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Neue Normalität im globalen Aufschwung

Von Dr. Oliver Everling | 29.September 2014

Der Begriff von der „neuen Normalität“ erreicht nun die Herbsttagung der FERI EuroRating Services am Frankfurter Flughafen. „Die neue Normalität der Weltwirtschaft bedeutet auch für die absehbare Zukunft ein im Vergleich zur Zeit vor 2008 geringeres Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und damit ein verhaltenes globales Wirtschaftswachstum“, führt Axel D. Angermann in die Veranstaltung ein, die in Teilnehmerzahl erneut Rekorde bricht.

Die private Verschuldung sei teilweise rückläufig, der Schuldenabbau bleibe aber beherrschendes Thema, da der Abbau der Staatsschulden nicht ausreichend vorankommt. Entsprechend trieb die Sorge über die Staatsschulden auch die Renditen von Staatspapieren, berichtet Angermann. Die gestiegenen Risiken schlagen sich in der Bewertung nieder, in der Gegenüberstellung von 2007 gegenüber 2014 zeigt sich bei den FERI Sovereign Ratings nach wie vor die Verschlechterung. Über fortwährend steigende Verschuldung könne nicht das Wachstum befördert werden, warnt Angermann.

„Wir haben überwiegend deutlich niedrigere Wachstumsraten als vor der Krise“, zeigt Angermann auf. „Dies betrifft nicht nur Europa.“ Betrachtet man die letzten drei Jahre, so seien praktisch überall abgeschwächte Wachstumsraten zu verzeichnen. Seit dem Einbruch von 2009 wachse auch der Welthandel deutlich langsamer als vorher.

„Die derzeit bekannten geopolitischen Krisen erscheinen aus heutiger Sicht beherrschbar und sind daher keine große Bedrohung für die Weltwirtschaft“, so lautet eine weitere These von Angermann. Obwohl sich Kriege größter Popularität im deutschen Staatsfernsehen erfreuen, zeigen sich die Analysten der FERI EuroRating Services von den Bildern eher weniger beeindruckt. Angermann orientiert sich an den Fakten: „In Russland sind die Konjunkurtaussichten überwiegend negativ. Am deutlichsten sieht man es im Konsumbereich, die PKW-Verkäufe sind senkrecht abgestürzt, vergleichbar mit 2009.“ Entsprechend habe diese Entwicklung Folgen für die Automobilhersteller. „Russland sieht im Jahr 2015 bestenfalls leichtes Wachstum“. Angesichts des Zustandes des Landes könne niemand die Aufnahme der Ukraine in die EU wollen. Der Abwärtstrend russischer Aktien hält an.

Die Sorge um den „Islamischen Staat“ schlage sich nicht beim Öl nieder. Die Angebotslage verhindere beim Öl einen deutlichen Preisanstieg. Auch aus China werde ein gedämpfter Anstieg der Ölnachfrage berichtet. Angermann lenkt aber die Aufmerksamkeit auf die Industriemetalle, deren Preisbewegungen einen nachhaltigen Preisanstieg andeuten könnten.

„Die globale Inflation bleibt vorerst niedrig“, ist sich Angermann sicher. Die Inflation in Industrie- und Schwellenländern sei unter dem Niveau der vergangen 10 Jahre. Die USA haben mit anhaltenden Strukturproblemen am Arbeitsmarkt zu kämpfen. Die Dauer der Arbeitslosigkeit gehe zurück, die stille Reserve steige aber. Zudem stellt sich die Frage nach der weiteren Entwicklung der Partizipationsrate. Die Arbeitslosenquose geht langsam zurück bei gedämpfter Einkommensentwicklung. Der Häusermarkt, kommt Angermann auf einen weiteren Inflationsfaktor zu sprechen, stelle ebenfalls keine Gefährdung für die Preisstabilität dar. Seit Jahresbeginn 2014 sinken die Preise sogar wieder, während sich Baugenehmigungen in den USA und Zinsen seitwärts bewegen.

In den USA sieht Angermann die Kapazitätsauslastung noch unterhalb des langjährigen Durchschnitts. „Die Inflation bleibt in den USA vorerst bei etwa 2 %“, prognostiziert Angermann. Im Euroraum halte – gemessen an Verbraucherpreisen – die deflationäre Tendenz an. In den Schwellenländern sei in einigen Fällen steigende Inflation zu sehen, aber es zeige sich hier kein genereller Trend.

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