Amors Pfeile für die Eurozone

Von Dr. Oliver Everling | 29.Juli 2014

Während die Konjunktur in den USA und Großbritannien Fahrt aufnimmt, um die Krise abzuschütteln, erinnern die deflationären Tendenzen der Eurozone an das Japan der 1990er Jahre. Das Resultat der als „Abenomics“ bekannt gewordenen und aus den sogenannten „drei Pfeilen“ bestehenden Wirtschaftspolitik in Japan steht zwar noch aus. Andreas Utermann, Co-Head und Global Chief Investment Officer von Allianz Global Investors, zufolge täten die politischen Entscheidungsträger in Europa aber gut daran, ebenfalls mit „drei Pfeilen“ die Eurozone wieder auf einen nachhaltigen Erholungskurs zu bringen.

Vor zwei Jahren kündigte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), in seiner mittlerweile berühmten Londoner Rede an, dass die EZB alles tun würde, um den Euro zu erhalte. Dank dieser Ankündigung und der im Gefolge sehr expansiven Geldpolitik ist die Überlebensfrage des Euro derzeit kein Thema mehr.

Utermann ist jedoch überzeugt: „Die kraftlose Konjunktur deutet darauf hin, dass die Eurozone immer noch vor großen Herausforderungen steht. Die Fortführung der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als ‚ersten Pfeil‘ ist weiterhin notwendig. Mehr noch: Mangels einer geschlossenen politischen Führung im Euroraum muss der geldpolitische Kurs möglicherweise sogar noch verschärft werden.“ So könne die EZB künftig ihren Fokus auf Mindestinflationsziele legen, während sie in der Vergangenheit Inflationsobergrenzen im Auge hatte.

Der ‚zweite Pfeil‘ der Eurozone sollte aus konzertierten Paketen von Renten-, Arbeitsmarkt- und Steuerreformen bestehen. Während die Krise eine Reihe an Reformmaßnahmen in Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien auslöste, wird das Ausmaß der anstehenden Probleme andernorts noch zu wenig wahrgenommen. In den meisten Ländern der Eurozone belaufen sich die Pensionsausgaben bereits auf über zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: In Australien, den USA und Großbritannien belaufen sich diese Quoten auf vier, fünf bzw. acht Prozent.

Angesichts der zunehmenden Lebenserwartung wird der Druck auf die Rentensysteme deutlich zunehmen. In Westeuropa wird ein Anstieg des Verhältnis von Rentnern zu Berufstätigen von 28 Prozent im Jahr 2010 auf fast 50 Prozent im Jahr 2050 erwartet – Deutschland sogar auf 60 Prozent. Utermann: „Das Festhalten an Frühverrentungsmöglichkeiten wie in Frankreich oder die Kehrtwende in der deutschen Rentenpolitik werden den demografischen Herausforderungen nicht gerecht.“

Auch seien weitere Arbeitsmarktreformen unumgänglich, um das blutleere Wachstum anzukurbeln und die hartnäckig über elf Prozent liegende Arbeitslosigkeit zu verringern. Umfangreicher Beschäftigungsschutz wirke sich negativ auf Unternehmen und Arbeitslose aus. Während große Unternehmen in Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien mit diesen Regelungen gut umgehen können, hielten sie mittelständische und von lokalen Mitarbeitern abhängige Unternehmen von Neueinstellungen ab.

Darüber hinaus hält Utermann steuerliche Maßnahmen mit dem Ziel einer besseren Einkommensverteilung und höheren Konsumnachfrage für erforderlich. Als Beispiel nennt er Deutschland, das derzeit über die größten fiskalischen Spielräume verfüge. Er glaubt, dass die Entlastung von niedrigen und mittleren Einkommen eine deutliche höhere Wirkung entfalten könnte als beispielsweise eine Reichensteuer. „Wenn man bedenkt, dass die Steuer- und Sozialabgabenbelastung niedriger und mittlerer Einkommen in Deutschland im OECD-Vergleich mit am höchsten ist, verwundert die schwache Konsumneigung in Deutschland nicht. Man mag es kaum glauben, aber das deutsche Abgabensystem ist in Teilen regressiv und nicht progressiv“, so Utermann.

Den ‚dritten Pfeil‘ für die Eurozone sieht Utermann in einem Investitionsprogramm, vor allem im Bereich Infrastruktur. In den letzten Jahrzehnten sind die staatlichen Investitionsausgaben in Deutschland prozentual kontinuierlich zurückgegangen, von etwa vier Prozent des BIP in den 1970er Jahren auf lediglich 1,6 Prozent seit dem Jahr 2000. Diese Quote liegt sogar unter der in den USA und Großbritannien. Der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung attestierte chronische Mangel an Investitionen in Infrastruktur, Bildung und in Unternehmen stellt gerade für Deutschland eine Bedrohung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes und damit für das Wirtschaftswachstum dar.

Utermann kommt zu dem Schluss: „Obwohl die Krise nicht mehr akut ist, muss die Eurozone noch einiges unternehmen, um sich aus dem Sumpf zu befreien. Entgegen aller Lehrmeinung, dass der politische Fokus auf den krisengeplagten Peripherieländern liegen sollte, würde die Eurozone mehr davon profitieren, wenn ihre drei Pfeile auch auf die Kernländer zielten.“

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Scout für Recherchen

Von Dr. Oliver Everling | 29.Juli 2014

“Immer mehr Journalisten und Blogger umschiffen das alljährlich auftretende Sommerloch mit Hilfe des Rechercheportals www.recherchescout.de. Dort finden sie”, berichtet Thomas Weber von scrivo PublicRelations, “auch in den heißen Sommermonaten Experten und Zitatgeber verschiedenster Branchen, die sie um ihre Einschätzungen bitten sowie nach Fotos, Videos oder anderen Medieninhalten fragen können.”

„Die Online-Plattform ermöglicht es Redakteuren, schnell und kostenlos Recherchefragen an Unternehmen, Verbände und Vereine zu stellen“, erklärt Martin Fiedler, Geschäftsführer von Recherchescout.  „Seit dem Start des Portals im Herbst 2013 haben sich bereits mehr als 600 Journalisten und Blogger für die Nutzung registriert.“

Die Nutzung des Recherchescouts ist unkompliziert. Der Journalist meldet sich an, bekommt eine Mail zur Bestätigung und kann sofort loslegen. Er muss zusätzlich zur eigentlichen Frage nur noch einige Schlagwörter zum Themenfeld der Recherche aussuchen. Diese sollen dafür sorgen, dass die Anfrage den Weg zu den passenden Experten findet, die direkt antworten können.

Die Plattform „Recherchescout“ finanziert sich nach eigenen Angaben über eine Jahresgebühr, die von den Unternehmen, Verbänden und Organisationen entrichtet wird.

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Schadenswachstum Warenkreditversicherungen

Von Dr. Oliver Everling | 29.Juli 2014

In der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) wird in den verbleibenden Monaten des Jahres 2014 mit einem Anstieg der Schäden aus Warenkreditversicherungen gerechnet. Viele Unternehmen in dieser Region leiden unter Liquiditätsengpässen, weil sie sich mit ihren Wachstumsbestrebungen übernommen haben.

Laut aktuellem Bericht EMEA Trade Credit Market Update des Industrieversicherungsmaklers und Risikoberaters Marsh verzeichneten – nach einem kontinuierlichen Rückgang in den letzten drei Quartalen des Jahres 2013 – nun mehrere Länder im ersten Quartal dieses Jahres einen Anstieg der Schäden in der Kreditversicherung. Marsh geht davon aus, dass dieser Aufwärtstrend in den kommenden 12 bis 18 Monaten seinen Höhepunkt erreicht.

„In der EMEA-Region und speziell in Deutschland haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert, und das Vertrauen der Unternehmen steigt. Trotz dieser positiven Indikatoren lehrt uns die Vergangenheit, dass einige Unternehmen in ihrem Wachstumsbestreben ihre finanziellen Kapazitäten nach einer Rezession überstrapazieren“, erläutert Dietmar Bulla, Leiter des Geschäftsbereichs Credit, Surety & Political Risks von Marsh Deutschland. Die positive Wirtschaftsleistung in Deutschland lässt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zu 2013 noch einmal sinken, die Schadenhöhen bei einer Insolvenz steigen jedoch.

In diesem Umfeld bieten Versicherer angesichts des intensiven  Wettbewerbs um attraktive Risiken einen weitreichenderen Versicherungsschutz zu historisch günstigen  Prämien an. „Wir gehen davon aus, dass die Schäden in der EMEA-Region in diesem Jahr zunehmen, was dazu führen könnte, dass die Prämien der Warenkreditversicherungen deutscher exportorientierter Kunden 2015 und darüber hinaus steigen“, so Bulla.

Dem Bericht von Marsh zufolge sind die Versicherungsprämien in den Regionen und Branchen, in denen die Versicherer um gute und gut gemanagte Risiken wetteifern, nach wie vor sehr attraktiv. Über 50 Prozent der Kunden von Marsh kamen im ersten Quartal dieses Jahres in den Genuss einer Prämiensenkung.

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Erst Compliance, dann Rating

Von Dr. Oliver Everling | 27.Juli 2014

Erst Compliance, dann Rating: Auf diesen Gedanken kommt, wer Ursachenanalyse für viel beklagte “Fehlurteile” von Ratingagenturen betreibt. Gleich, ob WorldCom, Enron, Parmalat oder FlowTex – die angeblichen Fehltritte, die sich selbst führende Agenturen vorhalten lassen mussten, beruhten in erster Linie auf dem Vertrauen der Analysten auf die ihnen zur Verfügung gestellten Informationen. Immer wieder schlug das GIGO-Prinzip zu: Garbage In, Garbage Out. Die mit gefälschten Daten gefütterten Modelle warfen ebenso falsche Ergebnisse aus.

Nicht nur die US-Agenturen unterschätzten in den Führungsetagen der großen Konzerne die Bedeutung krimineller Energie. Auch die auf mittelständische Unternehmen spezialisierten Agenturen mussten mit dem Effekt der adversen Selektion kämpfen. Die “guten” Adressen verlassen die Kapitalmärkte, die “schlechten” bieten sich feil. Die “Zitronen” bleiben übrig. Ein vom Nobelpreisträger George A. Akerlof und anderen beschriebenes und erklärbares Phänomen. Die (Rating-) Kosten der Signalisierung guter Bonität lohnen sich vor allem für diejenigen, die sich nicht scheuen, Fälschungen zu präsentieren. Inzwischen hat auch fast jede deutsche Ratingagentur Erfahrungen mit Leuten sammeln müssen, die ihre guten Ratings leichtfertig, grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich mit unzutreffenden Informationen oder Prognosen erschlichen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Rolle von Compliance Officers in den Unternehmen an Gewicht. Die Qualifikation und Organisation des Compliance Office anvanciert zum Ratingkriterium. In Unternehmen, in denen der Einhaltung nicht nur von Gesetzen und Verordnungen, sondern auch der Beachtung interner Regeln und Verhaltensnormen keine oder nur geringe Bedeutung beigemessen wird, haben Betrüger leichtes Spiel.

Dem Augsburger Qualifizierungsmodell zum “Compliance Officer” kommt daher wachsende Bedeutung zu. Die schon aus der Ausbildung zum “Certified Rating Analyst” bekannte Bereichsleiterin Corporate Finance und Rating am Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität Augsburg legt nun mit Sebastian Bachmann und Prof. Dr. Peter Schettgen nicht nur für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Zertifikatskurs Compliance Officer (Univ.) am ZWW der Universität Augsburg, sondern auch sonst für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Compliance, Risikomanamgent, Vertrieb und Finanzen mit dem Buch “Compliance Officer” einen Vierklang aus rechtlichen, betriebswirtschaftlichen, psychologischen und ethischen Dimensionen vor (ISBN 978-3-658-01269-4, Springer Gabler).

Im Buch “Compliance Officer” geht es um die Mehrdimensionalität ds Anforderungssystems, Compliance-Risiken, IT-Fragen, Compliance in der Unternehmensentwicklung und Compliance als Bestandteil der Unternehmenskultur. Das Buch diskutiert auch die ethische Verantwortung im Bereich Compliance – ein Thema von wachsender Relevanz: Die unübersehbare Erosion des Einflusses der staatlich subventionierten Kirchen auf das Verhalten einer immer geringer werdenden Anzahl von “Gläubigen”, der zunehmende Mitarbeiteranteil mit muslimischem Glauben, tausende esoterischer Zirkel, Sektion und sonstiger Religionsgruppen wie auch die Pluralität philosophischer Gesinnungen lassen es nicht mehr zu, einfach nur an das “gute Gewissen” der Mitarbeiter zu appellieren.

In einer Zeit von Anti-Diskriminierungsgesetzen und entsprechender Rechtsprechung muss jede Unternehmensführung damit rechnen, vor völig überraschende Situationen gestellt zu werden, wenn Mitarbeiter ihrem persönlichen Glauben und Wertvorstellung nach handeln. So sind Abweichungen von der Norm und andersartiges Normverständnis nicht nur durch kriminelle Energie zu begründen.

Das Buch “Compliance Officer” ist auch jeder Ratingagentur zu empfehlen, wie auch ihren zuständigen Mitarbeitern die Ausbildung zum “Compliance Officer, da nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen in jeder von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA registrierten Agentur eine Compliance-Funktion vorzuhalten ist.

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Terrassomat nach dem Terrassenmodell

Von Dr. Oliver Everling | 25.Juli 2014

Beim Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) steht seit kurzem kostenlos eine neuartige Entscheidungshilfe aus dem Hause evers & jung zur Verfügung: Der DIA-Terrassomat.

Auf vier Stufen visualisiert er das Denken und Planen in Fristigkeiten, wie es für den systematischen Vermögensaufbau unverzichtbar ist. Der Nutzer gibt wenige Plan- und Ist-Werte ein und erhält direkt eine Grobdarstellung seiner Vermögensstruktur samt Handlungshinweisen. Dieses “Terrassenmodell” hatte evers & jung in der Vergangenheit schon vielfach in Broschüren oder für Zeitschriftenartikel eingesetzt. Der DIA-Terrassomat ist die erste digitale Umsetzung.

Wie schon DIA-Typomat und DIA-Wegweiser dient auch diese App der Orientierung, Selbstklärung und Beratungsvorbereitung. “Die Beratung ist momentan noch ein blinder Fleck in den Digitalisierungsbemühungen der Finanzbranche. Unsere Tools thematisieren eher den Weg als ein konkretes Ziel oder Produkt. Außerdem dokumentieren sie nebenbei erste Entscheidungen und Vorgaben für die Beratung. Das unterscheidet sie deutlich von anderen Online-Hilfen”, erläutert Marco Habschick von evers & jung den Ansatz.

evers & jung und DIA verfolgen hier nach eigenen Angaben eine gemeinsame Vision: Entscheidungshilfen, die eine echte Aufgabe im Beratungsprozess haben und den Nutzer in einer sehr frühen Phase abholen. „Nutzer kommen durch die Tools sensibilisiert und vorbereitet zum Berater. So erkennen sie sofort, ob dieser ihnen eine Lösung entwickelt, die zu ihrer Situation passt“, bringt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern den Nutzen auf den Punkt. „Der Berater wiederum muss sich nicht mit Vorgeplänkel aufhalten und kann direkt auf den Vorentscheidungen aufsetzen.“
 
Es geht nicht nur um die schlanke, kundenzentrierte Aufbereitung des komplexen Themas Altersvorsorge. Vielmehr beziehen die DIA-Tools auch die Absicherung finanzieller Lebensrisiken ein. Diese finanzplanerische Betrachtung hat sich auch der Arbeitskreis Beratungsprozesse zu eigen gemacht, bei dem evers & jung intensiv mitarbeitet. Die DIA-Apps orientieren sich an den Empfehlungen dieser übergreifenden Arbeitsplattform aus der Versicherungs- und Bankenwelt, die sich der Entwicklung fachlicher Standards für hochwertige Finanzberatung widmet.

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Renminbi-Clearing mit Folgen für Frankfurt und Deutschland

Von Dr. Oliver Everling | 24.Juli 2014

“Beobachter sprechen von der bedeutsamsten Entwicklung seit Einführung des Euros”, sagt Werner Baumann, Mitglied des Vorstandes der Bayer AG und Präsident des Deutschen Aktieninstituts, auf dem Eurobörsentag 2014 der Börsen-Zeitung und pwc zum Thema “Frankfurt als Renminbi-Zentrum” in Frankfurt am Main.

“Nur noch die USA ist wirtschaftlich noch größer als China. Es wird aber nicht lange dauern, dass China nicht nur von seiner Bevölkerung her, sondern auch wirtschaftlich die USA in den Schatten stelle.” 6 % der Exporte und 8 % der Importe finden im Austausch mit China statt, skizziert Baumann die Bedeutung Chinas für Deutschland.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen stünden auf einem sehr soliden Fundament, glaubt Baumann und liest dies anhand einer Reihe von Statistiken ab. Rund 900 Unternehmen aus China sind in Deutschland vor Ort tätig. Schon 1913 gründete die Bayer AG die erste Tochtergesellschaft in China, seitdem wird dort Aspirin produziert. Inzwischen seien sogar Forschungs- und Entwicklungszentren in China hinzugekommen.

Der geplante Ausbau der Produktion in China soll die Versorgung der chinesischen Bevölkerung mit pharmazeutischen Produkten sicherstellen. Der Verflechtungsgrad Chinas sei sehr bemerkenswert. Rund 50 % mache der Handel mit Waren aus, viel mehr als bei den USA. Folge der chinesischen Währungspolitik seien nicht nur die Währungsreserven von fast 4 Billionen US$, sondern auch der Übergang zu einem Währungskorb, an den der Renminbi gebunden sei.

Für Investitions- und Portfolioinvestitionen seien heute die Kontrollen durchläsiger als sie es waren. Für die chinesische Währung gebe es daher mehrere Wechselkurse, onshore und offshore, offiziell und inoffiziell usw. Der Hongkonger Offshore-Markt sei auch von deutschen Unternehmen genutzt worden, seit 2010 ganz offiziell mit sogenannten Dimsum-Bonds.

Etwas 12 % der internationalen Zahlungsabwicklungen werden gemäß SWIFT bereits in Renminbi vorgenommen. Die Handelsvolumina in Renminbi sind nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf 118 Mrd. US$ gestiegen. Im Health-Care-Geschäft werde bei Bayer schon heute in Renminbi fakturiert. Bei der Finanzierung in Renminbi könne man noch nicht auf hoch liquide Märkte zurückgreifen.

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Frankfurt als Renminbi-Zentrum

Von Dr. Oliver Everling | 24.Juli 2014

Noch vor einem Jahrzehnt hätte man es wohl kaum gedacht, dass der Eurobörsentag 2014 einmal ganz unter dem Thema “Frankfurt als Renminbi-Zentrum” stehen würde. Claus Döring, Chefredakteur der Börsen–Zeitung, führt Werner Baumann, Mitglied des Vorstands der Bayer AG und Präsident des Deutschen Aktieninstituts, mit Hinweis auf die “tektonischen Veränderungen” ein, denn der Renminbi hat den Euro bereits heute vom Platz 2 der Weltwährungen abgelöst und stellt die USA mit ihrem Dollar bei der Emission von Bonds in den Schatten.

“Nicht wenige halten die volle Konversion des Renminbi schon in fünf Jahren für wahrscheinlich”, berichtet Döring. Mehr Freiraum für Banken auch beim Festsetzen von Wechselkursen bei Privatkunden habe die People’s Bank of China schon heute gegeben. Etwa 23 % der Unternehmen in Deutschland nutzen den Renminbi bereits in ihren Geschäften mit China. “Die deutschen Firmen werden aber von anderen Motiven geleitet. An erster Stelle stehen hier die Preisverhandlungen.” Dies bemerkt Döring mit Blick auf die Tatsache, dass noch mehr französische Unternehmen bereits mit dem Renminbi arbeiten.

Für Frankfurt gebe es nicht automatisch eine Vorrangstellung, warnt Döring. Auch andere Finanzplätze haben bedeutende Quoten. “Die Deutsche Bundesbank ist wenigstens in China noch ein Vorbild. In Europa scheint das ja nicht mehr der Fall zu sein”, sagt Döring und unterstreicht jedoch sein Bekenntnis zum Euro. Aber die Bündelung der Kräfte lasse in Europa zu wünschen übrig, da sei China wiederum voraus.

“China steht vor der Herausforderung, einerseits der Liberalisierung des Renminbi sowie dem damit verbundenen Abbau der Bürokratie, andererseits, die Entwicklung zu sichern und eine Politik zu betreiben, die Blasenbildung und deren folgen vermeidet”, macht Döring klar.

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Finanzmärkte reflektieren geopolitische Spanungen

Von Dr. Oliver Everling | 23.Juli 2014

Asoka Wöhrmann, CIO Deutsche Asset & Wealth Management, fasst seine Sicht über die Auswirkungen der derzeitigen geopolitischen Spannungen auf die Finanzmärkte zusammen: “Wir erwarten, dass es lange dauern wird, bis die Situation im Anleihemarkt abklingt, erwarten aber nicht, dass die Zuflüsse in Anleihen zunehmen, die als sicherer Hafen gesehen werden, denn vieles ist bereits eingepreist.”

Russische Staatsanleihen seien nicht direkt betroffen von den Sanktionen, da sie bspw. nicht auf der neuen US-Sanktionsliste stehen. Das Schuldenprofil bleibe eines der stärksten in den Schwellenländern. Den größten Einfluss habe momentan die sich verschlechternde Stimmung. 

“Wir bleiben positiv für Unternehmensanleihen aus Industrieländern, beobachten aber die Entwicklungen um potentielle neue Sanktionen sehr genau bezüglich Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Russische Unternehmensanleihen sollten mittelfristig hauptsächlich basierend auf der gefühlten Wahrscheinlichkeit der Einführung härterer Sanktionen handeln (besonders valide für die Indexmitglieder des Corporate Emerging Market Bond Index CEMBI). Mittelfristig werden deshalb”, prognostiziert Wöhrmann, “Gewinne russischer Unternehmen weniger relevant sein als normalerweise  Sowohl ausgehend vom Ukraine-Russland-Konflikt als auch von den Ereignissen im Nahen Osten sehen wir bisher keine signifikante Ausbreitung auf andere Schwellenländer-Unternehmen.”

Bisher hat sich der amerikanische Dow Jones Industrial Average von den Sanktionen gegen Russland unbeeindruckt gezeigt. “Wir erwarten, dass die Aktienmärkte eher auf eine Reihe von Ereignissen als auf einzelne reagieren, aber tendenziell steigt die Volatilität bei niedrigen Volumen im Sommer. Größte Sorge stellen die Auswirkungen auf die europäischen Gewinne dar. In Bezug auf die Situation im Nahen Osten beobachten wir höhere Volatilität in der Region, sehen aber keinen Effekt auf die globalen Märkte.”

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Warnung vor abrupten Korrekturen

Von Dr. Oliver Everling | 22.Juli 2014

Vor genau zwei Jahren durchlief die Euro-Zone ihren GAU, den größten anzunehmenden Unfall. Die Antwort von Mario Draghi am 26. Juli 2012: “Whatever it takes”. Mit diesen Worten wurde das vorläufige Ende der Euro-Krise eingeleitet. Seitdem setzt der Markt auf den “Draghi-Put” und die dadurch ausgelöste Marktentspannung. Doch die Ruhe ist trügerisch. Diese Auffassung vertritt Heinz-Werner Rapp, Chief Investment Officer bei der FERI AG. Rapp warnt: “Die Situation in der Euro-Zone ist nicht wirklich sicher. Nach zwei Jahren Vollnarkose durch den Draghi-Put könnte bald ein böses Erwachen drohen.”

Zwar habe die Notenbank konsequent zur Entspannung der Lage beigetragen, aber der Markt entferne sich von der fundamental gerechtfertigten Realität. Heute herrschen in der EURO-Zone wieder Zinsniveaus wie in den besten Zeiten vor der Krise. Dies erscheint paradox, da praktisch alle EURO-Länder seitdem ihren Schuldenstand kräftig ausgeweitet und ihre individuelle Bonität meist deutlich reduziert haben.

Nach Auffassung von Rapp sehen Investoren in Draghis Worten bis heute eine implizite Garantie, nicht nur für den Fortbestand des Euro, sondern auch für die Solvenz der hoch verschuldeten Länder. “Staatsanleihen der EMU-Peripherie wurden dadurch für viele Investoren zu einem scheinbar risikolosen “free lunch”, erklärt der FERI-Vorstand. Die Situation an den EMU-Anleihemärkten sei mittlerweile aber deutlich überhitzt und durch Herdenverhalten geprägt. In dieser Situation würden fundamentale Risiken weder korrekt wahrgenommen noch adäquat eingepreist. Durch großvolumige Carry Trades ausländischer Investoren, etwa aus Japan, würde dieser Trend noch verstärkt.

Rapp weist darauf hin, dass der Markt die wahren Risiken derzeit deutlich unterschätzt. Zudem bestünden Zweifel an der Wirksamkeit des Draghi-Puts im Ernstfall, speziell nach den letzten Urteilen des Bundesverfassungsgerichts. Anleger an den europäischen Anleihe-Märkten sollten in nächster Zeit auf abrupt einsetzende Korrekturen vorbereitet sein. Zudem sollte in nächster Zeit der Yen-EURO Wechselkurs, als mögliches Signal für einen Rückzug globaler Carry Trade-Investments, genau beobachtet werden.

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Den Wandel der Zahlungsmuster erkennen

Von Dr. Oliver Everling | 22.Juli 2014

FICO (NYSE: FICO), ein führender Anbieter von Predictive Analytics und Softwarelösungen für Entscheidungsmanagement, hat den FICO Debt Manager 9.5 auf den Markt gebracht. Viele neue Funktionen sollen Banken, Sparkassen, öffentlichen Einrichtungen, Handelsunternehmen, Energieversorgern und Inkassobüros helfen, profitabler zu arbeiten – und sie regelkonform absichern. Die Software-Lösung ermöglicht Anwendern die Senkung operativer Kosten, einen Anstieg bei der Rückzahlung offener Beträge durch Score-basierte Prozesse, die Einhaltung sich ändernder Regulierungen und eine höhere Kundenzufriedenheit. Die FICO Collection Scores befähigen den Nutzer, die passende Strategie für jedes rückständige Konto festzulegen. Der gesamte Mahn-Prozess wird dadurch stark optimiert: Unternehmen und Organisationen, die dieses System einsetzen, verzeichnen üblicherweise einen Anstieg von drei bis fünf Prozent bei Rückzahlungen.

„Zahlungsmuster verändern sich sehr schnell und die Anzahl der Erstschuldner steigt“, erklärt Phillip Sertel, Senior Director Central & Eastern Europe and the Middle East bei FICO. „Im Mahnwesen setzen Unternehmen vermehrt auf Analytik, sodass jeder Kundenkontakt unabhängig vom Kommunikationskanal ausgewertet werden und zur Gesamteinschätzung des Kunden beitragen kann. Mit dem FICO Debt Manager 9.5 erleichtern wir unseren Kunden den Einsatz von Analytik und machen sie damit insgesamt profitabler. Im Rahmen der Demokratisierung von Analytik macht FICO jedem einzelnen Kunden das Potenzial von Scoring-basierter Auswertungen zugänglich.“

Der FICO Debt Manager 9.5 ist in den FICO Risk Intervention Manager eingegliedert. Letzterer automatisiert die Echtzeit-Kommunikation mit Kunden über deren präferierten Kommunikationskanal und verbessert so die Kommunikationserfolge. Nutzer des FICO Risk Intervention Managers sind in der Lage, im Schnitt zwei- bis viermal so viele Kontakte zu verbuchen – bei gleichen Kosten, dabei aber verbesserter Fähigkeit, den richtigen Kommunikationskanal zu wählen. Das Zusammenspiel des FICO Debt Manager mit dem FICO Risk Intervention Manager garantiert die Einhaltung von Regeln bei der Kommunikation mit dem Schuldner und ermöglicht das schnellere und leichtere Verfassen von prüfungsrelevanten Berichten – automatisch oder manuell. „Die schnelle Inkraftsetzung und Auslegung neuer Bestimmungen, kann einen gewaltigen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von Unternehmen haben“, erklärt Sertel. „Die FICO-Lösungen versorgen Anwender regelmäßig mit den ‚neuen Grundlagen‘ – von der umfangreichen Datenerfassung und -analyse, über analytik-basierte Maßnahmen und der Leistungskontrolle bis zur kompletten Erfassung aller Sprachdialoge und verbesserten virtuellen Beratern.“

Der FICO Debt Manager 9.5 ist sowohl als Cloud-Lösung als auch als herkömmliche Software erhältlich. Der Balance Reduction Plan gibt den Nutzern die Möglichkeit an die Hand, Zahlungspläne für die Kunden aufzustellen, deren Konten überzogen sind. Die konfigurierbare Collateral Support-Funktion standardisiert parallellaufende Daten und ermöglicht die Festlegung verschiedener Pfändungskategorien wie Fahrzeuge, Immobilien oder Finanzinstrumente. Mehr als 200 Kreditgeber, Einzelhändler, Energiedienstleister, Gesundheitsanbieter, Regierungsbehörden und Inkassobüros weltweit vertrauen bereits auf FICOs Lösungen zum Schuldenmanagement.

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