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Nie wieder Zinsen

Von Dr. Oliver Everling | 8.Mai 2017

Gerhard Massenbauer zeigt in seinem Buch „Nie wieder Zinsen“ mit Michael Kordovsky im FinanzBuch Verlag neue Wege der Kapitalanlage auf, mit denen sich in der Nullzins-Eiszeit trotzdem Geld verdienen lassen soll. Gerhard Massenbauer ist Autor, Analyst makroökonomischer Entwicklungen und Währungsexperte. Er ist seit 1995 auf die Einschätzung und Analyse von Devisen- und Kapitalmarkt-Trends spezialisiert, die er im monatlichen „Massenbauer Brief“, in den Publikationen des deutschen Investor Verlags und in Form von Trendanalysen publiziert. Der in Wien ansässige Gerhard Massenbauer ist für seine Trendbruchprognosen seit 1999 weit über Österreich hinaus bekannt.

„Niedrige Zinsen führen zu einer veralteten Unternehmensstruktur und zu weniger Innovation“, analysiert Massenbauer. „Durch extrem niedrige Zinsen wird der (Konjunktur-)Zyklus ausgehebelt. Es überleben zu viele Unternehmen, was zu einer schleichenden Schwächung der Gesamtwirtschaft führt. Darüber hinaus entsteht aufgrund des Überangebots ein deflationistisches Umfeld. Wenn zu viele Unternehmen überleben, trägt das direkt zu einem sinkenden Preisniveau bei, weil die breite Masse der Anbieter nur durch Verdrängungswettbewerb Wachstum erzielen kann.“

Massenbauer warnt vor den Risiken eines Nullzinsniveaus für Banken, denn dann gebe „es im Grunde keinen Raum für eine Zinsspanne. In diesem Fall vergeben Banken Kredite nur noch dann, wenn der Kreditnehmer keinerlei Risiko darstellt (und daher das Eigenkapital der Bank nicht belastet), oder bereit ist, eine entsprechend hohe Risikoprämie (nahe 3 %) zu bezahlen.“

Die Staaten sieht Massenbauer als den Dreh- und Angelpunkt der Zinssenkungsaktion auf Null, weil sie mit ihren Vorschriften und Gesetzen bestimmen, wer wie leicht Zugang zu Fremdmitteln hat und in welcher Höhe dieser Zugang ermöglicht wird.

„Wenn man sich ansieht, wie hoch die Regelungsdichte bei Banken mittlerweile ist, wie restriktiv die Kapitalmärkte inzwischen reguliert sind (unter dem Vorwand der Transparenz und Steuerehrlichkeit) und wie stark Unternehmen mit Regulativen in allen Bereichen belastet werden, ist eines klar“, so Massenbauer: „Das Ganze läuft auf ein Schuldenaufnahme-Monopol für Staaten hinaus.“

Um heutzutage einen Kredit zu bekommen, werden die Kunden von den Banken bis ins kleinste Detail durchgecheckt, durch gesetzliche Verordnungen aber auch zunehmend bevormundet, macht Massenbauer klar. „Selbst vermögende Menschen mit geringem Einkommen erhalten manchmal keinen Kredit mehr, weil sie sich die Raten angeblich nicht leisten können! Finden Banken ein Haar in der Suppe, legen sie ihr Geld lieber in – teils negativ verzinste – Bundesanleihen an. Davon profitiert der Staat, aber sonst niemand!“

Basel III und die EU-Regulierung der Banken schossen nach der Finanzkrise über das Ziel hinaus. „US-Banken blieben dank der US-amerikanischen Behörden von einigen Bestimmungen verschont und haben sich deshalb rascher rekapitalisieren können. Diese Geldinstitute sind traditionell weniger dem Zinsdifferenzgeschäft zugeneigt und leiden daher auch nicht – oder zumindest deutlich weniger – unter der globalen Nullzinspolitik.“

Massenbauer beklagt, dass heute eine Vielzahl überzogener Direktiven die Banken auf mehreren Ebenen schwächt. „Das könnte wiederum den Boden dafür bereiten, dass Banken neuerlich Hilfe beanspruchen werden. Sie werden heute unnötig geschwächt, und ihre Geschäftsmodelle werden durch Regulierung und Nullzinsen teilweise zerstört.“

Eine Ursache der nicht nur bei Banken festzustellenden Überregulierung sieht Massenbauer in der Wirtschaftsstruktur der alten Welt: „Alte Betriebe haben ein Interesse daran, viele Regeln zu akzeptieren – aber die Unternehmensstruktur veraltet dabei. Es ist für junge, unerfahrene Firmen nachvollziehbarerweise sehr viel schwieriger, sich in einem Umfeld zu bewegen, in dem sie sich neben der Herausforderung, ein Produkt zu entwickeln und zu vermarkten, auch mit einer Unzahl von Vorschriften konfrontiert sehen.“

Die Negativzinsen führen dazu, dass Unternehmen, die eigentlich nicht mehr wirtschaftlich überlebensfähig sind, trotzdem weiterleben. Das schwächt nach Massenbauer jene Unternehmen, die eigentlich gesünder sind, aber unter der Negativverzinsung und der im Markt bleibenden Konkurrenz geschwächt werden.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Massenbauer einen eigenen Ansatz: „Der Massenbauer-Ansatz konzentriert sich auf das Erkennen von Übertreibungen auf Devisen- und Kapitalmärkten. Das Timing ist dann eine Folge der Verhaltensänderung von Marktteilnehmern,“ schreibt Massenbauer, „wobei Folgendes zu bedenken ist: Menschen handeln nicht aus komplexer Motivation heraus.“

Massenbauer tritt der Irrlehre entgegen, dass man mit Investitionen in Immobilien nichts falsch machen könne. „Auch wenn Immobilieninvestitionen als absolut sicher gelten, kann man heute mit diesen Investitionen keine Erträge mehr erzielen. Viel eher erleidet man Verluste, wenn man in Immobilien Geld anlegt. Die Entwicklung der Preise ist in den letzten Jahren auch in Deutschland fulminant gewesen, nachdem die Immobilienmärkte hier lange Zeit zurückgeblieben waren. Der Hoffnung, dass künftige Inflation die Einnahmen steigern wird, werden ebenso steigende Kosten gegenüberstehen.“ Höhere Inflationsraten führen zu steigenden Zinsen und einem Wertverlust von Immobilien, warnt Massenbauer.

Das Buch von Massenbauer verschafft dem Leser einen umfassenden Überblick: „Ein Zinsniveau von 3 % kann im Zusammenhang mit einem Rohstoffpreisboom erreicht werden. Die hohe Verschuldung der großen Wirtschaftsblöcke verträgt aber keine hohen Zinsen. Die Digitalisierung vermindert die Preismacht der Arbeitnehmer. Zudem wird die Überalterung der großen und heute mächtigen Wirtschaftsnationen das ihre dazu beitragen, eine echte wirtschaftliche Dynamik in der Gesamtwirtschaft zu verhindern.“

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