Immobilienpreise und ihre Bedeutung für Credit Ratings

Von Dr. Oliver Everling | 10.Februar 2026

Die jüngsten Daten des vdp-Immobilienpreisindex senden aus Sicht der Kreditrisikoanalyse ein differenziertes, insgesamt aber leicht positives Signal. Der bestätigte Aufwärtstrend der Immobilienpreise in Deutschland im Jahr 2025 hat mehrere Implikationen für Credit Ratings von Banken, Immobilienunternehmen, Pfandbriefemittenten und immobiliennahen Projektentwicklern.

Zunächst wirkt der breit abgestützte Preisanstieg stabilisierend auf die Qualität der Besicherungen in den Bankbilanzen. Steigende Immobilienwerte verbessern rechnerisch die Loan-to-Value-Quoten bestehender Finanzierungen. Für Ratingagenturen ist dies ein relevanter Faktor, da niedrigere Beleihungsausläufe das Verlustpotenzial im Ausfallfall reduzieren. Dass der vdp-Index auf realen Transaktionsdaten aus mehr als 700 Kreditinstituten basiert, erhöht dabei die Aussagekraft für die Einschätzung systemischer Risiken im Immobilienkreditportfolio.

Besonders positiv für das Kreditprofil vieler Institute ist die stärkere Dynamik bei Wohnimmobilien. Wohnfinanzierungen weisen historisch sehr niedrige Ausfallraten auf, was auch in der Pressemitteilung ausdrücklich betont wird. Der Anstieg der Preise um 4,2 Prozent, getragen vor allem von Mehrfamilienhäusern mit plus 5,3 Prozent, stützt die Cashflow-Stabilität vieler Investoren und reduziert den Druck auf Covenants in bestehenden Finanzierungen. Für Banken mit einem hohen Anteil an Wohnimmobilienkrediten kann dies zu einer Stabilisierung oder leichten Verbesserung der Asset-Quality-Indikatoren führen, was sich mittelbar positiv auf Ratings auswirken kann.

Gleichzeitig zeigt der Rückgang der Renditen, gemessen an den Liegenschaftszinsen, eine Kehrseite der Entwicklung. Wenn Kaufpreise schneller steigen als Mieten, sinken die laufenden Erträge. Für Ratingagenturen erhöht dies die Aufmerksamkeit auf die Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen, insbesondere bei hoch fremdfinanzierten Investoren in Mehrfamilienhäusern. Zwar bleiben die Risiken kurzfristig überschaubar, doch mittelfristig kann eine anhaltende Renditekompression die Schuldendienstfähigkeit schwächen, vor allem wenn Refinanzierungen zu höheren Zinsen erfolgen müssen.

Im Gewerbeimmobiliensegment fällt die Bewertung aus Ratingsicht vorsichtiger aus. Die Preiszuwächse von 3,5 Prozent im Jahresvergleich signalisieren zwar eine gewisse Stabilisierung nach der Zinswende, doch bleiben Büro- und Einzelhandelsimmobilien stärker konjunktur- und strukturabhängig. Die höheren Wachstumsraten bei Büroimmobilien können Ratingagenturen dazu veranlassen, das Segment differenzierter zu betrachten, etwa nach Lagequalität, Vermietungsstand und Mieterbonität. Die weiterhin moderaten Mietsteigerungen im Einzelhandel unterstreichen hingegen, dass dieses Teilsegment aus Risikosicht anfälliger bleibt.

Für Pfandbriefemittenten ist die Entwicklung grundsätzlich unterstützend. Steigende Immobilienpreise erhöhen die Deckungswerte im Deckungsstock und können die Überdeckung verbessern. In Kombination mit den traditionell konservativen Beleihungsansätzen im Pfandbriefsystem wirkt der Preisanstieg daher eher ratingstabilisierend als -treibend, da Pfandbriefe ohnehin auf sehr hohen Bonitätsniveaus angesiedelt sind.

Von besonderem Interesse für zukünftige Ratingeinschätzungen ist der politische Ausblick, den der vdp skizziert. Staatliche Bürgschaften für den Wohnungsneubau könnten, sofern umgesetzt, das Risikoprofil neuer Finanzierungen deutlich verändern. Für Ratingagenturen wäre dies ein kreditpositiver Faktor, da staatliche Garantien das Ausfallrisiko für Banken reduzieren und gleichzeitig den Neubau stimulieren könnten. Allerdings würde eine stärkere staatliche Rolle auch eine genaue Analyse der konkreten Ausgestaltung erfordern, um mögliche Fehlanreize oder langfristige fiskalische Risiken zu bewerten.

Insgesamt deutet die Pressemitteilung auf ein Umfeld hin, das kurzfristig eher stabilisierend für Credit Ratings wirkt, insbesondere im Wohnimmobiliensektor. Gleichzeitig mahnen die sinkenden Renditen, die Unsicherheiten bei Gewerbeimmobilien und die Abhängigkeit von wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen zu einer weiterhin selektiven und differenzierten Ratingbetrachtung. Für Ratingagenturen bleibt der deutsche Immobilienmarkt damit kein homogener Risikoanker, sondern ein Markt mit klaren Gewinnern, aber auch Segmenten, die weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.

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M.M.Warburg & CO Gesamtsieger bei der firstfive-Gala 2026 in Frankfurt

Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026

Im sehr festlichen Rahmen der Villa Bonn in Frankfurt am Main wurden die besten Vermögensverwaltungen des Jahres 2026 im Rahmen der firstfive-Gala ausgezeichnet. Begleitet von Kammermusik der Spitzenklasse, dargeboten von David Baban an der Violine mit Klavierbegleitung von Jiyun Kim, die Werke von Grażyna Bacewicz, Johannes Brahms, Claude Debussy, Wolfgang Amadeus Mozart und Niccolò Paganini spielten, stand ein Abend ganz im Zeichen von Leistung, Kontinuität und professionellem Vermögensmanagement. In den drei Auswertungszeiträumen 12, 36 und 60 Monate zeichnete die firstfive AG jene Institute aus, die in unterschiedlichen Marktphasen und Risikoklassen konstant überzeugen konnten.

Als Gesamtsieger über alle drei Zeiträume setzte sich M.M.Warburg & CO aus Hamburg durch. Das traditionsreiche Haus erzielte sowohl in der Drei- als auch in der Fünf-Jahreswertung den ersten Platz und belegte zusätzlich Rang zwei in der Zwölf-Monats-Wertung. Dieses außergewöhnliche Ergebnis führte zu 265 von 300 möglichen Gesamtpunkten. Auf den weiteren Plätzen folgten das Bankhaus Bauer Privatbank AG aus Essen mit 215 Punkten sowie LIQID Asset Management aus Berlin mit 212 Punkten. Die Bedeutung dieser Auszeichnung liegt vor allem darin, dass die besten Vermögensverwaltungen in drei unterschiedlichen Risikoklassen Top-Leistungen zeigen müssen, um Spitzenplätze zu erreichen. Genau diese anspruchsvolle Systematik verleiht den firstfive-Awards ihren hohen Stellenwert in der Branche.

Jürgen Lampe, Vorstand der firstfive AG, unterstrich die Besonderheit des Verfahrens mit den Worten: „Unsere Auswertungen werden auf Basis realer Depots vorgenommen. Die Datenbank der firstfive AG von rd. 180 Depots ist einzigartig und wir grenzen uns damit von Performanceprojekten oder Depotcontests anderer Institutionen ab. Diese haben eher den Charakter eines Börsenspiels und müssen mit der realen Vermögensverwaltung eines Anbieters nicht identisch sein.“ Lampe, der zudem Mitherausgeber von Büchern zum Thema „Rating von Vermögensverwaltungen“ ist, die im Frankfurt School Verlag GmbH und bei Springer Gabler erschienen sind, gilt als einer der profiliertesten Kenner der Branche und steht für eine transparente, wissenschaftlich fundierte Bewertung von Vermögensverwaltern.

In der Zwölf-Monats-Wertung setzte sich das Bankhaus Bauer Privatbank AG mit 78,3 Punkten an die Spitze, dicht gefolgt von M.M.Warburg & CO mit 75,2 Punkten. Rhein Asset Management belegte Rang drei. Besonders bemerkenswert war, dass die beiden Erstplatzierten nur drei Punkte voneinander trennten. Grundlage für den Sieg des Bankhauses Bauer waren zwei Silber-Plätze in der konservativen sowie in der moderat dynamischen Risikoklasse. Technologieaktien und Gold erwiesen sich als wesentliche Performancetreiber. Christian Wieschnewski, Bereichsleiter Vermögensverwaltung und Asset Management, erklärte: „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung zum ‚Vermögensverwalter des Jahres´. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer geschlossenen Teamleistung und bestätigt unseren Investmentansatz: Unser Kern ist ein aktives Management mit Fokus auf strukturell wachsende Unternehmen. Dabei hinterfragen wir unsere Entscheidungen laufend kritisch. Wichtig ist uns, auch in Phasen kurzfristiger Marktnervosität die langfristigen Perspektiven nie aus den Augen zu verlieren.“ Weiter betonte er die Nachhaltigkeit des Erfolgs: „Dass diese Strategie aufgeht, zeigt die Konstanz unserer Ergebnisse. Neben dem aktuellen Sieg konnten wir über drei Jahre den zweiten Platz und über fünf Jahre eine Top-5-Platzierung erreichen. Ein herzlicher Dank gilt unseren Kunden für ihr Vertrauen. Es gibt uns die nötige Sicherheit, unseren Weg mit Weitsicht und Ruhe zu verfolgen. Dieser Preis ist für unser gesamtes Team ein toller Ansporn für die Zukunft.“

In der Drei-Jahreswertung gelang M.M.Warburg & CO der Sprung vom zweiten Platz im Vorjahr auf Rang eins. Zwei Spitzenplatzierungen in der konservativen und dynamischen sowie ein Silberrang in der moderat dynamischen Risikoklasse sorgten für eine klare Distanz zur Konkurrenz. Eine Options- und Zertifikatestrategie sowie US-Technologie waren wesentliche Grundlagen dieses Erfolgs. Das Bankhaus Bauer verbesserte sich auf Platz zwei, während LIQID auf Rang drei zurückfiel. Auch in der Fünf-Jahreswertung bestätigte M.M.Warburg & CO seine außergewöhnliche Konstanz. Neben den bereits genannten Performancetreibern war ein erfolgreiches Stock Picking in Europa maßgeblich für den erneuten Spitzenplatz. LIQID verteidigte Rang zwei, während DJE Kapital AG den dritten Platz belegte.

Daniel Hupfer, Leiter Portfolio Management bei M.M.Warburg & CO, brachte die Bedeutung dieser Auszeichnung auf den Punkt: „Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Kundinnen und Kunden in den vergangenen Jahren – in einem volatilen Marktumfeld und in einer Zeit, die von zahlreichen wirtschaftlichen und (geo)politischen Ereignissen geprägt war – als starker und verlässlicher Partner zur Seite stehen konnten. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit kommt es auf eine klare Strategie und eine disziplinierte Umsetzung an.“ Und weiter: „Die Auszeichnung als bester Vermögensverwalter ist für uns daher Bestätigung und Ansporn zugleich. Sie unterstreicht die Leistungsfähigkeit und Qualität unseres Investmentprozesses. Zugleich dokumentiert sie die Stärke von M.M.Warburg & CO: unsere Erfahrung, unsere Stabilität und unseren Anspruch, für unsere Kundinnen und Kunden individuelle Lösungen zu entwickeln und verantwortungsvoll umzusetzen.“

Die Bewertungsmethodik von firstfive basiert auf der Sharpe-Ratio, also der risikoadjustierten Performance. Die Ergebnisse aus drei Risikoklassen werden über eine Punktewertung zusammengeführt. Die beste Sharpe-Ratio erhält 33,33 Punkte und dient als Maßstab für die weiteren Plätze, die entsprechend der prozentualen Erreichung dieses Top-Ergebnisses bewertet werden. Sieger ist die Bank oder Vermögensverwaltung mit der höchsten Gesamtpunktzahl von maximal 100 Punkten je Zeitraum. Damit wird nicht nur die Platzierung, sondern vor allem die Qualität der Einzelergebnisse gewichtet, sodass herausragende Leistungen in drei unterschiedlichen Anlagestrategien erforderlich sind.

Die firstfive AG selbst versteht sich als unabhängiges Controlling- und Rankinginstitut ohne eigene Vermögensverwaltung und ohne produktspezifische Interessenkonflikte. Seit mehr als 20 Jahren verfügt das Unternehmen über eine in Europa einzigartige Datenbank von rund 180 realen Depots namhafter Banken und Vermögensverwaltungen. Auf Basis anerkannter finanzmathematischer Maßstäbe liefert firstfive einen objektiven Vergleich der Leistungen professioneller Vermögensverwalter und zeigt in Quartalsberichten transparent die Stärken und Schwächen des Portfoliomanagements im Hinblick auf Rendite, Risiko und Kosten auf. Damit haben sich die firstfive-Awards als eine der verlässlichsten und renommiertesten Auszeichnungen der Branche etabliert.

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Emerging-Markets-Anleihen 2026: Verbesserte Fundamentaldaten und stabile Marktstruktur schaffen Chancen

Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026

Die Diskussion um Emerging-Markets-Anleihen war lange von Volatilität und Unsicherheit geprägt, doch im Jahr 2026 zeichnet sich eine strukturelle Neubewertung dieser Anlageklasse ab. Thomas Christiansen, Head of Emerging Markets Fixed Income bei der UBP, beschreibt in seinem Marktkommentar einen grundlegenden Wandel, der nicht nur auf kurzfristigen Marktbewegungen beruht, sondern auf nachhaltig verbesserten Rahmenbedingungen. Während viele entwickelte Volkswirtschaften mit steigenden Finanzierungskosten und einer angespannten Fiskalpolitik kämpfen, zeigen zahlreiche Schwellenländer eine deutlich robustere Ausgangslage. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Kreditratings wider, denn „2025 lag das Verhältnis von Rating-Upgrades zu Downgrades bei rund 2:1 – ein klares Signal für eine strukturelle Verbesserung innerhalb der Anlageklasse“.

Neben der verbesserten Bonität hat sich auch die Marktstruktur gewandelt. Ein wachsender Anteil lokaler Investoren reduziert die Abhängigkeit von internationalen Kapitalströmen und erhöht die Stabilität über den gesamten Marktzyklus hinweg. Gleichzeitig steht die Unternehmensseite auf einem soliden Fundament. Die durchschnittliche Nettoverschuldung liegt bei nur etwa 1,2x und damit nicht nur unter dem Niveau der entwickelten Märkte, sondern auch deutlich unter den Werten von vor zehn Jahren. Diese konservative Bilanzqualität trägt wesentlich zu stabileren Erträgen und einer attraktiveren Spread-Vergütung bei, was die Anlageklasse für Investoren wieder interessanter macht.

Trotz der in den vergangenen Jahren erfolgten Spread-Einengung bestehen weiterhin Renditechancen. Die Kapitalflüsse haben sich 2025 klar gedreht und sind wieder positiv, während die Anlageklasse global nach wie vor untergewichtet ist. Dieses strukturelle Unterinvestment eröffnet zusätzlichen Spielraum für weitere Zuflüsse, sobald Investoren die verbesserten Fundamentaldaten stärker in ihre Allokationsentscheidungen einbeziehen. Besonders hervorzuheben sind Lokalwährungsanleihen, die von hohen realen Zinsen, einem attraktiven Verhältnis von Carry zu Volatilität sowie der Erwartung eines moderat schwächeren US-Dollars profitieren. Dieser Effekt entlastet Emittenten mit Dollarverbindlichkeiten und erhöht zugleich das Renditepotenzial lokaler Währungen.

Auch Frontier Markets rücken in diesem Umfeld stärker in den Fokus. Zwar bleiben sie ein Nischenmarkt, doch sie bieten für selektive Investoren überdurchschnittliche Chancen bei weiterhin robuster Wachstumsbasis. Insgesamt vereinen Schwellenländeranleihen für 2026 attraktive Ertragschancen, eine weiter verbesserte Kreditqualität und einen hohen Diversifikationseffekt. Geopolitische Risiken und mögliche Gegenbewegungen des US-Dollars bleiben zwar relevante Themen, dominieren das Marktbild derzeit jedoch nicht. Angesichts der robusten Fundamentaldaten, der geringen Allokationen und der zunehmenden Stabilität der Anlageklasse spricht vieles dafür, dass EM-Anleihen im kommenden Jahr überdurchschnittlich abschneiden dürften.

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EM-Unternehmensanleihen: Warum Fundamentaldaten und Makro-Trends die Bewertungen stützen

Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026

EM-Unternehmensanleihen stehen weiterhin im Fokus internationaler Investoren, da sie in einem Umfeld moderater Zinsen und stabiler Konjunktur attraktive Ertragschancen bieten. Trotz bereits enger Spreads und hoher Nachfrage bleibt der Ausblick für diese Anlageklasse positiv, weil sowohl die Fundamentaldaten der Emittenten als auch das makroökonomische Umfeld unterstützend wirken. Denise Simon, Portfoliomanagerin und Analystin im Emerging Market Debt-Team bei Lazard Asset Management, betont, dass die Anlageklasse „weiterhin attraktive laufende Erträge“ biete und zudem „noch etwas Potenzial für weitere Spreadeinengungen bei Schwellenländeranleihen relativ zu US-Unternehmensanleihen“ bestehe.

Ein zentraler Grund für diese Einschätzung liegt in der robusten finanziellen Verfassung vieler Emittenten. Simon analysiert: „Mit Ausnahme einiger Emittenten aus der Chemiebranche sind die Unternehmensfundamentaldaten insgesamt weiterhin solide und bewegen sich am oberen Ende der historischen Bandbreite.“ Diese Stabilität schafft Vertrauen bei Investoren und bildet die Grundlage dafür, dass die aktuellen Bewertungen trotz der bereits engen Spreads als gerechtfertigt angesehen werden können. Gleichzeitig trägt das makroökonomische Umfeld zur Unterstützung bei. „Viele Entwicklungs- und Schwellenländer verzeichnen ein angemessenes Wirtschaftswachstum, eine gedämpfte Inflation und profitieren von stärkeren Währungen“, so Simon. In mehreren Ländern verbessern sich zudem die fundamentalen Trends nach Phasen erhöhter Belastung, während politische Veränderungen, etwa in Lateinamerika, zusätzliche wirtschaftsfreundliche Impulse liefern könnten.

Auch von der geldpolitischen Seite kommen unterstützende Signale. Die Erwartung stabiler bis sinkender US-Zinsen wirkt entlastend für Schwellenländeranleihen und erhöht deren Attraktivität im Vergleich zu US-Unternehmensanleihen. Laut Simon profitieren sie „aufgrund technischer Faktoren von höheren Renditen und Spreads in den Schwellenländern im Vergleich zu den USA“, was die Nachfrage nach Anlagen außerhalb der Vereinigten Staaten zusätzlich antreibt. Dennoch weist sie darauf hin, dass der Markt nicht frei von Risiken ist. Eine Belebung der Neuemissionstätigkeit könne zeitweise für Gegenwind sorgen und die Kurse belasten, auch wenn dies aus langfristiger Sicht neue Chancen eröffnet.

In ihrem Fazit unterstreicht Simon, dass das aktuelle Spreadniveau zwar „am unteren Ende der historischen Spannen“ liege und damit das durchschnittliche Kurspotenzial begrenze, die Bewertungen jedoch weiterhin durch Fundamentaldaten und das gesamtwirtschaftliche Umfeld gestützt würden. Gleichzeitig eröffnet die unterschiedliche Bewertung einzelner Emittenten Spielraum für eine gezielte Titelauswahl. „Darüber hinaus erwarten wir, dass sowohl Neuemissionen als auch unterjährige Volatilität potenzielle Alphaquellen bieten“, sagt sie. Zugleich mahnt sie zur Vorsicht, da der geringere Spreadpuffer die Fehlertoleranz reduziere. Eine sorgfältige Kreditauswahl und ein aktives Portfoliorisikomanagement bleiben daher entscheidend, um in diesem Marktumfeld nachhaltig erfolgreich zu sein. U

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Kursverluste bei Software-Aktien: Warum Credit Ratings für Investoren immer wichtiger werden

Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026

In den vergangenen Tagen und Wochen haben Software-Aktien erheblich an Wert verloren, was bei vielen Marktteilnehmern Fragen nach den tieferliegenden Ursachen und möglichen Folgen aufwirft. Neben kurzfristigen Bewertungsanpassungen rückt dabei zunehmend ein Faktor in den Fokus, der häufig im Hintergrund wirkt, aber maßgeblich die Kapitalallokation beeinflusst: das Credit Rating. Die jüngste Marktentwicklung zeigt, dass Investoren nicht mehr ausschließlich auf Wachstumsversprechen und technologische Zukunftsvisionen setzen, sondern stärker auf die finanzielle Stabilität und Ertragskraft von Unternehmen achten. Diese Verschiebung der Prioritäten lässt sich auch in den Aussagen von Clemens Berendt, Lead Portfoliomanager, erkennen, der auf die wachsende Spreizung an den Aktienmärkten hinweist. Er erklärt: „Seit einigen Monaten beobachten wir erhebliche Unterschiede bei der Kursentwicklung an den Aktienmärkten. Während große Tech-Unternehmen wie Microsoft und SAP zweistellig verlieren, gewinnt der breite Markt.“

Credit Ratings spiegeln genau diese veränderte Wahrnehmung wider, denn sie bewerten nicht nur die Bonität eines Unternehmens, sondern auch dessen Fähigkeit, in einem schwierigen Umfeld stabile Cashflows zu generieren. Wenn Software- und große Technologiewerte unter Druck geraten, liegt das häufig daran, dass ihre hohen Bewertungen zunehmend kritisch hinterfragt werden und ihr Geschäftsmodell als stärker von konjunkturellen Schwankungen oder technologischen Umbrüchen abhängig gilt. Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit solider Bilanzstruktur und verlässlichen Erträgen, was sich auch in der Entwicklung der Aktienindizes zeigt. Berendt betont: „Der gleichgewichtete S&P 500 konnte den nach Marktkapitalisierung gewichteten US-Index zuletzt um mehr als fünf Prozent outperformen.“ Diese Outperformance signalisiert, dass Investoren nicht mehr nur auf einige wenige Schwergewichte setzen, sondern breiter diversifizieren und verstärkt auf fundamentale Qualität achten.

Für Ratingagenturen bedeutet diese Entwicklung, dass Faktoren wie Ertragsstabilität, Verschuldungsgrad und Return on Investment wieder stärker gewichtet werden. Berendt weist darauf hin, dass „bei vielen Unternehmen der ‚Old Economy‘ die Fokussierung auf deren Return on Investment stark zunimmt“, da sie ihre Potenziale durch effiziente KI-Integration überzeugend kommunizieren. Diese stärkere Betonung von Rentabilität und Cashflow wirkt sich positiv auf das Credit Rating aus und senkt die Finanzierungskosten, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen erhöht. Im Gegensatz dazu stehen Geschäftsmodelle, die stark von hohen Erwartungen getragen werden, aber deren tatsächliche Ertragskraft noch nicht gesichert ist. Hier steigt das Risiko von Herabstufungen, sobald das Marktumfeld schwieriger wird.

Die zunehmende Marktbreite und die Abkehr von einer einseitigen Konzentration auf große Tech-Titel lassen sich somit auch als Ausdruck eines wachsenden Vertrauens in Unternehmen mit stabiler Bonität interpretieren. Berendt fasst diesen Trend so zusammen: „Investoren fokussieren sich zunehmend auf fundamentale Ertragsqualität, Bewertungsdisziplin sowie breitere Gewinnimpulse.“ Für den Kapitalmarkt bedeutet dies, dass Credit Ratings nicht nur als formale Kennzahl dienen, sondern als strategischer Kompass für Investitionsentscheidungen. Die aktuelle Rotation in Richtung Emerging Markets und Europa verstärkt diesen Effekt zusätzlich, da hier häufig attraktivere Bewertungen und teils bessere Bonitätsprofile zu finden sind. Insgesamt zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen Kursentwicklung und Credit Rating enger ist denn je, weil in unsicheren Zeiten die Frage nach der finanziellen Belastbarkeit eines Unternehmens zum entscheidenden Kriterium wird.h

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Wie die EZB mit dem starken Euro umgeht – und warum Zinssenkungen trotz Markt­spekulationen unwahrscheinlich sind

Von Dr. Oliver Everling | 4.Februar 2026

Im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag schauen die Finanzmärkte sehr genau darauf, wie die Europäische Zentralbank mit der zuletzt deutlich gestiegenen Stärke des Euro umgehen wird. Ein stärkerer Euro beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung, vor allem über die Preise von Importen und damit über die Inflation. Deshalb ist die Frage wichtig, ob die EZB diese Entwicklung zum Anlass nimmt, ihre Geldpolitik zu lockern, also etwa die Zinsen zu senken, oder ob sie gelassen bleibt. Einen Einblick in diese Überlegungen gibt ein aktueller Marktkommentar von Felix Feather, Economist bei Aberdeen Investments, der die Lage vor dem EZB-Meeting einordnet.

Feather weist zunächst darauf hin, dass die Ausgangslage ungewöhnlich ist. „Die EZB geht mit einem auf handelsgewichteter Basis historisch starken Euro in die Sitzung am Donnerstag.“ Das bedeutet, dass der Euro nicht nur gegenüber einer einzelnen Währung, sondern im Durchschnitt gegenüber den wichtigsten Handelspartnern sehr stark bewertet ist. Diese Entwicklung ist auch innerhalb der EZB nicht unbemerkt geblieben. „Einige geldpolitische Entscheidungsträger, darunter Kocher und Villeroy, haben ihre Besorgnis über diese Entwicklung geäußert.“ Solche öffentlichen Äußerungen haben an den Märkten Erwartungen geweckt. „Das hat Spekulationen darüber ausgelöst, dass die EZB mit einer Lockerung der Geldpolitik reagieren könnte.“

Ob es tatsächlich zu einer solchen Reaktion kommt, hängt laut Feather vor allem davon ab, welche Folgen der starke Euro für die Inflation hat. „Ob dies tatsächlich geschieht, hängt davon ab, wie sich die Euro-Stärke auf die Inflation auswirkt.“ Grundsätzlich gilt dabei eine einfache Faustregel, die Investoren und Notenbanker häufig heranziehen: „Als Faustregel gilt: Eine Aufwertung des Euro um 1 % ist mit einem Rückgang der Gesamtinflationsrate um vier Basispunkte verbunden.“ Ein stärkerer Euro verbilligt Importe, was tendenziell den Preisdruck senkt und damit die Inflation dämpft.

Allerdings ist die Situation aus Sicht der EZB komplexer. Feather erklärt, dass man argumentieren könnte, der jüngste Anstieg des Euro habe besondere Ursachen. „Allerdings könnten die Entscheidungsträger argumentieren, dass der jüngste Anstieg des Euro zum Großteil vom verbesserten makroökonomischen Ausblick für Europa getrieben wurde, und dass der disinflationäre Effekt daher geringer ausfallen könnte.“ Wenn der Euro stärker wird, weil sich die wirtschaftlichen Perspektiven in Europa verbessern, dann ist das aus Sicht der Notenbank weniger problematisch, als wenn die Aufwertung allein durch Kapitalzuflüsse oder Zinserwartungen entsteht.

Zudem relativiert Feather die tatsächliche Größenordnung der bisherigen Euro-Aufwertung. „Bis Mittwochmorgen ist der Euro um 0,17 % gegenüber einem handelsgewichteten Währungskorb gestiegen, verglichen mit den im Dezember von der EZB aktualisierten Prognosen.“ Dieser Anstieg ist sehr gering und hat entsprechend wenig Einfluss auf die Inflation. „Das würde auf einen nahezu vernachlässigbaren disinflationären Impuls hindeuten.“ Mit anderen Worten: Der Effekt auf die Preisentwicklung dürfte so klein sein, dass er geldpolitisch kaum ins Gewicht fällt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Haltung der EZB-Präsidentin. Feather erinnert daran, dass Christine Lagarde in der Vergangenheit eine gewisse Gelassenheit gegenüber einem stärkeren Euro gezeigt hat. „Unabhängig davon hat Lagarde in der Vergangenheit Bereitschaft gezeigt, einen stärkeren Euro zu tolerieren.“ Vor diesem Hintergrund erwartet Aberdeen Investments keine überraschende Kehrtwende der EZB. „Wir erwarten, dass sie diese Sichtweise bekräftigen und sich gegen die jüngsten Bewegungen an den Swap-Märkten stellt, die eine mögliche Zinssenkung der EZB als Reaktion auf die Euro-Stärke einpreisen.“ Die Märkte haben also aus Sicht von Feather zu früh auf Zinssenkungen gesetzt.

Am Ende kommt er zu einer klaren Einschätzung für das Gesamtjahr. „Wir gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins im gesamten Jahr unverändert lässt.“ Für Anleger und Beobachter bedeutet das: Trotz des starken Euro dürfte die EZB ruhig bleiben und vorerst keine geldpolitischen Maßnahmen ergreifen, solange sich die Auswirkungen auf die Inflation als gering erweisen.

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Crypto-Millionäre auf dem Papier: Wie eine Kurskorrektur 11.849 Bitcoin-Wallets unter die Millionengrenze drückte

Von Dr. Oliver Everling | 3.Februar 2026

Eine aktuelle Meldung von TechGaged.com sorgt in der Krypto-Community für Aufmerksamkeit, weil sie auf den ersten Blick einen dramatischen Rückgang sogenannter Bitcoin-Millionäre beschreibt. Laut der Analyse seien innerhalb weniger Wochen 11.849 Adressen unter die Schwelle von umgerechnet einer Million US-Dollar gefallen. Grundlage dafür seien öffentlich zugängliche On-Chain-Daten, aus denen hervorgeht, dass die Zahl der entsprechenden Wallets von 151.175 am 9. Januar 2026 auf 139.326 am 3. Februar 2026 gesunken sei. Die Autoren betonen allerdings selbst, dass dieser Rückgang nicht zwangsläufig auf massenhafte Verkäufe hindeute, sondern vor allem eine Folge der Preisbewegung sei.

Bitcoin hatte sich in diesem Zeitraum von Kursen nahe 90.000 US-Dollar in den mittleren 70.000-Dollar-Bereich zurückgezogen. Dadurch rutschten viele Adressen, die zuvor knapp über der Millionengrenze lagen, rechnerisch darunter. In der Studie heißt es sinngemäß, dass „die Drop in millionaire addresses appears more reflective of price compression than widespread capitulation“, also eher eine Bewertungskorrektur als ein struktureller Exodus vorliege. Auch die mittleren Wallet-Segmente zwischen 1 und 100 BTC hätten vergleichsweise geringe Veränderungen gezeigt, was laut TechGaged für eine gewisse Stabilität der Besitzverhältnisse spreche.

Gleichzeitig weisen die Forscher darauf hin, dass solche Kennzahlen stark von der Marktdynamik abhängen und daher mit Vorsicht zu lesen sind. „As Bitcoin moves through liquidity cycles, USD-denominated wealth brackets can change rapidly even when the underlying distribution of coins remains relatively stable“, erklärt Rokas Baltrusaitis, Senior Research Analyst bei TechGaged.com. Sichtbare Schwankungen in der Zahl der Millionärs-Wallets könnten also vor allem die Stimmung widerspiegeln, ohne zwangsläufig reale Umschichtungen im Netzwerk zu bedeuten.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor liegt in der Methodik selbst. Die Daten stammen aus der Bitcoin Rich List von BitInfoCharts, verglichen wurde ein Archivstand vom 9. Januar mit den aktuellen Werten vom 3. Februar. „Millionaire wallets“ sind dabei schlicht als Adressen mit einem rechnerischen Gegenwert von mehr als einer Million Dollar definiert. Dass ein einzelner Akteur mehrere Wallets kontrollieren kann oder dass sich die Klassifizierung allein durch Kursschwankungen ändert, räumen die Autoren ausdrücklich ein. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Schlagzeilenwert der „verlorenen“ 11.849 Bitcoin-Millionäre zwar leicht vermitteln, doch bleibt offen, wie viel Substanz hinter der Zahl steckt und wie genau sie die tatsächliche Vermögensverteilung im Netzwerk widerspiegelt.

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Marktausblick 2026: Warum Stabilität und Credit Ratings für Anleger entscheidend sind

Von Dr. Oliver Everling | 29.Januar 2026

Die Weltwirtschaft hat sich 2025 widerstandsfähiger gezeigt, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Trotz außergewöhnlich hoher politischer und geopolitischer Risiken blieben ein starker Inflationsanstieg und eine Rezession aus. Desiree Sauer, Investment-Strategin bei Lazard Asset Management, bringt es auf den Punkt: „Die globale Konjunktur hat sich robuster gezeigt als vielfach erwartet.“ Auch für 2026 sieht sie eine grundsätzlich stabile Ausgangslage, warnt jedoch vor zunehmenden Unsicherheiten, die das Marktumfeld anspruchsvoller machen.

Ein wesentlicher Stabilitätsfaktor ist die Geldpolitik. Viele Zentralbanken haben ihre Leitzinsen gesenkt, was mit zeitlicher Verzögerung wachstumsunterstützend wirken dürfte. „Die geldpolitischen Impulse entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern schrittweise“, betont Sauer. Hinzu kommt eine expansive Fiskalpolitik: In Deutschland greifen die Effekte eines großen Konjunkturprogramms, während in den USA ab 2026 umfangreiche Steuererstattungen an private Haushalte fließen sollen. Auch höhere Verteidigungsausgaben in Europa stützen die Nachfrage.

China sendet ebenfalls Signale der Stabilisierung. Nach einer längeren Schwächephase mehren sich Hinweise auf einen konjunkturellen Wendepunkt, getragen von Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz und einem vergleichsweise stabilen Außenhandel. Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Sauer warnt: „Zentrale strukturelle Herausforderungen bleiben jedoch ungelöst, darunter das schwächere Wachstum, die anhaltenden Belastungen im Immobiliensektor sowie zunehmend protektionistische Maßnahmen gegenüber chinesischen Technologien.“

In den USA rücken handelspolitische und migrationspolitische Fragen in den Fokus. Die rechtlich umstrittenen Zölle könnten Inflation und Wachstum beeinflussen, während eine restriktivere Einwanderungspolitik den Arbeitsmarkt belastet und Kosten erhöht. Auch Europa steht zwischen relativer Stabilität und strukturellem Gegenwind. Ein starker Euro, steigender Wettbewerbsdruck aus China und politische Unsicherheiten in einzelnen Ländern belasten die Perspektiven zusätzlich.

Für die Kapitalmärkte bedeutet dieses Umfeld erhöhte Volatilität. Aktien bleiben grundsätzlich attraktiv, auch wenn das kurzfristige Aufwärtspotenzial begrenzt ist. Rückschläge gehören zum Marktbild, ebenso wie die Notwendigkeit, genauer hinzuschauen. Gerade im Anleihemarkt zeigt sich, wie wichtig Differenzierung geworden ist. Enge Credit-Spreads erhöhen die Sensitivität gegenüber konjunkturellen Abschwüngen, weshalb eine sorgfältige Auswahl entscheidend ist. In einem Umfeld, das von politischen Risiken, hohen Staatsausgaben und Inflationsgefahren geprägt ist, wird deutlich, dass es sich lohnt, auf Credit Ratings zu achten, um die tatsächliche Bonität von Emittenten besser einschätzen zu können und unerwartete Verluste zu vermeiden.

Schwellenländer und ausgewählte Unternehmensanleihen bieten Chancen, profitieren von strukturellem Wandel und attraktiven Bewertungen, bleiben aber anfällig für geopolitische Spannungen. Sauer fasst die Gesamtlage so zusammen: „Insgesamt gilt: Wie sich die Kapitalmärkte 2026 entwickeln, hängt maßgeblich davon ab, ob die wichtigsten Risikofaktoren (geopolitisch und ökonomisch) unter Kontrolle bleiben.“ Für Anleger bedeutet das, Chancen zu nutzen, ohne die Risiken aus dem Blick zu verlieren, und in einem komplexen Umfeld bewusst auf Qualität und Bonität zu setzen.

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Implikationen geopolitischer und fiskalischer Risiken für das Credit Rating

Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026

Die aktuellen Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten haben auch für das Credit Rating von Staaten und Unternehmen bedeutsame Implikationen. Trotz der geopolitischen Spannungen, die durch die US-Intervention in Venezuela, die Proteste im Iran und den kurzlebigen Streit um Grönland ausgelöst wurden, zeigen die Märkte bisher bemerkenswerte Stabilität. Wie Dr. Eduard Baitinger im FERI Markets Update betont, rechtfertigen die Fundamentaldaten diese Stabilität: „Die Unternehmensgewinne bleiben auf Wachstumskurs, während Rezessionsrisiken derzeit kaum zu sehen sind.“

Für Ratingagenturen bedeutet dies, dass die kurzfristige Bonität von Unternehmen in den USA weiterhin solide eingeschätzt werden kann, auch wenn politische Turbulenzen den US-Dollar unter Druck setzen. Baitinger weist darauf hin, dass die US-Währung „empfindlich gegenüber einem weiter zunehmenden Vertrauensentzug internationaler Investoren“ ist, was das Risiko von Währungsstress für international investierende Unternehmen erhöht und somit indirekt auch Ratings beeinflussen kann.

In Japan werfen steigende Zinsen Fragen zur Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen auf. Mit einer Staatsverschuldung von deutlich über 200 Prozent der Wirtschaftsleistung besteht langfristig ein erhöhtes fiskalisches Risiko, auch wenn eine akute Krise derzeit nicht absehbar ist. Baitinger stellt klar: „Eine akute Fiskalkrise ist damit zwar nicht absehbar, die strukturelle Verwundbarkeit der öffentlichen Finanzen nimmt jedoch zu.“ Für Ratingagenturen bedeutet dies, dass die langfristige Bonität Japans möglicherweise unter Druck geraten könnte, insbesondere wenn sich die Zinskosten weiter erhöhen und die Notenbankinterventionen intensiver werden müssen.

Die Widerstandsfähigkeit der Märkte trotz geopolitischer und fiskalischer Unsicherheiten zeigt, dass Ratingbewertungen nicht ausschließlich auf kurzfristigen politischen Ereignissen basieren sollten. Vielmehr sollte der Fokus auf nachhaltigen Fundamentaldaten liegen. Die hohe Managementqualität und Profitabilität vieler US-Unternehmen sowie die günstige Zinsstruktur in Japan stützen weiterhin positive Bewertungen. Gleichzeitig muss die Verwundbarkeit gegenüber Währungsschwankungen und steigenden Zinskosten in die Risikobewertungen einfließen, um ein realistisches Bild der Bonität zu gewährleisten. Insgesamt zeigt sich, dass trotz politischer Unwägbarkeiten und geopolitischer Risiken die aktuelle Marktstabilität den Ratingprozess nicht fundamental gefährdet, wohl aber eine differenzierte Betrachtung erfordert, die sowohl kurzfristige Volatilität als auch langfristige strukturelle Risiken berücksichtigt.

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Bitcoin als diversifizierende Anlage: Chancen, Risiken und Mungers skeptische Haltung

Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026

Einst belächelt, gehören Kryptowährungen heute zum Instrumentarium der Vermögensanlage. Laut Nicolas Cohen-Addad, Head Investment Solutions APAC & Head Portfolio Management bei LGT Private Banking, „kann eine kleine Beimischung die Diversifikation verbessern – ist jedoch nicht für jedes Risikoprofil geeignet.“ In einem aktuellen Marktkommentar beschreibt er, wie digitale Vermögenswerte „eine diversifizierende Komponente in langfristig ausgerichteten und komplexen Portfolios darstellen können.“ Digitale Vermögenswerte gelten zunehmend als Bestandteil der Vermögensallokation, auch wenn sie keine laufenden Erträge generieren. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen noch relativ jung, aber laut Cohen-Addad „stellt [Bitcoin] zunehmend ein legitimes Mittel zur Wertaufbewahrung dar, das in der langfristigen Vermögensallokation berücksichtigt werden sollte und zu resilienteren Portfolios beitragen kann.“ Dabei sei jedoch zu beachten, dass diese Anlagen nicht für jede Anlegerin oder jeden Anleger geeignet sind und ihre Berücksichtigung stets von der Risikotoleranz innerhalb eines diversifizierten Portfolios abhängt. Während traditionelle Vermögenswerte wie Aktien oder Anleihen laufende Erträge in Form von Dividenden oder Zinszahlungen liefern, „werfen Bitcoin, physische Währungen und Gold keine laufenden Erträge ab.“ Der theoretische „Fair Value“ von Bitcoin lässt sich daher schwer bestimmen, doch auch wenn solche Berechnungen oft umstritten seien, „dienen sie als Orientierung zur Bestimmung des Vermögenswerts – und damit als Basis für die Etablierung eines Mittels zur Wertaufbewahrung.“

Bitcoin hat sich in den letzten Jahren stärker im Mainstream etabliert, unterstützt durch neue gesetzliche Regelwerke in wichtigen Finanzmärkten wie den USA, den Markteintritt institutioneller Investoren und die Einführung börsengehandelter Fonds auf Bitcoin. Cohen-Addad betont, dass Anlegerinnen und Anleger sich der „starken historischen Volatilität von Bitcoin bewusst sein“ sollten, auch wenn sich diese Schwankungen in jüngerer Zeit verringert haben. Studien zeigen, dass bereits eine geringe Beimischung von Bitcoin „die Rendite eines diversifizierten Portfolios erhöhen kann.“ Digitale Vermögenswerte wie Bitcoin werden zwar kaum das Rückgrat von Portfolios bilden, können aber für langfristig orientierte Investoren mit entsprechender Risikoneigung interessante Chancen eröffnen.

Trotz dieser Perspektiven würde der verstorbene Charles Munger von Berkshire Hathaway wahrscheinlich weiterhin keine Anlageempfehlung für Bitcoin geben. Munger war bekannt für seine vorsichtige Haltung gegenüber spekulativen digitalen Assets und betonte wiederholt, dass er Kryptowährungen skeptisch gegenüberstand. Damit bleibt selbst bei der wachsenden Anerkennung von Bitcoin durch etablierte Finanzakteure seine Haltung ein mahnendes Beispiel für die Vorsicht, die Anleger bei dieser Anlageklasse walten lassen sollten.

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