Süße Grüße von Südzucker

Von Dr. Oliver Everling | 15.Juni 2022

Die Südzucker AG erhöht die Prognose für EBITDA und für das operative Ergebnis für das Geschäftsjahr 2022/23 deutlich. Südzucker hat nach vorläufigen Zahlen im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2022/23 (1. März bis 31. Mai 2022) den Konzernumsatz deutlich auf rund 2,25 (Vorjahr: 1,75) Milliarden Euro und das Konzern-EBITDA deutlich auf rund 230 (Vorjahr: 121) Millionen Euro gesteigert.

Das operative Konzernergebnis verbesserte sich deutlich auf rund 160 (Vorjahr: 49) Millionen Euro. Die Verbesserung des Konzern-EBITDA und operativen Konzernergebnisses wird maßgeblich durch das Segment CropEnergies getragen. Bereits am 14. April 2022 hatte Südzucker mitgeteilt, dass für das erste Quartal eine deutliche Steigerung des Konzern-EBITDA und des operativen Konzernergebnisses erwartet wird.

Für das Geschäftsjahr 2022/23 erwarten wir nunmehr einen Konzernumsatz von 8,9 bis 9,3 (bisherige Prognose: 8,7 bis 9,1; Vorjahr: 7,6) Milliarden Euro und ein Konzern-EBITDA von 760 bis 860 (bisherige Prognose: 660 bis 760; Vorjahr: 692) Millionen Euro. Das operative Konzernergebnis wird in einer Bandbreite von 400 bis 500 (bisherige Prognose: 300 bis 400; Vorjahr: 332) Millionen Euro gesehen. Die deutliche Verbesserung der Prognose wird maßgeblich durch die Segmente CropEnergies und Spezialitäten getragen.

Der seit Geschäftsjahresbeginn 2022/23 andauernde Ukraine-Krieg führte zu einer nochmaligen Verstärkung der bereits bestehenden hohen Volatilitäten auf den Absatzmärkten und Preissteigerungen auf den Beschaffungsmärkten. Die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen sowie die Dauer dieser zur Corona-Pandemie zusätzlichen temporären Ausnahmesituation sind nur schwer abschätzbar. Daneben bestehen auch weiterhin Risiken im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Der Prognose liegen die Annahmen zugrunde, dass der Ukraine-Krieg temporär und regional begrenzt bleibt, die physische Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet ist und sich innerhalb des Geschäftsjahres 2022/23 die Absatz- und Beschaffungsmärkte wieder teilweise normalisieren. „Dabei wird der von uns erwarteten Weitergabe der insbesondere im Rohstoff- und Energiebereich deutlich gestiegenen Preise in neue Kundenkontrakte eine entscheidende Bedeutung zukommen“, schreibt Südzucker.

Themen: Aktienrating | Kein Kommentar »

Massenentlassungen nach Börsencrash – Vorbereitungen der Arbeitgeber

Von Dr. Oliver Everling | 14.Juni 2022

Die Börsen geben bereits deutliche Signale: Die Kombination von Inflation und mangelndem Wachstum in Verbindung mit politischen Unsicherheiten aus dem Ukraine-Konflikt, mit den Gefahren weiterer Corona-Wellen und mit einer hilflosen Zinspolitik lässt die wirtschaftliche Rezession immer wahrscheinlicher werden. Arbeitgeber müssen sich daher schon heute auf massenhafte Entlassungen einstellen und gut vorbereitet sein, um die Vielzahl notwendiger Kündigungen zu bewältigen.

Equifax kündigte eine neue Offboarding-Formularlösung an, die als erste auf den Markt kommt, um Arbeitgebern dabei zu helfen, die Formularverwaltung während des gesamten Mitarbeiterlebenszyklus weiter zu rationalisieren. Aufbauend auf der Workforce Solutions Compliance Center™-Plattform hilft Offboarding Forms Arbeitgebern und HR-Experten, die Zustellung von Offboarding-Formularen, einschließlich staatlich vorgeschriebener Trennungsmitteilungen, an gekündigte Remote-, In-Office- oder Hybrid-Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten besser zu verwalten.

„Offboarding ist ein wichtiger Teil der breiteren Mitarbeitererfahrung und kann zahlreiche administrative Schritte für den Arbeitgeber erfordern“, sagte Kate Devine-Elkins, Director, Product Management, Compliance Solutions bei Equifax Workforce Solutions. „Unsere Offboarding Forms-Lösung gibt Personalleitern mehr Vertrauen, dass die richtigen Formulare zur richtigen Zeit an den ausscheidenden Mitarbeiter gehen, unabhängig vom Standort.“

Für das am 30. April 2022 endende Jahr gab es in den Vereinigten Staaten über 71 Millionen Trennungen; und Gallup schätzt die Kosten für die Ersetzung eines Mitarbeiters konservativ auf die Hälfte bis das Doppelte des Jahresgehalts dieser Person.

„Arbeitgeber erkennen, dass viel auf dem Spiel steht in Bezug auf finanzielle Investitionen und Mitarbeitererfahrung sowie die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen“, fügte Devine-Elkins hinzu. „Unsere Offboarding Forms-Lösung unterstützt einen optimierten Prozess, der in wenigen Minuten abgeschlossen werden kann. Und da wir vorgeschriebene Mitteilungen in allen Bundesstaaten verfolgen und hinzufügen, trägt unsere einzigartige Lösung dazu bei, diese Belastung für Arbeitgeber zu verringern und kann dazu beitragen, das Risiko von Bußgeldern zu verringern.“

Derzeit fordern oder schlagen 35 Staaten vor, dass Arbeitgeber Mitteilungen für ausscheidende Arbeitnehmer ausstellen, in denen ihre Rechte in Bezug auf Arbeitslosengeld dargelegt werden, unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer unfreiwillig oder freiwillig ausgeschieden ist.

Die Offboarding Forms-Lösung ist anpassbar, verspricht Equifax, sodass Arbeitgeber ihre eigenen Formulare und Mitteilungen wie COBRA-Informationen und Mitteilungen zur Zahlung von Krankenversicherungsprämien (HIPP) zusammen mit den staatlich bereitgestellten Formularen hinzufügen können, die von Equifax verwaltet werden.

Themen: Personalrating | Kein Kommentar »

Anlass zur Hoffnung: 4 Prozent Wirtschaftswachstum erreichbar

Von Dr. Oliver Everling | 13.Juni 2022

Der langanhaltende Lockdown in Shanghai und Einschränkungen des öffentlichen Lebens in vielen anderen Städten Chinas belasten die Wirtschaft in hohem Maße. „Das Konsumentenvertrauen ist dramatisch abgestürzt und so gering wie noch nie zuvor“, schreibt Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe, in seinem FERI Economics Update Juni 2022. „Die Einzelhandelsumsätze lagen im April mehr als zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau, die Industrieproduktion schrumpfte im Vorjahresvergleich, und auch die Importe nähern sich trotz der aktuellen Preissteigerungen der Null-Linie im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahreswerten.“

Gleichzeitig haben die in jüngerer Vergangenheit ergriffenen Maßnahmen zur Abkühlung des teilweise überhitzten Immobilienmarkts dazu geführt, dass die Hauspreise seit nunmehr acht Monaten in Folge kontinuierlich sinken und auch die Anlageinvestitionen in Immobilien inzwischen unter den Vorjahreswerten liegen, beobachtet die FERI Gruppe. Angesichts der sehr großen Bedeutung des Bausektors sei dies auch für die Gesamtwirtschaft eine schwere Hypothek.

Hinzu kommt dass sich das weltwirtschaftliche Umfeld für Chinas Exporteure im Angesicht globaler Unsicherheiten als schwierig erweist. „Zwar sind die Exporte nach dem deutlichen Dämpfer vom April im Mai wieder gestiegen. Aber in den nominalen Werten sind auch erhebliche Preissteigerungen enthalten, und die kurzfristigen Aussichten lassen keine großen Wachstumsraten erwarten.“

Alles in allem rechnet Axel D. Angermann damit, dass die Wirtschaft Chinas im zweiten Quartal spürbar schrumpfen wird – das offizielle Wachstumsziel von 5,5 Prozent für das Jahr 2022 rücke damit in weite Ferne. „Wachstumsimpulse für die globale Wirtschaft sind damit von China vorerst nicht zu erwarten. Die anhaltenden Störungen von Lieferketten und die daraus resultierenden Knappheiten lassen vielmehr die Preise bis auf weiteres steigen und erhöhen damit den Inflationsdruck in den Industrieländern.“

Zwar sieht Axel D. Angermann keine generelle Änderung der Corona-Politik in China. Doch der von der Regierung abgeschlossene Vertrag mit Pfizer zur Produktion eines chinesischen Impfstoffs könnte den Schutz der Bevölkerung vor schweren Erkrankungen bis zum Herbst erhöhen.

„Die inzwischen spürbare Abwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar (knapp 6 Prozent seit März) dürfte die Exporte erleichtern. Die Senkung der 5-jährigen Loan Prime Rate der Zentralbank um 15 Basispunkte im Mai und verbesserte Möglichkeiten für Immobilienentwickler zur Begebung eigener Anleihen sind schließlich Anzeichen dafür, dass die Regierung gewillt ist, die Wirtschaft wieder aktiv zu stimulieren“, analysiert Axel D. Angermann.

„Der Umfang der bislang ergriffenen Maßnahmen lässt allerdings keinen allzu kräftigen Aufschwung erwarten. Dass die Regierung in dieser Hinsicht aber noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt ist,“ so Axel D. Angermann, „gibt jedoch Anlass zur Hoffnung: 4 Prozent Wirtschaftswachstum wären im laufenden Jahr möglicherweise noch erreichbar, und verringerte Störungen globaler Lieferketten würden mittelfristig zumindest den von China ausgehenden Inflationsdruck mindern. Wenn dies der Fed eine etwas weniger strikte Straffung der Geldpolitik erlauben würde, wäre das auch für die Industrieländer eine gute Nachricht.“

Themen: Länderrating | Kein Kommentar »

Zinszyklus in Europa weckt die Schweizerische Zentralbank

Von Dr. Oliver Everling | 10.Juni 2022

Die Europäische Zentralbank schaltet zwei Gänge höher und attackiert damit die unerwünscht hohe Inflation nun mit einer, für europäische Verhältnisse, scharfen geldpolitischen Straffung, so heißt es in einem Marktkommentar von Reto Cueni, Chief Economist bei Vontobel.

„Nachdem die Zentralbank genau 11 Jahre lang ihre Leitzinsen nicht mehr angehoben hat,“ so Reto Cueni weiter, „kündigte sie nun in ihrer nächsten Sitzung Mitte Juli eine erste Zinserhöhung von 25 Basispunkten an. Zugleich stellte sie sogar eine doppelte Erhöhung (50 Basispunkte) in ihrer Septembersitzung in Aussicht, wenn sich die mittelfristigen Inflationsprognosen der Bank nicht verringern. Da wir keine substanzielle Entspannung der mittelfristigen Prognosen für die Energie- und Nahrungsmittelpreise bis Anfang September erwarten, prognostizieren wir folglich einen doppelten EZB-Zinsschritt im September.“

Danach dürfte die EZB allerdings vorsichtiger werden, glaubt man bei Vontobel, da sich das Wachstum in der Eurozone gegen und vor allem in 2023 wohl abschwächen und die Inflation sich zurückziehen dürfte – es sei denn, weitere Schocks würden die Energie- und Nahrungsmittelpreise oder die Probleme globaler Lieferketten erneut verschärfen. „So erwarten wir, dass die EZB danach in der Oktober- und Dezembersitzung wieder auf normale Zinsschritte umsteigen und die Leitzinsen insgesamt im laufenden Jahr um nicht mehr als 125 Basispunkte erhöhen wird. Demgegenüber haben die Märkte bis vor dem EZB-Meeting sogar eine Zinserhöhung von fast 140 Basispunkten eingepreist.“

Andererseits würden eine stärkere Eintrübung der Wachstumsaussichten oder eine Verwerfung an den Anleihenmärkten, wo die Renditedifferenzen zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen erneut gestiegen sind, bereits im September zu einem kleineren Zinsschritt oder sogar einer Pause führen.

„Mit ihrer schärferen Gangart verringerte die EZB heute ihren Rückstand in Sachen geldpolitischer Straffung zu anderen großen Zentralbanken wie der amerikanischen Fed oder der Bank von England,“ so der Chefvolkswirt, „die bereits voll im Zinserhöhungszyklus stecken. Zuletzt dürfte der Beginn des Zinszyklus in Europa nun auch die Schweizerische Zentralbank aufwecken. Wir erwarten daher einen ersten Zinsschritt der SNB bereits im September und jeweils einen weiteren im Dezember und im März des neuen Jahres, was dann auch in der Schweiz ein Ende der Negativzinsen bedeuten würde.“

Themen: Länderrating | Kein Kommentar »

Überproportionale Wertzuwächse in Städten mit unter 500 Tsd. Einwohnern

Von Dr. Oliver Everling | 8.Juni 2022

2021 wiesen pandemiebedingt nur wenige Hotels eine gute Performance auf. Deutschlandweit lag der RevPar deutlich unter Vor-Corona-Niveau. Dies drückte wie bereits im Vorjahr die Wertentwicklung des Marktvolumens erheblich. „Wir sehen jedoch auch in unseren Häusern einen deutlich positiven Trend und suchen sowohl in Deutschland als auch international nach Hotels mit starker Markenbindung. Dabei richten wir unseren Fokus zum einen auf Bestandsobjekte in Großstädten mit bonitätsstarken Betreibern und nachhaltigen Konzepten und zum anderen auf Urlaubsregionen mit hoher Binnennachfrage“, so Andreas Löcher, Leiter Investment Management Hospitality bei Union Investment. Aus dem internationalen Tourismus erwartet er positive Impulse für europäische Destinationen aufgrund des Krieges gegen die Ukraine erst zeitverzögert ab 2023.

Die Auswertung des Marktvolumens von Union Investment und bulwiengesa nach regionalen Gesichtspunkten ergab insbesondere überproportionale Wertzuwächse in Städten mit unter 500 Tsd. Einwohnern. Denn sowohl viele deutsche Klein- und Mittelstädte als auch Urlaubsregionen erzielten in 2021 eine vergleichsweise hohe touristische Nachfrage mit positiver Wirkung für die dort ansässige Hotellerie. Infolgedessen werden dort vermehrt Hotels geplant und gebaut sowie existierende Objekte erfolgreich veräußert.

Unter Berücksichtigung der 2021er Mengen- und Performanceeffekte betrug der Wert eines Hotelzimmers in Deutschland durchschnittlich rund 138.400 Euro (+5,7 %). Das sind noch immer rd. 10.000 Euro weniger als im Jahr 2019, jedoch 7.500 Euro mehr als im Jahr 2020. Die theoretische Wertbandbreite eines Hotelzimmers reicht von durchschnittlich 127.500 Euro in der Budget/Economy- bis 235.500 Euro pro Zimmer in der Upscalehotellerie.

Alle Segmente verzeichneten nach Angaben von Union Investment leichte Wertzuwächse, überproportional fielen diese jedoch in der Economy-Hotellerie (+7,2 % Wertzuwachs) aus, da entsprechende Anbieter in 2021 relativ gut performten und das Marktsegment stärker als andere Segmente expandierte. Allen voran die Betreiber B&B und Whitbread / Premier Inn, die in den vergangenen beiden Jahren ihr Hotelportfolio in Deutschland – teilweise durch Anmietung von Neuobjekten als auch durch Übernahme von Bestandsbetrieben – stark ausgebaut haben. Zur positiven Entwicklung hat zudem das Marktsegment der Serviced Apartments beigetragen, das als vergleichsweise krisensicher gilt.

Themen: Hotelrating, Immobilienrating | Kein Kommentar »

Wettbewerbsverzerrung kritisiert

Von Dr. Oliver Everling | 7.Juni 2022

Das Ziel des Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzsystem in Europa ist es, die Transparenz und Vergleichbarkeit grüner Aktivitäten zu verbessern – und damit das Risiko des Greenwashing zu minimieren – und den Zugang zu Finanzmitteln für den Übergang zu einer grünen, integrativen und widerstandsfähigen Wirtschaft zu verbessern.

Noch ist das Ziel nicht erreicht worden. Rosl Veltmeier von Triodos Investment Management begründet die mangelnde Zielerreichung mit einem Konstruktionsfehler.

„Derzeit bestraft kein Mechanismus die Anlageprodukte,“ warnt Rosl Veltmeier, „die irreführenderweise als nachhaltig bezeichnet werden. Zwar wurde die EU-Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzprodukte dazu eingeführt, die Transparenz zu erhöhen, wie Nachhaltigkeitsrisiken und -Chancen in die Anlageentscheidungen miteinbezogen werden – doch genau hier liegt der Konzeptionsfehler.“

Die Agenda sei so konzipiert, dass die Beweislast bei den nachhaltigen Anlageprodukten liegt. Sie müssen über Prozesse, Daten und Berichte verfügen, um ihren „grünen“ Anspruch zu untermauern.

„Für Organisationen ist diese Anpassung mit erheblichem Aufwand verbunden,“ macht Rosl Veltmeier klar, „für nachhaltige Anleger bedeutet dies steigende Kosten.“

Trage ein Anlageprodukt jedoch nicht das Siegel „Nachhaltigkeit“, sei keine Berichterstattung erforderlich. „Hinzu kommt, dass die derzeitige Gestaltung der SFDR keine Anreize für Investoren bietet, ihre Anlageprodukte nachhaltiger zu gestalten, da dies mit mehr Arbeit verbunden und zu höheren Kosten führen würde. Was wir brauchen wäre vielmehr, dass nachhaltige Anlagen günstiger und schädliche Anlagen teurer werden.“

Höhere Kosten würden dann auch den wahren Preis solcher Investitionen für die Gesellschaft darstellen und eine Verlagerung von schädlichen Investitionen zu nachhaltigen Investitionen anregen.

Themen: Fondsrating, Nachhaltigkeitsrating | Kein Kommentar »

Greenwashing als Folge unergründlicher ESG-Komplexität

Von Dr. Oliver Everling | 6.Juni 2022

Ein Kommentar eines führenden unabhängigen Research- und Beratungsunternehmens Verdantix nach Greenwashing-Vorwürfen gegen den deutschen Vermögensverwaltungsriesen DWS gibt zu denken.

Der Bericht warnt vor einem zunehmenden koordinierten Vorgehen gegen Greenwashing weltweit, jedoch durch mehrere Aufsichtsbehörden. Doch selbst wenn Unternehmen versuchen, ihren ESG-Richtlinien und öffentlichen Erklärungen gerecht zu werden, stehen sie oft vor der praktischen Herausforderung, qualitativ schlechte ESG-Daten und neue regulatorische Anforderungen zu bewältigen. Derzeit gibt es eine Vielzahl von Rubriken und Berichtsrahmen, die noch nicht vollständig eingebettet und verstanden sind. In Kombination mit unzuverlässigen Daten entsteht eine unglaubliche Komplexität, warnt Verdantix.

Laut Verdantix entwickeln Technologieanbieter und professionelle Dienstleistungsunternehmen Lösungen, um sowohl Unternehmen als auch Vermögensverwaltern dabei zu helfen, die Datenerfassung und Berichterstattung zu verbessern, die die ESG-Entscheidungsfindung vorantreiben. Aber diese Lösungen befinden sich ebenfalls noch in der frühen Phase der Entwicklung und Einführung.

Es wird prognostiziert, dass Unternehmen, die diesen Bereich bedienen, einen Investitionsschub von Unternehmens- und Finanzführern erleben werden. Diesen Unternhemen sind sich jetzt sehr bewusst, dass die Ära des Greenwashing zu Ende geht.

Themen: Nachhaltigkeitsrating | Kein Kommentar »

Playbook für mehr Sinn im Unternehmen

Von Dr. Oliver Everling | 2.Juni 2022

Wer im deutschen Amazon nach einem „Playbook“ sucht, erhält an erster Stelle einen Ratgeber, wie man(n) „spielend leicht Mädels klarmachen“ kann. Die Übersetzung des Wortes „Playbook“ durch Google Translator mit „Spielbuch“ passt wohl eher auf den genannten als auf den folgenden Titel: „Playbook Purpose Driven Organizations: Der Navigator für Purpose Drive in Ihrem Unternehmen“ von den Autoren Franziska Fink und Michael Moeller, denn hier ist „Playbook“ wohl besser mit „Arbeitsbuch“ übersetzt.

Das schmälert allerdings nicht den Spaß an der Lektüre und schließt auch nicht einen spielerischen Zugang zu Fragen aus, wie Unternehmen über Sinn und mit mehr Sinn gesteuert werden können. Aus der langjährigen Beratungspraxis mit Unternehmen verschiedener Branchen erzählen die beiden, wo die Knackpunkte sind, und wollen helfen, „Ihre Arbeit mit Purpose maßzuschneidern“.

Das Buch kommt jedem in die Quere, der sich mit den üblichen Statements von „Mission“, „Vision“ und „Strategie“ für Unternehmen nicht befriedigt sieht. Dazu passt das Querformat des Buches im Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern und Recht. Das Format verleiht dem Leser ein wenig das Gefühl, nicht bloß ein Buch in der Hand zu halten, sondern aktiver Teilnehmer eines Seminars zum Thema zu sein. In Farbe finden sich zahlreiche Illustrationen, die ein intuitives Verständnis der Materie erleichtern.

Das Thema „Purpose“ ist keine Erfindung von Franziska Fink und Michael Moeller, sondern wird auch von Beratern wie Kienbaum aktiv beackert.  Kienbaum hat in der Wirtschaft nachgefragt – mehr als 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben geantwortet. Der aus der Kienbaum-Befragung resultierende Studienbericht „Purpose. Die große Unbekannte.“ gab auch  Franziska Fink und Michael Moeller Einblicke in eines der Top-Themen unserer Zeit.

Existenzgründer und NGOs sind nach Erkenntnissen von Kienbaum besonders empfänglich dafür, ihrer Organisation einen „Purpose“ zuzuschreiben, während offenbar im Mittelstand, der ums Überleben kämpft, sich die Frage nach dem Sinn nicht aufdrängt. Im Mittelstand „sagt die Hälfte der Mitarbeitenden: Unser Unternehmen verfolgt kein Why“, berichten Franziska Fink und Michael Moeller.

Neu ist das Thema nach Urteil der beiden nicht, denn die „Systemtheorie nach Niklas Luhmann beschreibt schon in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts Sinn als Supermedium für soziale Systeme“. Daher befassen sich Franziska Fink und Michael Moeller in ihrem Arbeitsbuch kurz auch mit der Systemtheorie als einem Modell der Soziologie und ordnen „Purpose“ ein.

Purpose sei ein „Filter, um zwischen dem Aktuellen und dem Möglichen zu unterscheiden.“. Franziska Fink und Michael Moeller benutzen für ihren Ansatz das englische Wort „Purpose“, denn darunter verstehen sie die bewusste Ausformulierung dieses Sinnfilters als inneren Kompass einer Organisation. Die Formulierung eines „Purpose“ sehen sie nicht als bloßen Marketing-Gag, so, wie sich heute Unternehmen etwa nach außen auch ein Gewand der „Nachhaltigkeit“ geben, sondern sehen Purpose nach innen gerichtet.

„Der Purpose ist vor allem nach innen wichtig, er dient Mitarbeitenden und Führungskräften als zentrale Orientierung ihrer Arbeit. Kundinnen, Lieferantinnen oder Mitbewerberinnen müssen ihn nicht kennen“, heißt es im ersten Kapitel des Buches, das Purpose als die Triebfeder beschreibt: „Welchen Beitrag ein Unternehmen für die Gesellschaft und das Gemeinwohl leistet und welche Wirkung es erzielen will. Purpose wird die übergeordnete Orientierung, an der Organisationen, Teams und Mitarbeitende ihre Entscheidungen messen und ausrichten können.“

Im zweiten Kapitel fragen Franziska Fink und Michael Moeller danach, wie „Purpose Driven Organizations“ funktionieren und blicken hinter die Kulissen. Organisationen nutzen drei Arten von Entscheidungsprämissen als Korridore, die wiederum mit den Merkmalen Zwecke, Hierarchie und Mitgliedschaft zusammenhängen: Entscheidungsprogramme, Kommunikationswege und Personal. Eine vierte Art von Entscheidungsprämisse sehen sie in der Kultur der Organisation, die nicht entscheidbar sei, sondern sich im Lauf der Zeit durch informelle Praktiken herausbilde, denn die Kultur umfasse Verhaltensweisen, die sich durch Wiederholung zu Gewohnheiten und Erwartungen verfestigen. So verankern sich im Unternehmen Werte und Normen, Einstellungen, Glaubenssätze und Grundannahmen als „nicht-entscheidbare“ Entscheidungsprämissen und wirken als starker Korridor für Kommunikation und Entscheidungen, ohne dass sie explizit ausgesprochen oder entschieden würden.

Um zu beweisen, wie „Purpose“ aufs Geschäft und auf die Mitarbeitenden wirkt, haben Franziska Fink und Michael Moeller eine Reihe von Studien angehäuft und verweisen auf diese in zahlreichen nützlichen Links. Voraussetzungen für Erfüllung im Job sind für Mitarbeitende offenbar Entwicklungschancen, sinnvolle Beziehungen und Gestaltungsmöglichkeit.

Das vierte Kapitel mit der Überschrift „Wie wird man zu einer Purpose Driven Organization?“ hätten die Autoren vielleicht am liebsten damit beantwortet: Indem man Franziska Fink und Michael Moeller als Berater beauftragt. So einfach machen sie es sich jedoch nicht, sondern erläutern aus ihrer Erfahrung mit Purpose-Unternehmen, „wo die Stolpersteine und die Hebelpunkte liegen. Wenn Sie bereits unterwegs sind, steigen Sie dort ins Playbook ein, wo Sie sich aktuell befinden. Die Schritte linear zu machen, lohnt sich, aber wenn Sie die Reihenfolge anders wählen, kommen Sie auch zum Ziel.“

Der Rest des Buches – und damit der größte Teil des Playbooks – befasst sich detailliert mit den fünf Phasen der Transformation. Wer es in seinem Unternehmen ernst meint und im unternehmerischen Handeln einen Purpose verfolgen will, wird nicht umhinkommen, eine Anleitung wie die des Playbooks zur Hand zu nehmen.

Franziska Fink und Michael Moeller fügen ein Nachwort hinzu und enden mit den Sätzen: „Es liegt an mir selbst, in eine Haltung zu wachsen, die Liebe heißt. Die Liebe zu den Bruchstellen und großen Problemen unserer Zeit. Wie kann ich sie annehmen, so wie sie sind, und mich mit dem tiefen Sinn verbinden, der mich leitet. Aus dieser Überzeugung beginne ich, für Ziele aktiv zu werden, die über Organisationen, Grenzen, Ausgrenzungen und Abgrenzungen hinausgehen. Vielleicht treffen wir uns ja in dieser Schule der Transformation!“

Themen: Charityrating, Existenzgründerrating, Governancerating, Managementrating, Nachhaltigkeitsrating, Rezensionen | Kein Kommentar »

Innovative Technologielösungen für Nachhaltigkeit

Von Dr. Oliver Everling | 2.Juni 2022

Für Nachhaltigkeitsratings gibt es möglicherweise schon bald neue Ideen. Denn Ericsson lädt Universitätsstudenten auf der ganzen Welt ein, innovative Technologielösungen vorzuschlagen, um die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung anzugehen. „Impact Our Sustainable Future“ ist das Thema der Ericsson Innovation Awards (EIA) 2022 Challenge, bei der mehr als 50.000 Euro an Preisen zu gewinnen sind.

Heather Johnson, Vice President, Sustainability and Corporate Responsibility, Ericsson, sagt: „Es sind weniger als 10 Jahre bis zum Abschluss der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung, und es wird eine gemeinsame Anstrengung aller Bereiche der Gesellschaft erfordern, um sie zu erreichen. Ericsson ist ein Verfechter der Rolle, die Technologie und Innovation bei der Skalierung nachhaltiger Entwicklungsbemühungen spielen können.“

Sie fügt hinzu: „Universitätsstudenten auf der ganzen Welt gehören zu den leidenschaftlichsten und entschlossensten Verfechtern des Handlungsbedarfs zur Bewältigung globaler Nachhaltigkeitsherausforderungen. Aus diesem Grund haben wir Nachhaltigkeit als Schwerpunkt der diesjährigen Ericsson Innovation Awards gewählt, um Maßnahmen zu katalysieren.“

Die teilnehmenden Universitätsteams werden gebeten, sich von den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen inspirieren zu lassen, um eine Nachhaltigkeitsherausforderung zu identifizieren, die mit einer Technologielösung angegangen werden kann, die eine dauerhafte Veränderung bewirken kann.

Interessierte Teams von zwei bis vier Studierenden, die derzeit im Hochschulstudium eingeschrieben sind, sollten Teamnamen und Ideen bis zum 5. August 2022, 13.00 Uhr (MESZ), einreichen. Als zusätzlichen Anreiz haben die ersten sieben Einreichungen pro Region ab 13.00 Uhr (MESZ), 16. Juni 2022, die Möglichkeit, auf zusätzliche Unterstützung und Feedback von Ericsson-Mentoren zuzugreifen.

Johnson fügt hinzu: „Die Vorstellungskraft ist die einzige Grenze für die Bandbreite der einzureichenden Ideen. Aus früheren Erfahrungen mit den Ericson Innovation Awards wissen wir, dass die Talente von Universitätsstudenten außergewöhnlich darin sind, kreative Lösungen vorzuschlagen und zu entwickeln.“

Themen: Nachhaltigkeitsrating | Kein Kommentar »

Wie vertrauenswürdig sind die Weiss Crypto Ratings?

Von Marvin Lossa | 2.Juni 2022

Bei Weiss Rating handelt es sich um eine Investment-Ratingagentur, die regelmäßig Ratings veröffentlicht, in denen Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien bewertet werden.

Weiss Rating versorgt Anleger seit 1971 mit Ratings und Informationen im traditionellen Finanzwesen und bietet seit kurzem dieselben Dienstleistungen für den Kryptomarkt an. Weiss vermarktet sich selbst als: „Die weltweit erste Bewertung von Bitcoin, Ethereum, Ripple, Dash und mehr als 100 weitere Kryptowährungen durch eine Finanzratingagentur.“

Sie behaupten, dass sie ihre jahrelange Erfahrung und Genauigkeit auf dem traditionellen Ratingmarkt nutzen und auf Kryptowährungen anwenden. Darüber hinaus verwendet das Unternehmen angeblich ein fortschrittliches Computermodell, um verschiedene Kryptowährungen zu bewerten und auf Risikobasis zu bewerten.

Kürzlich veröffentlichte Bewertungen von Weiss Rating

In der neusten Ausgbabe der Weiss Crypto Ratings gibt es zurzeit keine A Ratings. Mit einem B+ werden aktuell Bitcoin und Ethereum am besten bewertet. Überraschenderweise erhält die nach Marktkapitalisierung deutlich schwächere Kryptowährung Uniswap ein glattes B-Rating.

In der Gruppe C finden zum Beispiel Monero, Crypto.com Coin und Dash Platz. Noch schlechter schneiden hingegen Wanchain, ICON und Nano mit einem D-Rating ab. Insgesamt bewertet Weiss Rating 560 Kryptowährungen, von denen allein 429 Kryptowährungen im D- und E-Rating Platz finden und somit eher mit einer schlechten Prognose bewertet werden.

Kritik an Weiss Rating und deren Bewertungen

Seit der Ankündigung der Agentur, Kryptowährungen auf dem Markt zu bewerten, erhielt sie sowohl Kritik als auch Zuspruch. Während die Bewertung von Kryptowährungen durch eine etablierte Rating Agentur generell ein positives Signal ist, sind einige historische Bewertungen kritisch zu hinterfragen.

Historische falsche Bewertungen: Die wohl bekannteste Falschbewertung von Weiss Rating war das Rating der IOTA Stiftung. Weiss Rating hatte die Vermutung angestellt, dass die IOTA Stiftung im Sommer 2021 zahlungsunfähig sein könnte, diese Aussage wurde nach einer „Aussprache“ mit dem IOTA Team zurückgezogen.

Doch besonders das B-Rating Bitcoins in der ersten Ausgabe des Ratings stellte sich als fehlerhaft heraus. Ethereum, Steem, Cardano, EOS und NEO wurden alle höher bewertet als Bitcoin. Dies wurde zwar mit der Zeit geändert, hinterlässt jedoch noch immer einen faden Beigeschmack.

Das Rating System ist undurchsichtig: Immer wieder kritisieren Experten, dass das Weiss Rating Bewertungssystem undurchsichtig ist, denn es wird nicht offengelegt, wie genau die Bewertung befolgt. Die Weiss Rating Entwickler geben zwar preis, welche Faktoren mit einbezogen werde, jedoch gibt es viele Aspekte, die die Rating-Agentur verschweigt.

Ist ein System nicht transparent und die Bewertungsfaktoren können nicht eindeutig ausgemacht werden, muss davon ausgegangen werden, dass es besser ist, den Ratings nicht die alleinige Bewertung zu überlassen oder zumindest weitere Ratings, Reviews und Experten-Meinungen miteinzubeziehen.

Kombiniert nicht miteinander verbundene Kategorien: Die Kritik des Weiss Ratings betrifft einen weiteren Aspekt, nämlich, dass die Rating-Agentur nicht miteinander verbundene Kategorien verbindet, um eine aussagekräftige Bewertung veröffentlichen zu können.

Doch wie kann es sich um eine aussagekräftige Bewertung handeln, wenn die in das Rating mit einbezogenen Faktoren nicht zusammenpassen? Experten raten daher nie nur das Weiss Rating zu berücksichtigen, sondern weitere Bewertungen und Ratings vor dem Handel mit Kryptowährungen zu berücksichtigen.

Fazit

Es ist nicht ratsam, dass sich ein Trader ausschließlich auf die Bewertung von Weiss Rating verlässt. In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Ratings, die für Verluste bei vielen Anlegern und falschen Bewertungen von Unternehmen verantwortlich waren.

Wer sich dafür entscheidet, das Rating von Weiss zu berücksichtigen, sollte auch andere Ratings, Meinungen und Analysen lesen und sich niemals nur auf ein Rating verlassen.

Themen: Kryptorating | Kein Kommentar »

« Voriger Beitrag Folgender Beitrag »