Social Impact Bonds

Von Dr. Oliver Everling | 30.Juli 2015

Die Integration von Migranten, die Qualifizierung von Kindern mit Lernschwächen oder die Resozialisierung wiederholt straffällig gewordener Jugendlicher sind Beispiele von immer neuen gesellschaftlichen Herausforderungen. In vielen Ländern fehlen hierzu „staatliche Auffangnetze“. Aber auch in Deutschland, einem der letzten verbliebenen Sozialstaaten in der Welt, tut man sich immer schwerer, hier die passenden Leistungen anzubieten. Kreativität und Innovation werden in diesem System aber kaum finanziert. Hier soll der Social Impact Bond Abhilfe schaffen. Kurz gesagt, zahlt der staatliche Träger von Sozialmaßnahmen an private Geldgeber das von ihnen überlassene Kapital nebst einer Zinsen, sofern ein bestimmter vorher festgelegter Mindesterfolg nachgewiesen wird. Wird das Ziel nicht erreicht, müssen die Anleger mit Ertragseinbußen rechnen oder völlig auf eine Rendite verzichten. Das Prinzip soll die Effizienz der Umsetzung von Sozialleistungen erhöhen und zu innovativen Leistungsangeboten anregen. Dass diese in vielen Ländern wie den USA, Großbritannien oder Israel zunehmend beliebter werdende Anlage- und Finanzierungsform manche Überraschungen in sich trägt, hat die Forschung eines Teams um Prof. Dr. Henry Schäfer  von der Universität Stuttgart zu Tage gefördert.

„Social Impact Bonds haben mit einer herkömmlichen Anleihe wie beispielsweise einer Bundesanleihe nichts gemeinsam. Es handelt sich vielmehr um eine öffentlich-private Partnerschaft und ist für Anleger nicht auf den ersten Blick zu durchschauen“, erklärt Prof. Dr. Henry Schäfer. Es handelt sich um sehr komplexe Vertragsgebilde mit vielen darin eingebundenen Parteien, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Chancen und Risiken von Social Impact Bonds haben darüber hinaus hohe Ähnlichkeiten mit Derivaten, vor allem Optionen.

Zu diesem Schluss kommt der Forschungsbericht „Social Impact Bonds – Vertrags- und Transaktionsstrukturen sowie eingebettete Optionen“ eines Forschungsteams um Prof. Dr. Henry Schäfer  von der Universität Stuttgart. Es wurden 14 in den USA und Großbritannien eingeführte Social Impact Bonds unter den „wissenschaftlichen Röntgenschirm“ gelegt. Ans Tageslicht gefördert wurden vielversprechende neue, unterschiedliche Ansätze um vor allem die Wirksamkeit von Sozialleistungen bei den adressierten Zielgruppen zu erhöhen. Trotz aller Vielfalt gelang es, zwei Obergruppen von Social Impact Bonds auszumachen, worunter verschiedene am Finanzmarkt vorfindbare Bonds eingeordnet werden konnten. Im nächsten Schritt wurde erhoben, auf welche Chancen und Risiken sich Anleger beim Erwerb solcher Bonds einlassen. Die Analyse förderte etliche versteckte Eigenschaften zu Tage, die exotischen Derivaten aus dem Optionsbereich ähneln. Vor allem wurden Strukturen entdeckt, die auf eine enge Verwandtschaft von Social Impact Bonds zu sog. Digitaloptionen schließen lassen. Bei solchen Optionen gewinnt der Anleger entweder einen bestimmten Geldbetrag oder verliert seinen Einsatz (zumindest teilweise). Ferner wurde deutlich, dass Social Impact Bonds ganz spezielle Risikoanfälligkeiten haben, wenn die unter dem Dach des Bonds arbeitenden Partner wie die öffentliche Hand einzelne Sozialdienstleister, Datenmanager etc. nicht optimal miteinander zusammenarbeiten.

„Insgesamt sind solche Anlagen nur etwas für professionelle Anleger, die sich zudem ein „Quäntchen Verlust“ leisten können, wenn die Risiken über Hand nehmen und nachteilige finanzielle Konsequenzen für den Anleger haben“, so Prof. Schäfer. Die Analysen zeigen auch, dass man dem Phänomen Social Impact Bond aus Anlegersicht noch genauer auf die Spur kommen muss, um seine wahre Gestalt als Anlageform offen zu legen und letztendlich auch seinen wahren wirtschaftlichen Wert zu ermitteln – denn auf einer Börse werden solche Anlagen bisher nicht gehandelt.
Der vollständige Bericht findet sich hier.

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Dauerthema „Banken im Umbruch“

Von Dr. Oliver Everling | 29.Juli 2015

Der Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble beobachtet die gegenwärtigen Entwicklungen der Finanzmärkte mit zunehmender Sorge, berichtet die EUROFORUM Deutschland SE in einer Pressemitteilung. „Er ist der Auffassung, dass nachhaltiges Wachstum nur durch konsequente Strukturreformen auf den Arbeits- und den Produktmärkten, eine solide Finanzpolitik – die das staatliche Ausgabenwachstum unter dem jeweiligen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts hält – sowie eine vorausschauende Finanzmarktpolitik erreicht werden kann.“

Aber wie wird die Welt und das Banking der Zukunft überhaupt aussehen? Welche Geschäftsmodelle funktionieren in Zeiten von Niedrigzinsphase und Digitalisierung? Und ist der FinTech-Boom eine Bedrohung für die Banken? Über diese und weitere Themen diskutieren die führenden Köpfe der internationa-len Politik, Aufsicht und Bankenwelt auf der 20. Handelsblatt Jahrestagung Banken im Umbruch am 2. und 3. September 2015 im Marriot Hotel in Frankfurt am Main. Dazu zählen Top-Referenten wie Jürgen Fitschen (Co-CEO, Deutsche Bank), Jens Spahn (Parlamentari-scher Staatssekretär im Bundesfinanzministerium), Martin Blessing (Vorstandsvorsitzender, Commerzbank), Prof. Dr. Axel Weber (Verwaltungsratspräsident, UBS Group), Felix Hufeld (Präsident, BaFin) und Querdenker wie Richard David Precht (Philosoph und Autor).

Wie er die Bankenwelt von morgen sieht, erläutert Dr. Nils Beier (Managing Director, Accenture Strategy) in seinem Impulsvortrag am ersten Konferenztag. Wie sein Kollege Frédéric Brunier (Managing Director, Head Accenture Strategy in Financial Services (DACH)) ist er der Überzeugung, dass „sich die Banken ernsthaft fragen müssen, wohin sie mit ihrem Geschäftsmodell wollen. Ob Sie sich entweder reduzieren auf eine reine Infrastrukturdienstleitung und das Feld der Mehrwertdienstleistungen größtenteils den Spielern der Start-up-Szene mit ihren singulären Angeboten oder Technologiegiganten wie Google überlassen wollen? Oder Teil des Ecosystems innerhalb des Gesamtmarktes werden wollen.“ Start-Ups sollten die Banken seiner Meinung nach nicht als Bedrohung sehen, sondern sich im Gegenteil deren Innovationskraft zu Nutze machen und Kooperationen zu beiderseitigem Vorteil eingehen.

In einer Diskussionsrunde am zweiten Konferenztag steht die Frage im Mittelpunkt, wo momentan die Herausforderungen im Corporate Banking liegen. Teilnehmer des Panels sind Kai Böringschulte (Geschäftsführender Gesellschafter, Compeon), Dr. Martin Reitz (Vorsitzender der Geschäftsführung, Rothschild Deutschland), Armin von Falkenhayn (Country Executive Deutschland und Leiter Corporate & Investment Banking Deutschland, Österreich und  Schweiz, Bank of America Merrill Lynch), Helene von Roeder (Managing Director und Chief Executive Officer für Deutschland, Österreich und Zentraleuropa, Credit Suisse) und Régis Monfront (Deputy Chief Executive Officer, Crédit Agricole Corporate and Investment Bank). Monfront meint: „Der Wettbewerb um die Firmenkunden ist in vollem Gang. Die Banken müssen sich eindeutig positionieren und Erfolgsfaktoren wie die Steigerung des Kundenvertrauens, den insgesamt klaren Fokus auf die Kunden sowie ein konsequentes Risiko- und Portfoliomanagement in den Mittelpunkt stellen.“

Außerdem können auf der 20. Handelsblatt Jahrestagung Banken im Umbruch Start-Ups bei den FinTech-Pitches im Pecha-Kucha-Stil ihre Ideen der Banking-Community präsentieren. Bei Pecha-Kucha-Vorträgen sind maximal 20 Bilder erlaubt, die wiederum maximal 20 Sekunden angezeigt werden. Das reduziert die Gesamtzeit eines Pitches auf sechs Minuten und 40 Sekunden. In der Future Banking Lounge treffen FinTech-Startups auf traditionelle Banken, um neue Kontakte zu knüpfen, Kooperationen zu schmieden und neue Geschäftsmodelle zu diskutieren. Außerdem zeichnet EUROFORUM in Kooperation mit dem Handelsblatt herausragende digitale Innovationen im Banking in verschiedenen Kategorien mit dem Digital Banking Award aus.

Das detaillierte Programm der 20. Handelsblatt Jahrestagung Banken im Umbruch sowie weitere Informationen zu den Bewerbungen für den Pecha-Kucha-FinTech-Pitch und den Digital Banking Award sind abrufbar unter: www.banken-im-umbruch.de

Literaturhinweise: Bankenrating: Normative Bankenordnung in der Finanzmarktkrise; Finanzdienstleister der nächsten Generation: Die neue digitale Macht der Kunden

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Der Finanzcoach für alle Anlageklassen

Von Dr. Oliver Everling | 29.Juli 2015

Der Finanzcoach für alle Anlageklassen – Kurs halten in stürmischen Zeiten“ heißt das neue Buch von Antonio Sommese im FinanzBuch Verlag der Münchner Verlagsgruppe (ISBN 978-3-89879-026-0). Es hält, was es verspricht: Sommese präsentiert seinen Ansatz als Finanzstratege.

„Ohne Wünsche keine Ziele“, so der Ausgangspunkt des Buches, dem Kapitel über „Wissen ist Macht“, „Was erfolgreiche Investment-Manager richtig machen“, „Das Gelernte anwenden“ und „Ihr Vermögen gegen Kursstürze sichern“ folgen. Seine Schlussbemerkung widmet Sommese dem Thema „Kein Vertrauen ohne Kontrolle“.

Wie oft werden Fachleute aus dem Finanzbereich von Ihren Freunden, Verwandten oder Bekannten nach Anlageratschlägen gefragt! Solche Fragen und – noch schlimmer – Antworten mit „heißen Tipps“ übersehen, dass Geldanlage stets eine ganzheitliche Betrachtung erfordert. So stellt auch Sommese seinen Ausführungen die Fragen nach den Anlagezielen sowie nach dem Anlegertyp voran, wie auch die Aufforderung, systematisch Einnahmen und Ausgaben zu erfassen.

Für den Anfang reicht seine Typenunterscheidung von „konservativen“, „ausgewogenen“ und „dynamischen“ Anlegertypen. Wer es genauer wissen will, wird sich aber eines unabhängigen Riiskoprofilings unterziehen wollen, denn eigene und fremde Wahrnehmung im statistischen Vergleich können weiter auseinanderklaffen (vgl. Buch „Risikoprofiling von Anlegern„).

Um den eigenen „Geldtyp“ zu bestimmen, bringt Sommese einen Test von Nadine Oberhuber zum Selbstauswerten. Mit Karin Schenk von der Anwaltskanzlei Kunz Rechtsanwälte führt Sommese ein Interview über die Aspekte, auf die ein Anleger bei der Beratung achten sollte.

Sommese kommt wieder einmal auf seinen alten Arbeitgeber, der Deutschen Bank, zu sprechen: Die Strategie der Deutschen Bank ändert sich so schnell, dass möglicherweise seine Ausführungen schon nicht mehr aktuell sind, wenn der Leser das Buch in der Hand hält. So hat die Deutsche Bank das Zusammenspiel von Postbank und Deutsche Bank selbst schon wieder in Frage und die Postbank zum Verkauf gestellt.

Sommese warnt im Gespräch mit Björn Drescher von Drescher & Cie GmbH vor der Abhängigkeit der Medien von Auflagen und Einschaltquoten. „Grundsätzlich sollten Anleger auf der Suche nach Wirtschaftsnachrichten zudem beachten, dass die Medien ihrem Auftrag, möglichst objektiv und sachlich über Wirtschaft und Börse zu berichten, meist nur bedingt und häufig genug auch nur prozyklisch nachkommen.“

„In Märkten mit nur wenigen Anbietern geht der Wettbewerb verloren, die Kraft der wenigen ist somit stark“, warnt Sommese vor dem Oligopol der US-amerikanischen Ratingagenturen. „Damals wie heute“, blickt Sommese auf die Finanzkrise zurück, „bin ich der Meinung, dass gekaufte Ratings eine äußerst intransparente Sache sind.“

Sommese spricht allerdings bei Griechenland von angeblichen AAA-Ratings. Bei Fitch Ratings  z.B. schaffte es Griechenland nur bis September 2004 in der Spitze auf ein A+ Rating, Watch negative. Von AAA war also nicht zu reden. Ferner wird bei der Kritik an der Ratinghistorie übersehen, dass auch langfristige Ratings sich auf einen Prognosezeitraum von vier bis fünf Jahren beziehen. Von 2004 bis zur Finanzkrise gab es auch bei Griechenland noch keine akuten Gefahren des Zahlungsausfalls, trotz chronischer Leiden des Staatssektors.

An der Rolle und Bedeutung des Ratings und der Ratingagenturen lässt Sommese keinen Zweifel. Jedoch beklagt auch Sommese, dass es in Europa keine Alternativen gibt. Die Poliitk auf europäischer Ebene klage seit Jahren über die einseitge Betrachtung der Ratingagenturen und habe schon vor Jahren eine europäische Alternative gefordert. „So müssen wir unseren Politikern heute vorwerfen, dass sie 2008 die große Chance verpassten, eine neue Agentur aufzubauen und somit die Dominanz der angelsächsischen  Anbieter zu brechen. Abgesehen von lauten Sprüchen ist seinerzeit nichts passiert.“

Der Finanzcoach für alle Anlageklassen: Kurs halten in stürmischen Zeiten

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Avana IndexTrend Europa Dynamic glänzt mit TELOS Rating

Von Dr. Oliver Everling | 29.Juli 2015

TELOS hat den Avana IndexTrend Europa Dynamic geratet. Der Fonds erfüllt nach Ansicht der Ratingagentur aus Wiesbaden höchste Qualitätsstandards und erhält die Bewertung „AAA-“ auf einer Skala von A bis AAA (höchste Qualitätsstandards).

„Der AVANA IndexTrend Europa Dynamic ist ein aktiv gemanagter Aktien ETF-Dachfonds,“ schreibt TELOS im Kommentar, „der sich auf 18 Sektoren (Subindizes) des STOXX® Europe 600 konzentriert. Der quantitative Fondsmanagementprozess ist evolutionär zu verstehen. Die den Fonds charakterisierende Konstante ist dabei die Allokationsvorgabe anhand eines Trendfolgemodells und die völlige Eliminierung subjektiver Einflüsse. Das evolutionäre Element findet sich in einem stetigen Prozess der Suche nach Möglichkeiten (Handelsregeln) zur Verbesserung des Ertrag/Risiko-Verhältnisses und insbesondere des Drawdown-Risikos, die u.a. als Reaktion auf geänderte Marktgegebenheiten nach umfassenden Testphasen in den Investmentprozess für den Fonds Eingang finden können. Insofern findet sich hier ein vorgeschaltetes aktives Element im Researchbereich, das aber nicht im Sinne eines Aktionismus genutzt wird. Der Fokus aller Bestrebungen liegt auf dem aktiven Management des Marktrisikos – insbesondere einzelner Branchen – mittels passiver Produkte.“

In einem Teamansatz wird als Element des Investmentprozesses die Modellwelt kontinuierlich auf Verbesserungsmöglichkeiten hin überprüft und getestet, „ohne dabei in Aktionismus zu verfallen“, urteilt TELOS. Es konnten so durch starke Einbrüche des Aktienmarktes bedingte negative Wertentwicklungen verringert werden. Über die letzten 3 Jahre belief sich die annualisierte Performance auf 14.63%.

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Carsten Kengeter fordert Entwicklung der Ratingkultur

Von Dr. Oliver Everling | 23.Juli 2015

Auf dem Eurobörsentag 2015 der Börsen-Zeitung kommt Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, ausführlich auf die wichtige Rolle der Ratingagenturen für die Entwicklung der Kapitalmärkte zu sprechen. Kengeter stellt die Frage nach dem Rating an den Beginn des zweiten Teils seiner Ausführungen zum Markt für Fremdkapital zum Nutzen von kleinen und mittleren Unternehmen, nachdem er den Nachholbedarf Europas , insbsondere Deutschlands, in der Entwicklung der Aktien- bzw. Eigenkapitalmärkte herausgearbeitet hatte.

Kengeter spricht von rund 50.000 €, die auch für kleine und mittlere Unternehmen aufzubringen sind, um das Rating einer anerkannten Agentur zu erhalten. „Das ist mehr, als für das Listing an unserer Börse zu zahlen ist“, macht Kengeter klar. Er sieht in den hohen Kosten des Ratings eine nach wie vor eine Hürde für jede strukturelle Veränderung der Finanzierung im Mittelstand.

Kengeter spricht die Dominanz der US-amerikanischen Ratingagenturen an. „Die großen Agenturen lassen sich ihre über Jahrzehnte aufgebaute Reputation teuer bezahlen“, sagt Kengeter. Die beträchtlichen Investitionen in den Reputationsaufbau hätten entsprechende Gebühren der Agenturen zur Folge.

Kengeter sieht Hoffnungen bei den neu in den Markt der Ratings drängenden Ratingagenturen. An erster Stelle nennt er Euler Hermes, denn diese Agentur könnte auf Millionen von Unternehmensdaten zurückgreifen. Kengeter sieht Chancen auch bei der in Berlin neu ausgerichteten Agentur Scope. Diese Agentur habe sich zunächst im Rating von Fonds profiliert und nun eine klare Ausrichtung auf das Rating von Anleihen vollzogen. Darüber hinaus spricht Kengeter die in Bad Homburg bei Frankfurt am Main ansässige Agentur FERI EuroRating Services an.

Kengeter macht die Bedeutung des Ratings und der Ratingagenturen für die Entwicklung der Kapitalmärkte klar. Verlässliche Informationen und Risikoeinschätzungen seien gerade für kleine und mittlere Unternehmen aufgrund ihrer verschiedenen, spezifischen Charakterstika von besondere Bedeutung.

Die Europäische Investitionsbank habe fünf Milliarden Euro bereitgestellt, um die Entwicklung der Kapitalmärkte in Europa zu unterstützen. Kengeter stellt den Vorschlag in den Raum, diese Mittel für Bürgschaften zu nutzen, die kleine und mittlere Unternehmen nutzen könnten, um Zugang zum Kapitalmarkt zu finden. Ratings und eine Ratingkultur könnten ein wichtiges Element für das Funktionieren des Marktes sein.

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Finanzmarktintegration aus Notenbanksicht

Von Dr. Oliver Everling | 23.Juli 2015

„Europa ist wie ein Fahrrad – hält es an, fällt es um“, zitiert Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung auf dem Eurobörsentag 2015 den ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors, der gerade erst seinen 90. Geburtstag feierte. „Hier im Saal hält eine überwiegende Mehrheit eine Kapitalmarktunion für sinnvoll“, spricht Döring eine Befragung im Vorfeld der Veranstaltung an und leitet zum Vortrag von Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank über.

Die Freiheit des Kapitalverkehrs gehört zu den vier Grundfreiheiten Europas, erinnert Weidmann an die Grundlagen der Europäischen Union. Während zunächst große Fortschritte auf dem Weg nach einem integrierten Europa erreicht wurden, hat die Finanzkrise mit ihren Folgn wieder das Thema der Finanzmarktintegration auf die politische Agenda gebracht.

„Eine zu restriktive Liquiditätsgewährung kann aus einem Funken einen Flächenbrand machen“, sagt Weidmann, aber ein Scheitern müsse auch bei Banken möglich sein. DIe Verlagerung auf die Finanzpolitik müsse vermieden werden, wie es auch eine kostenlose Versicherung durch den Staat nicht zulässig sein dürfe. DIe Banken müssten die Kosten ihrer Versicherung selbst tragen, um die richtigen Anreizeffekte zu setzen.

Weidmann räumt ein, dass die Risikogewichtung der Aktiva von Banken nicht immer das tatsächliche Risiko widerspiegelt. Höhere Anforderungen an die Banken können ihre Bereitschaft reduzieren, überhaupt Risiken einzugehen, also Kredite zu vergeben. Weidmann skizziert ausführlich das Spannungsgefüge, in dem die richtigen Anreizstrukturen für Banken zu finden sind.

Die disziplinierende Wirkung der Kapitalmärkte habe sich mit Blick auf den Staatsanleihenmarkt nicht deutlich gezeigt. Die richtige Risikoprämie lasse sich ex ante nicht einfach bestimmen. „Nicht alles lässt sich durch sich selbst erfüllende Prophezeiungen erklären“, weist Weidmann auf einschlägige Studien hin. Zur fiskalpolitischen Umverteilung sei das Eurosystem nicht legitimiert, betont Weidmann.

Die regulatorische Privilegierung von Staatsanleihen müsse so schnell wie möglich beendet werden, fordert Weidmann und zeigt die Probleme einer Risikoteilung in einer Währungsunion auf. Die Fiskalpolitik könne nur 10 bis 20 % wirtschaftlicher Schocks auffangen, zieht Weidmann Erkenntnisse aus den USA heran. Von weitaus größerer Bedeutung sei die Risikoteilung daher im Privatsektor. Während in den USA (und ähnlich in Kanada) rund 80 % der Schocks durch Kapitalmärkte aufgefangen würden, seien es in Europa nur rund 40 %. Entsprechend groß sei daher die Bedeutung der Entwicklung der Kapitalmärkte und der Kapitalmarktunion in Europa.

Weidmann zeigt sich überzeugt, dass der Abbau der steuerlichen Bevorzugung von Fremdkapital die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems stärken würde. Würden die Privilegien des Fremdkapitals abgebaut, steigt die Attraktivität des Eigenkapitals und damit eines besseren Risikoträgers.

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Neues aus der MDK-Notenanalyse

Von Dr. Oliver Everling | 22.Juli 2015

Das Bad Homburger Beratungsunternehmen Avivre Consult, geführt von Ines Löwentraut, hat die 5. MDK-Notenanalyse veröffentlicht. Aufgrund der seit Anfang 2014 geltenden Änderungen in der Struktur und den Einzelfragen des MDK-Prüfbogens erfolgte die Analyse erstmalig anhand des neuen Prüfbildes.

Die Einrichtungen wurden in Hinblick auf die 5 Teilbereiche untersucht, die Gegenstand jeder MDK-Prüfung sind (Bewohnerbefragung / Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft, Hygiene / Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung / Umgang mit demenzkranken Bewohnern / Pflege und medizinische Versorgung). Innerhalb dieser Teilbereiche findet der Leser Informationen zum Status Quo, einen Vorjahresvergleich, nach Bundesländern sowie nach Betreibergröße geordnete Ergebnisse, eine Liste der in dem jeweiligen Teilbereich in Korrelation am negativsten bewerteten Einrichtungen und schließlich ein Fazit zu diesem Teilbereich.

Als Abschluss wird das Gesamtranking über alle 50 Betreiber vorgestellt. Dem eigentlichen Bericht nachgestellt sind interessante Einzelaspekte wie z.B. die Frage, ob  es ausschlaggebend für das Ranking ist, wenn ein Betreiber in einem Bundesland Einrichtungen betreibt, dessen MDK Prüfungsergebnisse  generell etwas schlechter benotet werden als  in anderen Bundesländer.

Themen: Immobilienrating | Kein Kommentar »

modeFinance als Ratingagentur registriert

Von Dr. Oliver Everling | 20.Juli 2015

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat formell die Registrierung von modeFinance Srl mit Sitz in Triest, Italien, als einer Ratingagentur (CRA) gemäß Artikel 16 der Verordnung über Ratingagenturen verabschiedet.

Die Anmeldung erfolgt ab dem 10. Juli 2015. Die Anmeldung modeFinance als eine CRA bedeutet, dass ihre Ratings für regulatorische Zwecke in der Europäischen Union verwendet werden. Eine registrierte Ratingagentur muss auch weiterhin, auch nach Stellung des Erstantrags, alle Anforderungen laufend erfüllen. Mit den im Rahmen der Verordnung über Ratingagenturen gesetzten regulatorischen Anforderungen verbindet sich eine Fülle von Detailregelungen.

Derzeit gibt es 24 registrierte und vier zertifizierten Ratingagenturen in der EU. Unter den 24 registrierten Ratingagenturen arbeiten drei unter einer Konzernstruktur mit insgesamt 17 juristischen Personen in der EU, was bedeutet, dass die Gesamtzahl der CRA Unternehmen in der EU, die jetzt registriert sind, jetzt 38 erreicht.

Das Aufsichtsmandat der ESMA gilt für alle eingerichteten oder verwendeten Ratingagenturen für regulatorische Zwecke in der EU, die Kreditratings veröffentlicht haben oder von denen Ratings an Abonnenten weitergegeben werden. Die Ausübung dieser Aufsicht umfasst die Möglichkeit, Bußgelder und andere Formen von Sanktionen im Falle von Verstößen gegen die Vorschriften der Verordnung zu verhängen. Diese Anforderungen umfassen die Verpflichtung einer Registrierung oder Zertifizierung durch die ESMA, bevor Ratingaktivitäten entfaltet werden.

Themen: Anerkennung, Ratingagentur | Kein Kommentar »

FERI berichtet Heraufstufungen von Ländern

Von Dr. Oliver Everling | 17.Juli 2015

Die FERI EuroRating Services stuft im Juli das Sovereign Rating von Italien, Dänemark, Polen, Rumänien und Indien herauf. Eine verschlechterte Bonitätseinschätzung erhält China.

Das bisherige Wachstumsmodell Chinas, das vor allem auf hohen Zuwachsraten von Exporten und Investitionen beruhte, stieß in den vergangenen Jahren zunehmend an Grenzen: Die insgesamt schwächer wachsende weltwirtschaftliche Nachfrage, der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit für zahlreiche chinesische Unternehmen wegen steigender Löhne und massive Fehlallokationen im Inland bewogen die Regierung, einen Umbau der chinesischen Wirtschaft einzuleiten. Dies ist mit einer spürbaren Verringerung des Potenzialwachstums und zahlreichen Risiken verbunden. Die Verschuldung des Zentralstaates ist zwar noch immer sehr niedrig, und die chinesische Regierung verfügt weiterhin über hinreichende Möglichkeiten, die wirtschaftliche Entwicklung im Bedarfsfall zu stabilisieren, jedoch bergen das hohe Ausmaß der Verschuldung in vielen chinesischen Provinzen sowie auf kommunaler Ebene erhebliche Risiken. Die qualitative Analyse lieferte keine Anhaltspunkte, die durch den geringeren quantitativen Punktwert herbeigeführte Verschlechterung der Bonitätseinschätzung Chinas zu korrigieren. China wird deshalb von AA um eine Stufe auf AA- herabgestuft.

Das Sovereign Rating Dänemarks wurde im Juli 2015 um eine Stufe auf die höchste Bonitätsstufe AAA heraufgestuft. Eine gute wirtschaftliche Entwicklung sowie die solide Haushaltsführung schlagen sich in verbesserten Punktwerten für die meisten Ratingindikatoren nieder. Die von der Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Jahr 2008 ausgegangenen Risiken haben inzwischen an Relevanz für Dänemark verloren. Das Ratingkomitee beschloss deshalb, die Bonität Dänemarks wieder mit der höchsten Bonitätsnote AAA zu versehen. Dänemark hatte bereits bis zum Jahr 2008 diese Einschätzung genossen.

Nach der Überwindung der hartnäckigen Rezession wird Italien im laufenden Jahr und auch in den Folgejahren positive Wachstumsraten aufweisen. Erste Strukturreformen haben dazu beigetragen. Diese reichen jedoch noch nicht für eine spürbare Erhöhung des Potenzialwachstums aus. Der Zustand der Staatsfinanzen bleibt deshalb vor allem mit Blick auf den hohen Schuldenstand kritisch. Angesichts insgesamt verbesserter Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung erscheint eine verbesserte Bonitätseinschätzung um eine Stufe aber gerechtfertigt.

Im Juli wurde außerdem das Sovereign Rating Polens auf A heraufgestuft. Eine bessere Bonitätseinschätzung erhielt auch Rumänien: Die Note verbesserte sich hier von BBB- auf BBB. Heraufgestuft wurde auch die Bonitätseinschätzung für Indien, in diesem Fall von BBB auf BBB+.

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LHI handelt 125 Mio. € Immobilien im ersten Halbjahr 2015

Von Dr. Oliver Everling | 17.Juli 2015

Im 1. Halbjahr 2015 hat die LHI Gruppe im Bereich der Investmentprodukte für private, professionelle und semi-professionelle Investoren alleine bei den Immobilien ein Transaktionsvolumen in Höhe von 125 Mio. Euro im deutschen Markt bewegt. Damit ist bereits fast die Hälfte der für 2015 für alle Assetklassen geplanten 300 Mio. Euro erreicht. Die Assets under Management bei Immobilien belaufen sich nach eigenen Angaben der Gesellschaft per 30.06.2015 auf 2,8 Mrd. Euro. 

„Wir konnten den Deal-Flow auch in dieser Phase extremer Nachfrage und harten Wettbewerbs um interessante Objekte deutlich steigern. Dies ist aufgrund der erfreulich hohen, bereits bestehenden Kapitalzusagen unserer Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und Family Offices auch immens wichtig“, sagt Oliver Porr, Sprecher der Geschäftsführung der LHI-Gruppe. 

Die rund 125 Mio. Euro umfassen in Summe die An- und Verkäufe des Halbjahres 2015, die die LHI für die von ihr verantworteten AIFs, Fonds-, Co- und Eigeninvestments erfolgreich abgeschlossen hat. „Insbesondere bei den Ankäufen hat die LHI noch einmal zugelegt. Insgesamt wurden Immobilien in Höhe von knapp 40 Mio. Euro für die verschiedenen von LHI gemanagten Sachwertinvestments angebunden. Dabei wurde nicht nur in Büro-, sondern auch Handelsimmobilien investiert. Der Ankauf der Premium-Objekte Seidlstraße in München, ein Einzelhandelsobjekt in Friedrichshafen sowie eine Büroimmobilie in Karlsruhe haben das Transaktionsgeschäft maßgeblich geprägt“, berichtet LHI. Das Dispositionsportfolio dominierten die Objekte Laimer Atrium in München, ein Einzelhandelsportfolio in Süddeutschland sowie das Bauknecht-Areal in Schorndorf. 

„Besonders stolz sind wir auf die Identifikation von Premium-Objekten mit einem mittelfristigen Upside-Potenzial. Die Produkte im Bereich core-plus sind derzeit bei unseren Investoren sehr gefragt“, so Dieter Seitz, Geschäftsführer der LHI Capital Management GmbH. Dr. Lars Schöne, Geschäftsführer der LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft weiß außerdem: „Unsere Investoren kennen unsere  Assetkompetenz, insbesondere auch bei der Vermietung und Revitalisierung.“ So wurden bereits im 1. Halbjahr Mietverträge über rund 32 Tqm prolongiert oder neu abgeschlossen. Die Vermietungsquote liege bei einem Gesamtvolumen von über 1,3 Mio. qm vermietbarer Fläche wie in den Vorjahren konstant über 98%.

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