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Privatkundengeschäft – Sektor im Sinkflug?

Von Karl-Heinz Goedeckemeyer | 21.November 2013

Das Geschäft mit Privatkunden stellt die deutschen Kreditinstitute vor großen Herausforderungen. Der scharfe Wettbewerb, die rückläufigen Zinsmargen und die Überkapazitäten zwingen vor allem die Großbanken dazu ihre Kosten massiv zu senken. Insofern steht die Branche vor einer radikalen Transformation, um unter den veränderten Rahmenbedingungen nach der Finanzkrise zu überleben. Trotz des stabilen Konjunkturumfelds dürften die Erträge angesichts des intensiven Wettbewerbs, der  geänderten Kundenpräferenzen  und der regulatorischen Anforderungen kaum wachsen und mittelfristig stagnieren. Da die Banken erst die halbe Strecke der Krisenbewältigung zurückgelegt haben – normalerweise dauert es  zehn Jahre,  bis eine Finanzkrise zu überwinden ist – müssen die Institute auf ein profitables Wachstum einschwenken, um auch die zweite Hälfte zu schaffen, sagt Eckart Windhagen, Leiter der deutschen Bankenberatung bei McKinsey auf der Euro Finance Week in Frankfurt.

Wie bedrohlich die Lage im deutschen Privatkundengeschäft ist, lässt sich an der Zinsmarge ablesen. Diese ist von 2,2 % im Jahr 1985 auf inzwischen unter einem Prozent gefallen. Windhagen vergleicht die derzeitige Situation der Retailbanken mit dem Safety Car bei Formel I-Rennen.  Solange das Safety Car auf der Strecke ist, ist das Rennen neutralisiert, Überholmanöver sind verboten, die Nachzügler kommen den führenden Autos näher. Wenn diese Phase jedoch beendet ist trennt sich wieder die Spreu vom Weizen. Da der Sektor noch weit unter dem auskömmlichen Profitabilitätsniveau  ist,  befindet sich die Branche weiter im Sinkflug, so der McKinsey-Manager. Hinzu kommt, dass die Banken noch nicht einmal n der Lage seien, notwendige Investments ins Geschäftsmodell zu tätigen. Dass die Budgets für Investitionen derzeit knapp sind, bestätigt auch Peter Schirmbeck, Leiter des Privatkundengeschäfts bei der DZ Bank, auf der gleichen Veranstaltung. Wie stark die Innovationsfähigkeit bei den Banken in der Krise zurückgegangen ist, zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens Consileo. Derzufolge belief sich die Innovationsintensität (Innovationsausgaben in Prozent des Umsatzes) bei den deutschen Kreditinstituten im Jahr 2011 bei 0,5 %. Im Vergleich dazu lag diese Kennzahl  im Fahrzeugbau bei 9,3 %.

Trotz der vielen Umbauarbeiten in der deutschen Finanzbranche fehlt es vielen Kreditinstituten an der Strategie wie sie auf die neuen Herausforderungen reagieren sollen. Denn  gerade im Geschäft mit den Privatkunden gibt es viele bedrohliche Veränderungen die das Geschäftsmodell infrage stellen. Insofern wird der Druck auf die Profitabilität im Retailbanking möglicherweise noch weiter zunehmen. In Deutschland erzielt eine durchschnittliche Filialbank ein Vorsteuerergebnis pro Kunde von ca. 75 Euro im Jahr, heißt es in einer Studie von BCG. Ohne geeignete Gegenmaßnahmen dürfte dieses Ergebnis in Zukunft um bis zu zwei Drittel einbrechen. Aufgrund des zunehmenden Profitabilitätsdrucks und des bestehenden Verdrängungswettbewerbs würden sich nur noch diejenigen Retailbanken behaupten, die sich klar positionieren und differenzieren. Das Problem hierbei ist, dass sich mit Ausnahme der Direktbanken und Baufinanzier in den vergangenen 15 Jahren nur wenige neue Geschäftsmodelle im deutschen Retailbanking etabliert haben. Eine ähnliche Situation ergibt sich bei den Produkten und Services. Statt sich durch neue Innovationen zu differenzieren, erfolgte Differenzierung bislang maßgeblich über den Preis. Ob es den deutschen Retailbanken gelingt, sich in Richtung Wachstum und Profitabilität zu transformieren blieb auf der Retail Banking-Konferenz unbeantwortet. Vielmehr herrschte in weiten Teilen große Ratlosigkeit, wie auf  die neuen Herausforderungen im mobilen Internet und auf die veränderten Kundenbedürfnisse zu reagieren ist.

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