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Anlagemärkte – weiter im Krisenmodus?

Von Dr. Oliver Everling | 7.November 2011

Im Vergleich zu „normalen“ Zeiten gewinnen aktuell die Risiken an Gewicht, führt Dr. Alexander Ruddies von der Feri EuroRating Services in seinen Vortrag „Anlagemärkte – Weiter im Krisenmodus?“ ein. Ruddies sprach bei der 24. Feri Herbsttagung am Frankfurter Flughafen. Der Dynamikverlust sei in vielen Ländern zu beobachten. Dieser Dynamikverlust wirkt engativ auf das fundamentale Potenzial, insbesondere in den Industriestaaten, sagt Ruddies.

„Gemessen an historischen Werten sind Aktien weltweit günstig, aber was ist eingepreist? Bezeichnend ist dieses Jahr der Anstieg der Nervosität im Markt aufgrund der Verschuldungskrise in Europa, worunter auch Banken leiden, die sich untereinander wieder weniger trauen und hohen Rekapitalisierungsbedarf haben“, führt Ruddies weiter aus und untermauert jeden Punkt durch einschlägige Statistiken.

„Es bestehen zusätzliche Risiken für die weitere Entwicklung des Bankensektors“, sagt Ruddies und stützt sich bei dieser Einschätzung auf eine Reihe von Faktoren: Höhere Eigenkapitalanforderungen aufgrund von Basel III, usätzliche Hinterlegungspflicht für systemrelevante Banken, notwendige Überprüfung des Geschäftsmodells (Fokussierung auf Kreditkundengeschäft mit geringeren Margen, eventuell Einführung eines Trennbankensystems) und strengere Anforderungen aus dem Risikomanagement. Künftig seien daher im Bankensektor geringere Gewinne zu erwarten.

Die konjunkturelle Abkühlung begrenzt das Potenzial von Aktien, Die Bewertungen seien grundsätzlich günstig, aber abhängig vom Stand im Konjunkturzyklus. Die internationale Schuldenkrise und Rezessionsängste sorgen für weiterhin labile Situation. Der Sachwertcharakter der Aktien wirke mittel- bis langfristig positiv. Regional gebe es Unterschiede, vor allem EM Asien sei positiv. „Insbesondere Bankaktien sind dem Risiko von Rezession und Schuldenkrise ausgesetzt“, warnt Ruddies.

Die Geldpolitik bleibe auf absehbare Zeit extrem expansiv, aber Banken in Europa horten steigende Zentralbankliquidität, wie auch in den USA. Die Inflation bleibe in Industrieländern insgesamt moderat und sinke in den Schwellenländern. Am Markt dominiere im Jahr 2011 die Flucht in die sicheren Häfen, aktuell seien die Rentenmärkte sowohl in den USA als auch in Deutschland überkauft, aber trotz des zu erwartenden Anstiegs bleiben Renditen historisch betrachtet vorerst gering.

„Unternehmensanleihen werden mittlerweile als sicherer angesehen als Staatsanleihen“, zeigt Ruddies anhand der Spreads von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen. Angesichts der Schwierigkeiten im Bankensystem sei anzunehmen, dass Unternehmensanleihen als Alternative zu Staatsanleihen zunehmend in den Blickpunkt geraten würden.

Trotz expansiver Geldpolitik bleiben die Inlationserwartungen moderat, fasst Ruddies zusammen. Die Schuldenkrise bleibe vorerst das beherrschende Thema. Solange Risikoaversion anhalte, seien weiter Renditerückgänge in sicheren Häfen denkbar. Staatsanleihen sieht Ruddies weniger attraktiv als Aktien, außerdem bieten Unternehmensanleihen Alternativen.

Ruddies Einschätzung der Rohstoffmärkte: Die Industrie- und Energierohstoffe bleiben konjunktursensitiv. Mittelfristig sei ein positiver Grundtrend erkennbar. Edelmetalle bleiben langfristig weiter als „Versicherung“ attraktiv. Trotz der drastischen Korrektur im Herbst bleibe Gold im Trend. Die Bewertungen der Rohstoffmärkte seien auch sonst zum Teil sehr hoch. Der Sachwertcharakter wirke mittel- bis langfristig positiv.

Für den Dollar spreche das höhere Wachstum in den USA, die Euroschuldenkrise und die Abnehmende Zinsdifferenz. „Pro Euro: Mit einer Lösung der Krise in Europa sollten amerikanische Schuldenprobleme in den Blickpunkt geraten. Längerfristig sollte Euro als Reservewährung an Bedeutung gewinnen“, prognostiziert Ruddies.

Die Rohstoffwährungen setzen den Aufwertungstrend vorerst nicht weiter fort, urteilt Ruddies. „Die starke Aufwertung der Jahre 2009/2010 hat sich bislang nicht fortgesetzt“, so Ruddies weiter, „und die schwächere Konjunkturdynamik der Weltwirtschaft spricht gegen kurzfristig weitere starke Aufwertung.“

Bei den Immobilien bemerkt Ruddies leicht eingetrübte Ertragsperspektiven. Die Erholungsbewegung der Jahre 2010/2011 erbrachte zweistellige Gesamtrenditen. Die Ertragsperspektiven für 2012 trüben sich jedoch durch schwächere Konjunkturdynamik der Weltwirtschaft und damit – zeitversetzt – der Vermietungsmärkte ein. Die Assetklasse profitiere derzeit als „sicherer Hafen“ bei zugleich niedrigen AKtienrenditen und sehr volatilen Aktienmärkten. Das Risiko sieht Ruddies in den wieder erschwerten Finanzierungsbedingungen und den leicht steigenden Mietrenditen.

Ruddies erläutert den Ausblick der Feri EuroRating Services auf strategische Risiken und strategische Chancen. Zu den strategischen Risiken zählt er die Eskalation der Euroschuldenkrise, die Staatsschuldenkrise in anderen Industrieländern, namentlich USA und Japan,die finanzielle Repression durch staatliche Eingriffe am Markt (Bankenregulierung, Steuererhöhungen, Kapitalverkehrskontrollen usw.), politische Krisen auch in Industriestaaten, Gefahrenfür die Geldwertstabilität und den Außenwert von Währungen sowie auch geopolitische Risiken.

Die strategischen Chancen sieht Ruddies in der stärkeren regionalen Differenzierung mit besonderem Augenmerk auf Asien, in Energie< und Industrierohstoffen zur Partizipation am Anstieg der Schwellenländer, Investments in alternative Energien, Währungen von aufstrebenden und rohstoffreichen Ländern, Investitionen in Sachwerten als Schutz gegen Inflation, Gold als Versicherungsschutz gegen Krisen udn Unternehmensanleihen als Alternativen zu Staatsanleihen.

Themen: Aktienrating, Anleiherating, Bankenrating, Länderrating, Ratings | Kein Kommentar »

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