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Keine langfristige Lösung

Von Dr. Oliver Everling | 30.März 2016

„Konventionelle Energieversorger ächzen in Deutschland unter niedrigen Strompreisen,“ berichtet die Ratingagentur Scope, „gleichzeitig erschwert wachsende Konkurrenz durch erneuerbare Energien und die anhaltenden Überkapazitäten in der Stromerzeugung den Konzernen das Leben.“

Denn Strom aus Wind- und Sonnenenergie habe bisher per Gesetz Vorrang im Netz und drücke die Preise. Als gute Nachricht sieht Scope, dass die angespannte Ertragslage nicht mehr verstärkt an die Substanz der Unternehmengehe: „Die insgesamt hohe Kreditwürdigkeit der Branche hat zwar gelitten“, urteilt Sebastian Zank, Director Corporates bei Scope Ratings. Die Versorger sind im Durchschnitt immer noch solide finanziert und weiterhin deutlich stabiler als zyklischere Branchen. „Derzeit sieht es nicht so aus, als ob sich die Lage der Versorger weiter stark verschlechtern würde.“, sagt Zank. Denn die Energiekonzerne reagieren auf den anhaltenden Preisdruck im Strommarkt und steuern um: „Maßnahmen gegen eine weitere Verschlechterung der Kreditqualität, die auf Schuldenabbau und die Stärkung robuster Geschäftsbereiche abzielen, werden kontinuierlich umgesetzt.“

Neben einer auf Schuldenabbau fokussierten konservativeren Finanzpolitik, die sich durch Verkäufe von Assets oder ganzen Unternehmensbereichen sowie Dividendenkürzungen auszeichnet, konzentrieren sich die Investitionsbudgets der Konzerne auf ausgewählte Bereiche. Es gebe durchaus Bereiche, so Scope, mit denen die Versorger gutes Geld verdienen. „So investieren die Konzerne in den lukrativen Ausbau von Netzen statt in neue konventionelle Kraftwerke. Im regulierten Geschäft haben sie schließlich in der Regel eine Monopolstellung mit einer entsprechend komfortablen Preisbildung. Zwar schreibt der Regulator den Betreibern im Gegenzug vor, ihre Kosten zu senken und Einsparungen an Kunden weiterzugeben. Der Preisdruck im regulierten Geschäft ist dennoch deutlich niedriger als auf dem Strommarkt.“

Neben den großen Energiekonzernen beobachtet der Scope-Analyst auch viele deutsche Stadtwerke. Rund 80 Prozent von ihnen betreiben fast ausschließlich Strom- und Gasnetze und erwirtschaften weiterhin solide Erträge. „Die übrigen 20 Prozent haben zum Teil große Probleme“, warnt Zank: Diese Stadtwerke erzeugen meist selbst auf konventionellem Wege Energie und leiden dabei wie die Großkonzerne unter niedrigen Strompreisen. In der Folge stehen diese Regional- bzw. Lokalversorger unter Druck, die bisherige Strategie ändern.

Für die Kämmerer der Städte als Eigentümer hat das ungewohnte und oft unangenehme Folgen: Ehemals ertragreiche Stadtwerke werfen auf absehbare Zeit keine oder allenfalls nur noch kleine Gewinne ab. „Viele Kämmerer müssen sich auf magere Jahre einstellen, weil ihre Stadtwerke geringere oder keine Dividende mehr zahlen können“, sagt Zank. Zuletzt hatten einige Stadtwerke sogar schon Kredite aufgenommen, um ihre Dividende weiterhin zahlen zu können. „Das ist langfristig keine Lösung“, kritisiert der Analyst: „Wenn die Verschuldung steigt, verschlechtern sich die Konditionen, zu denen die Stadtwerke Geld ausleihen können. Damit haben sie in Zukunft noch weniger freie Mittel, die sie ausschütten können.“

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