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Egan-Jones verteidigt Geschäftsmodell und Ratings nach SEC-Anordnung
Von Dr. Oliver Everling | 7.April 2026
Im Zuge aktueller Medienberichte über die Ratingagentur Egan-Jones und eine kürzlich erlassene Anordnung der US-Börsenaufsicht SEC hat sich das Unternehmen öffentlich zu den Hintergründen geäußert und versucht, mögliche Fragen von Marktteilnehmern zu klären. Nach Angaben der Unternehmensführung steht die Entwicklung der vergangenen Jahre im Zeichen eines deutlichen Wachstums. Mehr als drei Jahrzehnte nach der Gründung sieht sich die Agentur weiterhin ihrem ursprünglichen Anspruch verpflichtet, zeitnahe, unabhängige und analytisch fundierte Kreditratings bereitzustellen. Dieses Selbstverständnis bilde nach Darstellung des Managements weiterhin die Grundlage der Unternehmensstrategie.
Die jüngste Anordnung der SEC steht nach Unternehmensangaben im Zusammenhang mit einem Antrag von Egan-Jones, die bestehende Lizenz auf zusätzliche Wertpapierkategorien auszuweiten. Konkret ging es um eine Genehmigung zur Bewertung von forderungsbesicherten Wertpapieren sowie staatlichen beziehungsweise staatlich garantierten Schuldtiteln. Diese Erweiterung sei laut Unternehmensführung eine logische Ergänzung der bestehenden Tätigkeit und zugleich eine Reaktion auf die Nachfrage von Kunden. Zugleich betont das Unternehmen, dass die derzeitigen Lizenzen und die operative Tätigkeit durch die Anordnung nicht beeinträchtigt würden. Man sei überzeugt, über die erforderlichen Qualifikationen zu verfügen und sehe in dem Verfahren einen wichtigen Schritt, um die eigenen Analysekapazitäten künftig breiter einsetzen zu können.
Im Zusammenhang mit regulatorischen Anforderungen verweist das Unternehmen darauf, dass die Einhaltung von Vorschriften einen hohen Stellenwert einnehme. Ein beträchtlicher Anteil der Belegschaft sei ausschließlich mit Compliance- und Rechtsfragen beschäftigt. In den vergangenen Jahren habe Egan-Jones demnach sowohl interne Kontrollstrukturen als auch Governance-Mechanismen weiter ausgebaut und zugleich die Aufsichtsfunktion des Verwaltungsrats gestärkt.
Auch die personelle Zusammensetzung des Boards soll diesen Anspruch unterstreichen. Den Vorsitz führt ein ehemaliger Regionaladministrator der SEC-Niederlassung in Boston, der zuvor unter anderem eine bundesweite Task Force zur Bekämpfung von Bankenbetrug geleitet und mehrere Führungspositionen im Bereich Enforcement der Behörde bekleidet hatte. Zudem wurde kürzlich ein früherer Versicherungsaufseher des US-Bundesstaats Arkansas in das Gremium aufgenommen, der über langjährige Erfahrung in der National Association of Insurance Commissioners verfügt. Nach Darstellung des Unternehmens spiegelt diese Besetzung das Ziel wider, regulatorische Kompetenz und institutionelle Erfahrung in die Unternehmensführung einzubinden.
Egan-Jones befindet sich nach eigenen Angaben weiterhin in regelmäßigem Austausch mit Aufsichtsbehörden. Darüber hinaus wird die Agentur von der National Association of Insurance Commissioners als anerkannter Ratinganbieter akzeptiert. In den vergangenen sieben Jahren seien rund 16.000 Ratings erstellt worden, von denen zahlreiche von Kunden für regulatorische Meldungen bei der NAIC verwendet worden seien.
Auch mit der Bermuda Monetary Authority besteht laut Unternehmen eine langjährige Zusammenarbeit. In der Vergangenheit sei Egan-Jones bereits auf der Liste akzeptierter Ratingfirmen geführt worden, deren Einschätzungen von Versicherungsunternehmen verwendet werden dürfen. Aktuelle Fragen in diesem Zusammenhang sollen nach Angaben der Agentur geklärt werden; man gehe davon aus, zu einer positiven Lösung zu gelangen.
Technologisch setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben zunehmend auf quantitativ ausgerichtete Modelle und datenbasierte Verfahren. Diese sollen dazu beitragen, Kreditrisiken effizienter und präziser zu bewerten. In den vergangenen anderthalb Jahren habe man erhebliche Investitionen in technologische Infrastruktur getätigt, Berichtsformate erweitert und interne Prozesse verbessert. Diese Maßnahmen sollen die Grundlage für weiteres Wachstum bilden und die Fähigkeit stärken, Ratings zeitnah bereitzustellen.
Zur Untermauerung der eigenen Leistungsbilanz verweist das Unternehmen auf statistische Auswertungen seiner Ratingpraxis. Bei nicht beauftragten Bewertungen großer börsennotierter Unternehmen sollen die beiden etablierten großen Ratingagenturen in etwa 85 Prozent der Fälle ihre eigenen Einschätzungen später in Richtung der von Egan-Jones vergebenen Ratings angepasst haben, sobald sie selbst Ratingentscheidungen trafen. Dies wird von der Agentur als Hinweis auf die analytische Genauigkeit ihrer Bewertungen interpretiert. Bei beauftragten und privaten Ratings analysiert das Unternehmen zudem die Entwicklung von erwarteten und tatsächlich eingetretenen Zahlungsausfällen. In einem Zeitraum von sieben Jahren seien demnach 63 tatsächliche Ausfälle registriert worden, während auf Basis der vergebenen Ratings 366 Ausfälle erwartet worden seien. Diese Differenz wird von der Agentur als positives Ergebnis der eigenen Risikobewertung hervorgehoben.
Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass bestimmte Marktverwerfungen, die mit einzelnen Emittenten in Verbindung standen, nicht auf Ratings von Egan-Jones zurückzuführen seien. Auf Grundlage der vorliegenden Daten betont die Agentur, dass ihre Ratings sowohl zeitnah als auch analytisch präzise seien.
Insgesamt stellt Egan-Jones seine aktuelle Situation als Fortsetzung eines langfristigen Unternehmensansatzes dar. Ziel bleibe es, verlässliche Kreditratings bereitzustellen, auf die institutionelle Investoren zurückgreifen können. Zugleich hebt die Unternehmensführung hervor, dass man die Zusammenarbeit mit Kunden schätze und offen für weitere Gespräche über die aktuellen Entwicklungen sei.
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