DEFAMA jetzt auch in Staßfurt

Von Dr. Oliver Everling | 3.August 2018

Die Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA) meldet den Abschluss eines Kaufvertrages über ein Fachmarktzentrum in Staßfurt, etwa 40 Kilometer südlich von Magdeburg. Der Kaufpreis des aus zwei Gebäuden bestehenden Objektes beträgt 2,6 Mio. €. Bei Vollvermietung belaufen sich die jährlichen Nettomieterträge auf rund 290 T€.

Die vermietbare Fläche des zu 95% vermieteten Objektes umfasst insgesamt 3.300 qm. Größte Mieter des Fachmarktzentrums sind ALDI, ABC Schuhe und Vidrea Deutschland („Miller & Monroe“, vormals Charles Vögele). Daneben gibt es drei Büromieter. Der Standort liegt verkehrsgünstig und bestens sichtbar an einer Kreuzung zweier Hauptstraßen im Osten von Staßfurt.

Mit Abschluss der Transaktion steigt die annualisierte Jahresnettomiete der DEFAMA auf mehr als 8 Mio. €. Das Portfolio umfasst nunmehr 26 Standorte mit über 100.000 qm Nutzfläche, die zu 96% vermietet sind. Zu den größten Mietern zählen ALDI, EDEKA, LIDL, Netto, NORMA, Penny, REWE, Coop/Sky, Dänisches Bettenlager, Deichmann, Takko, Hammer und toom. Auf Basis des aktuellen Portfolios liegt der annualisierte FFO bei 3,9 Mio. €, entsprechend 1,10 € je Aktie.

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Logistik- und Industrieinvestmentmarkt Deutschland I 2018

Von Dr. Oliver Everling | 1.August 2018

IndustrialPort und Savills berichten über den Logistik- und Industrieinvestmentmarkt Deutschland: „Das Transaktionsvolumen belief sich im ersten Halbjahr 2018 auf 3,15 Mrd. Euro – ein Rückgang von 45 % gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, der angesichts der Rekordumsätze im Jahr 2017 jedoch zu erwarten war.“ In den Top-7-Logistikregionen, wo immerhin knapp die Hälfte des Transaktionsvolumens erwirtschaftet wurde, nahm der Umsatz demgegenüber lediglich um 14 % ab. „Obwohl die handelspolitischen Verwerfungen zwischen den USA einerseits und China sowie Europa andererseits über kurz oder lang wohl auch die deutsche Exportwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen dürften, ist am Logistikimmobilienmarkt von einer getrübten Stimmung bislang nichts zu spüren. Der E-Commerce-Boom befeuert hingegen die Flächennachfrage und die Mieten gleichermaßen und das lockt immer mehr Investoren ins Logistiksegment“, konstatiert Matthias Pink, Director / Head of Research Germany bei Savills.

Begründet liegt die Abnahme insbesondere im Rückgang der Transaktionen bei Logistikimmobilien (- 58 %), wohingegen die Umsätze bei Industrieimmobilien (+ 27 %) und speziell bei Gewerbeparks (+ 153 %) zunahmen. Auch hier wurden die Objekte überwiegend in den Top-7-Regionen gehandelt. Im Fokus der Investoren standen dabei fast ausnahmslos Produkte mit hoher Qualität in guten Makrolagen. So entfielen knapp 10 % des gesamten Transaktionsvolumens im ersten Halbjahr 2018 auf Projektentwicklungen. „Trotz der sehr guten Marktlage und des damit verbundenen Angebotsmangels in den Logistikregionen gibt es kaum Nachfrage nach Objekten in der logistischen Peripherie. Das Geld fließt vor allem in jene Lagen, in denen die Bevölkerungs- und Industriedichte am höchsten sind“, sagt Peter Salostowitz, Geschäftsführer beim Beratungsunternehmen IndustrialPort, das den Logistik- und Industrieinvestmentmarkt in Deutschland gemeinsam mit Savills analysiert.

Diese Verteilung der Aktivitäten ist primär auf die anhaltende Risikoaversion der Investoren zurückzuführen. „Angesichts des durch die politischen Umstände getrübten Umfeldes gehen wir davon aus, dass die Investoren risikoavers bleiben. Da zugleich von langfristig steigenden Mieten auszugehen ist, dürften die Spitzenrenditen in den kommenden Quartalen noch leicht zurückgehen“, so die Prognose von Marcus Lemli, CEO Germany und Head of Investment Europe bei Savills zum weiteren Marktgeschehen. Aktuell liegen diese bei 4,7 %.

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Arno Walters smarter Finanzbegleiter

Von Dr. Oliver Everling | 1.August 2018

Die comdirect Gruppe meldet für das erste Halbjahr 2018 ein Vorsteuerergebnis in Höhe von 48,0 Millionen Euro (Vorjahr: 50,9 Millionen Euro). Die Eigenkapitalrendite vor Steuern lag bei 15,5 Prozent (Vorjahr 17,4 Prozent), rechnet Arno Walter vor, Vorstandsvorsitzender der comdirect bank AG. „Gleichzeitig haben wir unser Wachstum im Kerngeschäft B2C mit über 100 Tausend Neukunden im ersten Halbjahr stark beschleunigt. Das zeigt, dass wir als smarter Finanzbegleiter für die Generation Mobile und als erste Adresse für das Sparen, Anlegen und Handeln mit Wertpapieren gut ankommen. Genauso soll es weitergehen. Mit dem vereinbarten Verkauf von ebase fokussieren wir uns noch stärker auf das Wachstum und die Weiterentwicklung unseres Kerngeschäfts. Für das Gesamtjahr streben wir ein Ergebnis von rund 145 Millionen Euro vor Steuern inklusive Wachstumsinvestitionen und mit einem erwarteten Einmalertrag aus dem ebase Verkauf an“, sagt Walter. Das würde dem folgend einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von rund 22 Prozent entsprechen.

Auf dem Weg zum smarten Finanzbegleiter für die Generation Mobile habe comdirect in den vergangenen Monaten weitere smarte Produkte und Services auf den Markt gebracht. Als erste Bank in Deutschland ermögliche comdirect seit Juli Überweisungen mit Google Assistant, dem Sprachassistenten von Google. Zudem könnten comdirect Kunden über den Google Assistant einfach und schnell ihren Konto- und Depotstand abfragen. Über Amazons Alexa erhalten Trader jetzt Push-Alerts, wenn eines der ausgewählten Wertpapiere ein bestimmtes Kurslimit über- oder unterschreitet.

Auch im Bereich Mobile Payment hat comdirect sieht Walter seine Bank in der Vorreiterrolle. So gehört comdirect zu den wenigen Banken, die Google Pay zum Deutschlandstart Ende Juni eingeführt haben. Android-Nutzer können einfach und sekundenschnell mit dem Smartphone zahlen.

Im Rahmen der Innovationspartnerschaft mit dem Deutschen Volleyball-Verband testet comdirect außerdem eine Bezahlfunktion mit Wearables. Das kontaktlose Bezahlen wird bei den deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften am Timmendorfer Strand mit einem Armband möglich sein. Partner und Mit-Initiator dieser Aktion ist Visa. Walter: „Als smarter Finanzbegleiter wollen wir unseren Kunden Lösungen bieten, die das Leben rund um alle finanziellen Themen einfacher und leichter machen. Mit dem Ausbau unserer Services beim Voice Banking und beim Mobile Payment sind wir hier jetzt einen großen Schritt vorangekommen.“

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Wer hat schon 60% FFO-Anstieg im ersten Halbjahr 2018?

Von Dr. Oliver Everling | 30.Juli 2018

Neue Zahlen von der Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA): Im ersten Halbjahr 2018 erzielte die Gesellschaft bei einem Umsatz von 4,23 (Vj. 2,45) Mio. € ein Ergeb­nis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 2,58 (1,58) Mio. €. Dabei wurde ein Ergebnis vor Steuern von 1.084 (744) T€ erwirtschaftet. Das Nettoergebnis betrug 854 (592) T€. Dies entspricht einem Gewinn von 0,24 (0,17) € je Aktie. Die Funds From Operations (FFO) erreichten 1.738 (1.089) T€ und erhöhten sich somit um 60% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

In den Zahlen enthalten waren nach Angaben der DEFAMA im ersten Halbjahr die Erträge von 23 Bestandsobjekten sowie ab Juni das Objekt in Hamm. Das Fachmarktzentrum Mylau kam erst im Juli hinzu. Durch die Erstkonsolidierung der Kolosseum Spreewald GmbH hat sich dabei ein Einmaleffekt im hohen fünfstelligen Bereich ergeben, der die Kennzahlen des zweiten Quartals positiv verzerrt. Weitere Objektkäufe könnten frühestens im Schlussquartal noch zusätzliche Erträge beisteuern.

Der Vorstand bekräftigt daher die Prognose eines Ergebnisses von Nettogewinns nach HGB von 1,75 Mio. €. Zugleich geht DEFAMA nunmehr davon aus, das Ziel eines FFO von 3,2 Mio. € zu übertreffen. Erwartet wird nun ein FFO von etwa 3,4 Mio. Euro. Die Prognose versteht sich weiterhin ohne Effekte aus dem Joint-Venture zu Radeberg. Der entsprechende Vertrag mit der HD Gruppe wurde im Juni unterzeichnet, die Abwicklung ist im Verlauf des zweiten Halbjahres vereinbart. Zum Bilanzstichtag des Halbjahresabschlusses ist das EKZ Radeberg daher noch voll konsolidiert.

Auf Basis des aktuellen Portfolios liegt der annualisierte FFO bei 3,8 Mio. €, entsprechend 1,07 € je Aktie. Da DEFAMA zum 30.6. über einen Cashbestand von rund 2 Mio. € verfügte, geht der Vorstand davon aus, den annualisierten FFO mit den vorhandenen liquiden Mitteln noch weiter steigern zu können.

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Bußgelder gegen Meinungsäußerungen

Von Dr. Oliver Everling | 24.Juli 2018

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat die Danske Bank, die Nordea Bank, die SEB, die Svenska Handelsbanken und die Swedbank jeweils mit 495.000 Euro belegt und fünf öffentliche Bekanntmachungen wegen fahrlässiger Verletzung der EU-Verordnung über Ratingagenturen (CRAR) herausgegeben. Die ESMA stellte fest, dass die fünf Banken die CRAR verletzt haben, indem sie Ratings ausgestellt haben, ohne von der ESMA dazu autorisiert worden zu sein.

Ratings sind Meinungsäußerungen und keine wissenschaftlich belegbare Tatsachenbehauptungen, soweit sie sich auf die vermutete zukünftige Zahlungsfähigkeit von Emittenten oder Emissionen beziehen und nicht eine bereits eingetretene Insolvenz konstatieren. Mit der Verhängung von Bußgeldern wird ein Schwachpunkt der EU-Regulierung über Ratingagenturen deutlich, da sie letztlich Meinungsäußerungen mit Bußgeldern bestraft.

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Überzählige Zahlungsverzögerungen

Von Dr. Oliver Everling | 24.Juli 2018

Zwei von drei Unternehmen (63 Prozent) in der Region Asien-Pazifik haben im vergangenen Jahr Zahlungsverzögerungen erlebt. Das ist ein Ergebnis einer Zahlungsstudie des internationalen Kreditversicherers Coface in neun Ländern. Dabei nahmen die ultralangen Überziehungen deutlich zu. 120 Tage und länger als vereinbart mussten 16,5 Prozent der Unternehmen auf ihr Geld warten, im Jahr zuvor waren es 12,5 Prozent. Die längsten Verzögerungen erlebten Unternehmen in China und Indien, am schnellsten bezahlt wurden Unternehmen in Malaysia, Taiwan und Japan. Bei den Branchen beklagten der Energie- und der Bausektor die höchsten Anteile an Überziehungen über 90 Tage.

Nach Erfahrungen von Coface werden Verzögerungen zum Risiko für die Liquidität, wenn sie länger als 90 Tage dauern und zwei Prozent des Umsatzes überschreiten. Bei einem Drittel (33 Prozent) der Unternehmen war das 2017 der Fall – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr (26 Prozent) um 7 Prozentpunkte. Noch gefährlicher dürften die Verzögerungen für 10 Prozent der Firmen gewesen sein, bei denen die Summe mindestens 10 Prozent des Umsatzes ausmachten. 2016 waren das noch 5 Prozent der befragten Unternehmen.

Als Hauptgründe für Zahlungsverzögerungen gaben die etwa 3000 auf die Fragen antwortenden Unternehmen aus China, Indien, Malaysia, Hong Kong, Japan, Australien, Singapur, Taiwan und Thailand finanzielle Probleme der Abnehmer aufgrund des verstärkten Wettbewerbs und Margendrucks an. Oft steht das in Verbindung mit mangelnden Finanzreserven.

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Arzthaftungsrecht

Von Dr. Oliver Everling | 13.Juli 2018

Der Vertrag über ein Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk ist vererbbar, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) am 12. Juli 2018. Demnach dürfen Erben unter bestimmten Bedingungen Einsicht in das Facebook-Konto eines Verstorbenen nehmen. Das Urteil, das breite Resonanz in den Medien fand (wer ist noch nicht auf Facebook?), zeigt die neuartigen Fragestellungen, die sich aus den „Social Media“ ergeben.

In der 6. Auflage des Standardwerkes „Arzthaftungsrecht – Leitfaden für die Praxis“ von Wolfgang Frahm und Dr. Alexander Walter spielen Facebook, Google, LinkedIn usw. noch keine Rolle. Ebenso sind hier noch keine Ausführungen zu den neuartigen Apps zu finden, die sich auf dem SmartPhone zwischen Arzt und Patient schalten.

So sammelt beispielsweise die App „Vivy“ ab August 2018 systematisch Patientendaten ein. Die App kombiniert Gesundheitsakte mit persönlicher Assistentin. „Du hast deine sämtlichen Arztbriefe, Befunde, Laborwerte oder Röntgenbilder immer zur Hand und bist unabhängig von Öffnungszeiten, Sprechstunden und Reisezeiten.“

Ob Impfpass oder Termine, wer mit dieser App arbeitet, sollte grobe Versäumnisse im Umgang mit der eigenen Gesundheit vermeiden können: „Je ganzheitlicher sich deine Ärzte über Vorerkrankungen informieren,“ heißt es auf vivy.com, „desto zielgerichteter wirken Therapien bei dir. Unnötige Mehrfachbehandlungen werden vermieden.“

Für die Ärzte ist eine solche App ein völlig neues „Erlebnis“. Die Reaktionen reichen von solchen, die problemlos mit dem Anbieter kooperieren, bis hin zu solchen, die ihre Patienten eigens anrufen und um Verständnis bitte, die dem Patienten zustehenden Daten nicht liefern zu wollen. Manche schicken dafür dem Patienten dann voreilig eine Rechnung für „ausführliche Beratung, auch telefonisch“, die sie wieder zurückziehen, oder liquidieren für einen „ausführlichen schriftlichen Krankheits- und Befundbericht (einschließlich Angaben) zuzüglich Schreibgebühr, je Kopie, und Portokosten“.

Was bei anderen Freien Berufen eine Selbstverständlichkeit ist, trifft bei Ärzten auf eine komplexe Sondersituation. Gleich ob Rechtsanwalt, Sachverständiger oder Gutachter, dem Mandanten stehen die Ergebnisse der Arbeit zu. Anders bei solchen Ärzten, die die Patientendaten lieber für sich behalten. Diese Art der Diskretion macht die Durchsetzung von Haftungsansprüchen gegen Ärzte schwierig. Dem Patienten fehlen sorgfältig gesammelte Beweise.

Frahm und Walter befassen sich in ihrem Buch schon lange vor dem jüngsten Urteil des BGH mit dem Einsichtsrecht nach dem Tode, nämlich dem des Patienten. „Nach dem Tode des Patienten geht der Anspruch auf Einsicht in die Krankenunterlagen insoweit auf seine Erben nach § 1922 BGB über, als ihm – etwa zur Klärung von Schadensersatzansprüchen – eine vermögensrechtliche Komponente zukommt und deshalb nicht ausschließlich von einem höchstpersönlichen Recht auszugehen ist. Dies ist nun in § 630g Abs. 3 BGB geregelt.“

Vor dem Hintergrund der Argumentation der Autoren und dem Urteil des BGH werden Erben künftig wohl auch die von einer App wie Vivy gesammelten Daten eines Tages einsehen dürfen, wenn ein Patient – trotz bester Betreuung durch die virtuelle Assistentin – verstorben ist.

Das Buch von Frahm und Walter ist aber nicht nur wegen der aktuellen Rechtsprechung interessant, sondern gehört auch generell in jede Anwaltssozietät, die sich mit dem Arzthaftungsrecht befasst, und sollte darüber hinaus auch Grundlage der Schulung von Ärzten in elementaren Rechtsfragen sein. Haftungsgrundlagen, Haftende und Haftung für Hilfspersonen, Haftung wegen Behandlungsfehler, Haftung wegen mangelhafter Eingriffs- und Risikoaufklärung (sogenannte ärztliche Eigenmacht), Verjährung und Verfahrensrechtliches finden hier eine umfassende Darstellung.

 

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Wer zahlt eine Billion Schulden?

Von Dr. Oliver Everling | 11.Juli 2018

In den vergangenen Monaten sind die Target2-Salden der verschiedenen Länder der Eurozone weiter auseinandergedriftet, beobachtet Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt & Leiter Research der DZ BANK: „Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB als zentralem Counterpart des Target2-Systems um etwa 70 Mrd. Euro auf gegenwärtig rund 976 Mrd. Euro (Stand Juni) erhöht.“

Neben Deutschland weisen, wenn auch in deutlich geringerem, aber dennoch bedeutendem Umfang derzeit, Luxemburg, Finnland und die Niederlande positive Target-Salden aus, berichtet Bielmeier. Im Gegenzug haben insbesondere Notenbanken der europäischen Peripherie in erheblichem Umfang Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem angehäuft. Spitzenreiter im negativen Sinne ist derzeit Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 464 Mrd. Euro. Dicht dahinter folgt Spanien mit einem negativen Saldo von 393 Mrd. Euro (Stand Mai).

Ob Deutschland auf fast einer Billion Euro Forderungen gegen andere Mitgliedsländer der Währungsunion sitzen bleiben könnte, ist seit der Euro-Staatsschuldenkrise in der Diskussion. Lesenswert nun die differenzierte Sicht von Bielmeier:

https://bielmeiersblog.dzbank.de/2018/07/11/target2-saldo-der-bundesbank-steigt-technisch-bedingt-realwirtschaftliche-risiken-sind-gering/

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Beschleunigte Upgrades

Von Dr. Oliver Everling | 6.Juli 2018

Die von den Ratingagenturen gemessenen Bonitätskennzahlen setzten auch in der ersten Jahreshälfte ihren Aufwärtstrend fort: Rund um den Globus gab es deutlich mehr Herauf- als Herabstufungen. „Obwohl schon das erste Quartal in dieser Hinsicht das beste seit der Finanzkrise war,“ kommentiert dazu Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management, „hat sich das Tempo der Upgrades im zweiten Quartal noch beschleunigt.“ Entgegen diesem fundamentalen Trend haben sich jedoch die Spreads von Hochzinsanleihen durch die Bank von ihren engsten Niveaus Ende Januar ausgeweitet, schreibt TwentyFour Asset Management. „Offenbar spüren die Marktteilnehmer das Ende des aktuellen Konjunkturzyklus nahen und sind zuletzt angesichts der möglichen Folgen eines sich zuspitzenden Handelskriegs vorsichtiger geworden.“

Auch die Performance-Daten der Hochzinsindizes sind für Holman gegenwärtig interessant. Aktuell notieren die Spreads des Pfund-Sterling-Indexes 130 Basispunkte weiter als am 26. Januar, beobachtet Holman, während sich der Euro-Index um 157 Basispunkte ausgehend von seinem Nachkrisentief am 31. Oktober letzten Jahres geweitet hat. „Als deutlich widerstandsfähiger erweisen sich dagegen die Spreads am Dollar-Markt: Ihren tiefsten Stand nach der Krise markierten sie am 20. April und haben seither nur geringfügig um 48 Basispunkte zugelegt.“ Holman findet dabei erwähnenswert, dass der Dollar-Index eine längere Laufzeit als seine europäischen Pendants hat und eine Stufe niedriger geratet wird. Das mache die Performance umso erstaunlicher.

„Wir haben unser Engagement in auf Dollar lautende Sub-Investment-Grade-Papiere auf den für uns historisch niedrigsten Stand zurückgefahren. Denn wir glauben,“ warnt Holman, „dass die niedrigen Renditen dieses Zyklus inzwischen hinter uns liegen.“

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Hört die Signale

Von Dr. Oliver Everling | 3.Juli 2018

Risse in der Eurozone, zunehmender Protektionismus, höhere Ölpreise, Kapitalabflüsse aus größeren Emerging Countries, gebremster Welthandel: Für den Kreditversicherer Coface werden die Risikosignale für die Weltwirtschaft immer lauter. Nachdem zu Beginn des Jahres bereits die Zuversicht aufgrund des steigenden Protektionismus gesunken ist, schwächt sich das Wachstum nun tatsächlich ab. Coface erwartet für die Industrieländer 2,2 Prozent in diesem und 2 Prozent im nächsten Jahr und für die Eurozone 2,1 Prozent 2018 und 1,8 Prozent 2019.

In den Industrieländern steigt das Kreditrisiko. Coface hat die Länderbewertung Italiens in A4 herabgestuft. Dort werden besonders de überschuldeten Unternehmen von möglichen härteren Kreditkonditionen betroffen sein. Eine Ausnahmen bilden derzeit die Vereinigten Staaten, wo das Wachstum sich noch nicht verlangsamt hat. Für die USA lautet die Coface-Prognose 2,7 Prozent in diesem Jahr nach 2,3 Prozent 2017.

Den Ölpreis erwartet Coface bei 70 bis 75 US-Dollar bis Ende dieses Jahres. Zum Durchschnittspreis 2017 wäre das eine Steigerung um 30 Prozent. Die gestiegenen Ölpreise wirken sich naturgemäß unterschiedlich auf Länder aus. Die exportierenden Nationen profitieren davon. Dazu gehören der Oman, dessen Länderbewertung sich in B verbessert hat, und Malaysia, das mit A3 bewertet ist. Dagegen geraten die Handelsbilanzen der importierenden Länder unter Druck. Verstärkend wirkt das nachlassende Interesse bei internationalen Investoren. In diesem Kontext hat Coface eine Reihe von Ländern herabgestuft: Argentinien, Türkei und Sri Lanka (jetzt alle in C), sowie Indien (jetzt B).

Im Zusammenhang mit den Ölpreisen sind die Erwartungen an den Energiesektor eher positiv. In fünf Ländern wurden die Risikobewertungen der Energiebranchen daher verbessert: USA („niedriges Risiko“), Kanada, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien und Frankreich (alle „mittleres Risiko“). In einigen Emerging Countries belastet der Währungsdruck vor allem Branchen, die auf den Import von Teilen und Anlagen angewiesen sind, um die Produktion im Inland aufrecht zu erhalten. Dies betrifft bereits den Bausektor in Argentinien, den Coface nun in der Kategorie „hohes Risiko“ sieht, sowie den Einzelhandel in Argentinien und in der Türkei, die in „sehr hohes Risiko“ herabgestuft wurden.

Die Vorzeichen eines Handelskrieges zu Beginn des Jahres sind inzwischen real geworden. Die protektionistische US-Politik betrifft bei den chinesischen Exporten auch Produkte der Informations- und Kommunikationstechnologie, so dass Coface die Branche in dem Land in die Kategorie „hohes Risiko“ herabgestuft hat. Unter den Ländern, denen die USA Zölle auf Stahl und Aluminium auferlegt hat, ist Kanada wohl am stärksten betroffen, denn 87 Prozent der Stahlproduktion gehen in die Vereinigten Staaten. Der Metallsektor Kanadas wurde daher in „sehr hohes Risiko“ herabgestuft. Im Gegenzug stieg der Metallsektor der USA in „mittleres Risiko“ auf.

Die Coface-Länderbewertungen für 160 Länder erfolgen auf einer achtstufigen Skala, aufsteigend nach dem Risiko von A1 (sehr niedrig), A2 (niedrig), A3 (noch gering), A4 (noch akzeptabel), B (nimmt spürbar zu), C (hoch), D (sehr hoch) bis E (extrem). Die Coface-Branchenbewertungen erfassen 13 Sektoren in sechs geografischen Regionen und 24 Ländern, die fast 85 Prozent des globalen BIP ausmachen. Die Skala hat vier Stufen: niedriges, mittleres, hohes und sehr hohes Risiko.

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