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Shantytown Redevelopment in China

Von Dr. Oliver Everling | 26.Oktober 2017

Eines der wichtigsten Reformprojekte der chinesischen Zentralregierung ist das so genannte „Shantytown Redevelopment“. Shantytowns sind Armen- bzw. Elendsviertel im Umfeld chinesischer Großstädte – auf diese geht Stefan Breintner, Stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement der DJE Kapital AG, in seinem Marktkommentar ein: Unter „Shantytown Redevelopment“ versteht man die Anstrengungen der chinesischen Regierung, diese Viertel zu beseitigen und den Lebensstandard der Bewohner zu verbessern. „In der Vergangenheit bekamen betroffene Haus- bzw. Wohnungsbesitzer lediglich neuen Wohnraum durch die jeweiligen Lokalregierungen gestellt. Inzwischen – und das ist der entscheidende Unterschied – erfolgt auch eine direkte finanzielle Entschädigung durch die Zentralregierung in Peking. Betroffenen Familien wird das Geld direkt ausbezahlt. Diese Entschädigungen liegen bewusst deutlich über dem Preis eines neuen Appartements, so dass für die Familien auch noch Geld für zusätzlichen Konsum übrig bleibt.“

Die direkte finanzielle Kompensation habe vor allem in den mittelgroßen und kleineren Städten, deren Einwohnerzahl aber immer noch im Millionenbereich liegt, zu einem erheblichen Konsumanstieg geführt, so Breintner. „2017 gingen so zum Beispiel die Absatzzahlen chinesischer Autohersteller, die Modelle im unteren Preissegment anbieten, auch ohne staatliche Subventionen massiv in die Höhe. Einkaufszentren in diesen Städten berichten wieder von deutlich steigenden Besucherzahlen und dies trotz des in China nach wie vor boomenden E-Commerce-Geschäfts. Auch die Tourismusbranche hat sich positiv entwickelt. Insbesondere der Tourismus im eigenen Land gewinnt dabei weiter an Bedeutung. Von dieser Entwicklung könnte mittelfristig zum Beispiel die bei den Chinesen beliebte Sonderverwaltungszone Macau mit ihren zahlreichen Hotels und Casinos nachhaltig profitieren.“

Die Einzelhandelsumsätze wachsen nach wie vor zweistellig, zuletzt um 10,34 Prozent. Das Konsumentenvertrauen hat zuletzt den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Die gleichzeitig gute Entwicklung der Unternehmensgewinne führt darüber hinaus zu einer verbesserten Investitionsneigung der Privatwirtschaft. „Dieses positive Momentum wird derzeit auch durch die aktuell erstaunlich gute Entwicklung der chinesischen Produzentenpreise deutlich,“ schreibt Breintner, „die zuletzt gegenüber dem Vorjahr um 6,9 Prozent gestiegen sind. Mit Blick auf die kommenden Monate spricht dies für weiterhin steigende Unternehmensgewinne. In den kommenden Jahren 2018 bis 2020 sollen im Rahmen des Shantytown-Projekts zudem etwa 15 Millionen weitere Shantytown-Häuser abgerissen und die Bewohner entsprechend entschädigt werden. Das Projekt dürfte daher Chinas Konsumwirtschaft auch zukünftig positiv beeinflussen.“

Themen: Aktienrating, Länderrating | Kein Kommentar »

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