Der große Finanzbloggerpreis für die DACH-Region

Von Dr. Oliver Everling | 18.Oktober 2021

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Jahresendrallye noch möglich

Von Dr. Oliver Everling | 18.Oktober 2021

„Trotz der angespannten Marktlage bestehen weiterhin gute Aussichten auf eine Jahresendrallye an den Börsen“, urteilt Dr. Eduard Baitinger, seit 2015 Head of Asset Allocation in der FERI Gruppe. „Der aktuelle Inflationsdruck und die Wachstumsschwäche sind zum erheblichen Teil Nachwirkungen der seit dem Sommer grassierenden Delta-Virusvariante. Neue Coronafälle führten etwa in China in den zurückliegenden Monaten zu Hafenschließungen, die die globalen Lieferketten und die Industrieproduktion erheblich belastet haben.“

Auch der Konsum litt nach Beobachtung von Baitinger spürbar unter der Delta-Virusvariante: „Seit dem Spätsommer hat sich die globale Covid-19-Situation allerdings merklich entspannt. Damit verbessern sich die Perspektiven für die Wiederaufnahme eines weitgehend reibungslosen Warenverkehrs und einer verstärkten Industrieproduktion noch in diesem Jahr. Sollten Wirtschaftswachstum und Konsum in den kommenden Monaten steigen, ist ein versöhnlicher Jahresausklang an den Märkten durchaus möglich.“

Aufgrund weltweiter Lieferengpässe und steigender Rohstoffpreise verzeichnen die Industrieländer vielfach die höchsten Preissteigerungsraten seit Jahren. In hohen Produzentenpreise sieht Baitinger zudem eine spürbare Hintergrundinflation, die den Druck auf die bereits steigenden Verbraucherpreise weiter erhöhen könnte. Gleichzeitig habe die Wachstumsdynamik der globalen Wirtschaft abgenommen und könnte gänzlich zum Erliegen kommen, falls die Störungen in den weltweiten Lieferketten weiter andauern.

„Im schlimmsten Fall“, warnt Baitinger, „könnte daraus ein Stagflationsszenario entstehen, das durch rückläufige Unternehmensgewinne und – als Reaktion auf die höheren Inflationsraten – steigende Zinsen charakterisiert ist. In diesem Fall drohen negative Konsequenzen sowohl für Aktien- als auch Anleihenmärkte. Zur Portfolioabsicherung stünden dann nur noch vereinzelte Marktsegmente wie Energieaktien, Finanzwerte und Rohstoffe zur Verfügung.“

In der Fragilität der vergangenen Wochen sieht Baitinger ein Zeichen dafür, dass die Märkte in Teilen damit begonnen haben, das Stagflationsszenario einzupreisen: „Da Stagflation in der jüngeren Vergangenheit jedoch praktisch keine Rolle gespielt hat, fehlt den Marktteilnehmern die Erfahrung, um angemessen auf diese Entwicklung reagieren zu können. Damit steigt in naher Zukunft das Risiko angstgetriebener Reaktionen und somit abrupter Korrekturen. Hinzu kommt, dass die Marktbreite an den globalen Börsen abgenommen hat. Bei steigendem Abverkaufsdruck hätten die Aktienmärkte deshalb wenig Widerstandskraft.“

 

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Mittelstand: Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln

Von Dr. Oliver Everling | 12.Oktober 2021

„Unternehmen müssen ihre Verhandlungsposition realistisch einschätzen können, um erfolgreich Kreditgespräche zu führen.“ Das ist die Kernaussage des Buches „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln“ des UnternehmerBeraters Carl-Dietrich Sander. Das Praxishandbuch zur Bankenkommunikation liefert Unternehmern und Beratern das dafür notwendige Hintergrundwissen und praktische Handlungsempfehlungen. Das Buch ist jetzt in einer vollständig überarbeiteten und erweiterten dritten Auflage im NWB Verlag erschienen.

„Es gibt drei entscheidende Kriterien für eine positive Kreditentscheidung: eine gute Ratingnote, eine Kapitaldienstfähigkeitsberechnung mit klarer Überdeckung und von der Bank als werthaltig eingeschätzte Sicherheiten“ sagt Carl-Dietrich Sander, der seit 20 Jahren Unternehmen zu Liquidität und Finanzierung berät.

In seinem Buch schildert er die Hintergründe von Bankentscheidungen in ihrer ganzen Breite. „Mit meinem Praxishandbuch will ich Unternehmen eine Vorstellung davon geben, wie Banker ticken“, so Sander. Das helfe beim Vorbereiten und Führen von erfolgreichen Kreditverhandlungen sowie bei der Nachbereitung. Für alle drei Aspekte gibt der Autor in seinem Buch konkrete Handlungstipps.

Eine zentrale Empfehlung des Autors ist dabei: „Kein Unternehmen sollte von nur einer kreditgebenden Hausbank abhängig sein!“ Daher stellt er dar, wie Unternehmen eine für sie passende Finanzierer-Landschaft aufbauen können und beschreibt die ganze Palette der Finanzierungsarten, die sich in den letzten Jahren besonders durch die Portale im Internet stark erweitert haben.

Auch aktuelle Veränderungen in der Praxis von Banken und Sparkassen sind Thema des Buches: Reduzierung der persönlichen Betreuung, Einsatz elektronischer Kommunikationskanäle, automatisierte Kreditentscheidungen, zunehmende Bedeutung der Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit in Kreditentscheidungen sowie die Auswirkungen der Corona-Krise.

Die Basis für das „Praxishandbuch“ sind die 20-jährige Bankerfahrung des Autors sowie seine 20-jährige Erfahrung aus Training und Beratung von Unternehmen zu Liquidität und Finanzierung. Sein Praxishandbuch hat er als Nachschlagewerk aufgebaut: Die Leser:innen finden nach jedem Abschnitt konkrete Handlungstipps, ergänzende Arbeitshilfen im Download-Bereich zum Buch, viele Querverweise, ein ausführliches Stichwortverzeichnis und Hinweise auf vertiefende Quellen im Internet. Verständliche Texte ohne Fachchinesisch und erläuternde Abbildungen erleichtern den Zugang zu den vielfältigen Themen. Sander’s Credo dazu: „Mir ist wichtig, dass Unternehmen mit den Impulsen aus dem Buch direkt in die Umsetzung von Verbesserungen starten können.“

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Aktien für Kinder: So werden Aktien zum perfekten Startkapital

Von Dr. Carmen Mayer | 8.Oktober 2021

Geld für die Kinder auf dem Sparbuch anzulegen ist eine Tradition in vielen Familien. Leider gibt es darauf längst keine nennenswerten Zinsen mehr. Das Gegenteil könnte in Form von Negativzinsen sogar bald der Fall sein. Daher sollten Eltern überlegen, ihren Kindern mithilfe von Aktien ein vergleichsweise inflationsgeschützes Startkapital zu schaffen. „Geburtstage, Weihnachten, Taufe oder Konfirmation sind die perfekten Anlässe, um den Kindern in Ihrer Familie Aktien zu schenken. So geben Sie ihnen die Chance, den Umgang mit Geld und Kapitalanlagen beinahe spielend zu erlernen und in Zukunft damit Erfolge zu erzielen“, erklärt Dr. Carmen Mayer.

Die promovierte Biochemikerin ist seit vielen Jahren erfolgreich an der Börse aktiv. Pro Jahr erzielt sie ein beeindruckendes Plus von über 20%. Wenig verwunderlich also, warum sie auch ihre Kinder mit Aktien ausstattet. Von klein auf lernen diese das Investieren. Gerne verrät Dr. Mayer in diesem Ratgeber, welche Wertpapiere sich für Kinder und Enkel wirklich lohnen. Außerdem gibt sie Tipps, wie Eltern ihren Sprösslingen die faszinierende Welt der Aktien einfach erklären können.

Ein Geschenk für das ganze Leben: Aktien zum ersten Geburtstag

Ebenso wie Dr. Carmen Mayer können Eltern ihren Sprösslingen eine oder mehrere Aktien zum ersten Geburtstag schenken. Die promovierte Biochemikerin legte ihrem Nachwuchs zum ersten Geburtstag beispielsweise einen Anteilsschein von Amazon ins Depot. Schließlich bestellte sie als Mutter schon damals häufig beim beliebten Weltkonzern – die Aktie verschenkte sie jedoch nicht einfach so. Ein schönes Bild mit einer übersichtlichen Tabelle auf der Rückseite zu gestalten bot sich für diese einzigartige Geschenkidee gut an. In der Tabelle finden sämtliche Geburtstage bis zum 18. Lebensjahr ihren Platz. Auch die Wertentwicklung der Aktie darf darin nicht fehlen. Gemeinsam mit dem Kind können Eltern oder Großeltern diese Übersicht jedes Jahr aktualisieren. So erhalten selbst die Jüngsten schon einen spielerischen Zugang zur Börse.

Darüber hinaus empfiehlt sich ein monatlicher Blick auf die Aktie. Deren Wertentwicklung lässt sich so einfach im Auge behalten. Gleichzeitig versteht das Kind, wie der Kurs steigt oder fällt. Dieses Verständnis zu schaffen gelingt noch einfacher, wenn die Kleinen einen Bezug zum Unternehmen haben. Befindet sich etwa eine Playstation im Haus, könnten Eltern einen Anteilsschein von Sony kaufen. Ältere Kinder mit Instagram-Account haben an der Facebook-Aktie womöglich viel Freude. Durch diesen Bezug zum Alltag verstehen die Sprösslinge ganz natürlich, wie die Märkte funktionieren.

Welche Aktien bieten sich für Kinder an?

Weltkonzerne wie Amazon, Microsoft oder Apple sind Wertpapiere, auf die Eltern einen Blick werfen können. So meint nicht nur Frau Dr. Mayer: Wer einmal Apple nutzt, bleibt der Marke treu. Schließlich handelt es sich bei den hochpreisigen Produkten um ein geschlossenes System. Dadurch erzielt das Unternehmen hohe Margen und entsprechend gute Gewinne – das wiederum sorgt für steigende Aktienkurse.

Auch Microsoft zählt zu den weltbekannten Marken. Diese Bekanntheit sorgt für Vertrauen, wodurch Verbraucher gerne darauf zurückgreifen – ein Beispiel hierfür ist Excel. Wer dieses Programm nutzt, zahlt eine wiederkehrende Gebühr. Ein Mehraufwand in der Produktion ist jedoch nicht vorhanden. Diese etablierten Systeme sorgen für langfristig zunehmende Gewinne bei Microsoft. Entsprechend steigen auch die Aktienkurse, was zusätzliche Sicherheit gibt.

Worauf Eltern beim Schenken von Aktien noch achten sollten

Wer eine vergleichsweise sichere Aktie verschenken möchte, sollte sich auf jeden Fall deren historischen Verlauf ansehen. „Ich kann keine Aktien-Empfehlung aussprechen, vielmehr würde ich jedem empfehlen sich die Aktie, das dahinterstehende Unternehmen und deren Bilanzen anschauen. So kann man herausfinden, wie das Unternehmen sich die letzten Jahre geschlagen hat. Ist hierbei eine stetige Steigerung bei den Gewinne zu beobachten, kann man eine Investierung in Betracht ziehen, das sollte auch jährlich überprüft werden“, führt Dr. Carmen Mayer aus.

Trotz fortschreitender Digitalisierung sollten Eltern dennoch nicht alles auf eine einzelne Aktie setzen. Die Expertin empfiehlt vielmehr, fünf bis zehn Wertpapiere ins Kinder-Depot zu legen. Beteiligt sich die Verwandtschaft an diesem Geschenk, gelingt der Vermögensaufbau noch einfacher. Gelegenheiten wie Geburtstage oder Weihnachten gibt es nicht nur zur Freude des Nachwuchses schließlich genug. Und schlussendlich ist es wichtig, das verschenkte Depot immer im Blick zu haben. Ein regelmäßiger Blick, etwa einmal im Monat, hilft die beständige Bewegung der Aktie im Blick zu behalten. Sollte die Aktie wider Erwartens fallen, kann man noch rechtzeitig reagieren.

Carmen Mayer

Über Carmen Mayer:

Nach ihrer Karriere als promovierte Biochemikerin entschied sich Dr. Carmen Mayer für die Aktien- und Börsenbranche. In kürzester Zeit entstand ein hochprofitables Geschäft, ohne zuvor am Aktienmarkt aktiv gewesen zu sein. heute hat es sich Dr. Carmen Mayer zur Aufgabe gemacht, ihre Erfahrungen und ihre Strategien mit einer Vielzahl an Menschen zu teilen.

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Ratingdruck durch Rückkehr öffentlicher Protestbewegungen

Von Dr. Oliver Everling | 6.Oktober 2021

„Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie wurden zahlreiche sozioökonomische und politische Protestbewegungen im vergangenen Jahr jäh gestoppt“, berichtet die Niederlassung in Deutschland der Coface, dem französischen Kreditversicherer Compagnie Française d’Assurance pour le Commerce Extérieur S.A.

Nach dem Arabischen Frühling 2011 ging die Zahl der weltweiten Massenaufstände zunächst bis zum Jahr 2016 stetig zurück. Zwischen 2017 und 2019 folgte dann vor allem in Schwellenländern ein deutlicher Anstieg. Kurz vor Ausbruch der Pandemie gab es Unruhen in Hongkong, Algerien, dem Libanon und lateinamerikanischen Ländern wie Chile und Ecuador.

„Durch die Aufhebung von Corona-Restriktionen dürften viele Bewegungen und Aufstände zurückkehren. Darüber hinaus hatte die Pandemie selbst vielerorts verheerende soziale und ökonomische Auswirkungen und sollte neue Konflikte anfachen und bestehende befeuern. Die Erfahrungen mit früheren Epidemien und Pandemien zeigen, dass solche Bewegungen im Durchschnitt ein Jahr nach der Gesundheitskrise auftauchen“, sagt Coface-Volkswirt Samuel Adjutor. In mehreren Ländern Asiens, Lateinamerikas, Afrikas und Osteuropas hat die neue Protestwelle bereits begonnen. Neben den gesellschaftlichen Folgen der Pandemie, zum Beispiel in Brasilien, Kolumbien oder Malaysia, standen in einigen Ländern auch politische Krisen im Zentrum der Bewegungen – unter anderem in Peru, Myanmar oder Montenegro. In Schwellenländern wie Südafrika, Guatemala und Tunesien fanden Proteste statt, die sowohl gesellschaftlich als auch politisch motiviert waren.

Die neue Welle von Protestbewegungen sollte negative Auswirkungen auf den globalen Handel der betroffenen Länder haben, vor allem auf die Warenausfuhren. Coface schätzt, dass die Exporte im Jahr der Unruhen im Schnitt um 4,2% niedriger sind als sie es ohne Massenproteste gewesen wären. Auch in den drei Folgejahren bleibt der Abstand beträchtlich, da die Ausfuhren weiterhin zwischen 6,3% und 8,9% niedriger bleiben. Die negative Wirkung bei den Einfuhren ist hingegen schwächer und eher vorübergehend, so dass sie schnell wieder ihr Potenzialniveau erreichen. Die beschriebenen Auswirkungen sind auf ein schwindendes Vertrauen der Haushalte und Unternehmen sowie zunehmende politische Unsicherheit zurückzuführen. Dies lässt auf der Angebotsseite die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor sinken und führt auf der Nachfrageseite zu einem geringeren Privaten Konsum. Davon abgesehen lässt die politische Unsicherheit die Transaktionskosten zwischen dem betroffenen Land und Handelspartnern steigen.

Im Rahmen der Modellrechnung der Coface zeigt sich auch, dass Aufstände mit rein politischen Forderungen im Durchschnitt schwächere Auswirkungen auf die Exporte und Importe haben als sozioökonomisch motivierte Proteste. Nach politischen Unruhen kehren Ein- und Ausfuhren nach zwei bzw. drei Jahren wieder auf den Weg zurück, den sie ohne den Schock genommen hätten.

In der Folge von sozioökonomisch motivierten Aufständen liegen Exporte und Importe auch drei Jahre später noch 20,7% bzw. 5,6% unter ihrem Potenzial. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass es für die Regierungen schwieriger ist, zeitnah auf soziale Forderungen zu reagieren. „Diese Erkenntnis ist umso wichtiger, als die Bewegungen, die infolge der Gesundheitskrise entstehen dürften, wahrscheinlich durch die Verschlechterung der sozioökonomischen Bedingungen motiviert sein werden und es gleichzeitig weder für die Fiskal- noch für die Geldpolitik einen Reaktionsspielraum gibt. Die Zentralbanken können den Leitzins aufgrund der hohen Inflation nicht senken und die Regierungen haben bereits einen großen Schuldenberg angehäuft. Die Politik steht mit dem Rücken zur Wand“, sagt Samuel Adjutor.

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Erste Böen eines perfekten Sturmes

Von Dr. Oliver Everling | 6.Oktober 2021

Aus dem Haus des FERI Cognitive Finance Institute in Bad Homburg kommen bedenkenswerte Warnungen: Die westliche Welt befinde sich in der Spätphase eines monetären Superzyklus, der seit 50 Jahren in mehreren Wellen stark expandiere. „Seine Treiber sind expansive Notenbankpolitik und exzessiv steigende Geldmengen. Die Dynamik des Superzyklus hat sich ab 2020 dramatisch beschleunigt, stößt nun jedoch an Grenzen“, so die Warnung.

Mittelfristig drohe ein „perfekter Sturm“, der das globale Finanzsystem erschüttern und gravierende wirtschaftliche und soziale Verwerfungen nach sich ziehen könnte. Dies sind die Kernaussagen der neuen Studie des FERI Cognitive Finance Institute „The Monetary Supercycle – Ursachen, Bedeutung und mögliche Konsequenzen der massiven monetären Aufblähung“.

„Die enorme monetäre Aufblähung des globalen Systems birgt hohe Risiken. Vermögenswerte sind bereits stark inflationiert, doch nun droht auch der Realwirtschaft steigende Inflation. Setzt sich die Preisdynamik fort, wird das Vertrauen in Geldwerte und Währungen – aber auch in Notenbanken – schnell erodieren“, warnt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute.

Betrachte man die Entwicklung aus einer übergeordneten Perspektive, so zeige sich das beunruhigende Muster einer zunehmenden Eskalation. Die „monetären Wellen“ kommen demnach in immer kürzeren zeitlichen Abständen; gleichzeitig übertrifft jede neue Welle die jeweils vorhergehende in Ausmaß und Intensität um ein Mehrfaches. Die Instrumente der monetären Aufblähung reichten von einfacher Geldmengenexpansion über notenbankinduzierte Wertpapierkäufe (Quantitative Easing) bis hin zu offener Monetisierung staatlicher Schulden und Defizite durch Notenbanken (Overt Monetary Financing).

Ein Blick auf die großen Zentralbanken zeige, wie brisant die Lage ist: So habe sich seit 2008 die Bilanzsumme der US-Notenbank durch das gewaltige Volumen neu gedruckten Geldes verzehnfacht; die EZB verbuche heute sechsmal so viele Aktiva in ihrer Bilanz wie vor 13 Jahren. „Diese massive Aufblähung des Finanzsystems ist extrem beunruhigend. Gleichzeitig sorgen Notenbanken durch großvolumige Übernahme von Staatsschulden für monetäre Staatsfinanzierung durch die Hintertür“, so Rapp.

Das globale Finanzsystem sei durch die Folgen des monetären Superzyklus zunehmend anfällig für systemische Krisen. Besonders das Inflationsrisiko werde derzeit stark unterschätzt. „Politik und Notenbanken nehmen Geldentwertung kaum noch als Problem wahr. Sie sehen darin vielmehr eine Lösung, etwa um sich der hohen Staatsverschuldung zu entledigen“, erklärt Rapp. Diese verzerrte Wahrnehmung resultiere daraus, dass strukturelle Effekte wie der Aufstieg Chinas, die demografische Entwicklung und die Digitalisierung in den letzten 20 Jahren preisdämpfend gewirkt hätten.

„Diese Faktoren verlieren inzwischen jedoch stark an Wirksamkeit“, so Rapp. Zuletzt habe die Inflationsrate in den USA mit über 5 Prozent den höchsten Wert seit 13 Jahren erreicht, auch in Deutschland zeige sich ein starker Anstieg der Preistendenz auf einen 28-Jahres-Höchstwert. Die Kombination hoher Inflationsraten mit niedrigem Wirtschaftswachstum könnte die Risiken für das Finanzsystem in den nächsten Jahren signifikant erhöhen. „Die Notenbanken hätten dann erstmals ein ernstes Problem, das durch erneutes Gelddrucken nicht mehr gelöst werden kann“, warnt Rapp. Investoren und Vermögensinhaber sollten sich dieser Brisanz bewusst sein und entsprechend kritisch und mit strategischer Perspektive agieren.

Die Studie „The Monetary Supercycle – Ursachen, Bedeutung und mögliche Konsequenzen der massiven monetären Aufblähung“ ist zum Download unter https://www.feri-institut.de/content-center zu finden.

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Noch mehr Gesetze für Ratingagenturen

Von Dr. Oliver Everling | 30.September 2021

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat eine Stellungnahme dazu veröffentlicht, wie der Zugang zu und die Nutzung von Ratings in der EU verbessert werden kann. In der Stellungnahme hebt die ESMA die Schwierigkeiten der Nutzer von Ratings hervor und empfiehlt dem Gesetzgeber, die Verordnung über Ratingagenturen zu ändern oder alternative gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen.

Ratings werden auf den Websites der Ratingagenturen (CRAs) sowie auf der European Rating Platform (ERP) veröffentlicht. Die Verwendbarkeit dieser Ratings ist jedoch stark eingeschränkt, da sie nicht in einem maschinenlesbaren Format abgerufen oder in ausreichender Anzahl heruntergeladen werden können, um für regulatorische Zwecke verwendet zu werden.

In der Praxis greifen Nutzer hauptsächlich über Lizenzen für Daten-Feeds und Plattformdienste, die von anderen Unternehmen in den Unternehmensgruppen von Ratingagenturen angeboten werden, auf Kreditratings und zugehörige Forschungsberichte zu und nutzen diese. Diese Unternehmen unterliegen derzeit keiner Regulierung, und ihre Lizenzierungspraktiken und die hohen Gebühren werfen sowohl Bedenken hinsichtlich des Anlegerschutzes als auch der Wettbewerbsfähigkeit auf.

Nutzer von Ratings haben berichtet, dass die Bedingungen der Lizenzvereinbarungen, die sie für die Verwendung von Ratings eingehen müssen, häufig geändert werden und dass sie häufig zusätzliche Lizenzen abschließen müssen, um im Laufe der Zeit ein konsistentes Niveau der Datennutzung aufrechtzuerhalten. Benutzer berichten auch von den Schwierigkeiten, die Bedingungen für den Zugang zu Datenfeeds auszuhandeln, und von mangelnder Transparenz bei Preiserhöhungen.

ESMA kommt zu dem Schluss, dass Gesetzesänderungen erforderlich sind, um den Zugang zu und die Nutzung von Ratings zu verbessern, und betont, dass diese durch Änderungen der Verordnung oder durch die Annahme alternativer Rechtsvorschriften umgesetzt werden könnten.

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Leitlinien zu Marketing-Anzeigen im Fondsvertrieb

Von Dr. Oliver Everling | 27.September 2021

Die Leitlinien der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA für den fairen, eindeutigen und nicht irreführenden Charakter von Marketing-Anzeigen von Investmentfonds machen konkrete Vorgaben: „Alle Marketing-Anzeigen sollten unabhängig davon, wer die Zielanleger sind, faire, eindeutige und nicht irreführende Informationen enthalten.“

Jedoch können der Umfang der Informationen und die Art und Weise, wie die Informationen dargestellt werden, daran angepasst werden, ob die Anlage in den beworbenen Fonds Kleinanlegern (d. h. OGAW oder Kleinanleger-AIF) oder nur professionellen Anlegern (d. h. AIF die nicht zum Vertrieb an Kleinanleger zugelassen sind) offensteht.

Nach Ansicht der ESMA sollten insbesondere Marketing-Anzeigen, in denen für Fonds geworben wird, die Kleinanlegern offenstehen, keine übermäßig technischen Formulierungen verwenden. Es ist eine Erläuterung der verwendeten Terminologie hinzuzufügen, die leicht lesbar sein sollte und gegebenenfalls die Komplexität des Fonds und die mit der Anlage verbundenen Risiken hinlänglich erklären, um den Anlegern das Verständnis der Eigenschaften des beworbenen Fonds zu erleichtern.

Die Marketing-Anzeige sollte in den Amtssprachen oder in einer der Amtssprachen verfasst sein, die in dem Teil des Mitgliedstaates verwendet werden, in dem der Fonds vertrieben wird, oder in einer anderen von den zuständigen nationalen Behörden dieses Mitgliedstaates anerkannten Sprache.

Im Vertrieb von Fonds sind über diese genannten Beispiele hinaus eine Fülle weiterer, detaillierter Vorschriften zu beachten, die bis hin zur Formatierung und Schriftgröße reichen. Wer im Fondsvertrieb keine Rechtsrisiken eingehen will, bedient sich daher der Dienste von Ratingagenturen, die durch ihre Reports sicherstellen, dass Chancen und Risiken abgewogen und wichtige Fakten in geeigneter Weise zusammengefasst werden.

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Artist Ranking und Artfacts Ranking

Von Dr. Oliver Everling | 23.September 2021

Das Berliner Technologieunternehmen Artfacts sammelt seit 2001 systematisch Ausstellungsdaten von Galerien, Messen und Museen. Basierend auf dem Datensatz wird u. a. eine Ausstellungshistorie für die jeweiligen Künstler und Ausstellungsinstitutionen aggregiert.

Ein Algorithmus errechnet aus den Daten das sogenannte “Artist Ranking”, welches die katalogisierten Künstler in Beziehung zueinander setzt sowie das sogenannte “Artfacts Ranking”, das die Ausstellungstätigkeit eines Künstlers in eine Trendlinie übersetzt.

2021 startete Artfacts die App “Limna”. Die Kernfunktionalität der Applikation ist die Berechnung eines Preises für ein Gemälde aus dem Primärmarkt mit dem Datenbestand von Artfacts und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Die Limna-Technologie ist bereits durch eine Schnittstelle in den Onlineshop “MISA” der König Galerie, Berlin, implementiert. Limna kooperiert zudem mit der Artnet AG, die seit 2020 ein assoziiertes Unternehmen der WFA ist.

Artfacts wurde 2001 vom Ehepaar Marek Claaßen und Stine Albertsen in Berlin gegründet. Kurz zuvor hatte die Kunstmarkt.com AG ihr Geschäft aufgenommen, aus der die heutige Weng Fine Art AG hervorgegangen ist. Fast gleichzeitig ging die Artnet AG an die Börse. Die Weng Fine Art AG hat sich nun an der Artfacts beteiligt.

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„Immobilienbesitzern droht Steuerschock nach der Wahl“

Von Dr. Oliver Everling | 23.September 2021

In vielen Gemeinden steht Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern nicht nur die Erhöhung von Grundsteuern bevor, sondern auch die zusätzliche Einführung weiterer Belastungen in Form von Wiederkehrenden Straßenbeiträgen. Damit ist jedoch nicht genugt. SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke planen die Besteuerung von Immobilienverkäufen nach der Wahl. Die Pläne von drei Parteien, die allen Prognosen zufolge an der neuen Bundesregierung beteiligt sein könnten, verheißen für Immobilienbesitzer eine drastische Steuererhöhung: So möchten die SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke gemäß ihren jeweiligen Wahlprogrammen unter anderem die Zehnjahresfrist für steuerfreie Grundstücksverkäufe abschaffen.

Das bedeutet: Wer nach zehn Jahren seine vermietete Immobilie verkauft, zahlt heute auf den Erlös keine Steuer. Bei eigengenutzten Immobilien ist der Verkaufserlös bis jetzt sogar grundsätzlich steuerfrei. Fällt diese Spekulationsfrist, sind Immobilienverkäufe auch nach zehnjähriger Haltedauer steuerpflichtig. „Je nach Wahlausgang könnte es zu einer Verkaufswelle auf dem Markt für Wohnimmobilien kommen mit entsprechenden Preisschwankungen“, sagt Immobilienexperte Otto Kiebler, Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der giv Gesellschaft für internationale Immobilienvermittlung und Vermögensplanung mbH.

Das Beispiel Österreich zeige, dass eine solche Gesetzesänderung keineswegs unrealistisch ist. Dort wurde im April 2012 für viele überraschend und ohne Übergangsfrist die steuerfreie Spekulationsfrist abgeschafft. Seitdem fordert der österreichische Fiskus – auch bei eigengenutzten Immobilien – 30 Prozent des Veräußerungsgewinns für die Staatskasse. Für eine Eigentumswohnung, die zum Beispiel mit einem Wertgewinn von € 350.000 verkauft wird, sind demnach € 105.000 Steuern fällig. Für Altbestände (Anschaffung vor 2002) ist in Österreich eine pauschale Steuerzahlung von 4,2 % des gesamten Verkaufserlöses fällig.

Geld, um die leeren Kassen nach der Corona-Pandemie wieder zu füllen, soll von den Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern kommen. „Immobilienbesitzer werden traditionell oft belastet, da das Eigentum gut dokumentiert ist und es sich um einen sehr großen Markt handelt“, sagt Immobilienexperte Kiebler. Binnen eines Jahres wuchsen die Schulden des öffentlichen Gesamthaushalts um 14,4 Prozent oder 273,8 Milliarden Euro an – der höchste in der Statistik jemals erfasste Wert am Ende eines Jahres. Pro Kopf entspricht das einer Verschuldung von 26.141 Euro.

Kiebler rät Immobilienbesitzern, die Entwicklung im Auge zu behalten und alle Optionen in Erwägung zu ziehen. Neben einem Verkauf könnte zum Beispiel eine Immobilienverrentung in Frage kommen. Bei einem Verkauf mit anschließendem Nießbrauch besteht derzeit noch eine steuerfreie Auszahlung des Verkaufserlöses, diese Variante wäre von dem Wegfall der Spekulationsfrist für Immobilienverkäufe nicht betroffen.

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