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„Die Reifeprüfung von Scope“
Von Dr. Oliver Everling | 11.September 2026
Eine investigative Recherche des Finanzjournalisten Jan F. Wagner zur Ratingagentur Scope sorgt für Aufmerksamkeit. In der September-Ausgabe des Bankmagazins von Springer Professional beschäftigt sich Wagner mit der Entwicklung des Berliner Unternehmens, das im November 2023 von der Europäischen Zentralbank als erste europäische Ratingagentur für Staats- und Unternehmensanleihen anerkannt wurde.
Während Scope in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg erlebt hat und inzwischen als europäische Alternative zu den mächtigen US-Ratingagenturen wahrgenommen wird, lenkt Wagner den Blick auf eine andere Seite des Unternehmens. Seine Recherche trägt den Titel „Die Reifeprüfung von Scope“ und befasst sich insbesondere mit der finanziellen Situation der Ratingagentur.
Besonders spektakulär ist die von Wagner zitierte Bilanzanalyse. Danach beliefen sich die kumulierten Verluste von Scope Ende 2024 auf 190,8 Millionen Euro. Dem von Investoren eingebrachten Eigenkapital von 155,4 Millionen Euro stünden damit Verluste gegenüber, die nach Wagners Berechnung zu einem negativen Eigenkapital von 35,4 Millionen Euro führen.
Wagner formuliert seine Einschätzung dazu unmissverständlich: „Bilanziell gesehen bedeutet das: Scope ist überschuldet.“
Umso bemerkenswerter erscheint ihm vor diesem Hintergrund, dass sich gleichzeitig zahlreiche renommierte europäische Finanzinstitutionen an Scope beteiligt haben. Dazu zählen nach Angaben des Unternehmens Axa, BPCE, Crédit Agricole, Deka, ABN Amro und die Vienna Insurance Group. Scope sieht darin ein Zeichen des Vertrauens in seine strategische Ausrichtung und zugleich in die wachsende Bedeutung europäischer Souveränität und Autonomie am Kapitalmarkt.
Wie passt der ambitionierte Ausbau einer europäischen Ratingagentur zu den seit Jahren hohen Verlusten? Warum investieren große Banken und Versicherungen in Scope? Und kann es Scope gelingen, aus der Rolle des europäischen Herausforderers der etablierten US-Ratingagenturen ein dauerhaft erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln?
Jan F. Wagner geht diesen Fragen in seiner aktuellen Recherche für das Bankmagazin nach. Seine Veröffentlichung „Die Reifeprüfung von Scope“ verdient deshalb Aufmerksamkeit – nicht zuletzt, weil sie hinter die Erfolgsmeldungen über den Aufstieg der europäischen Ratingagentur blickt und eine Seite von Scope beleuchtet, die für die weitere Entwicklung des Unternehmens von erheblicher Bedeutung sein könnte.
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