« Charityrating: Transparenz und Wirkung von gemeinnützigen Organisationen neu bewerten | Home
Über die richtige Weltkarte streiten
Von Dr. Oliver Everling | 5.September 2026
Die aktuelle Diskussion über die Darstellung der Weltkarte zeigt ein grundlegendes Problem unserer Informationsgesellschaft: Sie versucht immer noch, eine dreidimensionale Realität auf einer zweidimensionalen Fläche abzubilden. Die Debatte darüber, ob Afrika auf bestimmten Weltkarten zu klein erscheint und welche Projektion die Verhältnisse gerechter darstellt, ist nachvollziehbar. Sie bleibt aber letztlich eine Diskussion über die Grenzen der Darstellung. Denn die Erde ist nun einmal keine Fläche, sondern ein dreidimensionaler Körper.
Ein Globus löst das grundlegende Problem auf bemerkenswert einfache Weise. Afrika muss nicht künstlich vergrößert, Europa nicht verkleinert und Grönland nicht korrigiert werden. Die geografischen Verhältnisse ergeben sich unmittelbar aus der dreidimensionalen Darstellung der Erde. Die Frage ist damit weniger, welche Projektion politisch oder gesellschaftlich wünschenswert erscheint, sondern welche Darstellung der tatsächlichen Realität am nächsten kommt.
Genau hier liegt eine interessante Parallele zur Finanzwirtschaft. Auch finanzwirtschaftliche Systeme sind dreidimensionaler, als es ihre Darstellung auf einem Bildschirm vermuten lässt. Beteiligungen, Abhängigkeiten, Kapitalströme, geografische Risiken, Unternehmensverflechtungen und Finanzinstrumente stehen in vielfältigen Beziehungen zueinander. Werden diese Beziehungen auf Tabellen, Diagramme oder zweidimensionale Organigramme reduziert, muss zwangsläufig ausgewählt, vereinfacht und perspektivisch begrenzt werden.
Für finanzwirtschaftliche Entscheidungen ist jedoch nicht entscheidend, wie eine Situation politisch wünschenswert erscheinen soll. Entscheidend ist, wie die tatsächlichen Verhältnisse sind. Ein Investor, Analyst, Risikomanager oder Kreditgeber muss erkennen können, wo tatsächlich Abhängigkeiten bestehen, welche Unternehmen voneinander kontrolliert werden, wo Risiken konzentriert sind und welche finanziellen Beziehungen für eine Entscheidung relevant sind.
Data2Space setzt genau an diesem Punkt an. Statt komplexe Zusammenhänge immer weiter auf zweidimensionale Darstellungen zu reduzieren, können Informationen in einem dreidimensionalen Raum modelliert und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Unternehmen, Beteiligungen, Finanzinstrumente, Risiken und andere Elemente können räumlich zueinander angeordnet werden. Der Nutzer betrachtet nicht nur eine Darstellung, sondern kann sich durch das Modell bewegen und die Beziehungen unmittelbar untersuchen.
Das verändert auch die Bedeutung von Visualisierung. Eine gute Visualisierung sollte nicht in erster Linie eine gewünschte Interpretation erzeugen. Sie sollte helfen, die zugrunde liegenden Verhältnisse möglichst unverfälscht zu erkennen. Genau wie ein Globus eine andere Qualität der geografischen Betrachtung ermöglicht als eine flache Weltkarte, kann eine dreidimensionale Darstellung finanzwirtschaftlicher Zusammenhänge eine andere Qualität der Analyse ermöglichen als ein zweidimensionales Diagramm.
Die Konsequenz ist weitreichend. Je komplexer das untersuchte System wird, desto problematischer kann es sein, seine wesentlichen Beziehungen in einer begrenzten Fläche darstellen zu müssen. Was auf dem Bildschirm nebeneinander angeordnet, verkleinert, ausgeblendet oder in mehreren Ansichten verteilt werden muss, kann in einem räumlichen Modell gleichzeitig vorhanden sein.
Data2Space macht daraus eine praktische Möglichkeit für die Finanzwirtschaft. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr, welche Darstellung einer komplexen Realität am besten in ein Rechteck auf einem Bildschirm passt. Die Frage lautet vielmehr, wie die Realität selbst räumlich modelliert werden kann, damit ihre Beziehungen sichtbar, untersuchbar und gemeinsam diskutierbar werden.
Vielleicht liegt deshalb in der Diskussion über die Weltkarte eine viel größere Erkenntnis: Wenn die Realität dreidimensional ist, sollten wir nicht endlos darüber streiten, welche zweidimensionale Darstellung die beste ist. Wir können beginnen, die dritte Dimension tatsächlich zu nutzen.
Für die Geografie führt das zum Globus. Für die Finanzwirtschaft kann Data2Space daraus einen neuen analytischen Raum machen.
Nicht die politisch gewünschte Darstellung sollte den Ausschlag geben, sondern die Möglichkeit, die tatsächlichen Verhältnisse besser zu erkennen.
Themen: Länderrating | Kommentare deaktiviert für Über die richtige Weltkarte streiten
Kommentare geschlossen.
Börse hören. Interviews zu Ratingfragen im Börsen Radio Network. Hier klicken für alle Aufzeichnungen mit Dr. Oliver Everling seit 2006 als Podcasts.











