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Blessing sieht FinTech mit Gelassenheit

Von Dr. Oliver Everling | 2.September 2015

Martin Blessing, Vorsitzender des Vorstands der Commerzbank AG, will von „FinTech“ schon in den 1990er Jahren gewusst haben, so seine Antwort auf die entsprechende Frage auf der 20. Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“. Immerhin sei er auch einmal Vorstandsvorsitzender der Advance Bank gewesen (die Advance Bank wurde allerdings nach großen Verlusten eingestellt).

„Ein Existenzgründer muss erst einmal Eigenkapital haben. Das kann man nicht mit Fremdkapital machen“, weist Blessing Überlegungen von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart zurück, dass die Commerzbank mehr für Start-ups tun könnte. Main Inkubator und Commerzventures seien allerdings Vehikel der Commerzbank, um auch mit Eigenkapital dabei zu sein.

„FinTechs sind fokussierter und schneller. Aber wir haben einen großen Kundenbestand und eine Menge finanzieller Ressourcen“, sagt Blessing. „Außerdem haben wir ein Verständnis für die dahinter liegenden Prozesse. Finanzkrise hin oder her, wir haben 600.000 neue Kunden gewonnen. Das Begrüßungsgeld ist bei der Commerzbank niedriger als beim Handelsblatt.“

Steingart zählt die großen Player wie Google, amazon usw. auf, denen einst nicht viel zugetraut wurde. „Heute sehen wir noch keinen richtig großen Player“, schwenkt Steingart den Blick auf die Banken. Blessing unterstreicht, dass Banken viel a) mit Vertrauen und b) mit Regulierung zu tun haben.

Blessing bricht eine Lanze für PayDirekt, denn sowohl für Kunden, als auch für Händler Vorteile gegenüber PayPal spürbar sein werden. Im Bankensektor „müssen wir uns aber gegenseitig unterhaken“, redet Blessing dem Zusammenschluss der Banken in diesem Thema das Wort.

„Kunden, die ihr ganzes Leben nur noch online organisieren, können dies bei Comdirect tun“, sagt Blessing. Über 25 Jahre hätten es diese Banken es auf etwas mehr als 15 % Marktanteil geschafft, aber eben nicht auf viel höhere Anteile. Blessing gibt Beispiele für Geschäfte wie die Baufinanzierung, die die meisten Menschen zwar online recherchieren, aber dennoch in einer Geschäftsstelle abschließen wollen. „Wir bauen um und es werden weniger Filialen sein“, sagt Blessing, der in der Commerzbank noch rund 1100 Geschäftsstellen zählt.

„Eigenkapitalrendite wird sicherlich eine Herausforderung werden“, dämpft Blessing Hoffnungen, dass sich die Gewinn- und Verlustrechnung der Commerzbank verbessern könnten. Draghi will er dafür nicht alleine die Schuld geben, jedoch frage er sich, wo er für 30 oder 40 Mrd. Kundeneinlagen den so genannten „sicheren“ Zins von 3 % finden könne, der für diese angesetzt würde.

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