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	<title>Den Nutzen von Ratings erschließen</title>
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		<title>Emerging-Markets-Aktien: Der Beginn eines neuen Zyklus?</title>
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		<pubDate>Tue, 19 May 2026 07:18:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktienrating]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Einschätzung von James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management in New York, zu den Perspektiven der Schwellenländeraktien verweist nicht nur auf Marktzyklen, Währungsentwicklungen und Gewinnwachstum, sondern lässt sich auch aus Sicht des Credit Ratings interpretieren. Denn die Attraktivität von Emerging Markets hängt eng mit der Bonität von Staaten, Unternehmen und [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einschätzung von James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management in New York, zu den Perspektiven der Schwellenländeraktien verweist nicht nur auf Marktzyklen, Währungsentwicklungen und Gewinnwachstum, sondern lässt sich auch aus Sicht des Credit Ratings interpretieren. Denn die Attraktivität von Emerging Markets hängt eng mit der Bonität von Staaten, Unternehmen und Finanzsystemen zusammen. Ratings spiegeln letztlich die Fähigkeit wider, wirtschaftliche Schocks zu absorbieren, Kapital effizient einzusetzen und Fremdkapital nachhaltig zu bedienen.</p>
<p>Wenn Donald feststellt: „Emerging-Markets-Aktien haben sich in den letzten zwölf Jahren in US-Dollar gerechnet schlechter entwickelt als andere Aktienmärkte“, verweist dies indirekt auf die enge Verbindung zwischen Währungsstabilität und Kreditwürdigkeit. Eine starke Dollarphase verschlechtert für viele Schwellenländer die Refinanzierungsbedingungen, weil ein erheblicher Teil der Staats- und Unternehmensverschuldung in US-Dollar denominiert ist. Aus Sicht der Ratingagenturen erhöht eine Dollaraufwertung deshalb häufig die externe Verwundbarkeit eines Landes. Sinkende Währungsreserven, steigende Schuldendienstquoten und Kapitalabflüsse wirken sich typischerweise negativ auf Sovereign Ratings aus. Dass Donald nun davon ausgeht, „dass der anhaltende Gegenwind durch den US-Dollar deutlich nachgelassen hat“, kann daher als Hinweis auf eine mögliche Stabilisierung der kreditrelevanten Fundamentaldaten vieler Emerging Markets interpretiert werden.</p>
<p>Besonders relevant ist seine Aussage: „Insgesamt sehen wir mittelfristig weiterhin einen stabilen bis schwächeren US-Dollar als den wahrscheinlicheren Kurs.“ Ein schwächerer Dollar reduziert in vielen Schwellenländern die Belastung aus Fremdwährungsschulden und verbessert gleichzeitig die Fähigkeit von Staaten und Unternehmen, internationale Verbindlichkeiten zu bedienen. Ratingagenturen bewerten solche Entwicklungen in der Regel positiv, weil sie Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken reduzieren. Gleichzeitig fördern stärkere Kapitalzuflüsse die Stabilität der Finanzmärkte und stärken die Devisenreserven, die für die Kreditwürdigkeit vieler EM-Staaten eine zentrale Rolle spielen.</p>
<p>Auch Donalds Verweis auf das hohe US-Zwillingsdefizit besitzt eine direkte Ratingdimension. Hohe Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite gelten langfristig als potenzielle Belastung für die fiskalische Stabilität und damit für die Bonität eines Staates. Sollte sich die relative Stärke der US-Wirtschaft tatsächlich abschwächen, wie Donald argumentiert, könnte dies zu einer Neubewertung globaler Kapitalströme führen. Für Emerging Markets wäre dies ratingtechnisch bedeutsam, weil Investoren dann verstärkt nach Märkten mit solideren Wachstumsperspektiven und attraktiveren Renditen suchen könnten.</p>
<p>Wenn Donald erklärt: „Wenn die Dominanz der US-Wirtschaft nachlässt, schwächt sich in der Regel auch der Dollar ab – was historisch positiv für EM-Aktien war“, verweist dies auf historische Phasen sinkender Risikoaufschläge. In solchen Zyklen verbessern sich häufig auch die Credit Spreads von Schwellenländeranleihen. Ratings profitieren insbesondere dann, wenn sich die wirtschaftliche Diversifizierung erhöht und die Abhängigkeit von kurzfristigen Kapitalzuflüssen sinkt.</p>
<p>Von zentraler Bedeutung für die Kreditqualität ist Donalds Hinweis auf die Unternehmensprofitabilität: „Viele Unternehmen in den Emerging Markets weisen heute eine Profitabilität auf, die mit der entwickelten Welt vergleichbar ist und teilweise sogar über der von Europa oder Japan liegt.“ Für das Credit Rating von Unternehmen ist nachhaltige Profitabilität ein Kernfaktor. Höhere Margen verbessern den operativen Cashflow, erhöhen die Zinsdeckungsfähigkeit und reduzieren das Ausfallrisiko. Gerade asiatische Technologieunternehmen profitieren inzwischen von global integrierten Wertschöpfungsketten und weisen teilweise Bilanzkennzahlen auf, die mit Investment-Grade-Emittenten aus Industrieländern konkurrieren können.</p>
<p>Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang Donalds Aussage: „Ein großer Teil des KI-bezogenen Geschäfts ist in den Emerging Markets beheimatet – insbesondere in Taiwan und Südkorea.“ Die technologische Führungsrolle von Taiwan und Südkorea stärkt nicht nur die Eigenkapitalstory dieser Märkte, sondern beeinflusst auch deren Kreditprofile positiv. Volkswirtschaften mit hoher technologischer Wertschöpfung verfügen tendenziell über resilientere Exportstrukturen, höhere Produktivität und bessere fiskalische Perspektiven. Diese Faktoren fließen regelmäßig in Sovereign- und Corporate-Ratings ein.</p>
<p>Die von Donald genannten Gewinnerwartungen für 2026 besitzen ebenfalls eine direkte Relevanz für die Bonitätsanalyse. Stark steigende Gewinne verbessern Kennzahlen wie Debt-to-EBITDA oder Interest Coverage Ratios. Besonders in Südkorea mit erwarteten Gewinnsteigerungen von rund 140 Prozent könnte dies zu einer Neubewertung von Unternehmensrisiken führen. Allerdings zeigt Donald zugleich ein wesentliches Merkmal professioneller Credit-Analyse, wenn er geopolitische Risiken klar adressiert. Seine Warnung, dass eine Eskalation im Nahen Osten „deutlich stärkere Folgen für Inflation, Weltwirtschaft und Kapitalmärkte haben“ könne, verweist auf die hohe Sensitivität von Ratings gegenüber geopolitischen Schocks.</p>
<p>Noch deutlicher wird dies bei seiner Aussage: „Dadurch würden die Ölpreise einen weiteren Schub in Richtung der 150-US-Dollar-Marke bekommen. In diesem Fall ist eine globale Rezession zu befürchten.“ Ein solcher Ölpreisschock hätte erhebliche Auswirkungen auf die Kreditqualität vieler Staaten und Unternehmen. Importabhängige Volkswirtschaften würden steigende Leistungsbilanzdefizite und höhere Inflationsraten erleben, während sich die Refinanzierungsbedingungen verschlechtern könnten. Gleichzeitig würden Rezessionsrisiken zu höheren Ausfallwahrscheinlichkeiten im Unternehmenssektor führen. Ratingagenturen reagieren in solchen Phasen häufig mit negativen Ausblicken oder Herabstufungen.</p>
<p>Donalds Hinweis auf strukturelle Veränderungen in Asien besitzt ebenfalls hohe Relevanz für Credit Ratings. Wenn Unternehmen in China, Südkorea und Taiwan künftig ihre Kapitalallokation stärker auf Effizienz und Profitabilität ausrichten, verbessert dies potenziell die Governance-Strukturen und die Kapitaldisziplin. Beides sind zentrale qualitative Faktoren in modernen Ratingmodellen. Unternehmen mit hoher Liquidität, disziplinierter Ausschüttungspolitik und effizientem Kapitaleinsatz erhalten in der Regel günstigeren Zugang zum Kapitalmarkt.</p>
<p>Auch die Aussage: „Wir möchten, dass sich Regionen unterschiedlich entwickeln und nicht alle Märkte gleichzeitig boomen oder schwächeln“, lässt sich ratingstrategisch interpretieren. Unterschiedliche Konjunkturzyklen reduzieren globale Klumpenrisiken und verbessern die Diversifikationsmöglichkeiten institutioneller Investoren. Für Kreditinvestoren bedeutet dies geringere Korrelationen zwischen Ausfallrisiken verschiedener Regionen und damit stabilere Portfolios.</p>
<p>Besonders aufschlussreich ist Donalds Beobachtung zum Anlegerverhalten: „Zum ersten Mal seit vielen Jahren stellen sich viele Investoren die Frage, ob sie zu stark in den USA und zu wenig in Schwellenländern investiert sind.“ Solche Kapitalumschichtungen beeinflussen unmittelbar die Finanzierungskosten von Staaten und Unternehmen. Sinkende Risikoaufschläge und höhere Nachfrage nach EM-Anleihen können die Kreditqualität stabilisieren, weil sich die Refinanzierungskosten verringern und die Kapitalmarktliquidität steigt.</p>
<p>Die historische Erinnerung Donalds an die Phase von 2001 bis 2007 unterstreicht schließlich, dass Emerging Markets in längeren Zyklen erhebliche Bonitätsverbesserungen durchlaufen können. Damals profitierten zahlreiche Länder von Rohstoffboom, Reformprogrammen und steigenden Devisenreserven. Viele Staaten erreichten erstmals Investment-Grade-Status oder verbesserten ihre Ratings signifikant. Sollte sich ein ähnlicher Zyklus erneut entwickeln, könnten sowohl Aktien- als auch Kreditmärkte der Schwellenländer von einer nachhaltigen Neubewertung profitieren.</p>
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		<title>VR-Event macht erstmals dreidimensionale Finanzanalyse zum zentralen Thema</title>
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		<pubDate>Tue, 05 May 2026 13:37:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 7. Mai 2026 findet mit der X-NIGHT „Finance &#38; XR“ ein Event statt, das die Diskussion über die Zukunft der Finanzbranche in eine neue Dimension verlagert. Organisiert im Rahmen der Initiative IMMERSIVE X bringt die Veranstaltung Expertinnen und Experten aus Finanzwesen, Technologie und Innovation in einer vollständig virtuellen Umgebung zusammen. Anders als klassische Konferenzen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am 7. Mai 2026 findet mit der X-NIGHT „Finance &amp; XR“ ein Event statt, das die Diskussion über die Zukunft der Finanzbranche in eine neue Dimension verlagert. Organisiert im Rahmen der Initiative IMMERSIVE X bringt die Veranstaltung Expertinnen und Experten aus Finanzwesen, Technologie und Innovation in einer vollständig virtuellen Umgebung zusammen. Anders als klassische Konferenzen setzt dieses Format nicht nur auf Vorträge und Panels, sondern nutzt immersive Technologien selbst als Medium der Interaktion und des Erkenntnisgewinns.</p>
<p>Im Zentrum steht die Frage, wie Extended Reality die Arbeitsweise der Finanzindustrie verändern kann. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass dieses Event als erstes seiner Art gezielt die Stärken dreidimensionaler Finanzanalyse in einer echten VR-Umgebung thematisiert und erlebbar macht. Während Finanzdaten bislang überwiegend zweidimensional auf Bildschirmen dargestellt werden, eröffnet die virtuelle Realität neue Möglichkeiten, komplexe Zusammenhänge räumlich zu visualisieren und intuitiver zu verstehen. Datenpunkte, Märkte und Szenarien können nicht nur betrachtet, sondern betreten, manipuliert und gemeinsam diskutiert werden.</p>
<p>Die Veranstaltung findet in der virtuellen Plattform RAUM statt, die speziell für immersive Meetings und Events konzipiert wurde. Teilnehmende bewegen sich dort als Avatare durch digitale Räume, nehmen an Diskussionen teil und erleben Inhalte in einer Form, die über klassische Videokonferenzen weit hinausgeht. Ergänzt wird das Programm durch einen Livestream, um auch Interessierten ohne VR-Setup den Zugang zu ermöglichen.</p>
<p>Inhaltlich bietet das Event eine Mischung aus Impulsen, Diskussion und Austausch. Ein zentraler Programmpunkt ist eine Paneldiskussion mit Fachleuten aus der Finanzbranche, die konkrete Anwendungsfälle für XR-Technologien beleuchten. Dabei geht es nicht nur um Visionen, sondern um reale Einsatzmöglichkeiten, etwa in der Beratung, im Investmentkontext oder in der Analyse komplexer Finanzprodukte. Die dreidimensionale Darstellung von Daten spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da sie neue Perspektiven auf Risiko, Korrelationen und Marktbewegungen eröffnet.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die interaktive Komponente. Teilnehmende haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen, sich aktiv einzubringen und im Anschluss an die Diskussionen in den virtuellen Räumen zu vernetzen. Gerade dieser soziale Aspekt hebt das Event von klassischen Formaten ab, da Begegnungen und Gespräche räumlich und spontaner wirken als in herkömmlichen Online-Meetings.</p>
<p>Mit der X-NIGHT „Finance &amp; XR“ wird deutlich, dass die Finanzbranche an einem Punkt steht, an dem technologische Innovationen nicht mehr nur beobachtet, sondern konkret erprobt werden. Die Kombination aus immersiver Umgebung und fachlichem Austausch schafft einen Rahmen, in dem sich neue Denkweisen entwickeln können. Dass dabei erstmals die Potenziale dreidimensionaler Finanzanalyse im Mittelpunkt einer solchen Veranstaltung stehen, unterstreicht den experimentellen und zugleich richtungsweisenden Charakter des Events.</p>
<p><a href="https://immersive-x.de/x-night-experience-social-vr" target="_blank">https://immersive-x.de/x-night-experience-social-vr</a></p>
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		<title>Blockchain und Künstliche Intelligenz als Treiber eines neuen, effizienteren Kapitalmarkts</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 13:36:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ratings]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management wird im Impulsvortrag „How Blockchain and AI change our Capital Market“ deutlich, dass sich Kapitalmärkte in einer paradoxen Situation befinden: Sie sind schneller und technologisch fortschrittlicher geworden, gleichzeitig aber auch strukturell komplexer und nicht zwangsläufig effizienter. Dr. Ulli Spankowski, Chief Digital [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management wird im Impulsvortrag „How Blockchain and AI change our Capital Market“ deutlich, dass sich Kapitalmärkte in einer paradoxen Situation befinden: Sie sind schneller und technologisch fortschrittlicher geworden, gleichzeitig aber auch strukturell komplexer und nicht zwangsläufig effizienter. Dr. Ulli Spankowski, Chief Digital Officer der Boerse Stuttgart Group, beschreibt diese Entwicklung als Ergebnis historisch gewachsener Marktstrukturen, die durch eine Vielzahl von Intermediären, Systemen und Prozessen geprägt sind.</p>
<p>Der Status quo der Kapitalmarktinfrastruktur ist stark zentralisiert und fragmentiert. Unterschiedliche Systeme müssen miteinander kommunizieren, was häufig zu manuellen Abstimmungsprozessen, sogenannten Reconciliations, sowie zu Medienbrüchen führt, bei denen Informationen zwischen verschiedenen technischen Umgebungen übertragen werden müssen. Diese Ineffizienzen verursachen nicht nur Kosten, sondern auch Zeitverzögerungen und operationelle Risiken. Trotz hoher Handelsgeschwindigkeiten, etwa durch Hochfrequenzhandel, haben sich dadurch neue Komplexitäten aufgebaut, während klassische Arbitragemöglichkeiten, also das Ausnutzen von Preisunterschieden zwischen Märkten, deutlich zurückgegangen sind.</p>
<p>Die Kombination aus Blockchain-Technologie und Künstlicher Intelligenz eröffnet laut Spankowski jedoch die Möglichkeit, diese Strukturen grundlegend zu verändern. Blockchain ermöglicht eine dezentrale Infrastruktur, in der Transaktionen direkt zwischen Marktteilnehmern abgewickelt werden können, ohne dass zahlreiche Intermediäre erforderlich sind. Dies führt zu einer Reduktion von Kosten, einer Beschleunigung von Prozessen bis hin zur Echtzeitabwicklung sowie zu einer höheren Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Gleichzeitig erlaubt die Technologie eine durchgehende Verfügbarkeit von Märkten rund um die Uhr und eine globale Reichweite, die nationale Grenzen zunehmend irrelevant macht.</p>
<p>Tokenisierte Assets, also digital abgebildete Vermögenswerte wie Aktien oder Anleihen, spielen in diesem Kontext eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen effizientere Prozesse, erhöhen den Wettbewerb und verbessern den Zugang zu Kapitalmärkten, da sie einfacher handelbar und programmierbar sind. Spankowski betont, dass intelligente Automatisierung, etwa durch Smart Contracts, also selbstausführende Programme auf der Blockchain, zusätzliche Effizienzgewinne ermöglicht. Schätzungen zufolge könnten bis zu acht Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung künftig tokenisiert werden, was die potenzielle Reichweite dieser Entwicklung verdeutlicht.</p>
<p>Ein konkretes Beispiel für diese neue Infrastruktur ist Seturion, das als horizontale Abwicklungsplattform konzipiert ist. „Horizontal“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Plattform verschiedene Marktteilnehmer, Handelsplätze und Assetklassen integriert, anstatt isolierte Insellösungen zu schaffen. Die Philosophie von Seturion basiert auf Offenheit und Interoperabilität: Sowohl digitale als auch traditionelle Marktakteure sollen eingebunden werden können, und die Plattform soll sowohl mit privaten als auch öffentlichen Blockchain-Netzwerken kompatibel sein. Die Abwicklung kann dabei entweder über Zentralbankgeld oder über Stablecoins erfolgen, also digitale Währungen mit stabilem Wertbezug.</p>
<p>Neben Blockchain hebt Spankowski auch die Rolle der Künstlichen Intelligenz hervor, die insbesondere bei der Analyse von Daten, der Automatisierung von Prozessen und der Optimierung von Handelsstrategien zunehmend an Bedeutung gewinnt. Technologien wie Large Language Models, also große Sprachmodelle, ermöglichen neue Formen der Interaktion mit Daten und Systemen und können Entscheidungsprozesse im Kapitalmarkt unterstützen.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Trend ist die Entwicklung von DeFi, also Decentralized Finance, einem auf Blockchain basierenden Finanzsystem ohne zentrale Intermediäre. Anwendungen wie Borrowing und Lending, also das Verleihen und Aufnehmen von Kapital, wachsen in diesem Bereich exponentiell. Auch Staking, bei dem Kapital zur Sicherung von Blockchain-Netzwerken eingesetzt wird und dafür Erträge generiert, gewinnt an Bedeutung und erweitert das Spektrum für Asset Manager erheblich. Der DeFi-Markt verzeichnet seit 2020 ein starkes Wachstum mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 39 Prozent bis 2025.</p>
<p>Parallel dazu entwickeln sich Stablecoins zu einem globalen Zahlungsnetzwerk mit wachsender Bedeutung. Sie ermöglichen schnelle, kostengünstige und grenzüberschreitende Transaktionen und könnten langfristig eine zentrale Rolle in der Finanzmarktinfrastruktur einnehmen.</p>
<p>Spankowskis Fazit ist klar: Digitale Assets sind keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits Realität. Die technologische Infrastruktur ist vorhanden, und auch das Interesse der Marktteilnehmer wächst kontinuierlich. Die entscheidende Frage ist nun, wie diese Technologien in konkrete, marktfähige Angebote übersetzt werden. Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Innovation hin zur praktischen Umsetzung und Integration in bestehende Systeme – ein Prozess, der maßgeblich darüber entscheiden wird, wie der Kapitalmarkt der Zukunft aussieht.</p>
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		<title>Beyond the Token: Warum Distribution über den Erfolg von Digitalen Assets und Stablecoins entscheidet</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 11:52:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ratings]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management rückt neben makroökonomischen und regulatorischen Themen auch die Zukunft digitaler Marktinfrastrukturen in den Fokus. Im Impulsvortrag „Beyond the Token: Warum Distribution über den Erfolg von Digitalen Assets und Stablecoins entscheidet“ zeichnet Steve Henning, Senior Manager Financial Services und Digital Assets bei [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management rückt neben makroökonomischen und regulatorischen Themen auch die Zukunft digitaler Marktinfrastrukturen in den Fokus. Im Impulsvortrag „Beyond the Token: Warum Distribution über den Erfolg von Digitalen Assets und Stablecoins entscheidet“ zeichnet Steve Henning, Senior Manager Financial Services und Digital Assets bei PwC Deutschland, ein ernüchterndes Bild des aktuellen Entwicklungsstands und stellt zugleich eine zentrale These auf: Nicht die Technologie ist das Problem, sondern deren Verbreitung und Einbindung in bestehende Finanzsysteme.</p>
<p>Ausgangspunkt seiner Analyse ist die Diskrepanz zwischen wahrgenommenem Fortschritt und tatsächlicher Marktnutzung. Zwar beläuft sich das Volumen tokenisierter Real-World Assets, also realer Vermögenswerte wie Anleihen oder Immobilien, die in digitale Token überführt wurden, auf rund 27,5 Milliarden US-Dollar. Doch die tatsächliche Nutzung bleibt gering, wie das Beispiel des Fonds BlackRock BUIDL zeigt, der im Durchschnitt lediglich etwa 3,5 Transaktionen pro Tag verzeichnet. Diese Zahlen verdeutlichen, dass technologische Möglichkeiten allein keinen funktionierenden Markt schaffen.</p>
<p>Ein besonders kritischer Punkt ist laut Henning die Rolle von Stablecoins, also digitalen Währungen, die an stabile Referenzwerte wie staatliche Währungen gekoppelt sind. Der globale Markt wird dabei nahezu vollständig von US-Dollar-dominierten Lösungen geprägt, während Europa mit einem Anteil von lediglich etwa 0,2 Prozent – rund 872 Millionen Euro im Vergleich zu etwa 310 Milliarden US-Dollar weltweit – kaum eine Rolle spielt. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als mit MiCAR, der „Markets in Crypto-Assets Regulation“, erstmals ein umfassender regulatorischer Rahmen für Krypto-Assets in der Europäischen Union geschaffen wurde. MiCAR definiert unter anderem Anforderungen für sogenannte EMTs, also E-Money Tokens, die an Fiat-Währungen gekoppelt sind, und schafft damit Rechtssicherheit für Emittenten.</p>
<p>Henning argumentiert jedoch, dass Regulierung allein nicht ausreicht. MiCAR sei primär ein Emissionsrahmenwerk, also ein Regelwerk für die Ausgabe von digitalen Assets, nicht jedoch eine Strategie für deren Verbreitung. Trotz bereits lizenzierter Euro-Stablecoins gelingt es Europa nicht, relevante Marktanteile zu gewinnen. Der Grund liegt in einem strukturellen Defizit: fehlende Distribution. Während technologische Infrastruktur wie Instant Payments, also Echtzeitzahlungen, bereits heute Geld- und Assettransfers in Sekunden ermöglicht, fehlt es an der systematischen Anbindung dieser Lösungen an bestehende Finanzstrukturen.</p>
<p>Dieses Problem beschreibt Henning als Distributions-Trilemma, das sich aus drei miteinander verbundenen Herausforderungen zusammensetzt. Erstens die Regulierung, die mit rund 2000 Seiten technischer Standards im Rahmen von MiCAR zwar umfassend, aber auch komplex ist und teilweise zu Doppelregulierung führt, etwa bei Transfers von EMTs. Zweitens die Infrastruktur, die aktuell nur eine geringe Anzahl tatsächlicher Transaktionen ermöglicht und damit nicht die notwendige Skalierung erreicht. Drittens der Marktzugang, da insbesondere Banken als zentrale Intermediäre bislang nur unzureichend eingebunden sind.</p>
<p>Distribution definiert Henning als das Zusammenspiel von drei Faktoren: Rails, Flow und Reach. Rails stehen für die infrastrukturelle Anbindung, insbesondere die Integration in institutionelle Systeme, sodass Produkte aktiv zu den Investoren gelangen und nicht umgekehrt. Flow beschreibt die Liquidität, also die tatsächliche Nutzung und Handelsaktivität. Reach schließlich meint die institutionelle Reichweite, also die Präsenz von Produkten in den Systemen, in denen Kapital allokiert wird. Ein Beispiel für erfolgreiche Distribution ist der Euro-Stablecoin EURC von Circle, der seinen Marktanteil durch gezielte Integration und Nutzung von etwa 17 Prozent auf über 60 Prozent steigern konnte.</p>
<p>Die zentrale Frage für die Zukunft lautet daher nicht mehr, ob die Technologie vorhanden ist, sondern wer sie erfolgreich vertreibt und über welche Kanäle. Für Europa ergibt sich daraus eine strategische Entscheidung: Wird der Kontinent zum Anbieter eigener Finanzmarktinfrastrukturen oder bleibt er Nutzer externer Systeme? Henning formuliert dies als grundlegende industriepolitische Herausforderung. Europa verfüge über die notwendigen technologischen Fähigkeiten und einen klaren regulatorischen Rahmen, doch es fehle die Verbindung zum Investor.</p>
<p>Diese Verbindung beschreibt er als eigentliche Schlüsselressource der kommenden Jahre. Die Aufgabe bestehe darin, Brücken zwischen Innovation und Kapital zu bauen, also digitale Assets in bestehende Finanzsysteme zu integrieren, institutionelle Investoren einzubinden und echte Nutzung zu erzeugen. Damit wird Distribution zum entscheidenden Erfolgsfaktor und zugleich zur zentralen Herausforderung für die nächste Entwicklungsphase der Kapitalmärkte.</p>
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		<title>Transformation des niederländischen Pensionssystems als Katalysator für neue Kapitalmarkt- und Zinsstrukturen in Europa</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 08:49:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management wird in der Keynote „Effects of the Transformation of the Dutch Pension System on Pension Fund Investment Management and the European Interest Rate Landscape“ eindrucksvoll gezeigt, wie tiefgreifend Reformen der Altersvorsorge die Kapitalmärkte verändern können. Maureen Schlejen, Vorsitzende des Vorstands von [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management wird in der Keynote „Effects of the Transformation of the Dutch Pension System on Pension Fund Investment Management and the European Interest Rate Landscape“ eindrucksvoll gezeigt, wie tiefgreifend Reformen der Altersvorsorge die Kapitalmärkte verändern können. Maureen Schlejen, Vorsitzende des Vorstands von Achmea Investment Management, beschreibt die Transformation des niederländischen Systems als einen Paradigmenwechsel, der weit über nationale Grenzen hinaus wirkt und direkte Implikationen für Investmentstrategien, Governance-Strukturen und das europäische Zinsumfeld hat.</p>
<p>Achmea positioniert sich dabei als führender sogenannter Fiduciary Manager, also als strategischer Partner von Pensionsfonds, der nicht nur die Kapitalanlage umsetzt, sondern auch Verantwortung für die Gesamtarchitektur von Investmentprozessen übernimmt. In dieser Rolle begleitet das Unternehmen den Übergang in ein neues System, das sowohl konzeptionell als auch operativ deutlich anspruchsvoller ist. Ausgangspunkt der Reform war die wachsende Unzufriedenheit mit einem System, das für viele Teilnehmer kaum noch verständlich war. Fragen zur eigenen Altersvorsorge konnten oft nicht klar beantwortet werden, was das Vertrauen in die Strukturen untergrub.</p>
<p>Ein zentraler Kritikpunkt am alten System, dem sogenannten FTK, also dem „Financieel Toetsingskader“, einem finanzmathematischen Bewertungs- und Aufsichtsrahmen für Pensionsfonds in den Niederlanden, war laut Schlejen nicht primär die Finanzierung, sondern die Governance. Das System verdeckte wesentliche Zielkonflikte, etwa zwischen Generationen oder zwischen Sicherheit und Rendite. Garantien wurden teilweise ohne ausreichende ökonomische Grundlage gegeben, und ein prozyklisches Risikomanagement verstärkte in Krisenzeiten Marktbewegungen zusätzlich. Zudem kam es zu intransparenten Umverteilungen zwischen Altersgruppen, die weder klar kommuniziert noch nachvollziehbar waren.</p>
<p>Mit dem neuen System, dem Wtp („Wet toekomst pensioenen“, also Gesetz über die Zukunft der Pensionen), werden diese Zielkonflikte bewusst offengelegt. An die Stelle schwer verständlicher und teilweise nicht haltbarer Garantien treten transparente, steuerbare, aber auch unsicherere Ergebnisse. Die Altersvorsorge basiert nun stärker auf individuellen Beiträgen und tatsächlichen Kapitalmarkterträgen. Jeder Teilnehmer erhält ein persönliches Rentenkonto, auf dem Einzahlungen, Renditen und Risiken direkt sichtbar sind. Diese Transparenz ist ein zentrales Designprinzip: Die individuelle Vermögensentwicklung wird nachvollziehbar, erklärbar und unmittelbar mit der Kapitalanlage verknüpft.</p>
<p>Die Reform verändert damit grundlegend die Logik des Systems. Es erfolgt ein Übergang von leistungsorientierten Modellen, sogenannten DB-Systemen (Defined Benefit, also Systeme mit garantierten Leistungen), hin zu beitragsorientierten Modellen, den DC-Systemen (Defined Contribution, bei denen die spätere Leistung von den eingezahlten Beiträgen und deren Anlageerfolg abhängt). Innerhalb dieses neuen Rahmens existieren zwei zentrale Ausprägungen: das Solidarity Premium Pension Scheme (SPR), ein kollektiveres Modell mit gewissen Risikoteilungsmechanismen, und das Flexible Premium Pension Scheme (FPR), das stärker auf individuelle Wahlmöglichkeiten und Flexibilität setzt. Insgesamt werden rund 1,8 Billionen Euro an Pensionsvermögen in diese neuen Strukturen überführt, was die Dimension der Transformation verdeutlicht.</p>
<p>Für die Teilnehmer bedeutet dies einen grundlegenden Rollenwechsel. Sie gewinnen Transparenz und Kontrolle über ihr individuelles Altersvorsorgevermögen, verlieren jedoch gleichzeitig die Sicherheit impliziter Garantien. Renditen, Risiken und Anlageentscheidungen werden sichtbar und müssen zunehmend verstanden werden. Damit steigt auch die Eigenverantwortung. Für Pensionsfonds wiederum ergeben sich strategische Entscheidungen, insbesondere bei der Wahl zwischen SPR und FPR, sowie ein stärkerer Fokus auf die tatsächlichen Nettoergebnisse für die Versicherten. Entscheidungen von Gremien werden im Nachhinein klar nachvollziehbar, was die Anforderungen an Kommunikation und Begründung erheblich erhöht.</p>
<p>Auch die operativen Anforderungen steigen deutlich. Pensionsadministratoren müssen ihre Systeme vollständig neu aufsetzen, insbesondere durch die verpflichtende Verknüpfung von Pensions- und Investmentdaten in Echtzeit. Nachträgliche Anpassungen werden weitgehend ausgeschlossen, und illiquide Anlagen müssen zu aktuellen, verfügbaren Bewertungen integriert werden. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Koordinationsstellen, die die komplexen Prozesse zwischen Verwaltung, Asset Management und Governance steuern.</p>
<p>Für Asset Manager und Fiduciary Manager verschiebt sich die Rolle ebenfalls grundlegend. Kapitalanlagen bewegen sich strukturell in Richtung DC-basierter Lösungen, insbesondere im flexiblen Modell. Klassisches, stark haftungsgetriebenes Investmentmanagement wird durch stärker diversifizierte Multi-Asset-Ansätze ersetzt. Schlejen betont, dass Investmententscheidungen in diesem neuen System eine dauerhafte Wirkung entfalten: Fehlentscheidungen gleichen sich nicht mehr über kollektive Mechanismen aus, sondern wirken direkt und kumulativ auf individuelle Rentenergebnisse.</p>
<p>Diese Veränderungen haben auch direkte Auswirkungen auf die Zinsmärkte. Das Wtp-System reduziert die klassische Absicherung von Zinsrisiken, da der Fokus von einem haftungsgetriebenen Ansatz hin zu einem lebenszyklusorientierten Investieren verschoben wird. Das bedeutet, dass das Zinsrisiko stärker vom Alter der Teilnehmer abhängt. Jüngere Anleger tragen mehr Risiko, während ältere stärker abgesichert werden. Gleichzeitig sinkt die Sensitivität gegenüber Zinsänderungen, gemessen etwa über Kennzahlen wie DV01, also die Veränderung des Portfoliowerts bei einer Zinsbewegung von einem Basispunkt. Dies führt zu veränderten Hedging-Strategien, einem anderen Einsatz von Derivaten und neuen Anforderungen an Governance-Strukturen.</p>
<p>Nicht zuletzt beeinflusst die Reform auch die Möglichkeiten für nachhaltige und wirkungsorientierte Investments. Die Entscheidung für solche Anlagen hängt künftig stärker von der Liquidität der Fonds sowie von den Präferenzen der Teilnehmer ab, da diese direkter in Anlageentscheidungen eingebunden sind.</p>
<p>Insgesamt zeigt die Keynote, dass die Reform des niederländischen Pensionssystems weit mehr ist als eine nationale Anpassung. Sie stellt einen tiefgreifenden Systemwechsel dar, der die Beziehung zwischen Individuum, Kapitalmarkt und Staat neu definiert und gleichzeitig die Funktionsweise von Investmentmanagement und Zinsmärkten in Europa nachhaltig verändert.</p>
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		<title>Reform der Renten- und Altersvorsorgesysteme im Zuge der „Savings and Investments Union“</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 08:19:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management wird deutlich, dass die Transformation der Kapitalmärkte nicht nur durch institutionelle Investoren und technologische Innovationen vorangetrieben wird, sondern zunehmend auch durch strukturelle Reformen im Bereich der Altersvorsorge. In seiner Keynote „Reform der Renten- und Altersvorsorgesysteme im Zuge der ‚Savings and Investments [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem „Capital Markets Day 26“ an der Frankfurt School of Finance &#038; Management wird deutlich, dass die Transformation der Kapitalmärkte nicht nur durch institutionelle Investoren und technologische Innovationen vorangetrieben wird, sondern zunehmend auch durch strukturelle Reformen im Bereich der Altersvorsorge. In seiner Keynote „Reform der Renten- und Altersvorsorgesysteme im Zuge der ‚Savings and Investments Union‘“ ordnet Martin Weirich, Partner und Financial Services Sustainability Consulting Lead bei PwC Deutschland, diese Entwicklung in einen größeren europäischen Kontext ein und beschreibt sie als einen der zentralen Hebel zur Mobilisierung bislang ungenutzter Kapitalmarktpotenziale.</p>
<p>Ausgangspunkt seiner Analyse ist der sogenannte Competitiveness Compass der Europäischen Kommission, der als Reaktion auf den Bericht von Mario Draghi zentrale wirtschaftspolitische Prioritäten neu definiert. Im Fokus stehen dabei eine strategische Neuausrichtung Europas sowie eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, die Beschleunigung von Innovationen und die gezielte Verknüpfung von Dekarbonisierung mit Industriepolitik. Ergänzt wird dies durch das Ziel, die Souveränität und Resilienz Europas zu stärken sowie regulatorische Komplexität zu reduzieren, den Binnenmarkt zu vertiefen und Finanzierung, Kompetenzen und Koordination effizienter zu gestalten.</p>
<p>In diesem Kontext positioniert Weirich die „Savings and Investments Union“ als zentrales Integrationsprojekt, das drei Dimensionen vereint: die stärkere Einbindung der Bürger und ihrer Ersparnisse in den Kapitalmarkt, die Skalierung und Integration europäischer Finanzmärkte sowie die Verbesserung von Investitions- und Finanzierungsstrukturen bei gleichzeitig effizienterer Aufsicht. Der Kern des Ansatzes besteht darin, bislang nicht investiv genutzte Spargelder systematisch in produktive Kapitalmarktanlagen zu lenken und so Wachstum, Innovation und Altersvorsorge gleichzeitig zu stärken.</p>
<p>Besondere Dynamik entsteht laut Weirich durch einen doppelten Reformimpuls auf nationaler und europäischer Ebene, der auf ein gemeinsames Ziel einzahlt: die Kapitalmarktfähigkeit der Altersvorsorge. In Deutschland umfassen die Reformüberlegungen unter anderem ein neues Altersvorsorgereformgesetz im Sinne eines „Riester 2.0“, die Einführung einer Frühstartrente sowie ein zweites Betriebsrenten-Stärkungsgesetz zur Weiterentwicklung der betrieblichen Altersversorgung. Parallel dazu werden auf europäischer Ebene Instrumente wie das Pan-European Personal Pension Product und die Savings and Investments Union vorangetrieben, um grenzüberschreitende Lösungen zu ermöglichen und Skaleneffekte zu heben.</p>
<p>Gleichzeitig macht Weirich deutlich, dass die deutsche Reform zwar in die richtige Richtung weist, jedoch zentrale Bausteine noch nicht ausreichend adressiert. Dazu zählt insbesondere ein flächendeckendes Auto-Enrolment, also die automatische Einbindung von Beschäftigten in Vorsorgesysteme mit Opt-out-Option, das international als entscheidender Erfolgsfaktor für hohe Teilnahmequoten gilt. Ebenso fehlt es an einer vollständig integrierten Transparenzlösung in Form eines umfassenden Vorsorge-Dashboards, auch wenn mit der digitalen Rentenübersicht erste Schritte unternommen wurden. Weitere Defizite sieht er bei standardisierten Default-Optionen für Kapitalanlagen, einer klaren Kapitalmarktorientierung sowie einer konsistenten und nutzerfreundlichen Customer Experience, die in Deutschland bislang durch Fragmentierung, Medienbrüche und komplexe Prozesslogiken geprägt ist.</p>
<p>Zur Einordnung verweist Weirich auf internationale Beispiele aus den Niederlanden, Schweden und dem Vereinigten Königreich, die zeigen, wie durch klare Systemarchitekturen, automatisierte Teilnahme und standardisierte Produkte sowohl Effizienz als auch Akzeptanz gesteigert werden können. Diese Modelle illustrieren, dass erfolgreiche Altersvorsorgesysteme nicht nur auf regulatorischen Rahmenbedingungen beruhen, sondern maßgeblich von Nutzerorientierung, Skalierbarkeit und Integration abhängen.</p>
<p>Sein Fazit ist entsprechend deutlich: Die Reform der Altersvorsorge stellt eine der größten Chancen für die Entwicklung eines breiten, retailgetriebenen Kapitalmarkts in Europa dar. Gleichzeitig betont er die Dringlichkeit, da das Zeitfenster für wirksame Maßnahmen begrenzt ist. Ohne eine konsequente Umsetzung zentraler Reformelemente droht Europa, sowohl im internationalen Wettbewerb als auch bei der langfristigen Finanzierung von Wachstum und Wohlstand zurückzufallen.</p>
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		<title>Capital Markets in Transition – zwischen geoökonomischen Herausforderungen und technologischem Fortschritt</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 07:58:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der &#8222;Capital Markets Day 26&#8243; des &#8222;Frankfurt School Forum&#8220; zeichnet ein umfassendes Bild eines Kapitalmarkts im Umbruch, in dem sich makroökonomische Spannungen, regulatorische Neuausrichtungen und technologische Innovationen überlagern. Bereits in den einleitenden Beiträgen wird deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen für institutionelle Investoren und Finanzmarktakteure strukturell verändern. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich Kapitalmärkte [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der &#8222;Capital Markets Day 26&#8243; des &#8222;Frankfurt School Forum&#8220; zeichnet ein umfassendes Bild eines Kapitalmarkts im Umbruch, in dem sich makroökonomische Spannungen, regulatorische Neuausrichtungen und technologische Innovationen überlagern. Bereits in den einleitenden Beiträgen wird deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen für institutionelle Investoren und Finanzmarktakteure strukturell verändern. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich Kapitalmärkte in einem Umfeld behaupten können, das nicht mehr primär durch Effizienzüberlegungen, sondern zunehmend durch geopolitische Interessen, sicherheitspolitische Erwägungen und technologische Souveränität geprägt ist.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund positioniert Thorben Lüthge, Leiter des Geschäftsfelds Kapitalmarkt bei der DekaBank, seinen Vortrag mit dem Titel „Paradigmenwechsel im Kapitalmarkt: Geoökonomie und Machtpolitik statt ökonomischer Effizienztheorie“. Er beschreibt eine fundamentale Verschiebung im ökonomischen Denken: Während die klassische Kapitalmarkttheorie lange Zeit auf Effizienz, freien Handel und globale Arbeitsteilung ausgerichtet war, treten nun geopolitische Interessen und strategische Abhängigkeiten in den Vordergrund. Zur Einordnung verweist er auf das von David Ricardo entwickelte Gesetz der komparativen Kostenvorteile, das argumentiert, dass Länder durch Spezialisierung und Handel ihren Wohlstand maximieren können. Genau dieses Prinzip wird laut Lüthge zunehmend durch politische Eingriffe, Handelsbarrieren und sicherheitsorientierte Industriepolitik unterlaufen.</p>
<p>Die aktuellen Entwicklungen in Europa illustrieren diese Verschiebung besonders deutlich. Die Zins- und Kreditmärkte stehen unter dem Einfluss steigender Staatsverschuldung, einer alternden Bevölkerung und wachsender Stagflationssorgen. Diese Faktoren führen zu einem strukturell veränderten Zinsumfeld, in dem traditionelle Annahmen über Wachstum, Inflation und Kapitalallokation an ihre Grenzen stoßen. Kapitalmärkte müssen sich daher nicht nur an neue makroökonomische Realitäten anpassen, sondern auch an eine Welt, in der politische Entscheidungen direkten Einfluss auf Finanzströme und Risikobewertungen haben.</p>
<p>Ein weiterer zentraler Aspekt des Vortrags ist die Rolle technologischen Fortschritts, der sowohl als Herausforderung als auch als Chance im geoökonomischen Wettbewerb verstanden wird. Technologien wie Large Language Models und Anwendungen wie ChatGPT stehen exemplarisch für eine neue Phase der Digitalisierung, in der Datenverarbeitung, Automatisierung und künstliche Intelligenz die Funktionsweise von Kapitalmärkten grundlegend verändern. Lüthge betont, dass technologische Kompetenz zunehmend zu einem strategischen Faktor wird, der über Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität von Finanzplätzen entscheidet.</p>
<p>Um in diesem komplexen Umfeld handlungsfähig zu bleiben, skizziert er drei wesentliche Schritte. Erstens müsse die Situation möglichst realistisch verstanden werden, ein Ansatz, den er mit Bezug auf Ray Dalio beschreibt. Es gehe darum, ideologische Verzerrungen zu vermeiden und die tatsächlichen Macht- und Einflussstrukturen klar zu analysieren. Zweitens sei es entscheidend, die zentralen Treiber dieser Entwicklung zu identifizieren, also die Faktoren, die geopolitische, wirtschaftliche und technologische Veränderungen vorantreiben. Drittens müsse man die eigenen Handlungsspielräume erkennen, um innerhalb dieses Spannungsfelds strategische Optionen zu entwickeln und gezielt zu nutzen.</p>
<p>Der Vortrag fügt sich damit nahtlos in die Gesamtlogik der Konferenz ein, die den Kapitalmarkt nicht mehr isoliert als ökonomisches System betrachtet, sondern als Teil eines komplexen Gefüges aus Politik, Technologie und Gesellschaft. Lüthges Analyse macht deutlich, dass sich Marktteilnehmer auf eine neue Realität einstellen müssen, in der wirtschaftliche Effizienz nicht mehr das alleinige Leitprinzip ist, sondern durch Fragen von Macht, Sicherheit und technologischer Kontrolle ergänzt – und teilweise ersetzt – wird.</p>
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		<title>Capital Markets Day 26 an der Frankfurt School of Finance &amp; Management</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 07:48:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[An der Frankfurt School of Finance &#038; Management startet heute an der Adickesallee in Frankfurt am Main der &#8222;Capital Markets Day&#8220;. DieKonferenz ist klar entlang der zentralen Transformationsachsen des europäischen Kapitalmarkts strukturiert: Makroökonomie und Zinsumfeld, institutionelle Kapitalströme, Marktinfrastruktur sowie technologische Disruption durch Blockchain und Künstliche Intelligenz. Inhaltlich zeigt sich ein roter Faden: Der Kapitalmarkt befindet [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>An der Frankfurt School of Finance &#038; Management startet heute an der Adickesallee in Frankfurt am Main der &#8222;Capital Markets Day&#8220;. DieKonferenz ist klar entlang der zentralen Transformationsachsen des europäischen Kapitalmarkts strukturiert: Makroökonomie und Zinsumfeld, institutionelle Kapitalströme, Marktinfrastruktur sowie technologische Disruption durch Blockchain und Künstliche Intelligenz. Inhaltlich zeigt sich ein roter Faden: Der Kapitalmarkt befindet sich gleichzeitig unter geopolitischem Druck, regulatorischer Neuordnung und tiefgreifendem technologischen Wandel.</p>
<p>Der Auftakt mit Vertretern wie Roland Scheinert, Thorben Lüthge und Dr. Markus Röhrig setzt bereits die Tonalität, wie Ulrich Martin, Leiter des Frankfurt School Forums, deutlich macht: eine enge Verzahnung von Wissenschaft, Beratung, Banken und Börseninfrastruktur. Mit Frankfurt School of Finance &#038; Management als akademischem Anker wird die Konferenz klar im Spannungsfeld von Theorie und Praxis positioniert.</p>
<p>Inhaltlich beginnt der Tag stark makroökonomisch geprägt. Die Keynotes – insbesondere von Thorben Lüthge und Martin Weirich – adressieren zwei der aktuell dominierenden Kräfte: geoökonomische Fragmentierung und die Transformation der Altersvorsorgesysteme. Die Diskussion um die „Savings and Investments Union“ signalisiert, dass Kapitalmarktintegration in Europa politisch forciert wird, um Investitionen effizienter zu lenken. Ergänzt wird dies durch die Perspektive aus den Niederlanden (Maureen Schlejen), die als Blaupause für Pensionsreformen dienen können. Hier zeigt sich: Pension Capital wird zunehmend zum zentralen Treiber für Kapitalmarktliquidität und Zinsstruktur.</p>
<p>Die anschließende Paneldiskussion mit Akteuren wie Dr. Tammo Diemer, Dr. Ulrich Kater und einem Vertreter der Europäische Zentralbank verdeutlicht die systemische Dimension: steigende Staatsverschuldung, Reformdruck bei Pensionen und deren Rückkopplung auf Zins- und Kreditmärkte. Hier liegt ein zentraler Spannungsbereich der nächsten Jahre – zwischen fiskalischer Expansion und finanzieller Stabilität.</p>
<p>Mit dem Thema Infrastruktur als Assetklasse verschiebt sich der Fokus auf reale Investitionen. Beiträge von Akteuren wie KfW IPEX-Bank zeigen, dass Infrastrukturfinanzierung zunehmend institutionalisiert und kapitalmarktfähig wird. Das ist strategisch relevant, da diese Assets stabile Cashflows liefern und ideal zu den Bedürfnissen von Pensionsinvestoren passen.</p>
<p>Am Nachmittag erfolgt dann ein klarer Themenwechsel hin zur Marktinfrastruktur und Digitalisierung. Die Impulse zu Tokenisierung, etwa durch Steve Henning, machen deutlich: Der Erfolg digitaler Assets hängt weniger an der Technologie selbst als an Distribution, also Zugang, Liquidität und regulatorischer Einbettung. Initiativen wie eine europäische Blockchain-Infrastruktur (RL1) oder Plattformen wie Boerse Stuttgart Group-nahe Projekte zeigen den Anspruch Europas, digitale Souveränität im Kapitalmarkt zu sichern.</p>
<p>Die Diskussion um „Müssen Banken und FMIs jetzt handeln?“ bringt einen kritischen Punkt auf den Tisch: First-Mover-Vorteile versus regulatorische Unsicherheit. Klassische Finanzmarktinfrastrukturen stehen unter Druck, da neue, technologiegetriebene Systeme Effizienzgewinne versprechen – insbesondere im Settlement und bei der Verwahrung.</p>
<p>Der Block zu Digital Assets und KI vertieft diese Perspektive. Beiträge von Dr. Ulli Spankowski und Jan-Oliver Sell zeigen, dass Blockchain und KI nicht isoliert gedacht werden können: Während Blockchain Vertrauen und Infrastruktur neu definiert, verändert KI die Entscheidungslogik im Kapitalmarkt, etwa im Trading oder Risikomanagement. Themen wie Stablecoins und algorithmisches Lernen deuten darauf hin, dass Marktmechanismen selbst adaptiver und datengetriebener werden.</p>
<p>Die abschließende Keynote von Dr. Jochen Papenbrock setzt einen strategischen Schlusspunkt: Der Wettbewerbsvorteil im Banking verschiebt sich hin zu Rechenleistung, Datenverfügbarkeit und KI-Infrastruktur („AI Factories“). Das ist ein klares Signal, dass Technologie nicht mehr nur Enabler, sondern Kern des Geschäftsmodells ist.</p>
<p>Zusammengefasst will die Konferenz zu drei zentralen Erkenntnissen führen: Erstens wird der europäische Kapitalmarkt zunehmend durch regulatorische Integration und Pensionskapital geprägt. Zweitens verschiebt sich Wertschöpfung durch Digitalisierung von Produkten hin zu Infrastruktur und Distribution. Drittens wird technologische Souveränität – insbesondere bei Blockchain und KI – zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Banken und Finanzmarktinfrastrukturen.</p>
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		<title>M&amp;A-Berater im Finanzsektor starten mit deutlichen Verschiebungen ins Jahr 2026</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 10:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im ersten Quartal 2026 haben sich die Kräfteverhältnisse unter den Beratern für Fusionen und Übernahmen im Finanzdienstleistungssektor deutlich verschoben. Laut aktuellen Auswertungen von GlobalData dominieren vor allem große internationale Investmentbanken und Anwaltskanzleien das Geschehen, wobei sowohl beim Transaktionsvolumen als auch beim Gesamtwert der Deals teils erhebliche Zuwächse zu verzeichnen sind. Im Bereich der Finanzberater sicherte [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Im ersten Quartal 2026 haben sich die Kräfteverhältnisse unter den Beratern für Fusionen und Übernahmen im Finanzdienstleistungssektor deutlich verschoben. Laut aktuellen Auswertungen von GlobalData dominieren vor allem große internationale Investmentbanken und Anwaltskanzleien das Geschehen, wobei sowohl beim Transaktionsvolumen als auch beim Gesamtwert der Deals teils erhebliche Zuwächse zu verzeichnen sind.</p>
<p>Im Bereich der Finanzberater sicherte sich Barclays die Spitzenposition nach Transaktionswert mit beratenen Deals im Umfang von 31,4 Milliarden US-Dollar, während Houlihan Lokey nach Anzahl der Transaktionen führte und insgesamt 15 Deals begleitete. Die Entwicklung unterstreicht eine bemerkenswerte Dynamik innerhalb der Branche. Dazu erklärte Aurojyoti Bose: „Houlihan Lokey was the top adviser by volume in Q1 2025 and managed to retain that in Q1 2026. Interestingly, the number of deals it advised also remained unchanged.“ Gleichzeitig konnten alle Top-10-Berater nach Dealwert ihre Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr steigern. Besonders auffällig ist der Aufstieg von Barclays, das einen massiven Sprung nach vorne machte. Bose kommentierte hierzu: „In fact, Barclays saw more than a seven-fold jump in the total value of deals advised by it, improving its ranking from eighth in Q1 2025 to the top position in Q1 2026.“</p>
<p>Hinter Barclays folgen Morgan Stanley, Goldman Sachs, Lazard und JPMorgan, die allesamt Transaktionen im zweistelligen Milliardenbereich begleiteten. Beim Transaktionsvolumen liegt Goldman Sachs auf Platz zwei, gefolgt von Piper Sandler, Stifel/KBW und Raymond James Financial.</p>
<p>Auch bei den rechtlichen Beratern zeigen sich deutliche Verschiebungen. Sullivan &#038; Cromwell führt das Ranking nach Dealwert mit 20,7 Milliarden US-Dollar an, während Kirkland &#038; Ellis mit 15 Transaktionen die höchste Aktivität verzeichnete. Die Entwicklung bei Kirkland &#038; Ellis ist besonders bemerkenswert, wie Bose hervorhebt: „There was a three-fold jump in the total number of deals advised by Kirkland &#038; Ellis in Q1 2026 compared to Q1 2025 and resultantly, its ranking by volume jumped from 17th to the top position.“ Auch Sullivan &#038; Cromwell konnte massiv zulegen. Bose erklärte: „Similarly, there was more than a five-fold jump in the total value of deals advised by Sullivan &#038; Cromwell, lifting its ranking from 14th by value in Q1 2025 to top spot in Q1 2026.“</p>
<p>Weitere führende Kanzleien nach Dealwert sind White &#038; Case, Clifford Chance, Paul, Weiss, Rifkind, Wharton &#038; Garrison und Latham &#038; Watkins. Beim Transaktionsvolumen folgt Latham &#038; Watkins auf Platz zwei, während Simpson Thacher &#038; Bartlett, Paul, Weiss sowie Skadden, Arps, Slate, Meagher &#038; Flom ebenfalls zu den aktivsten Akteuren zählen.</p>
<p>Insgesamt zeigt sich, dass insbesondere großvolumige Transaktionen eine zentrale Rolle für die Verschiebung der Ranglisten spielen. Mehrere milliardenschwere Deals, darunter sogenannte Mega-Deals mit einem Volumen von über zehn Milliarden US-Dollar, haben maßgeblich dazu beigetragen, dass einzelne Akteure innerhalb kurzer Zeit deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Die Analyse basiert auf umfassenden Datenbanken und kontinuierlicher Marktbeobachtung, wodurch ein detailliertes Bild der aktuellen M&#038;A-Aktivitäten im Finanzsektor entsteht.</p>
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		<title>Immobilienkrise, Energiepreise und ihre Bedeutung für Kreditratings</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 07:46:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Oliver Everling]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachrichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die aktuelle Entwicklung am deutschen Immobilienmarkt verdeutlicht eine zunehmende Spreizung von Chancen und Risiken, die sich direkt in der Bewertung von Immobilienkrediten niederschlägt. Besonders prägnant wird dies in der Feststellung, „Chancen ja, für kapitalstarke, konservativ finanzierte, energieeffiziente oder sanierbare Bestände in nachfragestarken Lagen“ (Quelle: CHECK-Analyse, Stephan Appel, 26.04.2026), während für schwache Lagen, hoch fremdfinanzierte Strukturen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die aktuelle Entwicklung am deutschen Immobilienmarkt verdeutlicht eine zunehmende Spreizung von Chancen und Risiken, die sich direkt in der Bewertung von Immobilienkrediten niederschlägt. Besonders prägnant wird dies in der Feststellung, „Chancen ja, für kapitalstarke, konservativ finanzierte, energieeffiziente oder sanierbare Bestände in nachfragestarken Lagen“ (Quelle: CHECK-Analyse, Stephan Appel, 26.04.2026), während für schwache Lagen, hoch fremdfinanzierte Strukturen und sanierungsintensive Objekte die Krise als zusätzlicher Risikoverstärker wirke. Diese Differenzierung markiert im Kern genau jene Faktoren, die auch moderne Kreditratings bestimmen.</p>
<p>Im Kontext der Kreditvergabe bedeutet dies, dass sich die Risikobewertung zunehmend weg von pauschalen Marktannahmen hin zu objektspezifischen Kriterien verschiebt. Insbesondere die Energieeffizienz gewinnt dabei erheblich an Bedeutung. Sie beeinflusst nicht nur die laufenden Kosten und damit die Zahlungsfähigkeit der Mieter, sondern auch den Marktwert der Immobilie selbst. Sinkende Werte bei ineffizienten Gebäuden führen zu höheren Beleihungsausläufen und damit zu einer Verschlechterung zentraler Kennzahlen wie der Loan-to-Value-Quote, was sich unmittelbar negativ auf das Rating auswirkt.</p>
<p>Hinzu kommt die gestiegene Zinssensitivität des Marktes. Höhere Refinanzierungskosten belasten die Cashflows vieler Investitionen erheblich. In der Folge verschlechtern sich Schuldendienstdeckungsgrade, insbesondere bei hoch fremdfinanzierten Objekten. Der ehemals positive Leverage-Effekt kehrt sich dabei teilweise ins Gegenteil um und verstärkt Verlustrisiken. Für Ratingmodelle bedeutet dies eine stärkere Gewichtung von Zinsbindungsstrukturen, Kapitalpuffern und nachhaltiger Finanzierungsarchitektur.</p>
<p>Ein weiterer kritischer Punkt ist die zunehmende Zahl problembehafteter Kredite. Auch wenn viele Darlehen formal noch bedient werden, deutet vieles darauf hin, dass sich ein wachsender Teil im Übergangsstadium zwischen „performing“ und tatsächlich notleidend befindet. Die Analyse legt nahe, dass Banken Risiken teilweise durch Prolongationen oder Anpassungen von Kreditbedingungen verdecken und damit eine unmittelbare Neubewertung hinauszögern, was die Aussagekraft klassischer Kreditratings temporär einschränken kann.</p>
<p>Parallel dazu verstärken makroökonomische Faktoren wie steigende Energiekosten die Unsicherheiten. Sie wirken sowohl direkt auf die Betriebskosten von Immobilien als auch indirekt über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Mietern und Unternehmen. In Regionen mit wirtschaftlichen Strukturproblemen kann dies zu sinkender Nachfrage, fallenden Mieten und letztlich zu Wertverlusten führen – ein klarer Negativfaktor für Kreditratings.</p>
<p>Gleichzeitig zeigt sich, dass bestimmte Segmente eine höhere Resilienz aufweisen. Energieeffiziente Immobilien in starken Lagen oder Objekte mit stabilen, indexierten Mieteinnahmen generieren verlässlichere Cashflows und werden entsprechend besser bewertet. Damit verstärkt sich die Polarisierung im Markt: Während hochwertige Assets von stabilen oder sogar verbesserten Ratings profitieren, geraten risikoreichere Objekte zunehmend unter Druck.</p>
<p>Insgesamt wird deutlich, dass sich die Systematik der Immobilienkreditratings strukturell verändert. Energieeffizienz, Finanzierungsstruktur, Standortqualität und makroökonomische Einflüsse wirken heute enger zusammen als je zuvor. Die Folge ist eine deutlich differenziertere Risikobewertung, bei der die Energiefrage zu einem zentralen Bestandteil geworden ist und maßgeblich darüber entscheidet, ob ein Kredit als stabil oder risikobehaftet eingestuft wird.</p>
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