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Implikationen der US-Geldpolitik und Datenqualität für Credit Ratings
Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026
Die geldpolitischen und makroökonomischen Entwicklungen, die von Allspring Global Investments beschrieben werden, haben erhebliche Implikationen für das Credit Rating von Staaten und Unternehmen. Die Einschätzung, dass die US-Notenbank den Leitzins vorerst nicht verändern wird, deutet zunächst auf ein stabiles Umfeld hin. Rushabh Amin betont, das aktuelle Zinsniveau sei „sehr neutral“, da es die Inflation stütze, „ohne zusätzlichen Inflationsdruck zu erzeugen“. Für Ratingagenturen bedeutet dies kurzfristig eine gewisse Planbarkeit der Refinanzierungsbedingungen und damit eine stabilisierende Wirkung auf die Schuldentragfähigkeit vieler Emittenten.
Gleichzeitig weist Amin auf strukturelle Risiken hin, die für die mittelfristige Bonitätsbewertung relevant sind. Der „mit KI verbundene Investitionsboom“ sowie „die dadurch stark gestiegenen Preise für Rohstoffe und Industriemetalle“ könnten seiner Einschätzung nach „2026 zu einer hartnäckigeren Inflation führen als bislang erwartet“. Diese Erwartung spiegelt sich bereits an den Kapitalmärkten wider, denn „der für Dezember 2026 erwartete Zinssatz ist in den vergangenen Wochen von 3 Prozent auf 3,2 Prozent gestiegen“. Für Credit Ratings bedeutet dies potenziell steigende Finanzierungskosten und höheren Druck auf Kennzahlen wie Zinsdeckungsgrad und Schuldendienstfähigkeit.
Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich aus politischen und institutionellen Faktoren. Amin verweist darauf, dass „im Fokus der Aufmerksamkeit zunehmend die Ernennung des nächsten Fed-Vorsitzenden“ steht und die Märkte eher „mit taubenhaften Tendenzen rechnen“. Auch Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs zu Zöllen beeinflussen das makroökonomische Umfeld. Solche Aspekte spielen bei Ratingagenturen eine wichtige Rolle, da sie das institutionelle Rahmenwerk und die wirtschaftspolitische Verlässlichkeit betreffen.
Von besonderer Bedeutung für ein evidenzbasiertes Rating ist jedoch die Qualität der verfügbaren Daten. Amin macht deutlich, dass „die jüngsten Wirtschaftsdaten … durch den langen Regierungsstillstand deutlich verzerrt“ wurden. So sei das Bureau of Labor Statistics gezwungen gewesen, „bei wichtigen Immobilienkennzahlen von unveränderten Werten auszugehen“. Für Ratingagenturen ist eine verlässliche Datenbasis essenziell, da sie die Grundlage für fundierte Analysen und nachvollziehbare Ratingentscheidungen bildet. Verzerrte oder lückenhafte Daten erhöhen die Unsicherheit und können zu vorsichtigeren oder weniger präzisen Bewertungen führen.
Vor diesem Hintergrund gewinnen robuste Indikatoren weiter an Bedeutung. Amin unterstreicht, dass „der Arbeitsmarkt für uns das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Zinsentwicklung in den kommenden Quartalen“ bleibt. Ob sich das erwartete „starke BIP-Wachstum von rund drei Prozent im ersten Quartal“ bestätigt und wie sich das über dem Trend liegende Wachstum anschließend normalisiert, wird entscheidend dafür sein, wie Ratingagenturen die langfristige Kreditwürdigkeit einschätzen. Nur auf Basis konsistenter, transparenter und verlässlicher Daten lassen sich die beschriebenen Inflations-, Zins- und Wachstumsrisiken sachgerecht bewerten und in ein belastbares Credit Rating übersetzen.
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