DZ BANK Research lässt Altmaier alt aussehen

Von Dr. Oliver Everling | 15.April 2019

Gerade recht zur Diskussion um die „Nationale Industriestrategie 2030“ des Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, kommt aus dem Research der DZ BANK eine fundierte Analyse zur Sinnhaftigkeit einer solchen Industriepolitik.

„Auf lange Sicht werden die Dienstleister in Europa, aber auch in Deutschland immer wichtiger für die Wirtschaft. Insbesondere in Europa dürfte dagegen“, so das ernüchternde Fazit der Experten, „die industrielle Fertigung weiter an Bedeutung verlieren.“ Ein Voranschreiten in die Dienstleistungsgesellschaft sorge zwar nicht automatisch für einen dynamischen Wachstumsboom, räumen die Analysten ein, ein positiver Effekt eines Bedeutungsgewinns der Dienstleistungen wäre aber eine merklich geringere Verwundbarkeit der deutschen Wirtschaft bei internationalen Krisen.

Eine reine Industriepolitik, wie sie im Rahmen der „Nationalen Industriestrategie 2030“ angedacht ist, wäre dagegen nach Feststellung der DZ BANK kaum zukunftsgerichtet und dementsprechend auch nicht zielführend. „Den Schwerpunkt der Förderung auf Großunternehmen in der Industrie zu legen, geht an der deutschen Wirklichkeit vorbei. Damit würden nicht nur erfolgversprechende, zukunftsorientierte Geschäftsmodelle in anderen Sektoren, sondern auch der für Deutschland so wichtige Mittelstand vernachlässigt.“

Die Experten der DZ BANK zeigen gleich auch Alternativen auf: „Viel sinnvoller als eine neue Industriepolitik wäre daher eine weitergehende Unterstützung von Forschung und Entwicklung unabhängig davon, ob sie der Industrie oder dem Dienstleistungsbereich zuzurechnen ist oder gar an den deutschen Universitäten erfolgt. Gerade eine erfolgreiche Grundlagenforschung könnte der deutschen Wirtschaft den Weg in die Zukunft weisen.“

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AKASOL erhöht den Durchsatz

Von Dr. Oliver Everling | 15.April 2019

Wer von elektrischem Antrieb spricht, redet bald auch von der seit 2018 börsennotierten AKASOL AG. Hauptverwaltung und Entwicklungsteam sitzen nach wie vor in Darmstadt, während die Produktionslinien in Langen entstehen. „Hier bauen wir fast eine Giga-Factory“, sagt Vorstandsvorsitzender Sven Schulz, denn die Möglichkeiten würden bald bis 800 Megawatt reichen.

AKASOL sieht sich für Marine, industrielle Fahrzeuge und Schiffe gut positioniert, so dass auch Batterien für Busse und Lastkraftwagen bald weiter Fahrt aufnehmen könnten. „Batteriesysteme werden überall dazu gehören“, ist sich Schulz sicher, denn auch bei einer Brennstoffzelle würde noch eine Batterie benötigt.

„Wir stellen keine Batteriehellen her, sondern integrieren diese in unsere Module“, macht Schulz klar. Elektronik und Software werde von AKASOL hinzugefügt. Thermomanagement usw. kommen ebenfalls von AKASOL hinzu. Es gebe hier keine Einheitslösung, sondern es bedürfe individueller Ansätze. Die Firma verbindet Hardware- und Software-Kompetenz.

Schulz ruft dazu auf, AKASOL und ihre Projekte mit Wettbewerbern zu vergleichen, bei denen Ankündigungen und Realisationen teils weit auseinander klaffen. „Wir haben eine sehr hohe Dynamik“, sagt Schulz mit Blick auf die Erneuerung der Generationen. Flaggschiffkunde ist eine Adresse in Schweden, aber auch ein asiatischer Nutzfahrzeughersteller sei in Sicht.

AKASOL schaltet sich in die Ladestruktur in Deutschland ein. Mit einem Kunden werde derzeit evaluiert, inwieweit AKASOL mit der notwendigen Schnelligkeit liefern könne. Unabhängigkeit vom Netzausbau zu werden, sei bei diesem Kunden das Ziel. Der Netzausbau würde dadurch auch beschleunigt. „Wir nehmen diese Anfrage mit einem sehr hohen Respekt auf“, dämpft Schulz die Erwartungen. Pro Woche werden derzeit 100 Batteriesysteme hergestellt, nach Umsetzung des Dreischichtbetriebs werden 150 hergestellt und nach Einrichtung der neuen Hallen die genannten Kapazitäten bis 800 Megawatt.

Der Börsengang brachte das notwendige Eigenkapital, um nun auch weiteres Fremdkapital aufnehmen und flexibel finanzieren zu können. Die Entwicklung des Cashflows ist von der Anlage kn Wertpapiere gekennzeichnet, um Negativzinsen zu vermeiden. Der Mitarbeiterstamm wird zügig ausgebaut. Im April 2019 zählt die Firma mehr als 200 Mitarbeiter.

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Systemausfall

Von Dr. Oliver Everling | 15.April 2019

„Was macht eigentlich Bernd Lucke?“ Das fragt vielleicht mancher, der sich an den Gründer der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) erinnert. Lucke, der sein Baby „AfD“ verließ, verdankt der Partei immer noch sein Mandat im Eropaparlament und hat ein Buch mit dem Titel „Systemausfall“ geschrieben. Lucke ist heute Bundesvorsitzen­der einer Kleinpartei namens Liberal­-Konservative Reformer (LKR).

„Mit ‚Systemausfall‘ im modernen Sinne bezeichne ich den Aus­fall eines staatlichen Sicherungssystems“, schreibt Lucke, nachdem er den Leser den Untergang Trojas vor Augen geführt hat. „Ich will mich zunächst auf die beiden prominentesten System­ausfälle der letzten zehn Jahre konzentrieren: die Eurokrise und die Flüchtlingskrise.“

Lucke steigt in sein Buch also mit seinen Lieblingsthemen ein. „Griechenland verbarg durch einen glatten Betrug, dass es im offenen Vertragsbruch lebte. Seine Aufnahme in den Euro war ungefähr so, als würde die katholische Kirche einen eingefleisch­ten Ehebrecher zum Priester weihen.“

„In den Folgejahren ging die Schuldenmacherei Griechenlands mun­ter weiter. Die jährliche Neuverschuldung lag Jahr für Jahr zwischen 6 Prozent und 9 Prozent statt der maximal zulässigen 3 Prozent“, knüpft Lucke an den Stabilitätspakt an. „2008 stieg die Neuverschuldung auf 10 Prozent und 2009 sogar auf 15 Pro­ zent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU sah untätig zu. Es wurden kei­nerlei Sanktionen verhängt, obwohl der Rat dies hätte tun können.“

Die Vertragsbrüche waren nur allzu offensichtlich, so dass Lucke folgert: „Deshalb verteidigte die Geschäftsführende Direktorin des IWF, Christine Lagarde, die Eurorettung ja auch mit den Worten: ‚Wir mussten die Verträge brechen, um den Euro zu retten!‘ Aber das war falsch. Man musste keineswegs aus Zeitnot Vertragsbruch begehen.“

Lucke weist der Eurozone einen großen strategischen Fehler nach: Die Eurozone „hatte sich in die Karten gucken lassen, und Griechenland wusste, dass die Eurozone nur bluffte.“ Die Politik der kondi­tionierten Kreditvergabe ist nach Lucke eine ungeeignete Politik, weil sie zwangs­läufig dazu führt, dass der Gegenspieler weiß, wie gut die Karten des anderen sind: nämlich zwangsläufig im Laufe der Zeit immer schlech­ter. „Der Helfende begibt sich mit jeder Hilfsleistung tiefer in eine Ab­hängigkeit vom Hilfeempfänger, und am Ende hat der Hilfeempfänger alle Trümpfe in der Hand.“

Lucke sieht in Griechenland auch den Keim der Flüchtlingskrise: Der Europäische Gerichtshof für Men­schenrechte (EGMR) kam zu dem Ergebnis, dass Griechenlands Asylsystem und seine Behandlung von Asylbewerbern einen Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention darstellten. „Seit dem Urteil des EGMR im Januar 2011 durfte kein EU­-Mitgliedsstaat mehr die Regeln der Dublin­-Verordnung auf Griechenland anwen­den und dort registrierte Flüchtlinge zuständigkeitshalber dorthin zurücksenden.“

Es habe danach gar keinen Grund mehr gegeben, weshalb Griechen­land eingereiste Flüchtlinge noch registrieren sollte. „Vielmehr konnte Griechenland seine Aufmerksamkeit darauf konzentrieren,“ schreibt Lucke, „allen unwillkommenen Asylbewerbern möglichst schnell die Weiterreise in ein anderes EU­-Land zu ermöglichen.“

Weder das Grundgesetz noch die Genfer Flüchtlingskonvention schützen die Opfer von Kriegen oder Bürgerkriegen. Aber die EU­-Gesetzgebung tut dies, in­ dem sie die neue Kategorie des „subsidiär Schutzberechtigten“ schuf, kritisiert Lucke: „Kriegshandlungen sind keine individuelle Verfolgung. Man wird Op­fer eines Krieges unabhängig von seiner Hautfarbe, seiner sexuellen Ori­entierung, seiner religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit. Kriege oder Bürgerkriege sind schreckliche Schicksalsschläge für alle Bürger eines Staates, aber sie haben nichts mit individueller Verfolgung zu tun.“

Der beurlaubte Professor der Volkswirtschaftslehre Lucke erhellt mit seinen Darstellungen auch die aktuelle Komplexität der Austrittsverhandlungen bzw. der Bemühungen zur Abwendung des Brexits: „Obwohl Großbritannien dem Euro gar nicht ange­hörte, wäre sein vitalster Wirtschaftszweig von den Reparaturarbeiten der Eurozone unmittelbar betroffen. Aus britischer Sicht war es ein Schreckgespenst, dass die EU den britischen Finanzsektor regulieren würde, um eine nicht­britische Währung zu retten.“

Die Probleme in England gründen nach Lucke nicht nur in der EU: „Die Ver­stopfungseffekte in der sozialen Infrastruktur Englands sind keines­wegs nur auf die voreilig in Kraft gesetzte Personenfreizügigkeit für die Bürger der osteuropäischen EU­-Neumitglieder zurückzuführen, sondern sind gleichrangig auch ein Erbe des britischen Kolonialreichs.“

Während sich die ersten beiden Kapitel „Systemausfälle und Kontrollverluste“ sowie „Von der Einstimmigkeit zur Mehrzüngigkeit“ eher auf den Humus beziehen, auf dem die AfD wachsen konnte, setzt sich Lucke im Kapitel „Rechtsstaatlichkeit, Rechtschaffenheit und Rechtsextreme“ mit seinen ehemaligen Parteifreunden auseinander. Hier liefert der ehemaligen AfD-Vorsitzende wichtige Angaben zum „Gen-Code“ dieser heute erst sechsjährigen Partei, der drei Strömungen in der AfD anschwellen ließ. „Wenn ich heute auf die AfD schaue,“ bekennt Lucke, „fühle ich mich wie ein Vater, dem das Kind genommen wurde, um es unter Räubern großzuziehen.“

„Die erste Strömung war im Wesentlichen eine Kritik am Euro, die zweite eine Kritik an der EU. Das schloss sich nicht aus und demzufolge waren viele AfD­-Mitglieder (auch ich selbst) mit unterschiedlichen Ak­zentsetzungen beiden Strömungen zuzuordnen. Das gemeinsame Be­streben war es, die Fehlentwicklungen zu korrigieren und Europa zu verbessern. Ich nenne diese Gruppe deshalb die ‚Verbesserer‘.“

Aus der von ihm gegründeten AfD trieb ihn nach eigener Darstellung eine dritte Strömung, die Strömung der „Verbitterten“: „Ihre ge­samte Grundhaltung dem Staat und den Politikern gegenüber war skeptisch, pessimistisch und eben verbittert.“

Verbitterung sei die Voraussetzung für die Radikalisierung einer Partei. In der Flüchtlingskrise seien selbst äußerst abstruse Vorwürfe wie „Merkel will Deutschland abschaffen“ oder „Brüssel plant eine Umvolkung“ bei den Verbitterten auf fruchtbaren Boden gefallen, „weil diese Parolen deren genereller Grundeinstellung, schlecht vom Staat und sei­nen führenden Repräsentanten zu denken, entsprachen.“

Die Medien spielten bei dieser Entwicklung naturgemäß eine große Rolle: „Erst jetzt war die Partei das, was viele Journalisten so lange fälsch­lich behauptet hatten. Die Berichterstattung war zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden, weil die moderaten Mitglieder die perma­nente Rufschädigung nicht ertragen wollten – und weil der schlechte Ruf die falschen Mitglieder anzog. Heute geht dies so weit, dass ein beträchtlicher Teil der Partei unter dem Einfluss rechtsextremen Ge­dankenguts steht.“

Die Vorstellung einer „Umvolkung“ sei ja eine origi­när völkische. Die Verbitterten in der AfD waren ein idealer Nährbo­den für die, so Lucke, die das Saatgut völkischer Ideen ausstreuen wollten. Die Partei bot ihnen eine große Zuhörerschaft von Verbitterten als dankbaren Resonanzboden, der für pseudo­intellektuelle Theo­rie völkischer Politik empfänglich sei. So diagnostiziert der Professor die Krankheit der AfD: „Diesem Milieu tritt niemand in der AfD entgegen. Deshalb kann es wie ein Krebsgeschwür wuchern.“ Luckes Medikament: „Gegen Rechtsextreme helfen nur Recht­schaffenheit und Rechtsstaatlichkeit.“

Nachdem in seinem dritten Kapitel die AfD entlarvt wurde, widmet sich Lucke in den restlichen drei Kapiteln den „Systemausfällen“, der Spaltung Europas und der Zukunft der EU. Lucke hilft dem Leser u.a. die komplexe Problematik des Brexits zu verstehen. „Wenn Großbritannien trotz EU­-Austritts im Binnenmarkt verbliebe – also sich zum Beispiel am Status von Norwegen orientieren würde –, dann wäre Großbritannien immer noch dem Europäischen Gerichtshof und rund 80 Prozent aller EU­-Gesetze unterworfen. Aber anders als heute hätten die Briten kei­nerlei Möglichkeit mehr, bei der Gesetzgebung mitzubestimmen und ihre eigenen Interessen einfließen zu lassen. Wäre dies nicht eine klare Verschlechterung gegenüber der Vollmitgliedschaft in der EU? Wird diese Verschlechterung wirklich aufgewogen dadurch, dass man rund 20 Prozent an eher weniger bedeutenden Gesetzen nun nicht mehr umsetzen muss?“

Der Europaparlamentarier Lucke spricht sich dafür aus, „aus dem Europaparlament ein Parlament für den Binnenmarkt machen. In diesem Binnenmarktparlament sollen alle Teilnehmerstaaten des Europäischen Binnenmarkts gleichberech­tigt mitwirken können. Die Apartheid hätte ein Ende.“

Der Leser wird durch die Bilanz ernüchtert, die Lucke über seine Arbeit als Europaabgeordneter zieht: „Kein Abgeordneter liest auch nur ein Zehntel dessen, was er abzustimmen hat. Er folgt vielmehr in den meisten Fällen blind den Empfehlungen eines Fraktionskollegen, der aber selbst nicht alles le­sen kann, was in seine Zuständigkeit fällt, sondern viele Empfehlungen nur auf der Basis der Empfehlungen seiner Mitarbeiter gibt.“ Lucke gibt zahlreiche Beispiele: „Die DSGVO ist übrigens ein Gesetz mit Binnenmarktrelevanz. Es ist ein Beispiel für ein misslungenes, überregulierendes Gesetz.“

Lucke rät daher eher zur Umkehr, statt allgemein auf noch mehr Zuständigkeiten und Kompetenzen der Institutionen der EU zu setzen: „Um die EU zu entschlacken, sollte künftige Gesetzgebung über­wiegend Ziele und Prinzipien festlegen, die Mittel und Wege aber den Mitgliedsstaaten freistellen.“

Lucke besinnt sich offenbar mit seinem Buch auf seine Wurzeln, seine Arbeit als Professor und Lehrer, der die Welt sachlich beschreibt, erklärt und zu dem einen oder anderen Punkt auch mal eine Prognose wagt und eine Empfehlung gibt. Während der Untertitel seines Buches „Systemausfall“, nämlich „Europa, Deutschland und die AfD: Warum wir von Krise zu Krise taumeln und wie wir den Problemstau lösen“, eine herbe Abrechnung mit politischen Gegnern nicht ausschließen würde, zeigt sich doch, wie Lucke Polemik und Propaganda vermeidet und ein Buch vorlegt, das einerseits seine Sicht historischer Ereignisse dokumentiert und andererseits einen fundierten Diskussionsbeitrag zu aktuellen Problemen der EU liefert.

Die CDU erregt Luckes Mitleid: „die CDU dauert mich“. Mit Blick auf die Europawahl 2019 schreibt Lucke: „Deshalb empfehle ich Ihnen voll Großmut: Wählen Sie CDU! Aber bitte nur, wenn die CDU sich revanchiert und voll Großmut empfiehlt: ‚Wählen Sie Lucke!'“

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Unternehmensanalysen

Von Dr. Oliver Everling | 4.April 2019

„Wie man die Zukunft eines Unternehmens prognostiziert“ – so lautet im Schäffer Poeschel Verlag der Untertitel des neuen Buches „Unternehmensanalysen“ von Prof. Dr. Peter Seppelfricke. Er lehrt in der Hochschule Osnabrück an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften auf einem Lehrstuhl für Finanzwirtschaft.

Das Buch gliedert sich nach einer Einleitung in drei Hauptkapitel: Finanzanalysen, strategische Unternehmensanalysen und Anfertigung von Prognoserechnungen. Im Kapitel „Finanzanalysen“ geht es explizit um Vergangenheitsanalysen, während bei strategischen Unternehmensanalysen die Analyse von Erfolgspotenzialen im Vordergrund steht. Seppelfricke nimmt den Konzernabschluss zum Ausgangspunkt seiner Darstellung, so dass er folgerichtig auf die Unterschiede von HGB, IFRS und US-GAAP zu sprechen kommt, Bereinigungen von Erfolgs- und Bilanzgrößen erläutert und so die Analyse des Erfolgs herleitet.

Zur strategischen Unternehmensanalyse lässt sich Seppelfricke von Michael Porters legendären „Five Forces“ inspirieren, die er zum Kern seiner Analyse der „Mikroumwelt“ macht, während zur Analyse der „Makroumwelt“ insbesondere STEP-Analyse und Stakeholder-Ansatz herangezogen werden.

Das Buch von Seppelfricke ist durchweg praxisorientiert. Es hält sich aufgrund der klaren Fokussierung der Erfolgsprognose nicht etwa mit der kapitalmarkttheoretischen Herleitung von Beta-Faktoren, mit Fragen nach der Informationseffizienz und der Arbitragefreiheit der Finanzmärkte oder mit optionspreistheoretischen Modellierungen auf. Die Särken des Buches liegen in seiner Eignung als Lernbuch sowohl für Studenten, als auch für Praktiker, denn der Lehrstoff wird gut strukturiert, übersichtlich und kompakt mit wenig Formeln, aber vielen Tabellen, Listen und Grafiken auf 275 Seiten präsentiert.

Im Unterschied zu angelsächsischen Publikationen greift Seppelfricke Beispiele von Unternehmen auf, die Lesern im deutschsprachigen Raum eher geläufig sein sollten. Indem Seppelfricke bekannte Unternehmen wie Kirch Media, Lufthansa oder Nestlé bespricht, erleichtert er dem Leser das Verständnis der präsentierten Methoden, Kennzahlen usw.

Das Buch kann allen einen Einstieg in das anspruchsvolle Spezialgebiet der Unternehmensanalyse bieten, die beispielsweise in Konzernen in die Verantwortung für strategische, für die Bewertung von Unternehmen relevante Entscheidungen hineinwachsen, oder die für Finanzdienstleister im Buy-Side- oder Sell-Side-Research tätig sind.

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Fondsqualität bei fondsgebundenen Rentenversicherungen im Rating

Von Dr. Oliver Everling | 28.März 2019

Immer noch wird bei der fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherung viel Potenzial verschenkt. Die jüngste Studie Frankfurter Fondsexperten zeigt deutlich, dass die Fondsanlage bei vielen Versicherern und Beratern zu wenig Beachtung findet. Im schwierigen Börsenjahr 2018 haben sich Rating und Performance für den gesamten Anlagestock der deutschen Versicherer weiter verschlechtert. Diese Entwicklung kommt nicht unerwartet: Gerade in schwierigen Marktphasen gewinnt die richtige Fondsauswahl noch mehr an Bedeutung. f-fex hat für eine Studie die Geschäftsberichte von 77 Lebensversicherern (63 Konzerngesellschaften) des Jahres 2017 ausgewertet. Die Studie deckt damit rund 110 Mrd. Euro des knapp über 111 Mrd. Euro schweren Anlagestocks aller fondsgebundenen Kapitallebens- und Rentenversicherungen ab.

„Das Angebot der deutschen Versicherer bei fondsgebundenen Rentenversicherungen bleibt deutlich hinter seinen Möglichkeiten“, erklärt Dr. Tobias Schmidt, CEO der f-fex AG. Um das Renditepotenzial wirklich ausschöpfen zu können, bedürfe es eines deutlich besseren Fondsangebots und einer regelmäßigen, kompetenten Betreuung der Policen-Portfolios. „Auch wenn es vermehrt Bemühungen gibt, diesen Zustand zu ändern, sind viele Versicherer und die von ihnen mandatierten Vertriebsgesellschaften davon noch weit entfernt“, so Schmidt. Nur etwa ein Drittel des Anlagestocks der deutschen Versicherer ist in gut bis sehr gut geratete Fonds investiert. Der Rest verteilt sich auf durchschnittliche bis schwache Ratings.

„Versicherer könnten mehr tun“, so das Fazit von Schmidt. „Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld sind fondsgebundene Lebensversicherungen weiterhin ein zentraler und sinnvoller Baustein in der privaten Altersvorsorge.“ Wie die Studie zeigt, ist das Renditepotential des Anlagestocks fondsgebundener Lebensversicherungen bei weitem nicht ausgeschöpft. Versicherer könnten hier deutlich mehr tun, auch wenn die Entscheidung über die Portfoliozusammensetzung und deren Veränderung während der Vertragslaufzeit letztlich Sache des Policeninhabers ist. „Ohne qualitativ bessere Fonds, aussagefähigeres Berichtswesen und kompetente, laufende Beratung wird sich an der gegenwärtigen Situation wenig ändern“, so Schmidt. „Der Kunde braucht hier mehr Unterstützung durch den Versicherer.“

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11. Expertenforum „Risikoprofiling mit Anlegern“

Von Dr. Oliver Everling | 27.März 2019

Warum erreicht traditionelle Anlageberatung nur so wenige Menschen? Nur MiFID alleine die Schuld zu geben ist zu kurz gegriffen. Innovative Finanzberater sind auf der Suche nach einem neuen Weg. Ein Ansatz ist Finanzberatung, die Menschen vermittelt: „Du wirst die Kontrolle in der Hand behalten“

„Wir brauchen ein Beratungsangebot, das den Kunden als Finanzentscheider von Anfang an aktiv einbezieht. Wir brauchen Beratung,“ sagt Monika Müller von FCM Finanzcoaching, „die das Selbstvertrauen von Kunden stärkt und Selbstüberschätzung zum Wohle des Kunden und im Sinne einer bewusst guten Finanzentscheidung abbaut. Wir brauchen Berater, die für den Umgang mit verschiedenen Persönlichkeiten gerüstet sind. Das 11. Expertenforum hält für alle Berater, die ihren Kunden eine eigene Meinung zutrauen, Lösungen bereit.“

Schwerpunkt: Die Wirkung von (Selbst)Vertrauen und Zuversicht in der Finanzberatung

Datum: Donnerstag, der 23. Mai 2019
Uhrzeit: 09.15 bis 17.30 Uhr
Ort: IHK Wiesbaden

Zielgruppe: Finanzplaner, Finanzberater, Finanzcoaches, Vermögensverwalter, Family Office, Steuerberater und Privatkunden
Themen:

Eingebettet in das Programm sind verschiedene Diskussionsgruppen sowie Gruppenarbeit mit den Referenten.

Hier mehr zum Programm.

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Zahlungsverzögerungen werden immer länger

Von Dr. Oliver Everling | 25.März 2019

Der Kreditversicherer Coface veröffentlicht seine Umfrage: 59 Prozent der 1500 chinesischen Unternehmen, die an der jährlichen Umfrage zum Zahlungsverhalten teilgenommen haben, glauben, dass sich die Wirtschaft 2019 nicht verbessern wird. Das ist der höchste Skepsiswert seit 2003. Auch die Situation im Zusammenhang mit Zahlungsverzögerungen hat sich verschlechtert: 62 Prozent der Unternehmen in China erlebten 2018 Zahlungsverzögerungen. 40 Prozent der Befragten meldeten einen Anstieg der Verspätungen.

Der Betrag von ausgefallenen Unternehmensanleihen vervierfachte sich auf 16 Mrd. USD, während die Zahl der Konkursverfahren, die durch den Obersten Gerichtshof abgeschlossen wurden, auf 6646 anstieg. Dieser Druck muss im Zusammenhang mit dem Abbau der Verschuldung in der ersten Jahreshälfte 2018 gesehen werden, was zu einer Verschärfung der Liquiditätsbedingungen führte. Angesichts widriger Umstände ist mit 59 Prozent eine Mehrheit der Befragten eher pessimistisch hinsichtlich der kurzfristigen wirtschaftlichen Entwicklung. Im Vorjahr waren es nur 33 Prozent. Es ist das erste Mal, seit Coface 2003 mit Zahlungsumfragen in China begonnen hat, dass die Skepsis überwiegt.

62 Prozent der Unternehmen haben 2018 Zahlungsverzögerungen erlebt. 40 Prozent gaben an, dass sie einen Anstieg verzeichneten, gegenüber 29 Prozent im Jahr 2017. Noch beunruhigender ist, dass der Anteil mit extrem langen Zahlungsverzögerungen um mehr als 180 Tage, die 2 Prozent des Jahresumsatzes überschreiten, von 47 Prozent im Jahr 2017 auf jetzt 55 Prozent gestiegen ist. Denn nach den Erfahrungen von Coface werden 80 Prozent der extrem lange überzogenen Rechnungen nicht mehr bezahlt. Wenn die Beträge mehr als 2 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, kann zudem der Cashflow eines Unternehmens gefährdet sein. Der größte Anteil mit extrem langen Zahlungsverzögerungen und sogar mehr als 10 Prozent ihres Jahresumsatzes entfiel auf den Bausektor (28%), gefolgt von der Automobilindustrie (27%) und den Informations- und Kommunikationstechnologien (25%). Der Pharmasektor verzeichnete den niedrigsten Anteil (7%) vor dem Agrar- und Ernährungssektor (12%).

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Comgest sammelt gute Ratings

Von Dr. Oliver Everling | 14.März 2019

Die Erfolgsserie der internationalen Fondsgesellschaft Comgest im Jahr 2019 setzt sich fort: Nach mehreren Preisen im Rahmen der €uro-Fundawards und der Auszeichnung als bester Fondsspezialist beim Capital Fonds Kompass kann sich die Fondsboutique nun auch bei den diesjährigen Thomson Reuters Lipper Fund Awards über Erfolge freuen. Die internationale Ratingagentur Lipper hat Comgest mit gleich neun Auszeichnungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedacht.

Nachdem die unabhängige Fondsboutique Comgest bereits in den letzten Jahren regelmäßig bei den Lipper Fund Awards zahlreiche Auszeichnungen erhielt, wurde sie auch 2019 mit insgesamt neun Preisen für die DACH-Region geehrt. Die Thomson Reuters Lipper Fund Awards zählen seit mehr als drei Jahrzehnten und in über 20 Ländern zu den wichtigsten Preisverleihungen in der Fondsbranche. Sie zeichnen weltweit die besten Fonds im Hinblick auf eine konstant starke Performance und sehr gutes Risikomanagement aus.

Bei den diesjährigen Awards konnte Comgest in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit seinen Asien- und Europa-Strategien über drei, fünf und zehn Jahre hinweg überzeugen: Der Comgest Growth Asia sowie der Comgest Growth Europe Opportunities gewannen je drei Auszeichnungen, der Comgest Growth Japan wurde zwei Mal prämiert und der Comgest Growth Europe Smaller Companies einmal. Alle Fonds wiesen eine starke Performance auf und ließen sowohl die Vergleichsindizes als auch die jeweiligen Mitbewerber hinter sich. Das Risiko der Fonds lag dabei entsprechend der Qualitätswachstumsstrategie von Comgest unterhalb des Marktdurchschnitts.

„Die jüngsten Auszeichnungen durch Lipper sind eine Bestätigung unserer Qualitätswachstumsstrategie. Wir suchen die optimale Mischung aus dynamischem Gewinnwachstum, guter Vorhersehbarkeit sowie attraktiver Bewertung. Wir lassen uns von Störgeräuschen wie dem Brexit oder dem Handelskrieg zwischen den USA und China nicht beirren. Die langfristige Outperformance ist Ergebnis unseres konzentrierten und langfristigen Anlagestils, der von unserem 45-köpfigen Investmentteam rund um die Welt diszipliniert umgesetzt wird“, bekräftigte Comgest-CEO Arnaud Cosserat.

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Innovatives Fondsrating von f-fex

Von Dr. Oliver Everling | 14.März 2019

Die Frankfurter Fonds Experten der f-fex AG bringen ein neues Fondsrating auf den Markt, das mit modernen Kennzahlen und innovativen Berechnungsverfahren die Bewertung und Auswahl von Fonds signifikant verbessert und erleichtert. Das intelligente quantitative Verfahren nutzt neben der Historie klassischer Performance- und Risikokennzahlen verschiedene zukunftsorientierte Szenariotechniken, die das Ratingsystem in Abhängigkeit der Marktlage und der Besonderheiten einzelner Anlageklassen laufend in Bezug auf seine Prognosegüte optimieren.

„Die Motivation für die Entwicklung unseres Ratings war die Notwendigkeit, ein aussagefähiges und nachhaltig performancegenerierendes Fondsselektionsverfahren für unsere Robo- und Portfolio-Advisory Tools zu finden“ sagt Dr. Tobias Schmidt, Vorstand und CEO der f-fex AG. „Allerdings hat uns keines der derzeit am Markt verfügbaren Ratings überzeugt, weshalb wir uns entschieden haben, ein eigenes, intelligentes Ratingsystem zu entwickeln. Die damit erzeugten Ratingergebnisse stellen wir nun anderen Investoren und Beratern über finanzen.net und f-fex.de kostenfrei zur Verfügung“, so Schmidt.

Mehr dazu in der Pressemitteilung der f-fex.

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Globaler Grundtrend ist schwach

Von Dr. Oliver Everling | 12.März 2019

“Das Jahr 2018 war relativ genau nach Drehbuch”, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer der FERI AG, mit einer Portion Selbstbewusstsein bei der FERI Jahrespressekonferenz in Frankfurt am Main. “Letztlich war es genauso, wie wir es vermutet hatten”, zeigt Rapp anhand der Angaben, die er dazu vor einem Jahr zu Beginn 2018 machte.

Die Rezessionsrisiken und die US-Politikprobleme wurden abrupt “eingepreist”, sagt Rapp. Die Zykluswende sei immer noch voll aktiviert. Anfang des Jahres gab es Rückenwind, aber es gebe immer noch ein gefährdendes Bild. Die US-Rezessionen kündigten sich praktisch immer 6 bis 12 Monaten vorher an. Rapp schließt daher nicht aus, dass es 2019 noch weitere Signale geben könnte.

Die jährliche Veränderungsrate der Geldmenge M1 stelle die Frage nach einer US-Rezession. In den nächsten zwölf Monaten würde die aktuelle Entwicklung “Plausibilität verleihen”, wie Rapp formuliert. Die EZB habe sich von der Idee verabschiedet, die Zinsen in 2019 noch zu erhöhen. Draghi werde als Notenbankchef daher wohl ohne eine Wende in der Politik verabschiedet.

“Wir sind mittendrin zwischen Baum und Borke”, macht Rapp klar. Das Szenario zeige signifikante Risiken und deutlich erhöhte Komplexität. Rapp fragt sich, ob das weltweit labile Konjunkturbild in eine Rezession kippt, ob die USA ihren Handelskrieg von China auf Europa erweitern, welches BREXIT-Szenario nun Realität wird und insbesondere, ob die Kapitalmärkte das veränderte Szenario bereits voll eingepreist haben. Je nach Stellung im globalen Finanzmarktzyklus drohe erneut ein schlechtes Jahr an den Aktienmärkten.

Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe, sieht keine echte Rezessionsgefahr in den USA, da die Geldpolitik vorerst als Rezessionstreiber ausfalle. Die Stundenlöhne steigen, die Lohnstückkosten bleiben weitgehend konstant, die Inflation im Rahmen und der reale Notenbankleitzins niedrig, so Angermann. Insofern gebe es keine aktuellen Gefahren.

Angermann lässt aber keinen Zweifel an der drohenden Gewinnrezession in den USA und weist einen deutlichen Dynamikverlust bei der Unternehmensgewinnen bis 2020 nach. Die gewollte Liquiditätsverknappung in China sehe man deutlich in den einzelnen Indikatoren. Sorgen beschwören für die deutsche Wirtschaft die PKW-Verkäufe in China herauf, denn erstmals sei die Zahl der Verkäufe in China gesunken. “Eine deutliche Abschächung, die mit einer Abwertung einhergeht”, sagt Angermann.

Erhöhung des Steuerfreibetrags für die Einkommensteuer, Subventionen für PKW-Käufe, Senkung der Unternehmenssteuern, frühheitigere Kreditvergabe durch lokale Einheiten, geldpolitische Stimulierung und punktuell zusätzliche Infrastrukturinvestionen sind Reaktionen der chinesischen Führung, berichtet Angermann und warnt vor der Wirkungsverzögerung und den überwiegend indirekten Wirkungen, die von diesem Konjunkturprogramm mit relativ geringem Volumen ausgehen. Mit 2009/2010 seien die aktuellen Maßnahmen nicht zu vergleichen.

Angermann sieht Deutschland mit einer ungewöhnlichen Schwäche. Die hohe Abhängigkeit von China und dem Welthandel werde zusätzlich durch die Krise der Autoindustrie belastet. Der Strukturwandel hin zur Elektromobilität führe zu erheblichen Unsicherheiten.

“Was uns Sorgen bereitet ist der Umstand, dass wir zwar eine florierende Bauwirtschaft wegen niedrigen Zinsen usw. haben, so dass die Abschwächung in der Industrie nicht durchschlagen müsste, aber es dennoch rückläufige Erwartungskomponenten gibt”, sagt Angermann. Die schlechte Entwicklung in der Industrie könnte sich auf die anderen Bereiche schließlich auswirken. Die BIP-Prognose ist schon heute rückläufig für die Zuwachsrate. “Wir haben unsere Prognose deutlich heruntergenommen.”

Im Euroraum insgesamt würden ähnliche Faktoren wie in Deutschland wirken. Unter den verschlechterten Aussichten leiden auch andere Länder. Einer der Faktoren sei dabei der BREXIT, denn die Exporte nach Großbritannien fast aller Länder sei rückläufig und dieser Trend werde sich auch nicht ändern, wenn der BREXIT verschoben werde. Die Unsicherheit werde dadurch nur verlängert. Angermann wirbt um Verständnis, dass es vor diesem Hintergrund fast unmöglich sei, eine verlässliche Prognose abzugeben.

Italien bleibe der entscheidende Schwachpunkt im Euroraum. Die Arbeitsproduktivität liege heute um 4 % unter der vor zwanzig Jahren. Das sei ein “erschütternder Befund”, so Angermann wörtlich. Kaum zu fassen daher die aktuelle Politik der italienischen Regierung. Allein wegen der Wachstumsschwäche werde das Defizit der Italiener weiter steigen und daher der Konflikt mit dder EU vorprogrammiert.

Angermann sieht das FERI-Scoring aus dem Band des aktuellen Rating der Ratingagentur S&P herauslaufen. Hier ticke eine Zeitbombe. Eine Rezession 2019/2020 sei zwar nicht zwangsläufig, habe aber signifikante Wahrscheinlichkeit. In China sei konsequenteres Gegensteuern erforderlich, um Stabilisierung zu erreichen. Schwachpunkte im Euroraum seien die außenwirtschaftliche Belastung, die Exportländer wie Deutschland treffe, die strukturelle und konjunkturelle Krise der Autoindustrie, die Schwäche Italiens, die andauernde innereuropäiische Spannungen sichtbar mache, und das aktuell andauernde Risiko eines No-Deal-Brexit mit (moderat) negativen Folgen auch für Kontinentaleuropa.

Rapp konzedierrt, dass zwei Notenbank bereits “umgekippt” seien, die FED wie auch die EZB. Die weltweite Liquidität nehme deutlich ab. die dlobalen Notenbanken seien nur noch moderat expansiv. Das moneträre Umfeld sei eingetrübt. Rapp sieht auch die globalen Institutionen fragil, die die populistische Politik schädige den Welthandel. Die Europawahl, sagt Rapp auf Nachfrage, werde die populistischen Plattformen stärken. Rapp will nicht von EU-Gegnern im EU-Parlament sprechen, aber doch von mehr EU-kritischen Stimmen.

Einen negativen Vorboten für die EWU-Industrie macht Rapp in Schweden aus, wo der Sweden Manufacturing PMI, Ne Orders-Investories bereits deutlich nach unten gegangen sei – koinzident zur nächsten Rezession. In den USA sei die Arbeitslosigkeit auf niedrigstem Niveau, ein Zeichen für einen sehr späten Zyklus. Außerdem sei die Unternehmensverschuldung in Relation zum BIP in den USA bereits ausgereizt.

Weltwirtschaftliche Frühindikatoren senden weiter negative Signale für Aktien. Die Frühindikatoren spiegeln sich noch nicht in den Aktienkursen. Globale Renten- und Rohstoffmärkte signalisieren nach Ansicht von Rapp ebenfalls ein eher eingetrübtes Konjunkturszenario. “Die Zinsen bleiben tief, nur in wenigen Ländern können sie noch tiefer gehen”, sagt Rapp. Der US-Dollar bleibe vorerst fest, auch wenn ein Szenario für eine spätere Abschwächung erkennbar sei. Für Investoren, fasst Rapp zusammen, werde das Jahr 2019 erneut herausfordernd, denn durch diverse “Querströmungen” werde ein komplexes und wechselhaftes Gesamtbild erzeugt.

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