Welt der Apps bei DATEV

Von Dr. Oliver Everling | 16.März 2017

Auf dem DATEV-Marktplatz für Partner-Lösungen herrscht ungebrochene Dynamik. Viele Anwender sehen noch reichlich Raum für Verbesserungen. Auf der CeBIT zeigt DATEV nun drei Partner-Apps zur Digitalisierung von Papieroriginalen, die in Kürze mit Anbindung an das DATEV-System zur Verfügung stehen werden. Dokumente lassen sich damit per Smartphone oder Tablet erfassen und an die Cloud-Lösung DATEV Unternehmen online übergeben.

Die Scan-Apps der Partner erweitern die Möglichkeiten für die Anwender, Papierdokumente schnell und unkompliziert in den digitalen Datenfluss in ihrem Unternehmen zu integrieren. Bislang kann dazu bereits die von DATEV selbst angebotene App DATEV Upload mobil genutzt werden. Im Einzelnen handelt es sich um Scanbot der doo GmbH sowie zwei Produkte der d.velop AG beziehungsweise der der CIB software GmbH. Die Apps der beiden letztgenannten Anbieter kommen als sogenanntes White-Label-Angebot: Sie lassen sich an das Corporate Design des Kunden anpassen. So können beispielsweise Steuerberatungskanzleien ihren Mandanten individuelle Scan-Apps mit ihrem Kanzlei-Logo versehen anbieten.

In der Kategorie „Anbieter mit DATEV Schnittstelle“ sind eine Reihe neuer Partnerlösungen hinzugekommen. Unter den Neuzugängen finden sich eine Schnittstelle für SAP Business One zum DATEV-Rechnungswesen, eine Software-Lösung zur Automatisierung der vorbereitenden Buchhaltung und weitere Anwendungen für die Zeiterfassung, von denen eine auch in der Cloud oder als Webservice im Intranet läuft. Weitere Branchensoftware umfasst kaufmännische Lösungen für das Handwerk, eine Lösung für metallverarbeitende Betriebe mit Auftrags- und Serienfertigung, Lohnfertigung und CNC-Bearbeitung sowie ein Warenwirtschaftssystem für Landtechnikhändler und -werkstätten.

Insgesamt sind inzwischen mehr als 60 Partnerlösungen für unterschiedlichste Anforderungen auf dem DATEV-Marktplatz zu finden, bei denen Unternehmen sicher sein sollen, dass sie mit den DATEV-Anwendungen kompatibel sind und über technisch geprüfte Schnittstellen verfügen. Zahlreiche Produkte weiterer Softwarehersteller durchlaufen derzeit den der Aufnahme vorgelagerten Prüfprozess, wird aus Nürnberg berichtet.

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TELOS Rating für LOYS Europa System

Von Dr. Oliver Everling | 16.März 2017

TELOS hat den LOYS Europa System geratet. Der Fonds erfülle sehr hohe Qualitätsstandards und erhält die Bewertung „AA+“ auf einer Skala von A bis AAA (höchste Qualitätsstandards).

„Der LOYS Europa System ist ein aktiv gemanagter, europäischer Aktienfonds, der durch die LOYS eigene Ausrichtung auf Qualitätsunternehmen und einen bei Investition vorhandenen langfristigen Anlagehorizont gekennzeichnet ist. Aus den Positionsbetrachtungen ist ein leichter Bias zu deutschen Aktiengesellschaften festzustellen“, heißt es im TELOS-Kommentar.

TELOS: „Der LOYS Europa System hat einen Stockpicker-Charakter und investiert in nach Meinung des Fondsmanagements unterbewertete Aktien mit einer angestrebten Vollinvestition von mindestens 95 %. Aus der Forderung nach einer bei Investition festgestellten Unterbewertung zum ermittelten Fair-Value ergibt sich eine Art Sicherheitspuffer, der als wesentliches Element der Risikokontrolle für den Fonds zu verstehen ist.“

Die angestrebte Risikoreduktion für dieses Aktieninvestments finde sich maßgeblich in der restriktiven, fundamentalen Titelselektion, meinen die Analysten aus Wiesbaden. „Darüber hinaus erfolgt automatisch eine Reanalyse bei Positionsverlusten von mind. ~ 10 %. Zusätzlich erfolgt eine Diversifikationskontrolle auf Länder- und Branchenebene, eine auf die Gewichtung Einfluss nehmende Liquiditätskontrolle der Titel und die strikte Verkaufspflicht bei Erreichen des Fair-Values, wodurch der fundamentale Charakter des Fonds genauso zum Ausdruck kommt, wie auch durch den Verzicht auf z.B. Trend- oder Momentumbetrachtungen.“

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Coface warnt vor Insolvenzen nach Frexit

Von Dr. Oliver Everling | 16.März 2017

Ende Januar 2017 lagen die Insolvenzen von Unternehmen in Frankreich auf dem niedrigsten Stand seit September 2012 und mit genau 58.031 Unternehmen 2,8 Prozent niedriger im Vergleich zum Zwölf-Monatszeitraum zuvor. Nach Angaben des internationalen Kreditversicherers Coface ging im Jahreszyklus rechnerisch eines von 72 Unternehmen in die Insolvenz. 2011 war es eins von 56. Coface erwartet, dass der Trend 2017 anhält und die Anzahl der Insolvenzen um weitere 1 Prozent sinkt. Es sei denn, die Wahlen in Frankreich im Frühsommer führten zu einem Frexit. Dann könnten die Insolvenzen explodieren, laut einer Coface-Prognose um fast ein Drittel (plus 27 Prozent).

Aktuell aber gibt es gute Nachrichten nicht nur bezüglich der Anzahl der Firmenpleiten. Auch die Zahl der betroffenen Mitarbeiter ging um 2,6 Prozent auf rund 180.000 zurück. Gestiegen sind hingegen die volkswirtschaftlichen Insolvenzkosten um 5,2 Prozent auf 3,74 Milliarden Euro. Das Insolvenzgeschehen konzentriert sich in Frankreich weitestgehend auf kleinere Unternehmen mit bis zu 2,5 Millionen Euro Umsatz. Auf sie entfielen 98 Prozent der Insolvenzen. 30 Prozent aller Insolvenzen verbuchte die Baubranche, allerdings mit einem Rückgang um 6,2 Prozent.

Coface hat die Auswirkungen politischer Risiken auf die Konjunktur und Insolvenzentwicklung berechnet. Der derzeit prognostizierte Rückgang der Insolvenzen um 1 Prozent basiert unter anderem auf einem Wirtschaftswachstum in Frankreich um 1,3 Prozent – und dem Ausbleiben politscher Schocks. Einflüsse, die im Ausmaß mit einem Brexit vergleichbar wären, ließen die Wachstumskurve in diesem Jahr auf 0,7 Prozent abflachen und die Insolvenzen um 1,1 Prozent ansteigen. Ein Beschluss zum Frexit, den Austritt Frankreichs aus der EU, würde die Insolvenzen – auch als Reaktion auf einen dann erwarteten Rückgang des BIP um 9 Prozentpunkte – um 27 Prozent nach oben katapultieren.

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Globale Wachstumsbelebung mit Risiken

Von Dr. Oliver Everling | 16.März 2017

Das Bad Homburger Investmenthaus FERI sieht für 2017 eine globale Wachstumsbelebung, die von den USA angeführt wird. „Die Weltwirtschaft bricht in diesem Jahr aus der lang anhaltenden Wachstumsschwäche aus“, sagt Axel Angermann, Chef-Volkswirt von FERI. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den USA zu, die aufgrund eines robusten Konjunkturbildes und der Aussicht auf massive Steuersenkungen sowie höhere Infrastrukturausgaben deutlich stärker als zuletzt wachsen werden und damit die Rolle eines globalen Wachstumstreibers übernehmen. „Es bleibt allerdings auch bei erheblichen Unwägbarkeiten der neuen Wirtschaftspolitik unter Präsident Trump, insbesondere mit Blick auf den zunehmenden Protektionismus. Wir rechnen damit, dass dem deutlichen Wachstumsschub in den USA ab dem Jahr 2019 ein konjunktureller Abschwung folgt“, so Angermann. Deutliche Zinserhöhungen der Fed als Reaktion auf steigende Inflationsraten werden der Auslöser dafür sein.

Wie im vergangenen Jahr sei auch 2017 die Politik ein entscheidender Indikator für die globalen Märkte. „Der Trend zu einer politischen Polarisierung hält weiter an“, betont Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer von FERI. Sowohl der Brexit als auch die Wahl Trumps hätten gezeigt, dass in vielen Industrieländern eine tief verwurzelte Frustration und Wut auf die politischen Eliten herrschten. Der Druck der Wähler erzwinge somit einen signifikanten Politikwechsel hin zu mehr Verschuldung, mehr Staatsausgaben, mehr Umverteilung und mehr Inflation – daraus ergeben sich langfristige strategische Risiken, vor allem in Europa.

„Die anstehenden Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich erschrecken die Marktteilnehmer, denn sie werden vielfach als Auslöser einer neuen Euro-Krise interpretiert. Diese Sorge ist zwar nicht völlig unbegründet. Dennoch liegt das Hauptrisiko für einen ,Euro Break Up‘ vorerst in Italien“, betont Rapp. Laut jüngsten Umfragen sind die Italiener aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung ihres Landes besonders unzufrieden und könnten im Falle eines Referendums tatsächlich für einen Ausstieg aus dem Euro votieren.

Politische „Regimewechsel“, wie zuletzt der BREXIT oder die Wahl von Donald Trump, gewinnen aktuell stark an Bedeutung. Dennoch werden diese Punkte von den Marktteilnehmern häufig unterschätzt oder ignoriert. „Neue politische Strömungen erzeugen neue Risiken und verändern das zukünftige Marktszenario“, so Rapp. Nach der jüngst veröffentlichten Studie zur „Carbon Bubble“ greift eine neue Untersuchung des FERI Cognitive Finance Institute dieses Thema auf und analysiert bestehende Risiken für einen möglichen Zerfall der europäischen Währungsunion („Risiko Euro Break Up“).

Das FERI Cognitive Finance Institute setzt dabei eine neuartige Analysemethodik ein, die neue Erkenntnisse aus Psychologie, Verhaltensökonomie, Neurowissenschaft und Kognitionswissenschaft einbezieht. „Wir überwinden damit akute Erklärungsdefizite heutiger Kapitalmarkt-Modelle und können Anlegern und Vermögensinhabern besser verdeutlichen, was für den Fall eines ,Euro Break Up‘ zu tun ist“, erläutert Rapp als Gründer des FERI Cognitive Finance Institute.

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FERI im 30. Jahr

Von Dr. Oliver Everling | 9.März 2017

Rechtzeitig zum 30jährigen Jubiläum erreicht die FERI als ein führendes Investmenthaus ein betreutes Vermögen von über 30 Mrd. €, aktuell 31,5 Mrd. €. Arnd Thorn, Vorsitzender des Vorstands der FERI AG, berichtet zum Jahrespressegespräch über die Entwicklung der Gesellschaft. Trotz Veräußerung der FERI EuroRating Services AG seien die Gesamterträge bei 129 Mio. €. Im Herbst 1987 wurde die FERI in einem schwierigen Jahr gegründet, erinnert sei an den 19. Oktober, der als „Schwarzer Montag“ mit seinem Börsenkrach (mehr als 20 % Kurseinbruch an einem Tag) in die Geschichte einging. Investment Research, Management und Consulting sind heute neben der Fondsverwaltung die Säulen der FERI.

Studien sehen einen radikalen Umbruch voraus, der Chancen und Risiken für die Marktteilnehmer beinhalte. Der Verdrängungswettbewerb hält an, es kommt der Druck neuer Technologien und Regulierung hinzu. Die strategische Agenda 2017 ist daher durch anorganisches Wachstum durch kleinere Akquisitionen, Etablierung der Marke FERI Cognitive Finance Institute sowie sein Ausbau der Positionierung als THink Tank und Kommunikationsplattform, Platzierung der Real Asset Angebote der FEREAL AG sowie Ausbau innovativer Themen und Strategischer Konzepte, z.B. Vermögensschutz, Vermögenspsychologie und Nachhaltigkeitsthemen neben der Umsetzung regulatorischer Anforderungen (z.B. MiFID II) gekennzeichnet. Anhaltende systemische Risiken machen das Kapitalmarktumfeld nach wie vor schwierig.

Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand und CIO der FERI Gruppe und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute, erinnert an die Überraschungen 2016, darunter Brexit und Trump. Die Aktienmärkte waren 2016 besser als erwartet, trotz anhaltender Konjunkturenttäuschung. „Wir haben richtig das Enttäuschungspotential gesehen“, stellt Rapp fest.

„Zinswende und Inflation waren vor einem Jahr noch nicht in aller Munde“, errinnert Rapp und freut sich, dass die FERI beides bereits vor einem Jahr kommen sah. „Das monetäre Szenario verändert sich, das sieht man insbesondere, wenn zu den USA hinüberschaut.“ Die FED gehe weiterhin mit ihrer Zinswende durch. Europa, Japan USA, China sieht Rapp „durchaus freundlich“, EmMa nach wie vor mit Problemen behaftet. Die „Trumponomics“ wecken offenbar Hoffnungen.

Axel Angermann, Chefvolkswirt der FERI, hofft auf einen deutlichen Wachstumsschub für die USA, wenn die Senkung der Unternehmenssteuern, Infrastrukturinvestitionen und Protektionismus mit moderater Dollaraufwertung, erwartungskonformen Zinsschritten der FED uund ohne gravierende Störungen des weltweiten Handels einhergehen. Deutliche Dollaraufwertung, steigende Inflation infolge höherer Löhne, aktivere FED-Politik, negative Auswirkungen auf China und Zweitrundenffekte auf EmGa sowie Gegennmaßnahmen anderer Länderkönnten dagegen in einer Rezession resultieren.

Nach einem starken Aufschwung in 2018 gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Abschwung. „Klassische Konjunkturtheorie und -praxis“, sagt Angermann. Ein Wachstumsschub würde einen Ausbruch der Löhne nach oben mit Kapazitätsengpässen zur Folge haben. „Die spannendste Frage ist, wie verhält sich die FED. Eigentlich hat sie keine große Handlungsoptionen. Sie wird die Zinsen stärker anheben müssen, als sie es selbst auf dem Schirm hat.“

Im Unterschied zur FED u.a. sieht die FERI einen stärkeren Anstieg der Leitzinsen voraus und anschließend einen Rückgang. Die FERI verfügt über detaillierte Erkenntnisse über relative Gewinner und Verlierer von US-Protektionismus nach Branchen. Der hohe Anteil der Imprte am Endberbrauch bedeutet massive Belastung der Verbraucher infolge höherer (Import-) Preise in den USA.

„Ob die Wähler von Trump zu den Begünstigten gehören, bleibt durchaus fraglich“, kommentiert Angermann die angekündigte Politik der USA. Höhere Inflationsraten in den USA seien praktisch klar, aber spannend sei die Frage nach der Preissteigerung im Euroraum. Die Kerninflation blieb bisher zu niedrig.

„Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage in Spanien sei der Anstieg der Kerninflationsrate in Spanien nicht erstaunlich“, sagt Angermann. In Frankreich und Italien blieb die Inflation jedoch niedrig. Inflation und Inflationserwartungen wurden nicht so erhöht, wie es Draghi ankündigte.

„Draghi hat auch heute klargemacht, dass es bei dem geldpolitischen Großexperiment bleiben wird“, bericht Angermann von den jüngsten Veröffentlichungen der Europäischen Zentralbank. Die Einhaltung des 3%-Kriteriums der Neuverschuldung ist auch bei Niedrigzinspolitik vielfach in Frage gestellt. In der Staatsverschuldung im Euroraum sieht Angermann die Probleme der EZB, die Zinsen anzuheben.

„Die Phse extrem tiefer Zinsen ist beendet“, fügt Rapp hinzu und spricht von einem „Regimewechsel“. Faktor Politik und Populismus könnten beide in eine Richtung gehen, die man sich heute noch gar nicht vorstellen könne. Das bedeute für den einen oder anderen Finanzsystem eine Rechenaufgabe, die schwer einzufangen sein werde.

„Die Knackpunkte im letzten Jahr“, so Rapp, seien im letzten Jahr überwunden worden. Rapp rechnet mit einer Zwischenkorrektur, die „absolut plausibel“ sei. Sehe man von dem politischen Getöse in Europa einmal ab, sei Europa durchaus attraktiv, glaubt Rapp. In Europa findet Rapp Märkte die „underowned“ seien und spricht damit eine klare Sprache. Primär seien die USAKtien teuer. EWU-Aktien sien allerdings ebenfalls auf überkauftem Niveau.

Rapp sieht eine ausgeprägte „Investor Compacency“ bei AKtien und extrem tiefe implizite Volatilitäten. Wer hier auf den Autopiloten setze, könne negativ überrascht werden. Außerdem seien die Wahlen ein Risikofaktor, der sich durchziehe. Frankreich zeige durch die Le Pen-Angst – möglicherweise aber auch schon übertrieben – deutliche Spread-Ausweitung. Latente Risiken sieht Rapp auch bei Italien und Portugal.

Der kräftige Zug der FED am Zinshebel stehe jedem „noch so abstrusen Argument von Draghi“ gegenüber, so Rapp. Viele Marktteilnehmer seien long in Dollar. Eher belastende Faktoren für Schwellenländer seien darüber hinaus mit einzubeziehen. „Wir glauben, dass eine ganze Menge beim britischen Pfund eingepreist ist.“

Die Investmentampel – gültig für die nächsten drei bis sechs Monate – schaltet bei Renten immer noch klar auf Rot. Gold sei vorerst durch US-Zinspolitik leicht belastet, das strategische Szenario bleibe aber intakt. In Deutschland bleibt die FERI bei der positiven Trendprognose. Rapp kommt auf alle wesentlichen Assetklassen zu sprechen.

Die gloablae Wachstumsbelebung werde von den USA angeführt, glaubt Rapp. Die FED sei außerdem Taktgeber für die globale Zinswende. Die weiteren Auswirkungen der „Trumponomics“ seien jedoch schwer abwägbar.

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Auf die Kombination kommt es an

Von Dr. Oliver Everling | 9.März 2017

Universal Investment lohnt eine eigene Roadshow: Die Agenda der UI-ChampionsTour füllt sich allein mit den Fonds, die für Universal Investment verwaltet werden. Jürgen Dumschat von AECON Fondsmarketing führt in die Veranstaltung ein.

Wahlen in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und (wahrscheinlich) Italien gehören für die Analysten und Fondsmanager zu den Herausforderungen des Jahres 2017. „Populismus und beängstigender Umgang mit der Wahrheit lassen Schlimmes befürchten“, warnt Dumschat, insbesondere auch vor dem Erstarken der radikalen Parteien, „trotz bommendem Arbeitsmarkt, einer wachsenden Mittelschicht, einer sicht seit 12 Jahren schließenden Schere zwischen Arm und Reichund der kräftigsten Rentenerhöhung seit zwei Jahrzehnten.“

In der jüngsten Aktienkrise (April 2014 bis Februar 2016) stützten die Anleihen noch. Doch schon bald werde es wohl heißen: „Adios inverse Korrelation!“ Der Barclays Global Aggregate Index sei zwei eigentlich immer der gleiche Index, „aber tatsächlich ist es schon längst nicht mehr der gleiche Index!“ Dumschat spielt auf die Rendite an, die 1990 noch bei über 9 % lag, heute aber auf unter 2 % gedrückt wurde. Zugleich sei die Duration von unter 5 auf 7 gestiegen. Das bedeutet, dass die Auswirkungen einer Zinswende noch dramatischer sein werden als früher.

Grassiert die Angst, steige auch die Rendite, argumentiert Dumschat. „Für die Märkte wäre das schlimm“, so Dumschat, „denn was würde geschehen, wenn Italien ein Problem bekäme?“ Der Paradigmenwechsel komme oft schleichend, erläutert Dumschat. 

„Stellen Sie sich vor, es ist der 10. April 2015. Der DAX hat einen neuen Höchststand erreicht … und Sie wollen Geld in einem Fonds anlegen. Zur Auswahl stehen zwei Fonds … aber welcher ist wohl der bessere Fonds?“ Der eine Fonds mit einer Wertentwicklung von 16,9 % p.a. und Maximalverlust 7,5 %, der andere 8 % und Maximalverlust 3,5 %. Beim ersten Fonds sei die Calmar Ratio 2,25, beim zweiten 2,29. Ab Investition zähle aber nur die weitere Entwicklung, denn in die Vergangenheit könne man nicht investieren. Je nach Einstiegszeitpunkt unterscheiden sich die Ergebnisse dramatisch.

„Langfristig bessere Performance bedingt höhere Schwankungen, die durch Kombination mit anderen Fonds wieder adjustiert werden können“, folgert Dumschat.

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MiFID II auf der Schlussgeraden

Von Dr. Oliver Everling | 8.März 2017

Zum Ende der Veranstaltung befasst sich der 10. Finanzplatztag der WM Gruppe mit dem Thema „MiFID II auf der Schlussgeraden“. Stefan Schaaf von der Börsen-Zeitung moderiert eine Podiumsdiskussion mit Dr. Heike Beck, Vorstandsvorsitzender der Deutsche WertpapierService Bank AG, Götz Röhr, Geschäftsführer der HSBC Transaction Services GmbH, Dr. Torsten Schaper, Director, Head of Regulatory Analysis der Deutsche Börse AG, und Torsten Ulrich, Geschäftsführer des WM Datenservice.

„Ich würde den Regulator gerne nach einer Kosten-Nutzen-Analyse fragen“, sagt Röhr. Obwohl Röhr einräumt, dass manche Regulierung auch von den Banken selbst verschuldet“ sei, macht er doch auch deutlich, wie der Gesetzgeber nun über das Ziel hinausschießt.

Ulrich erläutert, dass es mit der Bereithaltung von Daten alleine nicht erledigt sei, den Anforderungen aus MiFID II. Ulrich weist darauf hin, dass mittelständische Unternehmen einen Legal Entity Identifier benötigt (LEI). Wenn kein LEI vorhanden sei, könne die Bank bei Firmenkunden keine Transaktionen durchführen. Ab 2018 müsse der LEI zwingend mit abgespeichert werden. Auch alle Assetklassen benötigen ebenfalls Identifier, sogar OTC-Produkte benötigen in Europa nun eine ISIN. „Das sind riesige Datenmengen, alles das muss auch noch real-time funktionieren.“

„Bei diesem Mammutwerk wird es sicher an der einen oder anderen Stelle rumpeln“, warnt Ulrich mit Blick auf die erhoffte Perfektion der Umsetzung von MiFID II. „Ist das überhapt alles noch umsetzbar?“, fragt Schaaf. Schaper macht klar, dass es keine Alternative dazu gebe, „compliant“ zu sein. „Es ist gewollt, dass wir uns da durchquälen. Viele von den Sachen, die da aufgeschrieben wurden, machten wir auch schon vorher“, schränkt Schaper die durch den Gesetzgeber gestellten Hürden ein.

Beck eräutert, dass „best execution“ sich nun auf noch mehr Transaktionen als früher beziehe. „Ok, das muss man eben machen“, kommentiert Beck. Man habe es mit einem Regime zu tun, dass dem Kunden nur für den Kunden geeignete Produkte angeboten sehen will. Das Prinzip sei mindestens seit dem Wertpapierhandelsgesetz bekannt. Beck skizziert jedoch, dass hier ein recht schematisches Modell zur Anwendung kommt – dokumentiert, revisionsfähig, meldefähig. „Was machen wir aber, wenn der Kunde nicht mitspielt? Wenn der Kunde fragt, was fragt Ihr mich da, das geht Euch doch alles nichts an?“ Das könne noch „lustig“ werden, warnt Beck.
Röhr sieht riesige Tabellenwerke voraus, die dem Kunden zur Verfügung gestellt werden müssen.

„Wenn ich an einen privaten Endkunden denke, dem ich vier Seiten Tabellen vorlege, was wo wie mit seiner Aktie passiert, stößt man an Grenzen“, macht Röhr klar. „Over-engineered“ nennt Röhr das. Der private Kunde werde voraussichtlich angesichts der Datenflut kapitulieren.

Röhr erläutert am Beispiel des Leerverkaufs, dass das Feld „Leerverkauf“ nicht mit Gewissheit gefüllt werden könne. So könnten in Finanzinstituten stets auch Leerverkäufe vorkommen, wenn Transaktionen nicht exakt zeitgleich ausgeführt werden. Die Begründung für dieses Datenfeld, dass es für interessante volkswirtschaftliche Analysen genutzt werden könne, wie aus dem Hause der Deutschen Bundesbank zu erfahren sei, sei kaum befriedigend.

Ulrich kommentiert die operative Umsetzung des Konzepts des „Zielmarktes“. Hier gebe es unterschiedliche Ansätze. Seit vielen Jahren greife hier die WM Gruppe auf ein bewährtes Modell zurück, das gemensam mit den Anwendern entwickelt worden sei. „Auch wenn wir seit 2015 in Arbeitskreisen usw. zusammensitzen, sei klar, dass in den nächsten Wochen die Entscheidungen zu treffen seien. Die Zeit rennt uns davon“, verdeutlicht Ulrich die Agenda.

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Aktuelle Entwicklungen der Regulierung

Von Dr. Oliver Everling | 8.März 2017

Zum Thema „Aktuelle Entwicklungen der Regulierung“ spricht auf dem 10. Finanzplatztag der WM Gruppe Christian Bock, Abteilungsleiter der Abteilung Verbraucherschutz in der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Er skizziert die Dimension der aktuellen Herausforderungen aus dem neuen Regierungsregime für den Finanzplatz.

„Gehen Sie von der Anwendbarkeit ohne Übergangsfrist aus“, warnt Bock. Die Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente, eine Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt, Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) soll durch Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II) ersetzt werden.

Bock spricht das Interesse des Gesetzgebers an, mehr Transparenz über die Preise zu schaffen. Die Probleme macht Bock am Beispiel von Transaktionskosten deutlich, die innerhalb eines Fonds erst anfallen, nachdem der Kunde den Fonds bereits gekauft hat. Solche Kosten seien weder für den Kunden, noch für den Fondsmanager von vornherein zweifelsfrei zu ermitteln.

Schwierigkeiten bereiten auch die verschiedenen Durchführungswege von Finanztransaktionen. So würden Kunden, die sich am Telefon melden, dass ihre Aufträge nicht nach Eingang der Post ausgeführt werden.

Neben der Kostentransparenz gehe es bei MiFID auch um die „Product Governance“. Früher habe man in erster Linie auf den Point of Sale fokussiert. Der Hersteller soll die mit dem Produkt verbundenen Interessenkonflikte benennen, der Vertrieb soll außerdem eine bewusste Entscheidung treffen, ob er ein Produkt in den Vertrieb aufnehme.

Die Ausführungen von Bock lassen erahnen, welche ungeheuren Dokumentationserfordernisse auf jeden Finanzdienstleister zukommen. Indem der Gesetzgeber verlangt, dass in jeder Phase und in jedem Produktstadium „bewusste“ Entscheidungen getroffen werden, werden alle Beteiligten zur ständigen Rechenschaft mit dem damit verbunden Aufwand gezwungen.

Bock lässt durchblicken, dass mit den neuen Anforderungen auch Kosten verbunden sein werden. Hersteller und Vertrieb seien zur Zusammenarbeit am Zielmarkt aufgerufen. Standardisierung sei dazu ein Schlüssel. „Gegebenenfalls müssen neue Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen werden. Keiner bestreitet, dass das nicht trivial ist.“

Der Gesetzgeber erlaube es der BaFin, auch direkt Produkte und Vertriebe zu verbieten. „Die BaFin steht nicht für eine schulmeisterliche Aufsicht mit Reagenzglas. Das heiße aber nicht, dass die BaFin mit allem einverstanden ist, was das Emissionsrecht hergibt.“ Das Kleinanlegerschutzgesetz sei ein deutliches Bekenntnis zum Schutz des Kleinanlegers. Die BaFin führe eine sektorübergreifende Aufsicht durch.

Zur zunehmenden Regulierungsdichte komme der technologische Wandel. Der „Digital Native“ erledige seine Finanzgeschäfte nicht mehr in verschwiegenden Räumen, sondern oft auf dem Wege nebenbei. „Welche Person wird aber z.B. bei algorithmischen Beratern eingetragen?“

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Neue Dienstleistung zum Bitcoin

Von Dr. Oliver Everling | 7.März 2017

CACEIS und Bitstamp, die nach eigenen Angaben erste und bislang einzige vollständig lizenzierte Bitcoin-Börse in der EU, kündigen eine neue Dienstleistung an. Fonds-Emittenten werden in die Lage versetzt, Investitionen in ihre Fonds durch Kleinanleger und Unternehmenskunden mittels Bitcoins zu akzeptieren. 

Durch diese Zusammenarbeit entstehen neue Investmentmöglichkeiten für die Fondsmanagement-Branche. Bitstamp kann die Anleger hinsichtlich Bitcoin-Investments unterstützen und hat mit CACEIS einen der führenden europäischen Dienstleister für Verwahrstellen- und Transfer-Agent-Services an seiner Seite: Durch die Partnerschaft beider Unternehmen haben Fonds-Emittenten die Möglichkeit, neue Kapitalzuflüsse zu generieren. Sobald der Service im zweiten Quartal 2017 startet, werden die Fonds-Emittenten mit CACEIS als ihrem Transfer Agent zusammenarbeiten, um die Zeichnung und Rücknahme von Anteilsscheinen in Bitcoins umzusetzen.

Nejc Kodrič, CEO von Bitstamp, erklärt: „Die Bitcoin-Industrie dehnt sich nicht nur geografisch aus, sondern auch die Zahl der Nutzer dieser Währung wächst. Deswegen gibt es auch viele Entwicklungen im Bereich der Unternehmensinvestitionen. Unsere Partnerschaft mit einem Marktführer wie CACEIS aus dem Bereich Asset Servicing bedeutet, dass Investitionen in Bitcoins von nun an in einem vollständig lizenzierten und reglementierten Rahmen getätigt werden können. Es ist für uns eine große Ehre, diesen Weg als erste Bitcoin-Börse mit CACEIS als Partner zu beschreiten.“

Joe Saliba, Deputy CEO von CACEIS, bestätigt: „Auch wir bei CACEIS freuen uns, dass wir diese innovative Investmentdienstleistung in Zusammenarbeit mit Europas einziger vollständig lizenzierten Bitcoin-Börse Bitstamp ankündigen können.“ Saliba ergänzt: „Fonds-Emittenten sind stetig auf der Suche nach neuen Quellen für Investmentkapital. An der Schnittstelle zum Angebot einer reglementierten Bitcoin-Börse tragen wir daher zur Zielerreichung der Fonds-Emittenten bei. Der Bitcoin hat als digitale Währung bereits jetzt erheblichen Einfluss auf die Finanzwelt. Wir sind fest überzeugt, dass er weiter an Bedeutung gewinnen wird, sobald mehr Fonds-Emittenten Investitionen in Bitcoin annehmen.“

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Asset Management im Spannungsfeld geopolitischer Risiken

Von Dr. Oliver Everling | 7.März 2017

Tobias C. Pross, Head of Europe, MIddle East and Africa bei Allianz Global Investors spricht auf dem 10. Finanzplatztag der WM Gruppe in Frankfurt am Main über „Asset Management im Spannungsfeld geopolitischer Risiken“. 

Pross zeigt die zunehmende wirtschaftliche Dynamik an verschiedenen Beispielen auf. So werden die größten Unternehmen der Welt in immer schnellerer Folge abgelöst. Die Verweildauer im S&P 500 werde immer kürzer, zeigt Pross an der Statistik. Die von Marktteilnehmern wahrgenommenen Unsicherheitsfaktoren hätten ebenfalls zugenommen, glaubt Pross aus verschiedenen Studien zu lesen. Mit Blick auf das politische Verhältnis zu den USA weist Pross darauf hin, dass das Spiel offenbar mit unterschiedlichen Regeln gespielt werde.

Pross macht seine Prinzipien zum Investieren bei politischer Unsicherheit anhand fünf Leitsätzen deutlich: „Ohne Risiko werden Sie Ihre Ziele nicht erreichen!“ Angesichts der Entwicklungen sei es praktisch ausgeschlossen, völlig risikofrei und ohne jede Gefahr realer Einbußen noch Renditen zu erzieln.

„Investieren Sie selektiv und aktiv!“ Die Volatilität der Märkte biete auch Chancen, die nur durch selektives Vorgehen und aktives Management genutzt werden können. „Geduld ist die erste Tugend des Investors“, knüpft Pross inhaltlich auch an Botschaften seines Vorredners auf dem Finanzplatztag an, Friedrich Merz, der darauf hinwies, dass innerhalb von 13 Jahren jeder Einstieg in Investments an der Börse das Kapital mit Rendite wiederbringe. 

Pross sieht in der Streuung von Geldanlagen einen (Selbst-) Schutz daher, bei der Geldanlage Modetrends zum Opfer zu fallen. „Mit Diversifikation dem Herdentrieb entfliehen“, so lautet daher ein weiterer Leitsatz. Schließlich begründet Pross noch den Leitzsatz „Volatilität lässt sich nicht vermeiden, aber managen.“

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