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Marktausblick 2026: Warum Stabilität und Credit Ratings für Anleger entscheidend sind

Von Dr. Oliver Everling | 29.Januar 2026

Die Weltwirtschaft hat sich 2025 widerstandsfähiger gezeigt, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Trotz außergewöhnlich hoher politischer und geopolitischer Risiken blieben ein starker Inflationsanstieg und eine Rezession aus. Desiree Sauer, Investment-Strategin bei Lazard Asset Management, bringt es auf den Punkt: „Die globale Konjunktur hat sich robuster gezeigt als vielfach erwartet.“ Auch für 2026 sieht sie eine grundsätzlich stabile Ausgangslage, warnt jedoch vor zunehmenden Unsicherheiten, die das Marktumfeld anspruchsvoller machen.

Ein wesentlicher Stabilitätsfaktor ist die Geldpolitik. Viele Zentralbanken haben ihre Leitzinsen gesenkt, was mit zeitlicher Verzögerung wachstumsunterstützend wirken dürfte. „Die geldpolitischen Impulse entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern schrittweise“, betont Sauer. Hinzu kommt eine expansive Fiskalpolitik: In Deutschland greifen die Effekte eines großen Konjunkturprogramms, während in den USA ab 2026 umfangreiche Steuererstattungen an private Haushalte fließen sollen. Auch höhere Verteidigungsausgaben in Europa stützen die Nachfrage.

China sendet ebenfalls Signale der Stabilisierung. Nach einer längeren Schwächephase mehren sich Hinweise auf einen konjunkturellen Wendepunkt, getragen von Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz und einem vergleichsweise stabilen Außenhandel. Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Sauer warnt: „Zentrale strukturelle Herausforderungen bleiben jedoch ungelöst, darunter das schwächere Wachstum, die anhaltenden Belastungen im Immobiliensektor sowie zunehmend protektionistische Maßnahmen gegenüber chinesischen Technologien.“

In den USA rücken handelspolitische und migrationspolitische Fragen in den Fokus. Die rechtlich umstrittenen Zölle könnten Inflation und Wachstum beeinflussen, während eine restriktivere Einwanderungspolitik den Arbeitsmarkt belastet und Kosten erhöht. Auch Europa steht zwischen relativer Stabilität und strukturellem Gegenwind. Ein starker Euro, steigender Wettbewerbsdruck aus China und politische Unsicherheiten in einzelnen Ländern belasten die Perspektiven zusätzlich.

Für die Kapitalmärkte bedeutet dieses Umfeld erhöhte Volatilität. Aktien bleiben grundsätzlich attraktiv, auch wenn das kurzfristige Aufwärtspotenzial begrenzt ist. Rückschläge gehören zum Marktbild, ebenso wie die Notwendigkeit, genauer hinzuschauen. Gerade im Anleihemarkt zeigt sich, wie wichtig Differenzierung geworden ist. Enge Credit-Spreads erhöhen die Sensitivität gegenüber konjunkturellen Abschwüngen, weshalb eine sorgfältige Auswahl entscheidend ist. In einem Umfeld, das von politischen Risiken, hohen Staatsausgaben und Inflationsgefahren geprägt ist, wird deutlich, dass es sich lohnt, auf Credit Ratings zu achten, um die tatsächliche Bonität von Emittenten besser einschätzen zu können und unerwartete Verluste zu vermeiden.

Schwellenländer und ausgewählte Unternehmensanleihen bieten Chancen, profitieren von strukturellem Wandel und attraktiven Bewertungen, bleiben aber anfällig für geopolitische Spannungen. Sauer fasst die Gesamtlage so zusammen: „Insgesamt gilt: Wie sich die Kapitalmärkte 2026 entwickeln, hängt maßgeblich davon ab, ob die wichtigsten Risikofaktoren (geopolitisch und ökonomisch) unter Kontrolle bleiben.“ Für Anleger bedeutet das, Chancen zu nutzen, ohne die Risiken aus dem Blick zu verlieren, und in einem komplexen Umfeld bewusst auf Qualität und Bonität zu setzen.

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