Rubios Kurswechsel-Narrativ und seine Bedeutung für Credit Ratings
Von Dr. Oliver Everling | 14.Februar 2026
Die heutige Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz dürfte an den Finanzmärkten vor allem deshalb Aufmerksamkeit erregen, weil sie eine klare ideologische und wirtschaftspolitische Stoßrichtung signalisiert, die stärker auf nationale Interessen, Reindustrialisierung und strategische Autonomie setzt. Märkte reagieren nicht nur auf konkrete Maßnahmen, sondern auf Narrative, die zukünftige Politik vorwegnehmen, und genau hier setzt Rubio an, wenn er den historischen Rahmen betont: „Wir versammeln uns heute hier als Mitglieder eines historischen Bündnisses – eines Bündnisses, das die Welt gerettet und verändert hat.“ Solche Formulierungen unterstreichen die Bedeutung transatlantischer Beziehungen, was grundsätzlich stabilisierend auf europäische Risikoassets wirken kann, weil Investoren Kontinuität in der sicherheitspolitischen Kooperation erwarten.
Gleichzeitig enthält die Rede deutliche Kritik an Globalisierung und Freihandel, was potenziell volatilitätssteigernd wirkt. Wenn Rubio sagt, man habe „eine dogmatische Vision von freiem und uneingeschränktem Handel“ verfolgt, die zur Deindustrialisierung geführt habe, signalisiert das eine mögliche Unterstützung für protektionistischere Maßnahmen oder industriepolitische Eingriffe. Für Aktienmärkte bedeutet das typischerweise eine Sektorrotation: Industriewerte, Rüstungsunternehmen und Infrastruktur könnten profitieren, während exportabhängige Branchen und global integrierte Lieferketten unter Druck geraten könnten. Auch Währungen reagieren sensibel auf solche Töne, weil sie langfristig Handelsströme beeinflussen.
Besonders aufmerksam dürften Anleihemärkte zuhören, wenn Rubio die Notwendigkeit betont, wirtschaftliche und militärische Stärke wieder aufzubauen. Seine Aussage, man wolle „unsere Wirtschaften neu industrialisieren und unsere Fähigkeit wiederaufbauen, unser Volk zu verteidigen“, deutet auf höhere Staatsausgaben hin, insbesondere für Verteidigung und Industriepolitik. Das kann langfristig zu höheren Renditen führen, weil Investoren steigende Haushaltsdefizite einpreisen. Gleichzeitig könnten europäische Staatsanleihen unterschiedlich reagieren, je nachdem, ob Märkte mehr fiskalische Integration oder nationale Alleingänge erwarten.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Märkte ist die geopolitische Dimension. Rubio betont mehrfach die enge Verbindung zwischen den USA und Europa und sagt: „Wir wollen, dass Europa stark ist.“ Das kann als Signal interpretiert werden, dass die USA weiterhin sicherheitspolitisches Engagement zeigen, was tendenziell risikofreudige Marktstimmung unterstützt, weil geopolitische Unsicherheit ein zentraler Risikofaktor ist. Gleichzeitig erhöht seine Forderung nach mehr Eigenverantwortung Europas den Druck auf europäische Regierungen, Verteidigungsausgaben zu steigern, was wiederum positive Impulse für den europäischen Rüstungssektor bedeuten kann.
Deutlich kritischer sehen Märkte die Passagen, in denen Rubio internationale Institutionen infrage stellt. Wenn er sagt, die Vereinten Nationen hätten „bei den dringendsten Fragen, die vor uns liegen, keine Antworten“, könnte das als Hinweis auf eine stärker unilateral geprägte Außenpolitik interpretiert werden. Solche Signale erhöhen normalerweise die geopolitische Risikoprämie, was Gold, den US-Dollar und andere sichere Häfen kurzfristig stützen kann, während Aktienmärkte nervöser reagieren.
Auch Energie- und Klimapolitik spielen eine Rolle für die Marktbewertung. Rubios Kritik an Politik, die „unser Volk verarmen“ lasse, während andere Länder fossile Energien nutzen, deutet auf eine mögliche Verschiebung der Prioritäten hin. Für Energieunternehmen, insbesondere im fossilen Bereich, wären solche Signale positiv, während erneuerbare Energien stärker politischem Risiko ausgesetzt sein könnten, zumindest aus Sicht globaler Investoren, die politische Trends antizipieren.
Langfristig entscheidend ist der Ton der Rede, der stark auf Zivilisation, Souveränität und industrielle Basis abzielt. Seine Aussage, man wolle „für kritische Notwendigkeiten nicht von anderen abhängen“, passt in den globalen Trend zu strategischer Autonomie und Deglobalisierung. Märkte interpretieren solche Aussagen häufig als strukturellen Wandel hin zu regionaleren Wirtschaftsblöcken, was die Bewertung globaler Lieferketten, Logistikunternehmen und multinationaler Konzerne beeinflussen kann.
Schließlich wirkt auch der politische Kontext rund um Donald Trump auf die Marktreaktionen, da Rubio explizit auf dessen Agenda verweist. Wenn Investoren erwarten, dass diese Linie konkrete Politik wird, reagieren sie oft frühzeitig mit Anpassungen in Portfolioallokationen, insbesondere zugunsten von US-Industrie, Verteidigung und heimmarktorientierten Unternehmen.
Unterm Strich dürfte die Rede kurzfristig gemischte Reaktionen hervorrufen: unterstützend für Risikoassets durch das Bekenntnis zum transatlantischen Bündnis, aber gleichzeitig volatilitätssteigernd durch protektionistische und systemkritische Töne. Mittel- bis langfristig verstärkt sie das Narrativ einer Welt mit stärkerem geopolitischem Wettbewerb, mehr Industriepolitik und weniger Vertrauen in reine Marktintegration – ein Umfeld, in dem politische Signale wieder stärker zu den zentralen Treibern der Finanzmärkte gehören. Wenn du willst, kann ich dir auch konkret aufschlüsseln, welche Branchen und Anlageklassen historisch am stärksten auf solche politischen Signale reagieren.
Für Credit Ratings ist die in der Rede skizzierte wirtschaftspolitische Stoßrichtung vor allem deshalb relevant, weil sie auf höhere Staatsausgaben, stärkere Industriepolitik und eine mögliche Abkehr von multilateralen Strukturen hindeutet. Ratingagenturen achten besonders auf fiskalische Nachhaltigkeit, institutionelle Stabilität und die Vorhersehbarkeit der Politik. Wenn Regierungen im Zuge von Reindustrialisierung und höheren Verteidigungsausgaben ihre Haushaltsdefizite ausweiten, könnte das mittelfristig Druck auf die Bonitätsprofile ausüben, insbesondere bei Staaten mit ohnehin hoher Verschuldung. Gleichzeitig könnten strategische Investitionen in Infrastruktur und industrielle Basis von Agenturen auch positiv bewertet werden, sofern sie das langfristige Wachstumspotenzial erhöhen und die wirtschaftliche Resilienz stärken.
Das wahrscheinliche Verhalten großer Agenturen wie S&P Global Ratings, Moody’s Investors Service und Fitch Ratings wäre zunächst vorsichtig abwartend, begleitet von stärkerem Fokus auf politische Risiken in ihren Ausblicken. Sie dürften genauer analysieren, ob eine stärker nationale Ausrichtung der Wirtschaftspolitik zu Handelskonflikten, geringerer wirtschaftlicher Integration oder erhöhter Volatilität führt, was typischerweise negative Ratingfaktoren sind. Gleichzeitig könnten sie in Szenarioanalysen stärker gewichten, ob eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und der industriellen Kapazitäten die strukturelle Kreditwürdigkeit verbessert, etwa durch stabilere Lieferketten und geringere externe Abhängigkeiten.
Auf der Ebene von Unternehmensratings könnten insbesondere Branchen mit Bezug zu Verteidigung, Infrastruktur und strategischen Industrien von stabileren oder verbesserten Ausblicken profitieren, während exportorientierte Sektoren stärker unter Beobachtung geraten dürften, falls protektionistische Maßnahmen zunehmen. Insgesamt würden Ratingagenturen wahrscheinlich stärker qualitative Faktoren wie geopolitische Risiken, politische Kohärenz und institutionelle Effektivität betonen, weil die Rede klar signalisiert, dass wirtschaftliche Entscheidungen stärker politisch motiviert sein könnten. Für Investoren bedeutet das ein Umfeld, in dem Ratingänderungen häufiger durch politische Richtungswechsel ausgelöst werden könnten als durch rein konjunkturelle Entwicklungen.
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Scope vergibt Erst-Rating: Kodar Energomontaža erhält B/Stable
Von Dr. Oliver Everling | 12.Februar 2026
Scope hat Kodar Energomontaža erstmals mit B/Stable bewertet und der geplanten RSD-5,9-Mrd.-Anleihe ein vorläufiges (P) B gegeben. Das Rating zeigt ein gemischtes Bild: Auf der einen Seite steht ein Unternehmen mit solider Projekthistorie bei großen staatlichen Kunden in Serbien, wachsendem Auslandsgeschäft – vor allem in den Niederlanden – und einer grundsätzlich robusten Nachfrage in den Bereichen Stromnetze, Telekommunikation und Glasfaser. Auf der anderen Seite bleibt Kodar ein kleiner Anbieter mit begrenzter Verhandlungsmacht, hoher Kundenkonzentration und stark schwankender Profitabilität, was das Risikoprofil deutlich erhöht.
Positiv wirkt die breite Aufstellung innerhalb des EPC-Geschäfts: Kodar ist in Übertragungs- und Verteilnetzen, Telekommunikationsinfrastruktur, Glasfaser, Solarprojekten und Netzbau tätig. Diese Segmente reagieren unterschiedlich auf Konjunktur und Regulierung und mildern so Ertragsschwankungen. Die EBITDA-Marge lag im langjährigen Schnitt bei rund 9% und dürfte mit den neuen Projekten kurzfristig um 10% liegen. Gleichzeitig stammen rund 90% der Umsätze von nur zehn Kunden, was das Unternehmen stark von einzelnen Auftraggebern abhängig macht.
Finanziell hat sich Kodar zuletzt deutlich entschuldet, doch diese Entwicklung kehrt sich mit der geplanten Anleihe um. Die Verschuldung soll wieder auf etwa das Dreifache des EBITDA steigen, während die Zinsdeckung nach Abschluss der aktuellen Großprojekte deutlich zurückgehen dürfte. Hinzu kommt ein erheblicher Refinanzierungsbedarf im Jahr 2031 durch die endfällige Rückzahlung der Anleihe.
Besonders kritisch bewertet Scope die Governance-Risiken: Mittelabflüsse an verbundene Unternehmen und die enge Verflechtung mit externen Projekten des Eigentümers gelten als potenziell nachteilig für Gläubiger. Dieser Faktor führte zu einer Abwertung um eine Ratingstufe.
Insgesamt ist das B/Stable-Rating nachvollziehbar: Kodar verfügt über ein funktionierendes Geschäftsmodell und strukturelle Wachstumstreiber, bleibt jedoch anfällig für Projektverzögerungen, Finanzierungsschwankungen und Interessenkonflikte im Konzernumfeld. Für Investoren bedeutet dies eine attraktive Renditechance – jedoch mit klar erhöhtem Risiko.
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Wachstum auf Kredit: Fashion Company zwischen regionaler Stärke und begrenztem Spielraum
Von Dr. Oliver Everling | 11.Februar 2026
Mit der Erstbewertung von BB- und stabilem Ausblick für die serbische Fashion Company setzt Scope ein Signal, das über eine bloße Bonitätsnote hinausgeht. Es ist eine Momentaufnahme eines regional starken Einzelhändlers, der sich anschickt, größer zu werden – und dabei bewusst auf Fremdkapital setzt. Die Botschaft der Ratingagentur ist klar: Das Geschäftsmodell trägt, aber der Spielraum ist begrenzt.
Fashion Company ist mit rund 24,6 Mrd. RSD Umsatz kein europäischer Schwergewichtler, sondern ein regionaler Champion. Genau darin liegt die Ambivalenz. Auf der einen Seite steht eine etablierte Marktposition in Serbien und auf dem Balkan, gestützt durch hohe Markenbekanntheit, ein Portfolio von über 80 Marken und eine Präsenz in attraktiven Segmenten wie Affordable Luxury und Premium Lifestyle. Auf der anderen Seite bleibt das Unternehmen klein im europäischen Maßstab – und damit verwundbar gegenüber neuen Wettbewerbern, insbesondere wenn große internationale Onlinehändler in die Region drängen sollten.
Bemerkenswert ist die Profitabilität. Eine EBITDA-Marge von durchschnittlich 16 Prozent liegt über vielen europäischen Vergleichswerten im Einzelhandel. Das spricht für Preissetzungsmacht, effiziente Beschaffung und eine kluge Positionierung. Vor allem die Mono-Brand-Stores tragen überdurchschnittlich bei, auch wenn sie stärker von Modetrends abhängen. Hinzu kommt mit KIKO Milano ein Standbein im Kosmetiksegment, das konjunkturell robuster ist als das klassische Modegeschäft. Diese Mischung federt zyklische Schwankungen zumindest teilweise ab.
Gleichzeitig bleibt die geografische Konzentration ein strukturelles Risiko. 59 Prozent des Umsatzes stammen aus Serbien, die übrigen Märkte in der Region weisen ähnliche Konsummuster auf. Diversifikation sieht anders aus. Sollte die Nachfrage in der Region einbrechen oder der Wettbewerb deutlich zunehmen, fehlt ein breiteres internationales Standbein als Puffer.
Finanziell präsentiert sich das Bild solide, aber nicht komfortabel. Die Verschuldung lag 2024 bei 2,9x EBITDA und soll trotz einer geplanten Anleihe über 8,4 Mrd. RSD mittelfristig um die 3x bleiben, mit einem temporären Anstieg auf 3,6x. Das ist für ein wachstumsorientiertes Einzelhandelsunternehmen tragbar, aber kein Sicherheitspolster. Dass die Zinsdeckung historisch deutlich über 10x lag und selbst nach der Emission im Bereich von 8x bis 9x erwartet wird, spricht für eine gute operative Ertragskraft. Die künftige Fixzinsstruktur von rund 84 Prozent der Schulden reduziert zudem Zinsänderungsrisiken.
Der eigentliche Test liegt jedoch im Expansionsplan. Rund 120 neue Filialen in acht Jahren sind ambitioniert, gemessen an aktuell etwa 145 Standorten. Wachstum auf Pump funktioniert nur, wenn die neuen Flächen schnell profitabel werden und die Nachfrage in der Region anhält. Gleichzeitig binden Investitionen, höhere Leasingzahlungen und steigendes Working Capital Liquidität. Dass Scope hier mit einem stabilen Ausblick arbeitet, basiert auf der Annahme, dass EBITDA-Wachstum die steigende Verschuldung ausgleicht. Diese Rechnung muss erst noch aufgehen.
Interessant ist auch der Blick auf die Anleihe selbst. Die vorläufige Bewertung von (P) BB- spiegelt eine überdurchschnittliche erwartete Recovery im Insolvenzfall wider, ohne dass Scope ein zusätzliches Notching gewährt. Der Grund ist nachvollziehbar: In einer Stresssituation könnte sich die Besicherungslage zugunsten vorrangiger Gläubiger verschieben. Für Investoren heißt das: attraktive Renditeperspektive, aber kein Selbstläufer.
Unterm Strich steht ein Unternehmen, das in seinem Heimatmarkt vieles richtig gemacht hat und nun den nächsten Schritt gehen will. Die Ratingnote BB- ist dabei weder Warnsignal noch Freibrief. Sie ist Ausdruck eines Geschäftsmodells mit klaren Stärken, aber ebenso klaren Grenzen. Wer auf Fashion Company setzt – ob als Gläubiger oder als strategischer Beobachter –, sollte weniger auf das heutige Zahlenwerk schauen als auf die Fähigkeit des Managements, Expansion diszipliniert umzusetzen. Wachstum ist kein Selbstzweck. In einem dynamischen Einzelhandelsumfeld entscheidet nicht die Anzahl der neuen Filialen, sondern deren nachhaltige Ertragskraft.
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Wenn die Unabhängigkeit der Fed zum Ratingfaktor wird
Von Dr. Oliver Everling | 10.Februar 2026
Die Diskussion um die Unabhängigkeit der US-Notenbank ist längst zu einem zentralen Faktor für die Bewertung der wirtschaftlichen Stabilität der Vereinigten Staaten geworden. Für unabhängige Ratingagenturen zählt nicht nur die Höhe der Staatsverschuldung oder das Wachstum, sondern auch die institutionelle Verlässlichkeit der Geldpolitik. Genau hier setzt die Analyse von Axel D. Angermann an. Der Chef-Volkswirt der FERI Gruppe schreibt: „Würde die Federal Reserve (Fed) auf diese Linie einschwenken, wäre ihre Unabhängigkeit faktisch beendet. Damit ginge ein wesentlicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor der USA der vergangenen Jahrzehnte verloren.“ Aus Sicht der Ratingagenturen wäre ein solcher Vertrauensverlust kein politisches Detail, sondern ein strukturelles Risiko für die Bonität des Landes.
Die Nominierung von Kevin Warsh als möglicher Nachfolger von Jerome Powell wird deshalb von den Kapitalmärkten nicht nur als Personalie, sondern als Signal an Investoren und Bewertungsinstitutionen verstanden. Angermann betont, dass Warsh zwar möglichen Zinssenkungen offener gegenübersteht, aber „keine ausgewiesene Taube“ ist. Seine fachliche Eignung stehe „als ehemaliger Notenbankgouverneur außer Frage“. Für Ratingagenturen ist diese Einschätzung entscheidend, da sie Stabilität und Kontinuität in der Geldpolitik als Grundlage für ein hohes Credit Rating ansehen.
Besonders relevant ist auch die Zusammensetzung des Offenmarktausschusses. Angermann verweist darauf, dass „der Chairman die geldpolitischen Entscheidungen nicht allein“ trifft, sondern mit elf weiteren Mitgliedern, von denen mehrere aktuell „geldpolitisch falkenhafter als ihre Vorgänger“ seien. Daraus folgert er, dass das Entscheidungsgremium „im Vergleich zum vergangenen Jahr insgesamt weniger geneigt“ ist, politischen Druck zu akzeptieren. Für die Kreditwürdigkeit der USA bedeutet dies, dass die institutionellen Kontrollmechanismen bislang noch greifen.
Gleichzeitig warnt Angermann vor den möglichen Folgen eines politischen Eingriffs in die Notenbank. Er schreibt: „Wird die Unabhängigkeit der Fed ernsthaft infrage gestellt, drohen massive Finanzmarktturbulenzen.“ Besonders wahrscheinlich seien „ein weiterer drastischer Verfall des US-Dollars und deutlich steigende Langfristzinsen“. Für Ratingagenturen wären genau diese Entwicklungen ein klares Warnsignal, da sie die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen unmittelbar belasten würden.
Trotz der kurzfristigen Beruhigung bleibt die Lage fragil. Angermann macht deutlich, dass die Gefahr nicht gebannt ist: „Mittel- bis langfristig werden die Versuche weitergehen, die Unabhängigkeit zu unterminieren.“ Für Investoren und Ratingagenturen bedeutet dies, dass die politische Einflussnahme auf die Geldpolitik zu einem dauerhaften Risikofaktor für das Credit Rating der USA geworden ist.
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Immobilienpreise und ihre Bedeutung für Credit Ratings
Von Dr. Oliver Everling | 10.Februar 2026
Die jüngsten Daten des vdp-Immobilienpreisindex senden aus Sicht der Kreditrisikoanalyse ein differenziertes, insgesamt aber leicht positives Signal. Der bestätigte Aufwärtstrend der Immobilienpreise in Deutschland im Jahr 2025 hat mehrere Implikationen für Credit Ratings von Banken, Immobilienunternehmen, Pfandbriefemittenten und immobiliennahen Projektentwicklern.
Zunächst wirkt der breit abgestützte Preisanstieg stabilisierend auf die Qualität der Besicherungen in den Bankbilanzen. Steigende Immobilienwerte verbessern rechnerisch die Loan-to-Value-Quoten bestehender Finanzierungen. Für Ratingagenturen ist dies ein relevanter Faktor, da niedrigere Beleihungsausläufe das Verlustpotenzial im Ausfallfall reduzieren. Dass der vdp-Index auf realen Transaktionsdaten aus mehr als 700 Kreditinstituten basiert, erhöht dabei die Aussagekraft für die Einschätzung systemischer Risiken im Immobilienkreditportfolio.
Besonders positiv für das Kreditprofil vieler Institute ist die stärkere Dynamik bei Wohnimmobilien. Wohnfinanzierungen weisen historisch sehr niedrige Ausfallraten auf, was auch in der Pressemitteilung ausdrücklich betont wird. Der Anstieg der Preise um 4,2 Prozent, getragen vor allem von Mehrfamilienhäusern mit plus 5,3 Prozent, stützt die Cashflow-Stabilität vieler Investoren und reduziert den Druck auf Covenants in bestehenden Finanzierungen. Für Banken mit einem hohen Anteil an Wohnimmobilienkrediten kann dies zu einer Stabilisierung oder leichten Verbesserung der Asset-Quality-Indikatoren führen, was sich mittelbar positiv auf Ratings auswirken kann.
Gleichzeitig zeigt der Rückgang der Renditen, gemessen an den Liegenschaftszinsen, eine Kehrseite der Entwicklung. Wenn Kaufpreise schneller steigen als Mieten, sinken die laufenden Erträge. Für Ratingagenturen erhöht dies die Aufmerksamkeit auf die Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen, insbesondere bei hoch fremdfinanzierten Investoren in Mehrfamilienhäusern. Zwar bleiben die Risiken kurzfristig überschaubar, doch mittelfristig kann eine anhaltende Renditekompression die Schuldendienstfähigkeit schwächen, vor allem wenn Refinanzierungen zu höheren Zinsen erfolgen müssen.
Im Gewerbeimmobiliensegment fällt die Bewertung aus Ratingsicht vorsichtiger aus. Die Preiszuwächse von 3,5 Prozent im Jahresvergleich signalisieren zwar eine gewisse Stabilisierung nach der Zinswende, doch bleiben Büro- und Einzelhandelsimmobilien stärker konjunktur- und strukturabhängig. Die höheren Wachstumsraten bei Büroimmobilien können Ratingagenturen dazu veranlassen, das Segment differenzierter zu betrachten, etwa nach Lagequalität, Vermietungsstand und Mieterbonität. Die weiterhin moderaten Mietsteigerungen im Einzelhandel unterstreichen hingegen, dass dieses Teilsegment aus Risikosicht anfälliger bleibt.
Für Pfandbriefemittenten ist die Entwicklung grundsätzlich unterstützend. Steigende Immobilienpreise erhöhen die Deckungswerte im Deckungsstock und können die Überdeckung verbessern. In Kombination mit den traditionell konservativen Beleihungsansätzen im Pfandbriefsystem wirkt der Preisanstieg daher eher ratingstabilisierend als -treibend, da Pfandbriefe ohnehin auf sehr hohen Bonitätsniveaus angesiedelt sind.
Von besonderem Interesse für zukünftige Ratingeinschätzungen ist der politische Ausblick, den der vdp skizziert. Staatliche Bürgschaften für den Wohnungsneubau könnten, sofern umgesetzt, das Risikoprofil neuer Finanzierungen deutlich verändern. Für Ratingagenturen wäre dies ein kreditpositiver Faktor, da staatliche Garantien das Ausfallrisiko für Banken reduzieren und gleichzeitig den Neubau stimulieren könnten. Allerdings würde eine stärkere staatliche Rolle auch eine genaue Analyse der konkreten Ausgestaltung erfordern, um mögliche Fehlanreize oder langfristige fiskalische Risiken zu bewerten.
Insgesamt deutet die Pressemitteilung auf ein Umfeld hin, das kurzfristig eher stabilisierend für Credit Ratings wirkt, insbesondere im Wohnimmobiliensektor. Gleichzeitig mahnen die sinkenden Renditen, die Unsicherheiten bei Gewerbeimmobilien und die Abhängigkeit von wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen zu einer weiterhin selektiven und differenzierten Ratingbetrachtung. Für Ratingagenturen bleibt der deutsche Immobilienmarkt damit kein homogener Risikoanker, sondern ein Markt mit klaren Gewinnern, aber auch Segmenten, die weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.
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M.M.Warburg & CO Gesamtsieger bei der firstfive-Gala 2026 in Frankfurt
Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026
Im sehr festlichen Rahmen der Villa Bonn in Frankfurt am Main wurden die besten Vermögensverwaltungen des Jahres 2026 im Rahmen der firstfive-Gala ausgezeichnet. Begleitet von Kammermusik der Spitzenklasse, dargeboten von David Baban an der Violine mit Klavierbegleitung von Jiyun Kim, die Werke von Grażyna Bacewicz, Johannes Brahms, Claude Debussy, Wolfgang Amadeus Mozart und Niccolò Paganini spielten, stand ein Abend ganz im Zeichen von Leistung, Kontinuität und professionellem Vermögensmanagement. In den drei Auswertungszeiträumen 12, 36 und 60 Monate zeichnete die firstfive AG jene Institute aus, die in unterschiedlichen Marktphasen und Risikoklassen konstant überzeugen konnten.
Als Gesamtsieger über alle drei Zeiträume setzte sich M.M.Warburg & CO aus Hamburg durch. Das traditionsreiche Haus erzielte sowohl in der Drei- als auch in der Fünf-Jahreswertung den ersten Platz und belegte zusätzlich Rang zwei in der Zwölf-Monats-Wertung. Dieses außergewöhnliche Ergebnis führte zu 265 von 300 möglichen Gesamtpunkten. Auf den weiteren Plätzen folgten das Bankhaus Bauer Privatbank AG aus Essen mit 215 Punkten sowie LIQID Asset Management aus Berlin mit 212 Punkten. Die Bedeutung dieser Auszeichnung liegt vor allem darin, dass die besten Vermögensverwaltungen in drei unterschiedlichen Risikoklassen Top-Leistungen zeigen müssen, um Spitzenplätze zu erreichen. Genau diese anspruchsvolle Systematik verleiht den firstfive-Awards ihren hohen Stellenwert in der Branche.
Jürgen Lampe, Vorstand der firstfive AG, unterstrich die Besonderheit des Verfahrens mit den Worten: „Unsere Auswertungen werden auf Basis realer Depots vorgenommen. Die Datenbank der firstfive AG von rd. 180 Depots ist einzigartig und wir grenzen uns damit von Performanceprojekten oder Depotcontests anderer Institutionen ab. Diese haben eher den Charakter eines Börsenspiels und müssen mit der realen Vermögensverwaltung eines Anbieters nicht identisch sein.“ Lampe, der zudem Mitherausgeber von Büchern zum Thema „Rating von Vermögensverwaltungen“ ist, die im Frankfurt School Verlag GmbH und bei Springer Gabler erschienen sind, gilt als einer der profiliertesten Kenner der Branche und steht für eine transparente, wissenschaftlich fundierte Bewertung von Vermögensverwaltern.
In der Zwölf-Monats-Wertung setzte sich das Bankhaus Bauer Privatbank AG mit 78,3 Punkten an die Spitze, dicht gefolgt von M.M.Warburg & CO mit 75,2 Punkten. Rhein Asset Management belegte Rang drei. Besonders bemerkenswert war, dass die beiden Erstplatzierten nur drei Punkte voneinander trennten. Grundlage für den Sieg des Bankhauses Bauer waren zwei Silber-Plätze in der konservativen sowie in der moderat dynamischen Risikoklasse. Technologieaktien und Gold erwiesen sich als wesentliche Performancetreiber. Christian Wieschnewski, Bereichsleiter Vermögensverwaltung und Asset Management, erklärte: „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung zum ‚Vermögensverwalter des Jahres´. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer geschlossenen Teamleistung und bestätigt unseren Investmentansatz: Unser Kern ist ein aktives Management mit Fokus auf strukturell wachsende Unternehmen. Dabei hinterfragen wir unsere Entscheidungen laufend kritisch. Wichtig ist uns, auch in Phasen kurzfristiger Marktnervosität die langfristigen Perspektiven nie aus den Augen zu verlieren.“ Weiter betonte er die Nachhaltigkeit des Erfolgs: „Dass diese Strategie aufgeht, zeigt die Konstanz unserer Ergebnisse. Neben dem aktuellen Sieg konnten wir über drei Jahre den zweiten Platz und über fünf Jahre eine Top-5-Platzierung erreichen. Ein herzlicher Dank gilt unseren Kunden für ihr Vertrauen. Es gibt uns die nötige Sicherheit, unseren Weg mit Weitsicht und Ruhe zu verfolgen. Dieser Preis ist für unser gesamtes Team ein toller Ansporn für die Zukunft.“
In der Drei-Jahreswertung gelang M.M.Warburg & CO der Sprung vom zweiten Platz im Vorjahr auf Rang eins. Zwei Spitzenplatzierungen in der konservativen und dynamischen sowie ein Silberrang in der moderat dynamischen Risikoklasse sorgten für eine klare Distanz zur Konkurrenz. Eine Options- und Zertifikatestrategie sowie US-Technologie waren wesentliche Grundlagen dieses Erfolgs. Das Bankhaus Bauer verbesserte sich auf Platz zwei, während LIQID auf Rang drei zurückfiel. Auch in der Fünf-Jahreswertung bestätigte M.M.Warburg & CO seine außergewöhnliche Konstanz. Neben den bereits genannten Performancetreibern war ein erfolgreiches Stock Picking in Europa maßgeblich für den erneuten Spitzenplatz. LIQID verteidigte Rang zwei, während DJE Kapital AG den dritten Platz belegte.
Daniel Hupfer, Leiter Portfolio Management bei M.M.Warburg & CO, brachte die Bedeutung dieser Auszeichnung auf den Punkt: „Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Kundinnen und Kunden in den vergangenen Jahren – in einem volatilen Marktumfeld und in einer Zeit, die von zahlreichen wirtschaftlichen und (geo)politischen Ereignissen geprägt war – als starker und verlässlicher Partner zur Seite stehen konnten. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit kommt es auf eine klare Strategie und eine disziplinierte Umsetzung an.“ Und weiter: „Die Auszeichnung als bester Vermögensverwalter ist für uns daher Bestätigung und Ansporn zugleich. Sie unterstreicht die Leistungsfähigkeit und Qualität unseres Investmentprozesses. Zugleich dokumentiert sie die Stärke von M.M.Warburg & CO: unsere Erfahrung, unsere Stabilität und unseren Anspruch, für unsere Kundinnen und Kunden individuelle Lösungen zu entwickeln und verantwortungsvoll umzusetzen.“
Die Bewertungsmethodik von firstfive basiert auf der Sharpe-Ratio, also der risikoadjustierten Performance. Die Ergebnisse aus drei Risikoklassen werden über eine Punktewertung zusammengeführt. Die beste Sharpe-Ratio erhält 33,33 Punkte und dient als Maßstab für die weiteren Plätze, die entsprechend der prozentualen Erreichung dieses Top-Ergebnisses bewertet werden. Sieger ist die Bank oder Vermögensverwaltung mit der höchsten Gesamtpunktzahl von maximal 100 Punkten je Zeitraum. Damit wird nicht nur die Platzierung, sondern vor allem die Qualität der Einzelergebnisse gewichtet, sodass herausragende Leistungen in drei unterschiedlichen Anlagestrategien erforderlich sind.
Die firstfive AG selbst versteht sich als unabhängiges Controlling- und Rankinginstitut ohne eigene Vermögensverwaltung und ohne produktspezifische Interessenkonflikte. Seit mehr als 20 Jahren verfügt das Unternehmen über eine in Europa einzigartige Datenbank von rund 180 realen Depots namhafter Banken und Vermögensverwaltungen. Auf Basis anerkannter finanzmathematischer Maßstäbe liefert firstfive einen objektiven Vergleich der Leistungen professioneller Vermögensverwalter und zeigt in Quartalsberichten transparent die Stärken und Schwächen des Portfoliomanagements im Hinblick auf Rendite, Risiko und Kosten auf. Damit haben sich die firstfive-Awards als eine der verlässlichsten und renommiertesten Auszeichnungen der Branche etabliert.
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Emerging-Markets-Anleihen 2026: Verbesserte Fundamentaldaten und stabile Marktstruktur schaffen Chancen
Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026
Die Diskussion um Emerging-Markets-Anleihen war lange von Volatilität und Unsicherheit geprägt, doch im Jahr 2026 zeichnet sich eine strukturelle Neubewertung dieser Anlageklasse ab. Thomas Christiansen, Head of Emerging Markets Fixed Income bei der UBP, beschreibt in seinem Marktkommentar einen grundlegenden Wandel, der nicht nur auf kurzfristigen Marktbewegungen beruht, sondern auf nachhaltig verbesserten Rahmenbedingungen. Während viele entwickelte Volkswirtschaften mit steigenden Finanzierungskosten und einer angespannten Fiskalpolitik kämpfen, zeigen zahlreiche Schwellenländer eine deutlich robustere Ausgangslage. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Kreditratings wider, denn „2025 lag das Verhältnis von Rating-Upgrades zu Downgrades bei rund 2:1 – ein klares Signal für eine strukturelle Verbesserung innerhalb der Anlageklasse“.
Neben der verbesserten Bonität hat sich auch die Marktstruktur gewandelt. Ein wachsender Anteil lokaler Investoren reduziert die Abhängigkeit von internationalen Kapitalströmen und erhöht die Stabilität über den gesamten Marktzyklus hinweg. Gleichzeitig steht die Unternehmensseite auf einem soliden Fundament. Die durchschnittliche Nettoverschuldung liegt bei nur etwa 1,2x und damit nicht nur unter dem Niveau der entwickelten Märkte, sondern auch deutlich unter den Werten von vor zehn Jahren. Diese konservative Bilanzqualität trägt wesentlich zu stabileren Erträgen und einer attraktiveren Spread-Vergütung bei, was die Anlageklasse für Investoren wieder interessanter macht.
Trotz der in den vergangenen Jahren erfolgten Spread-Einengung bestehen weiterhin Renditechancen. Die Kapitalflüsse haben sich 2025 klar gedreht und sind wieder positiv, während die Anlageklasse global nach wie vor untergewichtet ist. Dieses strukturelle Unterinvestment eröffnet zusätzlichen Spielraum für weitere Zuflüsse, sobald Investoren die verbesserten Fundamentaldaten stärker in ihre Allokationsentscheidungen einbeziehen. Besonders hervorzuheben sind Lokalwährungsanleihen, die von hohen realen Zinsen, einem attraktiven Verhältnis von Carry zu Volatilität sowie der Erwartung eines moderat schwächeren US-Dollars profitieren. Dieser Effekt entlastet Emittenten mit Dollarverbindlichkeiten und erhöht zugleich das Renditepotenzial lokaler Währungen.
Auch Frontier Markets rücken in diesem Umfeld stärker in den Fokus. Zwar bleiben sie ein Nischenmarkt, doch sie bieten für selektive Investoren überdurchschnittliche Chancen bei weiterhin robuster Wachstumsbasis. Insgesamt vereinen Schwellenländeranleihen für 2026 attraktive Ertragschancen, eine weiter verbesserte Kreditqualität und einen hohen Diversifikationseffekt. Geopolitische Risiken und mögliche Gegenbewegungen des US-Dollars bleiben zwar relevante Themen, dominieren das Marktbild derzeit jedoch nicht. Angesichts der robusten Fundamentaldaten, der geringen Allokationen und der zunehmenden Stabilität der Anlageklasse spricht vieles dafür, dass EM-Anleihen im kommenden Jahr überdurchschnittlich abschneiden dürften.
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EM-Unternehmensanleihen: Warum Fundamentaldaten und Makro-Trends die Bewertungen stützen
Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026
EM-Unternehmensanleihen stehen weiterhin im Fokus internationaler Investoren, da sie in einem Umfeld moderater Zinsen und stabiler Konjunktur attraktive Ertragschancen bieten. Trotz bereits enger Spreads und hoher Nachfrage bleibt der Ausblick für diese Anlageklasse positiv, weil sowohl die Fundamentaldaten der Emittenten als auch das makroökonomische Umfeld unterstützend wirken. Denise Simon, Portfoliomanagerin und Analystin im Emerging Market Debt-Team bei Lazard Asset Management, betont, dass die Anlageklasse „weiterhin attraktive laufende Erträge“ biete und zudem „noch etwas Potenzial für weitere Spreadeinengungen bei Schwellenländeranleihen relativ zu US-Unternehmensanleihen“ bestehe.
Ein zentraler Grund für diese Einschätzung liegt in der robusten finanziellen Verfassung vieler Emittenten. Simon analysiert: „Mit Ausnahme einiger Emittenten aus der Chemiebranche sind die Unternehmensfundamentaldaten insgesamt weiterhin solide und bewegen sich am oberen Ende der historischen Bandbreite.“ Diese Stabilität schafft Vertrauen bei Investoren und bildet die Grundlage dafür, dass die aktuellen Bewertungen trotz der bereits engen Spreads als gerechtfertigt angesehen werden können. Gleichzeitig trägt das makroökonomische Umfeld zur Unterstützung bei. „Viele Entwicklungs- und Schwellenländer verzeichnen ein angemessenes Wirtschaftswachstum, eine gedämpfte Inflation und profitieren von stärkeren Währungen“, so Simon. In mehreren Ländern verbessern sich zudem die fundamentalen Trends nach Phasen erhöhter Belastung, während politische Veränderungen, etwa in Lateinamerika, zusätzliche wirtschaftsfreundliche Impulse liefern könnten.
Auch von der geldpolitischen Seite kommen unterstützende Signale. Die Erwartung stabiler bis sinkender US-Zinsen wirkt entlastend für Schwellenländeranleihen und erhöht deren Attraktivität im Vergleich zu US-Unternehmensanleihen. Laut Simon profitieren sie „aufgrund technischer Faktoren von höheren Renditen und Spreads in den Schwellenländern im Vergleich zu den USA“, was die Nachfrage nach Anlagen außerhalb der Vereinigten Staaten zusätzlich antreibt. Dennoch weist sie darauf hin, dass der Markt nicht frei von Risiken ist. Eine Belebung der Neuemissionstätigkeit könne zeitweise für Gegenwind sorgen und die Kurse belasten, auch wenn dies aus langfristiger Sicht neue Chancen eröffnet.
In ihrem Fazit unterstreicht Simon, dass das aktuelle Spreadniveau zwar „am unteren Ende der historischen Spannen“ liege und damit das durchschnittliche Kurspotenzial begrenze, die Bewertungen jedoch weiterhin durch Fundamentaldaten und das gesamtwirtschaftliche Umfeld gestützt würden. Gleichzeitig eröffnet die unterschiedliche Bewertung einzelner Emittenten Spielraum für eine gezielte Titelauswahl. „Darüber hinaus erwarten wir, dass sowohl Neuemissionen als auch unterjährige Volatilität potenzielle Alphaquellen bieten“, sagt sie. Zugleich mahnt sie zur Vorsicht, da der geringere Spreadpuffer die Fehlertoleranz reduziere. Eine sorgfältige Kreditauswahl und ein aktives Portfoliorisikomanagement bleiben daher entscheidend, um in diesem Marktumfeld nachhaltig erfolgreich zu sein. U
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Kursverluste bei Software-Aktien: Warum Credit Ratings für Investoren immer wichtiger werden
Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026
In den vergangenen Tagen und Wochen haben Software-Aktien erheblich an Wert verloren, was bei vielen Marktteilnehmern Fragen nach den tieferliegenden Ursachen und möglichen Folgen aufwirft. Neben kurzfristigen Bewertungsanpassungen rückt dabei zunehmend ein Faktor in den Fokus, der häufig im Hintergrund wirkt, aber maßgeblich die Kapitalallokation beeinflusst: das Credit Rating. Die jüngste Marktentwicklung zeigt, dass Investoren nicht mehr ausschließlich auf Wachstumsversprechen und technologische Zukunftsvisionen setzen, sondern stärker auf die finanzielle Stabilität und Ertragskraft von Unternehmen achten. Diese Verschiebung der Prioritäten lässt sich auch in den Aussagen von Clemens Berendt, Lead Portfoliomanager, erkennen, der auf die wachsende Spreizung an den Aktienmärkten hinweist. Er erklärt: „Seit einigen Monaten beobachten wir erhebliche Unterschiede bei der Kursentwicklung an den Aktienmärkten. Während große Tech-Unternehmen wie Microsoft und SAP zweistellig verlieren, gewinnt der breite Markt.“
Credit Ratings spiegeln genau diese veränderte Wahrnehmung wider, denn sie bewerten nicht nur die Bonität eines Unternehmens, sondern auch dessen Fähigkeit, in einem schwierigen Umfeld stabile Cashflows zu generieren. Wenn Software- und große Technologiewerte unter Druck geraten, liegt das häufig daran, dass ihre hohen Bewertungen zunehmend kritisch hinterfragt werden und ihr Geschäftsmodell als stärker von konjunkturellen Schwankungen oder technologischen Umbrüchen abhängig gilt. Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit solider Bilanzstruktur und verlässlichen Erträgen, was sich auch in der Entwicklung der Aktienindizes zeigt. Berendt betont: „Der gleichgewichtete S&P 500 konnte den nach Marktkapitalisierung gewichteten US-Index zuletzt um mehr als fünf Prozent outperformen.“ Diese Outperformance signalisiert, dass Investoren nicht mehr nur auf einige wenige Schwergewichte setzen, sondern breiter diversifizieren und verstärkt auf fundamentale Qualität achten.
Für Ratingagenturen bedeutet diese Entwicklung, dass Faktoren wie Ertragsstabilität, Verschuldungsgrad und Return on Investment wieder stärker gewichtet werden. Berendt weist darauf hin, dass „bei vielen Unternehmen der ‚Old Economy‘ die Fokussierung auf deren Return on Investment stark zunimmt“, da sie ihre Potenziale durch effiziente KI-Integration überzeugend kommunizieren. Diese stärkere Betonung von Rentabilität und Cashflow wirkt sich positiv auf das Credit Rating aus und senkt die Finanzierungskosten, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen erhöht. Im Gegensatz dazu stehen Geschäftsmodelle, die stark von hohen Erwartungen getragen werden, aber deren tatsächliche Ertragskraft noch nicht gesichert ist. Hier steigt das Risiko von Herabstufungen, sobald das Marktumfeld schwieriger wird.
Die zunehmende Marktbreite und die Abkehr von einer einseitigen Konzentration auf große Tech-Titel lassen sich somit auch als Ausdruck eines wachsenden Vertrauens in Unternehmen mit stabiler Bonität interpretieren. Berendt fasst diesen Trend so zusammen: „Investoren fokussieren sich zunehmend auf fundamentale Ertragsqualität, Bewertungsdisziplin sowie breitere Gewinnimpulse.“ Für den Kapitalmarkt bedeutet dies, dass Credit Ratings nicht nur als formale Kennzahl dienen, sondern als strategischer Kompass für Investitionsentscheidungen. Die aktuelle Rotation in Richtung Emerging Markets und Europa verstärkt diesen Effekt zusätzlich, da hier häufig attraktivere Bewertungen und teils bessere Bonitätsprofile zu finden sind. Insgesamt zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen Kursentwicklung und Credit Rating enger ist denn je, weil in unsicheren Zeiten die Frage nach der finanziellen Belastbarkeit eines Unternehmens zum entscheidenden Kriterium wird.h
Themen: Ratings | Kommentare deaktiviert für Kursverluste bei Software-Aktien: Warum Credit Ratings für Investoren immer wichtiger werden
Wie die EZB mit dem starken Euro umgeht – und warum Zinssenkungen trotz Marktspekulationen unwahrscheinlich sind
Von Dr. Oliver Everling | 4.Februar 2026
Im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag schauen die Finanzmärkte sehr genau darauf, wie die Europäische Zentralbank mit der zuletzt deutlich gestiegenen Stärke des Euro umgehen wird. Ein stärkerer Euro beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung, vor allem über die Preise von Importen und damit über die Inflation. Deshalb ist die Frage wichtig, ob die EZB diese Entwicklung zum Anlass nimmt, ihre Geldpolitik zu lockern, also etwa die Zinsen zu senken, oder ob sie gelassen bleibt. Einen Einblick in diese Überlegungen gibt ein aktueller Marktkommentar von Felix Feather, Economist bei Aberdeen Investments, der die Lage vor dem EZB-Meeting einordnet.
Feather weist zunächst darauf hin, dass die Ausgangslage ungewöhnlich ist. „Die EZB geht mit einem auf handelsgewichteter Basis historisch starken Euro in die Sitzung am Donnerstag.“ Das bedeutet, dass der Euro nicht nur gegenüber einer einzelnen Währung, sondern im Durchschnitt gegenüber den wichtigsten Handelspartnern sehr stark bewertet ist. Diese Entwicklung ist auch innerhalb der EZB nicht unbemerkt geblieben. „Einige geldpolitische Entscheidungsträger, darunter Kocher und Villeroy, haben ihre Besorgnis über diese Entwicklung geäußert.“ Solche öffentlichen Äußerungen haben an den Märkten Erwartungen geweckt. „Das hat Spekulationen darüber ausgelöst, dass die EZB mit einer Lockerung der Geldpolitik reagieren könnte.“
Ob es tatsächlich zu einer solchen Reaktion kommt, hängt laut Feather vor allem davon ab, welche Folgen der starke Euro für die Inflation hat. „Ob dies tatsächlich geschieht, hängt davon ab, wie sich die Euro-Stärke auf die Inflation auswirkt.“ Grundsätzlich gilt dabei eine einfache Faustregel, die Investoren und Notenbanker häufig heranziehen: „Als Faustregel gilt: Eine Aufwertung des Euro um 1 % ist mit einem Rückgang der Gesamtinflationsrate um vier Basispunkte verbunden.“ Ein stärkerer Euro verbilligt Importe, was tendenziell den Preisdruck senkt und damit die Inflation dämpft.
Allerdings ist die Situation aus Sicht der EZB komplexer. Feather erklärt, dass man argumentieren könnte, der jüngste Anstieg des Euro habe besondere Ursachen. „Allerdings könnten die Entscheidungsträger argumentieren, dass der jüngste Anstieg des Euro zum Großteil vom verbesserten makroökonomischen Ausblick für Europa getrieben wurde, und dass der disinflationäre Effekt daher geringer ausfallen könnte.“ Wenn der Euro stärker wird, weil sich die wirtschaftlichen Perspektiven in Europa verbessern, dann ist das aus Sicht der Notenbank weniger problematisch, als wenn die Aufwertung allein durch Kapitalzuflüsse oder Zinserwartungen entsteht.
Zudem relativiert Feather die tatsächliche Größenordnung der bisherigen Euro-Aufwertung. „Bis Mittwochmorgen ist der Euro um 0,17 % gegenüber einem handelsgewichteten Währungskorb gestiegen, verglichen mit den im Dezember von der EZB aktualisierten Prognosen.“ Dieser Anstieg ist sehr gering und hat entsprechend wenig Einfluss auf die Inflation. „Das würde auf einen nahezu vernachlässigbaren disinflationären Impuls hindeuten.“ Mit anderen Worten: Der Effekt auf die Preisentwicklung dürfte so klein sein, dass er geldpolitisch kaum ins Gewicht fällt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Haltung der EZB-Präsidentin. Feather erinnert daran, dass Christine Lagarde in der Vergangenheit eine gewisse Gelassenheit gegenüber einem stärkeren Euro gezeigt hat. „Unabhängig davon hat Lagarde in der Vergangenheit Bereitschaft gezeigt, einen stärkeren Euro zu tolerieren.“ Vor diesem Hintergrund erwartet Aberdeen Investments keine überraschende Kehrtwende der EZB. „Wir erwarten, dass sie diese Sichtweise bekräftigen und sich gegen die jüngsten Bewegungen an den Swap-Märkten stellt, die eine mögliche Zinssenkung der EZB als Reaktion auf die Euro-Stärke einpreisen.“ Die Märkte haben also aus Sicht von Feather zu früh auf Zinssenkungen gesetzt.
Am Ende kommt er zu einer klaren Einschätzung für das Gesamtjahr. „Wir gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins im gesamten Jahr unverändert lässt.“ Für Anleger und Beobachter bedeutet das: Trotz des starken Euro dürfte die EZB ruhig bleiben und vorerst keine geldpolitischen Maßnahmen ergreifen, solange sich die Auswirkungen auf die Inflation als gering erweisen.
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