Pressekodex schützt nicht vor staatlichem Druck

Von Dr. Oliver Everling | 24.Februar 2021

Der Deutsche Presserat ist eine Freiwillige Selbstkontrolle der Print- und Onlinemedien in Deutschland. Er tritt für die Einhaltung ethischer Standards und Verantwortung im Journalismus ein sowie für die Wahrung des Ansehens der Presse. Als Selbstkontrolle will der Presserat die Pressefreiheit gegen Eingriffe von außen mit einem Pressekodex verteidigen.

Der Pressekodex legt Richtlinien für die journalistische Arbeit fest. Von der Achtung der Menschenwürde bis zur Unschuldsvermutung, vom Opferschutz bis zur Trennung von Werbung und Redaktion: In 16 Ziffern des Pressekodex sind Grundlagen für die Beurteilung der beim Presserat eingereichten Beschwerden verankert. Die meisten deutschen Verlage bekennen sich dazu, den Pressekodex zu achten.

Die Anforderungen sind so grundlegend wie das deutsche Grundgesetz. So klingt auch die erste Ziffer des Kodex wie Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.“

Die Arbeit des Presserates gewinnt in fast schon alarmierendem Maße an Bedeutung:

Infografik: Beschwerderekord beim Presserat | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Viele Rating- und Finanzanalysten üben ihre Tätigkeit an der Schwelle zwischen Finanzdienstleister und Journalismus aus. Recherche ist in der Finanzanalyse wie auch im Journalismus ein unverzichtbares Instrument. Der Kodex unterwirft Recherchen journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. „Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung“, verlangt der Kodex, „weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.“

Die Einhaltung des Pressekodex schützt Finanzanalysten jedoch nicht unbedingt gegen staatlichen Druck. Die Relevanz des Themas zeigt das umstrittene Einschreiten der BaFin beim Schweizer Börsenbrief, das in der offiziellen Begründung nicht auf mangelnder journalistischer Sorgfalt beruht, sondern auf der von der BaFin monierten, versäumten Tätigkeitsanzeige.

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Comgest sammelt €uro-FundAwards

Von Dr. Oliver Everling | 24.Februar 2021

Wer verleiht den „Oscar der Finanzbranche“? Immerhin wird der €uro-FundAwards schon seit 25 Jahren verliehen, seit 2009 wird die „Fondsboutique des Jahres“ gekürt. Die Fondsgesellschaft Comgest hat in dieser Kategorie in den letzten Jahren viermal in Folge den ersten Platz belegt – so oft wie kein anderer Anbieter. Im Rahmen der diesjährigen €uro-FundAwards war es wieder soweit: Comgest ist erneut mehrfach ausgezeichnet worden.

 

Eva Fornadi

Eva Fornadi

 

Eva Fornadi und Franz Weis, Fondsmanager des Comgest Growth Europe Opportunites (ISIN: IE00B4ZJ4188), können sich über den Titel als „Fondsmanager des Jahres“ freuen. Darüber hinaus belegt Comgest einen soliden vierten Platz in der Kategorie als „Fondsboutique des Jahres“.

 

Franz Weiss

Franz Weiss

 

Die Entscheidung stützt sich dabei im Wesentlichen auf drei Aspekte, nämlich die langfristig erfolgreiche Anlagehistorie des Fondsmanagers / der Fondsmanagerin, eine eigene, fundierte Anlagestrategie, die charakteristisch ist für die jeweilige Gesellschaft und die in allen Marktphasen durchgehalten wird sowie die Persönlichkeit des Fondsmanagers / der Fondsmanagerin, die in ihrem Handeln die „Mission“ des Fonds bzw. der Fondsgesellschaft überzeugend darstellen.

Neben der Auszeichnung als „Fondsmanager des Jahres“ konnte die breite Produktpalette von Comgest auch in diesem Jahr bei den Bewertungen überzeugen. So erhielten unter anderem die Europa-Fonds Comgest Growth Europe Smaller Companies (ISIN: IE0004766014) und Comgest Growth Europe Opportunities (ISIN: IE00B4ZJ4188) sowie der Schwellenländer-Fonds Magellan (ISIN: FR0000292278) einen €uro FundAwards. Der Comgest Growth Japan (ISIN: IE0004767087) konnte in allen untersuchten Zeiträumen über ein, drei, fünf und zehn Jahre überzeugen.

„Mit Blick auf das zurückliegende Jahr und allen damit verbundenen Marktturbulenzen sind wir mit dem Gesamtergebnis sehr zufrieden. Es ist uns gelungen, die Drawdowns unserer Fonds im Vergleich zur Benchmark niedriger zuhalten. Die wiederholte mehrfache Auszeichnung durch die €uro-FundAwards zeugt von der besonderen Qualität unseres Fondsmanagements und unserer Anlagephilosophie, die wir seit mehr als 30 Jahren konsequent verfolgen“, so Thorben Pollitaras, Deutschland-Geschäftsführer von Comgest.

Den begehrten Titel „Fondsmanager des Jahres“ vergibt die Jury der Fondsexperten der Finanz- und Wirtschaftspublikationen des in München ansässigen Finanzen-Verlags, €uro, €uro am Sonntag, BÖRSE ONLINE und TiAM FundResearch, für herausragenden, langfristigen Anlageerfolg.

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Der Gewinn liegt im Einkauf – aber nun auch im Verkauf

Von Dr. Oliver Everling | 24.Februar 2021

„Der Gewinn liegt im Einkauf“ ist eine alte Kaufmannsweisheit. Wer aber immer nur einkauft, stellt nicht unter Beweis, auch verkaufen zu können. Daher ist eine Meldung über einen erfolgreichen Verkauf eine gute Nachricht, nachdem schon oft von erstaunlichen Einkäufen berichtet werden konnte.

Die Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA) hat das Fachmarktzentrum Bleicherode verkauft. Der Verkaufspreis beträgt 5,16 Mio. €. Die Jahresnettomiete des Objekts liegt aktuell bei rund 350 T€. Hauptmieter der 1993 erbauten Immobilie ist REWE. Daneben sind auch eine Filiale von Ernsting’s family, ein Bäcker, eine Apotheke, ein Frisör, eine Reinigung, ein Imbiss und ein Blumenladen vertreten.

Aus der Transaktion resultiert für DEFAMA ein positiver Einmaleffekt von 2,6 Mio. € vor Steuern. Unter Berücksichtigung der abzulösenden Bankfinanzierung ergibt sich ein Mittelzufluss von 3 Mio. € nach Steuern und Vorfälligkeitsentschädigung. Die Veräußerung erfolgte zum Doppelten des ursprünglichen Anschaffungspreises und zugleich deutlich über dem gutachterlichen Verkehrswert von zuletzt 4,23 Mio. €. DEFAMA beabsichtigt, die freigesetzten Mittel für den Erwerb weiterer Handelsimmobilien zu nutzen.

Mit Abschluss dieser Transaktionen beträgt die annualisierte Jahresnettomiete der DEFAMA rund 14 Mio. €. Das Portfolio umfasst dann 42 Standorte mit 175.000 qm Nutzfläche, die zu 97% vermietet sind. Zu den größten Mietern zählen ALDI, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto, NORMA, Penny, REWE, Getränke Hoffmann, Dänisches Bettenlager, Deichmann, KiK, Takko und toom. Auf Basis des aktuellen Portfolios liegt der annualisierte FFO bei 6,9 Mio. €, entsprechend 1,56 € je Aktie.

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Aurelia wirbt mit aktuellen Ratings

Von Dr. Oliver Everling | 23.Februar 2021

Das Fachmagazin „DAS INVESTMENT“ führt in Zusammenarbeit mit der Analysegesellschaft FWW in seiner Rubrik „CRASHTEST“ regelmäßig Vergleiche von Investmentfonds einer Anlagekategorie durch. In der aktuellen Ausgabe 03/2021 werden insgesamt 211 Fonds hinsichtlich Performance und Stressverhalten bewertet.

Mit deutlichem Vorsprung kann sich der CONCEPT Aurelia Global mit Fondsmanager Thomas Bartling den Titel „Bester offensiver globaler Mischfonds“ sichern.

Mit seiner innovativen Kombination aus wachstumsstarken Aktien und Edelmetallen überzeugt der Aurelia die Experten nicht nur in Sachen Performance über verschiedene Zeiträume hinweg, auch bei weiteren Kennzahlen wie Volatilität und maximaler Drawdown zählt er zu den besten seiner Kategorie, was letztlich zu der Spitzenbewertung durch FWW führt.

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„Schweizer Börsenbrief“ im Visier der BaFin

Von Dr. Oliver Everling | 23.Februar 2021

Der „Schweizer Börsenbrief“ enthält neben allgemeinen Kapitalmarktinformationen auch Anlageempfehlungen und Anlagestrategieempfehlungen nach Artikel 20 der Europäischen Marktmissbrauchsverordnung (MAR). Nun warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): „Anleger sollten bei der Verwendung von Anlageempfehlungen aus Börsenbriefen ohne Tätigkeitsanzeige Vorsicht walten lassen, da die regulatorischen Anforderungen in Deutschland nicht erfüllt sind.“ Sich vor Anlageentscheidungen aus mehreren Quellen zu informieren und dabei auf deren Seriosität zu achten, ist nicht nur eine Empfehlung der BaFin, sondern gilt auch generell in besonderer Weise bei marktengen Werten.

Nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen unterliegen Unternehmen, die ihre Risikoeinschätzungen über Wertpapiere in Form von Ratings veröffentlichen, einer strengen Registrierungs- bzw. Zertifizierungspflicht sowie Aufsicht durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA. Anderes gilt für Organisationen wie das Unternehmen theinvestor.ch (Schweiz) AG, das Anlageempfehlungen auf der Internetseite „Schweizer Börsenbrief“ veröffentlicht. Jedoch schreitet auch hier die Aufsicht ein: Der BaFin liegt nach eigenen Angaben von dem Unternehmen bislang keine Tätigkeitsanzeige nach § 86 Absatz 1 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) vor, meldet die Bundesanstalt aus Bonn.

Zudem beklagt die BaFin, dass das Unternehmen bislang keinen Ansprechpartner in Deutschland benannt habe, über den die BaFin ihre Schreiben zustellen könnte. Da auch nach Aufforderung kein Ansprechpartner benannt worden sei, habe die BaFin auch nicht klären können, ob das Unternehmen eventuell eine Ausnahmeregelung in Anspruch nehmen kann.

Nachdem im Hause der BaFin selbst skandalumwitterte Geschäfte aufgedeckt wurden, muss das Vorgehen der Aufsicht überraschen. Erinnert sei an Bundesfinanzministers Spekulanten, mangelndes Problembewusstsein im Bundesfinanzministerium und daran, dass der BaFin-Präsident das „Klassenziel“ verfehlte. Bei der von der BaFin monierten Tätigkeitsanzeige handelt es sich um ein vergleichsweise einfach auszufüllendes Formular. Dieses vom betroffenen „Schweizer Börsenbrief“ nachzufordern, hätte wohl nur einer E-Mail bedurft.

Tatsächlich können wir von der RATING EVIDENCE GmbH bezeugen, dass die Kontaktaufnahme – auch ohne persönlich bereits bekannt zu sein – über die auf der Website theinvestor.ch angegebene E-Mail-Adresse info@theinvestor.ch problemlos funktioniert. Die Antwort vom Redaktionsleiter kommt noch am selben Tag. Daher ist zu fragen, ob die BaFin der Teleologie des Gesetzes entspricht, wenn offenbar ohne geeignetem Versuch der Kontaktaufnahme mit dem Betroffenen bereits eine öffentliche Bloßstellung erfolgt. Zudem wurde möglicherweise nicht ausreichend geprüft, ob es sich bei dem „Schweizer Börsenbrief“ nicht doch um Journalismus handelt, denn Auftritt und Aufmachung sprechen dafür.

In jedem Fall dürfte der „Schweizer Börsenbrief“ einen Reputationsschaden dadurch davontragen, dass die BaFin eine Warnung veröffentlichte. Leser und Abonnenten werden verunsichert, ob sie der Redaktion vertrauen können. Ob diese Konsequenzen in einem angemessenen Verhältnis zum angeblichen Versäumnis stehen und daher das öffentliche Anprangern rechtfertigen, würde weiterer Prüfung bedürfen.

Die theinvestor.ch (Schweiz) AG in Appenzell wurde schon 2006 und gemäß Statutenänderung: 8. 01. 2007 zum Halten von Beteiligungen, zur Erbringung von Management-Dienstleistungen sowie zum Aufbau und zur Unterstützung im Bereich Marketing und Vertrieb gegründet (SHAB Nr. 71 vom 11. 04. 2006, S. 2, Publ. 3330654). Die Erbringung von Marketing- und Vermittlertätigkeiten im Bereich Finanzdienstleistungen, Herausgabe von Finanzinformationen, der Betrieb eines Wirtschaftsverlag sowie die Ausbildung von privaten und institutionellen Anlegern gehören seit mehr als einem Jahrzehnt zum Gesellschaftsgegenstand der theinvestor.ch (Schweiz) AG.

Aber nur Wertpapierdienstleistungsunternehmen, Kapitalverwaltungsgesellschaften, EU-Verwaltungsgesellschaften und Investmentgesellschaften dürfen auf Grund der ihnen jeweils erteilten Erlaubnis Anlageempfehlungen im Sinne der MAR erstellen und veröffentlichen. Ansonsten gilt eine Anzeigepflicht für alle anderen Personen, die in Ausübung ihres Berufes oder im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit für die Erstellung oder Weitergabe von Anlageempfehlungen oder Anlagestrategieempfehlungen gemäß MAR verantwortlich sind. „Dies gilt auch für im Ausland tätige Analysten,“ unterstreicht die BaFin, „sofern ihre Empfehlungen einen Emittenten mit Sitz im Inland betreffen oder diese sich auf Finanzinstrumente beziehen, die an einem inländischen organisierten Markt, einem inländischen multilateralen Handelssystem oder einem inländischen organisierten Handelssystem gehandelt werden (§ 1 Absatz 2 WpHG). Vor dem Hintergrund der grundgesetzlich geschützten Pressefreiheit gilt dies nicht für Journalisten, die einer vergleichbaren Selbstregulierung mit entsprechenden Sanktionsmechanismen unterliegen.“

Nach dem WpHG müssen gemäß § 86 zur Anzeigepflicht andere Personen als Wertpapierdienstleistungsunternehmen, Kapitalverwaltungsgesellschaften, EU-Verwaltungsgesellschaften oder Investmentgesellschaften, die in Ausübung ihres Berufes oder im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit für die Erstellung von Anlagestrategieempfehlungen oder von Anlageempfehlungen oder deren Weitergabe verantwortlich sind, dies der Bundesanstalt vor Erstellung oder Weitergabe der Empfehlungen anzuzeigen.

Bei einer natürlichen Person genügen Name, Geburtsort, Geburtsdatum, Wohn- und Geschäftsanschrift sowie telefonische und elektronische Kontaktdaten, bei einer juristischen Person oder einer Personenvereinigung Firma, Name oder Bezeichnung, Rechtsform, Registernummer wenn vorhanden, Anschrift des Sitzes oder der Hauptniederlassung, Namen der Mitglieder des Vertretungsorgans oder der gesetzlichen Vertreter und telefonische und elektronische Kontaktdaten; ist ein Mitglied des Vertretungsorgans oder der gesetzliche Vertreter eine juristische Person, so sind deren Firma, Name oder Bezeichnung, Rechtsform, Registernummer wenn vorhanden und Anschrift des Sitzes oder der Hauptniederlassung ebenfalls anzugeben und glaubhaft zu machen.

Beabsichtigt der Anzeigepflichtige die Verbreitung der Empfehlungen, muss die Anzeige auch eine detaillierte Beschreibung der beabsichtigen Verbreitungswege enthalten. Der Anzeigepflichtige hat weiterhin anzuzeigen, inwiefern bei mit ihm verbundenen Unternehmen Tatsachen vorliegen, die Interessenkonflikte begründen können. Veränderungen der angezeigten Daten und Sachverhalte sowie die Einstellung genannter Tätigkeiten sind der Bundesanstalt innerhalb von vier Wochen anzuzeigen.

Die BaFin veröffentlicht auf ihrer Internetseite den Namen, die Firma oder die Bezeichnung der ordnungsgemäß angezeigten Personen und Personenvereinigungen sowie den Ort und das Land der Wohn- und Geschäftsanschrift oder des Sitzes oder der Hauptniederlassung.

Nach der EU-Verordnung Nr. 596/2014 vom 16. April 2014 über Marktmissbrauch (Marktmissbrauchsverordnung) sollten alle Marktteilnehmer und alle Wirtschaftsakteure einen Beitrag zur Marktintegrität leisten. Wenn Personen, die Anlageempfehlungen oder andere Informationen, durch die eine Strategie für Investitionen in ein oder mehrere Finanzinstrumente empfohlen oder vorgeschlagen wird, erstellen oder weitergeben, auch für eigene Rechnung mit solchen Instrumenten handeln, können die zuständigen Behörden von solchen Personen unter anderem sämtliche Informationen verlangen oder anfordern, die erforderlich sind, um festzustellen, ob die von der betreffenden Person erstellten oder weitergegebenen Informationen im Einklang mit der Marktmissbrauchsverordnung stehen.

Eine Empfehlung oder ein Vorschlag einer Anlagestrategie ist schon dann gegeben, wenn eine von einem unabhängigen Analysten, einer Wertpapierfirma, einem Kreditinstitut oder einer sonstigen Person, deren Haupttätigkeit in der Erstellung von Anlageempfehlungen besteht, oder einer bei den genannten Einrichtungen im Rahmen eines Arbeitsvertrags oder anderweitig tätigen natürlichen Person erstellte Information direkt oder indirekt einen bestimmten Anlagevorschlag zu einem Finanzinstrument oder einem Emittenten darstellt. Anlageempfehlungen sind alleInformationen mit expliziten oder impliziten Empfehlungen oder Vorschlägen zu Anlagestrategien in Bezug auf ein oder mehrere Finanzinstrumente oder Emittenten, die für Verbreitungskanäle oder die Öffentlichkeit vorgesehen sind, einschließlich einer Beurteilung des aktuellen oder künftigen Wertes oder Kurses solcher Instrumente.

Nach Artikel 20 MAR müssen Personen, die Anlageempfehlungen oder andere Informationen, durch die eine Anlagestrategie empfohlen oder vorgeschlagen wird, erstellen oder verbreiten, in angemessener Weise dafür Sorge tragen, dass die Informationen objektiv dargestellt und ihre Interessen oder Interessenkonflikte hinsichtlich der Finanzinstrumente, auf die diese Informationen sich beziehen, offengelegt werden. Außerdem haben auch öffentliche Stellen, die Statistiken oder Prognosen verbreiten, welche die Finanzmärkte erheblich beeinflussen könnten, dies auf objektive und transparente Weise zu tun.

Die ESMA ist dabei für die Ausarbeitung von Entwürfen technischer Durchführungsstandards zuständig, um für die betroffenen Personengruppen die technischen Modalitäten festzulegen, um die objektive Darstellung von Anlageempfehlungen oder anderen Informationen mit Empfehlungen oder Vorschlägen zu Anlagestrategien sowie die Offenlegung bestimmter Interessen oder Anzeichen für Interessenkonflikte zu regeln.

Die in den technischen Regulierungsstandards niedergelegten technischen Modalitäten finden keine Anwendung auf Journalisten, die einer gleichwertigen angemessenen Regelung – einschließlich einer gleichwertigen angemessenen Selbstregulierung – in den Mitgliedstaaten unterliegen, sofern mit einer solchen Regelung eine ähnliche Wirkung erzielt wird wie mit den ESMA-Vorschriften.

Ob ein Marktmissbrauch vorliegt, wird anhand eines Ratingsystems entschieden. Dieses umfasst Indikatoren für manipulatives Handeln durch Vorspiegelung falscher Tatsachen sowie durch sonstige Kunstgriffe oder Formen der Täuschung. Das Rating umfasst auch Indikatoren, die für sich genommen nicht unbedingt als Marktmanipulation anzusehen sind.  So ist beispielsweise zu prüfen, ob von bestimmten Personen erteilte Handelsaufträge oder ausgeführte Geschäfte vorab oder im Nachhinein von der Verbreitung falscher oder irreführender Informationen durch dieselben oder in enger Beziehung zu ihnen stehenden Personen begleitet wurden und ob Geschäfte von Personen in Auftrag gegeben bzw. ausgeführt werden, bevor oder nachdem diese Personen oder in enger Beziehung zu ihnen stehende Personen unrichtige oder verzerrte oder nachweislich von materiellen Interessen beeinflusste Anlageempfehlungen erstellt oder weitergegeben haben.

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Fünf Sterne für Zukunftsfonds

Von Dr. Oliver Everling | 22.Februar 2021

„Der Zukunftsfonds“ ist von der renommierten Ratingsagentur Morningstar mit der Bestnote „Fünf Sterne“ bewertet worden – damit zählt der Fonds (Wertpapierkennnummer A2DTM6) in seiner Vergleichsgruppe Mischfonds Euro defensiv-global zu den vom Analysehaus identifizierten Spitzen-Performern.

Der Vorsitzende des Anlageausschusses Leonhard Fischer: „Wir freuen uns über diese Auszeichnung – sie ist das verdiente Ergebnis unserer Anlagepolitik auf Diversifikation und einer klugen Auswahl von Investitionen in besondere Themen, Sektoren und Titel über die vergangenen drei Jahre.“

Asset-Manager Volker Schilling: „Wichtig ist uns dabei vor allem, dass die Rendite des Fonds niemals zu Lasten des Risikos für die Anleger gehen darf.“ Diese Philosophie spiegele auch die risikoadjustierte Performance des Zukunftsfonds wider, welche die beste der gesamten Vergleichsgruppe in den letzten drei Jahren sei.

Als weltweiter Mischfonds mit aktivem Risikomanagement kombiniert der Zukunftsfonds den digitalen Zugang (https://www.der-zukunftsfonds.de) mit „gesundem Menschenverstand“ für die Vermögensanlage. Bereits im letzten Jahr erhielt der Fonds schon Bestnoten von den Ratingagenturen Asset Standard, Financial Webworks und Absolute Research.

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FFP2-Masken – Trau, schau, wem

Von Dr. Oliver Everling | 21.Februar 2021

In Deutschland wurde eine FFP2-Maskenpflicht für Nahverkehr und Einzelhandel eingeführt. Der Anspruch an die Filterleistung der FFP2-Masken ist klar, nicht aber der Prüfstandard, nach dem diese Leistung objektiv nachvollzogen werden soll. Messtechnikhersteller und Sachverständige weisen auf die DIN-Norm der Masken. Die Filterleistung liegt diesen Berichten zufolge im Schnitt nur bei 80 Prozent. Demnach ist die europäische Prüfnorm für so zertifizierte Schutzmasken mangelhaft. Bei zugelassenen FFP2-Masken können immer noch 20 Prozent der Virenkonzentration eingeatmet werden, die sich in der Umgebungsluft befindet. Dabei liegt es in der Definition von FFP2-Masken, dass nur maximal sechs Prozent erlaubt sind.

Produktratings – oder Warentests – orientieren sich in der Regel an Normen, die vom Hersteller einzuhalten sind oder an die sich der Hersteller freiwillig hält. Die Einhaltung von Branchenstandards sind meist die Basis, um ein befriedigendes Rating zu erhalten.

Somit steht die Schutzwirkung der Masken in Frage, wenn nicht richtig geprüft wird. Das betrifft auch Masken, die sich ausgewählte Bevölkerungsgruppen gegen Vorlage von Berechtigungsscheinen beschaffen können. Die Bundesregierung ließ in der Bundesdruckerei mit einem gewissen Anspruch an Fälschungssicherheit Berechtigungsscheine drucken und diese in ganz Deutschland verschicken. Nun müssen diese Berechtigungsscheine von den Berechtigten in Apotheken getragen werden, um diese dort vorzulegen und gegen FFP2-Masken einzulösen. Die unnötigen Besuche erhöhen das Ansteckungsrisiko. Darüber hinaus ist nicht sichergestellt, dass es sich um Masken handelt, die den FFP2-Standard einhalten, da es an der geeigneten Prüfung der Masken mangelt.

So lässt die Prüfnorm z.B. offen, die Masken mit größeren oder kleineren Partikeln zu testen. Dementsprechend können Testergebnisse divergieren. Die für die Masken geltende Prüfnorm DIN EN149 gilt auch deshalb als mangelhaft, da die Norm für persönliche Schutzausrüstung insoweit mehrdeutig ist, da sie beispielsweise verschiedene Messverfahren erlaubt. Da die vorgesehenen Prüfprozesse so ungenau bestimmt sind, können Lieferanten unbrauchbarer Masken kaum zur Rechenschaft gezogen werden. Die Verunsicherung wirkt sich auf alle Beschaffungsketten aus.

Beim Vergleich der Prüfergebnisse unterschiedlicher Zertifizierungsstellen fällt auf, dass zwar normgerecht gemessen wird, aber dennoch verschiedene Resultate verzeichnet werden. Wenn zu viele Viren FFP2-Masken penetrieren können, kann dies auf die mangelhafte Prüfnorm für persönliche Schutzausrüstung zurückzuführen sein. Die europäische FFP2-Zertifizierung ist daher nicht automatisch besser als eine chinesische KN95-Zertifizierung.

Das DIN Deutsches Institut für Normung gibt Verbrauchern Rat bei der Beschaffung von Filterschutzmasken zum Schutz gegen Coronaviren. Es werden insbesondere die Schutzmasken des Typs KN95 nach der chinesischen Norm GB 2626-2006 angeboten. Mit Hilfe von u. a. des FB FHB der DGUV und des DIN-Normenausschusses Feuerwehrwesen (FNFW) wurde ein Prüfnormenvergleich zwischen Filterschutzmasken FFP2 nach EN 149 mit chinesischer Norm GB 2626-2006 (KN95) durchgeführt. Die Schutzmasken FFP2 (EN 149:2001) und KN95 (GB 2626-2006) sind demnach gut miteinander vergleichbar.

Die Überarbeitung der DIN-Norm dürfte zu viel Zeit in Anspruch nehmen, so dass sich Verbraucher auf erfahrene Zertifizierer wie den TÜV Rheinland verlassen. So wurden vom TÜV Rheinland FFP2-Masken aus der nach modernsten Standards neu im Westerwald aufgebauten Produktion der EPG Pausa GmbH geprüft. Bei diesen im STOLFIG.SHOP erhältlichen Masken handelt es sich um die ersten vom TÜV Rheinland zertifizierten FFP2-Masken aus deutscher Produktion. Nur wenn die FFP2-Maskenproduktion auch eine anspruchsvolle Prüfung übersteht, ist auch die angestrebte Schutzleistung gesichert.

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Methodik für das Rating von Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken in Bewegung

Von Dr. Oliver Everling | 21.Februar 2021

Moody’s schlägt Aktualisierungen seiner allgemeinen Grundsätze zur Bewertung der Methodik für Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken vor. Die wichtigsten vorgeschlagenen Änderungen der aktuellen Methodik lauten wie folgt:

(1) Einführung von zwei Anhängen, in denen beschrieben wird, wie Moody’s den in der Methodik beschriebenen allgemeinen Rahmen für die Einrichtung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Issuer Profile Score (IPS) sowie Credit Impact Scores (CIS) auf Unternehmen bzw. Gebietskörperschafen anwenden. Moody’s Einschätzung des Risikos eines Unternehmens oder einer Gebietskörperschaft gegenüber ESG-Risiken und -Nutzen wäre in erster Linie qualitativ, und der entsprechende Anhang würde relevante Überlegungen beschreiben, die allgemein für Unternehmenssektoren und Arten von Gebietskörperschaften gelten. Moody’s qualitative Bewertung soll durch indikative quantitative Metriken erfolgen können. Die Verfügbarkeit der Metriken würde sich innerhalb oder zwischen Unternehmenssektoren und Typen von Gebietskörperschaften unterscheiden, obwohl Moody’s im Allgemeinen eine höhere Verfügbarkeit von Daten für Gebietskörperschaften als für Unternehmen erwarten würden.

(2) Einführung von zwei Anhängen von Kompendiumdokumenten, die eine Beschreibung der Arten von Überlegungen und Indikatoren enthalten, die für Unternehmenssektoren und Arten von Gebietskörperschaften bei der Bewertung der Risikokategorien E, S und G und bei der Zuweisung von IPS allgemein relevant sein können. Im Laufe der Zeit will Moody’s die Kompendien möglicherweise aktualisieren, um weitere sektorbasierte Details zu sektorspezifischeren Überlegungen und den Arten von Metriken bereitzustellen, die Moody’s möglicherweise verwenden wird.

(3) Außerdem soll in einem Anhang beschrieben werden, wie Moody’s zu indikativen Ergebnissen gelangt, um Moody’s qualitative Bewertung für zwei Governance-Kategorien für Unternehmen zu erhalten: (a) Struktur, Richtlinien und Verfahren des Unternehmensführung; und (b) Compliance und Berichterstattung. Die indikativen Bewertungen basieren auf einem definierten Satz von Fragen unter Verwendung von Daten aus öffentlichen Einreichungen und können nur für Emittenten abgerufen werden, bei denen der Satz von Fragen anwendbar ist und die zugehörigen Daten verfügbar sind.

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Menschen bewerten und entwickeln?

Von Dr. Oliver Everling | 19.Februar 2021

„Der Mensch ist intelligent, er kann täuschen und lügen, vieles kopieren, alles instrumentalisieren und er kommuniziert bereits als Baby niemals ohne eine Absicht. Dabei ist ihm seine Absicht nicht immer bewusst. Während sich danach rein absichtsloses Handeln in Aktivitäten ausdrücken würde, die sich selbst genügen, könnten alle anderen, vom Menschen als Subjekt mit freiem Willen beabsichtigte Aktivitäten also durchaus einer Bewertung unterliegen.“ Das schreiben Andreas Fornefett, Gerd Rupprecht und Uwe J. Schacher im Buch „Social Credit Rating“ des Springer-Verlags.

Andreas Fornefett ist Senior Advisor der plenum AG, ein Beratungsunternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main. Er ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der i.EPC AG, Kelkheim. Seine Schwerpunkte liegen heute in der Komplexitäts- und Risikomanagementberatung. Fornefett besitzt langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Modellen und verfügt, nach Ausbildung zum Kriminalkommissar und Rechts- und Volkswirtschaftsstudium in Göttingen, inzwischen auch über ein breites naturwissenschaftliches Bildungsspektrum.

Gerd Rupprecht ist Vorstand der i.EPC AG, Kelkheim. Er ist zudem Gründungspartner der Rupprecht & Partner Consulting mit heutigem Sitz in Leipzig und verfügt über langjährige Erfahrung in der Initiierung und Moderation von Veränderungsprozessen als kreativem Teamprozess in verschiedenen DAX-Unternehmen und Start-Ups. Nach Studium der Volks- und Betriebswirtschaft an den Universitäten Tübingen und Augsburg war er zunächst in der Markt- und Meinungsforschung sowie Marketingberatung der Young & Rubicam Group tätig.

Uwe J. Schacher ist freiberuflicher Markt- und Sozialforscher. Die Schwerpunkte seines Forschungs- und Entwicklungsunternehmens Schacher & Partner aus Oberursel im Taunus liegen in der Konzeption und Umsetzung von Befragungen, auch mittels eigens entwickelter Testverfahren und Tools, sowie in den Bereichen Polykontexturale Logik, Strukturgenese und Sentimentanalyse. Schacher studierte in Nürnberg Soziale Arbeit und in Frankfurt Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaft.

Als Träger seiner Aktivitäten in Form von bewusstem oder unbewusstem Entscheiden und Handeln (Tun oder Unterlassen) ist der Mensch Sender und direkter oder indirekter Empfänger auch seiner eigenen Signale. „Will man Einfluss nehmen auf sein Verhalten und eine gewünschte soziale Entwicklung über Bewusstseins-, Einstellungs- oder Haltungskontrolle erreichen,“ schreiben die drei Autoren, „muss man ihn als Subjekt betrachten und behandeln. Das bedeutet unter anderem ihn so zu fragen, dass er sich fragt, sprich: dass er sein Wissen hinterfragt und Bewusstsein darüber erlangt. So kann er seine Einstellung und darüber auf längere Sicht seine Haltung nachhaltig ändern oder aber sich in seinem Denken und Handeln bestätigt fühlen. Nur mittels Vorgaben, Bewertungen, Strafen oder Belohnungen lässt sich sein vom freien Willen getragenes Verhalten weder gesichert steuern noch entwickeln.“

Jede Arithmetik, Logik, Methode, jedes Regelwerk, kurz: jede Moral, besitze einen jeweils definierten Geltungsbereich, innerhalb dessen richtige oder falsche Aussagen ‚existieren‘ bzw. gutes oder böses Verhalten, Glück oder Unglück, – aber eben nicht darüber hinaus. „Deshalb helfen Bewertungen im Rahmen nur eines Bezugssystems,“ folgern die drei Autoren, „wie eben nur einer Moral, in komplexen Welten für sich kaum weiter. Um einer ethischen Gesinnung des Einzelnen im Sinne des Hinterfragens diverser Moralen unterschiedlicher Bezugssysteme, denen er angehört, gerecht zu werden, ist es als Anspruchsteller an ein gewünschtes Verhalten notwendig, zunächst selbst in den verschiedenen Bezugssystemen zu denken. Denn jedes organisierte System besitzt oder folgt seiner eigenen, teils sehr speziellen Moral im Sinne eines Regelwerks und hält für seine Mitglieder gerne die passenden Antworten parat. Fragen dekonstruieren aber nicht etwa solche Antworten. Sie binden rück, indem sie uns eigene Antworten oder die von Anderen besser verstehen lassen. Dafür stellen Wissenschaft und Praxis verschiedene Methoden zur Disposition.“

Der Beitrag Andreas Fornefett, Gerd Rupprecht und Uwe J. Schacher im Buch „Social Credit Rating“ bietet hierfür einen neuen Denkansatz bzw. eine universell über Raum und Zeit gültige Methode für die Bewertung und Entwicklung einer Organisation, hoch integriert in deren Aufbau und Abläufen. Der Blick richtet sich dabei gerade nicht ausschließlich auf die Bewertung der Einhaltung spezieller Normen, Gebote, Gesetze etc. beispielsweise durch ein Social Credit Rating oder System.

„Ergänzend finden das strukturelle Niveau der moralisch-ethischen Urteilskompetenz sowie die ethische Gesinnung von Mitgliedern oder Mitarbeitern Berücksichtigung als auch eine mit dem jeweiligen Gruppen- oder Organisationsniveau abgestimmte Umgebung sowie deren Neigungen wiederum hinsichtlich ihrer Ziele und Werte. Die Abstimmung dieser verschiedenen Niveaus und Umgebungen bedarf eines besonderen Modells,“ zeigen die Autoren auf, „wie dem im Beitrag vorgestellten mehrdimensionalen System aus vier miteinander verknüpften Koordinatensystemen, das zugleich die Grundlage für eine wirksame Organisations- und Mitgliederentwicklung durch Maßnahmen bildet, die im Beitrag beispielhaft aufgezeigt werden.“

„Das Management von Risiken kommt danach eher ohne die sonst propagierten Maßnahmen aus,“ folgern die Autoren, „wie eine Erhöhung der Kontrolldichte, Sanktionsandrohungen oder die Verstärkung einer Anreizstruktur.“ Denn der Mensch sei nach Nietzsche das „nicht festgestellte Tier“. Gerade weil er sich neben sich selbst stellen kann, sei er in der Lage, die Kräfte, die ihn treiben und die er selbst besitzt und ausübt, zielgerichtet zu nutzen. „Spätestens die Neuzeit hat uns auf diesen Stand der Reflexion gehoben. Lassen wir uns und unsere Mitmenschen diese individuellen schöpferischen Kräfte jedes einzelnen Menschen nutzen, die uns und die Dynamik der Neuzeit weiter antreiben. Aber ohne dabei die jeweils gewünschte oder erwünschte Moral aus den Augen zu verlieren.“

 

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US SEC untergräbt analytische Unabhängigkeit

Von Dr. Oliver Everling | 17.Februar 2021

Morningstar Credit Ratings, LLC (MCR), eine Tochtergesellschaft von Morningstar, Inc. (Nasdaq: MORN) und eine frühere Ratingagentur, hat heute eine eingehende Antwort auf die von der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) gegen MCR erhobene Beschwerde veröffentlicht.

MCR betont in dem Dokument die analytische Unabhängigkeit als einen Eckpfeiler der Meinungsvielfalt bei Ratings. Die US-amerikanischen Wertpapiergesetze garantieren die analytische Unabhängigkeit von Ratingagenturen. In diesem Fall überschritt die SEC ihre regulatorischen Kompetenzen, indem sie Anforderungen auferlegte, die den Inhalt der Ratingmethoden regeln würden.

„Morningstar ist stolz auf die Integrität und Unabhängigkeit seiner Forschung und Analyse und wird weiterhin von dem Ziel motiviert sein, Klarheit und unterschiedliche Meinungen auf den Markt zu bringen“, schreibt die Agentur.

Die Beschwerde bezieht sich auf MCRs alte Ratingmethode für gewerbliche hypothekenbesicherte Wertpapiere, die 2018 freiwillig eingestellt wurde. Es wurde zuletzt verwendet, um eine CMBS-Transaktion im Jahr 2017 zu bewerten. Derzeit sind keine MCR-Ratings ausstehend, und MCR gibt keine Kreditratings mehr ab oder überwacht diese nicht mehr.

Die SEC behauptet technische Verstöße gegen die Regeln, die früher für MCR als Ratingagentur galten. Tatsächlich habe MCR die fraglichen regulatorischen Anforderungen erfüllt; die Position der SEC in diesem Fall stehe im Widerspruch zu ihren eigenen Regeln und den von der SEC festgelegten Richtlinien.

Die SEC behauptet nicht, dass MCR eine Bonität falsch ermittelt hat oder dass ein Anlegerschaden im Zusammenhang mit der Anwendung der alten Methodik durch MCR aufgetreten ist.

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