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CNBC startet deutschsprachiges Wirtschaftsangebot für die DACH-Region

Von Dr. Oliver Everling | 15.Januar 2026

Die Berliner Ratingagentur Scope Ratings hat ihren Anspruch seit Jahren klar formuliert: Sie will den Finanzmärkten eine alternative Sichtweise bieten und damit einen bewussten Gegenpol zu den dominierenden angelsächsischen Ratinghäusern schaffen. Scope versteht sich als europäische Stimme, die makroökonomische, regulatorische und politische Besonderheiten des Kontinents stärker gewichtet und Risiken wie Chancen aus einer eigenständigen Perspektive interpretiert. Der Anspruch auf „Alternativität“ ist dabei nicht nur methodisch gemeint, sondern auch kulturell: weniger kurzfristige Marktlogik, mehr langfristige Stabilität, weniger globaler Mainstream, mehr regionale Differenzierung.

Gerade dieser Anspruch wirkt umso spannungsreicher, wenn man ihn mit dem Selbstverständnis eines globalen Medienakteurs wie CNBC kontrastiert, der nun mit CNBC DACH in den deutschsprachigen Markt drängt. CNBC bezeichnet sich selbst als „das weltweit führende Medium für Finanz- und Wirtschaftsthemen“ und setzt erklärtermaßen auf die Verbindung globaler Kapitalmarktberichterstattung mit regionalem Fokus. Craig Bengtson, Präsident von CNBC International, betont, CNBC DACH solle Entscheidungsträgern „die Informationen liefern, die sie benötigen, um fundierte Entscheidungen zu treffen“, und dabei „regionale Entwicklungen mit den globalen Märkten verbinden“. Auch hier wird Vielfalt suggeriert, doch sie entsteht weniger aus einer bewussten Gegenposition als aus der Erweiterung einer etablierten globalen Perspektive um lokale Inhalte.

Während Scope Ratings Alternativen schaffen will, indem es bestehende Bewertungslogiken infrage stellt, verfolgt CNBC DACH einen anderen Ansatz: Reichweite, Plattformstärke und Einbettung in ein weltumspannendes Informationsnetz. Rusmir Nefic spricht von einer Plattform, die „aus erster Hand und rund um die Uhr berichtet“, Alexander Schütz sieht in CNBC DACH „weit mehr als eine Nachrichtenplattform“, sondern eine Möglichkeit, das Kapitalmarktumfeld „nachhaltig zu stärken“, und Benjamin Lakatos formuliert den Anspruch, eine Lücke in der internationalen Wahrnehmung des deutschsprachigen Raums zu schließen. Im Vergleich dazu wirkt der Anspruch von Scope Ratings leiser, aber auch konfrontativer: nicht Ergänzung des Bestehenden, sondern bewusste Abweichung davon. Der Kontrast zeigt, wie unterschiedlich „alternative Sichtweisen“ im Finanzsystem verstanden werden können – einmal als eigenständige, kritische Perspektive innerhalb der Marktinfrastruktur, einmal als regionalisierte Ausprägung eines global führenden Informationsangebots.

Zusammenfassend markiert die angekündigte Eröffnung von CNBC DACH einen bedeutenden Schritt in der deutschsprachigen Wirtschafts- und Finanzberichterstattung: Ab Anfang 2027 soll ein neuer multimedialer Nachrichtendienst starten, der von Standorten in Frankfurt, Zürich und Wien aus gesteuert wird und internationale CNBC-Kompetenz mit regionalem Fokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz verbindet. Mit einem eigenen TV-Kanal, digitalen Angeboten, Printformaten und Live-Events verfolgt CNBC DACH den Anspruch, Führungskräfte, Investoren und Entscheidungsträger umfassend zu informieren, regionale Marktakteure sichtbar zu machen und den DACH-Raum stärker in den globalen Kontext der Finanzmärkte einzubetten.

CNBC gehört zum US-Medienkonzern NBCUniversal. NBCUniversal wiederum ist eine Tochtergesellschaft der Comcast Corporation, einem der größten Telekommunikations- und Medienunternehmen der Welt.

Themen: Nachrichten, Ratings | Kommentare deaktiviert für CNBC startet deutschsprachiges Wirtschaftsangebot für die DACH-Region

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