Märkte mit Branchenstandards zum Kreditrating

Von Dr. Oliver Everling | 16.September 2020

Mit CRX Markets gewinnt der Verband deutscher Kreditplattformen (VdK) ein Neumitglied hinzu, erstmals im Bereich der Working-Capital-Finanzierung. Das in München ansässige Fintech bietet auf seinem digitalen Marktplatz Lösungen zur Working-Capital-Finanzierung an, u.a. Factoring.

Der VdK versteht sich für CRX Markets als Interessenvertretung. Als junger Verband für die Online-Fremdfinanzierungsbranche sucht der VdK seit Anfang des Jahres zahlreiche neue Mitglieder für sich und will damit seine Relevanz gegenüber Öffentlichkeit und Politik ausbauen.

CRX Markets schließt sich als Assoziiertes Mitglied an. Das Münchner Fintech bietet seit 2012 einen digitalen Marktplatz an, auf dem Unternehmen Verbindlichkeiten und Forderungen über eine Vielzahl von Finanzierungspartnern (Institutionelle Investoren, Factoring-Gesellschaften, Banken) finanzieren können. So können Unternehmen ihr Umlaufvermögen auf beiden Seiten der Bilanz optimieren und frühzeitig vor Ablauf des Zahlungsziels auf Liquidität zugreifen. Die Prüfung der Bonität der auf CRX Markets aktiven Unternehmen erfolgt durch die Finanzierungspartner außerhalb der Plattform.

Der VdK arbeitet intensiv an Branchenstandards. Diese sollen Orientierung für die junge Branche geben und schließlich für Markttransparenz und Vertrauen in die Online-Kreditmarktbranche sorgen. Sie umfassen die Hauptkategorien Integrität, Qualität, Professionalität und Transparenz. Unter anderem wird beim Thema Qualität auch das Risikomanagement aufgeführt, in der verantwortungsvolles und sorgfältiges Kreditrating vorgegeben wird.

Die Vorstände von CRX Markets Frank H. Lutz (CEO), Alexei Zabudkin (CFO) und Thomas Brusa (CIO) freuen sich auf die gemeinsame Arbeit im Verband. Lutz erklärt: „Der CRX Marktplatz gewinnt mit seinen Lösungen im Bereich Receivables und Payables Finance immer mehr an Relevanz. Wir zählen viele renommierte internationale Unternehmen zu unseren Kunden. Dank über 30 aktiver Finanzierungspartner auf der Plattform steht unseren Kunden ein großer Liquiditätspool zur Verfügung. Im Zuge der fortschreitenden Expansion unseres Geschäfts ist es wichtig, eine Interessensvertretung zu haben, die sich mit dem Nischenthema Working-Capital-Finanzierung auskennt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Kreditplattformen.“

Auch Geschäftsführer des VdK, Constantin Fabricius, freut sich über den Neuzugang: „CRX Markets ist unser erstes Mitglied, das Factoring auf einem digitalen Marktplatz anbietet. Und genau solche innovativen Lösungen sind es, die wir im Verband unterstützen und sichtbarer machen möchten.“

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Moody’s neue Unternehmenseinheit ESG Solutions Group

Von Dr. Oliver Everling | 15.September 2020

Moody’s Corporation (NYSE: MCO) gab die Gründung einer neuen Unternehmenseinheit für ESG (Environmental, Social and Governance) bekannt, um der wachsenden globalen Nachfrage nach Erkenntnissen über ökologische, soziale und ethische Fragen gerecht zu werden. Moody’s ESG-bezogene Angebote, einschließlich seiner verbundenen Unternehmen, umfassen jetzt Über 5.000 ESG-Bewertungen von Unternehmen, Kontroversen-Screening für 7.900 Unternehmen, 1 Million Klimarisikowerte, Über 250 nachhaltige Anleihen- und Kreditprüfungen
Über 70 ESG-Spezialindizes, Kreditratings, die ESG-Risikoüberlegungen berücksichtigen,

Die Gruppe nutzt die Daten und das Know-how von Moody’s in den Bereichen ESG, Klimarisiko und nachhaltige Finanzen und arbeitet mit Moody’s Investors Service (MIS) und Moody’s Analytics (MA) zusammen, um eine umfassende, integrierte Suite von ESG-Kundenlösungen bereitzustellen.

Die ESG Solutions Group entwickelt Tools und Analysen, die die Auswirkungen von ESG-bezogenen Risiken und Chancen identifizieren, quantifizieren und darüber berichten. Die ESG-Funktionen von Moody’s wurden nach verschiedenen Investitionen erweitert. Darunter die Investion in Vigeo Eiris (VE), neben ISS ESG ein weltweiter Pionier in den Bereichen ESG-Bewertungen, Daten und Tools sowie nachhaltige Finanzen, und Four Twenty Seven, ein führender Anbieter von Klimarisikoanalysen. Im Jahr 2019 erweiterte Moody’s bereits die von Moody’s Investors Service angebotenen Ratings und Researchs um ESG-Betrachtungen. ESG wird in eine Reihe von Moody’s Analytics-Risikomanagementlösungen, Research-, Daten- und Analyseplattformen integriert.

„Die ESG Solutions Group von Moody’s vereint Fähigkeiten aus dem gesamten Unternehmen, um den Marktteilnehmern dabei zu helfen, ihre strategische Widerstandsfähigkeit, ihren verantwortungsvollen Kapitalismus und die Ökologisierung der Wirtschaft zu verbessern, indem sie Risiken und Chancen identifizieren und aussagekräftige Leistungsmessungen und Erkenntnisse liefern“, sagte Rob Fauber, Chief Operating Officer von Moody’s.

Die ESG Solutions Group wird von Andrea Blackman geleitet, die über 30 Jahre Erfahrung in der Nutzung von Finanz- und Technologieinnovationen in Führungspositionen bei Banken, Vermögensverwaltern und Finanztechnologieanbietern verfügt. Zuvor leitete sie Moody’s CreditView und baute es zur weltweit führenden Forschungs-, Daten- und Analyseplattform für Kreditmarktprofis aus.

VE und Four Twenty Seven werden angesichts der starken Nachfrage nach ihren innovativen Produkten weiterhin eigenständige ESG- und Klimarisikolösungen anbieten. VE hat kürzlich die Dienste erweitert und Second Party Opinions für Nachhaltigkeitsanleihen veröffentlicht, die Aspekte des EU-Standards für Taxonomie und Green Bond integrieren. Four Twenty Seven kündigte die Aufnahme eines Waldbrandrisikos in seine On-Demand-Real-Asset-Scoring-Anwendung für die voraussichtliche Exposition einer Immobilie oder Einrichtung gegenüber Auswirkungen des Klimawandels an.

In Sachen ESG bemüht sich Moody’s, mit gutem Beispiel voranzugehen: Zum fünften Mal in Folge wurde Moody’s in die Liste der 100 besten Unternehmen der berufstätigen Mutter und zum dritten Mal in Folge in die Liste der besten Unternehmen für Väter aufgenommen. In diesen Listen werden US-Organisationen anerkannt, die Maßnahmen ergreifen, um Eltern am Arbeitsplatz durch Richtlinien für Elternurlaub, Leistungen, Kinderbetreuung, Aufstiegsprogramme, Flexibilität und mehr zu fördern.

„Moody’s engagiert sich stark für Richtlinien und Programme, die die Entwicklung und Förderung von Eltern am Arbeitsplatz unterstützen“, sagte DK Bartley, Chief Diversity Officer bei Moody’s. „Wir fühlen uns geehrt über unsere fortgesetzte Anerkennung unter den besten Unternehmen der berufstätigen Mutter und sind stolz darauf, eine integrative Kultur geschaffen zu haben, in der Eltern über die Werkzeuge, Ressourcen und Flexibilität verfügen, um zu führen und zu gedeihen.“

Der Preis würdigt Moody’s Fokus auf Diversitäts- und Inklusionsstrategien, die Eltern, insbesondere Frauen, für Führungsrollen entwickeln und einen Arbeitsplatz fördern, an dem alle Menschen ihr authentisches Selbst sein können. Moody’s punktete besonders mit Flexibilität am Arbeitsplatz, geschlechtsneutralem Elternurlaub und Phase-Back-Programmen.

Zusätzlich zu den Arbeitsplatzrichtlinien hat Moody’s mehrere Schlüsselprogramme für Eltern, insbesondere Frauen und Mütter, aktiviert oder erweitert. In diesem Jahr startete Moody’s das TIDE-Programm, eine Diversity-Initiative, die darauf abzielt, Frauen und farbige Menschen mit hohem Potenzial in Führungspositionen zu befördern, und stärkte das Senior Women Leadership Forum, ein zwölfmonatiges Entwicklungsprogramm für hochrangige Frauen. Das Unternehmen kündigte auch Pläne an, sein RE-IGNITE-Programm 2021 von den USA auf die EMEA-Region auszudehnen. RE-IGNITE ist Moodys bezahlte zwölfwöchige Rückkehr zur Arbeit, die für Einzelpersonen, insbesondere Mütter, konzipiert ist, die ihre Karriere nach einer Pause von mindestens zwei Jahren wieder aufnehmen möchten. In diesem Jahr jährt sich auch der 11. Jahrestag von Moody’s Employee Resources Groups (ERGs), einschließlich der ERG für Frauen und des Unterstützungsnetzwerks des Working Parents Circle.

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Dilemma des KMU-Ratings

Von Dr. Oliver Everling | 14.September 2020

Kleine und mittlere Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Bonität glaubwürdig zu kommunizieren. Anerkannte Ratingagenturen konzentrieren ihre Dienste auf Unternehmen, die einen komiteebasierten Ratingprozess durchlaufen. Dazu gibt der Rechtsrahmen in der Europäischen Union (EU) keine Alternative. Als Ratingagentur kann nur anerkannt werden, wer alle Anforderungen der EU Verordnung über Ratingagenturen erfüllt. Diese Anforderungen sehen einen von Analysten verantworteten Beurteilungprozess vor, der in einer Entscheidung eines Ratingkomitees mündet. Entsprechend sind auch Überwachungs- und Kontrollorgane der Agentur zu besetzen. Anerkannte Ratingagenturen müssen in der EU ihren Board mit mindestens zwei Independent Non-Executive Directors besetzen, eine Review Function vorsehen usw.

Als Ratinganalysten kommen nur Persönlichkeiten mit langjähriger Berufserfahrung, akademischer Ausbildung und charakterlicher Eignung in Frage. Analysten dürfen nicht zugleich auch Vertriebsfunktionen für die Ratingagentur wahrnehmen. Daher bedarf es der Bestellung weiterer Mitarbeiter, die für die Geschäftsentwicklung zuständig sind. Alle diese Anforderungen führen dazu, dass der Betrieb einer anerkannten Ratingagentur mit erheblichen Kosten verbunden ist. Entsprechend verlangt die in der EU zuständige Aufsichtsbehörde, die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA, eine ausreichende Kapitalausstattung der Ratingagentur, die den Bestand der Agentur auf Dauer sichert. Alle diese Anforderungen führen dazu, dass der Ratingprozess nach traditioneller Art, wie er gesetzlich erzwungen ist, für kleine und mittlere Unternehmen zu teuer ist.

Der Ratingprozess ist für kleine und mittlere Unternehmen zu teuer, da im Vergleich zu Großkonzernen der Finanzbedarf wesentlich geringer ist. Das ergibt sich schon aus der Definition kleiner und mittlerer Unternehmen. Mithin müssen die Kosten des Ratingverfahrens auf ein wesentlich kleineres Finanzierungsvolumen gerechnet werden.

Der Ratingprozess ist bei kleinen und mittleren Unternehmen jedoch nicht unbedingt einfacher als bei großen Unternehmen. Manchmal gilt sogar das Gegenteil: Große Unternehmen sind oft ähnlich als Kapitalgesellschaften organisiert, haben diversifizierte Geschäftsaktivitäten und konkurrieren mit ihren Produkten mit vergleichbaren Unternehmen.

Unter kleinen und mittleren Unternehmen gibt es dagegen oft Spezialisten, die einzigartige Produkte für einen relativ kleinen Markt anbieten. Oft handelt es sich um „hidden champions“, die eine Marktnische besetzen. Ihre besondere Expertise schützt sie gegen Konkurrenten. Der Spezialisierung und besonderen Expertise wegen sind oft gerade die bonitätsmäßig besten kleinen und mittleren Unternehmen nicht einfach zu erkennen. Für Ratingagenturen, die gemäß den Einschränkungen nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen arbeiten, können daher kaum Analystenteams haben, die auf allen Fachgebieten das notwendige Fachwissen aufweisen.

Im Warenverkehr mit Kunden und Lieferanten schalten sich daher Kreditauskunfteien ein. Diese sammeln Daten aus Gerichtsregistern und anderen öffentlichen Quellen. Aufgrund der geltenden Offenlegungspflichten in der EU sind diese Daten jedoch von begrenzter Aktualität. Entsprechend veraltet sind Ratings, die anhand solcher Daten kalkuliert werden. Ratings werden oft anhand von Jahresabschlüssen des vorletzten Jahres ermittelt. Außerdem sind kleine Unternehmen, unter denen sich durchaus auch börsennotierte Unternehmen finden können, nicht zur Offenlegung ihrer Gewinn- und Verlustrechnung verpflichtet.

Diese widrigen Bedingungen schränken die Möglichkeiten ein, unter Nutzung der gesetzlichen Pflichtveröffentlichungen geeignete Ratingmodelle für kleine und mittlere Unternehmen auf rein mathematisch-statistischer Basis zu entwickeln.

Aus diesem Dilemma führt nur eine Ratingagentur heraus, die zwar modellbasiert arbeitet, aber im Auftrag des beurteilten Unternehmens tätig wird. In diesem Fall hat nämlich das Unternehmen die Möglichkeit, gezielt aktuellere und umfassendere Daten bereitzustellen, die speziell dem Zweck der Bonitätsklassifizierung dienen. Die bilanzrechtlich vorgeschriebenen Jahresabschlüsse haben viele Adressaten. Außerdem besteht eine Abhängigkeit von der Steuerbilanz. Aus diesen Gründen sind gesetzlich vorgeschriebene Jahresabschlüsse nicht optimal, um Ratings zu erstellen.

Ratings auf der Grundlage eines Scoringmodells unterliegen nach der EU Verordnung über Ratingagenturen nicht der Genehmigungspflicht durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA. Da diese Ratings nicht der Aufsicht unterliegen, dürfen sie allerdings auch nicht für bestimmte Anwendungen genutzt werden. Dies betrifft Banken, Versicherungen und andere institutionelle Anleger.

Die genannten Aspekte verdeutlichen die Schwierigkeiten, denen sich kleine und mittlere Unternehmen in der EU zum Rating ausgesetzt sehen.

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CHECK24 Vergleichsportal Finanzen darf Kunden nichts versichern

Von Dr. Oliver Everling | 14.September 2020

Wer sich nicht auf den Vergleich von Finanzdienstleistungen beschränkt, sondern darüber hinaus auch den Kunden gegen Risiken versichert, muss dafür eine Genehmigung einholen. Einen freien Markt für Finanzdienstleistungen gibt es in Deutschland nicht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der CHECK24 Vergleichsportal Finanzen GmbH, München, mit Bescheid vom 5. August 2020 aufgegeben, das Versicherungsgeschäft einzustellen. „Die CHECK24 Vergleichsportal Finanzen GmbH versprach Kreditkunden, die sie über ihre Internet-Plattform an verschiedene Kreditinstitute vermittelt hat, im Fall von Arbeitslosigkeit die Zahlung von bis zu sechs Kreditraten. „Hiermit betreibt“, begründet die BaFin ihre Entscheidung, „das Unternehmen das Versicherungsgeschäft, ohne die erforderliche Erlaubnis der BaFin.“

Die CHECK24 Vergleichsportal Finanzen GmbH ist nur eine von vielen Töchtern von nur einer der rund 70 Gesellschaften, die wiederum ganz oder mehrheitlich zur Check24 GmbH gehören. Hauptgesellschafter der Check24 GmbH sind Eckhard Juls und Heinrich Blase (beide Jahrgang 1967).

Die Gesellschaft war 2013 als ProCheck24 GmbH ins Handelsregister mit dem Unternehmensgegenstand eingetragen worden der Vermittlung von Versicherungs- und Finanzdienstleistungen aller Art (letztere nur, soweit genehmigungsfrei) und Nachweis von Abschlussmöglichkeiten von Verträgen über Versicherungs- und Finanzdienstleistungen aller Art, einschließlich Entwicklung und Aufbau neuer Vertriebswege hierfür sowie Erbringung von EDV-Dienstleistungen für die elektronische Weiterverarbeitung von Vertragsabschlüssen in Handel und Finanzberatung. „Genehmigungspflichtige Tätigkeiten sind nicht Gegenstand des Unternehmens“, hieß es damals im Handelsregister.

Bei der CHECK24 Vergleichsportal Finanzen GmbH geht es um Vergleich und Vermittlung von Finanzdienstleistungen aller Art und Betrieb einer Media-, Werbe- und Vermarktungsagentur. Erbringung von Finanzdienstleistungen im Sinne von § 1 Abs. 1a KWG sollen nicht Gegenstand des Unternehmens sein, ebenso nicht die Anlagevermittlung im Sinne des § 1 Abs. 1a lit. a KWG.7.

Kredite24 Privat ist ein Onlinekredit zur freien Verwendung, der zu langen Laufzeiten vergeben wird. Der Privatkredit ist exklusiv über den Kreditvergleich von CHECK24 erhältlich. Bei dem Darlehen mit freier Verwendung setzt Kredite24 auf die Zusammenarbeit mit der DSL Bank. Das in Bonn ansässige Kreditinstitut ist vom TÜV Süd zertifiziert und gehört zur Deutschen Postbank AG. Die Kredite24 Service GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der CHECK24 Vergleichsportal Finanzen GmbH, welche den Kreditvergleich des Internetportals betreibt.

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Konjunktur unter Biden oder Trump

Von Dr. Oliver Everling | 10.September 2020

Die Weltwirtschaft erholt sich weiter von der tiefen Corona-Rezession. „In den letzten Wochen sind die Aufholschritte jedoch zusehends kleiner geworden,“ schreiben die Analysten aus dem DZ BANK Research, „auch erste Rückschläge haben sich eingestellt. In Deutschland sind die Einzelhandelsumsätze trotz Mehrwertsteuersenkung geschrumpft, die Industrieproduktion legte nur noch leicht zu.“

Im Euro-Raum habe das Wirtschaftsklima einen Dämpfer erhalten. Das Verbrauchervertrauen ist in den USA aktuell tiefer als auf dem Höhepunkt des Corona-Lockdowns im April. Einen wesentlichen Grund für die Abflachung der Erholung sehen die Analysetn sind die in vielen Ländern wieder steigenden Infektionszahlen.

„Rund um den Globus haben die Regierungen riesige Summen in die Hand genommen, um die Folgen des Wirtschaftseinbruchs abzufedern. Zusätzlich pumpen die Notenbanken enorme Liquidität in die Wirtschaft. Dank dieser Anschubhilfen“, so die Prognose aus dem DZ BANK Research, „wird sich die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten fortsetzen. Es wird in den meisten Ländern aber wohl wenigstens bis Ende nächsten Jahres dauern, bis die durch die Pandemie entstandenen Einbußen wieder ausgeglichen sind.“

Zu den größten Unwägbarkeiten der laufenden zweiten Jahreshälfte zählen die Analysten der DZ BANK die US-Präsidentschaftswahl. „Obwohl zwischen Amtsinhaber Trump und dem Kandidaten der Demokraten, Joe Biden, auch in Fragen der Wirtschaftspolitik Welten liegen, dürften sich die unmittelbaren Folgen für die Konjunkturentwicklung im kommenden Jahr nicht wesentlich unterscheiden. Biden würde wohl einige seiner Wahlkampfversprechen der Realpolitik opfern, Trump müsste sich wahrscheinlich neuen Mehrheiten im Kongress unterordnen.“

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Mit der SCHUFA gegen „Bonushopper“?

Von Dr. Oliver Everling | 10.September 2020

„Wer günstig Strom und Gas beziehen will, muss Preise vergleichen und gegebenenfalls den Anbieter wechseln. Energieversorger wollen das offenbar mit der Schufa und einer Wirtschaftsauskunftei ändern.“ So leitet ein Beitrag über Energieversorger auf tagesschau.de ins Thema ein: „Strom- und Gaskunden, die ihren Anbieter häufiger wechseln wollen, könnten schon bald systematisch davon abgehalten werden.“

NDR und „Süddeutsche Zeitung“ befassen sich mit einem geplanten Angebot der SCHUFA und der italienischen Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel in München, branchenweit Vertragsdaten möglichst vieler Kunden von Energieversorgern zu speichern.

„Verbraucher- und Datenschützer fürchten, dass damit Energieversorger wechselfreudige Verbraucher identifizieren und in der Folge ablehnen könnten.“ Die Kritik: „Bisher dürfen nur Daten von Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen oder die betrügen, branchenweit ausgetauscht werden.“ Die neuen Datenbanken würden dagegen mit ihren Daten vertragstreue Kunden zum „Freiwild“ machen.

„Bonushopper“, die sich die Mühe machen, selbst zu recherchieren und Energieversorger zu vergleichen, sind aber kaum ein Problem für Energieversorger. Abnehmer, die sich geduldig mit den verschiedenen Angeboten befassen und das für sie günstigste auswählen, gab es immer schon – nur eben in sehr geringer Zahl.

Die eigentlichen „game changer“ mit disruptivem Potential für die Energiewirtschaft sind Experten wie Wechselpilot oder SwitchUp. Diese ermöglichen dem Kunden das verlässliche und mühelose Wechseln des Energieanbieters. Registrierung und einige Angaben zum bisherigen Verbrauch und Versorger genügen, um – je nach Vorteilhaftigkeit – Jahr für Jahr automatisch zu wechseln und Kosten zu sparen. Das Rating anhand verschiedener Kriterien und kundenspezifischer Anforderungen übernehmen diese Vergleichsportale.

Der Mehrwert der angedachten Dienste von Schufa und CRIF Bürgel ist dagegen für die andere Seite des Marktes, die Energieversorger, nicht sehr hoch: Die Energieversorger erkennen schon heute wechselfreudige Kunden und können diese Kundendaten speichern.

Das ergibt sich aus der Logik des Systems: Vergleichsportale, die ihre Kunden über Jahre hinweg betreuen, sind darauf angewiesen, sich in die Kommunikation zwischen Kunden und Energieversorger einzuschalten. Nur so können diese dem Kunden die Mühe abnehmen, Verbrauch zu analysieren, Angebote einzuholen, Angebote zu vergleichen, Anträge zu stellen, Formulare auszufüllen usw.

Die Kommunikation läuft über kundenspezifische E-Mailadressen, z.B. bei SwitchUp nach dem Muster kundenname@mailsup.de. Aufgrund der noch geringen Anzahl von Vergleichsportalen erkennt deshalb der Energieanbieter ohnehin anhand dieser E-Mailadressen, wer zu den „Bonushoppern“ gehört. Zudem sind Energieversorger nicht verpflichtet, mit Schufa oder CRIF Bürgel zusammenzuarbeiten, so dass letztere im Wettbewerb um Daten stehen.

SwitchUp wurde von Arik Meyer gegründert, der zuvor Audible aufbaute und an amazon verkaufte. Bei Unternehmen wie SwitchUp laufen nun alle Daten über den Energieverbrauch deutscher Haushalte zusammen, die von den Vorteilen dieses Systems profitieren. Werden Vergleichsportale an amerikanische „Datenkraken“ verkauft, mehren ihre Daten lediglich die Datenpools US-amerikanischer Konzerne.

Daher ist unter Wettbewerbsgesichtspunkten fraglich, ob eine Regulierung, d.h. Einschränkung der Geschäftsmöglichkeiten europäischer Unternehmen wie SCHUFA oder CRIF Bürgel durch Verbot von E-Pools im Dienst des Wettbewerbs und der sozialen Marktwirtschaft wäre.

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Vermögensverwalter-Test des Wirtschaftsmagazins Capital

Von Dr. Oliver Everling | 9.September 2020

Vermögensverwaltung der Bayerische Vermögen Management AG (BVM AG) ist einer der Sieger im bundesweiten Vermögensverwalter-Test des Wirtschaftsmagazins Capital. Dabei wurden mehr als 16.000 reale Kundendepots analysiert und anhand verschiedener Kriterien bewertet.

Die BVM AG erreichte eine Gesamtbewertung von vier Sternen und gehört damit zu den besten Anbietern Deutschlands. „Die Analyse von Capital zielt auf Faktoren ab, die für den langfristigen Erfolg einer Vermögensverwaltung unerlässlich sind. Wir freuen uns daher über die Auszeichnung besonders und sehen sie als Ansporn, bei den von Capital herangezogenen Testkriterien noch besser zu werden“, so Jürgen Steinhauser, Portfoliomanager der Bayerische Vermögen AG.

Die Journalisten von Capital beleuchteten insgesamt neunzig Vermögensverwalter und ihre Strategien. Besonderes Augenmerk legte das Fachmagazin auf die Kategorien Portfoliostruktur, Produktumsetzung, Risikomanagement, Kosten und Performance. Die BVM AG erzielte in allen Bereichen auffallend gute Ergebnisse und wurde daher mit einer Gesamtbewertung von vier Sternen ausgezeichnet. Um die Strategien der Vermögensverwalter zu bewerten, unterschied Capital zwischen konservativen, ausgewogenen und chancenorientierten Depots.

Die BVM AG erzielte in allen drei Bereichen vier Sterne. „Wir haben seit jeher den Anspruch, unsere Kunden ein Leben lang zu begleiten. Dabei ist es unerlässlich, bei konservativen und chancenorientierten Anlagen gleichermaßen gute Ergebnisse zu erzielen. Nur so bietet ein Vermögensverwalter seinen Kunden in jeder Lebenssituation gute Lösungen. Dass uns dies Capital als unabhängiges Wirtschaftsmagazin bestätigt hat, unterstreicht den Erfolg unserer langjährigen Arbeit“, so Steinhauser.

Der Vermögensverwalter aus Kempten bietet neben Fondsstrategien auch die Auswahl von Einzeltiteln an. Schwerpunkt sind dabei globale Marktführer, die neben soliden Fundamentaldaten auch eine aussichtsreiche Wachstumsperspektive bieten. Obwohl das Team der BVM AG bei der Auswahl geeigneter Einzelwerte konsequent auf die Analyse von Bilanzkennzahlen setzt, umfassen die Vermögensverwaltungsstrategien zahlreiche Titel aus chancenreichen Branchen, wie etwa Technologie oder Gesundheitswesen. „Zukunftstechnologie und der Value-Ansatz müssen sich nicht ausschließen“, betont Steinhauser. „Entscheidend ist allerdings, ein Portfolio so aufzustellen, dass es neben langfristigen Chancen auch kurzfristige Erträge bietet. Nur wenn beides zusammenkommt, gelingt es, Kunden langfristig zu überzeugen.“Oliver Everling und Jürgen Lampe (Herausgeber): Rating von Vermögensverwaltungen (Edition Frankfurt School), Springer Gabler Verlag, Wiesbaden, http://www.springer-gabler.de/, 405 Seiten, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-23792-9.

Das Rating von Vermögensverwaltungen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Je nach gesetzten Annahmen und Modellen können sehr unterschiedliche Ergebnisse die Folge sein. Mehr dazu im Buch von Oliver Everling und Jürgen Lampe (Herausgeber): Rating von Vermögensverwaltungen (Edition Frankfurt School), Springer Gabler Verlag, Wiesbaden, http://www.springer-gabler.de/, 405 Seiten, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-23792-9.

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Moody’s Aktien finden Kaufinteressenten

Von Dr. Oliver Everling | 3.September 2020

“Eine Haltedauer von 15 Jahren vorausgesetzt, hätte ein Investment in den deutschen Aktienindex DAX selbst zum denkbar schlechtesten Einstiegszeitpunkt in 1999 eine Rendite von über 40% generiert, zum besten in 1984 von über 750%. Die Risiken langfristig nicht in Aktien zu investieren, sind gewaltig gegenüber der Alternative, es zu tun.” Das Zitat ist Ausgangspunkt der Fondsphilosophie von Timo Buss, Fondsinitiator und Advisor bei Covesto.

Beim ehemaligen AIF-Produkt Covesto Freestyle (DE000A2JF8K9 / A2JF8K) gab es zum 01.01.2020 einen Konzept- und Beraterwechsel: Seit Januar wird der Fonds als OGAW-Aktienfonds (Patient Capital) vom Covesto-Fondsadvisor Timo Buss beraten, der sich in den vergangenen Jahren durch konsistent hohe Wertbeiträge in der internationalen Aktienauswahl für den IP Black auszeichnen konnte.

Ein Titel, der sich seit Jahresbeginn sowohl im Covesto Patient Capital, IP White und IP Black findet, ist die US-amerikanische Ratingagentur Moody’s (MCO), die mit 37% Marktanteil neben S&P Global mit 39% den Markt dominiert. Ratings zu erstellen ist ein wenig kapitalintensives Geschäft mit operativen Margen über 40%, gesundem Wachstum und erheblicher Preissetzungsmacht. Grund genug, sich mit der Case Study zu Moody’s und dem Entscheidungsfindungsprozess des verantwortlichen Fondsberaters zu befassen.

„Zur Selektion und Bewertung potenzieller Aktien-Investments stelle ich mir fünf grundlegende Fragen“, sagt Buss: „Hat das Unternehmen einen echten, nachhaltigen Wettbewerbsvorteil und noch wichtiger: Wird dieser “Burggraben” größer oder kleiner? Wie genau verdient das Unternehmen Geld und passt das Geschäftsmodell in meinen Kompetenzbereich? Wo, glaube ich, steht das Unternehmen in 3 bis 5 Jahren? Ist das Management klug, ehrlich und fähig, gute Allokationsentscheidungen zu treffen? Schlussendlich: ist der Preis der Aktie attraktiv genug, um zu investieren?“

Der Investor zahlt nicht für Ratings und ist nur an der Qualität interessiert – daher ist der jahrzehntelange Track Record der Ratingagentur ist wichtig. Der Emittent zahlt für Ratings und ist am Zugang zu den wichtigsten Investoren interessiert. Daher sind anerkannte Ratingagenturen – in den USA so genannte NRSRO – im Vorteil. Eine niedrige Ausfallwahrscheinlichkeit über ein Rating von Moody’s zu signalisieren, kann die Fremdkapitalkosten senken.  Buss geht für Emittenten von einmaligen Kosten von 6,9 Basispunkten (bps) für ein Anleiherating bei Emission aus, die jährliche Zinseinsparungen von 30 bps bedeuten.

Als Folge der Finanzkrise wurden die Ratingagenturen nicht nur – wie schon vor der Finanzkrise – in den USA, sondern ab 2009 auch in Europa reguliert. „Entgegen jeglicher Intuition hat die intensivere Regulierung Moody’s jedoch ausschließlich gestärkt“, stellt Buss fest. Hier übersieht Buss, dass Moody’s auch ohne zusätzliche Regulierung aufgrund von Marktkräften weiter stark gewachsen wäre. Der CEO von Moody’s, der übrigens die Finanzkrise trotz aller Anfeindungen überstand, brachte in die Anhörungen durch Regulatoren sogar den Vorschlag ein, Ratings unabhängiger Agenturen aus den Regulierungen herauszunehmen. Die Regulierung war eher nur in dem Sinne für die führenden Agenturen vorteilhaft, da das Bedürfnis von Regulatoren, Ratingagenturen unter Kontrolle zu bringen, nur ihre Bedeutung für die Finanzmärkte unterstrich.

„Eintrittsbarrieren und Compliance-Kosten für kleinere Ratingagenturen haben sich signifikant erhöht“, so das Fazit von Buss mit Blick auf die Regulierung der Ratingagenturen. Während kleinere Agenturen darauf angewiesen sind, Emittenten mit Regulierungsarbitrage zu locken, d.h. durch Inflation von Ratings oder Sonderabsprachen – zum Beispiel in Ungarn – für Ratingaufträge zu sorgen, spielt diese für die großen Agenturen keine Rolle. Bei normalen Anleihen ist es kein Problem für Moody’s, Versuche von “ratings shopping” zu unterbinden, stellt Buss fest: „Eine Anleihe über 1 Mrd. USD repräsentiert weniger als 0,1% vom jährlichen globalen Emissionsvolumen“.

„Trotz des großen Anstiegs (Verdoppelung in drei Jahren) erscheint die Aktie zu 240 USD je Aktie und einer erwarteten FCF Yield von rund 5% in Verbindung mit langfristigem EPS-Wachstum >10% als ein attraktives Investment für die Zukunft“, so das positive Fazit von Buss für die Aktie von Moody’s. Obwohl Buss sich für ein Investment in Moody’s entschieden hat, sind nicht seine Pro-Argumente, sondern seine Contra-Argumente schwach: „Der CEO verhinderte nicht die massive Ratingsinflation im Vorfeld der Subprime-Krise, als die gesamte Industrie sich systemisch (inklusive SPGI und Fitch) eine zu sorglose Zeit machte und kurzfristige Gewinne maximierte. Der CEO hat es nicht geschafft, eine Unternehmenskultur zu etablieren, in der Warnzeichen (und es gab viele davon) ernst genommen wurden, dass das wichtigste Asset von MCO in Form des Reputationskapitals auf dem Spiel stand.“

Hier wird einerseits die Rolle des CEO überschätzt, denn Moody’s lebte immer schon eine klare Trennung zwischen Analyse und Geschäftsentwicklung, d.h. die Verantwortung für Entscheidungen über Ratings liegen in Ratingkomitees und anderen Gremien bei erfahrenen Ratinganalysten und nicht beim CEO. Ferner kann dieser Aspekt heute – mehr als zehn Jahre nach der damaligen Finanzkrise – kaum noch für eine Investitionsentscheidung in Aktien von Moody’s eine Rolle spielen, nachdem die Lektionen aus der Krise gelernt wurden.

So kann zusammengefasst werden, dass Buss eine treffende Analyse bezüglich vieler Argumente vorlegt, in Aktien von Moody’s zu investieren, aber hinsichtlich möglicher Argumente gegen Moody’s nicht wirklich fündig wurde.

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Sustainable Finance auf dem Banken-Gipfel

Von Dr. Oliver Everling | 3.September 2020

Dr. Wolfgang Fink, CEO Germany and Austria von Goldman Sachs, macht auf dem vom Handelsblatt veranstalteten Banken-Gipfel in Frankfurt am Main deutlich, warum eine Investmentbank wie Goldman Sachs aus Renditezielen heraus auf „Sustainable Finance“ setzt und darin eine globale Perspektive sieht.

Indem Regierungen Ziele der Nachhaltigkeit für ihre Volkswirtschaften verfolgen, werden Marktteilnehmer zu neuen Investitionen gezwungen, um den aus der Verfolgung von Nachhaltigkeitszielen resultierenden Auflagen und Einschränkungen zu entsprechen. Ganze Industrien werden abgeschafft und neue erzwungen. Dieser Druck auf Marktteilnehmer schafft einer Investmentbank wie Goldman Sachs die Voraussetzungen, mit neuen Angeboten Geschäftsfelder zu erschließen. Der Ertrag resultiert einerseits aus den Abgabenlasten, die von den Bürgern zu tragen sind und von Regierungen zur Finanzierung des Strukturwandels eingesetzt werden, andererseits aus der Verlagerung von Investitionsschwerpunkten der Investoren, die ihre Mittel neu allozieren müssen.

Fink sieht zahlreiche Gelegenheiten. „Die Art, wie wir reisen, aber auch die Art und Weise, wie wir Ausgaben tätigen“, das alles werde sich ändern und Investitionen erforderlich machen. „Wir schätzen, dass etwa die Hälfte dieser Investitionen von denen ich gerade gesprochen habe, in dem Bereich Versorgung, also Utilities, fließen wird. Allerdings machen die nur etwa ein Viertel der Treibhausgasemissionen der EU aus. Das heißt, um hier wirklich dem Ziel näherzukommen, müssen sehr viel mehr Branchen angegangen werden.“

Fink geht es um die Sicherung der Ertragsquellen: „Wir brauchen eine sehr viel breitere Anwendung von CO2 Besteuerung oder Emissionshandelssystemen. Dass das Kapital dann dort investiert wird, wo eine entsprechende Preisgestaltung da ist und wo Innovation im Bereich der sauberen Technologien dann finanzierbar ist, ist essentiell. Wir brauchen also diese Preisgestaltung.“

„Diese Preise für CO2 sollten ausreichend hoch sein, dass es eben diesen Einstieg fördert, und dann hoffen wir auf eine Skalierung. Über Skaleneffekte sollten Innovationen dann den Preispunkt über die Zeit“, so die Hoffnung von Fink, „nach unten bringen.“

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ESMA-Bericht zu Trends, Risiken und Schwachstellen

Von Dr. Oliver Everling | 3.September 2020

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA stellt ihren halbjährlichen „ESMA Report on Trends, Risks and Vulnerabilities“ vor. Die Marktinfrastrukturen waren während des Ausverkaufs einer erhöhten Aktivität ausgesetzt, da Volumen und Volatilität zunahmen. Die Handelsplätze bewältigten das gestiegene Handelsvolumen bei einem höheren Anteil der liquidesten Marktplätze, da die Anleger während der Zeit des Liquiditätsstresses die Gewissheit der Ausführung suchten. Die zentralen Gegenparteien (CCPs) erwiesen sich nach Feststellung der ESMA während des gesamten Zeitraums als widerstandsfähig, trotz des Anstiegs der Clearing-Aktivität in Verbindung mit dem starken Anstieg der Anfangs- und Variationsmargen. In ähnlicher Weise erfüllten die Clearing-Mitglieder trotz einiger Margenverletzungen, berichtet ESMA, die durch überschüssige Margen gedeckt waren, die gestiegenen Liquiditätsanforderungen.

Die Ratingagenturen reagierten auf die starke wirtschaftliche Verschlechterung mit einer Herabstufung betroffener Emittenten, insbesondere nichtfinanzieller Emittenten, dokumentiert ESMA. Das Risiko von „gefallenen Engeln“ bleibt daher hoch, und verbriefte Produkte (z. B. Collateralised Loan Obligations, CLOs) können auch in Zukunft betroffen sein, warnt die Aufsichtsbehörde.

Einen Schwerpunkt des Berichts bildet das Modellrisiko in CLOs: Die Vorteile der Verbriefung hängen von ihrer Fähigkeit ab, das Kreditrisiko effektiv zu konstruieren und zu begrenzen. Daher werden die Ansätze zur Modellierung des CLO-Kreditrisikos untersucht, die von den drei wichtigsten Ratingagenturen übernommen wurden. Es werden die Unterschiede und einige Einschränkungen bei den Ansätzen erörtert und wie sich diese möglicherweise auf die Genauigkeit der Bonität auswirken können. Schließlich wird die Diskussion in den Kontext einiger der jüngsten Entwicklungen auf den Märkten für Leveraged Loans und CLO gestellt, einschließlich derjenigen, die aus COVID-19 stammen. Zusammen machen diese deutlich, wie wichtig die Sensitivitätsanalyse ist, um Modell- und Bonitätsbeschränkungen zu identifizieren und wie deren Transparenz der Schlüssel ist, um das Vertrauen der Anleger in Ratings zu informieren.

Der starke Anstieg des Kreditrisikos durch die COVID19-Krise zeigt sich deutlich in der Entwicklung der Kreditratings ab März. Die Ratings gingen bei fast allen Emittenten zurück, insbesondere bei nichtfinanziellen, strukturierten Finanzierungen und Finanztiteln. Die Rating-Drift stabilisierte sich später und begann für Nicht-Finanzwerte zu steigen, was das langsame Tempo der Herabstufungen nach dem Anstieg im März widerspiegelt.

Im April kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) ein Paket vorübergehender Maßnahmen zur Lockerung von Sicherheiten an, darunter die Möglichkeit, Anleihen, die kürzlich von Investment Grade (IG) auf High Yield (HY) herabgestuft wurden („gefallene Engel“), als Sicherheit für liquiditätsgebende Operationen zuzulassen, solange ihr Rating gleich oder über BB bleibt. Die Intervention zielte darauf ab, die Bereitstellung von Bankkrediten zu unterstützen, insbesondere durch die Lockerung der Bedingungen, unter denen Kreditforderungen als Sicherheit akzeptiert werden.

In der dritten Phase der Krise (ab Mai) trat das Kredit- und Solvabilitätsrisiko in den Vordergrund, als die Anleger angesichts der anhaltenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten begannen, zwischen Emittenten und Anlageklassen zu unterscheiden. In diesem Zusammenhang zeigten sich Bedenken hinsichtlich des Kreditrisikos, schreibt ESMA. Die Zahl der Herabstufungen der Bonität sind seit Anfang März gestiegen, mit dem schnellsten Tempo seit 2007, betont ESMA, obwohl sich das Tempo seit April verlangsamt hat. Die steigende Verschuldung der Unternehmen, die durch die Suche nach Rendite und günstigen Finanzierungsbedingungen ausgelöst wurde, hat die Emittenten anfälliger für den starken Rückgang der Einnahmen während der Krise gemacht. Innerhalb des IG-Universums sind BBB-Emittenten, auf die 40% der bewerteten Unternehmen entfallen, besonders anfällig, da eine Herabstufung auf HY erzwungene Verkäufe von Anlegern auslösen könnte.

Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse haben die Aufsichtsbehörden alle Bedrohungen der Finanzstabilität genau überwacht und Maßnahmen zur Förderung der Stabilität, des Anlegerschutzes und der Marktintegrität ergriffen. ESMA hat den Finanzmarktteilnehmern Empfehlungen zur Planung der Geschäftskontinuität, zur Marktoffenlegung, zur Finanzberichterstattung und zum Fondsrisikomanagement gegeben und Initiativen gestartet, um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zu reflektieren.

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