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Implikationen geopolitischer und fiskalischer Risiken für das Credit Rating
Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026
Die aktuellen Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten haben auch für das Credit Rating von Staaten und Unternehmen bedeutsame Implikationen. Trotz der geopolitischen Spannungen, die durch die US-Intervention in Venezuela, die Proteste im Iran und den kurzlebigen Streit um Grönland ausgelöst wurden, zeigen die Märkte bisher bemerkenswerte Stabilität. Wie Dr. Eduard Baitinger im FERI Markets Update betont, rechtfertigen die Fundamentaldaten diese Stabilität: „Die Unternehmensgewinne bleiben auf Wachstumskurs, während Rezessionsrisiken derzeit kaum zu sehen sind.“
Für Ratingagenturen bedeutet dies, dass die kurzfristige Bonität von Unternehmen in den USA weiterhin solide eingeschätzt werden kann, auch wenn politische Turbulenzen den US-Dollar unter Druck setzen. Baitinger weist darauf hin, dass die US-Währung „empfindlich gegenüber einem weiter zunehmenden Vertrauensentzug internationaler Investoren“ ist, was das Risiko von Währungsstress für international investierende Unternehmen erhöht und somit indirekt auch Ratings beeinflussen kann.
In Japan werfen steigende Zinsen Fragen zur Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen auf. Mit einer Staatsverschuldung von deutlich über 200 Prozent der Wirtschaftsleistung besteht langfristig ein erhöhtes fiskalisches Risiko, auch wenn eine akute Krise derzeit nicht absehbar ist. Baitinger stellt klar: „Eine akute Fiskalkrise ist damit zwar nicht absehbar, die strukturelle Verwundbarkeit der öffentlichen Finanzen nimmt jedoch zu.“ Für Ratingagenturen bedeutet dies, dass die langfristige Bonität Japans möglicherweise unter Druck geraten könnte, insbesondere wenn sich die Zinskosten weiter erhöhen und die Notenbankinterventionen intensiver werden müssen.
Die Widerstandsfähigkeit der Märkte trotz geopolitischer und fiskalischer Unsicherheiten zeigt, dass Ratingbewertungen nicht ausschließlich auf kurzfristigen politischen Ereignissen basieren sollten. Vielmehr sollte der Fokus auf nachhaltigen Fundamentaldaten liegen. Die hohe Managementqualität und Profitabilität vieler US-Unternehmen sowie die günstige Zinsstruktur in Japan stützen weiterhin positive Bewertungen. Gleichzeitig muss die Verwundbarkeit gegenüber Währungsschwankungen und steigenden Zinskosten in die Risikobewertungen einfließen, um ein realistisches Bild der Bonität zu gewährleisten. Insgesamt zeigt sich, dass trotz politischer Unwägbarkeiten und geopolitischer Risiken die aktuelle Marktstabilität den Ratingprozess nicht fundamental gefährdet, wohl aber eine differenzierte Betrachtung erfordert, die sowohl kurzfristige Volatilität als auch langfristige strukturelle Risiken berücksichtigt.
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