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Warum Anleger die Ertragslogik hinter ihren Investments verstehen müssen

Von Dr. Oliver Everling | 13.August 2026

„Wer höhere Renditen erzielen will, muss höhere Risiken eingehen“ – dieser Satz begleitet Anleger seit Jahrzehnten. Als Grundannahme ist er nicht falsch. Doch für die komplexen Kapitalmärkte von heute greift er zu kurz. Denn das Risiko einer Kapitalanlage lässt sich nicht allein daran ablesen, wie hoch die erwartete Rendite ist. Entscheidend ist vielmehr, wodurch diese Rendite entsteht und welche Risikotreiber dahinterstehen.

Dirk Kochhan, Gründer der Schweizer Investment Boutique Vicentum AG, plädiert deshalb für einen Perspektivwechsel. „Entscheidend ist nicht allein, was ein Anleger kauft. Entscheidend ist, welche Ertragslogik hinter der erwarteten Rendite steht und welche Funktion das Investment innerhalb der Vermögensstruktur erfüllt.“ Gerade in einem Umfeld von Zinsunsicherheit, Inflation, geopolitischen Spannungen und volatilen Märkten reiche es nicht mehr aus, Investments lediglich nach Produktkategorie, historischer Schwankung oder einer erwarteten Zielrendite zu beurteilen.

Die klassische Risikobetrachtung konzentriert sich häufig auf die Volatilität. Was stark schwankt, gilt als riskant, was sich vergleichsweise stabil entwickelt, erscheint sicherer. Doch diese Sichtweise kann täuschen. „Schwankung ist nur eine sichtbare Form von Risiko“, betont Kochhan. Liquiditätsrisiken, Bonitätsrisiken, Bewertungsrisiken und Gegenparteirisiken können ebenso relevant sein wie rechtliche Komplexität oder die Abhängigkeit von einem bestimmten Marktumfeld. Manche Risiken werden erst dann erkennbar, wenn die Märkte unter Stress geraten.

Eine zeitgemäße Risikobewertung müsse deshalb nicht nur feststellen, wie stark sich ein Investment bewegt. Sie müsse erklären, warum es sich bewegt. „Eine belastbare Analyse muss fragen: Entsteht der Ertrag aus Marktrichtung, aus Zinsen, aus Kreditprämien, aus Ineffizienzen, aus realen Vermögenswerten oder aus anderen ökonomischen Mechanismen?“ Erst wenn die Ertragsquelle bekannt sei, könne beurteilt werden, welche Voraussetzungen für den angestrebten Ertrag erfüllt sein müssen und welche Szenarien ihn gefährden könnten.

Auch die Bezeichnung eines Finanzprodukts liefert nach Ansicht Kochhans nur begrenzte Orientierung. Ob Fonds, Anleihe, Private Debt, Gold, Sachwert oder alternative Strategie – die Bezeichnung beschreibt zunächst die Hülle, nicht zwangsläufig die wirtschaftliche Funktion. Zwei Investments können ähnliche Renditeziele verfolgen und dennoch völlig unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sein. Während bei einem Investment die Entwicklung der Aktienmärkte entscheidend sein kann, hängt die Rendite eines anderen möglicherweise von Kreditqualität, Sicherheiten, Laufzeiten, vertraglichen Zahlungsströmen oder der Ausnutzung von Marktineffizienzen ab.

Damit verändert sich auch die Bedeutung von Diversifikation. Ein Portfolio kann zahlreiche Anlageklassen und Produkte enthalten und trotzdem erheblichen gemeinsamen Risiken ausgesetzt sein. „Unterschiedliche Produktnamen bedeuten nicht automatisch unterschiedliche Risiken“, warnt Kochhan. Entscheidend sei vielmehr, welche Risikotreiber die einzelnen Bausteine verbinden. Abhängigkeiten von Aktienmärkten, Zinsen, Liquidität, Bonität, Rohstoffpreisen, Immobilienzyklen oder regulatorischen Rahmenbedingungen müssten sichtbar gemacht werden.

Eine solche Betrachtung könne zeigen, ob ein Portfolio tatsächlich diversifiziert ist oder lediglich den Eindruck einer breiten Streuung vermittelt. „Eine echte Diversifikation beginnt nicht bei der Frage, wie viele Produkte ein Portfolio enthält. Sie beginnt bei der Analyse der Risikotreiber.“ Damit rückt die Vermögensstruktur als Ganzes in den Mittelpunkt.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei Investments, deren Ertragsmechanismen weniger stark von traditionellen Aktien- und Anleihemärkten abhängig sind. Kreditstrategien, systematische Handelsansätze, marktneutrale Konzepte, Sachwerte und andere alternative Ertragsquellen können eine solche Ergänzung darstellen. Gerade in einem Umfeld, in dem klassische Marktbewegungen nicht zuverlässig voneinander unabhängig sind, kann die Suche nach zusätzlichen Ertragsquellen für die Portfolioarchitektur interessant sein.

Kochhan warnt allerdings davor, „Marktunabhängigkeit“ mit Sicherheit gleichzusetzen. „Ein geringerer Bezug zu öffentlichen Märkten ist kein automatisches Qualitätssiegel.“ Alternative Strategien könnten ihrerseits erhebliche Risiken aufweisen – beispielsweise Illiquidität, Bewertungsunsicherheit, Komplexität oder eingeschränkte Transparenz. Marktunabhängigkeit ersetze daher keineswegs eine sorgfältige Analyse. Sie verändere lediglich die Art der Risiken, die untersucht werden müssten.

Für Anleger wird damit die Frage wichtiger, welche ökonomische Funktion ein Investment tatsächlich übernehmen soll. Soll es langfristiges Wachstum ermöglichen? Soll es laufende Erträge generieren? Soll es Liquidität bereitstellen, Kaufkraft sichern oder eine zusätzliche, von traditionellen Kapitalmärkten möglichst unabhängige Ertragsquelle erschließen? „Nicht das einzelne Investment steht isoliert im Mittelpunkt, sondern seine Funktion innerhalb der Gesamtstruktur“, sagt Kochhan.

Aus seiner Sicht lassen sich Anlageentscheidungen deshalb auf drei zentrale Fragen zurückführen: Wodurch entsteht die erwartete Rendite? Welche Risikotreiber können diese Rendite gefährden? Und welche Funktion erfüllt das Investment innerhalb der eigenen Vermögensstruktur?

Diese Fragen führen weg von einer rein produktorientierten Betrachtung und hin zu einer systematischen Vermögensarchitektur. Sie helfen, Renditeversprechen nicht isoliert zu betrachten, sondern mit den Bedingungen und Risiken zu verbinden, die ihnen zugrunde liegen. Gerade bei komplexeren oder alternativen Investments wird diese Perspektive entscheidend.

„Rendite ohne Blindflug bedeutet nicht, Risiken zu vermeiden“, fasst Kochhan zusammen. „Es bedeutet, die Ertragslogik einer Kapitalanlage zu verstehen, ihre Risikotreiber einordnen zu können und ihre Funktion innerhalb der Vermögensstruktur bewusst zu definieren.“

Für Anleger bedeutet das einen durchaus anspruchsvolleren, aber auch aufgeklärteren Umgang mit Risiko. Denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: Wie viel Rendite kann ich erzielen? Sie lautet: Welche ökonomische Logik erzeugt diese Rendite – und welches Risiko muss ich dafür tatsächlich übernehmen?

Gerade weil Kapitalmärkte komplexer, politischer und weniger berechenbar geworden sind, entsteht Orientierung nach dieser Sichtweise nicht durch die jeweils höchste Renditeprognose. Sie entsteht durch das Verständnis der Mechanismen, die Renditen hervorbringen, und der Risiken, die damit verbunden sind.

Dirk Kochhan ist Gründer der Vicentum AG, einer Schweizer Investment Boutique mit Fokus auf ausgewählte Investmentstrategien und alternative Vermögensbausteine für anspruchsvolle Investoren. Seit über vier Jahrzehnten ist er als Unternehmer tätig und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Kapitalmärkten, Vermögensstrukturierung und alternativen Investmentstrategien. Aus der Überzeugung, dass nachhaltige Vermögensentwicklung nicht ausschließlich von klassischen Marktbewegungen abhängig sein sollte, entwickelte er den Vicentum Stable Return Ansatz. Die Vicentum AG will den Zugang zu ausgewählten Investmentwelten eröffnen, die häufig institutionellen Investoren, Family Offices oder einem begrenzten Kreis vermögender Anleger vorbehalten sind. Kochhans Leitsatz lautet: „Vermögen verdient mehr als Standardlösungen.“

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