Maßstäbe für nachhaltige Entwicklung

Von Dr. Oliver Everling | 23.März 2017

Die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) bestehen aus 17 Zielen für eine bessere Welt. Für Investoren ist es schwer einzuschätzen, wie sie mit den SDGs umgehen sollen. Entsprechend gering sind die daran orientierten Investitionen, zumal nicht alle SDGs gleichermaßen investierbar sind, da nicht alle klare Anlagechancen bieten.

Das Reporting der SDG-Leistungskennzahlen ist noch zu eingeschränkt, um als zuverlässige Grundlage für effiziente Investmentzwecke zu dienen. NN Investment Partners (NN IP) will nun eine pragmatische Methode entwickelt haben, um die Beiträge der Unternehmen zu den SDGs mit Plus, Null und Minus zu kennzeichnen: Plus wenn deutlich positiv, Null wenn unerheblich und Minus wenn deutlich negativ. Diese Methode sei einfach und werde heute schon mit den derzeit verfügbaren Unternehmensdaten angewendet, heißt es dazu von NN IP. Mit diesem Ansatz könne NN IP die Ausrichtung der Unternehmen auf die SDGs und damit die damit einhergehenden Anlagechancen bewerten.

Die Global Sustainable Opportunities Strategie von NN IP nutzt diesen Ansatz bereits und investiert in die SDGs. „Wir sind überzeugt, dass wir auf diese Weise in eine bessere Welt investieren und gleichzeitig solide Erträge erzielen können. Die Strategie bietet Anlegern die Möglichkeit, in die SDGs zu investieren sowie in Unternehmen, die eine nachhaltige Wirkung erzielen“, sagt Huub van der Riet, Lead Portfolio Manager Impact Investing bei NN Investment Partners.

Van der Riet weiter: „Eine Anlage in SDGs ist aus mehreren Gründen vorteilhaft: Erstens können Investoren durch eine SDG-konforme Anlage zu einer besseren Welt beitragen. Es ist inspirierend, ein Portfolio aus Unternehmen zu konstruieren, die sich durch die Ausrichtung auf diese SDGs verpflichten. Unser Fokus liegt auf Unternehmen, die innovative Lösungen und attraktive finanzielle und gesellschaftliche Erträge bieten. Somit eröffnet eine SDG-Anlage für Asset Manager Investmentchancen, mit denen sie den Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht werden können. Darüber hinaus kann eine Anlage in diese Ziele, neben ihrem sozialen Wert, für Anteilseigner finanziell überaus lohnenswert sein, da die Anlage in Unternehmen erfolgt, die Lösungen zu den SDGs liefern.“

Willem Schramade, Senior Portfolio Manager Impact Investing bei NN Investment Partners: „Die für eine Anlage interessantesten SDGs sind diejenigen mit Transformationspotenzial und in Bereichen, in denen Unternehmen einen entscheidenden Unterschied machen können. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen, die Innovationen im Gesundheitsbereich vorantreiben (SDG 3), den Wandel zu erneuerbaren Energien unterstützen (SDG 7) und/oder innovative Lösungen (SDG 9) im Bereich nachhaltiger Produktion und Dienstleistungen (SDG 12) anbieten.“

Bei der Portfoliokonstruktion wird gemessen, wie stark einzelne Unternehmen zu den SDGs beitragen. NN IP geht davon aus, dass sich das Impact-Reporting der Unternehmen in den nächsten Jahren deutlich verbessern wird. Allerdings werden künftige Impact-Ratings vermutlich nur eingeschränkt nutzbar sein, da sie Interpretationsspielraum lassen dürften. Investoren werden daher zusätzlich ein eigenes Impact-Research benötigen, um tragfähige Ergebnisse und Erkenntnisse in Bezug auf die nachhaltige Wirkung der Unternehmen zu erhalten.

Themen: Nachhaltigkeitsrating | Kein Kommentar »

AAA- für Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen 

Von Dr. Oliver Everling | 22.März 2017

TELOS hat den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen geratet. Der Fonds erfüllt nach Angaben der Ratingagentur höchste Qualitätsstandards und erhält die Bewertung „AAA-“ auf einer Skala von A bis AAA (höchste Qualitätsstandards).

Auszüge aus dem TELOS-Kommentar:

„Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen ist ein aktiv gemanagter Aktienfonds, der weltweit in Small und Mid Caps schwerpunktmäßig Europa investiert. Der Fonds verfolgt eine klare Anlagestrategie nach den bewährten Prinzipien des Value Investing. Der Schwerpunkt wird auf den Kapitalerhalt und Dividenden gelegt ohne dabei die langfristige Ertragsgenerierung einer möglichst zweistelligen Rendite zu vernachlässigen. Auf ein ausgewogenes Chance/Risiko-Verhältnis wird somit besonderes Augenmerk gelegt. Der Hauptfokus liegt auf unterbewerteten europäischen Small- und Mid Cap Aktien, mit einem Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Raum, da mit Small- und Mid Caps laut Fondsmanagement historisch gesehen die höchsten Erträge erwirtschaftet wurden. Grundsätzlich kann der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen aber weltweit anlegen.“

Die Ratingagentur aus Wiesbaden liefert weitere Angaben: „Im Jahr 2008 wurde der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen aufgelegt, um die Value-Philosophie der Stiftung auch anderen Investoren zugänglich zu machen. Der  Fonds ist kein Stiftungsfonds, sondern ein Fonds für den Aktienanteil einer Stiftung. Über die letzten 7 Jahre beläuft sich die annualisierte Performance auf 13.79%. Der Fonds hat eine Hurdle-rate von 8% p.a. bevor die Performance-Gebühr von 15% erhoben werden kann. Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen wird weiter als Europafonds vermarktet, wobei nichts gegen eine globale Ausrichtung spricht. Das Fonsdmanagement muss Geschäftsmodelle gut verstehen. Im Jahr 2016 hat der Fonds Soft Closing eingeleitet. Die anhaltend hohen Kapitalzuflüsse sollen begrenzt werden, damit das Management die Anlagestrategie weiterhin flexibel umsetzen kann. Geld wird danach nur noch von Investoren akzeptiert, die schon investiert sind.“ 

Themen: Fondsrating | Kein Kommentar »

Coface sieht Chinas Unternehmen unter Druck

Von Dr. Oliver Everling | 22.März 2017

Die chinesischen Unternehmen bewegen sich in einem schwierigen Umfeld. Zu höheren Finanzierungs- und Importkosten aufgrund der staatlichen Geldpolitik kommt der harte Wettbewerb, der durch die Öffnung weiterer Branchen für ausländische Unternehmen zusätzlich angetrieben wird. „Die Profitabilität könnte darunter leiden, wenngleich die wieder anziehende Auslandsnachfrage dem partiell entgegen wirken könnte“, heißt es in einer Untersuchung des Kreditversicherers Coface. „Es sei denn, protektionistische Maßnahmen anderer Länder bremsen diese Entwicklung aus.“

Die mögliche Abwertung des Renminbi (RMB) in Verbindung mit Maßnahmen zur Lenkung des Kapitalflusses beunruhigen China seit längerem. Die kürzlich angekündigte neue geldpolitische Positionierung ist ein weiterer zu beachtender Blickpunkt. Der Nationale Volkskongress hat gerade bekräftigt, dass China ein eine „besonnene und neutrale“ Geldpolitik betreiben wolle.

Die People’s Bank of China (PBoC) verhält sich derzeit abwartend mit Blick auf die Zinsdifferenzen zwischen den USA und China und beobachtet die Politik der US-Notenbank im Zusammenhang mit der Steuer- und Handelspolitik der neuen US-Regierung. Ungeachtet dessen wird erwartet, dass die chinesische Notenbank schrittweise die Geldpolitik anziehen und den Zinskorridor im Laufe dieses Jahres um 20 bis 30 Basispunkte anheben wird. „Dies bedeutet höhere Kreditkosten für chinesische Unternehmen und größere Ausfallrisiken, besonders bei Unternehmen mit schwacher Finanzausstattung“, erklärt Jackit Wong, Economist für Asien bei Coface.

Der Renminbi wird voraussichtlich seine Abwärtstendenz, wenn auch etwas verlangsamt, fortsetzen. Daher dürften auch Kapitalabflüsse aus China anhalten Die PBoC toleriert offensichtlich die Volatilität des Wechselkurses von RMB zum US-Dollar, um durch den etwas schwächeren Renminbi die Exporte weiter zu fördern. Auf der anderen Seite belastet der Wechselkurs importierende Unternehmen durch steigende Kosten.

Themen: Debitorenrating, Unternehmensrating | Kein Kommentar »

Selektives Vorgehen im Unternehmensanleihe-Segment

Von Dr. Oliver Everling | 22.März 2017

Seit zwei Jahren sind europäische Anleger nicht nur mit negativen Einlagenzinsen konfrontiert, sondern auch mit einem immer kleineren Anleihenuniversum, da die EZB ihre Bilanz in den letzten fünf Jahren wesentlich ausgeweitet hat. „Die kleinere Zahl an Gelegenheiten zwang Anleger dazu,“ analysiert Pierre Verlé, Teamleiter Credit bei Carmignac, „ein größeres Kreditrisiko bei längeren Laufzeiten einzugehen. Folglich wurden die Kreditmärkte sehr anfällig für einen geldpolitischen Kurswechsel der EZB.“

„Beginnend mit Investment-Grade-Unternehmensanleihen lässt sich eine kontinuierliche Verschlechterung der Bilanzqualität feststellen,“ so Verlé, „so dass die Fremdfinanzierungsquoten fast den Zyklus-Höchststand erreicht haben. Schwache Margen, mangelnde Anlegerdisziplin, ein nach wie vor starker Fusions- und Übernahmezyklus und aktive Anleiheemittenten, die von niedrigen Zinsen profitieren wollen, waren allesamt Faktoren, die zur Beeinträchtigung europäischer Bilanzen beigetragen haben. Obwohl die Verschuldung im Bereich ihrer 10-Jahres-Höchststände liegt, befinden sich die Renditen aufgrund der eben erwähnten EZB-Intervention auf einem Allzeittief. Dieser Markt ist sehr instabil und anfällig für einen starken Inflationsanstieg.“

Im Segment der High-Yield-Anleihen sieht Verlé das Bild ähnlich. „Auch hier befinden sich die Fremdfinanzierungsquoten im Bereich des Zyklus-Höchststands und die Renditen auf einem Allzeittief. Darüber hinaus bieten diese niedrigen Renditen zum einen keinen absoluten Bewertungsschutz bei einer solch schlechten Bilanzqualität und zum anderen besteht auch anderswo in der Kapitalstruktur kein relativer Bewertungsschutz.“

Themen: Anleiherating | Kein Kommentar »

9. Expertenforum „Risikoprofiling mit Anlegern“

Von Dr. Oliver Everling | 22.März 2017

Kunden von Finanzberatung stehen regelmäßig vor der Frage: Wie kann ich Finanzentscheidung bestmöglich treffen? Zwei Instanzen, Verstand und Vernunft, haben auf den Umgang mit Risiko einen wesentlichen Einfluss. In Wiesbaden diskutieren wir mit unseren engagierten
Referenten aus Wissenschaft und Praxis und stellen wertvolle, hochaktuelle Forschungsansätze und innovative Lösungen für analoge und digitale Beratungsprozesse vor. Schwerpunkt: Verstand oder Vernunft – was dominiert beim Umgang mit Risiko?

Programm: http://tinyurl.com/FCM-Expertenforum2017

Datum: Donnerstag, der 22. Juni 2017. Uhrzeit: 09.15 bis 17.30 Uhr. Ort: IHK Wiesbaden. Zielgruppe: Finanzplaner, Finanzberater, Finanzcoaches, Vermögensverwalter, Family Offices und Steuerberater.

Themen: Verstand und Vernunft – die Psychologik von Finanzentscheidungen. Warum wollen die Deutschen eigentlich keine Aktien? Verstand und Vernunft – was verändert sich für Kunde und Berater beim Einsatz von FinaMetrica? Verstand oder Bauchgefühl – worauf sollen wir bei Finanzentscheidungen hören? Der Weg macht den Unterschied – Kunden für eine aktive und selbstbewusste Entscheidung zu Geld und Risiko gewinnen. Verstand, Vernunft und Emotionen – Anlageentscheidungen beinhalten mehr als Zahlen-Daten-Fakten.

Eingebettet in das Programm sind verschiedene Diskussionsgruppen sowie die Arbeit an Fallbeispielen.

Themen: Veranstaltungen | Kein Kommentar »

APCOA freut sich über die Refinanzierung

Von Dr. Oliver Everling | 21.März 2017

Die APCOA PARKING Gruppe („APCOA“), ein führender Parkraum-Manager in Europa, hat die Refinanzierung seines bestehenden Kreditrahmens abgeschlossen. In einer nach Angaben des Unternehmens deutlich überzeichneten Syndizierung mit ausgewählten institutionellen Investoren und Banken wurde ein Kreditvolumen von EUR 435 Millionen erfolgreich platziert. APCOA und die Kreditinstrumente sind mit einem Rating von Standard & Poor’s mit B+ und Moody’s Investors Service mit B1 ausgestattet.

„Wir sind überaus zufrieden mit der großen Zustimmung und Bestätigung unseres Kurses durch Investoren und Ratingagenturen. Unser diversifiziertes und stabiles Geschäftsmodell sowie unsere langfristigen Vertrags- und Kundenbeziehungen übersetzen sich in ein positives und attraktives Kreditprofil. Ich freue mich über den erfolgreichen Abschluss der Refinanzierung und der Sicherung einer langfristigen Kapitalstruktur mit attraktiven Konditionen“, so Steffen Bätjer, CFO von APCOA.

Barclays Bank PLC, Deutsche Bank AG, Niederlassung London und die Royal Bank of Scotland plc (handelnd als NatWest Markets) fungierten als Mandated Lead Arrangers und Joint Bookrunners für  APCOA. Barclays fungierte als Rating Advisor und ist der Agent und Security Agent für den neuen Kreditrahmen.

Themen: Kreditrating | Kein Kommentar »

Mehr Inflation in den USA als in Europa

Von Dr. Oliver Everling | 21.März 2017

Mit 2,7% liegt der Anstieg der Verbraucherpreise in den USA am oberen Limit der Markterwartung. Das ist der höchste Wert seit März 2012. Bereinigt um die Faktoren Energie und Nahrungsmittel, ergibt sich eine Kerninflation von 2,2%. „Diese ist vor allem von höheren Ausgaben im Gesundheitswesen (+3,4%), dem Transportwesen (+3,6%) und dem Bereich Wohnen (+3,5%) gekennzeichnet“, analysiert Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Auch in Europa haben die Verbraucherpreise nach einer längeren „Niedrig-Phase“ deutlich angezogen und erreichten, erstmals seit Januar 2013, wieder die 2%-Marke, getragen von den um 9,3% gestiegenen Energiepreisen.

„Im Gegensatz zu den USA verzeichnete in Europa auch der Nahrungsmittelsektor einen Preisanstieg von 2,5%. In Folge des expansiven Einflusses der Energiepreise, der bis April anhalten wird, sehen wir die Inflationsraten für die USA oberhalb und die für Europa knapp unterhalb der 2%-Marke“, urteilt Mumm. „Jedoch erwarten wir eine sich abschwächende Tendenz in der zweiten Jahreshälfte. Für das laufende Jahr sehen wir durchschnittliche Inflationsraten von 2,3% für die USA und 1,5% für die Eurozone voraus.“

Themen: Länderrating | Kein Kommentar »

„Der Weg ins Verderben“

Von Dr. Oliver Everling | 20.März 2017

„The Road to Ruin“ ist der Titel der englischen Ausgabe vom November 2016 des neuen Buches aus dem FinanzBuch Verlag. „Der Weg ins Verderben“, zu dem der Autor, James Rickards, ein allein für die deutsche Ausgabe bestimmtes Vorwort voranstellt. Ein neuer Weltkrieg zwischen den USA und Russland habe schon begonnen, glaubt der Autor. „Deutschland ist zwar mit den Vereinigten Staaten verbündet, aber wirtschaftlich auch Russland eng verbunden. Daher hat Deutschland am meisten zu verlieren, wenn die Spannungen zwischen den beiden Supermächten eskalieren“, warnt James Rickards.

Die martialische Terminologie des Autors ist vor dem Hintergrund seiner Erkenntnis zu verstehen: „Die Geschichte der Kriegsführung ist eine Geschichte von neuen Waffen, die alte ersetzen. Schusswaffen ersetzten Schwerter, Panzer ersetzten Pferde, Flugzeugträger ersetzten Schlachtschiffe.“ James Rickards rechnet mit dem Einsatz cyber-finanzieller
Waffen.

Auf den USA lastet eine schwere Verantwortung: „Der Fehler der Vereinigten Staaten bestand darin, zu glauben, diese Sanktionen seien auf die eine oder andere Weise etwas anderes als militärische Gewalt. Russland sah diesen Unterschied nicht“, argumentiert James Rickards. In einem cyber-finanziellen Krieg seien die Voraussetzungen des früheren, mit „MAD-Doktrin“ bezeichneten Gleichgewichts des atomaren Schreckens nicht erfüllt. China, Iran, Türkei, Nordkorea und Syrien sieht er als neue Frontstaaten.

James Rickards vertritt „die Auffassung, dass jedes Währungssystem auf Vertrauen basiert, aber Vertrauen ist empfindlich und kann leicht verloren gehen.“ Sollte eine Finanzpanik um sich greifen, werden die Eliten nach Meinung von James Rickards bereitstehen, um durch Konto-Einfrierungen, Börsenschließungen und, falls erforderlich, Standrecht und andere, als „vorübergehend“ bezeichnete Maßnahmen ihre privilegierten Positionen zu bewahren. James Rickards will in seinem Buch konkrete Maßnahmen, „die jeder sofort ergreifen kann, um selbst in den schlimmsten Szenarien seinen Wohlstand zu bewahren.“

Sein theoretisches Fundament holt sich James Rickards bei dem Währungsexperten Felix Somary (1881 – 1956), einem Schüler des Begründers der Österreichischen Schule, Carl Menger. Somary wird nachgesagt, den Zusammenhang zwischen den Währungssystemen und den Weltkriegen korrekt gesehen und die Kriege prophezeit zu haben. Die meisten akademisch gebildeten Ökonomen dagegen seien keine Wissenschaftler, sondern Dogmatiker, urteilt James Rickards. „Anhänger der Österreichischen Schule, Neo-Keynesianer und Monetaristen haben allesamt ihre Standpunkte fest abgesteckt.“

James Rickards Sympathie für die Österreichische Schule ist unübersehbar, aber er warnt: „Wenn Friedrich
August von Hayek heute noch lebte, würde er neue Instrumente, die Netzwerktheorie und zelluläre Automaten verwenden, um seine Erkenntnisse zu verfeinern; seine Anhänger sollten nicht dahinter zurückstehen.“

Themen: Bücher, Rezensionen | Kein Kommentar »

Bargeld statt Buchgewinn

Von Dr. Oliver Everling | 20.März 2017

„Bargeld statt Buchgewinn: Mit Hochdividendenwerten zum passiven Monatseinkommen“ heißt der neue Titel von Luis Pazos aus der FBV Edition Lichtschlag. Das Buch ist für alle Leser ein Gewinn, die sich über die Gefahren reiner Buchgewinne Gewissheit suchen. Der Autor schreibt u.a. auch auf http://nurbaresistwahres.de/.

Der Titel reiht sich aber nicht in die Serie von Veröffentlichungen ein, die sich mit der Abschaffung des Bargeldes und den damit verbundenen Gefahren sowohl für die Vermögensanlage als auch für die Freiheitsrechte von Staatsbürgern befassen. Der Titel spielt sie vielmehr darauf an, dass sich Anleger langfristig besser stehen, nach hohen Cashflows aus ihren Investments zu suchen, als kurzfristig auf Kursgewinne. Der Autor fordert dazu auf, Aktien unter einer neuen Perspektive zu analysieren.

„Werden also Aktienengagements als Einkommens- und nicht als Kursgewinnvehikel aufgefasst,“ Folkert der Autor aus seinen Betrachtungen, „profitieren entsprechend positionierte  Investoren von ausgeprägten Marktzyklen. Steht die Dividende  und nicht der Kurs im Fokus, fördern die periodischen  Einnahmen und ihre Wiederanlage je nach Investitionsansatz, siehe hierzu Kapitel 17.3, automatisch ein antizyklisches Handeln; dies gilt insbesondere für den Fall, dass Wiederanlagepläne eine Reinvestition zu vorteilhaften Konditionen ermöglichen.“

Während auf den ersten 50 Seiten des Buches die Kerngedanken einer bargeldorientierten Anlagestrategie erläutert werden, arbeitet der Autor in den folgenden Kapiteln eine Reihe von Anlageformen ab. Hier geht es um Business Development Companies, Master Limited Partnerships, Income Trusts, Real Estate Investment Trusts, Trust Purchases, Convertible Bonds, Schifffahrtsgesellschaften, American Depositary Receipts und andere Papiere sowie – nicht zu vernachlässigen – natürlich auch um Aktien, Anleihen, Kapitalanlagegesellschaften und schließlich um die Frage der praktischen Umsetzung mit einer Depotbank.

Zu jedem Instrument bringt der Autor ein eigenes Fazit, das er anhand seiner Kriterien herleitet. Das Buch befasst sich insbesondere mit den aus dem angelsächsischen Sprachraum bekannten Instrumenten, „die größtenteils auch von deutschen Anlegern erworben werden können, wenn auch manche steuerliche Vorteile für deutsche Anleger nicht erreichbar sind.

Solange die Politik in den führenden Industrienationen – gleich ob in Amerika, Europa oder Japan – tiefgreifende Strukturreformen der Wirtschaft, angefangen beim Steuerrecht bis hin zu den Sozialleistungen, immer weiter aufschiebt, wird man weiterhin mit dem Einsatz der euphemistisch als „unkonventionell“ bezeichneten Mitteln der Geldpolitik und daher mit der Gefahr einer unkontrollierten Inflation rechnen müssen. Die Menschheitsgeschichte ist voll von Beispielen, wie durch Inflationen, Währungsreformen, Systemwechsel bzw. Revolutionen oder einfach durch fortgesetzte finanzielle Repression das Vermögen der Menschen massiv umverteilt wurde.

„Seit dem Jahr 1500 lassen sich weltweit knapp 800 ökonomisch hinreichend relevante Währungen beziehungsweise gesetzliche Zahlungsmittelsysteme identifizieren. Lediglich 23 Prozent von ihnen existieren noch heute, 20 Prozent wurden irreparabel zerstört im Rahmen einer auf exzessiver Staatsverschuldung basierenden Hyperinflation.“ Das Buch hilft bei der Suche nach Anlagealternativen, die eine bessere Risikostreuung des Anlegervermögens ermöglichen.

Themen: Bücher, Rezensionen | Kein Kommentar »

Achtung, Protektionismus!

Von Dr. Oliver Everling | 16.März 2017

Der Schneesturm an Amerikas Ostküste ist viel schwächer ausgefallen als erwartet, die erneute Zinsanhebung der Fed hat niemand mehr überraschen können, und auch der Wahlausgang in den Niederlanden mag zu einer allgemeinen Beruhigung an den Märkten beitragen. Axel D. Angermann analysiert als Chef-Volkswirt der FERI Gruppe die konjunkturellen und strukturellen Entwicklungen: „Wenn nun aber Kanzlerin Merkel am Freitag nach Washington reist, steht ein großes Thema auf der Tagesordnung ihrer Gespräche mit US-Präsident Trump, das tatsächlich volle Aufmerksamkeit verdient: die Gefahr protektionistischer Maßnahmen seitens der US-Regierung, die sich auch und vor allem gegen das aus amerikanischer Sicht sehr hohe Handelsdefizit mit Deutschland richten.“ Hinter den Kulissen werde an einer Unternehmenssteuerreform gearbeitet, die unter dem Stichwort „Cross Border Tax“ Importe in die USA deutlich belasten und amerikanische Exporte im Gegenzug entlasten würde.

Die Einführung einer US-Cross Border Tax würde an der stark exportorientierten deutschen Wirtschaft natürlich nicht spurlos vorbeigehen, urteilt Angermann: „Ein derart gravierender Eingriff in die Rahmenbedingungen des internationalen Handels hätte vor allem für die Automobilhersteller und den Maschinenbau, aber auch die pharmazeutische Industrie oder den Flugzeugbau Folgen, dort müsste insbesondere Airbus mit einer deutlichen Verschlechterung der Wettbewerbsposition im Vergleich zu Boeing rechnen. Dennoch ließen sich die negativen Auswirkungen in Grenzen halten.“

Das liege zum einen daran, dass Qualität „Made in Germany“ nicht ohne weiteres durch US-Produkte oder durch solche aus anderen Ländern ersetzt werden kann. Zum anderen können weltweit agierende Unternehmen auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel reagieren, zum Beispiel mit höheren Investitionen bzw. der Verlagerung ihrer Produktion in bereits bestehende US-Standorte. Diesen Zusammenhang dürfte auch die Kanzlerin, die auf ihrer USA-Reise von Spitzenmanagern der deutschen Wirtschaft begleitet wird, bedenken: Für einen international tätigen Konzern mag sich eine neue Handelssteuer nur geringfügig auf Gewinn und Beschäftigung auswirken. Für den Standort Deutschland, für die hierzulande angesiedelte Wertschöpfung und die Beschäftigten gilt dies aber unter Umständen nicht.

Themen: Branchenrating, Länderrating | Kein Kommentar »

« Voriger Beitrag
  • Lebenslauf