Unabhängigkeit der FED auf der Watchlist

Von Dr. Oliver Everling | 29.August 2025

Die Debatte über die Unabhängigkeit von Zentralbanken begleitet die Märkte seit Jahrzehnten. Während die Theorie nahelegt, dass Notenbanken unabhängig von Regierungen handeln müssen, um Preisstabilität zu gewährleisten und politische Einflussnahmen zu verhindern, zeigt die Praxis, dass diese Unabhängigkeit nie absolut sein kann. Vielmehr spiegelt sie ein Spannungsfeld wider zwischen ökonomischer Expertise und politischer Macht, das sich im Falle der US-Notenbank Federal Reserve derzeit besonders zuspitzt.

Patrice Gautry, Chefvolkswirt der Union Bancaire Privée, weist in einem aktuellen Kommentar darauf hin, dass „die Märkte die Risiken einer Federal Reserve, die sich möglicherweise dem Willen der Trump-Regierung beugen könnte, noch nicht vollständig eingepreist“ haben. Hier zeigt sich die Fragilität der Institution: Formal unabhängig, faktisch aber eingebunden in ein Geflecht aus Interessen, das von den Gouverneuren der Fed bis hin zur politischen Exekutive reicht. Die Annahme, eine Notenbank könne völlig neutral agieren, übersieht, dass sie stets von Menschen geführt wird, die Werte, Überzeugungen und Karrieren haben – und diese stehen nie losgelöst von politischen Realitäten.

So sei es, wie Gautry schreibt, gar nicht im Interesse der Regierung, die Unabhängigkeit der Fed direkt zu zerstören: „Die Kosten wären zu hoch, da sie die Renditen in die Höhe treiben und den Dollar schwächen würden.“ Stattdessen liegt die Strategie darin, die institutionellen Mechanismen von innen heraus zu beeinflussen, indem „die Mehrheit der Fed-Gouverneure der geldpolitischen Doktrin der Regierung“ folgt. Damit wird die Illusion einer unabhängigen Fed gewahrt, während sie in Wirklichkeit Schritt für Schritt in die Logik politischer Macht eingebunden wird.

Die Überlegung, dass Notenbanken nie wirklich unabhängig sein können, ist keineswegs neu, gewinnt jedoch angesichts der aktuellen politischen Dynamik an Brisanz. Historisch haben Zentralbanken immer auch die Interessen jener vertreten, die sie führten. Sei es durch subtile Formen der Koordination mit Finanzministerien, durch den Druck von Regierungen in Krisenzeiten oder durch den Wunsch, wirtschaftliche Stabilität im Sinne der herrschenden Politik sicherzustellen – die Institutionen waren stets Teil eines Machtgefüges. Gautry macht deutlich, dass diese Entwicklung handfeste Folgen für die Märkte haben kann: „Bislang haben die Märkte das Risiko vorzeitiger Zinssenkungen durch eine der Regierung unterwürfige Fed nicht eingepreist.“ Die Vorstellung, dass der Markt rationale Erwartungen bildet, ist damit selbst ein fragiles Konstrukt, das auf Vertrauen in die institutionelle Unabhängigkeit angewiesen ist.

Für das Credit Rating von Staaten ist die Wahrnehmung dieser Unabhängigkeit von enormer Bedeutung. Sobald Zweifel aufkommen, ob die offiziellen Institutionen – sei es die Fed oder die Statistikbehörden – noch glaubwürdig handeln, entstehen Governance-Risiken, die weit über klassische ökonomische Indikatoren hinausgehen. Gautry warnt ausdrücklich davor: „Wenn Wirtschaftsdaten diskreditiert würden, weil sie nicht den Erwartungen der Regierung entsprechen, wenn diejenigen, die sie erstellen, abserviert würden oder wenn solche Daten gar nicht mehr veröffentlicht würden, könnte sich ein großes Governance-Risiko für die Kreditwürdigkeit der USA ergeben.“ Ratings leben von Vertrauen in Transparenz, Verlässlichkeit und Berechenbarkeit staatlicher Institutionen. Wenn dieses Vertrauen untergraben wird, entsteht ein Risikoaufschlag, der unmittelbar in die Refinanzierungskosten eines Landes einfließt.

Eine Fed, die „zu kaum mehr als einem Sprachrohr für politische Direktiven degradiert“ würde, so Gautry weiter, könnte kurzfristig zwar den politischen Zielen dienen – etwa durch niedrigere Zinsen –, langfristig jedoch den Dollar schwächen und die Stabilität der Märkte unterminieren. Genau hier liegt die Schnittstelle zwischen politischer Einflussnahme und Bonität: Ratings spiegeln nicht nur ökonomische Fundamentaldaten wider, sondern auch die Qualität der Institutionen, die diese Daten erzeugen und interpretieren. Eine Aushöhlung der Unabhängigkeit der Fed wäre daher nicht nur ein geldpolitisches Risiko, sondern ein strukturelles Risiko für die Kreditwürdigkeit der USA insgesamt.

Die Märkte haben sich laut Gautry bislang an die Unsicherheiten angepasst und suchen nach „Goldilocks“-Szenarien, die ein Gleichgewicht aus Wachstum und Stabilität suggerieren. Doch diese Stabilität ruht auf einem Fundament, das zunehmend von politischen Eingriffen erodiert wird. Für Investoren wie auch für Ratingagenturen stellt sich die Frage, ob die USA im Falle einer weiteren Machtverschiebung innerhalb der Institutionen den Charakter einer liberalen Marktwirtschaft beibehalten können oder ob Governance-Risiken zu einem dauerhaften Bestandteil der Risikoprämien werden.

Die Einsicht, dass Notenbanken nie völlig unabhängig sind, bedeutet daher nicht nur eine theoretische Relativierung eines Leitprinzips der modernen Ökonomie. Sie verweist vielmehr auf eine zentrale Variable für die Bewertung von Staaten und deren Anleihen: das Vertrauen in Institutionen. Für Credit Ratings ist es weniger entscheidend, ob Zinsen kurzfristig gesenkt oder erhöht werden, sondern ob die Institutionen, die diese Entscheidungen treffen, als glaubwürdig und unabhängig wahrgenommen werden. Genau diese Wahrnehmung steht in den USA zur Disposition – mit potenziell tiefgreifenden Konsequenzen für die Kreditwürdigkeit des Landes.

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SkillCampVR zeigt, wie Hard Skills im virtuellen Raum mit Präzision und Substanz vermittelt werden

Von Dr. Oliver Everling | 26.August 2025

SkillCampVR hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sich digitale Lernwelten erfolgreich mit handwerklicher Präzision und einem klaren Qualitätsanspruch verbinden lassen. Das Unternehmen hat sich mit seinen immersiven Trainingsumgebungen international etabliert und bietet Lösungen, die sowohl für die berufliche Weiterbildung als auch für die persönliche Entwicklung einen spürbaren Mehrwert schaffen. Dabei gelingt es SkillCampVR, den technologischen Fortschritt mit einer werthaltigen Identität zu verknüpfen – ein Ansatz, der in der jüngsten Einschätzung von Comgest zum Luxussektor ebenfalls als entscheidender Erfolgsfaktor hervorgehoben wird. So heißt es dort: „Luxus ist nicht gleich Luxus. Im aktuellen Marktumfeld zeigt sich, wie wichtig selektives Vorgehen ist – denn während der breite Luxussektor schwächelt, behaupten sich Unternehmen mit belastbarem Geschäftsmodell und klarer Identität.“ Was für Hermès oder Ferrari gilt, lässt sich auf SkillCampVR übertragen: Die Stärke liegt nicht allein in der Technologie, sondern in der Art, wie sie eingesetzt wird.

Während viele Anbieter virtueller Realitäten vor allem mit Effizienz, Skalierung und Geschwindigkeit argumentieren, setzt SkillCampVR auf Nachhaltigkeit, Tiefgang und eine klare Differenzierung. Die Programme sind so konzipiert, dass sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch unternehmenskulturelles und soziales Verständnis fördern. Damit entsteht eine Lernumgebung, die nicht austauschbar ist, sondern von Unternehmen wie auch Bildungseinrichtungen bewusst gewählt wird, um langfristige Kompetenzen aufzubauen. Der Erfolg zeigt sich in stetig wachsenden Nutzerzahlen und in der internationalen Nachfrage nach maßgeschneiderten Lösungen, die sich flexibel an Branchen und Unternehmensstrukturen anpassen lassen.

Auch die Parallele zum „Handwerk“ ist augenfällig: Während Hermès und Ferrari in der aufwendigen Fertigung ihrer Produkte zeigen, dass menschliche Präzision und Können selbst im Zeitalter von Automatisierung unverzichtbar bleiben, beweist SkillCampVR, dass didaktisches Wissen, psychologisches Fingerspitzengefühl und pädagogische Erfahrung die Basis für erfolgreiche digitale Lernwelten bilden. Technologie ist hier nicht Selbstzweck, sondern Werkzeug, das durch kluge Gestaltung und menschliche Expertise seinen vollen Wert entfaltet. Wie Petra Daroczi, ESG-Analystin und Portfoliomanagerin bei Comgest, in Bezug auf den Luxussektor hervorhebt: „Der Unterschied liegt nicht im Verzicht auf Technologie, sondern in der Entscheidung, wo der Mensch den Unterschied macht.“ Genau dieser Anspruch prägt die Arbeit von SkillCampVR und hebt das Unternehmen von vielen Wettbewerbern ab.

Dass SkillCampVR zudem konsequent in den Aufbau und die Weitergabe von Know-how investiert, verstärkt die strategische Position. So wie Hermès mit Ausbildungszentren oder Ferrari mit eigenen Berufsschulen ihr Wissen über Generationen sichern, entwickelt SkillCampVR kontinuierlich neue Trainingsmodule und kooperiert mit Hochschulen, um die nächste Generation von Fachkräften in virtuellen Lernumgebungen auszubilden. Dies ist mehr als nur Produktentwicklung – es ist ein spezifischer Ansatz, der die Lernidentität des Unternehmens dauerhaft stärkt.

Damit erfüllt SkillCampVR zentrale Kriterien, die Comgest als Basis nachhaltigen Erfolgs beschreibt: ein belastbares Geschäftsmodell, eine klare Identität und die Fähigkeit, das Unverwechselbare zum strategischen Wert zu machen. In einer Welt, die zunehmend auf Effizienz und schnelle Trends setzt, bietet das Unternehmen ein Beispiel dafür, wie Technologie und Handwerk, digitale Innovation und menschliche Präzision, kurzfristiger Nutzen und langfristige Substanz erfolgreich miteinander verbunden werden können.

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Die Sahm-Regel als Frühwarnsystem für Rezessionen und ihre Bedeutung im Credit Rating

Von Dr. Oliver Everling | 25.August 2025

Die sogenannte Sahm-Regel hat in den vergangenen Jahren sowohl in der wirtschaftspolitischen Debatte als auch in der Praxis der Finanzmärkte an Bedeutung gewonnen. Sie basiert auf einem einfachen, aber sehr wirksamen Indikator: Sobald der gleitende Dreimonatsdurchschnitt der Arbeitslosenquote um 0,5 Prozentpunkte oder mehr über dem niedrigsten Wert der letzten zwölf Monate liegt, signalisiert die Regel mit hoher Wahrscheinlichkeit den Beginn einer Rezession. Dieser empirisch belegte Zusammenhang wurde von der US-Ökonomin Claudia Sahm formuliert, um Politikern und Notenbanken ein rasches, leicht überprüfbares Instrument an die Hand zu geben. In den USA, wo die Datenqualität hoch und die Veröffentlichung zeitnah ist, entfaltet die Regel ihre größte Aussagekraft. Doch auch in Europa und insbesondere im Kontext von Bonitätsanalysen lässt sich die Regel sinnvoll anwenden.

Prof. Dr. Jan Viebig, Chief Investment Officer der ODDO BHF SE, weist in seiner aktuellen Markteinschätzung darauf hin, dass „Schwächezeichen am US-Arbeitsmarkt eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage andeuten könnten“. Dass Präsident Trump nach den schwachen Arbeitsmarktdaten für Juli die Leiterin des Bureau of Labor Statistics entlassen hat, mag politisch motiviert gewesen sein, doch ökonomisch entscheidend ist die Substanz der Zahlen: Ein nur schwaches Beschäftigungswachstum, steigende Jugendarbeitslosigkeit und eine insgesamt abnehmende Dynamik signalisieren ein erhöhtes Risiko. Noch ist die Schwelle der Sahm-Regel nicht erreicht, da der jüngste Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,1 auf 4,2 Prozent zu gering ist, um Alarm auszulösen. Doch die Tendenz ist entscheidend, und sie mahnt zu Wachsamkeit.

Für das Credit Rating spielt die Sahm-Regel eine doppelte Rolle. Zum einen kann sie in der makroökonomischen Analyse eingesetzt werden, um die konjunkturelle Ausgangslage zu bestimmen. Bonitätsprüfer von Staaten, aber auch von Unternehmen, die stark konjunkturabhängig sind, profitieren von einem Frühindikator, der Rezessionen historisch zuverlässig markiert hat. Je höher die Wahrscheinlichkeit einer Rezession, desto eher steigt auch das Ausfallrisiko – sei es bei Staatsschulden, Unternehmensanleihen oder Kreditportfolios. Zum anderen kann die Sahm-Regel helfen, politische Risiken in das Rating einzubeziehen: Reagieren Regierungen auf eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt mit erratischer oder populistischer Politik, wie es Trumps harter Kurs bei Zöllen und Migration zeigt, verstärkt dies die Unsicherheit und verschlechtert mittelbar die Kreditqualität.

Das Besondere an der Sahm-Regel ist ihre Einfachheit, die in der komplexen Welt der Bonitätsanalyse von Vorteil ist. Ratingagenturen stützen ihre Urteile zwar auf breite Datenmodelle, doch einzelne klare Signale wie die Arbeitsmarktregel können den Ausschlag geben, wenn es um die Interpretation von Trendbrüchen geht. Sie wirken als Trigger, der eine Neubewertung erzwingt, während schwankende Einzelindikatoren oft übersehen werden. Für Investoren, die sich an Ratings orientieren, bietet die Regel somit eine wertvolle Ergänzung, um rechtzeitig auf erhöhte Risiken reagieren zu können.

So zeigt sich: Auch wenn die Sahm-Regel ursprünglich aus der US-Wirtschaftspolitik kommt, hat sie längst Relevanz für die internationale Kapitalmarktanalyse und das Credit Rating gewonnen. Sie übersetzt die sensible Rolle des Arbeitsmarkts in ein klares Frühwarnsystem. Angesichts der aktuellen Abschwächung in den USA und der damit verbundenen politischen Unsicherheiten könnte sich ihr Einsatz schon bald erneut als unverzichtbar erweisen.

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US-Rating unter Druck: Schuldenlast, politische Einflussnahme und die Rolle der Fed

Von Dr. Oliver Everling | 21.August 2025

Das Rating der USA ist seit Jahrzehnten ein zentraler Indikator für die Stabilität des globalen Finanzsystems, doch angesichts der jüngsten Entwicklungen wird es zunehmend kritisch hinterfragt. Ratingagenturen bewerten nicht nur die ökonomische Stärke, sondern auch die Fähigkeit und den politischen Willen eines Staates, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. In den Vereinigten Staaten rückt dabei die eskalierende Verschuldungssituation stärker in den Fokus. Wie Carsten Mumm betont, ist „die US-Staatsverschuldung zuletzt auf ein Rekordniveau von mehr als 37 Billionen Dollar, oder rund 120 Prozent bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt gestiegen.“ Dieser Wert verdeutlicht, dass die Vereinigten Staaten längst nicht mehr durch unbegrenzte fiskalische Handlungsfreiheit abgesichert sind, sondern strukturelle Risiken aufgebaut haben, die sich in einem schwächeren Rating niederschlagen könnten.

Carsten Mumm ist Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL. Als anerkannter Kapitalmarkt- und Konjunkturexperte kommentiert er regelmäßig geld- und wirtschaftspolitische Entwicklungen und ordnet deren Auswirkungen auf Finanzmärkte und Realwirtschaft ein. Seine Einschätzungen genießen Gewicht, da sie sowohl die kurzfristigen Markterwartungen als auch die langfristigen ökonomischen Strukturen berücksichtigen.

Ein wesentlicher Aspekt ist die wachsende Abhängigkeit von kurzfristigen Staatsanleihen. „Ein Großteil davon wurde in den letzten Jahren über kurzfristige Staatsanleihen refinanziert und muss daher in den kommenden Monaten zu höheren Zinskonditionen verlängert werden“, heißt es in der Analyse. Das bedeutet, dass jede geldpolitische Entscheidung der Federal Reserve direkte Auswirkungen auf die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen hat. Der offen ausgetragene Konflikt zwischen Präsident Trump und Fed-Chef Jerome Powell hat diese Verflechtung noch verschärft. Mumm beschreibt den Druck aus Washington klar: „Es werden offen und teils in sehr unqualifizierter Weise deutliche Leitzinssenkungen gefordert, offiziell um der absehbaren konjunkturellen Abkühlung in den USA entgegenzuwirken. Der wichtigere Grund dürfte jedoch die desolate Haushaltslage des Staates sein.“

Genau hier beginnt die Gefahr für das US-Rating. Ratingagenturen achten nicht nur auf ökonomische Kennzahlen, sondern auch auf institutionelle Stabilität. Wenn der Eindruck entsteht, dass die unabhängige Notenbank nicht mehr allein datengetrieben, sondern politisch beeinflusst entscheidet, untergräbt dies das Vertrauen in die fiskalische Verlässlichkeit des Landes. Zudem sprechen die ökonomischen Daten gegen eine sofortige Zinssenkung. „Die Inflation lag im Juli mit 2,7 Prozent jedoch noch deutlich über dem Ziel von 2 Prozent“, während gleichzeitig die Löhne und Produzentenpreise weiter steigen. Ein solches Umfeld deutet auf nachhaltigen Inflationsdruck hin, den eine vorschnelle Lockerung der Geldpolitik nur verschärfen würde.

Ein schwächeres Rating für die USA hätte weitreichende Folgen. Schon eine kleine Abwertung könnte Investoren verunsichern und die Refinanzierungskosten weiter steigen lassen. Gleichzeitig würde der Dollar als Weltleitwährung unter Druck geraten, was globale Kapitalströme verschiebt und Schwellenländer destabilisieren könnte. Kurzfristig mag die Aussicht auf niedrigere Zinsen die Aktienmärkte stützen, doch langfristig ist entscheidend, ob die USA das Vertrauen in ihre fiskalische Stabilität bewahren können. Wenn der politische Druck auf die Fed weiter zunimmt und die Verschuldungsdynamik nicht eingedämmt wird, erscheint eine Herabstufung der Bonität nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Damit stünde das Fundament der weltweiten Finanzarchitektur auf wackeligeren Beinen, als es der Glanz der US-Wirtschaft momentan vermuten lässt.

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Von Gold zu Uber: Polleits Blick auf Chancen, Gewinn und Strategie

Von Dr. Oliver Everling | 21.August 2025

Dr. Thorsten Polleit ist Ökonom, Finanzanalyst und Herausgeber des „BOOM & BUST REPORT“, in dem er regelmäßig Bewertungen zu Märkten, Unternehmen und makroökonomischen Entwicklungen liefert. Sein Ansatz kombiniert makroökonomische Expertise mit detaillierter Analyse einzelner Unternehmen, wobei er sowohl Chancen als auch Risiken transparent darstellt. Polleit ist bekannt dafür, komplexe Finanzthemen verständlich aufzubereiten und zugleich praktische Hinweise für Anleger zu geben.

In seinem aktuellen Aktienmarkt-Kompass zu Uber Technologies Inc., veröffentlicht am 21. August 2025, nimmt Polleit das Geschäftsmodell des global tätigen Mobilitäts- und Logistikunternehmens unter die Lupe. Der Brief enthält sowohl eine gründliche Analyse der Unternehmensstruktur, Marktstellung und Finanzkennzahlen als auch Einschätzungen zu Chancen, Risiken und der künftigen Entwicklung. Gleichzeitig liefert der Bericht konkrete Anlagehinweise, wie etwa zur Bewertung der Aktie und zum Aktienrückkaufprogramm, wodurch er für Investoren zunehmend an praktischem Nutzen gewinnt.

Auf Basis dieses Briefes lassen sich auch wichtige Implikationen für die Kreditwürdigkeit von Uber ableiten. Polleit zeigt, dass das Unternehmen trotz früherer Verluste mittlerweile profitabel arbeitet und über solide Liquiditäts- und Eigenkapitalquoten verfügt. Gleichzeitig weist er auf die strategische Diversifikation und die inflationsresistente Struktur des Geschäftsmodells hin – Faktoren, die für Ratingagenturen bei der Beurteilung der Fähigkeit, finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen, besonders relevant sind.

Uber hat, wie Polleit festhält, 2023 erstmals einen Gewinn ausgewiesen und diesen 2024 auf 9,9 Mrd. US-Dollar gesteigert, bei einer Eigenkapitalrendite von 42 Prozent. Der Free-Cash-Flow wuchs im gleichen Zeitraum auf 1,6 Mrd. US-Dollar. Solche Entwicklungen stärken die Kreditwürdigkeit, da sie die Fähigkeit erhöhen, Zins- und Tilgungsverpflichtungen zuverlässig zu bedienen. Gleichzeitig ist das Unternehmen „Asset Light“ aufgestellt: Polleit beschreibt, dass Uber „nicht mit hohem Kapitaleinsatz“ arbeitet, wodurch es weniger anfällig für inflationär bedingte Kostensteigerungen ist. Preissteigerungen lassen sich weitgehend an die Endkunden weitergeben, was das Unternehmen quasi inflationsresistent macht.

Die solide Finanzlage und die strategische Marktposition spiegeln sich auch in den Credit Ratings wider: S&P Global Ratings stuft Uber aktuell mit „BBB“ bei stabilem Ausblick ein, während Fitch Ratings ein „BBB+“ mit positivem Ausblick vergibt. Diese Bewertungen unterstreichen, dass Uber als kreditwürdig gilt und Zugang zu Kapitalmärkten zu vergleichsweise günstigen Konditionen hat.

Die Mischung aus fundierter Analyse und konkreten Handlungsempfehlungen verleiht Polleits Brief einen praktischen Wert, der über reine Unternehmensbewertung hinausgeht. Für Ratingagenturen sind die von Polleit genannten Maßnahmen relevant, da sie finanzielle Stabilität, strategisches Risikomanagement und langfristige Wachstumschancen signalisieren. Insgesamt zeigt der Bericht, dass Uber dank starker Finanzkennzahlen, solider Bilanz, robuster Marktposition und bestätigter Investment-Grade-Ratings als kreditwürdig einzustufen ist, während der Brief von Polleit Anlegern gleichzeitig konkrete, praxisnahe Hinweise für Portfolioentscheidungen liefert.

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Weltordnung bleibt auf Schulden aufgebaut

Von Dr. Oliver Everling | 20.August 2025

„Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen 17 Jahren eine Phase erlebt, die Werner Krämer, Geschäftsführer und Senior Economic Analyst bei Lazard Asset Management Deutschland, als „goldenes Zeitalter“ bezeichnet. „Im Vergleich zu den G7-Staaten sahen wir hier die beste Entwicklung beim Bruttosozialprodukt und bei der Arbeitsproduktivität. Die USA führen bei Innovation und auf dem Aktienmarkt, bei der militärischen Stärke und bei der Soft Power, also kulturelle Werte und positive Außenwahrnehmung. In den letzten 17 Jahren haben die USA ein goldenes Zeitalter erlebt.“

Doch nach Ansicht Krämers ist diese Ära an ihr Ende gekommen. Die Vereinigten Staaten entfernten sich zunehmend von den Grundlagen ihres Erfolgs: Globalisierung, Freihandel und offene Märkte. „Was wir derzeit erleben, ist nichts weniger als eine neue Weltordnung“, warnt Krämer. Maßnahmen wie Steuersenkungen, die sonst als Wachstumsimpuls gelten, führten heute zu „gravierenden Ungleichgewichten“. Besonders kritisch sieht er die Folgen für die Staatsverschuldung, den Arbeitsmarkt und die Soft Power der USA.

Die Dimension der Verschuldung ist aus Sicht Krämers dramatisch: „Die Ausgaben für die Zinslast (zuletzt rund 1,1 Milliarden US-Dollar/Jahr) übertreffen inzwischen die Ausgaben für Verteidigung (zuletzt rund 855 Milliarden US-Dollar/Jahr).“ In Kombination mit einer restriktiven Einwanderungspolitik und Defiziten im Bildungswesen entstehe eine gefährliche Gemengelage, die nicht nur die US-Wirtschaft, sondern auch die internationale Ordnung betreffe.

Besondere Sorge bereiten Krämer die Währungsmärkte. Der US-Dollar sei so schwach wie seit 1971 nicht mehr, während alternative Anlageformen wie Gold, Bitcoin oder der Schweizer Franken gefragt seien. „Sollte die Rolle des US-Dollar als Reservewährung ernsthaft infrage gestellt werden, wären wir in einer anderen Welt“, betont Krämer. Zwar fehle derzeit eine wirkliche Alternative, insbesondere da der Rohstoffhandel in US-Dollar abgewickelt werde, doch die Signale seien eindeutig: „Das erste Quartal 2025 ist für den US-Dollar in der Breite – nicht nur gegenüber dem Euro – das schlechteste seit 1971 gewesen.“

Während sich die Devisenmärkte in Schieflage befinden, wirken die Anleihemärkte bislang erstaunlich stabil. Krämer verweist jedoch auf eine auffällige Entwicklung: „Credit Spreads zeigen den Aufpreis, den Emittenten für ein höheres Risikoprofil zahlen müssen. Doch der Unterschied zwischen vermeintlich sicheren Staatsanleihen und anderen Bonds ist historisch gering – und in den USA ist der Spread sogar noch enger als in Europa.“ Für ihn ist dies ein Signal, dass Investoren den Schuldenberg der Vereinigten Staaten kritisch sehen und die Finanzierung zunehmend teuer wird.

Die Analyse von Werner Krämer macht deutlich, dass die USA zwar noch immer das Flaggschiff der Weltwirtschaft sind, die Grundfesten dieser Position jedoch wanken. Eine neue Weltordnung sei im Entstehen – und sie sei „auf Schulden gebaut“.

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Plötzlicher Reichtum und Risikoprofiling

Von Dr. Oliver Everling | 20.August 2025

Millionär über Nacht: Eine repräsentative Umfrage der Soziallotterie freiheit+ hat im Juli 2025 unter 1.000 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren erhoben, welche Wünsche und Pläne die Deutschen hätten, wenn Geld keine Rolle mehr spielte. Deutlich wird, dass es weniger um spektakulären Konsum geht als vielmehr um Sicherheit, Unabhängigkeit und persönliche Verwirklichung. Jeder Vierte träumt von einer Weltreise, jeder Fünfte von den eigenen vier Wänden. Männer formulieren häufiger den Wunsch nach einem freien, ortsunabhängigen Leben, während Frauen stärker auf Stabilität durch Wohneigentum setzen. Junge Befragte würden das Geld eher investieren, ältere Befragte sehen den Reichtum eher als Möglichkeit, Reisen zu finanzieren. Mit einer Million Euro würde über ein Drittel der Befragten zuerst für das Alter vorsorgen oder investieren.

Diese Ergebnisse sind nicht nur ein Spiegel gesellschaftlicher Sehnsüchte, sondern auch ein Lehrstück für die Finanzbranche. Sie verdeutlichen, dass Anlageentscheidungen immer im Spannungsfeld zwischen Sicherheitsbedürfnis und Freiheitswunsch stehen. Geld eröffnet Optionen, aber es zwingt zugleich zur Priorisierung. Die Beratungspraxis kann von diesen Erkenntnissen unmittelbar profitieren, da sie die Heterogenität der Anlegerinteressen aufzeigt.

In dem gemeinsam mit Monika Müller verfassten Buch „Risikoprofiling mit Anlegern“ wird dieser Aspekt systematisch aufgegriffen. Der zentrale Gedanke: Anlegerinnen und Anleger treffen ihre Entscheidungen nicht ausschließlich auf Basis von Renditeerwartungen und Risikokennzahlen, sondern entlang ihrer persönlichen Lebensziele, Wertvorstellungen und emotionalen Veranlagungen. Deshalb werden in dem Buch praxisnahe Methoden vorgestellt, wie Finanzberaterinnen und Finanzberater die Risikoneigung ihrer Kunden präzise erfassen und in den Beratungskontext einordnen können. Es wird aufgezeigt, dass klassische Risikoklassen-Modelle allein nicht ausreichen, da sie psychologische Dimensionen ausblenden. Stattdessen sind Instrumente erforderlich, die systematisch nach den Motiven, Wünschen und biografischen Erfahrungen der Kunden fragen.

So lassen sich aus der Analyse nicht nur Risikopräferenzen ableiten, sondern auch Handlungsoptionen für die Beratungspraxis entwickeln. Ein Beispiel: Wenn jüngere Anleger stärker zu Investitionen neigen, wie die freiheit+-Umfrage belegt, sollte die Beratung nicht allein auf Wachstumschancen verweisen, sondern zugleich die Bedeutung einer langfristigen Absicherung herausstellen. Bei älteren Anlegern, die Reisen und Konsum stärker in den Vordergrund stellen, gilt es dagegen, die Liquiditätsplanung und die Absicherung des Lebensstandards hervorzuheben. Genau diese Brücke zwischen quantitativen Anlageparametern und qualitativen Lebenszielen ist Kernstück des Risikoprofilings.

Die neue freiheit+-Studie verdeutlicht, wie heterogen die Wünsche und Pläne im Umgang mit unverhofftem Reichtum sind. Für die Finanzberatung folgt daraus, dass Standardlösungen nicht genügen. Notwendig ist vielmehr eine Beratung, die die individuelle Lebenssituation ernst nimmt, Risikoprofile differenziert analysiert und Anlagestrategien daraus ableitet. Reichtum allein schafft keine Antworten, er schafft Entscheidungssituationen. Die Aufgabe professioneller Beratung besteht darin, diese Entscheidungen im Einklang mit den Zielen, Werten und Risikoneigungen der Anlegerinnen und Anleger zu gestalten.

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Fortführungsfonds im Aufschwung: Wie Credit Ratings Wachstumstrends im Private Equity absichern

Von Dr. Oliver Everling | 19.August 2025

Schroders Capital erwartet einen tiefgreifenden Wandel im Private-Equity-Markt. Laut einer neuen Untersuchung wird sich der globale Markt für Fortführungsinvestitionen – auch bekannt als GP-geführte Secondaries – in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich vervierfachen. In der Pressemitteilung heißt es: „In ihrem Basisszenario erwartet das Private-Equity-Team von Schroders Capital, dass die jährlichen Exit-Erlöse aus Fortführungsinvestitionen bis 2034 auf über 300 Mrd. US-Dollar steigen – ein Plus von 329 % gegenüber dem Stand von 2024.“ Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital, ergänzt: „Selbst unsere konservativen Schätzungen zeigen ein deutliches Wachstum des Marktes für Fortführungsinvestitionen.“

Nach Ansicht von Schroders Capital handelt es sich dabei nicht nur um ein vorübergehendes Phänomen, das aus der aktuell schwierigen Lage bei klassischen Exit-Strategien resultiert. Vielmehr sei der Trend überwiegend strukturell bedingt. „Unsere Analyse hingegen legt nahe, dass 80 % des Transaktionsvolumens im Jahr 2024 auf nachhaltigen, strukturellen Entwicklungen beruhen – und nicht auf zyklischen Effekten“, so Rode. Fortführungsinvestitionen würden es ermöglichen, erfolgreiche Portfoliounternehmen unter demselben Fondsmanagement weiterzuentwickeln, ohne dass ein Eigentümerwechsel notwendig werde.

Die Pressemitteilung hebt zudem hervor, dass diese Fonds effizientere Strukturen als klassische Buyouts bieten. Sie zeichnen sich durch geringere Gebühren, planbare Renditen und eine um 25 % schnellere Liquidation aus. Damit schaffen sie für Investoren eine attraktive Kombination aus Kostenvorteilen und verlässlicheren Cashflows. Besonders im unteren Mittelstand, also bei Unternehmen mit einem Wert von weniger als einer Milliarde US-Dollar, sieht Schroders Capital die größten Chancen. Dort böten niedrigere Einstiegsbewertungen, mehr Potenzial für operative Verbesserungen und eine größere Vielfalt an Exit-Optionen ein besonders attraktives Umfeld.

Gerade bei diesen Transaktionen können Credit Ratings eine entscheidende Rolle spielen. Sie helfen Investoren, die Bonität und Stabilität der zugrunde liegenden Unternehmen einzuschätzen, die oft nicht börsennotiert sind und daher weniger Transparenz bieten. Ein stabiles Rating untermauert die in der Analyse betonten Vorteile – etwa die „planbaren Renditen und schnellere Liquidität“ – und macht die Zuverlässigkeit der Cashflows nachvollziehbar. Damit erhöhen Ratings das Vertrauen von Banken, institutionellen Anlegern und weiteren Kapitalgebern.

Zudem können Ratings die Finanzierungskosten für Fortführungsvehikel senken und die Attraktivität neuer Kapitalzuflüsse steigern. Während Schroders Capital die Chancen struktureller Veränderungen hervorhebt, liefern Kreditbewertungen eine unabhängige Bestätigung dieser Einschätzung. Sie fungieren damit als Bindeglied zwischen den optimistischen Wachstumsprognosen und dem Sicherheitsbedürfnis der Investoren.

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Credit Ratings und Aktienstrategien: Auf der Suche nach dem Burggraben

Von Dr. Oliver Everling | 19.August 2025

Credit Ratings und die in einem Kommentar von Bertrand Cliquet, Portfoliomanager der Strategien Lazard Global Listed Infrastructure und Global Equity Franchise, beschriebenen Kriterien für Infrastruktur- und Franchise-Investitionen teilen eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: Beide Systeme beruhen auf der Fähigkeit, Erträge und Risiken langfristig verlässlich einzuschätzen. So wie Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners anhand stabiler Cashflows, planbarer Geschäftsmodelle und widerstandsfähiger Marktpositionen bewerten, orientieren sich auch die beschriebenen Strategien an Unternehmen, deren Ertragskraft vorhersehbar ist. Cliquet betont hierzu: „Beide Strategien – Infrastruktur und Franchise – eint ein gemeinsames Prinzip: Investitionsziele sind Unternehmen, deren Erträge sich gut prognostizieren lassen.“

Damit zeigt sich eine klare Parallele: Ratings spiegeln das Vertrauen in die zukünftige Zahlungsfähigkeit wider, während Investoren bei Infrastrukturwerten oder Franchise-Unternehmen auf Geschäftsmodelle setzen, die durch Regulierungen, Monopolstellungen oder starke Marken gegen externe Schocks abgesichert sind. Die Idee des ökonomischen „Burggrabens“, der Marktführer durch Skaleneffekte, Netzwerkeffekte oder hohe Wechselkosten schützt, entspricht funktional den Faktoren, die auch für ein starkes Kreditprofil entscheidend sind. Unternehmen mit solchen Vorteilen erhalten bessere Ratings, weil ihre Fähigkeit zur Schuldentilgung als besonders belastbar eingeschätzt wird.

Auch die Bedeutung makroökonomischer Rahmenbedingungen schafft Gemeinsamkeiten. Cliquet beschreibt den aktuellen Rückenwind für europäische Versorger durch Investitionsprogramme in Netzausbau, Energiewende und Versorgungssicherheit: „Für Versorger bedeutet das: stabile, inflationsgeschützte Renditen auf eine wachsende Anlage-Basis.“ Genau dieser planbare Cashflow ist es, den Ratingagenturen positiv berücksichtigen, wenn sie langfristige Bonitätseinschätzungen vornehmen.

Ebenso weisen die Risiken in beiden Systemen Parallelen auf. Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis oder eine scheinbar defensive Marktstellung reichen nicht aus, wenn strukturelle Veränderungen die Fundamentaldaten aushöhlen. Cliquet mahnt: „Ein niedriges KGV ist nur dann ein Kaufargument, wenn der Ertragsstrom nachhaltig ist.“ Dieselbe Logik gilt bei Ratings: eine formale Kennzahl wie Verschuldungsgrad oder Zinsdeckungsgrad erhält nur dann Gewicht, wenn die Stabilität des Geschäftsmodells die Zahlen untermauert.

Damit wird deutlich, dass sowohl bei Kreditratings als auch bei der Auswahl von Infrastruktur- und Franchise-Investments nicht der kurzfristige Marktpreis im Vordergrund steht, sondern die nachhaltige Qualität und Widerstandskraft der Ertragsbasis. Beide Systeme bieten Anlegern Orientierung, indem sie nicht nur Risiken abbilden, sondern auch die Vorhersehbarkeit und Zuverlässigkeit künftiger Rückflüsse ins Zentrum stellen.

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Zolldeal und Fed-Einfluss: Warum Tönnes US-Aktien vor Europa sieht

Von Dr. Oliver Everling | 11.August 2025

Der jüngste Zollkompromiss zwischen den USA und der EU könnte nach Ansicht von Kay-Peter Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management, den US-Aktienmärkten den Weg zu einer neuen Rekordrally ebnen – auch wenn dies die amerikanische Währung schwächen dürfte. Tönnes sieht in der Einigung eine klare Verschiebung der Kräfteverhältnisse zugunsten der USA: „Trump hat vermutlich mehr erreicht, als er ursprünglich beabsichtigt hatte. Und die EU hat nicht mehr bekommen als die Aussicht, dass es nicht noch schlimmer kommt.“

Die Bewertung des Deals fällt scharf aus: „Die EU ist als Tiger gesprungen und als Kätzchen gelandet.“ Aus Sicht des Strategen werde die EU daher kaum entschlossen gegen die Praktiken der US-Tech-Konzerne vorgehen, da dies „höchstwahrscheinlich sofort die Aufkündigung der erreichten Vereinbarung durch die US-Regierung“ provozieren würde.

Gleichzeitig deutet Tönnes auf einen weiteren strategischen Faktor hin: den wachsenden Einfluss der Trump-Administration auf die Federal Reserve. „Vielleicht nicht sofort, aber langfristig sollte dies zu einer lockereren Geldpolitik der Fed führen, als wir es aus der Vergangenheit gewohnt sind.“ Dies erhöhe zwar das Risiko einer Dollar-Schwäche, könne aber für US-Aktien „der Treibstoff für ganz neue Höhen“ sein. Aus diesem Grund empfiehlt der Stratege bei US-Investments eine Währungssicherung.

Langfristig sieht Tönnes die amerikanischen Aktienmärkte deutlich im Vorteil gegenüber Europa. Zwar sprächen niedrigere Bewertungen für die europäischen Märkte, „doch in einer dynamischen Welt dürfte das allein nicht ausreichen“. Fehlende Reformschritte in Europa und die geopolitische Vorsicht der EU gegenüber den USA könnten dafür sorgen, dass die Wall Street weiterhin das attraktivere Wachstumsprofil bietet.

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