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EIU bewirbt sich mit ESG

Von Dr. Oliver Everling | 6.April 2022

Als Dr. Walter Homolka und Tung-Quan Nguyen-Khac 1996 ihren Beitrag „Ethisch-ökologisches Rating“ im „Handbuch Rating“ (Büschgen/Everling) veröffentlichten, war es noch umstritten, ob ein dieses Thema überhaupt in ein solches Standardwerk der Finanzwirtschaft gehört, zumal es sich um die erste derartige Veröffentlichung im deutschen Sprachraum handelte. Heute dagegen bewerben sich alle führenden Ratingagenturen darum, ihr Knowhow zur Beurteilung von Unternehmen nach ethischen, ökologischen und sozialen Kriterien aufzubauen und anzubieten.

So verspricht auch die „Economist Intelligence Unit“ (EIU) umfassende Bewertung: „Gewinnen Sie eine solidere Perspektive. Anhand von 90 Indikatoren in neun verschiedenen Kategorien gehen wir über die Schlagzeilen hinaus, um den Einfluss zu messen, den Regierungen, Unternehmen und die Gesellschaft auf die ESG-Nachhaltigkeit haben.“

Die ESG-Analysten der EIU sind die Forschungs- und Analyseabteilung von The Economist Group, dem Schwesterunternehmen der Zeitung „The Economist“. Zwar wurde die Einheit schon 1946 gegründet und verfügt über mehr als 70 Jahre Erfahrung darin, Unternehmen, Finanzunternehmen und Regierungen dabei zu helfen, sich in der sich ständig verändernden globalen Landschaft zurechtzufinden. Der Anspruch im Bereich Nachhaltigkeit wird heute aber wie kaum zuvor in den Vordergrund gestellt.

EIU wirbt mit globaler Abdeckung: „Messen Sie einfach den ESG-Fußabdruck Ihres gesamten Anlageportfolios oder Ihrer gesamten Lieferkette. Unser Service deckt 95 % der Weltwirtschaft mit einem Index von 150 Ländern ab und ermöglicht es Ihnen, ESG-Risiken in allen Märkten genau zu identifizieren.“

Mit vierteljährlichen Updates sollen EIU-Kunden der sich verändernden ESG-Dynamik auf der ganzen Welt immer einen Schritt voraus bleiben können. „Erfassen Sie die wichtigsten Trends, die die Nachhaltigkeitsagenda prägen, mit der umfassenden politischen und wirtschaftlichen Berichterstattung und der vierteljährlichen Berichterstattung von EIU.“

EIU erklärt Länderrisiken aus dem Umwelt-, Sozial- und Governance-Umfeld (ESG) mit Expertenanalysen und greift bei den Bewertungen auf qualitative Indikatoren und umfangreiche offizielle Daten von EIU zu. Der ESG-Gesamtindex, einschließlich ökologischer, sozialer und Governance-Aufschlüsselungen, reflektiert historische ESG-Risikobewertungen und -indikatoren allerdings erst seit dem Jahr 2015, während Wettbewerber wie die oekom research (heute ISS/Deutsche Börse) bereits seit 1993 Daten sammeln. Immerhin bringt nun auch EIU vierteljährliche Berichte zu wichtigen ESG-Trends und -Entwicklungen.

Der ESG-Fußabdruck von Anlageportfolios oder von Lieferketten, Benchmarking der ESG-Richtlinien der Länder nach Gesamtauswirkungen oder spezifischen Treibern, die Entwicklung der  Treiber der Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit und weltweit sowie Bewertungen der langfristigen Risiken und Chancen, die durch ESG-Faktoren entstehen, gehören nun zum Programm von EIU.

The Economist Intelligence Unit Ltd gehörte zu den nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) registrierten Agenturen. ESMA gab bekannt, dass eine De-Registrierung bereits zum 1. Januar 2021 erfolgte. Seither verzeichnet ESMA weder eine Registrierung noch eine Zertifizierung der Credit Ratings dieser Ratingagentur.

 

 

Themen: Nachhaltigkeitsrating | Kein Kommentar »

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