S&P sieht mehr EM Schwäche voraus

Von Dr. Oliver Everling | 27.September 2016

Für Emerging Markets (EM) sieht die Ratingagentur Standard & Poor (S&P) insgesamt mehr Schwäche voraus. Moritz Kraemer, Managing Director and Sovereign Global, Chief Rating Officer, Sovereign Ratings, stellt sich in Frankfurt am Main den Fragen nach der Zukunft von Ländern wie Argentinien, Brasilien, China bis Thailand, Türkei und Venezuela. Unter diesen Ländern schneidet China mit dem Rating AA- am besten ab, das kritischste Rating wurde für Venezuela mit CCC erteilt.

Kraemer zeigt, welche Rally Staatsanleihen zu verzeichnen hatten. Außerdem fließt weiterhin Kapital in die EM. S&P beurteile die Qualität vn Forderungen gegen diese Länder jedoch immer vorsichtiger. Der Rückgang der Ratings ist unübersehbar. Gleich, auf welche Kriterien man schaue – institutionelle, ökonomische, externe, fiskalische oder mentäre – überwiegen die negativen Veränderungen. Herabstufungen würden auch das Jahr 2017 dominieren, deutete Kraemer an.

In immer mehr Ländern würden nationale Interessen nach vorne geschoben, nicht nur im Wahlkampf um die Präsidentschaft in den USA. „Die Philippinen sind das jüngste Beispiel“, sagt Kraemer. Die Governance sei in vielen Ländern geschwächt. Das Risiko, dass externe Liquiditätsquellen versiegen, ist gestiegen. Das Weltwirtschafswachstum sei schwach und es bestsehe ein Risiko, dass es zu einer dauerhaften Stagnation komme. Der Welthandel schwäche sich ab und die Terms of Trade haben sich verschlechter. Die politischen Versuche, das Wachstum anzuregen, könnten zu Kreditblasen und Kreditkrisen führen, warnt Kraemer.

Besonders gefährdet sei die Türkei, wenn externe Finanzierungsquellen versiegen sollten. Dies zeigt sich deutlich an den Sovereign Risk Indicators. Die Staatsverschuldung wachse seit 2013 mit 21 % in EM. Zu beachten sei auch die wachsende Verschuldung bei Staatsbetrieben und staatsnahen Unternehmen. Die Relation von Unternehmensschulden zum Bruttozsozialprodukt habe sich deutlich verschlechtert.

Sowohl Wachstum, als auch Handel haben an Dynamik verloren. Die rückläufigen Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts gehen mit rückläufigem Wachstum des Handels einher. Kraemer weist darauf hin, dass sich erstmals auch in China die Verhältnisse beim Import und Export drehen. Kraemer kommt auf das Duell der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten zu sprechen. Beide Kandidaten spielen die protektonistische Karte.

Kraemer widmet sich ausführlich einem Szenario, welche Auswirkungen „Stress“ in China auf andere Länder haben würde. Konsequenzen sind nicht nur in Asien, sondern auch für Russland und Südamerika vorauszusehen. Herabstufungen würden für die Länderratings Russlands, Australiens, Brasiliens, Chiles, Chinas, Malaysias, Südafrikas, der Niederlande und Italien wie auch für weitere Staaten wahrscheinlich sein.

Kraemer weist darauf hin, dass mit den genannten Faktoren noch nicht über die unterschiedlichen Konsequenzen des Klimawandels, der alternden Bevölkerungen usw. gesprochen sei. Für S&P sind im Rating sämtliche Faktoren von Bedeutung, die die Zahlungsfähigkeit von Ländern beeinflussen.

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Niedrigzinsen verändern Geld und Finanzwelt

Von Dr. Oliver Everling | 26.September 2016

Zeitungen und Zeitschriften erfinden sich neu. So versuchen sich beispielsweise die WirtschaftsWoche oder DIE ZEIT verstärkt auch als Veranstaltungsplattformen zu positionieren, auf denen die drängendsten Themen der Zeit diskutiert werden. So auch beim dem ZEIT Gespräch „Geld & Wirtschaft“ zum Thema „Wie die Niedrigzinsen die Geld- und Finanzwelt verändern.“

Dazu diskutieren Andrew Bosomworth, Mitglied der Geschäftsführung, PIMCO Deutschland GmbH, Theophil Graband, Vorsitzender des Vorstands, VR-LEASING AG, Carola Gräfin von Schmettow, Sprecherin des Vorstands, HSBC Deutschland, sowie Dr. Theodor Weimer, Sprecher des Vorstands, HypoVereinsbank, und Mitglied des Executive Management Committees, UniCredit, unter der Moderation von Arne Storn, Redakteur Wirtschaft und Finanzmärkte, DIE ZEIT.

Bosomworth vermutet, dass die Europäische Zentralbank ihre Niedrigzinspolitik weiter fortführen will. Gräfin von Schmettow weist darauf hin, dass es auch historische Beispiele für Niedrigzinsphasen gebe, so dass man nicht ein „Schreckgespenst an die Wand malen“ müsse. Es komme jetzt darauf an, dass die Zentralbanken das Vertrauen der Marktteilnehmer bewahre.

Weimer sieht die EZB bei ihrem Kurs alleingelassen, denn es gebe in Europa keine mehrheitliche Meinungsbildung mehr. „Die Politiker lassen die EZB mit ihren Entscheidungen alleine“, sagt Weimer. Wenn die Zinsen ansteigen würden, würde die Staatenunion erhebliche Probleme haben. Man sehe keine europäischen Lösungen für ein europäisches Problem.

Storn fragt nach den Konsequenzen einer Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. „Nach reiner Lehre müsste die Notenbank von der Politik unabhängig sein“, antwortet Graband und will darüber spekulieren, ob vor oder nach der Wahl eine Reaktion der EZB zu erwarten wäre.

Weimer sieht bei europäischen Banken einen viel höheren Zinsüberschuss als bei amerikanischen Banken, da der Mittelstand bankenfinanziert sei. Hier „fresse“ sich nun der Niedrigzins durch. In diesem Jahr hätten praktisch alle Banken Einmalerträge durch Verkäufe gehabt. Die Risikovorsorge sei ganz weit unten – das sieht Weimer mit Sorge, wenn es zu einer Normalisierung komme. „Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben“, sagt Weimer und kommentiert den aus den FinTechs resultierenden Druck. Die Banken würden in den nächsten Monaten mit riesigen Kostensenkungsprogrammen kommen, sieht der Vorstandschef voraus. „Das größte Problem, das wir zurzeit haben, ist der Deutsche Bund. Auf der Liquiditätsseite darf man nicht in eine Situation geraten, in der Zinsänderungen ein richtiges Problem sind. Wenn der Zins steigt, gehen die Bunds in den Keller“, warnt Weimer und skizziert die „extrem schwierige“ Situation im Treasury.

Storn fragt, was passieren würde, wenn die Konjunktur in Deutschland einmal einbrechen würde. Bosomworth spricht die Gefahr an, dass auf der Suche nach Rendite der Blick auf das Risiko verlorengehe. Dies könnte Unternehmen belasten, die den Niedrigzins zur Verschuldung genutzt haben.

„Wir haben das beste Rating europaweit“, sagt Graband bei der Frage nach der Zukunft im Genossenschaftswesen. Fristentransformation usw. sei nicht wirklich vom Kundennutzen her motiviert. Graband will Kundenzentrierung, Geldverdienen durch Kundennutzen. „Wir haben möglicherweise zu wenig vermittelt, welchen Kundennutzen man mit uns haben kann.“

Gräfin von Schmettow sieht bei einer Zinskurve mit 70 Basispunkten „noch nicht das Ende der Welt“. Sie wirft aber ihren Blick auf kostenlose Girokonten und andere Bankdienstleistungen, die quersubventioniert werden. „Banken haben gestiegene Risiken nicht in gleichem Maße an ihre Kunden weitergegeben.“

Weimer lässt durchblicken, dass ihm vor der Finanzkrise der Mut fehlte, Fehlentwicklungen mit aller Deutlichkeit anzusprechen. Anders heute: „Die kriegen Geld dafür, dass sie Kredit nehmen“, bringt Weimer das Problem mit der deutschen Finanzpolitik auf den Punkt. „Das kann nicht gesund sein.“

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Swiss Bond Congress stellt Bankanleihen in Frage

Von Dr. Oliver Everling | 26.September 2016

Eines der grössten Experimente der Finanzgeschichte – die Quantitative Easing-Programme – führt zu anhaltenden aussergewöhnlichen Zeiten. Auch Strafzinsen für Anleger sind ein Novum in der Historie. Der Brexit ist ein weiteres Ereignis, welches für Investoren bedeutsam bleibt. „Die Reihe liesse sich weiter fortsetzen. Es sind zahlreiche Entwicklungen, die es für künftige Anlageentscheidungen zu berücksichtigen gilt. Mit dem Swiss Bond Congress gaben wir den professionellen Anlegern und Risikomanagern Hinweise, um die Herausforderungen im Anleihensegment bestmöglich zu meistern. Dies geschah nicht einseitig durch Experten aus den Häusern Fisch und ICV, sondern auch durch Fachpräsentationen aus anderen Unternehmen, um deren Sichtweisen einfliessen zu lassen. Denn gerade Anleiheninvestoren benötigen Alternativen und Ideen, um im Tiefzinsumfeld erfolgreich Rendite zu erwirtschaften“, so Daniel Pfister, CEO von dem Kreditresearch-Unternehmen Independent Credit View I-CV.

Beim Swiss Bond Congress kamen Vertreter der UBS AG, der Zurich Insurance Group Ltd., der Sulzer AG und der BKW AG zu Wort und erläuterten in den Vorträgen ihre Credit Story und Unternehmensstrategien. Mehr als eine passende Ergänzung dazu waren die Ausführungen von Daniel Stelter, unabhängiger und Ökonom sowie Bestsellerautor aus Deutschland.

Stelter sorgte mit seinen pointierten Aussagen für Unterhaltung und interessante Sichtweisen. Er äusserte sich eindeutig: „Es gibt aktuell keinen Grund, um in Anleihen von Banken zu investieren.“ Zudem prangerte er offen die globale Schuldenproblematik an, deren Auswirkungen noch sehr schmerzhaft werden können. Zehn Jahre Krise oder zehn Jahre vor der Krise Neben der Vortragsreihe fanden erstmals parallel Workshops statt.

Swiss FinTech behandelte das Thema „Anlegen im Geld & Kapitalmarkt 3.0″ und I-CV-Experten widmeten sich thematisch der Erfüllung von Aufsichtsregeln sowie Schweizer Spitälern als Anlagewert und zeigten die Kreditanalyse im Praxistest. „Die Workshops kamen sehr gut an und wurden rege genutzt. Wir freuen uns generell sehr über die grosse Resonanz bei der achten Ausgabe unseres Kongresses seit dem Jahr 2003.“

Mit über 120 Gästen wurde eine Rekordteilnehmerzahl erreicht, so der Bericht aus Zürich. „Es zeigte sich, dass ein enormer Informationsbedarf bei den Bondinvestoren besteht und es klarer Analysen und Empfehlungen von unabhängiger Seite bedarf, um sinnvolle Anlageentscheidungen treffen zu können. Denn trotz aller vorgetragenen Bedenken bezüglich der (geld-)politischen Entwicklungen gibt es auch im momentanen Umfeld Opportunitäten“, so Pfister.

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Anlageberatung im digitalen Zeitalter

Von Dr. Oliver Everling | 26.September 2016

Zum Thema „Die Zukunft der Anlageberatung im digitalen Zeitalter“ moderiert Corinna Wohlfeil, Moderatorin n-tv, auf dem ETF-Forum der Deutschen Börse einen Panel mit Roger Bootz, Head of Public Distribution EMEA, Deutsche Asset Management, Bernd Kalis, Leiter Produktmanagement Vermögen – Privatkunden, UniCredit Bank AG, und Erik Podzuweit, Gründer und Co-CEO, Scalable Capital Vermögensverwaltung GmbH.

Kalis sieht in der Digitalisierung „die einzige Chance, um aus dem Schraubstock aus Regulierung und Niedrigzinsen auszukommen“. Stärkere Regulierung, Marktumfeld, Technologieentwicklung, neue Marktteilnehmer und Kundenverhalten sind die Dimensionen der Veränderung. Vergleiche man die Milliardäre der Welt, so falle auf, dass neben den jungen Technologie- und Internetmilliardären aus Amerika und Asien in Deutschland nur Erben aufgelistet werden. „Für diese steht im Vordergrund zu bewahren“, macht Kalis klar

Die Anforderungen aus dem Anlegerschutz wie (un-)abhängige Beratung, Transparenz und Kostenoffenlegung, Zuwendungen, Produkt-Governance, Produktinterventionen und Reportingverpflichtungen führen zu mandatierten Lösungen, einfacheren Feemodellen, zu transparenteren Produkten, zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Frontend sowie Vernetzung über alle Kanäle (u.a. Filiale, Online). Der Kunde sieht bei der UniCredit Bank exakt das, was auch der Berater sieht. Ganzheitlich, transparent, interaktiv, individuell, übersichtlich und messbar sind die Adjektive, mit denen Kalis den Ansatz seiner Bank skizziert.

Bootz sieht im Meistern externer Herausforderungen und der Optimierung interner Strukturen die Basis eines erfolgreichen Vertriebs von Anlagelösungen. Bei den Aktien sei im Auge zu behalten, ob diese im heutigen Marktumfeld überbewertet sind und wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Wertverlustes ist. Zinswende, der Einfluss der Zentralbanken auf die Investmentstrategie, Ölpreisverfall und Inflationsschutz wie auch Währungsrisiken sind wichtige Schlagworte für Fragen, die sich im Assetmanagement stellen. Als Beratungsdienstleistung sei die Strategie der Deutsche AM zum Beispiel in Form einer Vermögensverwaltung für Drittkunden oder durch ein Mandat oder Fonds bei einem externen Asset Manager flexibel einsetzbar.

Podzuweit stellt Scalable Capital Vermögensverwalttung mit 40 Mitarbeitern aus Praxis und Forschung in MÜnchen und London vor. „Wir sind ein richtiges Finanzinstitut, die meisten Roboadvisor sind reine Vermittler nach § 34 f Gewerbeordnung.“ Seine Gesellschaft habe dagegen die Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wie auch der britischen Aufsichtsbehörde FSA. „Online-Only“ auf allen Plattformen ist das Grundprinzip. Wichtigster Zubringer ist Facebook. Da Scalable Capital als Vermögensverwalter tätig wird, können Anpassungen des Portfolios ohne Zutun des Kunden vorgenommen werden. Dies ist den rein vermittelnden Roboadvisors nicht möglich. Wissenschaftlich ermitteltes Verlustrisiko, besseres Rendite-Risiko-Verhältnis, weniger Stress und Vermeidung emotionaler Entscheidungen – das sind die Ziele dieses Anlagemodells.

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PropTech boomt mit Heike Gündling

Von Dr. Oliver Everling | 22.September 2016

​Heike Gündling komplettiert neben den beiden Gründern Maurice Grassau (CEO) und Dr.  Benjamin Staude (CTO) die Geschäftsführung der Architrave GmbH. Das erfolgreiche, vor  vier Jahren gegründete Prop-Tech-Unternehmen will mit der erfahrenen Managerin die nächste Wachstumsphase forcieren. Gleichzeitig eröffnet Architrave einen Standort in  Frankfurt, um vor Ort noch besser auf Kundenbedürfnisse eingehen zu können. „Wir gewinnen mit Heike Gündling eine ausgewiesene Expertin für den strategischen Ausbau von Architrave“, betont CEO Maurice Grassau. „Außerdem kennt sie die Probleme unserer  Kunden, zu deren Lösung wir mit unseren Produkten wesentlich beitragen.“   

Das Berliner Start-up bietet eine revolutionäre Dokumentenmanagement- und Datenraumlösung zum effizienten Management aller Immobiliendokumente. Auf einer Oberfläche lassen sich alle Daten einer Immobilie bearbeiten, öffnen und versionieren. Sie  stehen damit allen Stakeholdern jederzeit automatisiert in der aktuellen Version zur  Verfügung. Namhafte Unternehmen wie z. B. BNP, Beos oder Aberdeen nutzen die  Architrave-Lösung bereits für die Verwaltung ihrer Assets under Management.   

„Es ist eine spannende Aufgabe, den digitalen Wandel in der Branche aktiv mitzugestalten  und Kunden innovative Lösungen aufzuzeigen, wie sie den Transformationsprozess meistern“, sagt Heike Gündling. „Bei vielen Unternehmen besteht in dieser Hinsicht Nachholbedarf.“

Heike Gündling (53) bringt über 25 Jahre Erfahrung aus leitenden Funktionen in der Immobilien- und Kreditwirtschaft mit. Zuletzt verantwortete Gündling das operative Geschäft der Bilfinger Real Estate. Von 2003 bis 2012 war sie als Mitglied der Geschäftsführung von Corpus Sireo tätig.

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Ruhige Zeiten – Chance für KMU

Von Dr. Oliver Everling | 21.September 2016

​Die Finanzierung von Mittelständlern läuft derzeit in ruhigen Bahnen – und damit ist jetzt der beste Zeitpunkt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), ihre zukünftige Finanzierungssituation zu überdenken. Diese Meinung vertreten die Expertinnen und Experten des Verbandes „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e. V.“ in der neuesten Ausgabe ihrer Zeitschrift „KMU-Berater News“. Da sich die Ertragssituation der Banken und Sparkassen verschlechtern werde, sollten Unternehmen die noch gute Lage nutzen, und jetzt neue Strategien entwickeln und umsetzen. Die KMU-Berater News stehen im Internet unter www.berater-news.kmu-berater.de zur Verfügung.

„Die Erträge der Banken und Sparkassen sind seit längerem rückläufig und werden durch die anhaltende Tiefzinsphase weiter sinken. Hinzu kommen kontinuierlich steigende Kosten durch die Bankenregulierung. Bereits heute weisen viele Institute Ergebnisse aus, die nicht ausreichen, um nennenswerte Kreditrisiken aufzufangen. In der nächsten Konjunkturdelle werden sich viele Institute kaum noch neue Kreditrisiken leisten können und daher deutlich zurückhaltender im Firmenkreditgeschäft sein“, ist der Leiter der „Fachgruppe Finanzierung-Rating“ der KMU-Berater, Carl-Dietrich Sander, überzeugt.

In der aktuellen Ausgabe der „KMU-Berater News“ beleuchten Mitglieder der Fachgruppe Finanzierung-Rating das Thema aus verschiedenen Perspektiven und geben Praxistipps für Unternehmen. So stellt KMU-Beraterin Rosalinde Natzschka die Grundzüge einer Finanzierungsstrategie dar: Von der Bestandsaufnahme aller Finanzierungsbausteine und der Sicherheiten-Situation über die Abschätzung des Finanzierungsbedarfs in der nahen und weiteren Zukunft bis zu den Gesprächen mit den gewünschten Partnern. KMU-Berater August Hohmann empfiehlt in seinem Beitrag, den „Finanzierungs-Mix“ zu verbreitern zum Beispiel über eine zweite kreditgebende Hausbank, Leasing oder öffentliche Förderkredite. Weitere Themen sind die problematische Abhängigkeit von nur einer Bank, das gezielte Nutzen von Förderkrediten und Internet-Portale als Ergänzung zur Hausbank.

Kleine und mittlere Unternehmen bemerken schon heute, dass sich das Banken-Verhalten ändert: Das zeigte die Umfrage „KMU-Banken-Barometer“ des Verbandes in diesem Jahr deutlich. Die befragten Unternehmen bewerteten ihre Finanzierungs- und Banken-Situation bei neun der zehn Fragen schlechter als im Vorjahr. Und bereits 2015 waren die Einschätzungen bei acht der zehn Fragen schlechter als noch 2014. „Für uns als KMU-Beraterinnen und -Berater ist klar: Beiden Seiten am Besprechungstisch hilft nur Offenheit und Transparenz als Basis für eine dauerhafte Finanzierungspartnerschaft und damit die Existenzsicherung der Unternehmen“, sagt Sander.

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Geldpolitischer Kurswechsel in Japan

Von Dr. Oliver Everling | 21.September 2016

Die Bank of Japan einen geldpolitischen Kurswechsel vollzogen, der nach Meinung der Experten der FERI in Bad Homburg in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden sollte. Notenbankchef Kuroda setzt ab jetzt auf ein neues Instrument: das sogenannte „Inflation Targeting“. Dabei steht nicht wie beim Quantitative Easing die absolute Höhe der Wertpapierkäufe im Fokus. Stattdessen verspricht die Notenbank, die Geldbasis so lange und so stark auszuweiten wie nötig, um schnellstmöglich einen Inflationswert „von über 2 Prozent“ zu erreichen. „Diese scheinbar unbedeutende Kurskorrektur ist nichts Geringeres als ein Paradigmenwechsel der Geldpolitik“, konstatiert Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer der FERI. „Damit hat die Bank of Japan unterstrichen, dass sie die Inflation mit allen Mitteln herbeiführen wird“, warnt Rapp.

Der Politikwechsel ist offenbar eine Reaktion auf die scharfe Kritik der Banken und Versicherer an der Geldpolitik der großen Notenbanken. Insbesondere die Banken leiden unter den negativen Zinsen in Europa und Japan. Deren Fähigkeit, durch Fristentransformation über die Zinsstrukturkurve Geld zu verdienen, wird dadurch massiv eingeschränkt. Die negativen Zinsen bedrohen damit einen wichtigen Geschäftszweig der Branche. Bereits bei der letzten Sitzung der EZB wurde deutlich, dass die Notenbanken diesen Punkt offenbar verstanden haben. EZB-Chef Draghi hatte Anfang September überraschend keine weitere Ausweitung der Geldpolitik beschlossen.

Der Politikwechsel der Bank of Japan dürfte zu einer noch stärkeren monetären Verwässerung führen als bisher, glauben die Analysten aus Bad Homburg. Gleichzeitig werden negative Effekte für das Bankensystem reduziert, sofern das „Inflation Targeting“ wie beabsichtigt zu einer steileren Zinsstrukturkurve führt. „Damit bleibt die Bank of Japan auch weiterhin ein wichtiger Gradmesser für die Experimentierfreude der globalen Geldpolitik“, so Rapp weiter. Weitere extreme Schritte – Stichwort Helikoptergeld – sind nach Einschätzung von FERI nicht ausgeschlossen, weshalb die Aktionen der Bank of Japan genauestens beobachtet werden sollten.

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Top 500 verbessert in Mittel- und Osteuropa

Von Dr. Oliver Everling | 20.September 2016

2015 war ein gutes Jahr für die Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa (MOE). Das durchschnittliche BIP stieg um 3,3 Prozent nach 2,6 Prozent 2014. Der Privatkonsum zog durch sinkende Arbeitslosigkeit und höhere Gehälter an. Zudem stützten die EU-Fördermittel die Investitionen. Fazit von Coface: Die Wirtschaft in Zentral- und Osteuropa floriert. Der internationale Kreditversicherer ging in einer neuen Studie der Frage nach: Wie erging es den größten Unternehmen der Region? Ergebnis: Die 500 größten Unternehmen beendeten 2015 mit gestiegenen Umsatz- und stabilen Mitarbeiterzahlen.

“Die Entwicklungen im Ranking der Top-500-Unternehmen veranschaulichen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im erfolgreichen vergangenen Jahr“, erklärt Katarzyna Kompowska, Coface Executive Manager Central and Eastern Europe (CEE), das Ergebnis der jährlichen Studie zu den Top 500 Unternehmen in MOE: „Coface CEE Top 500“. Die Volkswirtschaften profitierten demnach von der wachsende Inlandsnachfrage, die von geringerer Arbeitslosigkeit und höheren Gehältern gestützt wird, sowie von steigenden Investitionen in den meisten Ländern. Durch die allmähliche Erholung des Haupthandelspartners Eurozone und dem wichtigen Beitrag der EU-Fördermittel stieg der Export an. „Das Zusammenspiel dieser Faktoren machte 2015 zu einem Jahr mit solidem Wachstum für Unternehmen“, sagt Katarzyna Kompowska. „Die Top-Player verbuchten gestiegene Umsatz- und stabile Mitarbeiterzahlen.”

Die „CEE Top 500“-Unternehmen steigerten zusammen den Umsatz um 4,2 Prozent auf 593 Milliarden Euro, den Gewinn sogar um 3,7 Prozent auf 26,9 Milliarden. Sie zählen weiter zu den wichtigsten Arbeitgebern. 4,3 Prozent (+0,5 Prozent) der gesamten Erwerbsbevölkerung sind bei den Top 500 Unternehmen angestellt. Dies beeinflusste die Beschäftigungszahlen insgesamt positiv.

Die größte Volkswirtschaft der Region, Polen, hat die meisten der Top-Unternehmen. Durch die starke Inlandsnachfrage überstand das Land die Wirtschaftskrise vergleichsweise gut. Insgesamt schafften es 167 polnische Unternehmen in das Ranking, neun weniger als im Vorjahr. Die polnische Wirtschaft erzielte seit 2014 solide Wachstumsraten von über 3 Prozent. Das größte Wirtschaftswachstum in MOE erreichte 2015 die Tschechische Republik (4,5 Prozent). Zudem hatte das Land eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen in der EU mit einer Quote von 5,1 Prozent. Öffentliche Investitionen und der effiziente Einsatz des alten EU-Budgets kurbelten die Wirtschaft an. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Ranking wieder, in dem Tschechien mit 71 Unternehmen unter den Top 500 seine Position das vierte Jahr in Folge verbessert. Ungarn verlor eine Position, sicherte sich aber mit 69 Unternehmen, vier weniger im Vergleich zu 2014, im Ranking wieder einen Platz „auf dem Podest“. Die verbliebenen Top-Player verzeichneten jedoch mit 13,8 Prozent das höchste Umsatzwachstum aller in der Studie analysierten Länder. Seit der Rezession im Jahr 2012 erzielte Ungarn solide Wachstumsraten. 2015 waren es 2,9 Prozent.

“Die Prognosen für 2016 entsprechen fast jenen von 2015 mit einem geschätzten Wachstum von 3,0 Prozent. Weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt und das wachsende Vertrauen der Konsumenten werden die Haushaltsnachfrage als wichtigsten Wirtschaftsmotor in der Region stärken”, erwartet Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria.

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Zweite Konferenz für Finanztechnologie

Von Dr. Oliver Everling | 20.September 2016

Am 14. September 2016 fand im House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt am Main die 2. Konferenz für Finanztechnologie statt. Während sich bei der ersten Konferenz die traditionellen Finanzdienstleister (Banken und Versicherungen) und die technologiegetriebenen Finanzdienstleister (FinTechs) noch recht fremd gegenüberstanden, berichtet Dr. Ingo Natusch aus der Konferenz, hat mittlerweile eine (erste) Annäherung stattgefunden. Deutlicher Beleg hierfür ist die Internetseite paymentandbanking.com zur Zusammenarbeit von FinTechs und Banken in Deutschland, die in mehreren Vorträgen erwähnt wurde. 

Ebenso wurde die (deutliche) Aussage von BaFin-Chef Huffeld zum Thema FinTechs aus regulatorischer Sicht mehrmals herangezogen: „Gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regeln.“ Der Informationsbedarf ist auf beiden Seiten nach wie vor sehr hoch. Die zweite Konferenz deckte daher ein breites Themenspektrum ab. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung in das Thema durch Herrn Prof. Bühl gab Herr Prof. Hackerthal (beide Goethe-Universität Frankfurt) einen Überblick über den anlaufenden digitalen Strukturwandel in der deutschen Finanzdienstleistungsbranche, die derzeit im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften (noch) im Mittelfeld positioniert ist. Wenngleich noch große Unsicherheit darüber herrscht, welches konkrete Geschäftsmodell sich durchsetzen wird und welche Unternehmen sich zu den wesentlichen Playern in der digitalisierten Finanzdienstleistungsbranche entwickeln werden, so herrscht doch Einigkeit über die hohe Bedeutung der strategischen Positionierung. Herr Peeters, ING-DiBa AG, zeigte in seinem Vortrag auf, dass „Direktbank“ nicht automatisch „Digitalbank“ bedeutet und beim Digitalbanking das Phänomen „hybrider Kunde“ zu beachten ist. Viele Kunden akzeptieren zwar eine Auswertung ihrer Daten (z.B. bei der Nutzung von Amazon, Google etc.), lehnen dies jedoch bei ihren Finanztransaktionen strikt ab. Dies hat die ING-DiBa vor einigen Jahren leidvoll erfahren müssen.

Danach berichtete Herr Weßling, Allianz Lebensversicherungs-AG, von den besonderen Herausforderungen bei einem „Tanker“ wie der Allianz Lebensversicherungs-AG digitale Informations- und Beratungsangebote zu entwickeln. In der anschließend intensiv geführten Podiumsdiskussion wurden regulatorische Aspekte bei traditionellen Finanzdienstleistern und FinTechs diskutiert. Dabei kristallisierte sich Folgendes heraus: Viele Versicherungen haben den digitalen Strukturwandel etwas später aufgenommen als die Banken. Viele FinTechs haben sich bewusst Nischen/Grauzonen gesucht, um (noch) nicht von bestimmten regulatorischen Vorschriften (z.B. der Prospektpflicht) erfasst zu werden. FinTechs bringen mit ihrem „try and error-Ansatz“ eine bislang ungewohnte Veränderungsdynamik in die Finanzdienstleistungsbranche.
Danach teilten sich die 130 Konferenzteilnehmer zu nahezu gleichen Anteilen auf drei Sessions auf. In der Session „Finanzierung“ wurden Online-Kreditvergabeplattformen, Crowdinvesting, B2B-Fintech, Digitalisierung der Unternehmensfinanzierung und digitalisierter Konsumentenkredit vorgestellt. Auch hier wurde nochmals deutlich, dass die deutsche Finanzdienstleistungsbranche nunmehr Produkte/Dienstleistungen entwickelt, die in anderen Volkswirtschaften bereits deutlich größere Relevanz erlangt haben. Eine besondere Herausforderung besteht darin, für das neue Produkt/die neue Dienstleistung die jeweilige Rolle im Finanzierungsmix des Kunden zu finden.

Schwerpunkte bei der Session „Versicherung“ waren der digitalisierte Versicherungsvertrieb, die Entwicklung neuer Benchmarks, der Einsatz von Robo-Advisory sowie die Anforderungen an die IT. Schließlich möchten sich immer mehr Kunden nicht nur online über Versicherungen informieren, sondern auch Verträge abschließen und das Thema Finanzen online tageszeitabhängig über verschiedene Medien (Smartphone vormittags, PC tagsüber und Tablets abends) mit hoher „Convenience“ aktiv managen.

Die dritte Session war der Geldanlage gewidmet, d.h. den Erfolgsfaktoren von FinTechs, der digitalisierten Vermögensverwaltung und der Nutzung von Robo Advisory. Hier wurden insbesondere Erfolgsfaktoren bei der Kooperation von Banken und FinTechs herausgearbeitet. Hier gilt es, die alten (z.B. Marke, langjährige Erfahrung mit der Regulatorik, Vertrauen der Kunden) und neuen Stärken (technologische Kompetenz) von Banken und FinTechs dem Kundenbedarf entsprechend miteinander zu kombinieren.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden Reifegrad und Kooperationschancen in den verschiedenen Geschäftsfeldern diskutiert. Einigkeit herrschte darüber, dass Banken und Versicherungen derzeit vor einem gravierenden Wandel stehen und die Finanzdienstleistungsbranche in 10 bis 15 Jahren ganz anders aussehen wird als heute. Wie der Weg dahin aussehen wird, ist noch unklar. Die besondere Herausforderung liegt für die Finanzdienstleister darin, bei der Entwicklung von digitalen Lösungen auch stets deren Risiken ausreichend zu berücksichtigen. Hieraus resultieren auch neue Anforderungen an die (interne und externe) Aufsicht. Insofern werden wohl genug Themen für die dritte Konferenz zur Finanztechnologie bleiben.

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Suche nach Schutz vor Zentralbanken

Von Dr. Oliver Everling | 12.September 2016

Bestsellerautor James Rickards will in seinem neuen Buch mit dem Titel „Gold“ aus dem FinanzBuch Verlag praktikable Wege aufzeigen, wie die Fehler des aktuellen Währungssystems zu korrigieren sind. Außerdem erläutert er Strategien für Privatanleger, die sich vor der nächsten Krise von ungedecktem Geld schützen wollen.

Mittelpunkt des Buches stehen natürlich die Ansätze, sich mit Gold gegen Vermögensverlust in der nächsten Krise zu wappnen. Für die meisten Anlageberater hat Gold jedoch an Attraktivität verloren, da an den globalen Finanzmärkten mit dem steten Wechsel von Fonds viel mehr Provisionen zu verdienen sind. Katastrophennachrichten wie auch Sensationsmeldungen sind immer geeignet, Befürchtungen und Hoffnungen von Anlegern zu wecken. So lässt sich immer wieder der Wechsel von Anlagen einer Region in die andere, einer Branche in die andere, eines Unternehmens in die Aktien eines anderen argumentieren und von den Finanzdienstleistern gutes Geld mit den eiligen Transaktionen des Anlegers verdienen. Dementsprechend gut sind Finanzberater darin, dem Sparer die Anlageklasse der Edelmetalle auszureden.

Das Buch von Rickards ist nicht mit einer der vielen Fibeln zu verwechseln, mit denen Goldhändler oder gar Juweliere für den Kauf von Gold werben. Der Autor des Buches setzt sich vielmehr mit Pro und Kontra auseinander. So befasst sich der erste Teil des Buches mit den wichtigsten Kritikpunkten, die gegen den Erwerb und das Halten von Goldbeständen sprechen.

„Wie lauten denn die Argumente gegen Gold? Die Kritiker kennen sie auswendig. Hier sind sie im Einzelnen: 1. Gold ist ein ‚barbarisches Relikt‘, so John Maynard Keynes. 2. Es gibt nicht genug Gold, um weltweit sämtliche finanziellen und wirtschaftlichen Aktivitäten zu ermöglichen. 3. Es wird nicht genug Gold produziert, um mit dem Wachstum der Weltwirtschaft Schritt zu halten. 4. Gold hat die Weltwirtschaftskrise verursacht. 5. Gold bringt keine Rendite. 6. Gold hat keinen intrinsischen Wert. Jede dieser Behauptungen ist überholt, falsch oder ironischerweise ein Argument für Gold. Das hält jedoch die Papiergeld-Ideologen nicht davon ab, sie immer wieder anzuführen“, so Rickards.

„Wenn ein Kritiker sagt,“ so Rickards weiter, „die mengenmäßig limitierte Goldproduktion würde das weltweite Wirtschaftswachstum nicht zulassen, meint er damit eigentlich, dass die Goldproduktion kein inflationäres Wirtschaftswachstum zulässt. Das ist richtig. Inflation überträgt Vermögen von den Reichen auf die Armen, von den Sparern auf die Schuldner und von den Bürgern auf den Staat. Inflation ist die bevorzugte Geldpolitik von Sozialisten und Progressivisten, die an eine Umverteilung von Einkommen glauben. Mit den Vorbehalten gegen Gold wegen zu geringer Goldproduktion ist nicht gemeint, dass dies dem Wirtschaftswachstum im Weg stehen würde, sondern vielmehr, dass dies dem Diebstahl im Wege steht.“

Die Verteilungswirkungen von Inflation sind aber keineswegs eindeutig. Ob Arm oder Reich durch Inflation begünstigt werden, hängt von einer Vielzahl weiterer Faktoren ab. Hyperinflationen machen nicht nur das Vermögen von einst reichen Industriellen durch zahlreiche Unternehmenszusammenbrüche zunichte, sondern enteignen auch die Sparer je nach gewählter Anlageform und entwerten nominal festgelegte Gehälter und Renten.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Rickards kommt auf Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu sprechen, die heute zu einem gewissen Grade erneut angelegt werden. „Die Weltwirtschaftskrise wurde dann durch politische Experimente verlängert, die Herbert Hoover und Franklin D. Roosevelt in Gang setzten. Diese Experimente führten zu einem Phänomen, das der Gelehrte Charles Kindleberger als ‚Regime uncertainty‘ (‚Unsicherheit in Bezug auf die künftigen rechtlichen Rahmenbedingungen‘) bezeichnete. Damit ist gemeint, dass große Konzerne und wohlhabende Bürger sich weigerten, Kapital zu investieren, weil die zukünftigen Kosten staatlicher Regulierungs-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik sich schlichtweg nicht vorhersehen ließen. Das Kapital wurde sicher geparkt, statt produktiv eingesetzt zu werden, und das Wirtschaftswachstum kam dadurch zum Erliegen.“

Rickards spricht die Frage nach der Qualität der Zentralbankbilanz an. Bei dem Buch handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Amerikanischen. Daher stehen hier die Verhältnisse bei der Fed im Vordergrund. Deshalb kommt der Autor nicht auf die Frage zu sprechen, was passieren würde, wenn die von der Schweizer Nationalbank sowie von der Europäischen Zentralbank aufgekauften Unternehmensanleihen reihenweise in die Insolvenz gehen. Anders als bei Staatsanleihen lassen sich Kalamitäten bei Unternehmen noch weniger verbergen, wenn diese zur Insolvenzanmeldung gezwungen werden. Geraten europäische Großkonzerne in Zahlungsschwierigkeiten, die zu den wichtigsten Emittenten an den Anleihemärkten gehören, wäre der Weg in der Zentralverwaltungswirtschaft vorgezeichnet. Die Zentralbanken in Europa wären als wichtigste Anleihegläubiger gezwungen, schlechtem Geld gutes Geld hinterherzuwerfen oder bei diesen Unternehmen die Kontrolle zu übernehmen, mithin private durch staatliche Kontrolle zu ersetzen.

Wer zu einem Buch mit dem Titel „Gold“ greift, mag diesem Edelmetall möglicherweise schon eine besondere Bedeutung beimessen. Rickards nimmt dem Thema aber die emotionale Seite indem er nüchtern die Alleinstellungsmerkmale des Goldes skizziert und resümiert: „Unsere Vorfahren haben Gold nicht als Geld verwendet, weil es glänzt oder schön ist, wie man es heute häufig von Kritikern hört. Gold ist das einzige chemische Element, dass alle notwendigen physischen Eigenschaften hat – es ist knapp, dehnbar, chemisch inert, haltbar und homogen –, um als zuverlässiges und praktisches physisches Wertaufbewahrungsmittel zu dienen. Weisere Gesellschaften als die unsrige wussten sehr wohl, was sie taten.“

Nach Rickards gibt es keine Hoffnung mehr zur Rückkehr in frühere Systeme. „Im größten Wertpapiermarkt der Welt, dem Markt für US-Staatsanleihen, wurde seit Anfang der 1980er-Jahre kein einziges physisches Papierzertifikat mehr ausgestellt. Vielleicht gibt es noch ein paar alte Papierzertifikate, die auf irgendeinem Dachboden herum liegen, aber der heutige Markt für US-Staatsanleihen ist komplett digital, ebenso wie das Zahlungssystem. Die bargeldlose, digitale Gesellschaft ist schon jetzt Realität. Manche Zeitgenossen machen sich Sorgen über etwas, das sie ‚den Krieg gegen Bargeld‘ nennen. Diese Sorgen sind überflüssig – der Krieg gegen Bargeld ist vorbei und die Regierung hat ihn gewonnen.“

Praktisch gesehen könne ein ehrbarer Bürger heutzutage nicht mehr an große Mengen Bargeld herankommen, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, ein Drogenhändler, Terrorist oder Steuerhinterzieher zu sein. Ein solcher Verdacht führe dann zu staatlicher Überwachung, folgert Rickards.

Selbst den obrigkeitsgläubigsten Bürgern und regierungstreuesten Beamten bleibt es nicht verborgen, dass sich die Notenbanken zurzeit mit geldpolitischen Experimenten befassen. Rickards warnt: „Dies ist kein systematisch organisiertes Experiment. Die Fed zaubert ganz einfach ein Kaninchen nach dem anderen aus dem Hut. Wenn sie innerhalb von sieben Jahren 15 verschiedene geldpolitische Ziele verkündet, ist das ein klarer Beleg dafür, dass sie improvisiert.“

Die Aufgabe des staatlichen Zwangsgeldmonopols wird von Rickards nicht thematisiert. Er stellt dem gegenwärtigen Systemen daher praktisch nur das Gold als Zahlungsmittel gegenüber. Vielleicht weil die Funktionsweise des staatlichen Zwangsgeldmonopols nicht analysiert wird, enthält das Buch auch Forderungen, die mit den Prinzipien der Marktwirtschaft nicht vereinbar sind. Dazu gehört die Anmaßung, die richtige Größe von Banken bestimmen zu können. Rickards stimmt auch in die beliebte Verteufelung von Derivaten ein. Dabei übersieht er, dass das Gefahrenpotential von Derivaten eine direkte Funktion des staatlichen Zwangsgeldmonopols ist. In modernen Volkswirtschaften wäre ein Zahlungsverkehr mit physischen Transport von Gold undenkbar. Darum wären gerade in einem auf dem Goldstandard basierenden Währungssystem – wie auch in jedem anderen Währungssystem – Derivate unabdingbar.

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