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Keine Bewegung! Daten her oder das Leben!

Von Dr. Oliver Everling | 2.Oktober 2020

Für viele Menschen ist es Realität geworden: Das Leben wird komplett überwacht. Daher ist es keine Frage mehr, ob das Leben von Fremden beobachtet wird, werden kann oder werden soll. Es geht nur noch um das Wie, nach welchen Regeln, und darum, von wem, mit welchen Folgen.

Wer in der Nacht eine Smartwatch trägt, übermittelt seine Daten noch vor Erwachen an Apple, Google, Huawei oder andere Dienstleister, die die Bewegungen und wenigstens auch den Puls erfassen. Einmal aufgewacht, zeigt der Griff zum Smartphone auch schon ohne Apple Watch am Arm, wann der Tag begann. Gleich welche App benutzt wird, die Datenströme erreichen Fremde.

Wer bei der Zubereitung des Frühstücks in der Küche mit Alexa kommuniziert, gibt nicht nur seine Anwesenheit in der Küche preis. Dass E-Mails zumindest vom Provider mitgelesen werden können, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Nur Verschlüsselungen schützen noch ein wenig davor, die Inhalte auf WhatsApp und anderen Plattformen wie bei Postkarten jedem (virtuellen) Briefträger offenzulegen.

Weniger bedacht wird jedoch, dass auch praktisch alle Telefonate über das Internet geführt, also digitalisiert werden. So wird Fremden auch der Zugriff auf die Gespräche gewährt. Im Interesse der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union werden Gespräche ins außereuropäische Ausland besonders sorgfältig analysiert.

Bei Einkäufen offline listen die Kassenzettel alle Produkte auf und ordnen sie Kreditkarten oder anderen Zahlungsinstrumenten zu, so dass auch hier die Identität und Transaktion nachvollzogen werden kann. Bei Einkäufen und Dienstleistungen online sind die Identität von Käufer und Verkäufer zwangsläufig bestimmt.

Restaurantbesuche sind zu dokumentieren und Adressen anzugeben. Wer sich mit Geschäftspartnern im Café trifft, musste auch schon vor der Corona-Krise dem Finanzamt den genauen Verzehr, den Grund des Zusammentreffens und die beteiligten Personen exakt offenlegen.

Angestellte haben ihren Tagesablauf ihren Arbeitgebern zu dokumentieren und sich der Leistungsbeurteilung zu stellen. Selbständige müssen in ihren Steuererklärungen umfassend ihre Aktivitäten darlegen.

Wer aus Gründen der Pandemie das Haus oder seine Wohnung nicht verlässt, also aus dem Home Office arbeitet, sich durch Bringdienste beliefern lässt und seine Freunde online trifft, gibt – mit der Smartwatch am Arm – sein Leben komplett in die Beobachtung von Fremden. Beim Spaziergang durch die frische Luft werden die Schritte mitgezählt, die Route erfasst und der Puls ausgewertet.

Wie wenig dies alles die meisten Menschen stört, beweist, dass der Missbrauch der so preisgegebenen Daten offenbar eher die Ausnahme als die Regel ist. Die Weitergabe der Daten hat für die meisten Menschen keine spürbar negativen Konsequenzen.

Das politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Manipulations- und Missbrauchspotential braucht angesichts vieler einschlägiger Medienberichte nicht erläutert zu werden. Wohl aber muss die Frage diskutiert werden, welche Rolle Social Credit Systems in Zukunft spielen werden. Das Buch „Social Credit Rating“ sucht darauf Antworten.

Themen: Bücher, Sozialkreditrating | Kein Kommentar »

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