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Krieg zwischen den USA, Israel und Iran und Folgen für Kreditratings im Kontext des Ukrainekriegs
Von Dr. Oliver Everling | 2.März 2026
Ein offener Krieg zwischen Vereinigte Staaten, Israel und Iran würde die geopolitische Architektur des Nahen Ostens grundlegend verändern und erhebliche Auswirkungen auf internationale Finanzmärkte und staatliche Kreditratings haben. Für Ratingagenturen steht in einem solchen Szenario weniger die militärische Dynamik im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie sich fiskalische Belastungen, wirtschaftliche Schocks, Energiepreisvolatilität und politische Stabilität auf die Schuldentragfähigkeit einzelner Staaten auswirken.
Ein militärischer Konflikt in dieser Konstellation hätte unmittelbare Effekte auf Energiepreise, insbesondere wenn Lieferketten im Persischen Golf oder in der Straße von Hormus beeinträchtigt würden. Steigende Ölpreise können für energieexportierende Staaten kurzfristig zu höheren Einnahmen führen, gleichzeitig aber die globale Inflation antreiben und das Wachstum in importabhängigen Volkswirtschaften dämpfen. Ratingagenturen müssten daher differenzieren: Während rohstoffreiche Länder kurzfristig fiskalisch profitieren könnten, würden stark verschuldete Energieimporteure mit höheren Subventionskosten und wachsendem Haushaltsdruck konfrontiert.
Für Israel selbst würde ein ausgedehnter Krieg steigende Verteidigungsausgaben, mögliche Produktionsausfälle und sinkende Investitionen bedeuten. Selbst wenn das Land über eine diversifizierte, innovationsgetriebene Wirtschaft verfügt, könnten längere Kampfhandlungen zu einer Neubewertung des Ausblicks führen, insbesondere wenn sich das Haushaltsdefizit ausweitet oder das Vertrauen internationaler Kapitalmärkte sinkt. Die Vereinigten Staaten verfügen zwar über die Weltleitwährung und eine außergewöhnliche Refinanzierungsfähigkeit, doch auch hier würden steigende Militärausgaben und zusätzliche geopolitische Verpflichtungen in einer Phase ohnehin hoher Staatsverschuldung in Ratingmodellen berücksichtigt werden.
Eine zentrale Rolle spielen die Vereinigte Arabische Emirate sowie andere Staaten der Golfregion, die potenziell Ziel iranischer Vergeltungsschläge werden könnten. Angriffe auf kritische Infrastruktur, Häfen oder Energieanlagen würden nicht nur direkte Schäden verursachen, sondern auch Versicherungsprämien, Risikozuschläge und Finanzierungskosten erhöhen. Selbst bei robusten Staatsfinanzen könnten Ratingagenturen bei einer dauerhaften Verschlechterung der Sicherheitslage den Ausblick anpassen. Länder wie Saudi-Arabien oder Katar wären je nach Intensität des Konflikts ebenfalls mit höheren geopolitischen Risikoaufschlägen konfrontiert, auch wenn ihre hohen Devisenreserven kurzfristig stabilisierend wirken.
Darüber hinaus ist die geopolitische Verflechtung zwischen dem Iran und Russland von erheblicher Bedeutung. Der Iran gilt als militärischer Zulieferer und als Partner bei der Umgehung westlicher Sanktionen, was indirekt Auswirkungen auf den Krieg in der Ukraine hat. Sollte ein Regimewechsel in Teheran erfolgen oder die militärische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Iran stark eingeschränkt werden, könnte sich der Druck auf Russland erhöhen. Ratingtechnisch würde dies bedeuten, dass sich die geopolitische Risikolage für osteuropäische Staaten und für die Ukraine selbst perspektivisch verändern könnte. Ein geschwächter iranischer Unterstützungsapparat für Moskau könnte mittelbar die Dauer und Intensität des Ukrainekriegs beeinflussen, was wiederum fiskalische Belastungen und Wiederaufbauperspektiven neu bewerten ließe.
Gleichzeitig darf nicht übersehen werden, dass ein Regimewechsel im Iran kurzfristig erhebliche Instabilität, Kapitalflucht und Produktionsausfälle verursachen könnte. Für das Land selbst wären weitere Herabstufungen wahrscheinlich, sofern nicht schnell eine international anerkannte, wirtschaftlich reformorientierte Regierung etabliert würde. Der Iran wird aufgrund der Sanktionen von US-amerikanischen Agenturen ohnehin nicht geratet. Langfristig könnte jedoch eine politische Öffnung zu einer schrittweisen Reintegration in globale Kapitalmärkte führen, was positive Ratingperspektiven eröffnen würde.
Insgesamt würden Ratingagenturen bei einem solchen Kriegsszenario mehrere Ebenen gleichzeitig analysieren: unmittelbare fiskalische Kosten, Auswirkungen auf Wachstum und Inflation, geopolitische Eskalationsrisiken sowie mögliche strukturelle Veränderungen in Allianzen und Handelsströmen. Besonders sensibel wären Länder mit hoher Auslandsverschuldung, geringer fiskalischer Flexibilität oder starker Abhängigkeit von regionaler Stabilität. Der Konflikt hätte damit nicht nur militärische und politische, sondern auch tiefgreifende finanzielle Konsequenzen, die sich in veränderten Risikoaufschlägen, Ausblicksanpassungen und potenziellen Ratingherabstufungen widerspiegeln könnten.
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