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Moody’s übertrifft die Erwartungen – eine Analyse der Zahlen zum zweiten Quartal 2026

Von Dr. Oliver Everling | 22.Juli 2026

Die Überschrift der neuesten Pressemitteilung „Moody’s Corporation Delivers Exceptional Results For Second Quarter 2026“ erscheint auf den ersten Blick wie eine typische Formulierung aus der Investor Relations-Kommunikation. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob die veröffentlichten Zahlen diese Einschätzung tatsächlich rechtfertigen. Eine Analyse der Ergebnisse zeigt, dass Moody’s die Bezeichnung „exceptional“ nicht allein durch eine optimistische Wortwahl stützt, sondern durch eine Reihe außergewöhnlich starker Kennzahlen, die nahezu alle wesentlichen Leistungsindikatoren betreffen.

Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 15 % auf 2,185 Mrd. US-Dollar. Organisch und währungsbereinigt betrug das Wachstum sogar 16 %, was zeigt, dass der Zuwachs nicht auf Wechselkurseffekte oder Akquisitionen zurückzuführen ist. Für ein Unternehmen der Finanzinformationsbranche stellt ein zweistelliges organisches Wachstum dieser Größenordnung bereits eine bemerkenswerte Leistung dar.

Noch eindrucksvoller fällt die Entwicklung der Profitabilität aus. Die operative Marge erhöhte sich von 43,1 % auf 47,9 %, während die bereinigte operative Marge von bereits sehr hohen 50,9 % auf 55,3 % stieg. Damit erzielt Moody’s operative Margen, die selbst unter führenden Software- und Informationsdienstleistern außergewöhnlich sind. Dass gleichzeitig der Umsatz zweistellig wächst, spricht für erhebliche Skaleneffekte des Geschäftsmodells.

Besonders stark entwickelte sich der Gewinn je Aktie. Das verwässerte Ergebnis je Aktie erhöhte sich um 57 % auf 5,03 US-Dollar. Allerdings verdient diese Zahl eine differenzierte Betrachtung. Ein wesentlicher Teil dieses Anstiegs beruht auf einem Gewinn aus dem Verkauf eines Geschäftsbereichs in Höhe von 181 Mio. US-Dollar. Betrachtet man stattdessen das bereinigte Ergebnis je Aktie, das diesen Sondereffekt eliminiert, verbleibt immer noch ein Wachstum von 31 %. Dieses Wachstum ist weiterhin außergewöhnlich, fällt aber deutlich moderater aus als die 57 %, die in der Überschrift besonders hervorgehoben werden.

Auch der Cashflow bestätigt die starke operative Entwicklung. Der operative Cashflow erhöhte sich im ersten Halbjahr um 32 % auf 1,718 Mrd. US-Dollar, der Free Cash Flow sogar um 34 % auf 1,532 Mrd. US-Dollar. Diese Entwicklung zeigt, dass die Ergebnisverbesserung nicht lediglich bilanzieller Natur ist, sondern tatsächlich zu höheren Zahlungsmittelzuflüssen führt.

Die beiden Geschäftsbereiche entwickelten sich allerdings unterschiedlich dynamisch. Moody’s Analytics steigerte seinen Umsatz lediglich um 4 %, organisch jedoch um 8 %. Dabei fällt auf, dass nahezu sämtliche Umsätze wiederkehrender Natur sind. 99 % der Erlöse stammen aus wiederkehrenden Verträgen, und die Annualized Recurring Revenue stiegen um 9 %. Dies spricht für eine hohe Stabilität und Planbarkeit des Geschäftsmodells. Gleichzeitig zeigt der Rückgang der einmaligen Transaktionserlöse um 72 %, dass die Wachstumsstruktur bewusst in Richtung wiederkehrender Software- und Datenumsätze verschoben wird.

Der eigentliche Wachstumstreiber war jedoch Moody’s Investors Service, also das klassische Ratinggeschäft. Hier stieg der Umsatz um 25 %, während die transaktionsabhängigen Erlöse sogar um 34 % zunahmen. Besonders stark entwickelten sich Corporate Finance (+27 %), Public, Project and Infrastructure Finance (+38 %) sowie Leveraged Loans mit einem Anstieg des Emissionsvolumens um 53 %. Dies deutet auf eine ausgesprochen lebhafte Kapitalmarktaktivität hin, von der Moody’s als führende Ratingagentur unmittelbar profitiert.

Bemerkenswert ist außerdem, dass das Umsatzwachstum nicht mit einem entsprechenden Kostenanstieg einherging. Die operativen Aufwendungen stiegen lediglich um 5 %, während der Umsatz um 15 % zunahm. Dadurch entsteht ein erheblicher operativer Hebel, der die deutliche Margenverbesserung erklärt. Für Investoren ist dies häufig wichtiger als reines Umsatzwachstum, weil es zeigt, dass zusätzliche Erlöse mit überproportional steigenden Gewinnen verbunden sind.

Ein weiteres Indiz für das Vertrauen des Managements in die zukünftige Entwicklung ist die Erhöhung des Aktienrückkaufprogramms. Moody’s plant nun Rückkäufe von bis zu 3 Mrd. US-Dollar statt bislang etwa 2,5 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig wurde die Prognose für das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 16,50 bis 17,00 US-Dollar eingegrenzt, während die Umsatzprognose unverändert im hohen einstelligen Prozentbereich bleibt. Interessanterweise wurden die Erwartungen für den operativen Cashflow und den Free Cash Flow leicht reduziert. Dies relativiert den insgesamt sehr positiven Eindruck etwas und zeigt, dass das Management trotz des hervorragenden Quartals vorsichtig hinsichtlich des weiteren Jahresverlaufs bleibt.

Auch die makroökonomischen Annahmen verdienen Aufmerksamkeit. Moody’s rechnet inzwischen mit einem stärkeren Wachstum des weltweiten Emissionsvolumens von gerateten Anleihen als zuvor angenommen und erwartet gleichzeitig weiterhin robuste Kapitalmärkte. Diese günstigeren Marktbedingungen erklären einen Teil der außergewöhnlichen Entwicklung des Ratinggeschäfts. Das Quartalsergebnis beruht somit nicht ausschließlich auf internen Verbesserungen, sondern auch auf einem ausgesprochen vorteilhaften Marktumfeld.

Insgesamt erscheint die Bezeichnung „exceptional“ überwiegend gerechtfertigt. Umsatz, operative Marge, Cashflow und bereinigtes Ergebnis entwickelten sich gleichzeitig deutlich besser als im Vorjahr. Besonders überzeugend ist die Kombination aus zweistelligem organischem Wachstum und einer operativen Marge von über 55 %. Einschränkend ist jedoch festzustellen, dass der spektakuläre Anstieg des ausgewiesenen Gewinns je Aktie von 57 % teilweise auf einen einmaligen Veräußerungsgewinn zurückzuführen ist. Ohne diesen Sondereffekt bleibt das Gewinnwachstum mit 31 % zwar weiterhin außerordentlich stark, wirkt aber weniger spektakulär. Ebenso profitierte Moody’s erheblich von einem sehr günstigen Kapitalmarktumfeld, insbesondere im Ratinggeschäft. Die Pressemitteilung ist daher zwar erkennbar marketingorientiert formuliert, die zentralen Aussagen werden durch die veröffentlichten Finanzzahlen jedoch weitgehend gestützt. Insgesamt kann das zweite Quartal 2026 aus betriebswirtschaftlicher Sicht tatsächlich als außergewöhnlich erfolgreich bezeichnet werden.

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