Bankenunion vollendet

Von Dr. Oliver Everling | 7.Juni 2018

Für Sparkassen sind nicht „vermutete Trends“ maßgeblich, sondern der tatsächliche Bedarf der Kunden, sagt Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands e.V. Das Jahr 2018 sei aber das „Jahr der Innovation“ für die Sparkassen.

Während sein Vorredner, Frank Strauß, Mitglied des Vorstands der Deutsche Bank AG, keinen Hehl daraus macht, dass sich die „Geschwister“ Postbank und Deutsche Bank zur Speerspitze in Deutschland zählen, dämpft Schleweis eher die Hoffnungen, dass sich Sparkassen auf interessante Experimente einlassen würden.

Schleweis gibt Beispiele für Innovationen, die bei den Sparkassen ausgerollt werden. Mit „YES“ kommen die Sparkassen mit einem Legitimationsdienst auf den Markt. Datensparsam, datensicher und höchst komfortabel sei dieser Dienst, bei dem einfach vorhandene Daten der Sparkassen genutzt werden. Die Sparkassen würden diese Daten alleine für sich behalten und nicht weitergeben.

„Die Filialen werden mit neuem Leben gefüllt, zum Treffpunkt für alle Bürger gemacht“, sagt Schleweis und sieht die Sparkassen durch die Finanzkrise hindurch als Stabilitätsanker: „In der Mitte der Finanzbranche ist ein steter Fluss. Dieser sind die Sparkassen.“

Durch die Regulierung der Banken sei „in Deutschland eine modellgesteuerte Planwirtschaft entstanden“, warnt Schleweis und warnt vor einem Bankenmarkt, in dem alle Banken wie Lemminge denselben Wegen folgen.

„Wir sind gegen eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung“, sagt Schleweis, denn die Bankenunion sei durch die einheitliche Einlagensicherung längst verwirklicht. Wer mehr wolle, dem gehe es nur um die Verschiebung von Lasten. „Wir in Deutschland haben stabile Einlagensicherungssysteme und die Kunden vertrauen darauf“, so müssten auch die anderen Länder ihre Hausaufgaben machen.

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Start in den 16. Internationalen Retail-Bankentag

Von Dr. Oliver Everling | 7.Juni 2018

Mit großem Erfolg veranstaltet die Börsen-Zeitung gemeinsam mit Diebold Nixdorf den Internationalen Retail-Bankentag nun zum sechszehnten Mal. Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung, sieht die Zusammenarbeit von Börsen-Zeitung und Diebold Nixdorf wie die von guten Geschwistern, die sich von Anfang an kennen. So freut sich Dr. Ulrich Näher, Senior Vice President von Diebold Nixdorf, mit der führenden Finanzzeitung Deutschlands zusammenzuarbeiten.

Dr. Detlef Fechtner, Stellvertretender Chefredakteur der Börsen-Zeitung, ruft die Teilnehmer des Retail-Bankentags dazu auf, ihre Mobiltelefone nicht aus-, sondern einzuschalten und den WLAN-Zugang zu nutzen. So befinden sich nun alle in einem gemeinsamen Datenraum , den Fechtner zum Test mit einer Frage nach dem künftigen Fußballweltmeister („Deutschland“), sondern auch zur Zukunft der Banken nutzt: In nur noch ganz wenigen Großstadtfilialen, ansonsten aber im Netz, glauben rund die Hälfte der Teilnehmer.

Frank Strauß, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank AG, spricht über „Zwei Marken – eine Bank: die neue Bank für Deutschland“ und deutet die Bemerkung von Dr. Jens Zinke in Bezug auf die erfolgreichen Geschwister für Postbank und Deutsche Bank. „Was gibt es Stärkeres als Geschwister, die zusammenhalten?!“ Mehr als 20 Millionen Privat- und Firmenkundne, mehr als 220 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen und viele weitere Indikatoren demonstrieren die gemeinsame Stärke der Geschwister.

Digitalisierung, neue Marktteilnehmer, verändertes Kundenverhalten, anhaltendes Niedrigzinsuumfeld und globalere Firmenkunden und wachsender Beratungsbedarf bestimmen die Aufstellung der Geschwister. Einfacher, digitaler und effizienter zu werden – all diesen Zielen seien die Geschwister nähergekommen. „Wir wollen mit zwei Marken wachsen, um die Synergien zu heben.“ Der Erfolg der Strategie entscheide sich aber an der Topline.

„Wir glauben an steigende Ertragspools in Deutschland“, sagt Strauß und verweist auf die wirtschaftliche Stärke Deutschlands, von der die Geschwister auch bei schwierigem Zinsumfeld profitieren könnten. „Wir richten uns auf niedrige Zinsen aus.“

„Transform the Core“ ist das neue Mantra für Postbank und Deutsche Bank. Alle Prozessthemen werden ausgedehnt, Investitionen erfolgen in Nutzung und Absatz. „Wir sehen klar das Thema mit den zusätzlichen Marktteilnehmern“, sagt Strauß mit Blich auf amazon usw. Schon im zweiten Halbjahr 2018 werde man mehr über Angebote für jüngere Kunden reden, deutet Strauß an. Digital Ventures starten mit der digitalen Plattform für Bank- und Nicht-Banking-Lösungen insbesondere für digital affine und eigen-verantwortlich handelnde Kunden.

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Deutsche Steuerzahler zur Rettung Italiens

Von Dr. Oliver Everling | 5.Juni 2018

Die Bildung einer populistischen Regierung in Italien hat die Finanzmärkte mit voller Wucht getroffen. Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt & Leiter Research der DZ BANK AG in Frankfurt am Main, sieht die Solvenz des italienischen Staats allerdings weniger durch überschießende Renditen gefährdet: „Weitaus problematischer wäre es, wenn sich Italiens Liquiditätslage rapide verschlechtern würde. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn die Käufer am Primärmarkt trotz hoher Renditen in den Streik treten würden. Italien dürfte ohne gesicherten Marktzugang kaum in der Lage sein, den Finanzaufwand aus eigener Kraft zu stemmen.“

Bielmeier sieht Rom in einem solchen Szenario rasch an dem Punkt, die E(W)U um finanzielle Hilfe bitten zu müssen. „Der ESM in Verbindung mit der EZB könnten eine sich verschärfende Krise womöglich auffangen, die Kosten und Risiken für die gesamte Währungsgemeinschaft wären aber immens und setzen den unbedingten Willen Roms und Brüssels voraus. Angesichts der politischen Differenzen wäre es fraglich, ob Italien um finanzielle Hilfe bitten und die Einzelstaaten diese auch gewähren würden – ESM-Hilfen bedürfen auch der Zustimmung des Bundestages.“

Nicht nur auf Ratings des Staates und Gebietskörperschaften würde sich der Druck bis tief in den spekulativen Bereich verstärken: Ohne Zugang zu den Finanzmärkten oder finanzielle Hilfe könnte Italien auf absehbare Zeit die Pleite drohen, die auch die Zahlungsfähigkeit etlicher italienischer Banken und sogar den Austritt aus der EWU nach sich ziehen könnte.

„Italien drohte dann ein abrupter Stillstand des Finanzsystems und außerdem eine verheerende Rezession,“ macht Bielmeier klar, „die auf den Rest der Eurozone ausstrahlen würde.“ Hohe Verlustrisiken bestünden vor allem für Banken aus dem Rest der Eurozone, deren Gesamtforderungen gegenüber italienischen Schuldnern sich auf 513 Mrd. Euro belaufen, auf französische Banken (310,8 Mrd. Euro) entfällt dabei der Löwenanteil.

„Aber auch die Staatshaushalte der EWU-Staaten würden durch einen Italexit massiv leiden. Die maximalen Verlustrisiken für die Deutsche Bundesbank allein, die letztlich den Steuerzahler träfen, liegen bei etwa 144 Mrd. Euro. Der Fortbestand der gesamten Eurozone könnte in diesem Szenario letztlich sowohl von der politischen Entschlossenheit der restlichen Mitgliedsstaaten als auch dem beherzten Eingreifen der EZB abhängen. Um ein solches Szenario abzuwenden und angesichts Italiens starker Verhandlungsposition dürfte die EU Entgegenkommen signalisieren. Hierzu könnten auch größere Investitionen zugesagt werden, die den Weg in Richtung einer Transferunion ebnen,“ warnt Bielmeier, „wenngleich der politische Widerstand in Kerneuropa groß sein dürfte.“

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Dr. Julian Hosp über Kryptowährungen

Von Dr. Oliver Everling | 2.Juni 2018

Das neue Buch von Dr. Julian Hosp „Kryptowährungen – Bitcoin, Ethereum, Blockchain, ICOs & Co. einfach erklärt“ darf sich auf reges Leserinteresse freuen.

Dr. Harald Mahrer, Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft der Republik Österreich, setzt dem Buch von Julian Hosp den richtigen Rahmen mit diesen Worten: „Für die Apologeten und Vordenker der Krypto-Ökonomie ist diese neue Form der Dezentralisierung der Systeme der Weg in Richtung eines möglichen Utopias, einer blockchainbasierten und gleichsam besseren und gerechteren Welt.“ Das Thema „Krypotwährungen“ weckt bei vielen Menschen Emotionen, die auch das Buch von Hosp wachruft.

Nun wurden schon eine Menge Bücher in vielen Sprachen über dieses Thema geschrieben. Daher sieht sich Hosp veranlasst, mit einem Zitat von Albert Einstein – „Wenn du es nicht einfach erklären kannst, verstehst du es nicht gut genug“ – zu begründen, warum er sich der Herausforderung eines neuen Buches stellt. Hosp zählt eine Reihe von Begriffen von Dingen auf, von denen heutzutage in vielen Medien schon zu lesen ist. „Genau deswegen habe ich dieses Buch geschrieben. Auf die einfachste Art und Weise werde ich all die oben genannten Dinge erklären, sodass sie sogar ein Zehnjähriger verstehen kann.“

Hosp kommt nicht vom Fach, sondern hat sechs Jahre lang Medizin in Österreich studiert und sich als Profisportler, Speaker und Autor betätigt und nutzt nun seine Fähigkeiten als Unternehmer und Blockchain-Experte.

Die Hoffnung auf schnellen Reichtum lockten ihn zum Bitcoin, als er von der „Wertsteigerung“ des Bitcoins aus Gesprächen mit Zufallsbekanntschaften Kenntnis bekam: „Mein erster Gedanke war: ‚Wow, hätte ich im Jahr 2011 die Summe von 1 000 US-Dollar investiert, hätte ich in nur drei Jahren eine Million US-Dollar verdient.‘ Ich hatte es 2011 als Betrug abgeschrieben, aber durch das Gespräch mit Toby und Paul war mein Interesse geweckt, und ich begann, das neue Thema zu erforschen.“

Hosp geht stillschweigend davon aus, dass der Leser wohl mit derselben Motivation zu seinem Buch greift. So stehen am Anfang seines Buches nicht Definitionen oder eine Einführung in die Problemstellung wie bei wissenschaftlicheren Werken, sondern Begeisterung, seine persönlichen Erlebnisse und Erfolge. „Jetzt, als ich im Jahr 2017 dieses Buch schreibe, wird unser Unternehmen TenX auf über eine halbe Milliarde US-Dollar geschätzt, und es ist spannend zu sehen, was als Nächstes passiert, nicht nur in Bezug auf TenX, sondern im gesamten Blockchain-Ökosystem.“

Für ein Buch im FinanzBUch Verlag eher ungewöhnlich ist der breite Raum, den der Verlag auf den ersten 30 Seiten dem Autor zur Selbstdarstellung gewährt. Hosp arbeitet auf allen führenden Plattformen von Facebook über Instagram, LinkedIn, Twitter bis YouTube an seinem Status als Star der Szene. „Wenn du noch mehr Details zu meiner Person erfahren möchtest, besuche mich auf meiner persönlichen Website (www.julian-hosp.de). Um zu sehen, was wir bei TenX tun, folge diesem Link: www.tenx.tech. Wenn du ein Buch über mein Leben vor der Begegnung mit Kryptowährungen lesen möchtest, geh auf Amazon und such nach ‚25 Geschichten für mein jüngeres Ich: Ein inspirierender und motivierender Leitfaden für smarte Abkürzungen im täglichen Leben für außergewöhnlichen Erfolg‚ beziehungsweise nach ‚Grenzenlos Erfolgreich: Das Nr. 1 30 Tage Programm – Fuer vollkommene Zufriedenheit, absolutes Glueck und ultimativen Erfolg‚, wenn du lernen möchtest, was knallhartes Mindset bedeutet.“

„Ich kann mir vorstellen, dass du nun am liebsten direkt damit einsteigen würdest, in Kryptowährungen zu investieren und damit Geld zu verdienen“, kommt Hosp zur Sache und ruft dazu auf, sich für ein Arbeitsbuch auf seiner Website zu registrieren. „Am Ende eines jeden Kapitels solltest du im Arbeitsbuch die Zusammenfassung der Dinge durcharbeiten, die du bisher gelernt haben solltest. Wenn du es noch nicht heruntergeladen hast, solltest du das spätestens jetzt tun.“

Wer sich von seiner Begeisterung mitreißen lässt, wird im Laufe der Lektüre bei genauerem Nachdenken leicht ernüchtert. So muss beispielsweise die Hoffnung zerstreut werden, völlig anonym zu bleiben, mehr Einfluss nehmen zu können oder endlich Gebühren für Zahlungstransaktionen loszuwerden. Statt Bankgebühren gibt es Minergebühren. „Theoretisch muss man keine Gebühren zahlen, doch da so viele Transaktionen gleichzeitig auftreten, würden Miner die eigene Transaktion erst sehr spät (in Jahren) bearbeiten, würde man ihnen keinen Anreiz für die schnellere Bearbeitung bieten.“

Auf Seite 81 ist Hosp soweit, sein Versprechen aus dem Vorkapitel einzulösen: „Diese Zusammenfassung sollte dazu taugen, einem Zehnjährigen erklären zu können, wie eine Blockchain oder Kryptowährung funktioniert.“ Tatsächlich gelingt es Hosp, die Funktionsweise so kurz und prägnant zu Papier zu bringen, wie man es nur selten so gut lesen kann.

Begeisterungsfähigen Lesern bietet das Buch die Chance, den Einstieg in eine Community aus Menschen zu finden, die ihren eigenen Jargon gefunden haben. Das Buch stattet den Leser mit den Begriffen zum Mitreden aus: Ob als User, Node oder Miner, jeder muss über Soft oder Hard Wallets, Orphan Blocks, Mining Difficulty, Hash-Rate oder Simple Payment Verification (SPV) ein paar Worte fallen lassen können, um in der Szene akzeptiert zu sein. Wer keine Meinung zu den neuesten Nachrichten über Soft-Fork, Hard-Fork, Replay-, Blockchain-, 51%- oder Sybil-Attacken hat, ist schnell „out“. Außerdem sollte man die wichtigsten Kryptowähruengen und ihre Tokens namentlich kennen.

Fans der Kryptowährungen pilgern zu Konferenzen, Tagungen, Kongressen, Seminaren, Meetings online und offline, um ihre Stars zu hören und zu sehen. Die Vielzahl der Spielregeln, die für Kryptowährungen erdacht werden, bieten stets neuen Stoff zur Unterhaltung. Die Reize des Networkings, des „Selber-Ausprobierens“ mit eigenen Wallets, des Gamblings um Gewinne und der Traum von schnellem Reichtum kommen hinzu.

Wie zu erwarten zerstreut Hosp eine Fülle von theoretischen und praktischen Bedenken gegen Blockchain-Technologie. Er vergisst aber nicht, auf unseriöse Geschäftemacher hinzuweisen und vor Risiken zu warnen. Die spannende Frage nach Lektüre des Buches bleibt, ob Regierungen oder Blockchain-Technologie in der Breite der Wirtschaft und der Bevölkerung auf Dauer mehr Vertrauen genießen werden. Hosp: „Blockchain-Technologie hat hauptsächlich dadurch ihre Daseinsberechtigung, dass wir einem zentralisierten System nicht trauen.“

Die Österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre dürfte dem promovierten Mediziner Hosp in seiner folgenden Aussage widersprechen: „Was eine Blockchain töten könnte, ist das volle Vertrauen einer Gemeinschaft in eine zentralisierte Macht.“ Hosp stellt nämlich die in den Wirtschaftswissenschaften herrschende Lehre von der „Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes“ nicht in Frage, so dass auch er übersieht, dass Geld letztlich nur eine einzige Funktion hat, nämlich die des Tauschmittels. Gäbe es das staatliche Zwangsgeldmonopol nicht, wäre jeder in der Wahl des Tauschmittels frei, so dass auch das Vertrauen in eine zentralisierte Macht kein Hinderungsgrund wäre, mit privat kontrollierter Blockchain-Technologie Zahlungen zu leisten.

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Umkehr

Von Udo Schäfer | 1.Juni 2018

In der westlichen Welt findet gerade ein Rückbildungsprozess des politischen Liberalismus statt. Reife Volkswirtschaften im Westen, die durch ein Netzwerk von Verträgen und Vereinbarungen verbunden sind, versuchen der Falle aus fehlendem nachhaltigen Wachstum, mangelnder Problemlösungskompetenz und enttäuschten Erwartungen ihrer Bürger zu entkommen. Um kurzfristig Erfolg im politischen Wettbewerb zu haben, lassen sich viele Politiker aus allen politischen Lagern zu kaum einlösbaren Wahlversprechen hinreißen und erzeugen Illusionen bezüglich ihrer Fähigkeit, die vorhandenen Probleme wirklich zu lösen oder wenigstens einzuhegen.

Damit demokratische Politik mit Werteorientierung wieder Vertrauen beim Bürger zurückgewinnen kann, muss das Leistungsprinzip in den politischen Prozess zurückkehren.Ein Weg, mehr Verantwortung durchzusetzen, ist, dass z.B. bei Wahlkämpfen Wahlaussagen mit der gleichen Strenge behandelt werden wie Veröffentlichungen in Börsenprospekten. Ich empfehle die Einrichtung einer Internetplattform auf der die Wahlaussagen nach Parteien und Fachgebieten getrennt hinterlegt werden. Für diese Wahlaussagen werden jeweils unabhängige Treuhänder benannt, die die einzelnen Aussagen entgegennehmen und in der folgenden Zeit deren Einhaltung selbst überwachen und durch weitere Beauftragte überwachen lassen.

Der Grad der Einhaltung des Wahlversprechens wird mit einem Punktesystem bewertet und mit einer Ampel in Farbe umgesetzt. Zusätzlich können Botschafter für einzelne Wahlversprechen von den Parteien benannt werden, die als Mahner und Förderer des jeweiligen Anliegens dem Bürger zur Verfügung stehen. Für jedes Wahlversprechen, das unterhalb einer Mindestpunktzahl bleibt, wird ein Reuegeld fällig. Ein Reuecoach muss dann dabei helfen, dass das gebrochene Wahlversprechen doch noch wenigstens teilweise umgesetzt wird oder muss erklären, dass dieses Versprechen von Vorneherein unrealistisch und zum Scheitern verurteilt war. Der Reuecoach kann anordnen, dass die verantwortlichen Versprechensbrecher auf eine Tour gehen müssen, in der sie die Bürger um Verzeihung bitten und Umkehr geloben. Das alles wird auch mit Unterstützung von Bildern und Symbolen auf der Plattform „Unser Versprechen“ eingetragen.

Das Punktesystem ist dann ein Baustein für ein Rating der Politik. Ratingagenturen mit Schwerpunkt Politik ermöglichen dann die Entstehung einer qualifizierten Analystenszene, die einzelne Bereiche der Politik, wie Außen-, Innen und Finanzpolitik genauer unter die Lupe nehmen können, als dies heute durch Professoren der Politikwissenschaft in den Medien geschieht. Nur so gelingt auch ein besserer und fruchtbringenderer Austausch zwischen Politik und Wirtschaft.

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Zombies bereiten Sorgen

Von Dr. Oliver Everling | 30.Mai 2018

In seinem Buch „Der Draghi-Crash“ warnt Dr. Markus Krall von Goetz Partners vor den Gefahren der verfehlten Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Angesichts der angeblichen „Alternativlosigkeit“ der Politik aus Überregulierung und Geldflutung wird jede warnende Stimme ins Abseits gerückt. Von der Sache her scheint aber auch das „Establishment“ der Banken, zu denen zweifellos auch die Genossenschaftsbanken gehören, Gefahren zu erkennen.

Die Analysten des DZ BANK Research sind in Sorge: „In den meisten europäischen Ländern sind die Firmenpleiten in den letzten Jahren zurückgegangen. Hierzu haben neben der konjunkturellen Erholung auch die extrem niedrigen Kreditzinsen beigetragen. Die daraus resultierende Kostenersparnis ist zwar erfreulich für die Unternehmen. Allerdings besteht die Gefahr, dass das langanhaltende Niedrigzinsumfeld die Entstehung von Zombie-Unternehmen begünstigt.“ Die Sorgen der Analysten richten sich auf die Zeit, wenn die Zinsen wieder signifikant steigen. „Das dürfte viele Zombie-Unternehmen überfordern und könnte eine Pleitewelle auslösen.“

Sorgen um eine kräftig wachsende Zahl an Insolvenzen bei einem Zinsanstieg müssen sich Portugal, Italien und Irland machen, urteilen die Analysten. „Hier deuten hohe NPL-Quoten auf eine stärkere Verbreitung von Zombie-Unternehmen hin. Im Falle von Italien kommt ein hoher Anteil kurzfristiger Kredite erschwerend hinzu, die für einen schnelleren Anstieg der Zinsaufwendungen bei den Unternehmen sorgen.“

Eine Pleitewelle bei Zombie-Unternehmen dämpft die konjunkturelle Entwicklung und kann in die Rezession führen, warnt das DZ BANK Research. Vor allem innerhalb des europäischen Binnenmarktes bestehe zudem die Gefahr, dass negative konjunkturelle Entwicklungen auch auf andere Staaten ausstrahlen.

„In Ländern mit angeschlagenem Bankensektor sind außerdem schwere Rückschläge im Reform- und Konsolidierungsprozess der Branche zu befürchten. Je länger die Niedrigzinsphase andauert,“ rechnen die Analysten aus, „desto größere Probleme stauen sich auf. Daher ist eine möglichst frühe, aber trotzdem in ihren Wirkungen kontrollierte geldpolitische Wende dringend geboten.“

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Attraktion der Schwellenländeranleihen

Von Dr. Oliver Everling | 30.Mai 2018

„Hohe Renditen dürften auch weiterhin eine Hauptattraktion von Schwellenländeranleihen bleiben“, sagt Michael Conelius, Portfolio Manager der Emerging Market Debt Strategie bei T. Rowe Price. „EM-Anleihen, sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen in Hart- und Lokalwährung, beinhalten derzeit eine Prämie zwischen drei Prozent und fünf Prozent gegenüber US-Staatsanleihen mit entsprechender Laufzeit. Dabei bieten gerade Lokalwährungs-Anleihen einige der höchsten Renditen.“

Ein weiterer attraktiver Faktor sei die Diversifizierung. Die Anlageklasse biete breite und vielfältige Anlagemöglichkeiten, im Volumen von rund sechs Billionen US-Dollar und somit in einer vergleichbaren Größenordnung wie US-Staats- und Investmentgrade Unternehmensanleihen.

„Angesichts dieses Umfangs ist ein selektiver Ansatz entscheidend“, sagt Conelius. Mit einem Dutzend ‚Mainstream‘ -Ländern, etwa 20 Tier 2 Ländern und rund 40 Frontier Markets böten EM-Anleihen Anlegern eine größere Bandbreite an Zinszyklen als die entwickelten Märkte. „Das verschafft aktiven Investoren sehr viele, attraktive Möglichkeiten. Im Jahr 2017 gab es in diesen Ländern zum Beispiel 82 Zinssenkungen und 34 Zinserhöhungen durch die Zentralbanken. Und im weiteren Jahresverlauf sind zusätzliche Zinsschritte wahrscheinlich.“

Die Aussicht auf eine straffere der Geldpolitik der Industrieländer, insbesondere der USA, könne als Risiko für EM-Anleihen gesehen werden. „Allerdings waren die Renditen von EM-Bonds in der Vergangenheit bei steigenden Zinsen in den USA relativ widerstandsfähig. Außerdem haben sie eine höhere Korrelation mit US-Zinsen als andere Fixed Income Anlagen, so dass sie von steigenden Zinsen möglicherweise sogar profitieren.“

Zusätzlich sieht Conelius die Fundamentaldaten der Schwellenländer stark. „Die globalen Wachstumsaussichten sind weiterhin positiv, sowohl in den Industrieländern als auch in den Schwellenländern, was den Welthandel ankurbeln sollte“, sagt Conelius. Die Leistungsbilanzsalden hätten sich in den vergangenen Jahren dramatisch verbessert. Die Defizite wären insgesamt stark zurückgegangen und die Verschuldung der Schwellenländer sei seit dem Höchststand von 2015 ebenfalls spürbar gesunken. „Die großen Volkswirtschaften Brasilien und Russland lassen ihre jeweilige Rezession gerade hinter sich, was den Emerging Markets außerdem weiteren Auftrieb geben könnte.“

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Sondereffekte durch Repatriierung

Von Dr. Oliver Everling | 18.Mai 2018

Derzeit dominieren in den Schlagzeilen die Spekulationen rund um Handelskriege und Zölle. „Zölle sind in der Tat wichtig,“ sagt James Swanson, MFS Chief Investment Strategist, „aber davon sind nur bestimmte Unternehmen und Branchen betroffen und in der Landwirtschaft nur bestimmte Feldfrüchte. Aus wirtschaftlicher Sicht wirken sie sich nicht auf den Markt als Ganzes aus und es mangelt ihnen an der erforderlichen Größenordnung, um den Wirtschaftszyklus zu beenden. Die unlängst verabschiedeten Steuersenkungen stellen, an sich, sämtlich diskutierte Zölle in den Schatten und lassen die jüngsten Initiativen Washingtons in Bezug auf den Handel vergleichsweise unbedeutend erscheinen.“

Was die Generierung von freiem Cashflow angehe, sagt Swanson, so befinde sich dieser unterhalb seiner Höchststände, gemessen an jedem in den Markt fließenden US-Dollar. Swanson geht der Frage nach, ob Aufwärtspotenzial besteht: „Schon möglich. Meine Analysen weisen indes darauf hin, dass die künftig zu erzielenden freien Cashflows aufgrund steigender Lohnkosten, höherer Finanzierungskosten und des zunehmenden allgemeinen und administrativen Aufwands unter Druck stehen. Die auf den freien Cashflow erzielte Rendite erscheint derzeit weniger attraktiv als zu Beginn dieses seit langem bestehenden Zyklus, der anfangs mit einem spektakulären Anstieg der FCF-Renditen aufwartete.“

Während die Wirtschaft unvermindert expandiert und Anlagewerte weiterhin produktiv eingesetzt werden, gibt es Anzeichen auf eine einsetzende Abschwächung des globalen Wachstums. „Meiner Einschätzung nach ist eine wachsende Wirtschaft für verbesserte Gewinne und Cashflows notwendig,“ so meint Swanson, „aber nicht ausreichend. Um weiterhin steigende Cashflows zu verzeichnen, müssen Unternehmen ihre Kapitalkosten senken, die Löhne stabil bleiben oder zurückgehen oder die Produktivität deutlich steigen.“

Anstatt dem Delphin – d. h. den Schlagzeilen – hinterherzujagen, so Swanson, sollte man den Cashflow im Auge behalten und umsichtig vorgehen. Swanson sieht das kurze Ende des Marktes für US-Unternehmensanleihen mit Investment Grade als weniger riskantes Marktsegment an: „Kurzfristige Unternehmensanleihen von hoher Bonität sind aufgrund verschiedener technischer Faktoren mittlerweile attraktiver bewertet. Dazu zählen vor allem eine Verlagerung zuungunsten kurzfristiger Unternehmensanleihen als Sondereffekt, da ihre Emittenten derzeit Barmittel außerhalb der USA infolge der jüngsten Steuerreform repatriieren.“

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Mehr Insolvenzen durch Ölpreisverfall?

Von Dr. Oliver Everling | 16.Mai 2018

Auch in Zeiten niedriger Preise sollen die Rohstoffmärkte Investoren attraktive Anlagemöglichkeiten bieten, argumentiert Shawn Driscoll, Portfolio Manager, Global Natural Resources Equity Strategy. „Rohstoffinvestments bieten häufig einen effektiven Schutz gegen Inflation – und auch gegen Deflation“, so Driscoll. Historisch betrachtet verliefen die Performance von Rohstoffaktien etwas gegenläufig zur allgemeinen Entwicklung an den Aktienmärkten. Damit biete der Sektor Möglichkeiten zur Diversifizierung und wirke als Ausgleich zum schwachen Abschneiden der globalen Aktienmärkte. Aufgrund der negativen Korrelation mit dem Dollar könnten Rohstoffe zudem zur Währungsdiversifizierung genutzt werden. „Während bei einem starken Dollarkurs Rohstofftitel richtig zu kämpfen haben, tendieren sie bei einem schwachen Dollarkurs dazu, besonders gut zu performen“, so der Experte.

Auch wenn Rohstoffaktien laut Driscoll dem Gesamtaktienmarkt hinterherhinkten, könnten attraktive Anlageergebnisse erzielt werden. „Wir erwarten zwar nicht, dass der Energiesektor die globalen Aktienmärkte über einen längeren Zeitraum hinweg hinter sich lassen wird, aber wie vor kurzem gab es immer wieder Zeiten, während denen die Energiepreise und Energietitel aufgrund verschiedener Katalysatoren zulegten.“ Sogar zwischen 1986 und 1999 gab es signifikante Preissteigerungen, obwohl der Zeitraum für Rohstofftitel eher herausfordernd war. Aufgrund der möglichen Diversifizierungsvorteile sei eine gewisse Allokation in Rohstoffe im Portfolio daher sinnvoll.

Entgegen den Beobachtungen weiterer Marktteilnehmer geht Driscoll in Zukunft von sinkenden Preisen aus: „Trotz der zuletzt hohen Nachfrage befinden wir uns seit geraumer Zeit in einem Überangebot am Markt, befeuert durch den starken Anstieg der Fördermengen sowie der Produktivität der US-amerikanischen Schieferölförderung. Die Zahl der Explorationen und Bohrungen in den USA hat seit Mitte 2016 dramatisch zugenommen. Zudem setzt der aktuelle Ölpreis zusätzliche Anreize für weitere Bohrungen.“ Der Portfolio Manager erwartet, dass sich die Preise für US-amerikanisches Rohöl wie der Sorte West Texas Intermediate langfristig bei durchschnittlich 40 bis 50 US-Dollar pro Barrel einpendeln werden.

Für 2018 ist Driscolls Ausblick daher verhalten. Die Schätzungen für die US-Produktion seien zu niedrig. „Bei einer pauschalen Gewinnschwelle im Bereich von 50 US-Dollar je Barrel und weniger wird die für eine nachhaltige Erholung des Ölpreises notwendige Angebotsreduktion nicht einfach zu erreichen sein“, bekräftigt Driscoll. „Sobald die Ölpreise oberhalb des für die Produktion notwendigen Anreizpreises liegen, ist es sehr einfach, den Markt zu sättigen. Das Angebot nimmt zu, die Nachfrage geht zurück, und im nächsten Moment stehen wir bei einem Preis von 30 US-Dollar pro Barrel“, so Driscoll. Für dieses oder das kommende Jahr sei das eine greifbare Möglichkeit. Da sich die Technologien tiefgreifend geändert haben und Produzenten schnell preisgünstigen Nachschub herbeibringen, sei das die Zukunft des Öls, bekräftigt er. Der Portfolio Manager verweist zudem auf den zwanzigjährigen Bärenzyklus der 1980er bis 1990er-Jahre, dem das gegenwärtige Szenario für die Öl- und Rohstoffpreise stark ähnele. „Wie damals hängt die Entwicklung am Auftauchen kurzzyklischer, risikoarmer und nicht-OPEC-Produktion von nordamerikanischem Schieferöl. Und bislang wurden erst weniger als zehn Prozent des vorhandenen Öls gewonnen. Auch die Kostenkurve fällt auf globaler Ebene.“ Der zu erwartende Preisverfall könnte daher zu mehr Insolvenzen führen.

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Westbalkan in der EU

Von Dr. Oliver Everling | 15.Mai 2018

Auf der EU-Westbalkan-Konferenz am 17. Mai in Sofia wird die EU ihre Absicht bekräftigen, die Westbalkan-Länder in die EU aufzunehmen. Davon geht der Kreditversicherer Coface aus. Einen Grund für die Mitgliedschaft sehen die Coface-Volkswirte unter anderem in der Zielsetzung, die russische und chinesische Präsenz in der Region auszubalancieren.

Der Beitritt der Westbalkanländer in die EU sieht Coface aus mehreren Gründen als sehr wahrscheinlich: die strategisch wichtige geografische Lage, die Gefahr, dass Konflikte zischen Nachbarländern übergreifen, sowie ein Gegengewicht zum Einfluss Russlands und Chinas in der Region. Serbien und Montenegro könnten als die am weitesten entwickelten Länder die ersten neuen Mitglieder werden. Probleme sieht Coface, wie auch Transparency International und die Weltbank, in erheblichen Governance-Mängeln, besonders in der Korruption.

Für die Länder des westlichen Balkans (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien) ist die EU der größte Handelspartner. „83 Prozent der Exporte und 67 Prozent der Importe werden mit EU-Ländern abgewickelt. aus. Seit 2008 ist das Warenhandelsvolumen auch wegen der Stabilisierungsabkommen um 80 Prozent gestiegen“, schreiben die Analysten von Coface. „Das hohe Handelsbilanzdefizit beruht auf der engen Produktionsbasis der Länder mit eher geringwertigen Gütern. Das Defizit wird weitgehend finanziert durch die Geldzuflüsse von im Ausland lebenden Bürger der Länder und ausländische Direktinvestitionen, zumeist aus Westeuropa. Da der Euro in der Region intensiv genutzt wird, sind die Länder zugleich stark abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung und Geldpolitik in der EU.“

Das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP der Westbalkan-Länder beträgt gerade einmal ein Viertel der EU 15 und die Hälfte der elf mittel- und osteuropäischen Mitglieder. Die Angleichung, die nach den Balkankriegen eingesetzt hatte, wurde von der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 wieder gestoppt. Hier zeigte sich nach Ansicht der Coface die noch schwache Wettbewerbsfähigkeit. Derzeit beträgt die Arbeitslosigkeit 16,2 Prozent und bezogen auf die jüngeren Menschen 37,6 Prozent.

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