Unternehmen unter neuem ESG-Radar

Von Dr. Oliver Everling | 17.Mai 2022

Zahlreiche Anbieter sind auf das Thema „Nachhaltigkeit“ gesprungen. Als im März 1991 ein erstes Seminar zum Thema „Ethisches Rating“ stattfand, hätte wohl keiner der Teilnehmer gewagt zu hoffen, wie viele Menschen sich heute mit dem Rating von Unternehmen nach ethischen, ökologischen und sozialen Aspekten befassen. Inzwischen werden von vielen Agenturen spezifische ESG-Scores und Nachhaltigkeitsratings berechnet respektive vergeben.

Als Basis für die Berechnung dienen dabei meist Rohdaten, die von den Unternehmen selbst zu verschiedenen Themenkreisen (z.B. CO2 Emissionen) bereitgestellt werden. „Unglücklicherweise sind die berechneten Scorewerte der vielen Anbieter am Markt nur sehr schwach korreliert,“ stellt dazu die Schweizer Gesellschaft I-CV Independent Credit View AG fest, „was auf den grossen Interpretationsspielraum, respektive die inhärente Subjektivität im Bewertungsprozess zurückzuführen ist. So spielen die Wertvorstellungen der einzelnen Anbieter in der Auswahl der relevanten Faktoren aber auch deren Gewichtung eine entscheidende Rolle.“

Zudem sind die berechneten ESG-Scores und Ratings fast ausschliesslich auf vergangenheitsbasiertes Zahlenmaterial abgestützt und hinken somit dem Markt weit hinterher, so lautet die Kritik. Zukunftsgerichtete Lösungen, die die erwartete Entwicklung des Unternehmens berücksichtigt sowie verstärkt auf das Engagement des Managements abstützt, sind nicht verfügbar.

„Beflügelt durch eine Vielzahl von Anbietern und regulatorischen Druck, hat inzwischen ein regelrechter Herdentrieb eingesetzt“, stellen die Analysten von I-CV fest. „Um sich keine Blösse zu geben, entscheiden sich immer mehr Investoren für teure Verlegenheitslösungen einiger grosser Anbieter, ohne tatsächlich zu verstehen, wie die Werte zustande kommen und wie diese die Anlageentscheide beeinflussen werden. Damit wird eine Differenzierung verunmöglicht und die Investoren werden oft unbewusst in dieselben marktfremden Verhaltensmuster gedrängt.“

Eine sinnvolle und stringente Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in den Anlageprozess stellt Vermögenverwalter, Pensionskassen und Versicherungen somit vor große Herausforderungen.

Die Independent Credit View AG (I-CV) hat zusammen mit Kunden ein Tool entwickelt, welches spezifisch auf die Bedürfnisse professioneller Investoren eingeht. „Ziel dabei war es,“ heißt es zur Vortellung des neuen Tools, „einen Herdentrieb, wie man ihn bei Credit Ratings seit Jahrzehnten kennt (forced selling: Zwangsverkauf bei Downgrade der grossen Agenturen), zu verhindern und anstelle einer Verlegenheitslösung ein effizientes, Anlageklassen-übergreifendes und massgeschneidertes System zur zukunftsgerichteten Evaluation und Klassifizierung von ESG-Risiken anzubieten.“

Anhand eines geführten Prozesses können die relevanten ESG-Risiken systematisch und konsistent überprüft und hinterfragt werden. Dabei sollen sich umfassende Rohdaten durch den I-CV ESG Radar auswerten lassen. Getreu dem Motto „the view behind the rating“ will I-CV somit eine Lösung bieten, mit welcher ESG-Scores nicht unbesehen übernommen, sondern kritisch beurteilt und hinterfragt werden.

Portfolio- und Risikomanager sind zu befähigen, im Datendschungel die Übersicht zu behalten und eine praxisnahe Unterstützung zu bieten, um die für den Anlageentscheid wesentlichen und prägenden Faktoren zu identifizieren. Ein individueller Wertekompass als Startpunkt soll dafür sorgen, welche ESG-Komponenten wie stark gewichtet und wie die Scores berechnet werden sollen.

„Der Investor entscheidet somit bewusst anhand seiner Wertvorstellungen,“ argumentiert I-CV, „wo er die Schwerpunkte setzen möchte, und berechnet so seinen persönlichen ESG-Score, welcher der Anlagestrategie entspricht. Falls gewünscht, kann je nach Strategie ein unterschiedlicher Wertekompass hinterlegt werden.“

Dieser Ansatz hebt sich zwar deutlich von den verfügbaren Lösungen ab, bei welchen der Investor die Wertvorstellungen des jeweiligen Anbieters unbewusst übernimmt und die Anlageentscheide wesentlich bestimmen lässt. Wie beim Credit Rating will aber die Fondsmanagerin oder der Fondsmanager gerade diese Arbeit der Gewichtung von Kriterien und Faktoren an kompetentere Analysten delegieren und die Verantwortung dafür nicht selbst übernehmen, da die Kernkompetenz auf anderem Gebiet liegt, wie beispielsweise Makrodaten oder technischer Analyse.

Der Benutzer hat mit dem ESG Radar die Wahl zwischen einem Best-in-Class Ansatz (Vergleich der Unternehmen innerhalb einer Peergruppe) oder einem Overall Ansatz. Das Tool erleichtert die Integration in den Anlageprozess von Vermögenverwaltern, Pensionskassen oder Versicherungen, da eine Vielzahl an Ausschlusskriterien granular erfasst und so das investierbare Universum individuell in Anlehnung an den Wertekompass bestimmt werden kann.

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EZB wird den „Normalisierungsprozess“ vorverlegen

Von Dr. Oliver Everling | 17.Mai 2022

Wenn es um die Geld-, Wirtschafts- und Finanzpolitik des letzten Jahrzehnts geht, kann von „Normalität“ nicht die Rede sein. Immerhin reichen die bisherigen Andeutungen eines Normalisierungsprozesses für Fondsmanager, ihre Strategien anzupassen. Auf die Straffungsmaßnahmen seitens der Notenbanken hat Paolo Bernardelli, Manager des 5,303 Milliarden Euro (Stand: 31.03.2022) schweren Epsilon Fund – Euro Bond (ISIN LU0278427041) reagiert und zuletzt die Duration seines Portfolios erhöht. Hier einige Fragen und Antworten von Paolo Bernardelli:

Wie schlagen sich Euro-Bonds in einem Umfeld hoher Inflation, steigender Zinsen und geopolitischer Krisen? 

Paolo Bernardelli: Die Performance in der ersten Jahreshälfte war für alle Anlageklassen schrecklich. Aktien, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen haben sich alle sehr schlecht entwickelt, in den meisten Fällen mit einer zweistelligen negativen Performance. Die Kombination aus einer viel höher als erwarteten Inflation und dem Wunsch der Zentralbanken, die Inflation zu bekämpfen und geldpolitische Anreize zu beseitigen, indem sie die Zinssätze erhöhen und die quantitative Lockerung aufheben, führte zu einem starken Anstieg der Renditen. Der Krieg verstärkt die negative Performance der Anlageklassen, wobei der Anstieg der Energiepreise zu einem weiteren Anstieg der Inflation und einem „Fly to quality“-Umfeld bei den Anlegern führt, insbesondere in Europa.

Welche Auswirkungen hat das geopolitische Umfeld auf die Anleihemärkte?

Bernardelli: Dieses Umfeld war für die Anleihemärkte sehr kompliziert und schwierig. Die Renditen und Spreads sind jetzt auf mittlere bis lange Sicht viel interessanter als in der Vergangenheit. Die Zentralbanken, angefangen bei der FED und schließlich der EZB, wechselten schnell von der dovishen zur hawkishen Seite. Sie hielten es für wichtiger, die Inflation zu bekämpfen, als sich mit den Problemen des geopolitischen Umfelds zu befassen. Daher gerieten die Renditen und Spreads nach einer langen Phase der Entspannung und der ständigen Suche nach Rendite in den ersten Monaten des Jahres unter Druck, insbesondere bei Unternehmensanleihen, die nun mit den höheren Renditen von Staatsanleihen konkurrieren müssen.

Wie wird sich die Inflation Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?

Bernardelli: Es ist sehr wahrscheinlich, dass sowohl die Gesamtinflationsrate als auch die Kerninflationsrate in der Eurozone in den nächsten Monaten weiter ansteigen oder hoch bleiben wird und auch in den Jahren 2022 und 2023 über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank liegen wird. Für die hohe Inflationsrate gibt es mehrere Gründe: Die Versorgungsunterbrechung in China, der Schock bei der Rohstoffversorgung aufgrund der Sanktionen gegen Russland, der Beginn des Krieges zwischen Russland und der Ukraine und die Energiewende. Es ist zu erwarten, dass diese Faktoren in den nächsten Monaten anhalten werden, da die Null-Covid-Politik in China gegen die Omicron-Variante fortgeführt wird und die aggressive Konfrontation zwischen Russland und dem Westen zu weiteren Sanktionen führen dürfte.

Welche Auswirkungen werden diese Entwicklungen Ihrer Meinung nach auf das europäische oder globale Wirtschaftswachstum haben?

Bernardelli: Im letzten Quartal schien der Auftrieb durch die Wiedereröffnung nach der Pandemie die negativen Auswirkungen des Krieges mehr als auszugleichen, sowohl was die teuren Energiepreise als auch die wieder aufgetretenen Probleme in der Lieferkette betrifft. Es bleibt abzuwarten, wie lange dies anhalten wird. Das Vertrauen der Verbraucher und der Unternehmen zeigt bereits Anzeichen von Schwäche. Das Wirtschaftswachstum zum Jahresende wird davon abhängen, wie es um den Arbeitsmarkt bestellt ist und ob die Zentralbanken in der Lage sind, die Gesamtnachfrage so zu dämpfen, dass die Inflationskomponenten, die nicht mit dem Anstieg der Energiepreise und den Engpässen zusammenhängen, verringert werden, ohne eine übermäßige Verlangsamung der Konjunktur zu verursachen.

Wie wird die EZB kurz- und mittelfristig reagieren – welches Vorgehen ist hier absehbar?

Bernardelli: Die EZB hat Anfang des Jahres ihre geldpolitische Strategie geändert und klargestellt, dass der Prozess der Normalisierung früher als erwartet beginnen wird. Die Reihenfolge des Ausstiegs sieht das Ende des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten im dritten Quartal und dann die Anhebung der Zinssätze vor. Der unerwartete Anstieg der Inflation hat den Zeitpunkt des Ausstiegs beschleunigt, wobei die erste Anhebung für Juli und mehr als drei Anhebungen für Dezember vorgesehen sind, sodass der Einlagensatz zum ersten Mal seit 2014 im positiven Bereich liegen wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die EZB den Normalisierungsprozess vorverlegen wird, um zu vermeiden, dass sich die Inflationserwartungen abschwächen, und um die Phase der negativen Zinssätze zu beenden, bevor eine mögliche Konjunkturabschwächung eine weitere Straffung der Geldpolitik erschwert.

Wie haben Sie Ihren Epsilon Fund – Euro Bond an die jüngsten Ereignisse angepasst? 

Bernardelli: Die wichtigste Änderung in der Vermögensallokation des Fonds war eine Erhöhung der Duration im April und Anfang Mai. Die Renditen sind sehr schnell gestiegen, insbesondere bei Anleihen mit kurzen Laufzeiten. Daher haben wir beschlossen, unser Engagement in der Duration zu erhöhen, die in den letzten Monaten und Jahren im Vergleich zur Benchmark im Durchschnitt sehr vorsichtig war. Der Fonds ist ein reiner Euro-Staatsanleihenfonds, und wir legen nie mehr als 10 Prozent unseres Vermögens in Anlageklassen außerhalb der Benchmark an. In Anbetracht dieses internen Limits sind wir der Meinung, dass der Markt für Investment-Grade-Anleihen nun beginnt, eine angemessene Rendite zu bieten. Daher investieren wir in ein Portfolio grüner Unternehmensanleihen. Auf dem Markt für Hochzinsanleihen veranlasste uns die Ausweitung der Spreads dazu, in Derivate zu investieren, die ein Engagement in hoch bewerteten Hochzinsanleihen ermöglichen.

Welche Vorteile bieten grüne Unternehmensanleihen?

Bernardelli: Wir haben uns aus mehreren Gründen dazu entschlossen, diese Strategie in den Fonds aufzunehmen. Die grüne Anlageklasse bietet dem Anleger die Möglichkeit, Projekte zu finanzieren, die positive Auswirkungen auf die Umwelt und/oder das Klima haben, gleichzeitig erhöht die Investition in grüne Vermögenswerte die Portfoliodiversifizierung und bietet unseren Kunden eine bessere Risikobewertung.

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Gesund – finanziell und mental

Von Dr. Oliver Everling | 17.Mai 2022

Finanzielle Gesundheit – weil ein Coachinggespräch Menschen verändern kann: Hinter dem Beratungswunsch von Kunden bei Banken, Sparkassen und freien Finanzdienstleistern steckt oft viel mehr als die Suche nach dem passenden Finanzprodukt. Auch berufliche und private Herausforderungen sind häufig mit Fragen zu Geld und Risiko verbunden. In der Ausbildung zum FCM Finanz Coach® erhalten die Teilnehmer ein vertieftes Verständnis für die mental emotionalen Seiten von Geld und Risiko.

In diesem Jahr sind Daniela Gurn aus Bonn, Nina Leder aus Stuttgart, Andree de Boer aus Hamburg, Andreas Russmann aus Kressbonn und Markus Marquardt aus Valley bei München mit acht weiteren Menschen in der Ausbildung und auf dem Weg zur Zertifizierung zum FCM Finanz Coach®.

Außergewöhnlich großes Interesse an Menschen und Begeisterung für Finanzen sind die wichtigsten Vorrausetzungen für diese Aufgabe. FCM Finanzcoaches möchten, dass ihre Klienten das gesamte Potential, das sie in sich tragen, zum Erreichen einer Lösung nutzen.

„Was mich immer wieder beeindruckt, ist die Offenheit, mit der uns die Klienten ihre brennenden Fragen zu Geld anvertrauen. Umso wichtiger ist die Professionalisierung von Finanzcoaching“, sagt Monika Müller.

Dazu sind die Teilnehmer bereit, Finanzcoaching von der Pike auf zu lernen. Die akkreditierte Coachingsausbildung von FCM bietet dafür einen umfangreichen Prozess. Neben der Teilnahme an interaktiven Seminaren, der Reflexion der eigenen Entwicklung als Finanzentscheider und Finanzcoach, kommt insbesondere die Evaluation von Coachings gemäß Standards der acht Kernkompetenzen der ICF (International Coach Federation) zur Anwendung.

Finanzielle Gesundheit erreicht, wer bewusst gute Finanzentscheidungen trifft. Dazu tragen in Zukunft immer mehr FCM Finanz Coaches® mit dieser neuen Dienstleistung bei. Das besondere an der Zusammensetzung: Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie Daniela Gurn, Nina Leder, Andree de Boer, Andreas Russmann und Markus Marquardt kommen aus unterschiedlichsten Berufen und Altersstufen. Sie sprechen die Sprache und teilen Werte unterschiedlichster Zielgruppen.

Die Coachingausbildung wird von Monika Müller, selbst Master Certified Coach (ICF) und seit mehr als 20 Jahren Geschäftsleiterin von FCM Finanz Coaching, seit 2013 im gesamten deutschsprachigen Raum angeboten. In 8 Seminaren über 18 Monate verteilt erlernen die Teilnehmer Fragen und Interventionen, um Geld, Finanzen und Finanzentscheidungen als zentrale Themen im Coaching zu adressieren. Die Ausbildung ist vom größten weltweiten Coachingverband (ICF) akkreditiert (ACSTH).

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Geschäfte für Hörgeräte verdreifacht

Von Dr. Oliver Everling | 16.Mai 2022

Die sich ändernden Prioritäten und Verbrauchergewohnheiten des Vereinigten Königreichs sind in den sich ständig weiterentwickelnden Hauptstraßen zu sehen, wie eine neue Analyse von Experian zeigt.

Die Analyse zeichnet die Veränderungen von mehr als 2.000 Einzelhandelsstandorten auf und bietet eine detaillierte Momentaufnahme davon, wie sich die Einkaufsstraßen des Landes verändert haben und die sich ändernden Verbrauchergewohnheiten spiegeln.

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie ist die Zahl der Hundefriseuren um 154 % und der Tierärzte um 17 % gestiegen. Vegetarische Restaurants (117 %), Cafés (20 %), Mikrobrauereien (19 %) und Cafés (18 %) haben alle seit 2015 ein deutliches Wachstum verzeichnet, was die Vorlieben junger Verbraucher und Familien verdeutlicht, die unabhängige Geschäfte schätzen.

In Anspielung auf die alternde Bevölkerung hat auch die Zahl der Geschäfte, die Hörgeräte anbieten, erheblich zugenommen (221 %). Die Beschleunigung des E-Commerce hat zwangsläufig auch erhebliche Auswirkungen auf die Art der Ladenöffnungen und -schließungen. Frühere Experian-Analysen ergaben, dass die Online-Einzelhandelsumsätze in nur 12 Monaten das erwartete Wachstum von vier Jahren erlebten, und der Anstieg der Lagerfläche (124 %) spiegelt das Wachstum von Logistik- und Lieferunternehmen wider.

Da viele Menschen ihre Bankgeschäfte jetzt online oder über ihr Mobiltelefon erledigen, ist die Zahl der Bankfilialen um 30 % zurückgegangen. Sowohl Damen- (-47 %) als auch Herrenbekleidungsgeschäfte (-26 %) verzeichneten seit 2015 große Rückgänge, während auf Elektronik spezialisierte Einzelhändler um 53 % zurückgingen.

Durch den Anstieg der Online-Buchung von Reisen ist die Zahl der Reisebüros um 15 % gesunken, und da diejenigen, die gerne flattern, dies jetzt wahrscheinlich digital tun, ist auch die Zahl der Buchmacher um fast ein Fünftel gesunken (-19 %).

Colin Grieves, Geschäftsführer von Experian Marketing Services, sagte: „Der demografische Wandel inspiriert Unternehmen dazu, auf neue, sich entwickelnde Verbraucheranforderungen und -gewohnheiten einzugehen. „Die Leute schätzen ihre Hauptstraße als Ort, an dem sie Kontakte knüpfen und genießen können, anstatt nur das Nötigste einzukaufen, und bevorzugen unabhängige Geschäfte. Zum Beispiel widersetzt sich das Wachstum der Mikrobrauereien und der Craft-Bier-Industrie dem Trend des breiteren Pub-Sektors, während die Popularität von Nischenrestaurants auf einen neuen gesundheitsbewussten Verbraucher hinweist.

„Für Einzelhandelsentwickler und -planer bedeutet das Verständnis dieser Änderungen, dass sie ihre vorgeschlagenen Standorte für die Entwicklung besser bewerten und sicherstellen können, dass sie den Anforderungen der lokalen Gemeinschaft entsprechen. Unsere Welt entwickelt sich ständig weiter und die Datenanalyse ist entscheidend, um diese Entscheidungen zu treffen und neue Unternehmen zu schaffen, die in unseren Einkaufsbereichen gedeihen können.“

Die Veränderungen in den Einkaufsvierteln sind auch auf flexibles Arbeiten zurückzuführen, da viele Arbeitnehmer jetzt mindestens ein paar Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten und jetzt mehr von ihrem verfügbaren Einkommen vor Ort ausgeben als in der Nähe ihrer Stadt Bürostandort.

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Autoherstellern gelingt Weitergabe der Kosten

Von Dr. Oliver Everling | 16.Mai 2022

Am 11. April zeigte der April-Verbraucherpreisindex (CPI) des Bureau of Labor Statistics, dass der Aufwärtsdruck auf die Preise weiterhin stark war. Saisonbereinigt legte der Index um 0,3 % zu, nachdem er im März um 1,2 % gestiegen war. Die jährliche US-Gesamtinflationsrate lag im April bei 8,3 % und ging leicht von 8,5 % im März zurück, lag aber immer noch auf einem der höchsten Werte seit den 1980er Jahren. Analysten von Moody’s Investors Service bezeichnen diese US-Gesamtinflationsrate als „atemberaubend“ („eyewatering“).

Die Gesamtinflation in den USA mag ihren Höchststand unterschritten haben, sagen die Experten von Moody’s, aber mit dem Anstieg der Kerninflation, die die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise ausblendet, könnte ein Rückgang der Inflation langsamer erfolgen als erwartet. Aufgrund der Breite und Tiefe der Kerninflation und des extrem angespannten Arbeitsmarktes erwarten die Analysten, dass die Federal Reserve gezwungen sein wird, die Inflation zügig zu straffen, um die Inflation zu zähmen, selbst wenn die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat.

Die Rohöl- und Benzinpreise stabilisierten sich im April und reduzierten die Energiekomponente des CPI um 2,7 %, nachdem sie im März auf 11 % gestiegen war und die Inflation nach der russischen Invasion in der Ukraine erheblich ankurbelte. Wenn die Energiepreise sinken, dürfte der Druck auf die Gesamtinflation nachlassen, prognostiziert Moody’s.

Die leichte Belastung durch die Energiepreise im April wurde jedoch durch gestiegene Lebensmittelpreise ausgeglichen, die im April um 0,9 % stiegen, nachdem sie seit Jahresbeginn jeden Monat um fast 1 % anschwellten waren. Die Kerninflation, ohne volatile Lebensmittel- und Energiekomponenten, stieg um 0,6 %, nach einem Plus von 0,3 % im März. Innerhalb der Kerngüterkomponente fielen die Preise für gebrauchte Autos und Lastwagen im April um 0,4 %, der dritte monatliche Rückgang in Folge, während die Preise für Neufahrzeuge um 1,1 % in die Höhe schnellten, da die stark aufgestaute Nachfrage es den Autoherstellern ermöglichte, höhere Inputkosten an die Käufer weiterzugeben.

Die Nachfrage nach Konsumgütern sieht Moody’s nahezu gesättigt, und die Haushaltsausgaben konzentrieren sich weiterhin auf Dienstleistungen, was wahrscheinlich einen Abwärtsdruck auf die Warenpreise und die Gesamtinflation ausüben wird. Der Nachholbedarf bei Dienstleistungen wie Reisen hat die Kosten für Unterkunft und öffentliche Verkehrsmittel im April in die Höhe getrieben.

Die Flugpreise stiegen aufgrund der Nachfrage und höherer Kerosinpreise im April um 18,6 %, nach einem Plus von 10,7 % im März. Vor der Sommerreisesaison dürften die Reisepreise nach Ansicht von Moody’s stabil bleiben, obwohl sich die Preissteigerungsrate verlangsamen wird, sobald sich die Nachfrage normalisiert.

Die Mietinflation hielt in den USA im April an, wobei die Mieten für einen Hauptwohnsitz um 0,6 % stiegen, verglichen mit einem Wachstum von 0,4 % im März, und die äquivalente Miete des Eigentümers für Wohnungen stieg in diesem Monat um 0,5 %. Eine Verschiebung der Präferenz der Haushalte für größere Flächen, unterstützt durch niedrige Hypothekenzinsen, hat im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Immobilienpreise geführt, wobei steigende Preise auch die Mieten in die Höhe getrieben haben.

„Wir gehen davon aus, dass höhere Zinssätze die Dynamik des Immobilienmarktes abschwächen werden. Da die Wohnkosten ein wichtiger Bestandteil des Konsumkorbs eines Haushalts sind,“ urteilen dei Analysten, „könnten höhere und starre Mietpreise Preisrückgänge anderswo ausgleichen und die Verbraucherpreise auf einem hohen Niveau halten.“

Aufgrund der starken Saisonalität rechnet Moody’s mit einem Höhepunkt des Mietpreiswachstums im Spätsommer/Frühherbst. Die Lohnwachstumsdynamik werde die wichtigste Determinante sein, die den mittelfristigen Inflationsdruck im Dienstleistungssektor beeinflusst.

„Von Lohn-Preis-Spiralen ist bisher wenig zu spüren“, stellen die Analysten fest. Die durchschnittlichen Stundenlöhne wuchsen im April langsamer, und das Wachstum der Nominallöhne scheint seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Die Fed sieht Moody’s vor die Herausforderung gestellt, die politische Unterstützung zu reduzieren, ohne die Wirtschaft übermäßig zu verlangsamen. Die Risiken liegen in den Fehltritten der Politik, macht die Ratingagentur klar: „Die volle Wirkung einer Straffung der Geldpolitik könnte verzögern, und die Fed könnte mit einer Situation konfrontiert werden, in der die Zinssätze restriktiv hoch sind, der Konsum der Haushalte jedoch zurückgegangen ist. Eine übermäßig restriktive Geldpolitik könnte die Wirtschaft in eine Art Rezession stürzen, was für die USA einem Rückgang des realen BIP um rund 1,5 Prozentpunkte von der Spitze bis zur Talsohle entspricht.“

Themen: Ratings | Kein Kommentar »

Entlastung im Formularwust für US-Arbeitgeber

Von Dr. Oliver Everling | 12.Mai 2022

Equifax erweitert seine mitarbeiterorientierte Produktsuite mit seiner State Forms-Lösung. Die verbesserte Lösung bietet eine vereinfachte Formularverwaltung, um US-Arbeitgebern dabei zu helfen, die Formularanforderungen der Bundesstaaten zu erfüllen, einschließlich der erforderlichen jährlichen Mitteilungen. Die Bündelung von staatlichen Formularen mit Diensten wie I-9-Management, staatlichen und bundesstaatlichen Quellensteuerformularen und Work Opportunity Tax Credits (WOTC) hilft Arbeitgebern, ihre eigenen benutzerdefinierten Formulare und Pakete nahtloser zu erstellen und mitarbeiterfreundlicher zu machen.

Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Zillow Group ist mehr als 1 von 10 Amerikanern während der Pandemie umgezogen, wobei die Befragten die Möglichkeit, aus der Ferne zu arbeiten, als Hauptgrund für ihre Entscheidung für einen Umzug anführten. Für Arbeitgeber, die in mehreren Staaten einstellen, kann es eine komplexe und entmutigende Aufgabe sein, mit den zahlreichen staatlichen Gesetzen Schritt zu halten, die neue Einstellungsformulare und jährliche Kündigungen regeln.

Die State Forms-Lösung von Equifax soll dabei helfen, diesen Prozess für Arbeitgeber zu automatisieren – von der Überwachung der staatlichen Anforderungen und der Verfolgung von Aktualisierungen bis hin zur Unterstützung von Arbeitgebern bei der besseren Verwaltung der Zustellung von Formularen an entfernte, interne oder hybrid arbeitende Mitarbeiter.

Equifax unterhält eine wachsende und anpassbare Auswahl an Formularen, auf die HR-Experten und Mitarbeiter über eine sichere Single-Sign-On-Technologie (SSO) zugreifen können. Darüber hinaus lässt sich die Lösung über eine API-Verbindung (Application Programming Interface) oder andere Integrationstechnologien nahtlos in die meisten Human Capital Management (HCM)-Systeme integrieren.

„Die Pandemie führte zu einer dramatischen Veränderung der Bereitschaft von Unternehmen, Remote-Arbeit in Betracht zu ziehen, und eröffnete einen landesweiten Talentpool. Die bundesstaatliche Belegschaft bringt jedoch auch neue Herausforderungen und Risiken für Arbeitgeber mit sich“, kommentierte Kate Devine-Elkins, Director, Product Management, Compliance-Lösungen bei Equifax Workforce Solutions, die Situation. „In einer Zeit, in der die Erwartungen der Mitarbeiter steigen und es wichtiger denn je ist, Talente zu halten, erfüllen die neuen Verbesserungen unseres State Forms-Dienstes unser Engagement, den Verwaltungsaufwand der Personalabteilung zu verringern und gleichzeitig den Arbeitgebern zu helfen, ihr Risiko besser zu mindern und die Voraussetzungen für eine positivere Mitarbeitererfahrung während des Onboardings und darüber hinaus zu schaffen.“

State Forms ist zusammen mit I-9 Management und WOTC-Management, das ein schnelleres und einfacheres Onboarding unterstützt, eine integrale Säule der Equifax Workforce Solutions Compliance Center-Lösungssuite zum Formularmanagement entlang des Mitarbeiterlebenszyklus, alles innerhalb einer anpassbaren Plattform, die sich nahtlos mit den meisten HCM-Systemen verbinden lässt.

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Moody’s sendet Weckruf an Länder und Kommunen

Von Dr. Oliver Everling | 12.Mai 2022

Die steigenden Energieausgaben der deutschen Kommunen sind für sie und ihre jeweiligen Bundesländer negativ, sagt Moody’s Investors Service in aller Deutlichkeit. Am 3. Mai zeigte eine Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, Aaa stabil), dass die Energieausgaben der deutschen Kommunen im Januar auf durchschnittlich 2 % ihrer gesamten Haushaltsausgaben gestiegen sind. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer gab an, dass sie trotz Gegenmaßnahmen möglicherweise neue Schulden aufnehmen werden, um die zusätzlichen Kosten zu bewältigen, ein !Kreditnegativ“, so Moody’s, für Kommunen und ihre Länder (Regionalregierungen), trotz historischer niedrige Zinsen.

Deutschlands Einzelhandelspreise für Strom und fossile Brennstoffe sind im Februar gegenüber 2019 um 40 % gestiegen, wobei ein Großteil des Anstiegs laut KfW in den letzten Monaten erfolgte. Bis Februar lagen die Verbraucherkosten allein für Erdgas um 32 % über dem Durchschnitt von 2021 und um 38 % im Vergleich zu 2019.

„Kommunen sind von steigenden Energiepreisen durch die gestiegenen Kosten für die Beheizung kommunaler Einrichtungen, Schulen, öffentlicher Verwaltungsgebäude und Energie betroffen“, so Moody’s. Die Agentur erinnert an Infrastruktur wie Schwimmbäder und Fitnessstudios, während die Preise für andere Waren und Dienstleistungen ebenfalls steigen.

Die Befragten der kommunalen KfW-Umfrage gaben an, dass sie es schwierig oder fast unmöglich fanden, die Energiepreissteigerungen zu verkraften, und erwägen verschiedene Maßnahmen zur Verwaltung, darunter die Erhöhung der Investitionen in Energieeffizienz, die Erhöhung der Verschuldung, die Kürzung anderer Haushaltsposten, die Erhöhung der Preise für Dienstleistungen, die Reduzierung der Investitionen und energieintensive Aktivitäten und kein ausgeglichenes Budget.

„Der institutionelle Rahmen bietet den Kommunalverwaltungen eine gewisse Flexibilität, um sowohl Ausgaben als auch Einnahmen zu verwalten“, sieht die Ratingagentur im internationalen Vergleich, aber auch innerhalb Deutschlands. „In dieser Hinsicht sind sie besser als die Bundesländer in der Lage, ihre Betriebseinnahmen und -ausgaben aktiv zu steuern und sich an sich ändernde wirtschaftliche Umstände anzupassen. Kommunen haben beispielsweise die Möglichkeit, lokale Steuern zu erhöhen, die Preise ihrer Dienstleistungen zu erhöhen und Investitionen anzupassen oder zu verschieben.“

Die internen Kontrollen und die Finanzplanung lokaler Regierungen sowie ihre Fähigkeit, Einnahmen- und Ausgabenströme genau vorherzusagen, sind Schlüsselelemente von Moody’s Governance-Bewertung. „Daher sehen wir den rechtzeitigen Umgang der Kommunen mit tatsächlichen oder erwarteten Änderungen der aktuellen wirtschaftlichen Umstände positiv.“

„Wir gehen jedoch davon aus,“ warnt Moody’s, „dass die Verschuldung der Kommunalverwaltungen weiter zunehmen wird, wodurch die finanzielle Flexibilität der Kommunen allmählich eingeschränkt wird. Dies führt zu einer Verringerung ihrer Mittel für allgemeine Investitionen und zu Verzögerungen bei anderen, weniger wichtigen Haushaltsposten.“

Die deutschen Bundesländer haben ihre Kommunalverwaltungen in der Vergangenheit durch verschiedene Maßnahmen, wie z. B. Entschuldungsprogramme, unterstützt, hebt Moody’s hervor. Die weniger verschuldeten Bundesländer wie Bayern (Aaa stabil), Baden-Württemberg (Aaa stabil), Sachsen und Hessen sieht Moody’s besser positioniert, um ihre Kommunen zu unterstützen.

Am 1. April kündigte Rheinland-Pfalz an, berichtet Moody’s, mehr als die Hälfte der rund 6 Milliarden Euro Kassenkredite von seinen Kommunen zu nehmen. Rheinland-Pfalz und seine Kommunalverwaltungen verzeichneten 2021 einen starken Überschuss, der von gestiegenen Körperschaftsteuereinnahmen profitierte, ein Großteil davon vom lokalen Unternehmen BioNTech SE, das erfolgreich mit Pfizer Inc. (A2 positiv) zusammenarbeitete, um einen COVID-19-Impfstoff herzustellen. Länder mit höherer Schuldenlast wie das Saarland, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt (Aa1 stabil) sind schwächer positioniert, um ihre Kommunen zu unterstützen, warnt Moody’s.

Themen: Kommunalrating | Kein Kommentar »

Energiesicherheit ein Schlüsselfaktor für die deutsche Wirtschaft

Von Dr. Oliver Everling | 10.Mai 2022

Die Märkte reagieren empfindlicher als der öffentliche Diskurs, schreibt Florian Eberhard, Analyst für das Online-Brokerhaus GKFX, in seinem Marktkommentar: „Jede noch so kleine Meldung bewegt die Kurse, aber sie erholen sich oft schneller, als die Nachrichtenlage es erwarten lassen würde. Hier kommt es jetzt darauf an, wie man das vorhandene Geld einsetzt. Ob ein Ende des Krieges die wirtschaftliche Entwicklung wieder anschiebt, ist fraglich, denn die Ukrainekrise offenbart insbesondere die starke Abhängigkeit Deutschlands von Energie und Rohstoffen. Bereits bestehende Probleme in den Lieferketten wurden jetzt durch neue Versorgungsengpässe nochmals verschärft.“

Dabei berichtet Florian Eberhard auch Positives über den Wirtschaftsstandort Deutschland: „In Grünheide wurde wenige Tage nach der endgültigen Genehmigung Teslas Gigafactory eröffnet. Erste Elektroautos laufen bereits von den Bändern. Intel baut ein milliardenteures Halbleiterwerk in der Nähe von Magdeburg. An vielen Standorten entstehen Batteriefabriken. Experten gehen davon aus, dass Deutschland in dieser Technologie sehr gut aufgestellt ist. Auch Startups machen von sich Reden. Die kleine, bayerische Firma Volocopter liefert bereits erste Flugtaxis nach Frankreich, die während der Olympiade 2022 den Pariser Stadtverkehr entlasten sollen. Das Luft- und Raumfahrtunternehmen Wingcopter hat einen Großauftrag für Lieferdrohnen aus den USA erhalten.“

Allerdings zeigen diese Beispiele auch, dass die Energiesicherheit ein Schlüsselfaktor für die deutsche Wirtschaft ist. „Um Unabhängigkeit in energiewirtschaftlichen Fragen herzustellen,“ so der Analyst weiter, „diskutiert die Politik inzwischen die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken und Kohlekraftwerken[2], von denen man sich in diesem Jahr noch weitgehend verabschieden wollte. Auch die Gasvorkommen in der Nordsee sollen erschlossen werden und 2024 genutzt werden – umweltfreundlich mit Elektrifizierung mittels Offshore-Windpark.“

Wenn es gelingt, die nationale Energieversorgung auf absehbare Zeit unabhängiger zu machen und zudem sichere Lieferketten für Rohstoffe zu schaffen, dann rechnet er mit einer starken Markterholung. Solange sich hier noch keine Lösungen zeigen, wird es wohl bei dem derzeitigen Auf und Ab an den Finanzmärkten bleiben. „Daytrader sollten die tägliche Nachrichtenlage genau verfolgen. Auch,“ spricht der Analyst für sein Online-Brokerhaus GKFX, „wenn man kein Rohstofftrader ist, lohnt ein Blick auf die Entwicklung in diesen Märkten. Weizen, Gas, WTI und Brent oder Metalle sind gute Indikatoren. Hier können über mögliche Korrelationen zu allen anderen Assetklassen, bis hin zum DAX, wichtige Trends ausgemacht werden.“

Themen: Aktienrating, Anleiherating, Branchenrating, Länderrating | Kein Kommentar »

Verkehrte Welt der ESG-Ratings und Rankings

Von Dr. Oliver Everling | 10.Mai 2022

Im Video-Interview „Jetzt streitbare Aktien kaufen?“ findet Martin Wirth mutige Worte mit Blick auf Ratings und Rankings zum Thema ESG, also der Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) in der Kapitalanlage. „Wir sind ja kein kirchlicher Diskussionszirkel“, sagt Martin Wirth mit Blick auf die Praxis des Fondsmanagements.

Außerdem sortiert Martin Wirth die Begriffe Inflation und Stagflation und verweist auf die Flexibilität, die Unternehmen bereits in der Pandemie bewiesen haben und auf die Preissetzungsmacht, die seine Zielunternehmen nutzen können.

Markus Wirth schöpft aus seiner Erfahrung mit deutschen Aktien seit 1990, heute als Gründer und Vorstand der  FPM Frankfurt Performance Management AG, zuvor mit Stationen als Portfoliomanager der Credit Suisse (Deutschland) AG, Aktienanalyst bei der Bank Julius Bär (Deutschland) AG und Aktienanalyst der Credit Suisse First Boston nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln, Abschluss als Diplom-Kaufmann.

Er erklärt seine Devise „Verantwortungsethik schlägt Gesinnungsethik“ und hinterfragt kritisch, warum Hersteller von Luxusgütern, die in erster Linie Absatzmärkte von russischen und chinesischen Oligarchen bedienen, als moralisch einwandfrei gelten und sich bester ESG-Rankings erfreuen, während Hersteller von Pflanzenschutzmitteln, die die Ernährung von Millionen von Menschen gewährleisten, in den ESG-Rankings ganz unten stehen.

„Wir sehen die Welt so, wie sie ist, und nicht, wie wir sie gerne hätten“, sagt Martin Wirth in seinem gelungenen Interview:

 

Themen: Nachhaltigkeitsrating | Kein Kommentar »

Markt attraktiv für Aktien Long/Short-Strategien

Von Dr. Oliver Everling | 10.Mai 2022

Im ersten Quartal 2022 kam es – mit Ausnahme von Rohstoffen – zu einem breiten Ausverkauf bei risikobehafteten Anlagen. Sowohl Aktien als auch Anleihen verzeichneten einen Verlust im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Der Jahresstart gestaltete sich auch für Hedgefonds schwierig, wie aus einem aktuellen Report der Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) hervorgeht.

Alternative Makro-Strategien könnten in den kommenden Monaten die stärkste Performance liefern. Infolge des Ukraine-Kriegs und der Zinswende der US-Notenbank stehen solche Strategien zwar Herausforderungen gegenüber. „Aus technischer Sicht ist der langfristige Trend für Makro-Strategien aber positiv“, schreibt Kier Boley, CIO Alternative Investment Solutions bei UBP, im jüngsten Quarterly Strategy Review & Outlook.

Dies zeigten die gleitenden Performance-Durchschnitte über die vergangenen zwölf Monate sowie drei und fünf Jahre. Zwischen verschiedenen Makro-Hedgefonds dürften nach Ansicht von UBP indes erhebliche Renditeunterschiede entstehen. So sind die Experten der UBP vorsichtig in Bezug auf Makro-Vehikel mit Währungsfokus, aber äußerst überzeugt von Rohstoff-Strategien.

Equity Long/Short Strategien haben im ersten Quartal 2022 gemessen am HFRI Equity Hedge (Total) Index per saldo 4,1 Prozent an Wert verloren. Ein erhöhtes Maß an Unsicherheit dürfte wahrscheinlich zu volatileren Märkten und kurzfristig ausgeprägten Korrekturen an den Märkten führen. „Das aktuelle Umfeld bleibt mittelfristig sehr attraktiv für Aktien Long/Short, insbesondere für Strategien mit niedrigem Marktexposure und dynamischem Exposure-Management, da höhere Volatilität und eine breitere Streuung der Ergebnisse das Chancenspektrum vergrößern“, ist Boley überzeugt.

„Der gezielte Einsatz von alternativen Anlagestrategien kann wesentlich zur Diversifikation und Renditeoptimierung institutioneller Portfolien beitragen. Gerade im aktuellen Umfeld können sich Investoren die hohe Volatilität über Liquid Alternatives zunutze machen“, ergänzt Thomas Body, Leiter von UBP Asset Management in Deutschland und Österreich.

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