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Brexit schafft neue Aufgaben

Von Dr. Oliver Everling | 24.Juni 2016

„Inhaber von Unionsmarken und Gemeinschaftsgeschmacksmustern sollten dringend ihre rechtliche Position prüfen und geeignete Maßnahmen ergreifen“, schreiben die Rechtsanwälte von Liesegang & Partner mbB am Tag nach der Brexit-Entscheidung. „Die Folgen, die diese Entscheidung für die weitere, insbesondere die weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und der Europäischen Union haben wird, sind derzeit weder überschaubar noch vorhersehbar. Denn die Entscheidung der Briten führt nicht zum sofortigen Austritt des Vereinigten Königreiches, sondern bedeutet den Beginn von Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU über die Form und den Vollzug dieses Austritts. Einzelheiten regelt Art. 50 des EU-Vertrages.“

Für Einzelne mag das Votum der Briten wie ein Konjunkturprogramm wirken. Verträge müssen neu ausgehandelt, Standorte überdacht und Währungsklauseln erneuert werden. Überall werden dafür Anwälte, Prüfer und Berater benötigt. Insbesondere für britische Unternehmen, die sich bisher auf den Verbleib in der Europäischen Union verlassen haben, steht nun das Überdenken der Strategie an. Die Versicherungswirtschaft könnte profitieren, wenn eine Phase erhöhter Unsicherheit zu verstärkter Nachfrage nach Versicherungsprodukten führt. In jedem Fall werden bedeutende zusätzliche Ressourcen eingesetzt werden müssen, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen.

„Jetzt haben wir den Schlamassel: Die Bürger Großbritannien haben sich bei dem gestrigen Referendum für die Abkehr von der Europäischen Union ausgesprochen. Mit knapp 52% für den Austritt fiel die Entscheidung knapp aus“, kommentiert Bernd Krampen von der Nord LB das Ergebnis. „Nun wird es darauf ankommen, wie die Politiker sowohl in Großbritannien als auch in den Ländern Kontinentaleuropas darauf reagieren werden: Derzeit ist nicht absehbar, ob dies der Anfang eines Auseinanderdriftens Europas ist, oder ob der ‚Schuss vor den Bug‘ des Schiffes Europas genutzt wird, das Projekt Europa zu verbessern.“

Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft beiderseits des Ärmelkanals werden sich jetzt zusammenreißen müssen, meint das Economics Team der NORD/LB Research/Volkswirtschaft: „Denn die Risiken ausgehend vom Brexit können immens sein: Die nun zu erwartenden Wachstumseinbußen bedeuten immer auch mehr Arbeitslosigkeit und weniger Einkommen – sogar für viele gestern Unbeteiligte.“

Für die Ratingagenturen steht nun eine Phase der Überprüfung von Ratings an, insbesondere bei solchen Emittenten, die entweder auf der Seite ihrer Finanzierung eine hohe Abhängigkeit von Pfund und Euro Wechselkursverhältnissen zeigen oder die auf die Absatzmärkte in Grossbritannien angewiesen sind.

Themen: Länderrating, Unternehmensrating | Kein Kommentar »

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