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Moody’s Machtverschiebung nach Arabien
Von Dr. Oliver Everling | 17.Februar 2026
Die Ankündigung von Moody’s Corporation, ein Regionalhauptquartier in Riyadh zu eröffnen, ist mehr als eine Standortentscheidung. Sie ist ein Symbol für eine tiefgreifende Machtverschiebung in der globalen Wirtschaftsordnung zugunsten der arabischen Staaten – und insbesondere von Saudi-Arabien. Wo früher Finanzzentren in Europa und Nordamerika den Ton angaben, positioniert sich der Nahe Osten heute selbstbewusst als Knotenpunkt für Kapital, Daten und Entscheidungen.
Moody’s begründet den Schritt mit dem wirtschaftlichen Aufbruch des Königreichs und dem strategischen Willen, Teil dieser Dynamik zu sein. Das Unternehmen spricht von „confidence in Saudi Arabia’s strong economic momentum“ und davon, Investoren beim „navigate evolving markets across the Middle East“ zu unterstützen. Diese Worte markieren einen Perspektivwechsel: Der Markt, der navigiert werden muss, ist nicht mehr der Westen, sondern zunehmend der Nahe Osten selbst.
Dass das neue RHQ „an expansion of Moody’s presence in Saudi Arabia“ darstellt und „broader access to Moody’s decision-grade data, analytics and insights“ ermöglichen soll, zeigt, wie sich die Infrastruktur der Macht verschiebt. Wissen, Bewertung und Risikoanalyse – klassische Hebel westlicher Dominanz – werden nun vor Ort verankert. Damit entsteht eine neue Asymmetrie: Wer die Daten und Bewertungen kontrolliert, beeinflusst die Kapitalströme.
Der Konzern verknüpft seine Entscheidung ausdrücklich mit der nationalen Transformationsagenda des Landes und betont, die Investition unterstreiche „its dynamism and growth“. Damit wird ein Narrativ gestärkt, das Saudi-Arabien nicht mehr als Rohstofflieferant, sondern als gestaltende Wirtschaftsmacht präsentiert. Diese Selbstverortung wirkt über die Region hinaus und verschiebt Erwartungshaltungen internationaler Akteure.
Auch personell wird die regionale Kompetenz betont. Die Leitung übernimmt Mahmoud Totonji, der „extensive experience in establishing and growing financial institutions across the Gulf Cooperation Council region“ mitbringt. Damit wird nicht nur lokales Know-how institutionalisiert, sondern auch ein Netzwerk, das die arabischen Märkte enger miteinander verbindet und ihre Verhandlungsmacht gegenüber globalen Finanzakteuren stärkt.
Der Vorstandsvorsitzende Rob Fauber formuliert den Anspruch klar: „We are well positioned to provide the analytical capabilities and market intelligence that investors and institutions need.“ Die Botschaft ist eindeutig: Die Region ist nicht länger Empfänger externer Expertise, sondern Gastgeber und Mitgestalter globaler Standards.
In Summe zeigt der Schritt von Moody’s, wie sich die tektonischen Platten der Weltwirtschaft verschieben. Arabische Staaten, allen voran Saudi-Arabien, ziehen institutionelle Schwergewichte an, bauen Wissensinfrastruktur auf und gewinnen damit strukturelle Macht. Diese Entwicklung stellt traditionelle Zentren vor neue Konkurrenz – und macht deutlich, dass die Zukunft globaler Finanzarchitekturen zunehmend im Nahen Osten mitgeschrieben wird.
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