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Szenarien mit Data2Space simulieren
Von Dr. Oliver Everling | 24.August 2026
Mit dem neuen Dienst von Data2Space eröffnet sich die Möglichkeit, Szenarien zu simulieren. Was passiert, wenn die Verschuldung steigt? Wie verändert sich die Liquiditätsposition bei höheren Zinsen? Welche Auswirkungen hätte ein Rückgang des EBITDA? Welche Anleihen innerhalb eines Konzerns wären von einer Verschlechterung der Kreditqualität besonders betroffen? Ein räumliches Modell kann solche Veränderungen visualisieren und dadurch die Konsequenzen eines Szenarios verständlicher machen.
Dabei ersetzt die Visualisierung natürlich keine quantitative Modellierung. Ihre Funktion liegt darin, Ergebnisse und Beziehungen besser erfahrbar zu machen.
Auch für Investmentkomitees könnte eine solche Umgebung interessant sein. Ein Analyst kann eine Anleihe vorstellen, während die übrigen Mitglieder gemeinsam die Kapitalstruktur, Laufzeiten, Covenants und Ratingtreiber untersuchen. Die Diskussion findet dann nicht nur anhand einer Präsentation statt. Die Teilnehmer können gemeinsam in der Informationsstruktur navigieren. Dies kann besonders bei komplexen Emissionen einen Mehrwert schaffen, bei denen unterschiedliche Fachbereiche beteiligt sind.
Auch für Ratingagenturen selbst eröffnet der Ansatz interessante Perspektiven. Eine Ratingagentur kann ihre Analyse nicht nur in einem klassischen Ratingbericht dokumentieren, sondern zusätzliche interaktive Informationsräume bereitstellen. Investoren könnten dadurch die wichtigsten Ratingtreiber und deren Zusammenhänge untersuchen.
Dies würde die Ratingkommunikation von einer überwiegend statischen zu einer interaktiven Form weiterentwickeln. Dabei wäre entscheidend, dass die räumliche Darstellung sauber zwischen Daten, Analyse und Bewertung unterscheidet. Eine attraktive 3D-Darstellung allein schafft noch keine bessere Kreditrisikobeurteilung. Der analytische Mehrwert entsteht erst dann, wenn die Visualisierung auf belastbaren Daten und nachvollziehbaren Beziehungen basiert.
Die vielleicht interessanteste Konsequenz besteht darin, Anleiherisiko nicht mehr ausschließlich als einzelne Kennzahl oder Ratingklasse zu betrachten. Eine Anleihe ist Teil eines komplexen Systems aus Emittent, Kapitalstruktur, Cashflows, Sicherheiten, Covenants, Laufzeiten, Refinanzierungen und Marktbedingungen. Data2Space kann dieses System als navigierbaren Raum darstellen.
Damit „verschwindet“ die Ratingnote nicht. Im Gegenteil: Sie kann ihre Funktion als kompakte Orientierung behalten. Aber hinter der „Note“ kann eine wesentlich reichhaltigere Informationswelt entstehen.
Der Investor sieht dann nicht nur, dass eine Anleihe beispielsweise mit BBB bewertet ist. Er kann untersuchen, welche Faktoren zu diesem Rating geführt haben, wie die Anleihe innerhalb der Kapitalstruktur positioniert ist, welche Refinanzierungsrisiken bestehen und wie sich die relevanten Faktoren über die Zeit verändern.
Data2Space eröffnet damit für Anleiheratings einen Perspektivwechsel: vom statischen Rating zum interaktiven Ratingraum. Die Bonität wird nicht mehr nur als Buchstabe oder Zahl kommuniziert, sondern als komplexe Struktur, die untersucht, verglichen und gemeinsam verstanden werden kann.
Gerade in einer Zeit, in der die Menge und Komplexität von Anleihedaten ständig zunimmt, kann diese zusätzliche räumliche Ebene einen wichtigen Beitrag leisten: Sie macht nicht nur das Rating sichtbar, sondern die Welt, aus der das Rating entsteht.
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