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Bafin fordert mehr Transparenz bei ELTIFs
Von Dr. Oliver Everling | 18.September 2026
„Aggressive Werbung ist fehl am Platz“ – mit dieser klaren Botschaft richtet sich Bafin-Präsident Mark Branson gegen eine Vermarktung von Anlageprodukten, bei der Chancen stärker hervorgehoben werden als die damit verbundenen Risiken. Gerade bei komplexen und illiquiden Produkten wie den europäischen Langfristfonds ELTIFs sieht Branson Handlungsbedarf beim Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern.
„Es muss sich in der Zukunft bei Produkten für Retail-Anleger, die in illiquide Assets investieren, etwas ändern“, sagte Branson dem Manager Magazin. Nach Einschätzung der Finanzaufsicht fallen die Risikoangaben bei komplexen und illiquiden Fonds häufig zu milde aus. Anlegerinnen und Anleger könnten dadurch Schwierigkeiten haben, die tatsächlichen Risiken einer Investition angemessen einzuschätzen.
ELTIFs investieren vielfach in langfristige und illiquide Vermögenswerte, etwa in Infrastrukturprojekte. Ein wesentliches Merkmal ist dabei, dass Anleger ihr investiertes Geld in der Regel nicht kurzfristig wieder abziehen können. Gerade diese eingeschränkte Verfügbarkeit des Kapitals müsse bei der Risikobewertung stärker berücksichtigt werden. Branson bringt deshalb einen zusätzlichen Malus für Illiquidität als möglichen Bestandteil eines Risikoindikators ins Gespräch.
Eine verständlichere und aussagekräftigere Kennzeichnung könnte dabei eine wichtige Orientierung bieten. Ein Angebot von Ratings für solche Anlageprodukte würde Anlegerinnen und Anlegern zusätzlich helfen, die Produkte besser zu verstehen, Unterschiede zwischen einzelnen Fonds einzuordnen und insbesondere das Verhältnis von Renditechancen, Komplexität und Risiko besser zu begreifen. Voraussetzung wäre, dass solche Ratings nachvollziehbar, unabhängig und transparent zustande kommen. Sie könnten eine verständliche Ergänzung zu den bestehenden Produktinformationen darstellen, ohne Anlegern die eigene Entscheidung abzunehmen.
Die Bafin beobachtet den Vertrieb von ELTIFs nach eigenen Angaben genau. „Es sei die Rolle der Bafin, auf die Marktgegebenheiten zu schauen, auf die Angemessenheit bestimmter Produktkategorien für die Verbraucherinnen und Verbraucher und darauf, ob sie fair vertrieben werden“, heißt es in dem Interview. Wenn die Finanzaufsicht bei „Vermarktung, Werbung oder Platzierung der ELTIFs etwas“ sehe, „das nicht angemessen ist, reden wir mit dem Anbieter“. Häufig könne bereits dieses Gespräch eine Wirkung entfalten.
Branson betont zugleich die Grenzen staatlichen Verbraucherschutzes. Der Staat könne und solle nicht „vor jeder schlechten Investitionsentscheidung schützen“. Entscheidend sei vielmehr, dass „es am Markt keine gesetzeswidrigen Angebote und kein irreführendes Marketing gibt“. Gleichzeitig müsse man die Menschen „befähigen, selbst zu urteilen“.
Dazu gehört auch eine realistische Darstellung dessen, was Geldanlage leisten kann. Branson verweist auf zwei besonders verlockende Versprechen: „schneller Reichtum und absolute Sicherheit“. Beide, so seine Einschätzung, „haben fast religiöse Züge – und beide haben ihre falschen Propheten“.
Für Anleger bedeutet das: Je komplexer und weniger liquide ein Produkt ist, desto wichtiger sind verständliche Informationen über Chancen und Risiken. Unabhängige und transparente Ratings könnten dabei eine zusätzliche Orientierung schaffen. Sie würden zwar keine Anlageentscheidung ersetzen, könnten aber dazu beitragen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Eigenschaften eines Produkts schneller erfassen, Risiken besser einordnen und ihre Entscheidung auf einer fundierteren Grundlage treffen können.
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