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Geschlossene Fonds: Markt bricht 2025 deutlich ein
Von Dr. Oliver Everling | 24.Februar 2026
Der Markt für geschlossene alternative Investmentfonds (AIF) für Privatanleger hat im Jahr 2025 einen deutlichen Einbruch erlebt. Nach einer aktuellen Analyse der europäischen Ratingagentur Scope Group sind sowohl die Emissionsaktivitäten als auch die Platzierungszahlen erheblich zurückgegangen. Besonders auffällig ist, dass „die Emissionsaktivitäten der Initiatoren geschlossener Fonds sind 2025 gegenüber dem Vorjahr um fast zwei Drittel zurückgegangen“ und Anleger „so wenig Kapital wie seit zehn Jahren nicht mehr“ investierten. Diese Entwicklung markiert einen signifikanten Einschnitt in einem Marktsegment, das lange als stabiler Bestandteil der privaten Kapitalanlage galt.
Das prospektierte Angebotsvolumen neuer Fonds sank drastisch. Insgesamt lag es im Jahr 2025 bei nur noch 369 Millionen Euro, nachdem es im Jahr 2024 noch 962 Millionen Euro erreicht hatte. Scope führt mehrere Gründe für diesen Rückgang an, darunter „der hohe Überhang aus dem Vorjahr“, die geringe Zahl großvolumiger Fonds und die weiterhin schwächelnden Immobilienmärkte. Gleichzeitig wurden lediglich zehn Publikums-AIF zum Vertrieb zugelassen, und zwar ausschließlich Immobilienfonds. Diese Zulassungen erfolgten durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), was einem Rückgang um die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auffällig ist zudem ein struktureller Wandel, da Anbieter außerhalb des Immobiliensektors zunehmend auf alternative Vehikel wie ELTIFs setzen.
Auch auf der Nachfrageseite zeigt sich eine deutliche Abschwächung. Das platzierte Eigenkapital belief sich im Jahr 2025 auf lediglich 438 Millionen Euro, verglichen mit 572 Millionen Euro im Vorjahr. Damit wurde laut Scope „im vergangenen Jahr so wenig Geld in geschlossene Fonds wie seit 2014 nicht“ investiert. Als Hauptursache gilt die Konkurrenz durch festverzinsliche Anlagen, die aufgrund gestiegener Zinsen wieder attraktiver geworden sind. Zusätzlich belastet die schwierige Lage am Immobilienmarkt das Vertrauen vieler Anleger. Scope stellt fest, dass „negative Meldungen zu Insolvenzen und schlechte Nachrichten im Markt der geschlossenen Fonds in den vergangenen Monaten und Jahren zusätzlich zur Verunsicherung der Anleger bei“ trugen.
Dennoch verfügen geschlossene Publikums-AIF über strukturelle Vorteile in der aktuellen Marktsituation. Anders als offene Immobilienfonds unterliegen sie nicht dem unmittelbaren Rückgabedruck durch Anleger. Scope betont ausdrücklich, dass sie „durch ihre geschlossene Struktur aktuell nicht dem Rückgabedruck seitens der Anleger ausgesetzt“ sind und daher nicht zu kurzfristigen Verkäufen gezwungen werden. Dies verleiht ihnen eine gewisse Stabilität, auch wenn die Nachfrage insgesamt schwach bleibt.
Trotz des schwierigen Umfelds konnten einige Anbieter vergleichsweise gute Platzierungsergebnisse erzielen. Zu den drei erfolgreichsten Emissionshäusern gehörten die Munich Private Equity Funds AG mit 70 Millionen Euro, die HAHN Gruppe mit 60,4 Millionen Euro und die US Treuhand mit 49,9 Millionen Euro. Zusammen erreichten diese Anbieter einen Marktanteil von 41 Prozent. Inhaltlich blieb der Markt stark vom Immobiliensegment geprägt, das mit rund 305 Millionen Euro etwa 70 Prozent des gesamten platzierten Eigenkapitals auf sich vereinte. Private Equity folgte mit deutlichem Abstand auf Platz zwei.
Für das Jahr 2026 erwartet Scope eine moderate Erholung der Emissionsaktivitäten, allerdings ohne eine Rückkehr auf das Niveau früherer Boomjahre. Die Analysten prognostizieren, dass die Emissionsvolumina zwar über dem schwachen Niveau von 2025, aber weiterhin unter dem Wert von 2024 liegen werden. Mehrere Anbieter, darunter BVT, Dr. Peters, HTB Gruppe, JAMESTOWN, Ökorenta und PATRIZIA GrundInvest, planen neue Fondsangebote in den Bereichen Immobilien, Private Equity und erneuerbare Energien. Das geplante Eigenkapitalvolumen dieser neuen Produkte könnte sich zwischen 400 und 600 Millionen Euro bewegen.
Gleichzeitig bleibt Scope vorsichtig hinsichtlich der Platzierungszahlen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Milliardengrenze kurzfristig wieder erreicht wird. Stattdessen wird ein Platzierungsvolumen zwischen 400 und 800 Millionen Euro erwartet. Entscheidend wird sein, ob sich das Vertrauen privater Anleger stabilisiert und wie sich die Konkurrenz durch alternative Anlageformen weiterentwickelt. Die Analyse deutet darauf hin, dass der Markt sich zwar stabilisieren könnte, eine vollständige Erholung jedoch Zeit benötigen wird.
Themen: Fondsrating | Kommentare deaktiviert für Geschlossene Fonds: Markt bricht 2025 deutlich ein
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