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Von der VR-Gruppe zur VR-Vision – wenn Banking virtuell wird

Von Dr. Oliver Everling | 16.Februar 2026

Die VR-App von Universal Investment auf der Plattform von Meta ist ein bemerkenswerter Versuch, komplexe Finanzthemen in eine immersive, dreidimensionale Lernumgebung zu übersetzen. Sie ist erst seit Januar 2026 im App Store von Meta zu finden und richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer, die sich interaktiv mit Investmentstrukturen, Portfolios und Marktmechanismen auseinandersetzen wollen. Anstatt Tabellen oder klassische Präsentationen zu zeigen, führt die Anwendung durch virtuelle Räume, in denen Daten, Modelle und Zusammenhänge räumlich visualisiert werden. Diagramme schweben im Raum, Szenarien lassen sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten, und die Steuerung erfolgt direkt mit den VR-Controllern, was dem Thema eine ungewohnte, aber einprägsame Anschaulichkeit verleiht.

Gleichzeitig deutet vieles darauf hin, dass diese App deutlich länger in Planung war, als ihr offizieller Erscheinungstermin vermuten lässt. Das Tutorial zu Beginn zeigt noch die Controller der Meta Quest 2, die bis 2023 das aktuellste Modell des Herstellers waren. Diese visuelle Spur aus einer früheren Gerätegeneration legt nahe, dass Konzept, Design und Entwicklung schon Jahre zuvor begonnen haben müssen. Daraus lässt sich schließen, dass intern lange über die Ausrichtung, den Nutzen und die Umsetzung beraten wurde, bevor das Projekt schließlich den Weg in den Store fand.

Gerade in dieser zeitlichen Verschiebung zwischen technischer Entwicklung und Markteinführung zeigt sich eine typische Herausforderung für eine Bankengruppe: Technologische Plattformen verändern sich rasant, Hardware wird in kurzen Zyklen erneuert, und Erwartungen der Nutzer entwickeln sich schnell weiter. Wenn Entscheidungsprozesse und Abstimmungen in großen Organisationen viel Zeit in Anspruch nehmen, besteht die Gefahr, dass ein Produkt beim Erscheinen bereits Spuren einer vergangenen Technikgeneration trägt. Die App von Universal Investment wird so nicht nur zu einem innovativen Lernwerkzeug, sondern auch zu einem Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann, in einem hochregulierten und komplexen Umfeld mit der Geschwindigkeit des digitalen Wandels Schritt zu halten.

Die VR-App von Universal Investment markiert einen bemerkenswerten Schritt in eine neue Dimension der Finanzkommunikation. Sie gilt als die erste Anwendung aus dem deutschen Bankwesen, die speziell für die Meta-Quest-Plattform entwickelt wurde, und positioniert sich damit an der Schnittstelle zwischen Finanzwelt und immersiver Technologie. Statt trockener Zahlenkolonnen oder klassischer Präsentationen eröffnet sie einen virtuellen Raum, in dem Kapitalmärkte, Fondsstrukturen und Anlagestrategien dreidimensional erlebbar werden. Damit verlässt das Bankenumfeld erstmals sichtbar die zweidimensionale Bildschirmlogik und betritt das Terrain des Spatial Computing.

Schon beim Start wird deutlich, dass die App nicht nur informieren, sondern ein Erlebnis schaffen will. Nutzer bewegen sich durch virtuelle Räume, in denen Diagramme, Portfolios und Marktszenarien als Objekte im Raum erscheinen. Man kann sie umrunden, vergrößern oder aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Diese räumliche Darstellung fördert das Verständnis komplexer Zusammenhänge, weil Informationen nicht mehr abstrakt, sondern greifbar wirken. Die Interaktion mit Controllern und Blicksteuerung verstärkt den Eindruck, tatsächlich Teil einer Lernwelt zu sein, statt nur auf Inhalte zu schauen.

Inhaltlich vermittelt die Anwendung Grundlagen und vertiefende Einblicke in Investmentprozesse, Risikoabwägung und langfristige Vermögensplanung. Die Themen sind klar strukturiert und werden in einzelnen Stationen erklärt, die wie virtuelle Lerninseln aufgebaut sind. Jede Szene steht für einen Aspekt der Finanzwelt, sodass sich Nutzer Schritt für Schritt orientieren können. Diese Form der Wissensvermittlung zeigt, dass VR nicht nur für Spiele oder Unterhaltung geeignet ist, sondern auch für anspruchsvolle, erklärungsbedürftige Inhalte aus der Finanzbranche.

Besonders hervorzuheben ist der Mut, den Eintritt in diese virtuelle Welt überhaupt zu wagen. Mit Unterstützung der Plattform von Meta wird ein Raum geschaffen, der sinnbildlich für den Aufbruch in neue Kommunikationsformen steht. Für viele Institute ist der Schritt in eine noch junge Technologie mit Unsicherheiten verbunden, doch gerade hier zeigt sich die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und digitale Innovation nicht nur zu beobachten, sondern aktiv mitzugestalten.

Dass dieser Vorstoß aus dem Umfeld der Volksbanken und Raiffeisenbanken kommt, unterstreicht die Bedeutung des Projekts. Es signalisiert, dass auch traditionsreiche Bankengruppen die Herausforderungen des Spatial Computing annehmen und sich nicht auf bewährte Formate beschränken wollen. Die App ist damit mehr als ein Experiment: Sie steht für den Anspruch, Finanzwissen zeitgemäß zu vermitteln und den Wandel der digitalen Welt nicht nur zu begleiten, sondern mitzugestalten.

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