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Effekte des chinesischen Auslandstourismus

Von Dr. Oliver Everling | 6.Juni 2016

Das anhaltend rasante Wachstum der chinesischen Mittelschicht hat einen wahrhaften Boom des Auslandstourismus ausgelöst, da die Erwartungen und Horizonte der neuen Wohlhabenden über die heimischen Grenzen hinauswachsen, schreibt Jason Pidcock, Head of Strategy, Asian Income, bei Jupiter Asset Management in seinem Kommentar. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der ins Ausland reisenden Chinesen beständig und signifikant gestiegen.

„Das Land ist dadurch zum zweitgrößten Tourismusmarkt der Welt geworden und steuert 50 Prozent zum Wachstum der globalen Reisebranche bei“, rechnet Pidcock vor. „Chinesische Touristen haben das Geld, um zu reisen, aber auch für Waren und Dienstleistungen an ihrem Urlaubsort. Die neue Tourismuswelle hat sich demnach als riesiger Segen für all jene Unternehmen erwiesen, die sich an diese Entwicklung anpassen konnten.“

In Macau etwa haben Kasinobetreiber, die sowohl den High-End-Tourismus als auch den Massenmarkt bedienen, ihre jüngste Flaute überwunden und erwirtschaften nun wieder sehr ordentliche Erträge, berichtet Pidcock. „Flughafenbetreiber und andere Reiseinfrastruktur-Unternehmen, die für die beliebtesten Urlaubsziele positioniert sind, verzeichnen einen ungebrochen starken Anstieg der Passagierzahlen. Gleichzeitig profitieren im Einzelhandel die Betreiber und Eigentümer von Einkaufszentren von einem boomenden Touristengeschäft in den 1A-Lagen.“

Auch weniger offensichtliche Formen des Tourismus üben nach Eindruck von Pidcock Einfluss darauf aus, wie der Geldfluss zwischen den asiatisch-pazifischen Ländern (ohne Japan) verläuft. China beende nun die besonders wachstumsstarke Phase seiner Industrialisierung und wende sich einem stärker konsumorientierten Wirtschaftsmodell zu. Daher besteht für das Land auch ein immer geringerer Bedarf an Metallen und anderen Rohstoffen aus benachbarten Ländern, allen voran Australien.

„Doch für die Unternehmen dort wurde diese rückläufige Entwicklung durch den Bildungssektor aufgefangen. In Chinas zunehmend wettbewerbsintensivem Beschäftigungsumfeld“, berichtet Pidcock, „ist die Bildungsqualität eines der größten Anliegen der neuen chinesischen Mittelschicht. Jenseits des Südchinesischen Meeres bieten Australiens öffentliche und private Bildungseinrichtungen eine erstklassige Ausbildung nach westlichen Standards. Dies hat dem Land einen enormen Zustrom an chinesischen Studenten sowie einen entsprechenden Vermögenszufluss beschert. Für Australien ist Bildung damit faktisch zu einem Dienstleistungsimport geworden.“

Ein weiteres wichtiges Anliegen der neuen wohlhabenden und mobilen Mittelschicht in Asien ist die Gesundheit, denn die Region weist bei der staatlichen Gesundheitsversorgung mitunter sehr unterschiedliche Standards auf. Dies schafft einen wachsenden Markt für Gesundheitstourismus. Die zunehmende Nachfrage nach gesundheitsbezogenen Dienstleistungen im Ausland hat Unternehmen der Branche dazu veranlasst, private Krankenhäuser in zentraler Nähe zu Bevölkerungszentren zu errichten. Die besten Projekte haben meines Erachtens gute Chancen, den Unternehmen langfristig hohe Erträge zu bescheren.

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