kurzfristiger Stabilisierung zu struktureller Verlässlichkeit markiert, den Ratingagenturen als Voraussetzung für nachhaltige Heraufstufungen betrachten.</p>
<p>Die makroökonomischen Eckdaten haben sich in kurzer Zeit deutlich verbessert. Die monatliche Inflation ist von etwa 20 Prozent Anfang 2024 auf rund 2 Prozent Ende 2025 gefallen, während erstmals seit über einem Jahrzehnt ein Primärüberschuss erzielt wurde. „Die Kombination aus sinkender Inflation und Haushaltsdisziplin ist die Grundlage für dauerhaft niedrigere Finanzierungskosten“, betont Donald. „Ohne diese beiden Faktoren wäre jede Marktberuhigung nur temporär.“ Für die Ratingpraxis bedeutet dies eine Aufwertung der geld- und fiskalpolitischen Glaubwürdigkeit, was sich in geringeren Risikoannahmen, stabileren Ausblicken und perspektivisch niedrigeren Länderrisikoaufschlägen niederschlagen kann.</p>
<p>Gleichzeitig bleibt das Risikoprofil fragil, da die Nettowährungsreserven nahe Null liegen und 2026 hohe Schuldendienstverpflichtungen anstehen. Allein diese Faktoren wirken in klassischen Ratingmodellen als Belastung für Liquiditäts- und Refinanzierungskennzahlen. Hinzu kommt die Frage der Wechselkursstrategie. Donald weist darauf hin, dass der Peso zuvor real überbewertet war, weil „der Wechselkurs monatlich nur um 1 Prozent abgewertet wurde, während die Inflation darüber lag“. Die angekündigte Flexibilisierung und der Aufbau von Reserven bis Ende 2026 sind daher nicht nur makroökonomisch, sondern auch ratingrelevant, da sie die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks erhöhen und die Wahrscheinlichkeit erneuter Zahlungsprobleme senken können.</p>
<p>Auch die Entwicklung der Risikoaufschläge spielt für die Wahrnehmung der Kreditwürdigkeit eine wichtige Rolle. Mit Spreads von rund 500 Basispunkten über US-Staatsanleihen signalisiert der Markt laut Donald, „dass die Reformfortschritte anerkannt werden“. Für Ratingagenturen ist dies kein formales Kriterium, wohl aber ein Stimmungsindikator, der zeigt, dass Investoren beginnen, politische Stabilität und Reformfortschritte in geringere Ausfallwahrscheinlichkeiten zu übersetzen. Ein gesicherter Marktzugang würde dieses Signal verstärken und könnte als externer Beleg für verbesserte Schuldentragfähigkeit dienen.</p>
<p>Langfristig hängt die Perspektive für eine nachhaltige Heraufstufung jedoch vom Wachstumspotenzial ab. Besonders der Energiesektor gilt als Hebel, da die Exporterlöse aus Öl und Gas bis 2030 massiv steigen könnten und auch Lithium-, Gold- und Agrarausfuhren zulegen dürften. „Sollten sich diese Projektionen realisieren, würde sich Argentiniens Schuldentragfähigkeit fundamental verbessern“, sagt Donald. „Das wäre der entscheidende Unterschied zu früheren Reformzyklen.“ Für Credit Ratings bedeutet dies, dass strukturelle Wachstumsquellen die fiskalische Basis verbreitern und damit die langfristige Rückzahlungsfähigkeit des Staates stärken würden.</p>
<p>In der Summe bleibt Argentinien ein Hochrisikoland, doch die Kombination aus sinkender Inflation, Haushaltsdisziplin und Reformtempo hat das Verhältnis von Risiko und Ertrag verschoben. Ob daraus eine dauerhafte Neubewertung durch die Ratingagenturen entsteht, hängt davon ab, ob politische Disziplin, Reserveaufbau und Marktzugang in den kommenden Monaten tatsächlich konsistent umgesetzt werden. „Argentinien ist kein defensives Investment“, resümiert Donald, „aber wenn die Reformagenda durchgehalten wird, könnte sich das aktuelle Umfeld im Rückblick als strategisches Einstiegsfenster erweisen.“</p>
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		<title>Rubios Kurswechsel-Narrativ und seine Bedeutung für Credit Ratings</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 13:41:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Branchenrating]]></category>
		<category><![CDATA[Länderrating]]></category>
		<category><![CDATA[Ratings]]></category>

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		<description><![CDATA[Die heutige Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz dürfte an den Finanzmärkten vor allem deshalb Aufmerksamkeit erregen, weil sie eine klare ideologische und wirtschaftspolitische Stoßrichtung signalisiert, die stärker auf nationale Interessen, Reindustrialisierung und strategische Autonomie setzt. Märkte reagieren nicht nur auf konkrete Maßnahmen, sondern auf Narrative, die zukünftige Politik vorwegnehmen, und genau hier [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die heutige Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz dürfte an den Finanzmärkten vor allem deshalb Aufmerksamkeit erregen, weil sie eine klare ideologische und wirtschaftspolitische Stoßrichtung signalisiert, die stärker auf nationale Interessen, Reindustrialisierung und strategische Autonomie setzt. Märkte reagieren nicht nur auf konkrete Maßnahmen, sondern auf Narrative, die zukünftige Politik vorwegnehmen, und genau hier setzt Rubio an, wenn er den historischen Rahmen betont: „Wir versammeln uns heute hier als Mitglieder eines historischen Bündnisses – eines Bündnisses, das die Welt gerettet und verändert hat.“ Solche Formulierungen unterstreichen die Bedeutung transatlantischer Beziehungen, was grundsätzlich stabilisierend auf europäische Risikoassets wirken kann, weil Investoren Kontinuität in der sicherheitspolitischen Kooperation erwarten.</p>
<p>Gleichzeitig enthält die Rede deutliche Kritik an Globalisierung und Freihandel, was potenziell volatilitätssteigernd wirkt. Wenn Rubio sagt, man habe „eine dogmatische Vision von freiem und uneingeschränktem Handel“ verfolgt, die zur Deindustrialisierung geführt habe, signalisiert das eine mögliche Unterstützung für protektionistischere Maßnahmen oder industriepolitische Eingriffe. Für Aktienmärkte bedeutet das typischerweise eine Sektorrotation: Industriewerte, Rüstungsunternehmen und Infrastruktur könnten profitieren, während exportabhängige Branchen und global integrierte Lieferketten unter Druck geraten könnten. Auch Währungen reagieren sensibel auf solche Töne, weil sie langfristig Handelsströme beeinflussen.</p>
<p>Besonders aufmerksam dürften Anleihemärkte zuhören, wenn Rubio die Notwendigkeit betont, wirtschaftliche und militärische Stärke wieder aufzubauen. Seine Aussage, man wolle „unsere Wirtschaften neu industrialisieren und unsere Fähigkeit wiederaufbauen, unser Volk zu verteidigen“, deutet auf höhere Staatsausgaben hin, insbesondere für Verteidigung und Industriepolitik. Das kann langfristig zu höheren Renditen führen, weil Investoren steigende Haushaltsdefizite einpreisen. Gleichzeitig könnten europäische Staatsanleihen unterschiedlich reagieren, je nachdem, ob Märkte mehr fiskalische Integration oder nationale Alleingänge erwarten.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Punkt für die Märkte ist die geopolitische Dimension. Rubio betont mehrfach die enge Verbindung zwischen den USA und Europa und sagt: „Wir wollen, dass Europa stark ist.“ Das kann als Signal interpretiert werden, dass die USA weiterhin sicherheitspolitisches Engagement zeigen, was tendenziell risikofreudige Marktstimmung unterstützt, weil geopolitische Unsicherheit ein zentraler Risikofaktor ist. Gleichzeitig erhöht seine Forderung nach mehr Eigenverantwortung Europas den Druck auf europäische Regierungen, Verteidigungsausgaben zu steigern, was wiederum positive Impulse für den europäischen Rüstungssektor bedeuten kann.</p>
<p>Deutlich kritischer sehen Märkte die Passagen, in denen Rubio internationale Institutionen infrage stellt. Wenn er sagt, die Vereinten Nationen hätten „bei den dringendsten Fragen, die vor uns liegen, keine Antworten“, könnte das als Hinweis auf eine stärker unilateral geprägte Außenpolitik interpretiert werden. Solche Signale erhöhen normalerweise die geopolitische Risikoprämie, was Gold, den US-Dollar und andere sichere Häfen kurzfristig stützen kann, während Aktienmärkte nervöser reagieren.</p>
<p>Auch Energie- und Klimapolitik spielen eine Rolle für die Marktbewertung. Rubios Kritik an Politik, die „unser Volk verarmen“ lasse, während andere Länder fossile Energien nutzen, deutet auf eine mögliche Verschiebung der Prioritäten hin. Für Energieunternehmen, insbesondere im fossilen Bereich, wären solche Signale positiv, während erneuerbare Energien stärker politischem Risiko ausgesetzt sein könnten, zumindest aus Sicht globaler Investoren, die politische Trends antizipieren.</p>
<p>Langfristig entscheidend ist der Ton der Rede, der stark auf Zivilisation, Souveränität und industrielle Basis abzielt. Seine Aussage, man wolle „für kritische Notwendigkeiten nicht von anderen abhängen“, passt in den globalen Trend zu strategischer Autonomie und Deglobalisierung. Märkte interpretieren solche Aussagen häufig als strukturellen Wandel hin zu regionaleren Wirtschaftsblöcken, was die Bewertung globaler Lieferketten, Logistikunternehmen und multinationaler Konzerne beeinflussen kann.</p>
<p>Schließlich wirkt auch der politische Kontext rund um Donald Trump auf die Marktreaktionen, da Rubio explizit auf dessen Agenda verweist. Wenn Investoren erwarten, dass diese Linie konkrete Politik wird, reagieren sie oft frühzeitig mit Anpassungen in Portfolioallokationen, insbesondere zugunsten von US-Industrie, Verteidigung und heimmarktorientierten Unternehmen.</p>
<p>Unterm Strich dürfte die Rede kurzfristig gemischte Reaktionen hervorrufen: unterstützend für Risikoassets durch das Bekenntnis zum transatlantischen Bündnis, aber gleichzeitig volatilitätssteigernd durch protektionistische und systemkritische Töne. Mittel- bis langfristig verstärkt sie das Narrativ einer Welt mit stärkerem geopolitischem Wettbewerb, mehr Industriepolitik und weniger Vertrauen in reine Marktintegration – ein Umfeld, in dem politische Signale wieder stärker zu den zentralen Treibern der Finanzmärkte gehören. Wenn du willst, kann ich dir auch konkret aufschlüsseln, welche Branchen und Anlageklassen historisch am stärksten auf solche politischen Signale reagieren.</p>
<p>Für Credit Ratings ist die in der Rede skizzierte wirtschaftspolitische Stoßrichtung vor allem deshalb relevant, weil sie auf höhere Staatsausgaben, stärkere Industriepolitik und eine mögliche Abkehr von multilateralen Strukturen hindeutet. Ratingagenturen achten besonders auf fiskalische Nachhaltigkeit, institutionelle Stabilität und die Vorhersehbarkeit der Politik. Wenn Regierungen im Zuge von Reindustrialisierung und höheren Verteidigungsausgaben ihre Haushaltsdefizite ausweiten, könnte das mittelfristig Druck auf die Bonitätsprofile ausüben, insbesondere bei Staaten mit ohnehin hoher Verschuldung. Gleichzeitig könnten strategische Investitionen in Infrastruktur und industrielle Basis von Agenturen auch positiv bewertet werden, sofern sie das langfristige Wachstumspotenzial erhöhen und die wirtschaftliche Resilienz stärken.</p>
<p>Das wahrscheinliche Verhalten großer Agenturen wie S&#038;P Global Ratings, Moody’s Investors Service und Fitch Ratings wäre zunächst vorsichtig abwartend, begleitet von stärkerem Fokus auf politische Risiken in ihren Ausblicken. Sie dürften genauer analysieren, ob eine stärker nationale Ausrichtung der Wirtschaftspolitik zu Handelskonflikten, geringerer wirtschaftlicher Integration oder erhöhter Volatilität führt, was typischerweise negative Ratingfaktoren sind. Gleichzeitig könnten sie in Szenarioanalysen stärker gewichten, ob eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und der industriellen Kapazitäten die strukturelle Kreditwürdigkeit verbessert, etwa durch stabilere Lieferketten und geringere externe Abhängigkeiten.</p>
<p>Auf der Ebene von Unternehmensratings könnten insbesondere Branchen mit Bezug zu Verteidigung, Infrastruktur und strategischen Industrien von stabileren oder verbesserten Ausblicken profitieren, während exportorientierte Sektoren stärker unter Beobachtung geraten dürften, falls protektionistische Maßnahmen zunehmen. Insgesamt würden Ratingagenturen wahrscheinlich stärker qualitative Faktoren wie geopolitische Risiken, politische Kohärenz und institutionelle Effektivität betonen, weil die Rede klar signalisiert, dass wirtschaftliche Entscheidungen stärker politisch motiviert sein könnten. Für Investoren bedeutet das ein Umfeld, in dem Ratingänderungen häufiger durch politische Richtungswechsel ausgelöst werden könnten als durch rein konjunkturelle Entwicklungen.</p>
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