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Nachhaltigkeitsratings verbessern Sparverhalten

Von Dr. Oliver Everling | 16.Juni 2017

Die zunehmende Bedeutung von Investments, die ökologische und soziale Aspekte ebenso berücksichtigen wie Fragen der Corporate Governance (ESG), könnte entscheidend dazu beitragen, dass generationenübergreifend eine immer größere Zahl von Privatanlegern mehr in ihre Altersvorsorge investiert oder überhaupt damit beginnt. Dafür sprechen zumindest die Ergebnisse des aktuellen ESG-Berichts von Natixis Global Asset Management für das Jahr 2017.

Im Zuge dieses Berichts wurden 7.100 Privatanleger aus 22 Ländern und vier Investorengruppen (Entscheidungsträger bei institutionellen Investoren, Finanzberater, Privatanleger und Teilnehmer an beitragsorientierten US-Vorsorgeplänen) befragt.

Dave Goodsell, Executive Director des Durable Portfolio Construction Research Center bei Natixis Global Asset Management, erklärt: „Privatanleger geben uns unmissverständlich zu verstehen, dass sich ihre persönlichen Wertvorstellungen auch in ihren Investments widerspiegeln sollten.“ So spielt die ökologische, soziale und ethische Historie der Unternehmen, die in den Investmentportfolios der Anleger vertreten sind, für diese eindeutig eine wichtige Rolle, sagt Dave Goodsell. „Darüber hinaus könnten Strategien, die ESG-Kriterien berücksichtigen vor allem jüngere Anleger verstärkt für betriebliche Altersvorsorge-Programme gewinnen. Mit 84% geben mehr als acht von zehn befragten ‚Millennials‘ aus den USA an, dass sie mehr für ihre Altersvorsorge tun würden, wenn ihnen eine ESG-konforme Anlageoption angeboten würde. Unserer Meinung nach besteht seitens der Investoren also ein konkreter Wunsch, mit ihrem Geld Gutes zu tun.“

Weltweit halten es drei Viertel der Anleger für wichtig, in Unternehmen zu investieren, die ihren persönlichen Wertvorstellungen Rechnung tragen. Diese Meinung zieht sich – unabhängig vom Geschlecht, vom Alter oder vom Wohlstand – durch die gesamte Gruppe der Befragten.

Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass es eine große Mehrheit für bedeutsam hält, in Unternehmen zu investieren, die eine solide Umweltbilanz aufweisen (70%) und als sozial verantwortungsbewusst eingestuft werden (71%). Außerdem sind die meisten Befragten der Meinung, dass man Investitionen tätigen sollte, die zu einer Verbesserung im Gesundheits- oder Bildungswesen beitragen (71%). 78% der Umfrageteilnehmer geben ferner an, dass man sich in ethisch geführten Firmen engagieren sollte.

Was das Portfoliomanagement betrifft, so bieten die ESG-Faktoren nach Einschätzung von 55% der Umfrageteilnehmer Alpha-Chancen, während 57% die Auffassung vertreten, dass ESG dazu beitragen kann, das Risikoniveau insgesamt zu verringern.

Jörg Knaf, Executive Managing Director – DACH Countries bei Natixis Global AM, ergänzt: „Investments, die ökologische und soziale Kriterien ebenso berücksichtigen wie Aspekte der Corporate Governance (ESG), sind in den letzten Jahren immer facettenreicher geworden. So geht dieser Ansatz inzwischen weit über den eindimensionalen, negativen Filterprozess des sozial verantwortungsbewussten Investierens (SRI) hinaus. Vielmehr dient dieses Verfahren mittlerweile dazu, das Portfoliorisiko proaktiv zu steuern und neue Anlagechancen zu idenfizieren“.

Trotzdem steht die Anlegergemeinde auch weiterhin vor großen Herausforderungen, wenn es um die erfolgreiche Integration von ESG-Kennzahlen geht. Das Reporting zur finanziellen sowie zur nicht-finanziellen Performance wird von Institutionen dabei als größte Hürde angesehen, während Finanzberater vor allem den Mangel an geeigneten historischen Daten als Problem anführen.

Die wachsende Zahl von Ratingagenturen für Fonds sowie Researchhäusern, die Instrumente zur Überwachung und Bewertung von ESG-Faktoren anbieten, hilft jedoch, das Problem im Zusammenhang mit dem Performance-Reporting in den Griff zu bekommen.

„Wir müssen uns endgültig von dem Gedanken verabschieden, dass es bei den ESG-Kriterien nur darum geht, einzelne Unternehmen mittels negativer Filterprozesse auszuschließen. Vielmehr bieten die ESG-Faktoren sogar beträchtliche Anlagechancen. Deshalb werden Privatanleger ebenso wie institutionelle Investoren zustimmen, dass demografische Entwicklungen, Boom-Branchen und Initiativen für nachhaltiges Wachstum nicht nur attraktive Investmentopportunitäten eröffnen, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht hochinteressant sind. Wenn man Anleger durch die Berücksichtigung von ESG-Elementen dazu bringen kann, mehr zu sparen, und dies der Katalysator für die Bewältigung der Sparkrise ist – dann müssen wir darüber nachdenken, wie wir ESG-Faktoren nachhaltig integrieren können“, sagt Knaf.

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