Markttest mit Hochzinsanleihen?

Von Dr. Oliver Everling | 23.Januar 2018

Wer noch im Jahr 2018 Hochzinsanleihen kaufen will, sollte einige Faktoren besonders im Auge behalten. Mike Della Vedova, Portfoliomanager der European High Yield Bond Strategy von T. Rowe Price, erklärt, welche das sind.

Unter anderem geht er auf die technischen Faktoren ein. Diese sieht er für Hochzinsanleihen auch im Jahr 2018 vorteilhaft. „Die Ausfallquote könnte künftig auf unter zwei Prozent fallen und dürfte somit weiter auf einem niedrigen Niveau notieren, das unter dem historischen Durchschnitt in Europa liegt. Während das Gesamtangebot hoch sein könnte, gehen wir nicht davon aus, dass die Neuemissionen von Anleihen eher gedämpft ausfallen werden, weil Refinanzierung eine dominierende Rolle spielen dürfte. Die Mittelflüsse sind weit schwieriger vorauszusagen, und werden vom äußeren Umfeld und dem Sentiment gegenüber Risikomärkten beeinflusst.“

Besonders für europäische Investoren seien Hochzinsanleihen attraktiv, bedenke man, dass viele Staatsanleihen aus der Eurozone negative Zinsen haben. Geringe Finanzierungskosten und ein anhaltender Bedarf nach Rendite bilden einen günstigen Boden für ausgebende Unternehmen im noch jungen Jahr neue Angebote an den Primärmarkt zu bringen. „Im weiteren Verlauf des Jahres – sofern die Kreditmärkte entspannt bleiben – besteht ein gewisses Risiko, dass es aggressivere Deals geben könnte, um den Markt zu testen“, warnt der Portfoliomanager.

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Kosten machen die Rendite

Von Dr. Oliver Everling | 22.Januar 2018

Risiko ist die Währung, mit der man sich höhere Renditen erkauft. Dieser weit verbreiteten Ansicht widerspricht entschieden Rogier Minderhout, Gründer der digitalen Rentenversicherung myPension.de. „Genau deshalb scheuen die meisten Deutschen eine Altersvorsorge auf der Grundlage von Aktien“, so der gebürtige Niederländer, ein ehemaliger Investmentbanker von Goldman Sachs. Richtig müsse es heißen: „Laufzeit ist die Währung, mit der man sich höhere Renditen sichert.“ Zudem: Je länger die Laufzeit einer Geldanlage in Aktien, desto geringer sei das Risiko.

Minderhout sieht sich bestätigt durch die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). „Je länger die Anlagedauer und je breiter die Streuung, desto geringer die Schwankungsbreite“, stellt Frank Nobis, Mitgründer des IVFP, darin fest und betont: „Sparen lohnt sich, auch bei niedrigen Zinsen – wenn man es richtig macht.“

„Hohe Vertriebs- und Verwaltungskosten sind im digitalen Zeitalter überflüssig“, sagt der myPension-Gründer. Ein Renditekiller sei darüber hinaus die Beitragsgarantie, die sich viele Sparer immer noch wünschen. Diese Form der Absicherung erhöhe die Kosten, vermindere die Rendite (es wird garantiert, dass die finale Auszahlung nicht geringer als die bis dahin eingezahlten Beiträge ist) und kürze dadurch die mögliche Auszahlung laut IVFP je nach Laufzeit um bis zu 24 %. Bei einer langfristigen Geldanlage in Aktien sei diese Absicherung „völlig unnötig“, so Minderhout.

Auch die Steuern solle man berücksichtigen, rechnet Nobis vor. Laut IVFP bringt eine Fondspolice steuerlich 0,7 %-Punkte zusätzliche Rendite gegenüber einem Fondssparplan. Die Vorteile einer Fondspolice entstehen durch die Abgeltungssteuerfreiheit während der Beitragsphase und der Anwendung des Halbeinkünfteverfahrens auf die Kapitalauszahlung.

Sein Fazit: Lange Laufzeit, niedrige Kosten und steuerliche Vorteile sichern eine vergleichsweise hohe Rendite bei geringem Risiko. „So bietet myPension die perfekte, zeitgemäße Altersvorsorge“, sagt Minderhout. „Dazu passt auch, dass unsere Kunden flexibel ein-und auszahlen können.“

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Umsonst gearbeitet

Von Dr. Oliver Everling | 22.Januar 2018

Das Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main (OLG) könnte für Ratingagenturen und Auftraggeber von Ratingagenturen relevant sein: Es hat mit am 22. Januar 2018 veröffentlichtem Urteil Schadensersatzansprüche des Insolvenzverwalters eines ehemaligen großen deutschen Handelskonzerns gegen die beklagte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zurückgewiesen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft muss jedoch Honorare in Höhe von gut 2 Millionen € zurückzahlen.

Der Kläger nimmt als Insolvenzverwalter eines ehemaligen großen deutschen Handelskonzerns (Schuldnerin) die beklagte, weltweit agierende Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf Schadensersatz und Rückzahlung erhaltener Honorare in Anspruch. Die Beklagte beriet die Schuldnerin im letzten Jahr vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens 2009 im Zusammenhang mit einer beabsichtigten Sanierung der Schuldnerin auf Basis von zwei Verträgen aus dem Jahr 2008 und eines weiteren im April 2009 geschlossenen Vertrages. Die Beklagte übergab der Schuldnerin zuletzt am 20.5.2009 ein so bezeichnetes „Sanierungskonzept“. Am 9.6.2009 stellte die Schuldnerin einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Der Kläger meint, dass die Beklagte pflichtwidrig nicht auf eine Insolvenzreife der Schuldnerin hingewiesen habe. Infolge der verzögerten Insolvenzantragstellung sei ein erstattungsfähiger Schaden i.H.v. rund 82 Mio. € entstanden. Zudem soll die Beklagte im Jahr 2009 erhaltene Honorare i.H.v. knapp 3,5 Mio. € zurückzahlen.

Das Landgericht hatte die Klage insgesamt abgewiesen. Die Berufung des Klägers hat hinsichtlich der geltend gemachten Schadensersatzansprüche keinen Erfolg. Das OLG verurteilt die Beklagten jedoch zur Rückzahlung der ab dem 20.5.2009 vereinnahmten Honorare.

Ob der Beratungsvertrag aus dem Jahre 2009 im Ergebnis eine Verpflichtung der Beklagten enthielt, die Insolvenzreife zu prüfen, könne offenbleiben. Der Kläger habe jedenfalls nicht dargestellt, dass im Falle eines derartigen Hinweises der Beklagten der Insolvenzantrag tatsächlich früher gestellt worden wäre.

Die Berufung habe jedoch hinsichtlich der Honorarrückzahlung teilweise Erfolg. Die Beklagte müsse die ab dem 20.5.2009 erhaltenen Honorare in Höhe von gut 2 Millionen € erstatten. Diese Zahlungen hätten eine Benachteiligung der anderen Gläubiger bewirkt und unterlägen deshalb der Insolvenzanfechtung. Zum Zeitpunkt dieser Zahlungen sei dem Vorstand der späteren Schuldnerin bekannt gewesen, dass die „notwendige Finanzierung der weiteren Geschäftstätigkeit nicht mehr gesichert“ gewesen sei. Dies habe auch die Beklagte nach Fertigstellung ihres Sanierungskonzeptes gewusst. Frühere Zahlungen unterlägen dagegen nicht der Anfechtung. Der Kläger habe nicht vorgetragen, dass die Schuldnerin mit diesen Zahlungen andere Gläubiger benachteiligen wollte und die Beklagte entsprechende Kenntnis von diesem Vorsatz besaß.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung kann Nichtzulassungsbeschwerde zum BGH erhoben werden (Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 17.1.2018, Az: 4 U 4/17, Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 02.12.2016, Az. 2/02 O 258/14).

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Mutares steigt auf IFRS um

Von Dr. Oliver Everling | 17.Januar 2018

Mutares (ISIN: DE000A0SMSH2) verspricht seinen Aktionären noch mehr Transparenz. Das Unternehmen will das Berichtswesen an die weiter zunehmende Internationalisierung der Gruppe deshalb anpassen. Die Gesellschaft könnte so für internationale Anleger noch interessanter werden.

Aus diesem Grund hat sich der Konzern entschlossen, seine Finanzberichterstattung beginnend mit dem Geschäftsjahr 2017 auf internationale Rechnungslegungsstandards IFRS (International Financial Reporting Standards) umzustellen. Der Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2017 wird am 13. Juni 2018 veröffentlicht und wird auch das Vergleichsvorjahr 2016 nach IFRS beinhalten, kündigt die Gesellschaft an.

Mark Friedrich, CFO: „Mit der Umstellung auf IFRS trägt Mutares der fortgeschrittenen Internationalisierung der Gruppe Rechnung und schafft für unsere Investoren und alle Adressaten unserer externen Finanzkommunikation mehr Transparenz und eine erhöhte Vergleichbarkeit.“

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Sozialismus bedeutet Überwachungsstaat

Von Dr. Oliver Everling | 15.Januar 2018

Auf Beschluss des Staatsrats der Volkrepublik China aus dem Jahr 2014 soll bis 2020 ein umfangreiches „Social Credit System“ mit Hilfe der einheimischen IT-Unternehmen Tencent und Alibaba aufgebaut werden. Damit befasst sich die NORD/LB in ihrem „Country View“ zu China. „Die beiden Marktführer haben auf Basis der Daten ihrer zig Millionen Nutzer Kreditscorings eingeführt,“ berichtet die NORD/LB, „um die Kreditfähigkeit ihrer Kunden zu bewerten. Allerdings scheint die Berechnung des Ratings sehr intransparent und fragwürdige Variablen, wie das Computerspieleverhalten fließen mit ein.“

Den Machthabern in Peking gehe ein reines Kreditscoring jedoch nicht weit genug, glauben die Analysten der NORD/LB zu erkennen, denn Pekings Elite wolle auch private Unternehmen, staatliche Behörden, NGO’s und jeden ihrer rund 1,4 Mrd. Bürger mit Hilfe des „Social Credit Systems“ bewerten und die Glaubwürdigkeit einstufen. „Soziales Verhalten in der Schule, gegenüber der Verwaltung, Gesetzestreue, Kommentare im Netz, alles soll in eine große Datenbank einfließen und ein Algorithmus die Entscheidung über die Kreditvergabe, die Ausreisebewilligung oder den Studienplatz fällen.“

Das eingeführte Cybersecurity-Gesetz stelle mehr oder minder die rechtliche Grundlage für den Aufbau der Datenbank und die Sammlung der Daten dar. „Durch das Gesetz werden Netzwerkbetreiber verpflichtet, Nutzeranmeldungen nur mit Klarnamen zu ermöglichen und bei Kommentarfunktionen jeden einzelnen Kommentar zu speichern.“

Die NORD/LB spricht die nächsten Schritte an: „Der nächste Schritt ist eine automatisierte Gesichtserkennung, die jeden Chinesen innerhalb von drei Sekunden mit 90-prozentiger Sicherheit auf allen öffentlichen Plätzen und Gebäuden erkennen soll. Hatte man vor einigen Jahren noch gedacht, das Internet würde zu einer Öffnung des Landes führen, drängt sich nun zumindest die Frage auf, ob die kommunistische Führung unter Xi Jinping nicht vielmehr auf dem besten Wege ist, mit Hilfe von Big Data und Künstlicher Intelligenz den Überwachungsstaat 4.0 zu entwickeln.“

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Implikationen des Festgeldzinstrends

Von Dr. Oliver Everling | 11.Januar 2018

Der Trend zu sinkenden Festgeldzinsen hält weiter an und kündigen damit möglicherweise steigende Gewinne der Banken an. Paart sich eine konjunkturell bedingt steigende Kreditnachfrage für die Banken mit der Möglichkeit, Kreditzinsen weiter anzuhaben, sowie mit niedrigeren Zinsen im Einlagengeschäft, so könnte dies für Banken mit starkem Einlagen- und Kreditgeschäft von Vorteil sein.

Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lagen die Top-Zinsen zu Jahresbeginn 2018 um bis zu 32,0 % niedriger. Speziell kurze Anlagezeiträume sind von dieser Entwicklung betroffen. Das berechnete aktuell Tagesgeldvergleich.net auf Basis von 130 Anbietern und 661 Angeboten. Betrachtet wurden 7 verschiedene Laufzeiten (6 bis 120 Monate), jeweils für Einlagen von 5.000 und 25.000 Euro. Im Durchschnitt über die Laufzeiten hinweg reduzierten sich die Top-5-Zinsen um -3,22 % (5.000 Euro) bzw. -4,83 % (25.000 Euro).

Lag der Top-Zins für ein 6-monatiges Festgeld vor einem Jahr noch bei 1,25 %, sind derzeit nur noch 0,85 % drin. Das entspricht einem Rückgang von 32,0 %. Beim 12-monatigen Festgeld sank der Spitzenzins von 1,60 % im Jahr 2017 auf 1,26 % (-21,25 %) im neuen Jahr. Ähnlich sind die Zinsentwicklungen für die Laufzeit von 36 Monaten. Kurze Zeiträume sind bei Sparern als Alternative zum Tagesgeld sehr beliebt.

Eine vergleichsweise stabile Entwicklung der Top-Zinsen lässt sich bei Laufzeiten von 48, 60 bzw. 120 Monaten verzeichnen. Bei der Anlage über 48 Monate erzielten Sparer zu Jahresbeginn 2018 maximal 1,90 % – den gleichen Wert wie im Vorjahr. Bei 60 Monaten bieten die Banken weiterhin bis zu 2,00 %.

Die besten Zinssätze werden, bis auf wenige Ausnahmen, weiter konsequent von Instituten aus Ost- und Südeuropa angeboten – vorwiegend Tschechien, Rumänien, Lettland, Estland oder Portugal, berichtet Tagesgeldvergleich.net. Abschließbar sind diese Festgelder über Zinsportale wie Weltsparen, Savedo oder Zinspilot. „Ohne diese Zinsportale läge der durchschnittliche Zins für ein 24-monatiges Festgeld in Deutschland bei 0,40 %, der Top-Zins bei 0,90 %“, weiß Daniel Franke. „Inklusive der Angebote im EU-Ausland steigt der Zins im Schnitt auf 0,67 % und der beste Zinssatz beträgt 1,33 %. Das sind z. T. schon deutliche Unterschiede.“

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Die Flut hebt nicht alle Boote

Von Dr. Oliver Everling | 10.Januar 2018

„Den Medien zufolge steigen alle Aktien im Gleichschritt – getreu dem alten Sprichwort, dass die Flut alle Boote hebt“, sagt James Swanson, MFS Chief Investment Strategist. Doch Swanson blickt ein wenig tiefer: Denn es „zeigt sich,“ so Swanson, „dass es nicht ganz so ist: 2017 entwickelten sich Märkte durchaus unterschiedlich.“

2017 war nach seinen Recherchen die Ertragsstreuung im S&P-500-Index bemerkenswert. „Technologiewerte legten fast doppelt so stark zu wie der Gesamtindex. Bis zum 20. Dezember betrug ihr Gesamtertrag 41%, gegenüber 22% Indexertrag – ein bemerkenswerter Abstand. Der Sektorvergleich ist noch überraschender: Telekommunikations- und Energiewerte blieben um jeweils etwa 45% hinter Technologieaktien zurück (und um 25 Basispunkte hinter dem Index). Keineswegs hebt die Flut also alle Boote gleich stark,“ folgert Swanson, „und einige Boote sind sogar etwas gesunken.“

„Auch früher gab es solche Unterschiede“, berichtet Swanson, „und im Energiesektor waren sie oft der Vorbote eines Ölpreisrückgangs. Das ging meist mit einem stärkeren US-Dollar und generell schwächeren Rohstoffpreisen einher, was wiederum den Gewinnen der S&P 500-Unternehmen schadete. Wir halten die schwache Entwicklung des Energiesektors im Jahr 2017 daher für ein Warnsignal für das neue Jahr.“

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Türkische Wirtschaft vom Staat getrieben

Von Dr. Oliver Everling | 10.Januar 2018

Die türkische Wirtschaft legte in den ersten drei Quartalen 2017 mit 7,4 Prozent ein starkes Wachstum hin und übertraf die Erwartungen deutlich. Der Kreditversicherer Coface sieht aber weiter Schwachpunkte und Risiken: zunehmende Abhängigkeit von globalen Finanzinvestoren, schwankende Wechselkurse und steigende Inflation. Bei steigenden Zinsen könnte zudem der starke private Konsum einbrechen. Für das Gesamtjahr 2017 dürfte das Wachstum 6,5 Prozent betragen, für 2018 erwartet Coface 5,2 Prozent.

„Einer der größten Treiber war der Staat. Mit dem Credit Guarantee Fund (CGF) unterstützt die Regierung kleine und mittlere Unternehmen. Sein Volumen wuchs auf fast 64 Mrd. Dollar (250 Mrd. Türkische Lira) an. Über den Fonds wirkt der Staat faktisch als Garantiegeber für Kredite. Die Investitionen stiegen in den ersten neun Monaten 2017 gegenüber 2,7 Prozent von Januar bis September 2016 um 7,9 Prozent an. Dazu trugen Bauinvestitionen bei,“ berichtet Coface, „die im dritten Quartal um 12 Prozent stiegen, und vor allem die plus 15,3 Prozent Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen. Auch der private Konsum legte zu, besonders für langlebige Verbrauchsgüter. Hier wirkten Steuersenkungen stimulierend. Der Export von Waren und Dienstleistungen stieg um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.“

Trotz der positiven Entwicklung bleibe die türkische Wirtschaft anfällig. Besonders das strukturelle Finanzierungsdefizit ist eine große Gefahr. Das CGF-Programm habe die Banken zu Kreditvergaben stimuliert, deren Kredit-Einlagen-Verhältnis in der zweiten Jahreshälfte 2017 auf 125 Prozent gestiegen sei. „Damit erhöhten sich nicht nur die direkten Bankrisiken, sondern auch die Wechselkursrisiken. Das ist verbunden mit dem aktuellen Leistungsbilanzdefizit. Die Situation könnte sich zuspitzen, wenn die Türkei noch mehr kurzfristiges Kapital aufwenden müsste, um das externe Defizit zu decken.“

Zudem müsse die Türkei steigende Zinsen fürchten, weil damit die Investitionsdynamik eingebremst würde. „Vor diesem ökonomischen Hintergrund und aufgrund der Schwäche der türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar und dem Euro dürfte sich der Inflationsdruck auf Verbraucherpreise und Produktionskosten weiter erhöhen. Steigende Preise und Steuern in Verbindung mit einer schwächeren Landeswährung würden aber letztlich die Kaufkraft schwächen und den privaten Konsum bremsen.“

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Lawinengefahr in Gipfelnähe

Von Dr. Oliver Everling | 10.Januar 2018

Aus dem Skiurlaub zurückgekehrt, wurden viele Fondsmanager vom fulminanten Start ins neue Jahr 2018 überrascht. Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher von DNCA, einer Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers, kommentiert, wie die Börsen einen glänzenden Start ins neue Jahr hinlegten, nachdem bereits 2017 für nahezu alle Anlageklassen und insbesondere für die riskanteste unter ihnen – Aktien – überaus erfolgreich war. Er sieht kaum überzeugende Argumente dafür, den Allokationen nicht ein gewisses Risiko beizumischen. „Rund um den Globus hellen sich die konjunkturellen Vorzeichen auf, und die amerikanische Zuversicht sorgt weltweit für gute Stimmung unter den Anlegern. Nach wie vor signalisieren Zentralbanken ihre Absicht, die geldpolitischen Zügel zu straffen. Und bislang haben die weltpolitischen Spannungen noch nicht zur Eskalation geführt. Dennoch könnte es sich für die Anleger als Fehler erweisen, zum Jahresbeginn unbedacht vorzupreschen.“

Wie im Skisport bei der Abfahrt könne ein Verkanten zum Sturz und gar zur Disqualifizierung führen. „Dass die Aktienmärkte nun schon seit mehreren Jahren in Folge im Plus lagen, mahnt zu größter Vorsicht bei der Anlagenauswahl. Die Zinssituation ähnelt einem Balanceakt auf der Slackline.“ Auch mangels Alternativen weichen die Kapitalströme auf Aktien aus, glaubt Maack, und die Bewertungskennzahlen normalisieren sich nur sehr allmählich.

„Aufwärtskorrekturen der Geschäftszahlen gibt es hie und da, jedoch noch nicht auf breiter Front. Die Launen der Währungen und die flatterhaften Wechselkurse wirbeln die Erfolgsrechnungen der großen Konzerne durcheinander. Aktien werden zwar auch weiterhin ein unverzichtbarer Vektor für Outperformance in den Portfolios darstellen“ prognostiziert Maack. Daneben fasst er jedoch auch alternative oder konvexe Strategien („Absolute-Performance-Aktien“, absolute Performance über Anleihen, inflationsgeschützte Fonds, Wandelanleihenfonds) ins Auge, um Portfolios gegen eine wiederaufkeimende Volatilität und das mögliche Überschießen der Zinsen abzusichern.

Bei klassischen direktionalen Anleihestrategien müsse die Devise weiterhin „kurze Duration“ lauten. Ein besonderes Augenmerk sollte schließlich dem Hochzinssegment gelten, dessen wahre Qualitäten vom derzeitigen Zinsniveau und der künstlichen Spreadverengung verdeckt werden. „Wie der Alpinist im Gebirge wird der Anleger 2018 gewiss neue Gipfel erklimmen. Hierfür sollte er sich jedoch“, warnt Maack, „gut anseilen und die richtige Ausrüstung mitbringen, um vor Lawinen gewappnet zu sein.“

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Mittelstand ahnt Konjunkturüberhitzung voraus

Von Dr. Oliver Everling | 9.Januar 2018

Maßnahmen der Geldpolitik und der Fiskalpolitik, die an jeweils aktuellen Erfordernissen und Gegebenheiten orientiert sind und dementsprechend fallweise zum Einsatz gelangen, sind Gegenstand diskretionärer Wirtschaftspolitik. Kernprobleme im Einsatz solcher Instrumente liegen – abgesehen von der mangelnden Kenntnis über ihre Wirkungsrichtung – im exakten Timing und in der genauen Dosierung. Die stimulierenden Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, die jahrelang nach der Finanzkrise ohne Erfolg blieben, drohen nun über das Ziel hinausschießen.

Ein Viertel der deutschen Mittelständler erwartet, dass die Konjunktur bereits im laufenden Jahr überhitzen wird. Knapp zwei Drittel der Unternehmen rechnen spätestens 2019 damit, dass das Wachstum an seine Grenzen stößt. Während die Industriebetriebe noch eher an einen anhaltenden Boom glauben, zeigen sich die Handelsunternehmen schon deutlich skeptischer. Das ergab der bereits zum dritten Mal vom digitalen Mittelstandsfinanzierer creditshelf erhobene „Finanzierungsmonitor“. Für die Studie wurden zum Jahreswechsel zusammen mit der TU Darmstadt 200 Finanzentscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen befragt.

Die boomende Konjunktur in Deutschland könnte bereits im gerade erst begonnenen Jahr heiß laufen. Davon gehen 25 Prozent der mittelständischen Unternehmen aus. Mit dieser Befürchtung sieht jeder vierte Mittelständler die aktuelle Situation bereits kritischer als die Deutsche Bundesbank, die der deutschen Wirtschaft Mitte Dezember nicht nur ein „anhaltend hohes konjunkturelles Grundtempo im laufenden Winterhalbjahr“ bescheinigt hatte, sondern zudem davon ausgeht, dass die Wirtschaft im Lande auch im weiteren Verlauf des Jahres 2018 „kräftig expandieren“ werde.

Dem „Finanzierungsmonitor 2018“ zufolge sehen weitere 37 Prozent der mittelständischen Finanzentscheider ein Ende des Booms spätestens im Jahr 2019 kommen. Die Ergebnisse im Detail: Insgesamt 74 Prozent der Befragten aus dem Handel prophezeien, dass der Aufschwung maximal bis 2019 dauern wird, während es im Dienstleistungsbereich 65 Prozent sind. Und auch in der tendenziell zuversichtlicheren – auf Exportkurs befindlichen – Industrie erwarten 52 Prozent der Befragten eine Überhitzung bis Ende 2019. Umgekehrt sind, über alle Branchen hinweg, nicht einmal vier von zehn Firmen positiv gestimmt, was die Entwicklung der hiesigen Wirtschaft angeht.

„Einen besonders stark ausgeprägten Pessimismus bezüglich der konjunkturellen Lage beobachten wir im Handel, gefolgt vom Dienstleistungssektor. Nur in der Industrie fühlt sich ein höherer Anteil der Betriebe sicher, wie unsere Untersuchung zeigt“, fasst Prof. Dr. Dirk Schiereck von der TU Darmstadt zusammen, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. „Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist zwar wegen der boomenden Wirtschaft deutlich gestiegen, eine wachsende Konjunkturskepsis könnte sie aber ab 2019 bremsen.“

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