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Millionen Deutsche pflegebedürftig

Von Dr. Oliver Everling | 21.Juni 2016

Der demografische Wandel stellt in Deutschland weitreichende Herausforderungen an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Darunter an die soziale Infrastruktur, die medizinische Versorgung und die Pflege. Eine quantitative und qualitative Abschätzung dieser Herausforderungen ist sowohl für politische Entscheidungsträger auf kommunaler bis nationaler Ebene als auch für Investoren, Entwickler und Betreiber von Pflegeeinrichtungen interessant.

Das Beratungsinstitut Georg Consulting hat im Juni 2016 seinen neuen „PflegeheimReport Deutschland 2030“ veröffentlicht. Die Kurzexpertise stellt einen Orientierungsrahmen für die zukünftigen Bedarfe an Pflegeheimplätzen und Pflegeheimpersonal in den deutschen Bundesländern dar.

Laut Prognosemodell wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland im Jahr 2030 bei rund 3,5 Millionen liegen. Dabei wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen (vollstationär) bis zum Jahr 2030 in allen Bundesländern um mehr als 20 Prozent zunehmen. In Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg beträgt der Anstieg über 30 Prozent. In Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein überschreitet er sogar 40 Prozent.

Bei einer gleichbleibenden Pflege- und Heimquote im Vergleich zum Basisjahr 2013 liegt der Bedarf zusätzlicher Pflegeheimplätze bis 2030 laut Georg Consulting bei rund 293.300 (Heimquote 2013 konstant). Die absolut höchsten Zahlen zusätzlicher Pflegeheimplätze würden bis zum Jahr 2030 laut Prognose in Bayern (48.600 Heimplätze), Nordrhein-Westfalen (47.900 Heimplätze) und Baden-Württemberg (41.600 Heimplätze) benötigt.

Die Heimquote gibt den Anteil der Pflegebedürftigen, die sich in vollstationärer Dauerpflege befinden, an. Erhöht sich diese Quote bis zum Jahr 2030 um beispielsweise fünf Prozentpunkte, wie es zum Beispiel durch einen unzureichenden Ausbau der ambulanten Pflege der Fall sein könnte, fällt der Bedarf an zusätzlichen Heimplätzen weit höher aus. 2030 würde er unter diesem Szenario bei 498.800 (Heimquote 2013 plus fünf Prozentpunkte) Plätzen liegen.

Was die Versorgung in den Heimen betrifft, wird sich nach Georg bei einem gleichbleibenden Verhältnis von Personal zu Pflegebedürftigen der Bedarf an zusätzlichem Personal (Vollzeit, Teilzeit, Hilfskräfte, Auszubildende etc.) in Pflegeheimen bis 2030 auf teils über 30.000 Beschäftigte im Vergleich zum Basisjahr 2013 erhöhen, so in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Insgesamt werden in ganz Deutschland bis zum Jahr 2030 laut Basisszenario rund 222.700 mehr Beschäftigte als im Jahr 2013 in Pflegeheimen benötigt, schätzt Georg. „Natürlich gilt es hierbei neben den quantitativen Betrachtungen auch, sich verändernde qualitative Anforderungen an das Personal in den Heimen zu berücksichtigen, wie sie zum Beispiel im Zuge einer kulturell diverseren Gesellschaft entstehen.“

Themen: Health Care Rating, Immobilienrating, Klinikrating | Kein Kommentar »

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