Diamond Star – Digital Banking Award

Von Dr. Oliver Everling | 5.September 2019

In diesem Jahr wurde auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel 2019 in Frankfurt am Main der Handelsblatt Diamond Star – Digital Banking Award in drei Kategorien verliehen. 

Aus den Bewerbern um den Award in der Kategorie „Digital Retail Banking“ konnte sich Tomorrow in Kooperation mit der solarisBank besonders hervortun und die Jury für sich gewinnen. Aufbauend auf einem Banking as a Service-Angebot der solarisBank bietet Tomorrow die Möglichkeit, in Einlagen nachhaltiger und zukunftsweisender Projekte wie etwa Mikrofinanz-Fonds oder Green Bonds zu investieren. Neben Tomorrow in Kooperation mit der solarisBank waren die Deutsche Bank sowie die TeamBank mit ebenfalls innovativen und zukunftsweisenden Projekten für den Diamond Star nominiert.

Auch in der Kategorie „Digital Corporate Banking“ ging es darum, innovative Lösungen für das Banking der Zukunft zu finden. Die innovativste und vielversprechendste Lösung lieferte die Commerzbank. Die Abwicklung von Transaktionen zwischen Objekten wie beispielsweise Autos oder Maschinen ist ein neuartiger Bereich, der mit IoT-Ansätzen immer mehr an Relevanz gewinnt. Mit der R&D-Einheit “main incubator” haben Commerzbank und Daimler Trucks erstmals eine Blockchain-basierte Zahlungslösung geschaffen, die vollständig automatisierte Ladevorgänge ermöglicht. Neben der Commerzbank waren in dieser Kategorie PayPal und Iwoca ebenfalls für den Diamond Star nominiert. 

Bei den auxmoney Start-up Pitches, einem Side-Event des Handelsblatt Banken-Gipfels, hatten innovative Fintechs, Insurtechs und Legaltechs die Möglichkeit, sich und ihre Ideen einem Fachpublikum aus der Finanzbranche vorzustellen. 24 Start-Ups präsentierten ihre Lösungen vor Entscheidern aus etablierten Häusern sowie vor einer Jury. Der Bewerber „Nect“ konnte sowohl das Publikum als auch die Jury in besonderer Weise begeistern und den auxmoney Start-Up Pitch gewinnen. Nect bietet die erste in Deutschland zugelassene vollautomatische ID-Verifikation, spart 75% Kosten und ist mit 5 Sternen im AppStore der Favorit der Nutzer. Nect punktete mit hoher Nutzerfreundlichkeit sowie Sicherheit, eingebettet in ein innovatives Konzept.

Mit dem Handelsblatt Diamond Star werden jährlich im Rahmen des Handelsblatt Banken-Gipfels herausragende digitale Innovationen ausgezeichnet. Diese können z.B. aus den Themenbereichen neue Geschäftsmodelle, Digitalisierung der Vertriebs- oder Back-Office-Prozesse, neue Produkte und Services oder Nutzung digitaler Technologien stammen.

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Unterschätzte Hedgefonds

Von Dr. Oliver Everling | 5.September 2019

Marcus Storr, Head of Alternative Investments der FERI Trust GmbH, erläutert die Strategie seines Hauses, frühzeitig in Hedgefonds zu investieren, die bis 100 Millionen US$ haben. Die Hälfte aller Investoren investiere aber nicht in Hedgefonds mit weniger als 100 Mio. US$. Für einen großen amerikanischen Pensionsfonds komme ein solcher Manager nicht in Frage, diese Investoren schauen sich solche Fonds erst gar nicht an.

Storr illustriert die Entwicklungsphasen eines Hedgefonds, von der ersten Anstellung über den Beginn der Wiedereinlagerung bis zum Ausbau des Teams. Erste Investoren werden mit “Friends and Family” gewonnen, dann kommt eine Phase mit vermögenden Privatpersonen, bis die 100 Mio. US§-Schwelle überschritten sei und die großen Investoren Interesse finden. Die meisten Gründer seien Ende 20 oder Anfang 30, wenn sie sich selbständig machen. Die meisten schaffen es nicht, in die exponentielle Kurve hineinzukommen.

Mit der Hypothese, dass Hedgefonds viel Geld verdienen, lasse sich eine Strategie für Kunden entwickeln. Die Umsatzbeteiligung ist eine zusätzliche, optionsähnliche Renditequelle neben der Fondsrendite. Kleine Hedgefonds bieten bessere Transparenz und Incentivierung. Der Renditebeitrag aus der Beteiligung an Umsätzen aus der Management Fee ist unabhängig vom Marktumfeld. Storr tritt den Vorurteilen entgegen, nach denen Hedgefonds z.B.  intransparent und zu teuer seien.

Storr zeigt die Bedeutung der Umsatzbeteiligung auf. Es gehe um langfristiges Investieren. Die Vorteile des klassischen Seedings sei der größere Einfluss auf den Hedgefonds hinsichtlich Anlagestrategie, Team und Fondsstruktur. Storr zeigt demgegenüber seinen neuen Ansatz auf. Ein Asset der FERI seien die weitreichenden  Managerkontakte, die zugunsten der Kunden eingesetzt werden.

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Ermotti dämpft Hoffnungen auf Investitionssicherheit

Von Dr. Oliver Everling | 4.September 2019

Sergio P. Ermotti, Group CEO der UBS Group, lässt keine Hoffnung, dass die Ergebnisse der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken langfristig voraussehbar wären. So seien nicht einmal kurzfristige Konsequenzen klar. Möglicherweise würden die Auswirkungen noch künftige Generationen beschäftigen.

Auf dem Bankengipfel des Handelsblatts in Frankfurt am Main spricht Ermotti von Generationenfragen. Die Herausforderungen für Banken ergeben sich nicht nur aus den Zinspolitiken der Zentralbanken. Ermotti beschäftigen auch die neuen Kommunikations- und Informationstechnologien. Er will sich aber nicht der verbreiteten Vorstellung anschließen, dass die neuen Technologien schnell das Verhalten der Menschen ändern würden. Die meisten Menschen suchen immer noch persönlichen Rat und verlassen sich nicht allein auf Anzeigen auf ihrem Smartphone. Ermotti unterstreicht aber, dass die eher langsameren Veränderungen, die die neuen Technologien  ermöglichen, dafür umso tiefgreifender sein werden.

Angesichts der von Ermotti aufgeworfenen Unsicherheiten über die künftigen Rahmenbedingungen der Geschäftstätigkeit von Banken stellen sich Fragen nach „sicheren“  Anlagen. Befragt nach seinem Rat zur Geldanlage spricht Ermotti von Immobilien: So kommentiert er Immobilien in der Schweiz ebenso positiv wie die Aktie der UBS Group, deren Vorsitz er führt.

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Sewing fordert öffentliche Investitionen ein

Von Dr. Oliver Everling | 4.September 2019

Die deutliche Mehrheit der Experten auf dem Bankengipfel des Handelsblattes glaubt nicht, dass die Deutschen ausschließlich über Tech-Konzerne wie Google oder Apple ihre Bankgeschäfte abwickeln wollen. Mit dieser Einschätzung liegen die Teilnehmer des Gipfels gleichauf mit den repräsentativen Befragungsergebnissen des Handelsblattes in Deutschland, denn 72 % der Deutschen verneinten die Frage.

Die Deutsche Bank macht wieder Gewinn, die Commerzbank schlage sich wacker im MDax, leitet Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts in die Veranstaltung ein. Brexit, Handelskrieg, Disruption, Krise – die Deutschen seien gut darin, Krisen größer zu machen, als sie eigentlich seien. Das “Katastrophenmoment” in der Seele müsse zur Seite geschoben werden.

Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, gratuliert Afhüppe zur internationalen Rednerliste des Handelsblatts, einer Veranstaltung, die mit “Bankengipfel” einen neuen Namen gefunden hat und “Banken im Umbruch” ablöst.

Sewing bespricht die Krisenherde. Die Probleme Italiens bleiben ungelöst, aber auch außerhalb Europas, wie in Argentinien, gibt es Probleme. Sewing meint die Schleifspuren der Krisenherde bis hin zu Hongkong zu sehen. Der Geldhahn sei aufgedreht. 17 Billionen Euro werden negativ verzinst. Angesichts der trüben Aussichten habe die Europäische Zentralbank noch billigeres Geld in Aussicht gestellt. Eine weitere Zinssenkung werde verpuffen, warnt Sewing. Wer Zugang zum billigen Geld habe, gehöre zu den Gewinnern. Das lasse sich nicht durch eine Vermögenssteuer reparieren. Ein Fehler lasse sich nicht durch einen weiteren Fehler korrigieren.

Viele Menschen seien mit dem System unzufrieden, selbst in Deutschland seien im Osten nur noch ein Drittel der Menschen von der Sozialen Marktwirtschaft überzeugt. Vollbeschäftigung, Budgetüberschüsse stehen sozialen Spannungen gegenüber.Wenn sich die soziale Lage verschlechtere, gewinne der Populismus.

Sewing sieht den Wettlauf zwischen China und den USA insbesondere im Bereich der Technologie und kommentiert mit Sorge den norwegischen Staatsform, der sich auf US-Aktien fokussieren wolle. Nur als Europäische Union sei Europa ein Gegengewicht. Standort- und Steuerpolitik müsse umdenken, wie auch die Attraktivität für die besten Köpfe sei wichtig.

Die öffentliche Hand bekommt Geld zum Investieren. Sewing spricht sich für mehr öffentliche Investitionen für Technologie und Bildung aus: Internet of Things, schnelle Netze usw. Es gehöre offenbar immer noch zum “zum guten Ton”, die Banken zu kritisieren. Negativzinsen für Banken in Europa schaffen diesen einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Banken in den USA, die dort erhebliche Erträge vereinnahmen können.

Sewing zeigt auf, wie die Deutsche Bank ihre Hausaufgaben macht – von Investitionen in die Technologien über schmerzlichen Personalabbau bis hin zur Kapitalfreisetzung, wo die Bank den höchsten Nutzen für die Volkswirtschaft bringen kann. “Shareholder Value” sei als Konzept nicht genug. Unternehmen müssen alle Interessengruppen im Blick haben, insbesondere auch die Gesellschaft insgesamt. Der gesellschaftliche Nutzen müsse besser auch in den Geschäftszahlen reflektiert sein.

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Wirecard versteht sich als globales Unternehmen

Von Dr. Oliver Everling | 4.September 2019

Dr. Markus Braun, CEO von Wirecard unterscheidet sich von seinem Vorredner Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, in seiner Keynote auf dem Bankengipfel des Handelsblattes schon allein in seiner Art der Vorbereitung. Während Sewing eine Wort für Wort vorbereitete Rede geschliffen vortrug, geht Braun das Risiko einer spontanen Rede ein.

“Das Internet ist das geringschwelligste Medium zum Wissen, das wir je hatten”, sagt Braun. “Von jedem Punkt der Welt ist dieses Wissen zugänglich”, fügt er hinzu. Das Potential sei nicht zu unterschätzen. Die Geschichte der Menschheit könne als Fortschritt der Verarbeitung von Daten verstanden werden.

Wirecard verstehe sich als schnellstwachsende Plattform für Commerce. Alle Vertriebskanäle müssen über eine Plattformstruktur verknüpft werden. Auch Banken würden beginnen, in diese Richtung zu denken. Algorithmen seien ein ganz wesentliches Fortschrittsthema. Im Risikomanagement werden Ecthzeit die Verarbeitung der Daten, aber auch durch die Logik Mehrwert für den Kunden gegeben. Um den Kernalgorithmus herum würden weiter Algorithmen aufgebaut, um in Echtzeit weitere Produkte dranzuhängen.

Wirecard bewege sich als Zahlungsabwickler in den Bankenbereich mit einer offenen Plattofrm, denn es gehe heute nicht mehr darum, in allen Bereichen die gesamte Wertschöpfung abzubilden. Daten dürfen nicht vor anderen versteckt werden, sondern sollen in Partnerschaften gemeinsam genutzt werden. “In 15 Jahren sprechen wir nicht mehr über eine Silobank”, sondern Bankprozesse würden voll integriert in das Nutzerverhalten der Konsumenten.

Die gleiche App werde Fahrzeuge bereitstellen, Zahlungen und Versicherungen integrieren. Auch bei B2B würden immer mehr Leistungen integriert, die das gesamte “Ökosystem” abdecken.

Braun glaubt nicht an eine “künstliche Intelligenz”, die über dem Menschen stehen werde. Er sieht lernende Maschinen, maschinelle Lernprozesse, Biometrie und Epigenetik, selbstfahrende Autos. Braun erwartet hier die höchsten Potentiale für Unternehmenswerte. Die meisten Unternehmen würden heute erst einen Bruchteiil der Daten nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen.

Viel breitere Teile der Welt werden Teil des WIrtschaftsprozesses in der Globalisierung. Wirecard verstehe sich als globales Unternehmen auf allen Kontinenten. Braun sieht darin Chancen, nicht nur aufgrund der entstehenden Kaufkraft und der Märkte, die sich durch den Aufstieg auch in Ländern wie China auftun..

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Chinas Sozialkreditsystem für Unternehmen

Von Dr. Oliver Everling | 3.September 2019

Die Standardisierung von Social Credit in China ist seit 2008 ein Thema der RATING EVIDENCE GmbH und führte u.a. im Jahr 2010 zu einer Veröffentlichung in der „Technical Book Series on Standardization of Social Credit in China“ von der Standardization Administration of China (Beijing, August 2010, 420 Seiten, ISBN 978-7-5026-3332-5). Die Handelskammer der Europäischen Union in China veröffentlichte nun in Zusammenarbeit mit Sinolytics einen umfassenden Bericht mit dem Titel „Die digitale Hand: Wie Chinas Corporate Social Credit System die Marktakteure beeinflusst“, eine umfassende Studie zum chinesischen Corporate Social Credit System (SCS).

Bisher konzentrierte sich die Diskussion über Chinas SCS in erster Linie auf die potenziellen Auswirkungen auf Einzelpersonen. Die Auswirkungen auf das Geschäft blieben trotz der erheblichen Störungen, die das System für alle Unternehmen in China mit sich bringen wird, weitgehend im Dunkeln. Mit der Einführung des Systems für 2020 hat die Europäische Kammer diesen wichtigen Bericht veröffentlicht, um die Wissenslücken in der Öffentlichkeit zu schließen.

Das Corporate SCS nutzt moderne Technologien, um Marktteilnehmer zu überwachen, zu steuern und zu steuern. Es umfasst eine Vielzahl von Ratinganforderungen, die die Grundlage für die Berechnung von regulatorischen Ratings bilden, die an alle Marktakteure vergeben werden. Das Verhalten der Unternehmen wird fortlaufend überwacht, wobei die Punktzahlen entsprechend angepasst werden. Wenn Unternehmen nicht alle Aspekte des Systems genau kennen und nicht wissen, was sie tun müssen, um die Anforderungen zu erfüllen, riskieren sie schwerwiegende Folgen wie Sanktionen oder sogar das Auflisten auf eine schwarze Liste:

Den Unternehmen stellen sich nun neue Compliance-Herausforderungen: Die meisten Rating-Anforderungen betreffen die strikte Einhaltung von Marktvorschriften in China. Internationale Unternehmen mit starken internen Compliance-Systemen sind in der Regel gut aufgestellt, um die Bewertungsergebnisse zu maximieren, müssen jedoch ein umfassendes und präzises Verständnis der erforderlichen Maßnahmen haben. KMU können insbesondere aufgrund der zusätzlichen Ressourcen Schwierigkeiten haben.

Darüber hinaus stellen sich strategische Herausforderungen: Die Auswahl der richtigen Partner und Lieferanten und deren regelmäßige Überwachung werden Teil der Unternehmensführung, da ihr Verhalten, ihre Vertrauenswürdigkeit und ihre Bewertungen die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens beeinflussen.

Schließlich sind noch Herausforderungen für die Integrität von Unternehmensdaten nicht zu unterschätzen: Das System der aufsichtsrechtlichen Ratings erfordert die Erfassung großer Mengen von Unternehmensdaten, hauptsächlich durch obligatorische Datenübermittlung an Regierungsbehörden, wodurch das Profil eines Unternehmens immer vollständiger offengelegt wird. Bei umfangreichen Datenübertragungen werden wahrscheinlich einige sensible Datenpunkte wie technologische Details und Personalinformationen berücksichtigt.

„Chinas Corporate Social Credit System ist der konzertierteste Versuch einer Regierung, einen selbstregulierenden Markt einzuführen, und es könnte Leben oder Tod für einzelne Unternehmen bedeuten“, sagte Jörg Wuttke, Präsident der Handelskammer der Europäischen Union in China. „Chinas Corporate Social Credit System ist in jedem Fall auf Dauer da. Unternehmen in China müssen sich auf die Konsequenzen vorbereiten, um sicherzustellen, dass sie mit der Punktzahl leben und nicht mit der Punktzahl sterben. “

„Das Corporate Social Credit System ist nicht länger nur eine Vision“, sagte Björn Conrad, CEO von Sinolytics. „Das System sammelt bereits große Datenmengen, bewertet die Leistung und wirkt sich auf den Geschäftsbetrieb des Unternehmens aus. Da die Umsetzung des Corporate SCS nun in die entscheidende Phase rückt, bietet dieser Bericht einen Ausgangspunkt, damit sich die europäische Wirtschaft auf ihre Herausforderungen vorbereiten kann, bevor sie sich vollständig entfaltet. “

Der vollständige Report ist hier herunterzuladen. Einen kurzen Eindruck gibt es hier in der ARD Tagesschau.

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Rating von Cybersicherheit

Von Dr. Oliver Everling | 31.August 2019

Cyberversicherungen sind ein top Thema unserer Zeit. Wer am Straßenverkehr teilnimmt, muss zwingend über eine Haftpflichtversicherung verfügen und sichert sich in den meisten Fällen auch noch zusätzlich mit einer Teil – oder Vollkaskoversicherung ab. Wer sich am Datenverkehr im World-Wide-Web beteiligt, kann dies bis heute noch ohne jede Versicherung tun. 

Dabei sind die Risiken auch im Cyberspace nicht zu unterschätzen. Risikoerfassung, Risikoaufbereitung, Rating und Risikoevaluierung sowie die Absicherung von sogenannten Cyberrisiken bedarf profunder Kenntnisse. Zu den Kennern der Materie gehört Thomas Pache, Diplom-Ingenieur und Diplom-Wirtschaftsingenieur, der mit rund 25 Jahren Erfahrung in der industriellen und gewerblichen Haftpflichtversicherung sich als Cyberunderwriter der ersten Stunde und Mitglied der Projektgruppen Cyber-Versicherung und die IT-Haftpflicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft dem Thema in einer neuen Buchpublikation zugewandt hat.

Wer sich mit Cyberversicherungen beschäftigt, hat schnell 100 Fragen, für die sich oft vergeblich Antworten im Internet suchen lassen. Verlässliche Antworten will nun Thomas Pache in seinem Buch mit dem Titel “100 Fragen rund um Cyberversicherungen” geben. Sein Buch erscheint bei der VVW GmbH in Karlsruhe. Schon der Buchtitel lässt vermuten, dass es sich hier nicht um ein wissenschaftliches Werk mit vielen Fußnoten und Verweisen auf Paragraphen handelt, sondern um ein Handbuch, das Praktikern in der Beratung und Anwendung hilft.

Pache lässt es aber nicht an Genauigkeit erübrigen, sondern führt auch in die Fachterminologie ein. Ein Stichwortverzeichnis hilft, schnell Definitionen zu Fachbegriffen zu finden, die in manchen Antworten verwendet werden. So ist das Buch auch ein Nachschlagewerk mit Lexikoncharakter, das auf 142 Seiten den Leser befähigt, in der Branche mitzureden. Das Buch ist aber nicht nur für diejenigen interessant, die sich ein besseres Begriffsverständnis wünschen, sondern auch für jene, die sich unter Begriffen wie act Committed, Authentizitätsverletzung, Beteiligungskumul, Cryptomining, Integralfranchise, Kritis, Ransomware, Resilienz, Vorwärtsdeckung oder Zentralisierungsgrad bereits etwas vorstellen können und denen eine Fülle nötiger Abkürzungen wie BSI, DDoS, DRP, EnWG, ILF, ITIL, PCI-DDS oder VdS 3473 schon geläufig sind. 

Unter einer Cyberrisikenversicherung versteht Pache eine um Krisenreaktions-(Assistence-) Dienstleistungen gruppierte (überspartliche) Vermögensschadenversicherung mit Dritt- und Eigenschadenkomponenten für Schadenfälle aufgrund eintretender oder vermuteter Informationssicherheitsverletzungen (Datenschutz-, Datensicherheits- oder ITK-Systemsicherheitsverletzungen).

Die Cyberversicherung ist derzeit keine eigene Sparte im Sinne der Anlage 1 des Versicherungsaufsichtsgesetzes. Da Paragraph 8 des Versicherungsaufsichtsgesetzes hierauf verweist, ergibt sich zwangsläufig, dass Versicherer, die eine Cyberversicherung anbieten wollen, die Zulassung zum Geschäftsbetrieb für sämtliche von dieser Cyberversicherung umfassten Spartenrisiken gemäß Anlage 1 besitzen müssen. Das Silent Cyber Risk betrifft Versicherungsfälle in traditionellen Sparten, welche ihre Ursache in sich verwirklichenden Cyberrisiken haben. Eine Ursache kann gleich eine Reihe verschiedenster Versicherungen betreffen und somit zu bislang nicht berücksichtigten Kumulen für Versicherer und Rückversicherer führen. Das Buch von Thomas Pache betrifft somit praktisch jeden, der in der Versicherungsbranche tätig ist, gleich, ob es um Kfz-Versicherung, Feuer- und Sachversicherung, technische Versicherung oder Lebensversicherung geht.

Das Buch vermittelt nicht nur das erforderliche Fachwissen, um bei Fragen zu Cyberversicherungen mitreden zu können. Pache gibt an vielen Stellen auch konkrete Anleitungen für Versicherer und Makler, wie sie bestimmte Fragen im Kundengespräch angehen können. Eine der ersten Fragen im Gespräch mit potenziellen Cyberversicherungsneukunden, aber auch mit Maklern, die sich bis dato nicht näher mit dieser neuen Sparte befasst haben, laute in etwa wie folgt: “Wir haben doch schon die XY-Versicherung – ist das Risiko dort nicht schon versichert?” Aufgrund der Zielrichtung von Cyberversicherungen seien potentielle Doppelversicherungen mit traditionellen Spartenpolicen zwar bereits minimiert, sollte es dennoch zu einer Doppelversicherung kommen, so dürfte die Vorrangigkeit der Cyberversicherung in der Regel dazu führen, dass diese als erste leiste, so Pache.

Macht die Nutzung von Cybersicherheitsratingagenturen Sinn? Pache gibt darauf eine differenzierte Antwort, denn die meist technisch orientierten Risikoingenieure und IT-Sicherheitsfachleute stehen solchen entgeltlich angebotenen Diensten teils kritisch gegenüber. Manche Entscheider auf Versicherungsseite können sich hier doch nach Feststellung von Pache – “meist proportional zu ihrer Entfernung von der Thematik” – für diese Internet-Sicherheitsratingagenturen begeistern, bieten diese doch in der Regel eine auf Noten und Farben basierte Ampelbewertung, meist sogar in Form einer einfach zu lesenden Management-Summary. Pache positioniert sich daher zwischen glühenden Verfechtern und Gegnern der Ratingtools. Aus Sicht des Autors ist die Nutzung solcher Dienste grundsätzlich sinnvoll, da sie zum einen als Außensicht auf das zu versichernde Risiko eine nicht zu unterschätzende vertriebliche Wirkung entfalten und zum anderen Ansatzpunkte für eventuelle Nachfragen des Underwriters liefern können. Die sinnvolle Nutzung setze jedoch voraus, dass die Nutzer in Bedienung und Interpretation der Ergebnisse geschult seien, um die gelieferten Ergebnisse aus Underwriting-Sicht fachgerecht interpretieren zu können.

Obwohl sich die von Pache aufgeworfenen Fragen unabhängig voneinander stellen und sich das Buch somit insbesondere als Nachschlagewerk eignet, ist der Text auch eine kurzweilige Lektüre, wenn man das Buch von Anfang bis Ende liest, da Fragen und Antworten inhaltlich sich vielfach jeweils zu folgenden Fragen und Antworten verknüpfen. Außerdem lockern Grafiken, Tabellen und Diagramme den Text auf und machen das Lesen zur kurzweiligen Lektüre.

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Nicht-finanzielle Risiken im Rating

Von Dr. Oliver Everling | 29.August 2019

Die Beurteilung bzw. das Rating, die Steuerung, das Controlling und das Management von nicht-finanziellen Risiken (Non-Financial Risks) gewinnen aufgrund der stetig steigenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen sowie zunehmender prozessualer Notwendigkeiten (z.B. Digitalisierung) und Bedrohungen (z.B. Cyberrisiken) immer mehr an Bedeutung bei Finanzinstituten und Versicherungen. Hierbei gilt es, die Balance zwischen Risikovermeidung und -beherrschung auf der einen Seite und betriebswirtschaftlichem Handeln auf der anderen Seite zu bewahren.

Zu den Non-Financial Risks werden neben den operationellen Risiken unter anderem auch die Reputationsrisiken, Verhaltensrisiken, Modellrisiken sowie die Geschäfts- und die strategischen Risiken gerechnet.

In diesem Kontext veranstaltet die VÖB-Service GmbH am 25. und 26. September 2019 den Kongress „Non-Financial Risk (NFR) in der Finanzwirtschaft“ in der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen. An den beiden Tagen findet eine Vielzahl von Fachvorträgen, Workshops und Networkingaktivitäten zu aktuellen NFR-Themen statt. Erwartet werden rund 150 Fach- und Führungskräfte aus Wissenschaft und Praxis, von Kreditinstituten, Verbänden und Bankaufsichtsbehörden. Mehr Infos unter www.nfr-kongress.de.

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Verbriefungen dienen Green Finance

Von Dr. Oliver Everling | 29.August 2019

Es sind Zeiten des Übergangs und des Umbruchs: Neue Mobilitätskonzepte, Klimawandel, Digitalisierung, Fintechs und Blockchain sind die Themen, die auch die Finanzmärkte 2019 und in den Folgejahren prägen werden. Dies alles steht im Zeichen einer sich eintrübenden Konjunkturentwicklung und drehenden Kreditzyklus.

Doch Umbrüche stecken voller Chancen; man muss sie jedoch erkennen und zu nutzen wissen. Ein gutes und funktionierendes Netzwerk ist dabei eine große Hilfe. Für den Asset Based Finance Markt arbeitet die TSI mit ihren Partnern seit Jahren daran und somit ist die TSI Community national und international stetig gewachsen. Dies wiederum kommt allen Beteiligten zugute. Dreh- und Angelpunkt dabei ist der jährliche TSI Kongress im September in Berlin „…where the community meets“.

Auf dem diesjährigen TSI Kongress, der am 26. und 27. September 2019 stattfinden wird, nähern sich die Teilnehmer den relevanten Themen unter der Überschrift „ABS Reloaded: Die Chancen von STS in unruhigen Zeiten“.

Egal ob Green Finance oder Umbau der Automobilindustrie – der große Finanzierungsbedarf, der vor uns liegt, braucht Asset Based Finanzierungen und Verbriefungsinstrumente. Allein schon deshalb wird ABS und Asset Based Finance in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

Branchenkenner erwarten einen Kongress mit hochaktuellen Themen und spannenden Speakern, der viele Anregungen für die anstehenden Herausforderungen im Asset Based Finance Umfeld liefern wird. Der jährliche TSI Kongress wird durch die gesamte Verbriefungs- und Asset Based Finance Industrie sowie von Politik und Wirtschaft unterstützt.

Themen: Veranstaltungen, Verbriefungsrating | Kein Kommentar »

Musik vom sinkenden Schiff

Von Dr. Oliver Everling | 27.August 2019

Wie auf der sinkenden Titanic versucht die SPD mit Wohlklängen insbesondere in den Ohren ihrer – vielleicht schon bald abtrünnigen – vermögenslosen Anhänger für gute Stimmung zu sorgen. 

„Die schwindende Gunst beim Wähler treibt die SPD vor sich her. Ihre neueste Idee ist die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Damit möchte sie offensichtlich das linke Profil schärfen. Auf den ersten Blick erscheint diese Forderung durchaus berechtigt. Deutschland ist eines der wenigen Länder innerhalb der OECD, das keine Vermögenssteuer erhebt“, stellt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt & Leiter Research von der DZ BANK die Faktenlage klar.

„Jedoch sollte man diese Steuer nicht isoliert betrachten. Die Einkommenssteuer spielt hier ebenfalls eine wichtige Rolle, da aus dem Einkommen üblicherweise Vermögen gebildet wird. Die Steuersätze für die Einkommenssteuer sind in Deutschland im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern jedoch mit am höchsten“, sagt Bielmeier. So liege der Einkommenssteuersatz für eine Familie mit zwei Kindern und zwei Verdienern durchschnittlich bei 39%. Der OECD-Durchschnitt liegt hier nur bei 28% (Single-Haushalte: 49,5% gegenüber 36% in der OECD).

„Wenn man also fordert, die Vermögenssteuer wiedereinzuführen, sollte oder muss man auch die Einkommenssteuer senken. Damit würde es man den Familien – gerade vor dem Hintergrund negativer Zinsen – erleichtern, selbst Vermögen zu bilden oder die private Altersvorsorge aufzubauen. Bei der Einführung einer Vermögenssteuer sollte man sich auch einige Gedanken um Freibeträge und Unternehmensvermögen machen, damit der Standort Deutschland nicht an Wettbewerbsfähigkeit verliert“, so Bielmeier.

Sollte sich die Diskussion um eine Vermögenssteuer fortsetzen, wird Bielmeier eine Fülle weiterer Fragen aufwerfen dürfen: Deutsche Sparer wären von der Vermögenssteuer besonders hart getroffen, da die meisten Deutschen fürs Alter mit Ersparnissen vorsorgen, die sehr niedrig verzinst sind. Als „sicherer Hafen“ strömt nach Deutschland Kapital, das Renditen auch jenseits der Negativzinsen der Europäischen Zentralbank drückt und es deutschen Anlegern praktisch unmöglich macht, den Lebensstandard im Alter zu halten. Zur Enteignung durch hohe Einkommensteuern, Abgaben, Inflation und Negativzinsen käme noch die Enteignung durch die Vermögenssteuer hinzu.

So bleibt zu hoffen, dass sich die Analysten des DZ BANK Research nicht ernsthaft mit den Klängen der letzten „Musiker“ auf dem sinkenden Schiff der SPD befassen müssen. Zu den jüngsten Bemerkungen von Bielmeier ließen sich eine Vielzahl von Aspekten hinzufügen. Bielmeier ist sich der Komplexität des Themas bewusst: „Vor dem Hintergrund der Generationengerechtigkeit mag die Vermögenssteuer ein wichtiges Thema sein. Für politische Schnellschüsse ist sie jedoch aufgrund ihrer komplexen Wirkungen auf die Gesellschaft nicht geeignet“, mahnt der Chefvolkswirt des Spitzeninstituts der Genossenschaftsbanken.

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  • Die meisten Unternehmen messen ihre Erfolge auch heute noch in Währungseinheiten, in Euro oder Dollar zum Beispiel. Dabei lassen sich die Einflussfaktoren des Erfolgs nicht allein an einer Zahl abbilden. Zur Steuerung von Investitionen reicht es einerseits nicht aus, Investitionen lediglich zu beschreiben, andererseits sind viele Umstände nicht kardinal zu skalieren. Klassifizierungen mit Ratingskalen sind daher eine Methode, mehr Transparenz für praktische Entscheidungen zu schaffen. Seit Ende der 1980er Jahre arbeiten wir daran und deshalb gibt es seit 1998 diesen Blog. RATING EVIDENCE GmbH - Wofür wir stehen: Es ist unser Anspruch, Werte zu schaffen, indem wir den Nutzen von Ratings erschließen.