Vom Rating zur immersiven Evidenz

Von Dr. Oliver Everling | 18.August 2026

Als der Blog everling.de 1998 entstand, stand eine Frage im Mittelpunkt, die bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren hat: Wie lassen sich Informationen über Unternehmen, Märkte und Risiken so aufbereiten, dass daraus verlässlichere wirtschaftliche Entscheidungen entstehen können? Das Credit Rating war dafür ein besonders geeignetes Instrument. Es verdichtet eine Vielzahl von Informationen zu einer Einschätzung der Bonität und schafft damit Orientierung für Investoren, Banken und andere Marktteilnehmer. Daraus folgt der Slogan „Den Nutzen von Ratings erschließen“.

Doch mit der zunehmenden Komplexität der Wirtschaft hat sich auch der Gegenstand der Analyse verändert. Aus der ursprünglichen Beschäftigung mit Bonität und Kreditrisiken entwickelte sich ein immer umfassenderer Blick auf Qualität, Risiko, Governance, Nachhaltigkeit, Technologie und die Faktoren, die Vertrauen in wirtschaftliche Beziehungen ermöglichen.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Themen des Blogs wider. Rating wurde nicht mehr nur als Bewertung der Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls verstanden, sondern zunehmend als Methode, wirtschaftlich relevante Eigenschaften systematisch sichtbar und vergleichbar zu machen. Fragen nach ESG, Corporate Governance, technologischer Leistungsfähigkeit, Soft Skills, Immobilienqualität oder der Qualität wirtschaftlicher Beziehungen gehören deshalb nicht zufällig in dasselbe Themenfeld. Sie folgen einer gemeinsamen Logik: Entscheidend ist nicht allein, was sich unmittelbar in einer Bilanz ablesen lässt, sondern welche Faktoren die zukünftige Leistungsfähigkeit, Stabilität und Vertrauenswürdigkeit eines Unternehmens bestimmen.

Damit rückt der von der RATING EVIDENCE GmbH besetzte Begriff der Evidenz stärker in den Mittelpunkt. Quantitative Kennzahlen bleiben unverzichtbar, reichen aber häufig nicht aus, um komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Ein Unternehmen kann eine hervorragende Bilanz aufweisen und dennoch erheblichen technologischen, regulatorischen oder strategischen Risiken ausgesetzt sein. Umgekehrt können Eigenschaften, die sich zunächst nicht in klassischen Finanzkennzahlen ausdrücken, für die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens von erheblicher Bedeutung sein. Die Herausforderung besteht deshalb darin, quantitative und qualitative Informationen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern in einer nachvollziehbaren Analyse miteinander zu verbinden.

Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz verschärft diese Herausforderung und eröffnet zugleich neue Möglichkeiten. Noch nie standen so große Mengen wirtschaftlicher Informationen zur Verfügung, und noch nie konnten solche Datenmengen so schnell analysiert werden. Mehr Daten bedeuten allerdings nicht automatisch mehr Erkenntnis. Im Gegenteil: Je größer die Informationsmenge wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit, relevante Zusammenhänge zu erkennen, Informationen zu strukturieren und die Entstehung einer Bewertung nachvollziehbar zu machen. Die Zukunft der Analyse liegt deshalb nicht allein in der Geschwindigkeit der Berechnung, sondern in der Qualität der Verbindung zwischen Daten, Evidenz und menschlichem Urteil.

An diesem Punkt gewinnt auch Immersive Analytics an Bedeutung. Während traditionelle Analyseinstrumente Informationen überwiegend in Tabellen, Berichten und zweidimensionalen Grafiken darstellen, eröffnet die immersive Visualisierung die Möglichkeit, komplexe Beziehungen in einem räumlichen Informationsmodell zu erkunden. Der Nutzer kann Perspektiven verändern, Zusammenhänge unmittelbar wahrnehmen und unterschiedliche Dimensionen eines Unternehmens oder eines Investments miteinander in Beziehung setzen. Die Visualisierung wird damit nicht lediglich zu einer attraktiveren Form der Präsentation, sondern kann selbst zu einem Instrument der Erkenntnis werden.

Gerade für Rating und Investmententscheidungen ist diese Entwicklung interessant. Ein Unternehmen lässt sich als komplexes System betrachten, in dem finanzielle Kennzahlen, Geschäftsmodell, Technologie, Marktposition, Lieferketten, ESG-Faktoren, Governance und weitere Eigenschaften miteinander verbunden sind. Eine einzelne Ratingnote kann eine solche Komplexität verdichten, aber sie kann sie nicht vollständig sichtbar machen. Immersive Analytics kann dazu beitragen, den Weg von den zugrunde liegenden Informationen zur Bewertung besser nachvollziehbar zu machen. Rating verdichtet Komplexität, künstliche Intelligenz unterstützt ihre Analyse und immersive Visualisierung macht Zusammenhänge erfahrbar. Die Entscheidung selbst bleibt beim Menschen.

Der nächste Schritt besteht daher darin, diese Entwicklung nicht bei der Analyse und Visualisierung von Informationen enden zu lassen. Mit Data2Space entsteht eine Perspektive, in der Daten und wirtschaftliche Zusammenhänge in einen räumlichen Kontext gebracht werden können. Die Idee ist besonders für Projekte interessant, bei denen Investitionen, Finanzierungen, Unternehmen und ihre Beziehungen zueinander nicht mehr nur als einzelne Zahlen oder Dokumente betrachtet werden sollen, sondern als miteinander verbundene Informationsräume.

Data2Space kann dabei eine Brücke zwischen der langjährigen Erfahrung mit Ratings und der nächsten Generation der Datenvisualisierung bilden. Informationen über Unternehmen, Investitionen und Finanzierungen werden nicht mehr lediglich gelesen oder in Tabellen verglichen, sondern können in ihren Beziehungen und Zusammenhängen sichtbar und explorierbar werden. So setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits mit dem klassischen Credit Rating begonnen hat. Das Ziel war damals wie heute, Unsicherheit zu reduzieren und bessere Entscheidungen zu ermöglichen. Verändert haben sich die Daten, die Methoden und die technischen Möglichkeiten. Die grundlegende Aufgabe bleibt jedoch bestehen: Aus Informationen belastbare Evidenz zu gewinnen, aus Evidenz Vertrauen zu schaffen und damit eine bessere Grundlage für Entscheidungen und eine intelligentere Allokation von Kapital zu schaffen.

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152 Maßnahmen sind noch keine Strategie – und XR bleibt außen vor

Von Dr. Oliver Everling | 18.August 2026

Die von Heike Gündling auf www.addreal.de veröffentlichte Analyse der Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung setzt an einem Punkt an, der auch für die Bewertung von Zukunftstechnologien von erheblicher Bedeutung ist: Die Bundesregierung zählt Maßnahmen, aber sie formuliert daraus noch keine überzeugende strategische Priorisierung.

Gündling bringt ihre Kritik bereits im Titel prägnant auf den Punkt: „152 Maßnahmen sind noch keine Strategie“. Ihre zentrale Definition von Strategie lautet: „Eine Strategie zeichnet sich dadurch aus, dass sie priorisiert, verwirft und sich messbar macht.“ Genau daran misst sie das 58 Seiten umfassende Papier mit seinen acht Handlungsfeldern und 152 Maßnahmen. Ihr Urteil fällt entsprechend kritisch aus: Das Dokument sei „weniger ein strategischer Entwurf als ein ressortübergreifendes Kompendium dessen, was ohnehin läuft, geplant ist oder geprüft werden soll“.

Diese Kritik ist gerade im Zusammenhang mit Extended Reality bemerkenswert. Denn eine Strategie für Startups und Scaleups muss nicht nur bestehende Förderprogramme katalogisieren. Sie muss erkennen, welche technologischen Entwicklungen neue Märkte, neue Geschäftsmodelle und neue Formen der Interaktion hervorbringen. Genau hier stellt sich die Frage, ob die Bundesregierung die wirtschaftliche Bedeutung von XR bereits ausreichend erkannt hat.

Gündling beschreibt ein Grundproblem der Strategie mit einer besonders prägnanten Formulierung: „Konsolidierung wird angekündigt, Expansion wird geliefert.“ Übertragen auf Zukunftstechnologien bedeutet dies: Die Bundesregierung beschreibt zahlreiche Maßnahmen zur Förderung von Innovation, benennt aber nicht mit der notwendigen Konsequenz diejenigen technologischen Felder, bei denen Deutschland eine eigene internationale Position aufbauen sollte.

Hinzu kommt nach Gündlings Analyse die auffällige Sprache des Strategiepapiers. „Wir prüfen, wir streben an, wir setzen uns ein, wir erörtern“ dominiere das Dokument. Für eine Technologie wie XR ist das besonders relevant. Denn in einem internationalen Technologiewettbewerb entscheidet nicht allein die Erkenntnis, dass eine Technologie interessant ist. Entscheidend ist, ob Unternehmen, Investoren, Forschungseinrichtungen und öffentliche Auftraggeber daraus konkrete Anwendungen und Märkte entwickeln können.

Gündling kritisiert deshalb auch die fehlende Verbindlichkeit vieler Maßnahmen. Die Strategie stehe insgesamt unter dem Vorbehalt von Zuständigkeiten, verfügbaren Haushaltsmitteln und EU-Beihilferecht. „Eine Strategie unter Gesamtvorbehalt ist strenggenommen eine Absichtserklärung“, lautet ihr zugespitztes Urteil.

Gerade XR benötigt jedoch eine andere Perspektive. Die Technologie befindet sich an einer Schnittstelle von Software, künstlicher Intelligenz, 3D-Daten, digitalen Zwillingen, Computer Vision, Simulation und Mensch-Maschine-Interaktion. Ihre wirtschaftliche Bedeutung entsteht deshalb nicht durch eine einzelne Anwendung, sondern durch die Verbindung verschiedener Technologiefelder.

Für Deutschland eröffnet sich hier ein erheblicher Handlungsspielraum. XR kann industrielle Produktionsprozesse visualisieren, digitale Zwillinge begehbar machen, medizinische Informationen räumlich darstellen, Schulungen und Simulationen ermöglichen und neue Formen der Zusammenarbeit schaffen. Im Finanzbereich können Portfolios, Unternehmensstrukturen, Beteiligungen, Ratings oder komplexe Finanzmodelle zu interaktiven Informationsräumen werden.

Gerade Data2Space zeigt, dass diese Entwicklung bereits praktisch umgesetzt wird. Finanz- und Unternehmensinformationen bleiben nicht auf Tabellen, Charts und Dokumente beschränkt, sondern werden räumlich strukturiert und interaktiv erfahrbar. Damit entsteht aus klassischer Datenvisualisierung eine neue Form der Informationsverarbeitung.

Gündling richtet ihren Blick insbesondere auf die Frage, wo die Strategie die eigentlichen wirtschaftlichen Hebel setzt. Beim Kapitalmarkt kommt sie zu einem ernüchternden Ergebnis. Die Diagnose eines zu dünnen privaten Wagniskapitalmarktes sei zwar „zutreffend und ehrlich“, doch auf diese Diagnose antworte die Strategie „überwiegend mit mehr Staatsgeld“.

Auch für XR ist diese Unterscheidung entscheidend. Die Entwicklung einer international erfolgreichen XR-Industrie lässt sich nicht allein durch staatliche Förderprogramme erzeugen. Entscheidend sind private Investitionen, zahlungsbereite Kunden, starke industrielle Anwender, skalierbare Geschäftsmodelle und internationale Märkte.

Besonders interessant ist deshalb Gündlings Kritik an der fehlenden Angebotsseite privaten Kapitals. Sie nennt Versorgungswerke, Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen und stellt fest: „Dort passiert erstaunlich wenig.“ Für XR-Unternehmen ist dieser Befund von besonderer Bedeutung, weil viele immersive Technologien lange Entwicklungszyklen benötigen und häufig zunächst erhebliche Investitionen in Software, Datenmodelle, Schnittstellen und Anwendungen erfordern.

Noch deutlicher wird Gündlings Argumentation beim Bürokratieabbau. „Achtundachtzig Prozent der Startups nennen weniger Bürokratie als wichtigsten Faktor, der für eine Gründung im Ausland spräche.“ Ihre Schlussfolgerung fällt ernüchternd aus: „Keine einzige davon streicht eine Norm.“

Für XR entsteht daraus eine doppelte Herausforderung. Zum einen benötigen junge Technologieunternehmen schnelle und verlässliche Rahmenbedingungen. Zum anderen müssen staatliche Stellen selbst offen dafür sein, neue Technologien in ihren eigenen Prozessen einzusetzen. Eine Regierung, die XR nicht als strategische Technologie betrachtet, erzeugt damit möglicherweise einen Kreislauf: Unternehmen entwickeln Anwendungen, während öffentliche Institutionen deren Potenzial erst spät erkennen.

Besonders aufschlussreich ist Gündlings Analyse der Beziehung zwischen Startups und Mittelstand. Die Kooperationsquote sei von „über siebzig Prozent vor rund sechs Jahren auf aktuell etwa sechsundfünfzig Prozent gefallen“. Gleichzeitig erzielten rund 75 Prozent der Startups ihre Umsätze im B2B-Geschäft. Gündling fasst den Befund prägnant zusammen: „Der wichtigste Absatzkanal deutscher Startups erodiert, und zwar erheblich.“

Für XR ist diese Entwicklung besonders relevant. Viele industrielle XR-Anwendungen entstehen gerade dort, wo Startups neue Technologien mit dem Know-how etablierter Unternehmen verbinden. Der Mittelstand ist potenziell einer der wichtigsten Kunden für digitale Zwillinge, immersive Trainingssysteme, räumliche Datenvisualisierung und kollaborative virtuelle Arbeitsumgebungen.

Wenn diese Kooperationen zurückgehen, verliert nicht nur das Startup einen Kunden. Auch der etablierte Mittelständler verliert einen Zugang zu neuen Technologien.

Gündling kritisiert deshalb, dass die Strategie beim Mittelstand vor allem auf „Vernetzungsbemühungen“ setzt. Der Mittelstand werde „sensibilisiert, verzahnt, fit gemacht – aber nicht entlastet“. Für XR lässt sich diese Kritik unmittelbar weiterdenken: Es genügt nicht, Unternehmen auf die Existenz immersiver Technologien aufmerksam zu machen. Es braucht konkrete wirtschaftliche Anreize, diese Technologien tatsächlich einzusetzen.

Hier liegt eine Chance für eine stärker technologieorientierte Startup-Politik. Wenn ein mittelständisches Unternehmen einen digitalen Zwilling entwickelt, seine Produktionsprozesse in XR abbildet oder Finanz- und Unternehmensdaten in einem interaktiven 3D-Raum analysiert, entsteht nicht nur ein neues digitales Produkt. Es entsteht ein Testmarkt für eine Technologie, aus dem wiederum skalierbare Geschäftsmodelle hervorgehen können.

Gündling fordert deshalb grundsätzlich einen Wechsel von der reinen Maßnahmenorientierung hin zu messbaren Ergebnissen. Ihr Vorschlag lautet: „Zielwerte statt Maßnahmenzählung.“ Die Strategie enthalte bereits Kennzahlen, mache daraus aber keine verbindlichen Zielwerte.

Genau diese Logik wäre auch für XR sinnvoll. Nicht die Zahl der geförderten XR-Projekte wäre entscheidend, sondern beispielsweise die Zahl der Unternehmen, die immersive Technologien produktiv einsetzen, das Volumen privater XR-Investitionen, die Zahl international skalierbarer XR-Unternehmen oder der Anteil öffentlicher Beschaffung, der innovative immersive Anwendungen tatsächlich nutzt.

Gündlings Kritik liefert damit einen interessanten Maßstab für die Frage, wie eine echte XR-Strategie aussehen müsste. Sie müsste nicht möglichst viele Maßnahmen versammeln, sondern klare Prioritäten setzen. Sie müsste definieren, in welchen Bereichen Deutschland eine internationale Führungsposition anstrebt. Sie müsste Forschung, Startup-Finanzierung, industrielle Anwendung, öffentliche Beschaffung und internationale Skalierung miteinander verbinden.

Vor allem müsste sie XR nicht als Nischentechnologie behandeln. Denn die eigentliche Bedeutung von Extended Reality liegt nicht allein in Headsets oder virtuellen Welten. XR verändert die Schnittstelle zwischen Menschen und Informationen. Daten werden räumlich, Zusammenhänge werden sichtbar, digitale Zwillinge werden erfahrbar und mehrere Personen können gemeinsam in derselben Informationsumgebung arbeiten. Damit berührt XR genau jene Entwicklung, die für die nächste Generation digitaler Geschäftsmodelle entscheidend ist: den Übergang vom Bildschirm zum Informationsraum.

Gündlings Schlussfolgerung zur Startup-Strategie lässt sich deshalb auch als Aufforderung an die Technologiepolitik lesen: „Fünf Kennzahlen, fünf Zielwerte, ein Datum – mehr braucht es nicht, und weniger genügt nicht.“ Für XR wäre ein solcher Ansatz ein deutlicher Fortschritt gegenüber einer bloßen Aufzählung von Fördermaßnahmen.

Die Bundesregierung muss nicht jede neue Technologie fördern. Sie muss aber erkennen, welche Technologien die wirtschaftliche Interaktion der Zukunft verändern. Extended Reality gehört zu diesen Technologien. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob die Bundesregierung bereits 152 Maßnahmen beschlossen hat. Die entscheidende Frage lautet, ob sie daraus eine Priorität für die Technologien entwickelt, mit denen Deutschland in zehn oder zwanzig Jahren noch international wettbewerbsfähig sein will. Bei XR ist diese strategische Entscheidung bislang nicht erkennbar.

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Raumlose Startup-Strategie der Bundesregierung

Von Dr. Oliver Everling | 18.August 2026

Die Bundesregierung will Deutschland zum Standort für die nächste Generation erfolgreicher Startups und Scaleups machen. Ihre am 22. Juli 2026 beschlossene Startup- und Scaleup-Strategie umfasst rund 150 Maßnahmen und soll Gründungen erleichtern, Wachstum beschleunigen und Innovationen in Deutschland halten. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnet Startups und Scaleups ausdrücklich als „wichtige Treiber für Innovation und Fortschritt“ und verweist auf neue Geschäftsmodelle, Technologien und Dienstleistungen.

Gerade vor diesem Hintergrund fällt eine Lücke auf: Die Chancen der Extended-Reality-Technologie werden in der Strategie nicht als eigenständiges Zukunftsfeld sichtbar. Virtual Reality, Augmented Reality, Mixed Reality und immersive 3D-Anwendungen spielen gegenüber Künstlicher Intelligenz, Deeptech, Verteidigungs- und Sicherheitstechnologien oder anderen strategischen Technologiefeldern keine vergleichbare Rolle.

Das ist nicht nur eine Frage der Terminologie. XR verändert die Art und Weise, wie Menschen Raum und Zeit erleben und mit digitalen Informationen umgehen. Daten werden nicht mehr ausschließlich auf Bildschirmen in Form von Tabellen, Diagrammen und Dokumenten präsentiert, sondern können räumlich angeordnet, betreten, untersucht und gemeinsam bearbeitet werden. Für Industrie, Medizin, Bildung, Architektur, Finanzwirtschaft, Logistik, Training und Vertrieb entstehen dadurch neue Geschäftsmodelle. Anstatt Spatial Computing und den virtuellen Raum zu erschließen, bleibt die Strategie der Bundesregierung „raumlos“.

Die Bundesregierung formuliert in ihrer Strategie den Anspruch, „die nächste Generation deutscher Weltmarktführer“ zu ermöglichen. Genau an diesem Anspruch muss sich die fehlende ausdrückliche Berücksichtigung von XR messen lassen. Wenn Deutschland Zukunftstechnologien nicht nur anwenden, sondern eigene Technologieunternehmen und Weltmarktführer hervorbringen will, reicht es nicht, diejenigen Technologien zu fördern, deren wirtschaftliche Bedeutung bereits am stärksten sichtbar ist.

Bemerkenswert ist insbesondere, dass die Strategie Künstliche Intelligenz ausdrücklich als Beispiel für Zukunftstechnologien nennt. XR wird dagegen nicht in vergleichbarer Weise erkannt. Dabei verstärken sich beide Technologien gegenseitig: KI erzeugt und verarbeitet Informationen, XR schafft neue Räume für deren Wahrnehmung, Interaktion und Zusammenarbeit.

Gerade diese Verbindung eröffnet erhebliche wirtschaftliche Chancen. Ein KI-System kann beispielsweise eine komplexe Unternehmensanalyse erstellen. Eine XR-Anwendung kann diese Analyse anschließend als interaktives 3D-Modell darstellen. Nutzer können Zusammenhänge untersuchen, Szenarien verändern und gemeinsam Entscheidungen treffen. Die Kombination aus KI und XR schafft damit eine neue Mensch-Maschine-Schnittstelle.

Die Startup- und Scaleup-Strategie setzt ausdrücklich auf den Transfer von Forschung in marktfähige Geschäftsmodelle.  Genau hier liegt eine besondere Chance für XR. Deutschland verfügt über Forschungskompetenzen in Computer Vision, 3D-Technologie, Robotik, Simulation, Mensch-Maschine-Interaktion und industrieller Digitalisierung. Aus diesen Kompetenzen können Anwendungen entstehen, die weit über Unterhaltung und Gaming hinausgehen.

XR ist längst nicht mehr auf virtuelle Spielewelten beschränkt. In der Industrie können digitale Zwillinge Produktionsanlagen und Maschinen abbilden. In der Medizin können anatomische Strukturen räumlich untersucht werden. In der Ausbildung lassen sich komplexe Situationen simulieren. In der Architektur entstehen begehbare Modelle. Im Immobilienbereich werden Gebäude und Standorte interaktiv erfahrbar. Im Finanzsektor können Portfolios, Unternehmensstrukturen, Beteiligungen und Ratings zu navigierbaren Informationsräumen werden.

Gerade die Finanzwirtschaft zeigt, wie weit das Konzept reichen kann. Data2Space setzt beispielsweise an der Grenze zwischen Datenvisualisierung und immersiver Informationsverarbeitung an. Finanz-, Unternehmens-, Beteiligungs- und Ratingdaten werden nicht nur grafisch dargestellt, sondern räumlich strukturiert und interaktiv erfahrbar gemacht. Damit entsteht eine neue Kategorie digitaler Anwendungen: der Informationsraum.

Die Bundesregierung betont in ihrer Strategie die Bedeutung von Wachstumskapital. Sie will die Finanzierungsbedingungen für Startups und Scaleups insbesondere in der Wachstumsphase verbessern. Für XR-Unternehmen ist genau diese Wachstumsfinanzierung entscheidend, weil erfolgreiche XR-Produkte häufig eine Verbindung aus Software, Hardware, 3D-Inhalten, Plattformtechnologie und branchenspezifischer Expertise benötigen. Die Gefahr besteht deshalb darin, dass XR in Deutschland zwar wissenschaftlich erforscht und punktuell eingesetzt wird, aber keine ausreichende politische und finanzielle Aufmerksamkeit erhält, um daraus skalierbare Unternehmen entstehen zu lassen.

Interessant ist dabei der Kontrast zur Reallaborpolitik der Bundesregierung. Das Bundeswirtschaftsministerium erkennt ausdrücklich an, dass Reallabore in vielen Wirtschaftsbereichen erhebliches Innovationspotenzial besitzen, und will Freiräume schaffen, damit neue Technologien unter realen Bedingungen erprobt werden können. Für XR wären solche Reallabore besonders geeignet.

Ein XR-Reallabor könnte beispielsweise untersuchen, wie virtuelle Arbeitsräume in Unternehmen eingesetzt werden, wie Banken immersive Kundenberatung gestalten, wie Städte digitale Zwillinge nutzen oder wie Finanzinformationen räumlich vermittelt werden. Unternehmen könnten neue Geschäftsmodelle erproben, ohne sofort sämtliche Investitionen und regulatorischen Risiken eines vollständigen Markteintritts tragen zu müssen.

Die Strategie selbst hebt hervor, dass Reallabore „neue Räume zur Beteiligung der Stakeholder“ schaffen. Bei XR bekommt dieser Gedanke eine fast wörtliche Bedeutung: Der digitale Raum wird selbst zum Ort der Beteiligung.

Auch die von der Bundesregierung betonte technologische Souveränität spricht für eine stärkere Beschäftigung mit XR. Wer digitale Souveränität ernst nimmt, sollte nicht nur über KI-Modelle, Cloud-Infrastrukturen und Halbleiter sprechen, sondern auch darüber, wie Menschen künftig digitale Informationen wahrnehmen und mit ihnen interagieren.

Die nächste digitale Plattform muss nicht zwangsläufig ein zweidimensionaler Bildschirm sein. Sie kann ein räumlicher Informationsraum sein.

Hier liegt möglicherweise eine strategische Blindstelle der aktuellen Startup- und Scaleup-Politik. Die Bundesregierung hat erkannt, dass Deutschland neue Technologien schneller aus der Forschung in den Markt bringen muss. Sie hat erkannt, dass Startups Kapital, Talente und bessere regulatorische Rahmenbedingungen benötigen. Sie hat mit rund 150 Maßnahmen ein umfangreiches Programm aufgesetzt. Was noch fehlt, ist ein klarer Blick auf die nächste Ebene der digitalen Interaktion.

XR sollte deshalb nicht als Spezialtechnologie für Gaming oder einzelne Anwendungen betrachtet werden. Es ist eine Basistechnologie für die räumliche Verarbeitung digitaler Informationen. Zusammen mit KI, digitalen Zwillingen, Cloud Computing, Computer Vision und Echtzeitdaten entsteht daraus eine neue digitale Infrastruktur.

Für Deutschland bietet sich hier eine Chance, die über die Entwicklung einzelner Hardwareprodukte hinausgeht. Unternehmen können eigene Anwendungen, Datenräume, Simulationssysteme, Trainingsumgebungen, industrielle Plattformen und immersive Geschäftsmodelle entwickeln.

Die Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung ist deshalb ein wichtiger Schritt für den Innovationsstandort Deutschland. Gerade weil sie den Anspruch erhebt, die Zukunftstechnologien von morgen zu fördern, sollte XR in der weiteren Umsetzung stärker berücksichtigt werden. Die zentrale Frage lautet nicht, ob Deutschland noch eine weitere Technologie fördern sollte. Die Frage lautet, ob Deutschland rechtzeitig erkennt, dass sich mit XR die Schnittstelle zwischen Mensch, Daten und digitaler Welt grundlegend verändert. Wer diese Entwicklung früh erkennt, entwickelt nicht nur Anwendungen für eine neue Technologie. Er gestaltet die Informationsräume der nächsten digitalen Generation.

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Data2Space und die nächste Generation der Finanzkommunikation

Von Dr. Oliver Everling | 18.August 2026

Die Digitalisierung der Finanzwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem eines verändert: die Geschwindigkeit und Menge, mit der Informationen verfügbar sind. Geschäftsberichte lassen sich in Sekunden durchsuchen, Finanzdaten werden in Echtzeit aktualisiert, Unternehmensstrukturen können aus unterschiedlichen Quellen rekonstruiert und Portfolios nahezu beliebig detailliert analysiert werden. Dennoch hat sich die grundlegende Form, in der Menschen diese Informationen betrachten und gemeinsam darüber sprechen, vergleichsweise wenig verändert. Tabellen, PDFs, Charts und Präsentationsfolien dominieren weiterhin die finanzwirtschaftliche Kommunikation.

Data2Space setzt genau an dieser Stelle an und entwickelt mit räumlichen Informationsumgebungen einen neuen Zugang zu komplexen Daten. Der entscheidende Gedanke besteht darin, Daten nicht nur grafisch darzustellen, sondern sie in einer Umgebung anzuordnen, die Nutzer selbst erkunden können.

Damit verschiebt sich die Rolle der Visualisierung. Ein klassisches Diagramm beantwortet in erster Linie eine vom Analysten bereits formulierte Frage. Eine interaktive räumliche Umgebung kann dagegen dabei helfen, neue Fragen überhaupt erst zu entdecken. Der Nutzer kann Strukturen aus verschiedenen Perspektiven betrachten, Zusammenhänge verfolgen, Details untersuchen und zwischen unterschiedlichen Ebenen wechseln.

Das ist vor allem bei komplexen Finanz- und Unternehmensdaten interessant. Eine Beteiligungsstruktur kann beispielsweise aus zahlreichen direkten und indirekten Beziehungen bestehen. Ein Unternehmen kann Tochtergesellschaften besitzen, selbst Anteilseigner anderer Gesellschaften sein und gleichzeitig über weitere wirtschaftliche Beziehungen mit anderen Marktteilnehmern verbunden sein. In einer zweidimensionalen Darstellung entstehen schnell überfüllte Diagramme. Eine räumliche Umgebung bietet zusätzliche Möglichkeiten, solche Beziehungen zu ordnen und schrittweise zu untersuchen.

Dabei ist die dritte Dimension nicht allein eine Frage der Optik. Sie kann als zusätzliche Organisationsdimension genutzt werden. Unternehmen könnten beispielsweise nach ihrer Position innerhalb einer Eigentümerstruktur angeordnet werden, Investments nach Anlageklassen oder geografischen Regionen, Vermögenswerte nach Risiko oder Rendite und Geschäftsbereiche nach strategischer Bedeutung. Je nach Fragestellung kann dieselbe Datenbasis unterschiedlich organisiert und betrachtet werden.

Eine solche Umgebung verändert auch die Arbeit des Analysten. Die klassische Analyse beginnt häufig mit einer Tabelle oder einem Bericht. Informationen werden herausgesucht, miteinander verglichen und anschließend in einer Präsentation zusammengefasst. Bei Data2Space kann der räumliche Informationsraum selbst zum Ausgangspunkt der Untersuchung werden. Der Analyst bewegt sich durch die Struktur und nutzt Interaktion, Filter und unterschiedliche Detailebenen, um relevante Zusammenhänge zu identifizieren.

Damit wird die Grenze zwischen Analyse und Präsentation durchlässiger. Die Umgebung, in der Daten untersucht werden, kann zugleich die Umgebung sein, in der die Ergebnisse anderen Personen erklärt werden. Ein Analyst muss nicht zwingend zunächst eine statische Präsentation erstellen, um seine Erkenntnisse zu vermitteln. Er kann die zugrunde liegende Informationsstruktur gemeinsam mit anderen erkunden.

Für die Kommunikation mit Kunden entsteht daraus eine weitere Möglichkeit. Finanzprodukte können als interaktive Erfahrungen dargestellt werden. Bei einer Immobilieninvestition lassen sich beispielsweise Standort, Gebäude, Vermögenswerte, Finanzinformationen und Entwicklungsperspektiven miteinander verbinden. Ein potenzieller Investor erhält damit nicht nur eine Beschreibung des Produkts, sondern kann sich durch dessen digitale Repräsentation bewegen.

Diese Veränderung ist auch aus Marketingperspektive relevant. Finanzprodukte sind häufig erklärungsbedürftig. Je komplexer die Struktur, desto größer die Gefahr, dass potenzielle Kunden entweder von der Informationsmenge überfordert werden oder wesentliche Zusammenhänge nicht erkennen. Eine interaktive Umgebung kann Informationen schrittweise zugänglich machen und den Nutzer selbst bestimmen lassen, welche Aspekte er vertiefen möchte.

Auch Präsentationen erhalten dadurch eine neue Funktion. Statt einer festgelegten Abfolge von Folien entsteht ein Informationsraum, in dem sich die Dramaturgie an den Fragen des Publikums orientieren kann. Ein Gespräch über ein Portfolio kann beispielsweise mit der Gesamtstruktur beginnen und anschließend zu einzelnen Investments, Branchen, Regionen oder Risikofaktoren führen. Die Präsentation folgt dann nicht mehr ausschließlich einem vorbereiteten Ablauf, sondern kann auf die Interessen der Teilnehmer reagieren.

Besonders interessant wird dieser Ansatz, wenn mehrere Personen gleichzeitig mit den Informationen arbeiten. Data2Space ermöglicht kollaborative räumliche Erfahrungen, bei denen Teilnehmer dieselbe Informationsumgebung erkunden können. Damit wird die Visualisierung zu einem gemeinsamen Arbeitsobjekt.

Ein Investmentkomitee könnte beispielsweise ein Portfolio untersuchen, ein M&A-Team eine Unternehmensstruktur analysieren oder eine Beratungsgesellschaft gemeinsam mit einem Kunden eine komplexe Transaktion betrachten. Jeder Teilnehmer kann bestimmte Aspekte untersuchen, während die Gruppe dennoch auf dasselbe Datenmodell zurückgreift.

Das unterscheidet die Technologie grundlegend von einer klassischen Videokonferenz mit Bildschirmfreigabe. Dort betrachten die Teilnehmer in der Regel dieselbe Präsentation. In einer gemeinsamen räumlichen Umgebung können sie dagegen mit den Informationen interagieren. Die Kommunikation wird damit nicht nur visueller, sondern auch interaktiver.

Interessant ist zudem die Möglichkeit, verschiedene Datenquellen miteinander zu verbinden. Finanzinformationen, Unternehmensdaten, Beteiligungsstrukturen, Transaktionsinformationen und weitere Datensätze können innerhalb derselben Umgebung betrachtet werden. Der Mehrwert entsteht dadurch nicht nur aus der Visualisierung jedes einzelnen Datensatzes, sondern aus der Möglichkeit, Beziehungen zwischen unterschiedlichen Informationsarten sichtbar zu machen.

Das könnte insbesondere für Due Diligence und Investmentanalyse relevant werden. Ein Unternehmen wird dann nicht nur über einzelne Dokumente untersucht, sondern als komplexes System betrachtet. Beteiligungen, Assets, Geschäftsbereiche, finanzielle Kennzahlen und andere Informationen können miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ein digitaler Zwilling wird damit zu einem analytischen Objekt, das aus verschiedenen Perspektiven untersucht werden kann.

Die Entwicklung von Data2Space lässt sich deshalb auch als Übergang von der dokumentenzentrierten zur raumzentrierten Informationsverarbeitung verstehen. Dokumente bleiben wichtig. Datenbanken bleiben wichtig. Tabellen bleiben wichtig. Aber über diesen bestehenden Informationsquellen entsteht eine zusätzliche Ebene, auf der Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar werden können.

Dabei ist die Plattformunabhängigkeit von besonderer Bedeutung. Eine räumliche Informationswelt muss nicht zwangsläufig über ein VR-Headset betreten werden. Der Zugang kann ebenso über Desktop oder Web erfolgen. XR wird damit zu einer möglichen Zugangsform zu einem gemeinsamen Informationsmodell und nicht zum Selbstzweck.

Für Unternehmen eröffnet dies die Möglichkeit, dieselbe Datenbasis für unterschiedliche Situationen zu nutzen. Ein Analyst kann am Desktop arbeiten, ein Kunde kann die Informationen über den Browser erkunden und ein Team kann dieselbe Umgebung in einer immersiven Sitzung gemeinsam betreten. Die Informationswelt bleibt dabei dieselbe, während sich die Form des Zugangs verändert.

Genau darin könnte eine der strategisch interessantesten Eigenschaften von Data2Space liegen. Die Zukunft immersiver Anwendungen muss nicht darin bestehen, für jede Anwendung eine abgeschlossene virtuelle Welt zu schaffen. Erfolgreicher könnte ein Modell sein, bei dem bestehende Daten in interoperable räumliche Informationswelten überführt werden, die von unterschiedlichen Nutzern und Geräten verwendet werden können.

Damit verändert sich auch die Vorstellung davon, was ein Dashboard sein kann. Ein Dashboard zeigt Informationen. Eine räumliche Informationsumgebung kann Informationen organisieren, Beziehungen darstellen und Interaktion ermöglichen. Der Nutzer erhält nicht nur Antworten, sondern kann die Struktur hinter den Antworten untersuchen.

Für die Finanzwirtschaft ist dies deshalb besonders relevant, weil finanzielle Entscheidungen selten auf einem einzelnen Datenpunkt beruhen. Entscheidend sind Beziehungen, Abhängigkeiten, Szenarien und Entwicklungen. Genau diese Eigenschaften sind prädestiniert für eine Darstellung, die nicht ausschließlich linear funktioniert.

Data2Space steht damit für einen möglichen nächsten Schritt in der Evolution der Datenvisualisierung. Auf Tabellen folgten Diagramme, auf Diagramme Dashboards und auf Dashboards interaktive Datenwelten. Der nächste Schritt könnte darin bestehen, dass Daten nicht mehr nur auf einer Oberfläche dargestellt werden, sondern selbst eine navigierbare Umgebung bilden.

Die eigentliche Innovation liegt folglich nicht darin, Finanzdaten in 3D zu zeigen. Sie liegt darin, aus Daten einen Raum zu machen, in dem Menschen gemeinsam analysieren, kommunizieren und Entscheidungen vorbereiten können. Aus Information wird Umgebung, aus Visualisierung wird Interaktion und aus Präsentation wird ein gemeinsamer Ort für Erkenntnis.

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Cybersicherheitsrating: Wenn das Passwort zur Schwachstelle in der XR-Welt wird

Von Dr. Oliver Everling | 18.August 2026

XR-Anwendungen eröffnen neue Möglichkeiten für Finanzanalyse, Präsentationen, Zusammenarbeit und immersive Datenvisualisierung. Gerade weil sich in virtuellen und erweiterten Realitäten zunehmend sensible Unternehmens-, Finanz- und Kundendaten bewegen, gewinnt jedoch eine bislang oft unterschätzte Frage an Bedeutung: Wie sorgfältig werden Zugangsdaten geschützt?

Eine aktuelle Analyse von Passwortdaten aus „Have I Been Pwned“, die von Alan Boswell Group ausgewertet wurde, zeigt, wie verbreitet triviale Passwörter weiterhin sind. „123456“ erscheint demnach fast 210 Millionen Mal in den untersuchten geleakten Passwortdaten und führt die Rangliste mit großem Abstand an. Es folgen „123456789“, „12345678“, „password“ und „admin“. Auch Namen, Jahreszahlen, Sportarten, Fußballvereine, Prominente, fiktive Figuren, Tiere und alltägliche Gegenstände werden häufig als Passwörter verwendet.

Besonders auffällig ist, dass selbst vermeintlich persönliche Passwörter keineswegs schwer zu erraten sein müssen. „Daniel“ ist der häufigste Name in der Untersuchung, „football“ die am häufigsten verwendete Sportbezeichnung, „Superman“ die populärste fiktive Figur und „monkey“ das häufigste Tiermotiv. Auch Jahreszahlen wie 1990, 2000, 2020 oder 2021 tauchen sehr häufig auf.

Für XR-Anwendungen ist dieses Problem besonders relevant, weil sich die Bedeutung eines Accounts verändert, sobald er nicht mehr nur den Zugang zu einer einzelnen Website ermöglicht. Eine XR-Anwendung kann Zugang zu virtuellen Arbeitsräumen, Unternehmensdaten, Präsentationen, gemeinsam bearbeiteten Modellen oder Finanzinformationen bieten. Ein kompromittierter Account kann damit weit mehr preisgeben als lediglich eine persönliche Benutzeroberfläche.

Gerade bei immersiven Finanzanwendungen entsteht eine neue Sicherheitsdimension. Wenn ein Nutzer über ein XR-System auf Ratinginformationen, Beteiligungsstrukturen, Unternehmensdaten oder interne Analysen zugreift, wird der Benutzeraccount zu einem Zugangspunkt zu einer ganzen Informationslandschaft. Die technische Architektur muss deshalb nicht nur die 3D-Darstellung und Kollaboration gewährleisten, sondern auch die Identität und Berechtigungen der Teilnehmer zuverlässig schützen.

Data2Space macht diese Entwicklung besonders relevant, weil komplexe Finanz-, Unternehmens- und Ratingdaten in interaktiven Informationsräumen zusammengeführt werden. Je wertvoller die Informationen innerhalb eines solchen Raumes sind, desto wichtiger wird die Sicherheit des Zugangs.

Ein schwaches Passwort ist dabei nicht nur ein individuelles Problem. Wird dasselbe Passwort für mehrere Dienste verwendet, kann ein bereits bekannt gewordenes Passwort zum Ausgangspunkt weiterer Angriffe werden. Angreifer müssen ein solches Passwort nicht unbedingt erraten. Automatisierte Verfahren können bekannte Zugangsdaten aus früheren Datenlecks systematisch gegen andere Dienste testen.

Für XR-Plattformen bedeutet dies, dass Passwortsicherheit Bestandteil des gesamten Sicherheitskonzepts sein muss. Ein immersiver Arbeitsplatz darf nicht nur deshalb als modern und sicher gelten, weil die Daten dreidimensional dargestellt werden. Die klassische Authentifizierung bleibt ein zentraler Bestandteil der Cybersecurity.

Besonders kritisch wird dies bei kollaborativen XR-Anwendungen. Wenn mehrere Nutzer gleichzeitig denselben virtuellen Informationsraum betreten, muss klar geregelt sein, wer welche Daten sehen, bearbeiten oder weitergeben darf. Ein kompromittierter Zugang kann unter Umständen nicht nur die Informationen eines einzelnen Nutzers betreffen, sondern den gemeinsamen Arbeitsraum.

Damit wird Identity and Access Management zu einem wesentlichen Bestandteil der immersiven Datenverarbeitung. Starke Authentifizierung, Multi-Faktor-Authentifizierung, rollenbasierte Zugriffsrechte und eine konsequente Trennung sensibler Daten gehören ebenso zum Sicherheitskonzept wie eine sichere Passwortverwaltung.

Für Unternehmen reicht es deshalb nicht aus, ihren Mitarbeitern lediglich vorzuschreiben, sichere Passwörter zu verwenden. Sinnvoll sind technische Maßnahmen, die besonders häufig kompromittierte Passwörter bereits bei der Erstellung blockieren. Passwortmanager reduzieren zusätzlich den Anreiz, leicht zu merkende Passwörter mehrfach zu verwenden.

Gerade bei Finanzanwendungen sollte die Sicherheitsarchitektur zudem davon ausgehen, dass einzelne Zugangsdaten irgendwann kompromittiert werden. Entscheidend ist dann, welche zusätzlichen Schutzschichten verhindern, dass aus einem kompromittierten Account ein umfassender Zugriff auf sensible Informationen entsteht.

Für ein Cybersicherheitsrating eröffnet sich dadurch eine interessante Verbindung zwischen Benutzerverhalten, technischer Infrastruktur und wirtschaftlichem Risiko. Nicht nur Firewalls, Verschlüsselung oder Sicherheitssoftware sind relevant. Auch die Frage, wie Identitäten verwaltet werden und wie leicht ein einzelner kompromittierter Zugang zu kritischen Informationen führt, gehört zur Bewertung der digitalen Resilienz.

Data2Space kann solche Abhängigkeiten innerhalb einer räumlichen Informationslandschaft darstellen. Nutzer, Rollen, Datenräume, Systeme und Berechtigungen lassen sich miteinander in Beziehung setzen. Dadurch wird sichtbar, welche Zugänge besonders kritisch sind und welche Teile einer Informationslandschaft von bestimmten Identitäten abhängen.

Das eröffnet eine neue Perspektive für das Cybersicherheitsrating: Nicht nur die Frage „Ist das System geschützt?“ steht im Mittelpunkt, sondern auch „Was passiert, wenn ein Zugang kompromittiert wird?“.

Die aktuelle Passwortanalyse liefert dafür eine einfache, aber eindringliche Erinnerung. „123456“, „password“, ein Name, ein Fußballverein oder ein Geburtsjahr mögen für einen Nutzer leicht zu merken sein. Für ein modernes digitales Finanzsystem sind sie jedoch keine Sicherheitsstrategie.

Je stärker XR-Anwendungen vom visuellen Experiment zum produktiven Informations- und Arbeitsraum werden, desto wichtiger wird deshalb die Verbindung von immersiver Datenvisualisierung und professioneller Cybersecurity. Der virtuelle Raum braucht nicht nur eine überzeugende Darstellung. Er braucht einen sicheren Zugang.

Im Kontext von Data2Space bedeutet das: Die nächste Generation der Finanzvisualisierung muss nicht nur komplexe Zusammenhänge sichtbar machen. Sie muss auch sicherstellen, dass nur die richtigen Personen diese Zusammenhänge sehen können.

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Wenn Kreditrisiken zusammenhängen: Wie Data2Space die neue Realität des Immobilienratings sichtbar macht

Von Dr. Oliver Everling | 17.August 2026

Die aktuelle Analyse von Scope Ratings zum europäischen Immobilienmarkt zeigt ein Problem, das für das moderne Kreditrating immer wichtiger wird: Die entscheidenden Risiken liegen häufig nicht in einzelnen Kennzahlen, sondern in den Beziehungen zwischen ihnen. Genau hier setzt Data2Space an. Data2Space macht komplexe Finanz- und Unternehmensdaten räumlich sichtbar und schafft damit eine Umgebung, in der Zusammenhänge nicht nur beschrieben, sondern unmittelbar untersucht werden können.

Scope beschreibt den europäischen Immobilienmarkt als zunehmend zweigeteilt. Nachhaltigkeitsbezogene Investitionen in Immobilien dienen demnach immer weniger allein der Wertsteigerung, sondern zunehmend dem Werterhalt. Für Immobilienunternehmen wird die Frage entscheidend, wie viel Kapital erforderlich ist, um bestehende Gebäude attraktiv, vermietbar und finanzierbar zu halten. Diese Entwicklung zeigt exemplarisch, warum klassische Einzelkennzahlen für die Beurteilung von Kreditqualität an Grenzen stoßen.

Ein sogenanntes „stranded asset“ ist dabei keineswegs nur ein leerstehendes Gebäude. Gemeint sind Immobilien, die aufgrund mangelnder Energieeffizienz, veralteter Ausstattung oder eines ungünstigen Standorts Schwierigkeiten bekommen, vermietet oder verkauft zu werden. Entscheidend ist also nicht nur der aktuelle Zustand eines Objekts, sondern die Beziehung zwischen Immobilie, Mietern, Investoren, Kreditgebern und regulatorischen Anforderungen. Genau diese Beziehungen sind für Data2Space der zentrale Anwendungsfall.

Ein herkömmlicher Ratingbericht kann beispielsweise feststellen, dass steigende Investitionen in die Energieeffizienz erforderlich sind. Er kann die daraus resultierenden Auswirkungen auf Cashflow, Verschuldung und Immobilienwerte analysieren. Die Informationen bleiben jedoch häufig über verschiedene Tabellen, Kennzahlen und Textpassagen verteilt. Data2Space führt diese Informationen in einem gemeinsamen räumlichen Modell zusammen.

Eine Immobilie kann mit ihrem Standort, ihrem Energiezustand, ihren Mietern, ihrer Bewertung, ihren Finanzierungen und ihren notwendigen Investitionen verbunden werden. Gleichzeitig lässt sich die Immobilie der Kapitalstruktur des Eigentümers zuordnen. Damit wird sichtbar, wie ein zunächst als ESG-Thema erscheinendes Problem unmittelbar zu einem Kreditrisiko werden kann. Diese Verbindung ist für das Rating besonders relevant.

Die Scope-Analyse verweist darauf, dass strengere Regulierung, veränderte Anforderungen der Mieter und eine stärkere Prüfung durch Kreditgeber den Investitionsbedarf erhöhen. Gleichzeitig konzentriert sich die Nachfrage zunehmend auf hochwertige und energieeffiziente Immobilien. Ineffizientere Objekte in sekundären Lagen geraten dagegen unter Druck und werden mit einem zunehmenden Abschlag gehandelt. Data2Space kann diese Marktaufspaltung räumlich darstellen.

Auf einer Ebene erscheinen die einzelnen Immobilien. Auf einer anderen Ebene lassen sich Standortqualität, Energieeffizienz und Nachfrageentwicklung abbilden. Eine weitere Ebene zeigt die Eigentümer- und Finanzierungsstruktur. Der Nutzer kann zwischen diesen Ebenen wechseln und erkennen, wie Veränderungen eines Faktors auf andere Bereiche wirken. Damit wird aus „ESG-Risiko“ ein vernetztes Kreditrisiko.

Besonders deutlich wird dies beim erforderlichen Capex. Nach der zitierten Analyse können umfassende Energieeffizienzmaßnahmen und Renovierungen bei europäischen Büroimmobilien einen erheblichen Anteil des Immobilienwerts erreichen. Bei stärkerer funktionaler oder physischer Überalterung können sogar sehr umfangreiche Repositionierungen oder Neubauentwicklungen erforderlich werden. Für das Rating ist aber nicht allein die Höhe des Capex entscheidend. Entscheidend ist die Frage, wer diesen Kapitalbedarf finanzieren kann.

Data2Space macht genau diese Beziehung sichtbar. Die erforderlichen Investitionen werden mit Liquidität, Verschuldung, Cashflow und Zugang zu Kapital verbunden. Der Nutzer sieht dadurch unmittelbar, ob ein Immobilienunternehmen über ausreichende finanzielle Flexibilität verfügt, um die notwendigen Investitionen zu stemmen. Das führt zu einer wesentlich differenzierteren Betrachtung der Kreditqualität.

Zwei Immobilienunternehmen können beispielsweise ein vergleichbares Immobilienportfolio besitzen und dennoch ein völlig unterschiedliches Kreditprofil aufweisen. Das eine Unternehmen verfügt über hohe Liquiditätsreserven, moderates Leverage und guten Kapitalmarktzugang. Das andere ist hoch verschuldet und besitzt nur begrenzte finanzielle Spielräume. Der gleiche Capex-Bedarf erzeugt deshalb bei beiden Unternehmen ein völlig unterschiedliches Kreditrisiko. In einer klassischen Tabelle muss diese Beziehung zunächst gedanklich hergestellt werden. In Data2Space wird sie Bestandteil der Informationsstruktur.

Auch die Auswirkungen auf die Vermögenswerte lassen sich miteinander verbinden. Sinkende Attraktivität eines Gebäudes kann die Vermietbarkeit beeinträchtigen. Eine geringere Vermietung kann den Cashflow reduzieren. Sinkende Cashflows können die Verschuldungskennzahlen verschlechtern. Gleichzeitig kann ein sinkender Immobilienwert die Besicherung von Finanzierungen schwächen und die Refinanzierung erschweren. Aus einem einzelnen Problem entsteht eine Kette von Kreditrisiken. Data2Space macht diese Kette sichtbar.

Gerade für Immobilienratings ist dies entscheidend. Die eigentliche Frage lautet nicht nur, ob ein Gebäude energieeffizient ist. Die entscheidende Ratingfrage lautet vielmehr: Welche wirtschaftlichen Konsequenzen hat die fehlende Energieeffizienz für Mieter, Mieteinnahmen, Immobilienwert, Cashflow, Verschuldung, Refinanzierung und Recovery? Diese Faktoren lassen sich in Data2Space als miteinander verbundene Elemente einer gemeinsamen Ratinglandschaft darstellen.

Auch der sogenannte „brown discount“ erhält dadurch eine andere Bedeutung. Ein Preisabschlag für weniger effiziente Immobilien ist zunächst ein Marktphänomen. Für einen Kreditgeber wird daraus ein potenzielles Sicherheiten- und Recovery-Risiko. Sinkt der Wert einer Immobilie, verändert sich möglicherweise die Beleihungssituation. Bei einer Refinanzierung kann dies wiederum die Finanzierungsmöglichkeiten des Eigentümers beeinflussen.

Data2Space verbindet Marktwert, Sicherheiten und Finanzierung in einer gemeinsamen Struktur. Damit wird auch verständlicher, warum finanzielle Flexibilität nach der Scope-Analyse zunehmend zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal der Kreditqualität wird. Nicht jede Immobiliengesellschaft muss dieselben Risiken tragen. Entscheidend ist ihre Fähigkeit, auf diese Risiken zu reagieren. Data2Space stellt deshalb nicht nur Risiken dar, sondern auch Handlungsspielräume.

Liquidität, Verschuldung, Cashflow, verfügbare Finanzierung und erwarteter Investitionsbedarf können gemeinsam betrachtet werden. Der Nutzer erkennt, wo finanzielle Puffer vorhanden sind und wo sich Engpässe entwickeln. Diese Perspektive ist insbesondere für die Zukunftsanalyse eines Ratings relevant.

Ein Immobilienunternehmen kann heute noch ein solides Kreditprofil aufweisen. Wenn jedoch in den kommenden Jahren umfangreiche Investitionen erforderlich werden und gleichzeitig große Finanzierungen fällig werden, kann sich die Situation erheblich verändern. Das Risiko liegt dann nicht in einer einzelnen aktuellen Kennzahl, sondern in der zeitlichen Überlagerung mehrerer Entwicklungen. Data2Space bildet solche Überlagerungen ab.

Investitionsbedarf, Refinanzierungstermine, Mietvertragslaufzeiten und erwartete Cashflows können innerhalb einer zeitlichen Informationsstruktur dargestellt werden. Damit wird sichtbar, wann mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten. Dies führt zu einer wichtigen Erweiterung des Ratingverständnisses: Kreditrisiko ist nicht nur eine Eigenschaft, sondern eine Entwicklung.

Auch Szenarioanalysen werden dadurch besonders anschaulich. Ein Analyst kann beispielsweise untersuchen, wie sich ein höherer Investitionsbedarf auf Verschuldung und Liquidität auswirkt. Ebenso lässt sich analysieren, welche Folgen eine sinkende Vermietungsquote oder ein Rückgang der Immobilienwerte für das gesamte Kreditprofil hat. Die einzelnen Szenarien erscheinen nicht als isolierte Tabellen, sondern als Veränderungen innerhalb derselben räumlichen Struktur. Damit wird die Ratingmethodologie interaktiv erfahrbar.

Die Analyse von Scope zeigt zudem, dass Nachhaltigkeitsinvestitionen zunehmend eine Voraussetzung für die langfristige Werterhaltung werden. Das bedeutet für das Rating eine wichtige Verschiebung: ESG-Capex ist nicht mehr ausschließlich eine Frage langfristiger Nachhaltigkeitsziele. Er wird zu einem unmittelbaren Bestandteil der kurzfristigen und mittelfristigen Kreditqualität. Data2Space macht diese Verschiebung sichtbar, weil ESG-Faktoren direkt mit finanziellen Faktoren verbunden werden.

Energieeffizienz steht dann neben Mietentwicklung, Mietentwicklung neben Cashflow, Cashflow neben Verschuldung und Verschuldung neben Refinanzierung. Die Verbindung zwischen diesen Faktoren wird nicht erst im Text erklärt, sondern als Teil der Datenstruktur dargestellt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer bloßen Visualisierung und einem räumlichen Analysemodell.

Die Stärke von Data2Space besteht nicht darin, einen Ratingbericht dreidimensional abzubilden. Die eigentliche Leistung besteht darin, die Beziehungen zwischen den Daten sichtbar und interaktiv untersuchbar zu machen. Damit erhält auch die Aussage über die zunehmende Zweiteilung des europäischen Immobilienmarktes eine zusätzliche Dimension. Auf der einen Seite stehen Immobilien, die ausreichend Kapital erhalten, um ihre Attraktivität und Liquidität zu bewahren. Auf der anderen Seite stehen Objekte, bei denen der erforderliche Investitionsaufwand die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Eigentümers übersteigt.

Diese beiden Welten lassen sich in einer Data2Space-Umgebung als unterschiedliche Bereiche einer Immobilien- und Kreditlandschaft darstellen. Für Investoren und Kreditgeber entsteht dadurch eine neue Form der Analyse. Sie sehen nicht nur, welche Immobilien oder Unternehmen heute ein bestimmtes Rating besitzen. Sie erkennen auch, welche Faktoren dieses Rating stabilisieren oder gefährden und wie sich diese Faktoren gegenseitig beeinflussen. Das ist der entscheidende Mehrwert für das Kreditrating.

Data2Space macht aus der statischen Ratingaussage ein interaktives Modell der Kreditqualität. Gerade bei Immobilien, wo technische Eigenschaften, regulatorische Anforderungen, Mietmärkte, Investitionsbedarf, Immobilienwerte und Finanzierungsstrukturen eng miteinander verbunden sind, wird dadurch eine wesentliche Eigenschaft moderner Kreditrisiken sichtbar: Das Risiko befindet sich nicht in einem einzelnen Datenpunkt. Es entsteht aus dem Zusammenspiel der Datenpunkte.

Die aktuelle Diskussion über europäische Immobilien und stranded assets zeigt, wie wichtig diese Perspektive geworden ist. Data2Space liefert dafür die passende Informationsarchitektur: Nicht nur Daten werden sichtbar, sondern ihre Beziehungen. Damit wird aus ESG-Risiko Kreditrisiko, aus Kreditrisiko eine vernetzte Struktur und aus der Ratinganalyse eine interaktive Landschaft, in der Investoren und Kreditgeber die Entstehung und Veränderung von Kreditqualität unmittelbar untersuchen können.

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Wenn die Präsentation zum Raum wird: Data2Space verändert die Kommunikation von Finanzinformationen

Von Dr. Oliver Everling | 17.August 2026

Präsentationen gehören zu den wichtigsten Kommunikationsinstrumenten der Finanzwirtschaft. Investitionsstrategien, Unternehmensstrukturen, Portfolios, Finanzprodukte und Marktentwicklungen werden seit Jahrzehnten mit Folien erklärt. Doch gerade bei komplexen Themen stößt das klassische Folienprinzip an Grenzen: Eine Folie folgt auf die nächste, Informationen werden voneinander getrennt und Zusammenhänge müssen durch die Erläuterungen des Präsentierenden wieder hergestellt werden.

Mit Data2Space entsteht ein neuer Ansatz. Informationen werden nicht mehr ausschließlich aufeinanderfolgend präsentiert, sondern können in einem interaktiven räumlichen Umfeld angeordnet werden. Data2Space macht aus einer Präsentation einen Raum, den Präsentierende und Teilnehmer gemeinsam erkunden können.

Das ist mehr als eine dreidimensionale Variante von PowerPoint. Die eigentliche Veränderung besteht darin, dass die räumliche Struktur selbst zum Bestandteil der Kommunikation wird. Charts, Finanzdaten, Modelle, Visualisierungen und andere Inhalte können als Elemente einer gemeinsamen Informationsumgebung dargestellt werden. Der Nutzer betrachtet die Informationen damit nicht nur, sondern kann sich innerhalb dieser Informationsstruktur bewegen.

Das eröffnet insbesondere für finanzwirtschaftliche Themen neue Möglichkeiten. Ein Investmentportfolio ist beispielsweise kein linearer Sachverhalt. Es besteht aus verschiedenen Anlageklassen, einzelnen Investments, geografischen Schwerpunkten, Branchen, Risiken und weiteren Beziehungen. Auf einer klassischen Folienpräsentation müssen diese Dimensionen nacheinander erklärt werden. In einem räumlichen Modell können sie gleichzeitig Teil einer gemeinsamen Struktur sein.

Auch Unternehmensstrukturen lassen sich auf diese Weise anders vermitteln. Beteiligungen, Tochtergesellschaften, Eigentümer, Geschäftsbereiche oder Transaktionen können in einer interaktiven Umgebung miteinander verbunden werden. Der Präsentierende kann zunächst das Gesamtbild zeigen und anschließend in einzelne Bereiche hineinzoomen. Eine Frage aus dem Publikum kann unmittelbar zum Anlass genommen werden, einen bestimmten Zusammenhang zu untersuchen.

Damit verändert sich auch die Rolle des Präsentierenden. Bei einer klassischen Präsentation kontrolliert der Präsentierende weitgehend die Reihenfolge der Informationen. Das Publikum folgt einer vorgegebenen Dramaturgie. In einer immersiven Präsentation wird der Präsentierende stärker zum Führer durch einen Informationsraum. Er kann einen vorgesehenen Weg verfolgen, aber ebenso auf Fragen reagieren und spontan andere Bereiche des Modells aufrufen.

Noch wichtiger ist die Veränderung der Rolle des Publikums. Die Teilnehmer sind nicht mehr ausschließlich Zuschauer. Sie können Informationen selbst untersuchen, Visualisierungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und Details erkunden. Damit wird aus einer Präsentation eine interaktive Erfahrung.

Gerade für die Finanzwirtschaft ist dieser Unterschied relevant. Finanzielle Sachverhalte sind häufig abstrakt und relational. Der Wert eines Investments hängt von anderen Faktoren ab, Risiken stehen in Beziehung zu Portfolios, Unternehmen sind über Beteiligungen miteinander verbunden und Finanzprodukte können aus zahlreichen unterschiedlichen Komponenten bestehen. Eine lineare Präsentation kann solche Zusammenhänge erklären, aber sie kann sie nur begrenzt gleichzeitig erfahrbar machen.

Data2Space versucht, diese Beziehungen in einer gemeinsamen räumlichen Umgebung zu erhalten. Eine Visualisierung muss nicht mehr isoliert auf einer Folie stehen. Sie kann Bestandteil eines größeren Informationsraums sein. Ein Chart, eine Gesellschaft, ein Investment oder ein Vermögenswert kann mit weiteren Informationen verbunden werden, sodass der Kontext nicht mit dem Wechsel zur nächsten Folie verloren geht.

Dadurch entsteht eine neue Form des Storytellings. Die Geschichte einer Investition muss nicht zwangsläufig von Folie 1 bis Folie 20 erzählt werden. Der Präsentierende kann mit dem Gesamtbild beginnen, anschließend ein bestimmtes Investment untersuchen, zu einem Risiko springen, eine geografische Perspektive einnehmen und danach wieder zum Gesamtbild zurückkehren. Die Dramaturgie wird dynamischer und kann sich stärker an den Fragen und Interessen der Teilnehmer orientieren.

Auch für Meetings bietet dieser Ansatz neue Möglichkeiten. Eine immersive Präsentation kann nicht nur über einen einzelnen Bildschirm vermittelt werden. Mehrere Teilnehmer können gemeinsam in einer Informationsumgebung arbeiten. Sie sehen dieselben Daten, können Zusammenhänge untersuchen und über die Bedeutung einzelner Elemente diskutieren.

Damit unterscheidet sich der Ansatz auch vom klassischen Screen Sharing. Beim Screen Sharing sehen mehrere Personen denselben Bildschirm, normalerweise steuert jedoch eine Person die Präsentation. In einer gemeinsamen räumlichen Umgebung kann dagegen die Interaktion mit der Information selbst zum Bestandteil des Meetings werden.

Das macht den Ansatz beispielsweise für Investmentkomitees, Kundenpräsentationen, Workshops, Strategiegespräche und Due-Diligence-Prozesse interessant. Eine Präsentation kann dabei zugleich zur Arbeitsumgebung werden. Fragen führen nicht zwingend zu einer späteren Zusatzanalyse, sondern können unmittelbar innerhalb des Informationsraums untersucht werden.

Auch die räumliche Umgebung selbst kann Teil der Kommunikation sein. Finanzinformationen können mit geografischen, unternehmerischen oder physischen Kontexten verbunden werden. Bei Immobilien etwa lassen sich Gebäude, Standorte, Assets und Finanzinformationen miteinander verbinden. Bei Unternehmen können Beteiligungsstrukturen und Geschäftsbereiche räumlich organisiert werden. Bei Portfolios können Investments nach unterschiedlichen Kriterien angeordnet und gefiltert werden.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass immersive Präsentationen nicht zwingend auf spezielle XR-Hardware beschränkt sein müssen. Data2Space verfolgt einen plattformübergreifenden Ansatz, sodass räumliche Informationswelten auch über Desktop und Web zugänglich gemacht werden können. Damit wird Extended Reality nicht zu einer isolierten Spezialanwendung, sondern kann Teil einer regulären digitalen Kommunikationsstrategie werden.

Die Bedeutung dieses Ansatzes liegt deshalb weniger in der spektakulären Wirkung von 3D. Entscheidend ist die Möglichkeit, Informationen anders zu strukturieren. Während klassische Präsentationen vor allem eine zeitliche Dimension besitzen – Folie für Folie –, fügt Data2Space eine räumliche Dimension hinzu. Informationen können nicht nur nacheinander, sondern auch nebeneinander, übereinander und innerhalb von Beziehungen angeordnet werden.

Damit verschiebt sich die Präsentation von einer Abfolge von Inhalten zu einer interaktiven Informationslandschaft. Der Präsentierende erzählt nicht mehr nur eine Geschichte über Daten, sondern kann die Teilnehmer durch die Daten selbst führen.

Für die Finanzwirtschaft könnte daraus langfristig ein neues Kommunikationsformat entstehen. Investitionsentscheidungen, Unternehmensanalysen, Finanzprodukte und strategische Fragestellungen lassen sich nicht immer sinnvoll auf eine Reihe statischer Folien reduzieren. Wenn die zugrunde liegenden Informationen komplex und miteinander verbunden sind, kann auch ihre Darstellung von einer räumlichen Struktur profitieren.

Data2Space steht damit für einen Wandel vom Präsentieren zum Erkunden. Die Präsentation wird nicht abgeschafft, sondern erweitert. Aus der Folie wird ein Objekt, aus der Präsentation ein Raum, aus dem Zuschauer ein Teilnehmer und aus der einmaligen Darstellung eine interaktive Umgebung für Kommunikation und Entscheidungsfindung.

Die entscheidende Frage lautet damit nicht mehr nur: Welche Folie soll als Nächstes gezeigt werden? Sie lautet: Welchen Teil des Informationsraums wollen wir als Nächstes gemeinsam erkunden?

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Data2Space geht online: Wenn Finanzdaten vom Bildschirm in den Raum wechseln

Von Dr. Oliver Everling | 16.August 2026

An diesem Wochenende ist mit Data2Space ein neuer Dienst online gegangen, der einen Perspektivwechsel in der Analyse von Finanz- und Unternehmensdaten verspricht: Daten sollen nicht länger ausschließlich auf Tabellen, Dashboards und zweidimensionalen Diagrammen betrachtet werden, sondern als interaktive räumliche Strukturen erfahrbar werden.

Der Ansatz ist einfach formuliert und zugleich weitreichend: „Turn Data into Space“. Data2Space verwandelt komplexe Unternehmens- und Finanzdaten in interaktive 3D-Umgebungen. Damit sollen insbesondere Eigentumsstrukturen, Beteiligungen, Beziehungen und Verflechtungen sichtbar werden, die in klassischen zweidimensionalen Darstellungen nur schwer zu erfassen sind.

Gerade bei komplexen Unternehmensnetzwerken stößt die traditionelle Darstellung schnell an Grenzen. Eine Gesellschaft besitzt Beteiligungen an mehreren Unternehmen, diese wiederum sind an weiteren Gesellschaften beteiligt, daneben bestehen Kreuzbeteiligungen, Tochtergesellschaften, wirtschaftliche Verflechtungen und möglicherweise unterschiedliche Einflussstrukturen. Auf einer Excel-Tabelle oder in einem zweidimensionalen Organigramm lässt sich vieles darstellen. Doch mit wachsender Komplexität steigt auch die kognitive Belastung des Betrachters.

Data2Space setzt hier auf Spatial Computing. Beziehungen werden nicht nur als Linien zwischen Kästen dargestellt, sondern können in einem dreidimensionalen Informationsraum angeordnet und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Dadurch entsteht eine zusätzliche Dimension für die Analyse. Der Raum wird selbst zu einer Form der Informationsstruktur.

Das ist insbesondere für Finance interessant. Finanzinformationen sind häufig relational: Wem gehört ein Unternehmen? Wer kontrolliert eine Gesellschaft? Welche Beteiligungen bestehen mittelbar? Wo konzentrieren sich Risiken? Welche Unternehmen stehen miteinander in Verbindung? Welche Position nimmt ein bestimmter Investor innerhalb eines größeren Netzwerks ein? Solche Fragen lassen sich als Beziehungsnetzwerke verstehen und damit auch räumlich visualisieren.

Data2Space bezeichnet dies als „Immersive Analytics for Finance“. Im Mittelpunkt steht nicht allein die grafische Aufbereitung vorhandener Daten, sondern die Schaffung einer räumlichen Ebene für digitale Informationen. Finanzdaten sollen dadurch gemeinsam erkundet, aus unterschiedlichen Blickwinkeln analysiert und in kollaborativen Umgebungen diskutiert werden können.

Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Analysten. Data2Space beschreibt drei zentrale Anwendungsfelder: „Grasp your Data“, „Explore your Product“ und „Tell your Story“. Im ersten Fall geht es um die gemeinsame Analyse komplexer Finanzdaten und Strukturen. Im zweiten können Finanzprodukte, Investments und Assets in interaktiven 3D-Umgebungen erfahrbar gemacht werden. Im dritten wird die klassische Präsentation durch eine interaktive räumliche Umgebung ersetzt.

Damit eröffnet sich ein interessantes Anwendungsspektrum. Unternehmensanalysen, Beteiligungsstrukturen, Investmentportfolios, Finanzprodukte, Risikoanalysen oder M&A-Szenarien könnten beispielsweise als räumliche Modelle dargestellt werden. Auch für Schulungen und die Vermittlung finanzwirtschaftlicher Modelle bietet die Technologie neue Möglichkeiten. Auf der Website finden sich bereits Beiträge, die unter anderem das IS-LM-Modell und die Arbitrage Pricing Theory aus der Perspektive von Extended Reality betrachten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Kollaboration. Die räumliche Darstellung soll nicht nur von einer einzelnen Person betrachtet werden. Komplexe Daten können gemeinsam in einer interaktiven 3D-Umgebung untersucht werden. Damit wird aus Visualisierung ein potenzielles Arbeitsinstrument: Analysten, Investoren, Berater oder Entscheidungsträger können dieselbe Informationslandschaft betrachten und unmittelbar über Strukturen und Zusammenhänge diskutieren.

Interessant ist auch die Verbindung verschiedener Kompetenzen hinter Data2Space. Das Projekt verbindet Finanzanalyse, Business Intelligence, Softwareentwicklung, immersive Technologien und internationale Zusammenarbeit. Dr. Oliver Everling bringt dabei seine langjährige Erfahrung mit komplexen Finanzstrukturen und Unternehmensbeziehungen ein. Meiming Stolfig unterstützt internationale Kooperation und Business Development, während Christian Spiekermann seine Expertise in Softwarearchitektur, XR und immersiven Anwendungen einbringt.

Data2Space versteht sich damit weniger als eine weitere Variante eines klassischen Dashboards. Der grundlegende Gedanke geht weiter: Wenn die Welt, die analysiert werden soll, aus Beziehungen, Netzwerken und komplexen Strukturen besteht, muss auch die Darstellung nicht zwangsläufig auf Tabellen und zweidimensionale Charts beschränkt bleiben.

Der Start von Data2Space fällt zudem in eine Phase, in der Spatial Computing zunehmend über Unterhaltung und Gaming hinaus in professionelle Anwendungen vordringt. Gerade die Finanzwirtschaft bietet dafür ein besonders interessantes Anwendungsfeld. Finanzmärkte, Unternehmensnetzwerke und Investitionsstrukturen sind abstrakt, informationsintensiv und stark von Beziehungen geprägt. Genau diese Eigenschaften machen sie für räumliche Visualisierung interessant.

Dabei geht es nicht darum, die bewährten Instrumente wie Excel, Datenbanken oder klassische Business-Intelligence-Systeme zu ersetzen. Vielmehr kann eine räumliche Darstellung als zusätzliche analytische Ebene verstanden werden. Die zugrunde liegenden Daten bleiben erhalten; verändert wird die Art und Weise, wie Menschen diese Daten wahrnehmen, erkunden und miteinander diskutieren.

Data2Space formuliert diesen Anspruch als „creating the spatial layer of digital information“. Das könnte sich als der eigentlich interessante Kern des neuen Dienstes erweisen. Denn der nächste Schritt der Digitalisierung besteht möglicherweise nicht darin, immer mehr Informationen auf immer kleineren Bildschirmen unterzubringen, sondern darin, Informationsräume zu schaffen, in denen komplexe Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar werden.

Mit dem heutigen Onlinegang beginnt damit ein neues Kapitel für die Verbindung von Finance und Extended Reality. Data2Space macht aus Daten nicht einfach schönere Bilder. Der Anspruch ist, aus Daten Räume zu machen – und damit eine neue Perspektive auf die Strukturen hinter den Zahlen zu eröffnen.

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Warum Anleger die Ertragslogik hinter ihren Investments verstehen müssen

Von Dr. Oliver Everling | 13.August 2026

„Wer höhere Renditen erzielen will, muss höhere Risiken eingehen“ – dieser Satz begleitet Anleger seit Jahrzehnten. Als Grundannahme ist er nicht falsch. Doch für die komplexen Kapitalmärkte von heute greift er zu kurz. Denn das Risiko einer Kapitalanlage lässt sich nicht allein daran ablesen, wie hoch die erwartete Rendite ist. Entscheidend ist vielmehr, wodurch diese Rendite entsteht und welche Risikotreiber dahinterstehen.

Dirk Kochhan, Gründer der Schweizer Investment Boutique Vicentum AG, plädiert deshalb für einen Perspektivwechsel. „Entscheidend ist nicht allein, was ein Anleger kauft. Entscheidend ist, welche Ertragslogik hinter der erwarteten Rendite steht und welche Funktion das Investment innerhalb der Vermögensstruktur erfüllt.“ Gerade in einem Umfeld von Zinsunsicherheit, Inflation, geopolitischen Spannungen und volatilen Märkten reiche es nicht mehr aus, Investments lediglich nach Produktkategorie, historischer Schwankung oder einer erwarteten Zielrendite zu beurteilen.

Die klassische Risikobetrachtung konzentriert sich häufig auf die Volatilität. Was stark schwankt, gilt als riskant, was sich vergleichsweise stabil entwickelt, erscheint sicherer. Doch diese Sichtweise kann täuschen. „Schwankung ist nur eine sichtbare Form von Risiko“, betont Kochhan. Liquiditätsrisiken, Bonitätsrisiken, Bewertungsrisiken und Gegenparteirisiken können ebenso relevant sein wie rechtliche Komplexität oder die Abhängigkeit von einem bestimmten Marktumfeld. Manche Risiken werden erst dann erkennbar, wenn die Märkte unter Stress geraten.

Eine zeitgemäße Risikobewertung müsse deshalb nicht nur feststellen, wie stark sich ein Investment bewegt. Sie müsse erklären, warum es sich bewegt. „Eine belastbare Analyse muss fragen: Entsteht der Ertrag aus Marktrichtung, aus Zinsen, aus Kreditprämien, aus Ineffizienzen, aus realen Vermögenswerten oder aus anderen ökonomischen Mechanismen?“ Erst wenn die Ertragsquelle bekannt sei, könne beurteilt werden, welche Voraussetzungen für den angestrebten Ertrag erfüllt sein müssen und welche Szenarien ihn gefährden könnten.

Auch die Bezeichnung eines Finanzprodukts liefert nach Ansicht Kochhans nur begrenzte Orientierung. Ob Fonds, Anleihe, Private Debt, Gold, Sachwert oder alternative Strategie – die Bezeichnung beschreibt zunächst die Hülle, nicht zwangsläufig die wirtschaftliche Funktion. Zwei Investments können ähnliche Renditeziele verfolgen und dennoch völlig unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sein. Während bei einem Investment die Entwicklung der Aktienmärkte entscheidend sein kann, hängt die Rendite eines anderen möglicherweise von Kreditqualität, Sicherheiten, Laufzeiten, vertraglichen Zahlungsströmen oder der Ausnutzung von Marktineffizienzen ab.

Damit verändert sich auch die Bedeutung von Diversifikation. Ein Portfolio kann zahlreiche Anlageklassen und Produkte enthalten und trotzdem erheblichen gemeinsamen Risiken ausgesetzt sein. „Unterschiedliche Produktnamen bedeuten nicht automatisch unterschiedliche Risiken“, warnt Kochhan. Entscheidend sei vielmehr, welche Risikotreiber die einzelnen Bausteine verbinden. Abhängigkeiten von Aktienmärkten, Zinsen, Liquidität, Bonität, Rohstoffpreisen, Immobilienzyklen oder regulatorischen Rahmenbedingungen müssten sichtbar gemacht werden.

Eine solche Betrachtung könne zeigen, ob ein Portfolio tatsächlich diversifiziert ist oder lediglich den Eindruck einer breiten Streuung vermittelt. „Eine echte Diversifikation beginnt nicht bei der Frage, wie viele Produkte ein Portfolio enthält. Sie beginnt bei der Analyse der Risikotreiber.“ Damit rückt die Vermögensstruktur als Ganzes in den Mittelpunkt.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei Investments, deren Ertragsmechanismen weniger stark von traditionellen Aktien- und Anleihemärkten abhängig sind. Kreditstrategien, systematische Handelsansätze, marktneutrale Konzepte, Sachwerte und andere alternative Ertragsquellen können eine solche Ergänzung darstellen. Gerade in einem Umfeld, in dem klassische Marktbewegungen nicht zuverlässig voneinander unabhängig sind, kann die Suche nach zusätzlichen Ertragsquellen für die Portfolioarchitektur interessant sein.

Kochhan warnt allerdings davor, „Marktunabhängigkeit“ mit Sicherheit gleichzusetzen. „Ein geringerer Bezug zu öffentlichen Märkten ist kein automatisches Qualitätssiegel.“ Alternative Strategien könnten ihrerseits erhebliche Risiken aufweisen – beispielsweise Illiquidität, Bewertungsunsicherheit, Komplexität oder eingeschränkte Transparenz. Marktunabhängigkeit ersetze daher keineswegs eine sorgfältige Analyse. Sie verändere lediglich die Art der Risiken, die untersucht werden müssten.

Für Anleger wird damit die Frage wichtiger, welche ökonomische Funktion ein Investment tatsächlich übernehmen soll. Soll es langfristiges Wachstum ermöglichen? Soll es laufende Erträge generieren? Soll es Liquidität bereitstellen, Kaufkraft sichern oder eine zusätzliche, von traditionellen Kapitalmärkten möglichst unabhängige Ertragsquelle erschließen? „Nicht das einzelne Investment steht isoliert im Mittelpunkt, sondern seine Funktion innerhalb der Gesamtstruktur“, sagt Kochhan.

Aus seiner Sicht lassen sich Anlageentscheidungen deshalb auf drei zentrale Fragen zurückführen: Wodurch entsteht die erwartete Rendite? Welche Risikotreiber können diese Rendite gefährden? Und welche Funktion erfüllt das Investment innerhalb der eigenen Vermögensstruktur?

Diese Fragen führen weg von einer rein produktorientierten Betrachtung und hin zu einer systematischen Vermögensarchitektur. Sie helfen, Renditeversprechen nicht isoliert zu betrachten, sondern mit den Bedingungen und Risiken zu verbinden, die ihnen zugrunde liegen. Gerade bei komplexeren oder alternativen Investments wird diese Perspektive entscheidend.

„Rendite ohne Blindflug bedeutet nicht, Risiken zu vermeiden“, fasst Kochhan zusammen. „Es bedeutet, die Ertragslogik einer Kapitalanlage zu verstehen, ihre Risikotreiber einordnen zu können und ihre Funktion innerhalb der Vermögensstruktur bewusst zu definieren.“

Für Anleger bedeutet das einen durchaus anspruchsvolleren, aber auch aufgeklärteren Umgang mit Risiko. Denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: Wie viel Rendite kann ich erzielen? Sie lautet: Welche ökonomische Logik erzeugt diese Rendite – und welches Risiko muss ich dafür tatsächlich übernehmen?

Gerade weil Kapitalmärkte komplexer, politischer und weniger berechenbar geworden sind, entsteht Orientierung nach dieser Sichtweise nicht durch die jeweils höchste Renditeprognose. Sie entsteht durch das Verständnis der Mechanismen, die Renditen hervorbringen, und der Risiken, die damit verbunden sind.

Dirk Kochhan ist Gründer der Vicentum AG, einer Schweizer Investment Boutique mit Fokus auf ausgewählte Investmentstrategien und alternative Vermögensbausteine für anspruchsvolle Investoren. Seit über vier Jahrzehnten ist er als Unternehmer tätig und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Kapitalmärkten, Vermögensstrukturierung und alternativen Investmentstrategien. Aus der Überzeugung, dass nachhaltige Vermögensentwicklung nicht ausschließlich von klassischen Marktbewegungen abhängig sein sollte, entwickelte er den Vicentum Stable Return Ansatz. Die Vicentum AG will den Zugang zu ausgewählten Investmentwelten eröffnen, die häufig institutionellen Investoren, Family Offices oder einem begrenzten Kreis vermögender Anleger vorbehalten sind. Kochhans Leitsatz lautet: „Vermögen verdient mehr als Standardlösungen.“

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Vom Zinsgebirge zum Finanzforum der Zukunft: Die Premiere des Immersive Finance Forum

Von Dr. Oliver Everling | 12.August 2026

„Rendite zum Anfassen: die Premiere des Immersive Finance Forum im VR“ – schon die Überschrift des Berichts der altii GmbH bringt auf den Punkt, was das immersive Finance Forum (iFF) am 11. August 2026 erstmals demonstriert hat: Finanzkommunikation muss nicht auf Folien, Tabellen und zweidimensionale Grafiken beschränkt bleiben. Sie kann zu einem Raum werden, den Teilnehmer gemeinsam betreten, erkunden und diskutieren. Die Premiere fand auf der Virtual-Reality-Plattform Arthur statt. Mit Meta Quest 3-Headsets trafen sich die Teilnehmer in einem gemeinsamen virtuellen Raum, um Finanzthemen nicht nur zu betrachten, sondern gewissermaßen von innen zu erleben.

Das iFF ist dem European Finance Forum (EFF) nachempfunden und wird von Christian Salow, altii, gemeinsam mit Dr. Oliver Everling, RATING EVIDENCE, getragen. Damit verbindet sich eine etablierte Idee des Finanzforums mit einer neuen technologischen Form. Wo klassische Finanzveranstaltungen auf persönliche Begegnung, Vorträge und Networking setzen, erweitert das iFF diese Elemente um einen dreidimensionalen, interaktiven Raum.

Die Premiere war bewusst als kleiner, handverlesener Kreis angelegt. Die Teilnehmer sollten die Möglichkeit haben, sich mit der Umgebung vertraut zu machen, die Möglichkeiten der Plattform auszuprobieren und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Der altii-Bericht beschreibt genau diese Nähe als eine besondere Stärke des Abends: „Wer sonst nebeneinander in Stuhlreihen sitzt, stand hier gemeinsam vor denselben Objekten, ging um sie herum und diskutierte auf Augenhöhe.“ Damit verändert sich nicht nur der Veranstaltungsort. Auch die Art, wie ein Finanzthema gemeinsam betrachtet wird, bekommt eine andere Qualität.

Besonders deutlich wurde dies bei den beiden präsentierten Finanzmodellen. Das erste Beispiel war ein dreidimensionales Zinsmodell. Eine klassische Zinsstrukturkurve ist zunächst eine Linie auf einem Diagramm. Im virtuellen Raum wird daraus ein dreidimensionales „Zinsgebirge“. Laufzeiten, zeitliche Entwicklung und Zinshöhe werden zu räumlichen Dimensionen. Die Teilnehmer können sich entlang der Darstellung bewegen und dadurch Veränderungen und Auffälligkeiten nicht nur als Zahlen oder Kurven wahrnehmen. Krisen, Kriege und Anomalien lassen sich anhand der Zinsentwicklung visualisieren. Die räumliche Darstellung wird damit zu einem zusätzlichen Verständnisfaktor.

Gerade hier zeigt sich der Unterschied zwischen einer klassischen Präsentation und immersiver Finanzkommunikation. Eine Grafik wird nicht einfach größer oder schöner dargestellt. Sie wird zu einem Objekt im gemeinsamen Raum. Der Betrachter nimmt nicht mehr ausschließlich eine Perspektive ein, sondern kann sich um das Modell bewegen und unterschiedliche Blickwinkel einnehmen. Aus einer statischen Abbildung wird eine Umgebung, die gemeinsam untersucht werden kann.

Das zweite Beispiel war eine Länder-Kreditrisikoanalyse. Auch hier wurde versucht, eine klassische Form der Finanzinformation in einen räumlichen Zusammenhang zu überführen. Bonitätsurteile über Staaten leben von Vergleich und Kontext. In der virtuellen Umgebung können Länder als Landschaften erscheinen, Ratingstufen als Höhen und Distanzen und Veränderungen als Bewegungen. Eine Information, die normalerweise als Tabelle oder Ratingübersicht erscheint, erhält damit eine räumliche Dimension. Die Länder-Kreditrisikoanalyse wurde von Gerald Kottmann, Alice to Bob, und Christian Spiekermann, WeAre3D, erstellt.

Für das iFF ist diese Verbindung von Finanzanalyse und räumlicher Darstellung besonders naheliegend. Die immersive Darstellung von Kreditrisiken, Zinsentwicklungen und anderen finanzwirtschaftlichen Zusammenhängen könnte daher zu einem wiederkehrenden Element künftiger Veranstaltungen werden.

Gleichzeitig geht das iFF über die reine Visualisierung von Daten hinaus. Ein wesentliches Vorbild ist auch hier das European Finance Forum und dessen Networking-Kultur. In der virtuellen Umgebung von Arthur stehen dafür sogenannte Audiozonen zur Verfügung. Wer eine solche Zone betritt, kann sich in kleiner Runde oder zu zweit austauschen. Der altii-Bericht beschreibt diese Funktion als eine Art digitales Gegenstück zu jener Situation, die man auch von einem physischen Finanzmeeting kennt: Man verlässt die große Runde und geht „in eine Ecke“, um sich in Ruhe zu unterhalten. Damit bleibt ein wesentliches Element des EFF erhalten: das persönliche Gespräch als Bestandteil eines funktionierenden Finanznetzwerks.

Das ist möglicherweise einer der entscheidenden Punkte für die Zukunft immersiver Finanzveranstaltungen. Die Technologie ersetzt das Networking nicht, sondern versucht, dessen räumliche Logik nachzubilden und zugleich zu erweitern. Teilnehmer können sich bewegen, Gruppen bilden, gemeinsam Objekte betrachten und anschließend in kleinere Gesprächsräume wechseln. Die Veranstaltung wird dadurch weniger zu einer Abfolge von Programmpunkten und stärker zu einem gemeinsam genutzten Raum.

Wie produktiv ein solcher Raum sein kann, zeigte ein weiterer Programmpunkt der Premiere. Die Teilnehmer sammelten gemeinsam Ideen für zukünftige Formate auf einem virtuellen Whiteboard. Innerhalb weniger Minuten entstand eine strukturierte Übersicht mit Punkten, bei denen Einigkeit bestand, unterschiedlichen Sichtweisen und einem konkreten Vorschlag für eine Agenda. Der Bericht hebt hervor, dass ein Ergebnis, für das ein klassischer Workshop schnell eine Stunde benötigen könne, hier „fast im Vorbeigehen“ entstand.

Damit deutet sich ein weiterer Anwendungsbereich an: das Zusammenspiel von Impulsvortrag, Diskussion, gemeinsamer Visualisierung und KI-gestützter Moderation. Ein immersives Finance Forum muss sich nicht darauf beschränken, Vorträge in VR zu halten. Die Umgebung selbst kann zum Arbeitsinstrument werden. Teilnehmer können Datenmodelle gemeinsam untersuchen, Ideen räumlich organisieren und Ergebnisse unmittelbar sichtbar machen.

Die Premiere am 11. August 2026 war insofern weniger eine fertige Endstufe als ein praktischer Beweis dafür, was möglich ist. Das Format soll künftig regelmäßig stattfinden, jeweils am zweiten Dienstag im Monat. Auf den Auftakt sollen Sessions mit konkreten Themen und Vorträgen folgen. Damit entsteht aus einer einzelnen Demonstration ein wiederkehrendes Veranstaltungsformat.

Bemerkenswert ist dabei die Verbindung zweier unterschiedlicher Welten. Auf der einen Seite steht das European Finance Forum mit seiner Tradition des persönlichen Austauschs, der Fachvorträge und des Netzwerks. Auf der anderen Seite steht die immersive Technologie, die Daten, Modelle und Begegnungen in einen gemeinsamen dreidimensionalen Raum überführt. Das iFF versucht nicht, die klassische Finanzveranstaltung einfach durch eine VR-Version zu ersetzen. Es testet vielmehr, welche Elemente eines erfolgreichen Finance Forums in einer immersiven Umgebung eine neue Qualität bekommen können.

Der Bericht der altii GmbH fasst die Idee am Ende prägnant zusammen: „Die Premiere hat gezeigt: Finanzkommunikation muss nicht flach bleiben. Manchmal lohnt es sich, mitten hineinzugehen.“ Genau darin liegt der konzeptionelle Kern des Immersive Finance Forum. Die Teilnehmer sollen Finanzthemen nicht nur präsentiert bekommen, sondern sie gemeinsam erleben, räumlich erkunden und aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren.

Aus dem klassischen Finance Forum wird damit kein virtuelles Abbild, sondern ein neuer Veranstaltungsraum. Zinsmodelle können zu Landschaften werden, Länder-Ratings zu räumlichen Vergleichsmodellen, Networking kann über Audiozonen stattfinden und Workshops können gemeinsam in virtuellen Arbeitsumgebungen entstehen. Die Premiere hat gezeigt, dass diese Elemente technisch bereits zusammengeführt werden können. Die kommenden regelmäßigen Treffen werden zeigen, welche Inhalte und Formate daraus dauerhaft entstehen.

Der Titel „Rendite zum Anfassen“ ist deshalb mehr als eine aufmerksamkeitsstarke Überschrift. Er beschreibt einen Perspektivwechsel in der Finanzkommunikation: Daten und Modelle werden nicht länger ausschließlich betrachtet. Sie können zu Objekten werden, die man gemeinsam im Raum erlebt. Die eigentliche Innovation des Immersive Finance Forum liegt damit weniger in der VR-Brille als in der Möglichkeit, Finanzwissen, Begegnung und Kommunikation neu miteinander zu verbinden.

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    Amtsgericht:

    Frankfurt am Main, HRB 58721

    Umsatzsteuer-Identifikationsnummer:

    DE286772649

    Geschäftsführer:

    Dr. Oliver Everling

    Büro:

    Ditmarstraße 1
    60487 Frankfurt am Main
    Deutschland