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Wenn die Unabhängigkeit der Fed zum Ratingfaktor wird

Von Dr. Oliver Everling | 10.Februar 2026

Die Diskussion um die Unabhängigkeit der US-Notenbank ist längst zu einem zentralen Faktor für die Bewertung der wirtschaftlichen Stabilität der Vereinigten Staaten geworden. Für unabhängige Ratingagenturen zählt nicht nur die Höhe der Staatsverschuldung oder das Wachstum, sondern auch die institutionelle Verlässlichkeit der Geldpolitik. Genau hier setzt die Analyse von Axel D. Angermann an. Der Chef-Volkswirt der FERI Gruppe schreibt: „Würde die Federal Reserve (Fed) auf diese Linie einschwenken, wäre ihre Unabhängigkeit faktisch beendet. Damit ginge ein wesentlicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor der USA der vergangenen Jahrzehnte verloren.“ Aus Sicht der Ratingagenturen wäre ein solcher Vertrauensverlust kein politisches Detail, sondern ein strukturelles Risiko für die Bonität des Landes.

Die Nominierung von Kevin Warsh als möglicher Nachfolger von Jerome Powell wird deshalb von den Kapitalmärkten nicht nur als Personalie, sondern als Signal an Investoren und Bewertungsinstitutionen verstanden. Angermann betont, dass Warsh zwar möglichen Zinssenkungen offener gegenübersteht, aber „keine ausgewiesene Taube“ ist. Seine fachliche Eignung stehe „als ehemaliger Notenbankgouverneur außer Frage“. Für Ratingagenturen ist diese Einschätzung entscheidend, da sie Stabilität und Kontinuität in der Geldpolitik als Grundlage für ein hohes Credit Rating ansehen.

Besonders relevant ist auch die Zusammensetzung des Offenmarktausschusses. Angermann verweist darauf, dass „der Chairman die geldpolitischen Entscheidungen nicht allein“ trifft, sondern mit elf weiteren Mitgliedern, von denen mehrere aktuell „geldpolitisch falkenhafter als ihre Vorgänger“ seien. Daraus folgert er, dass das Entscheidungsgremium „im Vergleich zum vergangenen Jahr insgesamt weniger geneigt“ ist, politischen Druck zu akzeptieren. Für die Kreditwürdigkeit der USA bedeutet dies, dass die institutionellen Kontrollmechanismen bislang noch greifen.

Gleichzeitig warnt Angermann vor den möglichen Folgen eines politischen Eingriffs in die Notenbank. Er schreibt: „Wird die Unabhängigkeit der Fed ernsthaft infrage gestellt, drohen massive Finanzmarktturbulenzen.“ Besonders wahrscheinlich seien „ein weiterer drastischer Verfall des US-Dollars und deutlich steigende Langfristzinsen“. Für Ratingagenturen wären genau diese Entwicklungen ein klares Warnsignal, da sie die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen unmittelbar belasten würden.

Trotz der kurzfristigen Beruhigung bleibt die Lage fragil. Angermann macht deutlich, dass die Gefahr nicht gebannt ist: „Mittel- bis langfristig werden die Versuche weitergehen, die Unabhängigkeit zu unterminieren.“ Für Investoren und Ratingagenturen bedeutet dies, dass die politische Einflussnahme auf die Geldpolitik zu einem dauerhaften Risikofaktor für das Credit Rating der USA geworden ist.

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