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Kursverluste bei Software-Aktien: Warum Credit Ratings für Investoren immer wichtiger werden

Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026

In den vergangenen Tagen und Wochen haben Software-Aktien erheblich an Wert verloren, was bei vielen Marktteilnehmern Fragen nach den tieferliegenden Ursachen und möglichen Folgen aufwirft. Neben kurzfristigen Bewertungsanpassungen rückt dabei zunehmend ein Faktor in den Fokus, der häufig im Hintergrund wirkt, aber maßgeblich die Kapitalallokation beeinflusst: das Credit Rating. Die jüngste Marktentwicklung zeigt, dass Investoren nicht mehr ausschließlich auf Wachstumsversprechen und technologische Zukunftsvisionen setzen, sondern stärker auf die finanzielle Stabilität und Ertragskraft von Unternehmen achten. Diese Verschiebung der Prioritäten lässt sich auch in den Aussagen von Clemens Berendt, Lead Portfoliomanager, erkennen, der auf die wachsende Spreizung an den Aktienmärkten hinweist. Er erklärt: „Seit einigen Monaten beobachten wir erhebliche Unterschiede bei der Kursentwicklung an den Aktienmärkten. Während große Tech-Unternehmen wie Microsoft und SAP zweistellig verlieren, gewinnt der breite Markt.“

Credit Ratings spiegeln genau diese veränderte Wahrnehmung wider, denn sie bewerten nicht nur die Bonität eines Unternehmens, sondern auch dessen Fähigkeit, in einem schwierigen Umfeld stabile Cashflows zu generieren. Wenn Software- und große Technologiewerte unter Druck geraten, liegt das häufig daran, dass ihre hohen Bewertungen zunehmend kritisch hinterfragt werden und ihr Geschäftsmodell als stärker von konjunkturellen Schwankungen oder technologischen Umbrüchen abhängig gilt. Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit solider Bilanzstruktur und verlässlichen Erträgen, was sich auch in der Entwicklung der Aktienindizes zeigt. Berendt betont: „Der gleichgewichtete S&P 500 konnte den nach Marktkapitalisierung gewichteten US-Index zuletzt um mehr als fünf Prozent outperformen.“ Diese Outperformance signalisiert, dass Investoren nicht mehr nur auf einige wenige Schwergewichte setzen, sondern breiter diversifizieren und verstärkt auf fundamentale Qualität achten.

Für Ratingagenturen bedeutet diese Entwicklung, dass Faktoren wie Ertragsstabilität, Verschuldungsgrad und Return on Investment wieder stärker gewichtet werden. Berendt weist darauf hin, dass „bei vielen Unternehmen der ‚Old Economy‘ die Fokussierung auf deren Return on Investment stark zunimmt“, da sie ihre Potenziale durch effiziente KI-Integration überzeugend kommunizieren. Diese stärkere Betonung von Rentabilität und Cashflow wirkt sich positiv auf das Credit Rating aus und senkt die Finanzierungskosten, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen erhöht. Im Gegensatz dazu stehen Geschäftsmodelle, die stark von hohen Erwartungen getragen werden, aber deren tatsächliche Ertragskraft noch nicht gesichert ist. Hier steigt das Risiko von Herabstufungen, sobald das Marktumfeld schwieriger wird.

Die zunehmende Marktbreite und die Abkehr von einer einseitigen Konzentration auf große Tech-Titel lassen sich somit auch als Ausdruck eines wachsenden Vertrauens in Unternehmen mit stabiler Bonität interpretieren. Berendt fasst diesen Trend so zusammen: „Investoren fokussieren sich zunehmend auf fundamentale Ertragsqualität, Bewertungsdisziplin sowie breitere Gewinnimpulse.“ Für den Kapitalmarkt bedeutet dies, dass Credit Ratings nicht nur als formale Kennzahl dienen, sondern als strategischer Kompass für Investitionsentscheidungen. Die aktuelle Rotation in Richtung Emerging Markets und Europa verstärkt diesen Effekt zusätzlich, da hier häufig attraktivere Bewertungen und teils bessere Bonitätsprofile zu finden sind. Insgesamt zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen Kursentwicklung und Credit Rating enger ist denn je, weil in unsicheren Zeiten die Frage nach der finanziellen Belastbarkeit eines Unternehmens zum entscheidenden Kriterium wird.h

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