Coronaspuren im Zahlungsverhalten

Von Dr. Oliver Everling | 4.Juni 2020

Noch vor Corona hat sich das Zahlungsverhalten der Unternehmen in China verschlechtert. Das hat eine Befragung des Kreditversicherers Coface bei mehr als 1000 Unternehmen ergeben. Zwar blieb die Dauer des Zahlungsverzugs 2019 im Durchschnitt mit 86 Tagen stabil. Der Anteil der Unternehmen mit Zahlungsverzögerungen von mehr als 120 Tagen erreichte aber 37 Prozent, das sind 6 Punkte mehr als im Jahr 2018. Dabei hatte mehr als ein Viertel der Unternehmen (27 Prozent) ultralange Zahlungsverzögerungen über 180 Tage mit einem Volumen von mehr als 10 Prozent ihres Jahresumsatzes. „Wenn lange Verzögerungen einen erheblichen Teil des gesamten Jahresumsatzes ausmachen, kann der Cashflow eines Unternehmens gefährdet sein“, erklärt Carlos Casanova, Economist bei Coface für die Region Asien-Pazifik. „Kommen Schocks wie COVID-19 hinzu, gibt das Anlass zur Sorge.“

66 Prozent der von Coface im vierten Quartal 2019 befragten Unternehmen berichteten von Zahlungsverzögerungen. Carlos Casanova erwartet, dass Unternehmen, die am stärksten von den Covid-Einschränkungen betroffen sind, ihre Zahlungen weiter hinauszögern müssen, um dieses Jahr überleben zu können. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte steigen. „Die chinesischen Unternehmen stellen sich auf ein viel härteres 2020 ein, da sich die Cashflow-Risiken für einige Sektoren anhäufen. Das Wachstum wird auf 1,0 Prozent fallen, den niedrigsten Stand seit 30 Jahren.“

Die Unternehmen in China räumen ohnehin schon recht lange Zahlungsziele ein. 2019 hat sich der Anteil der Befragten, die durchschnittliche Kreditlaufzeiten von mehr als 120 Tagen hatten, in zwei Jahren fast verdoppelt, von 12 Prozent im Jahr 2017 auf 23 Prozent im Jahr 2019. In der Praxis boten 50 Prozent Zahlungsfristen von mehr als 120 Tagen an.

Die Sektoren mit dem höchsten Anteil von extrem langen Überziehungen, die mehr als 10 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, sind das Baugewerbe (30 Prozent), Transport (30 Prozent), Energie (29 Prozent) und die Automobilindustrie (28 Prozent). Infolge des Handelskonfliktes zwischen den USA und China verzeichnete der IKT-Sektor die höchste Zunahme der Zahlungsverzögerungen (plus 12 Tage) auf 102 Tage. Während alle Sektoren diesen Risiken ausgesetzt sind, haben Branchen, die aus einer Position der Stärke und mit ausreichendem Cashflow in die Krise eingetreten sind, bessere Chancen sie zu überstehen als jene mit angeschlagener Liquidität.

Tatsächlich könnten Unternehmen schon jetzt im Vergleich zum letzten Jahr in einer schwächeren Position sein, um den Auswirkungen des COVID-19-Schocks zu widerstehen. Denn 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie 2019 keine Kreditmanagement-Tools zur Minderung von Cashflow-Risiken eingesetzt haben. Nur 17 Prozent der Befragten nutzten eine Kreditversicherung. Komplette Studie: www.coface.de

Themen: Debitorenrating, Länderrating | Kein Kommentar »

Palmira gewinnt Peter Salostowitz als Head of Research

Von Dr. Oliver Everling | 3.Juni 2020

Palmira Capital Partners (Palmira), einer der führenden unabhängigen Full-Service-Investmentmanager für europäische Logistik- und Industrieimmobilien, hat Peter Salostowitz FRICS zum Head of Research ernannt.

Für Palmira analysiert Peter Salostowitz in dieser neu geschaffenen Position die Kerninvestitionsmärkte des Unternehmens, zu denen neben Deutschland auch die Benelux-Länder, Frankreich, Österreich, Polen und Spanien gehören. Ziel ist es, mit Hintergrundanalysen und detaillierten Marktberichten, Investoren noch umfassender bei ihren Anlageentscheidungen zu unterstützen. Damit erweitert und vertieft Palmira den seit Jahren bestehenden Research-Ansatz des Unternehmens und trägt dem Anspruch einer tiefen Durchdringung der europäischen Logistikimmobilienmärkte und einer fundierten Beratung seiner Kunden Rechnung.

Peter Salostowitz ist studierter Bau- und Wirtschaftsingenieur und hat bereits 2011 ein eigenes Wirtschaftsinstitut gegründet. Peter Salostowitz ist RICS Registered Valuer (VRS) und Mitglied verschiedener Immobilienverbände. Von 2015 bis 2019 war er zudem Dozent für „Standort- und Immobilienmanagement“ sowie Studiengangsleiter für „Logistik und Handel“ an der Hochschule Fresenius, Standort Idstein.

Themen: Immobilienrating | Kein Kommentar »

DEFAMA sieht keine Insolvenzwelle bei Mietern

Von Dr. Oliver Everling | 2.Juni 2020

Die Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA) vermeldet Vermietungserfolge im Bestandsportfolio und eine sich deutlich entspannende Situation rund um die temporären Mietaussetzungen während der behördlich angeordneten Schließungen.

Durch die Neuverhandlung von bald auslaufenden Mietverträgen, überwiegend mit kleineren Mietern, sowie geplante bzw. bereits getätigte Investitionen in Bestandsobjekte hat DEFAMA trotz der Corona-Krise das eigene Portfolio weiterentwickelt und sich Mietsteigerungen gesichert. Zudem konnten etliche größere Mietverträge verlängert werden oder stehen kurz vor dem Abschluss, darunter auch mit Ankermietern mehrerer Standorte.

So plant DEFAMA in Büdelsdorf den Anbau eines Aufzugs und hat in diesem Zuge neue, langfristige Verträge mit Mietern im Obergeschoss geschlossen. In Lübbenau wurden eine Vergrößerung und Modernisierung des Fleischers durchgeführt und der Umzug des Elektronikgeschäfts in eine andere Fläche vereinbart. Darüber hinaus haben sich hier etliche andere Mieter zu teils signifikant erhöhter Nettomiete langfristig gebunden. Auch in Bleicherode, Waldeck und Eberswalde konnten neue Verträge mit teils deutlich erhöhten Mieten geschlossen werden. Zudem haben eine ganze Reihe größerer Mieter in den letzten Monaten ihre Verträge verlängert, meist durch Ausübung von Optionen und überwiegend mitten in der Corona-Krise.

Matthias Schrade, Vorstand der DEFAMA, beschreibt die aktuelle Situation: „Inzwischen durften alle Geschäfte in unseren Objekten wieder öffnen. Keiner unserer Mieter musste Insolvenz anmelden. Über 90% der April- und Mai-Mieten haben wir bereits erhalten. Im Juni gehen wir von einem annähernd normalen Mieteingang aus. Zwar sind spätere Nachwirkungen der Corona-Krise etwa durch einen schwächeren Geschäftsgang und dadurch resultierende Mietausfälle weiterhin denkbar. Aber selbst unter Berücksichtigung solcher möglichen Effekte gehe ich davon aus, dass wir unsere Ziele für 2020 erreichen.“

Themen: Aktienrating, Immobilienrating | Kein Kommentar »

Finanzmärkte reflektieren reale Verhältnisse

Von Dr. Oliver Everling | 29.Mai 2020

„Die Finanzmärkte scheinen sich immer weiter von der Realwirtschaft abzukoppeln. Diesen Eindruck kann man zunehmend gewinnen“, schreibt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt & Leiter Research bei der DZ BANK. Haben sich die Finanzmärkte wirklich abgekoppelt?

„Alle Assetklassen profitieren von den weltweit niedrigen Zinsen, den sehr niedrigen Zinsenerwartungen bei gleichzeitig einer schier unerschöpflichen Bereitstellung von Liquidität. Dazu kommt noch ein nicht enden wollender Reigen an staatlichen Hilfspaketen. Alles zusammen scheint ein Umfeld zu erschaffen, in dem selbst in der schlimmsten wirtschaftlichen Krise seit mehr als 50 Jahren,“ schreibt Bielmeier, „die Hoffnung alle aktuellen Ängste und Sorgen überwiegt. Die Folge sind hohe Bewertungen in allen Assetklassen, insbesondere Staats- und Unternehmensanleihen haben sich von den fundamentalen Grundlagen zum Teil weit entfernt, da hier die Zentralbanken auch direkt kaufen.“

Diese Beobachtungen sind für Bielmeier nicht neu. Seit der Finanzmarktkrise könne man diese Entwicklung an den Finanzmärkten mit unterschiedlicher Intensität beobachten. „Die hohen Bewertungen waren in der Vergangenheit zu keiner Zeit ein wesentlicher Risikofaktor. Wichtig war letztendlich nur, dass die Zentralbanken jederzeit bereit sind die Finanzmärkte zu stützen. In Anbetracht der steigenden Staatsverschuldung dürfte es daran auch in der Zukunft nicht mangeln.“

Dies ist natürlich kein Perpetuum Mobile, macht Bielmeier klar, denn die Handlungsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken werden im Zeitablauf sinken. „Somit wird man in der Zukunft den Punkt erreichen, dass die Bewertung der Märkte durch den Glauben an die Zentralbanken nicht mehr gedeckt ist. Mit gravierenden Folgen für die Finanzmärkte. Bis dahin haben wir noch genügend Zeit gegenzusteuern und die Verschuldung organisch zu senken. Aus heutiger Sicht möglich, aber leider unwahrscheinlich.“

Aus den Beobachtungen von Bielmeier lässt sich nicht auf eine gar „mysteriöse“ Abkopplung der Finanzmärkte von der Realwirtschaft schließen. Die aktuellen Kurssteigerungen reflektieren nicht etwa eine verbesserte Qualität der Unternehmen (weil beispielsweise die Rettungspakete eine so gute Wirkung hätten), sondern reflektieren nur die noch stärker verschlechterte Qualität des Geldes: Preise sind relativ. Trotz eingetrübter Ertragsaussichten der Unternehmen ist die Qualität des Geldes – gleich, ob Euro oder US-Dollar – schneller gesunken als die Qualität der Unternehmen. Der relative Vorteil für Unternehmen führt zu entsprechenden Kurssteigerungen. Wie Moody’s aktuell nachweist, erodiert die Kreditqualität deutscher Unternehmen, selbst wenn der Lockdown gelockert oder aufgehoben wird (Moody’s research report „Coronavirus will weigh on German company credit quality even as lockdown eases“).

Themen: Allgemein | Kein Kommentar »

Kunden nicht aus den Augen verlieren

Von Dr. Oliver Everling | 16.April 2020

Die Regulierung des Kundenstroms im Einzelhandel und weiteren öffentlichen Gebäuden ist eine wichtige Maßnahme auf dem Weg aus dem Shutdown. Sie ermöglicht betroffenen Unternehmen die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs. Doch wie lassen sich Einlassbeschränkungen in der Praxis schnell und unkompliziert umsetzen? Welche Kosten kommen auf den Einzelhandel zu? Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Dafür bietet die artec technologies AG (ISIN DE0005209589) eine automatisierte, einfach zu bedienende und kostengünstige Lösung an. Das System ist ideal für Gebäude mit eindeutigen Ein-/Ausgängen wie Supermärkte, Einkaufszentren, Drogerien und Baumärkte. Herzstück des Systems ist die artec App MULTIEYE Overcrowding Watch. Darüber hinaus sind lediglich eine Kamera am Eingangs-/Ausgangsbereich sowie ein app-fähiger Monitor nötig. Über die App wird die Personenanzahl im Gebäude mit der zulässigen Anzahl pro Quadratmeter abgestimmt. Die Kommunikation mit den Kunden erfolgt über den Monitor mit einem Ampelsystem und kurzen Textinformationen, wie viele Personen noch eintreten dürfen oder mit der Bitte um Geduld, bis jemand den Laden verlässt. Optional lässt sich die Anlage um die Erkennung von getragenen Gesichtsmasken erweitern. Außerdem lässt sich die Hardware auch nach der Krise nutzen: Der Monitor beispielsweise für Werbemaßnahmen und die Kamera zur normalen Videoüberwachung und Kundenzählung.

„Mit unserer Lösung wollen wir den Einzelhandel auf dem Weg aus dem Shutdown und hin zur Normalität unterstützen. Dabei stehen geringe Kosten, schnelle Installation und leichte Bedienung im Vordergrund“, sagt artec Vorstand Thomas Hoffmann. „Die Handhabung von MULTIEYE Overcrowding Watch erfordert keinerlei Vorkenntnisse. Die App ist praktisch selbsterklärend und das gesamte System innerhalb weniger Stunden einsatzbereit.“

Themen: Ratings | Kein Kommentar »

FinTech-Startup mutiert zur COVID-Hilfe

Von Dr. Oliver Everling | 7.April 2020

In der Corona-Krise mutiert ein Frankfurter FinTech-Startup: Die Firma savedroid hat die Hilfsplattform COVIDsoforthilfe.de gestartet. Ziel sei es, von der Corona-Krise betroffenen Kleinstunternehmen und Soloselbständigen dabei zu helfen, die dringend benötigten staatlichen Soforthilfen zu beantragen. Gleichzeitig will savedroid damit Menschen unterstützen, die durch die Corona-Krise in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit geraten sind. Diese Personen werden von savedroid geschult und als Helfer/innen zur Unterstützung der Antragsteller eingesetzt. „Die ganze Welt redet über Corona – wir wollen handeln und helfen. Mit COVIDsoforthilfe.de leisten wir einen Beitrag. Es geht uns darum, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für diejenigen zu mildern, die wirtschaftlich am härtesten von ihr betroffen sind“, sagt Dr. Yassin Hankir, savedroid-Gründer und -Vorstandsvorsitzender.

Die Plattform COVIDsoforthilfe.de soll betroffenen Unternehmer/innen helfen, ihre Fragen rund um das Thema Corona-Soforthilfen zu beantworten, ihre Soforthilfe-Anträge richtig auszufüllen und bei der zuständigen Behörde einzureichen. Sie steht auch im Nachgang mit Rat und Tat zur Seite. Dafür bezahlen Unternehmer/innen und Soloselbständige eine Erfolgsgebühr von 5 Prozent bezogen auf die effektiv auf ihr Konto ausgezahlte Corona-Soforthilfe – ein Kostenrisiko entsteht ihnen also nicht, versprechen die Leute vom FinTech-Startup.

Die Corona-Krise trifft Kleinstunternehmen und Selbstständige am härtesten. Kunden bleiben aus, oftmals müssen sie ihre Geschäfte komplett schließen. Liquiditätsengpässe sind die Folge, die wirtschaftliche Existenz steht auf dem Spiel. Deshalb haben Bund und Länder Soforthilfen von mehr als 50 Milliarden Euro beschlossen, die schnell ausgezahlt werden sollen und nicht zurückgezahlt werden müssen. Das Problem ist allerdings, dass es bei der Beantragung der Corona-Soforthilfe viele Unklarheiten und offene Fragen gibt. So können die Anträge in einigen Bundesländern nur Online gestellt werden und die Internetseiten sind überlastet. Außerdem sind die Antragsformulare oftmals kompliziert, teilweise missverständlich und zudem nur in deutscher Sprache verfügbar. Das benachteiligt insbesondere weniger digitale, etwa ältere Unternehmer/innen sowie Selbstständige mit Sprachbarrieren oder anderen Beeinträchtigungen. „Von Chancengleichheit im Antragsprozess der Corona-Soforthilfen kann daher aus unserer Sicht keine Rede sein. Genau aus diesem Grund haben wir COVIDsoforthilfe.de ins Leben gerufen, um Unternehmer/innen, die Schwierigkeiten mit dem Soforthilfe-Antrag haben, unter die Arme zu greifen“, sagt Hankir.

Themen: Existenzgründerrating, Unternehmensrating | Kein Kommentar »

Monitoring ist jetzt gefragt

Von Dr. Oliver Everling | 6.April 2020

Die artec technologies AG (ISIN DE0005209589) hat Ende 2019 eine nationale und internationale Vertriebsoffensive gestartet, um neue Kunden und Reseller für ihr intelligentes Media Monitoring- / Analyse-System „XENTAURIX“ zu gewinnen und ihren Marktanteil auszubauen. Dies zahlt sich aus: artec hat in der vergangenen Woche Aufträge von mehreren namhaften Medienunternehmen aus dem In- und Ausland erhalten. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf über TEUR 400. Die Aufträge können weitestgehend noch im April umsatzwirksam abgewickelt werden. Darüber hinaus hat artec bereits zahlreiche mündliche Zusagen, berichtet der Vorstand, unter anderem aus Katar und dem Oman, für weitere Aufträge erhalten.

„Die Nachfrage nach unseren Lösungen für Medienunternehmen und Sicherheitsbehörden ist weiterhin hoch. Unser operatives Geschäft läuft, wir haben soweit wie möglich auf Homeoffice umgestellt und halten die Lieferketten aufrecht. Wir planen derzeit keine Kurzarbeit“, sagt artec-CEO Thomas Hoffmann. „Zu unseren Kunden gehören zivile und staatliche Einrichtungen, die als systemrelevant gelten. Um auch in Zukunft unter allen Umständen zu ihrer Funktionsfähigkeit beitragen zu können, hat artec bei den zuständigen Behörden die Einstufung als systemrelevantes Unternehmen beantragt.“ Dies ist eine Vorsorgemaßnahme, um im Falle von Ausgangssperren oder sonstiger Einschränkungen berufliche Bewegungsfreiheiten der artec-Mitarbeiter zu den Kunden, zum hausinternen IT-Leitstand und dem „Situation Room“ der Gesellschaft zu gewährleisten.

Themen: Aktienrating | Kein Kommentar »

Neu im Frankfurt School Verlag

Von Dr. Oliver Everling | 31.März 2020

Mehr Info…


Themen: Allgemein | Kein Kommentar »

Rendite mit unterdurchschnittlichen Fonds verschenkt

Von Dr. Oliver Everling | 30.März 2020

Das gute Börsenjahr 2019 hat den Anbietern von fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen ein außergewöhnliches Geschäftsjahr beschert. Fondsportfolios mit Wertzuwächsen von 20 Prozent und mehr waren in 2019 keine Seltenheit. Die anhaltend schlechte Fondsqualität des Anlagestocks der deutschen Versicherer macht jedoch deutlich, dass Anbieter und mandatierte Fondsgesellschaften diesen Erfolg nicht für sich reklamieren können, denn auch in 2019 wurde das durch die positive Marktentwicklung vorgelegte Renditepotenzial für die anvertrauten Kundengelder nicht ausgeschöpft. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie der f-fex AG über den Fondspolicen-Markt in Deutschland, bei der 77 Fondspolicen-Anbieter und 176 Fondsgesellschaften im Detail analysiert und bewertet wurden.

„Immerhin gibt es beim Neugeschäft inzwischen vielversprechende Anlagekonzepte, die den Kunden über den Tag des Vertragsabschlusses hinaus mit intelligent gemanagten Portfolios oder kontinuierlich bereitgestellten, digitalen Beratungstools versorgen, so dass die Wahrscheinlichkeit, nachhaltig Outperformance zu generieren, zunehmen sollte“, so Dr. Tobias Schmidt, CEO der f-fex AG. Viele Portfolios des Bestandsgeschäfts blieben jedoch ohne Unterstützung durch Versicherer oder Berater, so dass ungünstige Zusammenstellungen von unterdurchschnittlichen Fonds häufig dauerhaft weiter bespart werden, so Schmidt. „Hier werden Renditepotenziale verschenkt, die unbedingt gehoben werden sollten, wenn die Ablaufleistung zum Vertragsende halbwegs mit den Projektionen, die bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellt wurden, übereinstimmen soll. Unter Einbeziehung unvorhersehbarer Marktrisiken, wie wir sie aktuell mit der Corona-Krise erleben, gilt dies noch viel mehr.“

Die Unterschiede in der Fondsqualität des Anlagestocks sind zwischen den anbietenden Lebensversicherern zum Teil erheblich. Bei der hierfür herangezogenen durchschnittlichen Fondsratingnote (volumengewichtet) schneiden unter den großen Versicherern die Zurich LV, R+V und Cosmos am besten ab. Volkswohl Bund, Gothaer und Nürnberger bilden hier die Schlusslichter. Letztere kommen auch bei der Verteilung der Ratings über den Anlagestock nicht gut weg. Bei Gothaer und Nürnberger sind immerhin 45 bzw. 44 Prozent des Anlagestocks in schwach bis sehr schwach bewertete Fonds investiert. Beim Thema Outperformance 2019 stehen Provinzial Nordwest (+7,3%), R+V (+4,6%) und Alte Leipziger (+4,5%) an der Spitze der großen Gesellschaften. Auf den hintersten Rängen finden sich WWK (+0,2%), Allianz (+0,1%) und Gothaer (-0,5).

Auch bei den Fondsgesellschaften ist die Qualitätsspanne der bei Fondspolicen eingesetzten Fonds groß. Bei den im Anlagestock stark vertretenen Fondsgesellschaften stechen Lyxor, BlackRock und DWS mit vergleichsweise hohen durchschnittlichen Fondsratingnoten hervor. Schlusslichter bilden hier Oddo BHF, Franklin Templeton und Carmignac.
Wenn es um den Beitrag der Fondsgesellschaften zur Outperformance 2019 geht, schneiden unter den großen Gesellschaften vor allem Union Investment (+4,6%), AXA (+3,6%) und DWS (+3,4%) gut ab. Am unteren Ende der Leiter finden sich in dieser Kategorie neben INKA (- 2,6%) erneut Oddo BHF (-3,8%) und Franklin Templeton (-5,1%).

Themen: Fondsrating | Kein Kommentar »

DEFAMA zeigt Verantwortungsbewusstsein

Von Dr. Oliver Everling | 13.März 2020

In der Krise beweist sich die Qualität eines Managements. Des Weiteren hat DEFAMA alle Hausmeister und Reinigungsdienste in den betriebenen Fachmarkt- und Einkaufszentren angewiesen, potenziell übertragungsgefährliche Oberflächen in den allgemein zugänglichen Bereichen mehrmals täglich zu desinfizieren. Dazu zählen insbesondere Türgriffe, Geländer, Aufzugtasten, Handläufe und Ähnliches. Den Mietern wird geraten, innerhalb ihrer Räume ähnliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Darüber hinaus appelliert der Vorstand an die Betreiber sämtlicher Geschäfte, die keine Güter des täglichen Bedarfs anbieten, aus Vorsichtsgründen zu schließen. Die Miete einschließlich Nebenkosten entfällt ab dem Tag der Schließung zunächst bis zum 30. April oder zum Zeitpunkt einer behördlichen Anordnung. Entsprechende Schreiben an die Mieter werden heute versandt.

„Als Betreiber hochfrequentierter Gebäude sehen wir uns in der Verantwortung, in dieser Krise pro-aktiv zu handeln, obwohl uns bisher an keinem Standort unserer Objekte von Infektionsfällen bekannt geworden ist“, erklärt DEFAMA-Vorstand Matthias Schrade. „Ich persönlich befürchte jedoch, dass wir hierzulande nur 8 Tage hinter der Situation in Italien liegen. Die offizielle Fallzahl stellt aufgrund der exponentiellen Entwicklung und der Vorlaufzeit zur Identifikation vermutlich nur einen Bruchteil der tatsächlich bereits existierenden Fälle dar.“

Der DEFAMA-Vorstand trägt alle durch die Schutzmaßnahmen in den Objekten entstehenden Mehrkosten sowie etwaige Mietausfälle persönlich über die ihm gehörende MSC Invest GmbH. Die abgegebene Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt der Vorstand ausdrücklich.

Der Vorstand zeigt mit diesen Maßnahmen eindrücklich, Verantwortung für alle Stakeholder des Unternehmens zu übernehmen. Die Maßnahmen liegen im Interesse der Mitarbeiter, der Mieter und ihrer Kunden, jedes Geschäftspartners wie auch letztlich der Aktionäre, die sich angesichts dieser vorbildlichen Maßnahmen vom Verantwortungsbewusstsein des Vorstands überzeugen können.

Themen: Aktienrating, Immobilienrating | Kein Kommentar »

« Voriger Beitrag
  • Dr. Oliver Everling

    Dr. Oliver Everling ist Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH in Frankfurt am Main.

    Als Gesellschafter, Beirat, Aufsichtsrat, Independent Non-Executive Director nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen, Mitglied von Ratingkommissionen, Chairman des ISO-TC "Rating Services", Gastprofessor der CUEB in Peking und zum Beispiel als Herausgeber von mehr als 50 Büchern war oder ist er mit Ratingfragen befasst.

    Nach Promotion am Bankseminar der Universität zu Köln war Dr. Oliver Everling Referent des Arbeitskreises Rating der WM Gruppe und ab 1991 Geschäftsführer der Projektgesellschaft Rating mbH sowie von 1993 bis 1998 Abteilungsdirektor und Referatsleiter in der Dresdner Bank.