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Data2Space und die nächste Generation der Finanzkommunikation
Von Dr. Oliver Everling | 18.August 2026
Die Digitalisierung der Finanzwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem eines verändert: die Geschwindigkeit und Menge, mit der Informationen verfügbar sind. Geschäftsberichte lassen sich in Sekunden durchsuchen, Finanzdaten werden in Echtzeit aktualisiert, Unternehmensstrukturen können aus unterschiedlichen Quellen rekonstruiert und Portfolios nahezu beliebig detailliert analysiert werden. Dennoch hat sich die grundlegende Form, in der Menschen diese Informationen betrachten und gemeinsam darüber sprechen, vergleichsweise wenig verändert. Tabellen, PDFs, Charts und Präsentationsfolien dominieren weiterhin die finanzwirtschaftliche Kommunikation.
Data2Space setzt genau an dieser Stelle an und entwickelt mit räumlichen Informationsumgebungen einen neuen Zugang zu komplexen Daten. Der entscheidende Gedanke besteht darin, Daten nicht nur grafisch darzustellen, sondern sie in einer Umgebung anzuordnen, die Nutzer selbst erkunden können.
Damit verschiebt sich die Rolle der Visualisierung. Ein klassisches Diagramm beantwortet in erster Linie eine vom Analysten bereits formulierte Frage. Eine interaktive räumliche Umgebung kann dagegen dabei helfen, neue Fragen überhaupt erst zu entdecken. Der Nutzer kann Strukturen aus verschiedenen Perspektiven betrachten, Zusammenhänge verfolgen, Details untersuchen und zwischen unterschiedlichen Ebenen wechseln.
Das ist vor allem bei komplexen Finanz- und Unternehmensdaten interessant. Eine Beteiligungsstruktur kann beispielsweise aus zahlreichen direkten und indirekten Beziehungen bestehen. Ein Unternehmen kann Tochtergesellschaften besitzen, selbst Anteilseigner anderer Gesellschaften sein und gleichzeitig über weitere wirtschaftliche Beziehungen mit anderen Marktteilnehmern verbunden sein. In einer zweidimensionalen Darstellung entstehen schnell überfüllte Diagramme. Eine räumliche Umgebung bietet zusätzliche Möglichkeiten, solche Beziehungen zu ordnen und schrittweise zu untersuchen.
Dabei ist die dritte Dimension nicht allein eine Frage der Optik. Sie kann als zusätzliche Organisationsdimension genutzt werden. Unternehmen könnten beispielsweise nach ihrer Position innerhalb einer Eigentümerstruktur angeordnet werden, Investments nach Anlageklassen oder geografischen Regionen, Vermögenswerte nach Risiko oder Rendite und Geschäftsbereiche nach strategischer Bedeutung. Je nach Fragestellung kann dieselbe Datenbasis unterschiedlich organisiert und betrachtet werden.
Eine solche Umgebung verändert auch die Arbeit des Analysten. Die klassische Analyse beginnt häufig mit einer Tabelle oder einem Bericht. Informationen werden herausgesucht, miteinander verglichen und anschließend in einer Präsentation zusammengefasst. Bei Data2Space kann der räumliche Informationsraum selbst zum Ausgangspunkt der Untersuchung werden. Der Analyst bewegt sich durch die Struktur und nutzt Interaktion, Filter und unterschiedliche Detailebenen, um relevante Zusammenhänge zu identifizieren.
Damit wird die Grenze zwischen Analyse und Präsentation durchlässiger. Die Umgebung, in der Daten untersucht werden, kann zugleich die Umgebung sein, in der die Ergebnisse anderen Personen erklärt werden. Ein Analyst muss nicht zwingend zunächst eine statische Präsentation erstellen, um seine Erkenntnisse zu vermitteln. Er kann die zugrunde liegende Informationsstruktur gemeinsam mit anderen erkunden.
Für die Kommunikation mit Kunden entsteht daraus eine weitere Möglichkeit. Finanzprodukte können als interaktive Erfahrungen dargestellt werden. Bei einer Immobilieninvestition lassen sich beispielsweise Standort, Gebäude, Vermögenswerte, Finanzinformationen und Entwicklungsperspektiven miteinander verbinden. Ein potenzieller Investor erhält damit nicht nur eine Beschreibung des Produkts, sondern kann sich durch dessen digitale Repräsentation bewegen.
Diese Veränderung ist auch aus Marketingperspektive relevant. Finanzprodukte sind häufig erklärungsbedürftig. Je komplexer die Struktur, desto größer die Gefahr, dass potenzielle Kunden entweder von der Informationsmenge überfordert werden oder wesentliche Zusammenhänge nicht erkennen. Eine interaktive Umgebung kann Informationen schrittweise zugänglich machen und den Nutzer selbst bestimmen lassen, welche Aspekte er vertiefen möchte.
Auch Präsentationen erhalten dadurch eine neue Funktion. Statt einer festgelegten Abfolge von Folien entsteht ein Informationsraum, in dem sich die Dramaturgie an den Fragen des Publikums orientieren kann. Ein Gespräch über ein Portfolio kann beispielsweise mit der Gesamtstruktur beginnen und anschließend zu einzelnen Investments, Branchen, Regionen oder Risikofaktoren führen. Die Präsentation folgt dann nicht mehr ausschließlich einem vorbereiteten Ablauf, sondern kann auf die Interessen der Teilnehmer reagieren.
Besonders interessant wird dieser Ansatz, wenn mehrere Personen gleichzeitig mit den Informationen arbeiten. Data2Space ermöglicht kollaborative räumliche Erfahrungen, bei denen Teilnehmer dieselbe Informationsumgebung erkunden können. Damit wird die Visualisierung zu einem gemeinsamen Arbeitsobjekt.
Ein Investmentkomitee könnte beispielsweise ein Portfolio untersuchen, ein M&A-Team eine Unternehmensstruktur analysieren oder eine Beratungsgesellschaft gemeinsam mit einem Kunden eine komplexe Transaktion betrachten. Jeder Teilnehmer kann bestimmte Aspekte untersuchen, während die Gruppe dennoch auf dasselbe Datenmodell zurückgreift.
Das unterscheidet die Technologie grundlegend von einer klassischen Videokonferenz mit Bildschirmfreigabe. Dort betrachten die Teilnehmer in der Regel dieselbe Präsentation. In einer gemeinsamen räumlichen Umgebung können sie dagegen mit den Informationen interagieren. Die Kommunikation wird damit nicht nur visueller, sondern auch interaktiver.
Interessant ist zudem die Möglichkeit, verschiedene Datenquellen miteinander zu verbinden. Finanzinformationen, Unternehmensdaten, Beteiligungsstrukturen, Transaktionsinformationen und weitere Datensätze können innerhalb derselben Umgebung betrachtet werden. Der Mehrwert entsteht dadurch nicht nur aus der Visualisierung jedes einzelnen Datensatzes, sondern aus der Möglichkeit, Beziehungen zwischen unterschiedlichen Informationsarten sichtbar zu machen.
Das könnte insbesondere für Due Diligence und Investmentanalyse relevant werden. Ein Unternehmen wird dann nicht nur über einzelne Dokumente untersucht, sondern als komplexes System betrachtet. Beteiligungen, Assets, Geschäftsbereiche, finanzielle Kennzahlen und andere Informationen können miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ein digitaler Zwilling wird damit zu einem analytischen Objekt, das aus verschiedenen Perspektiven untersucht werden kann.
Die Entwicklung von Data2Space lässt sich deshalb auch als Übergang von der dokumentenzentrierten zur raumzentrierten Informationsverarbeitung verstehen. Dokumente bleiben wichtig. Datenbanken bleiben wichtig. Tabellen bleiben wichtig. Aber über diesen bestehenden Informationsquellen entsteht eine zusätzliche Ebene, auf der Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar werden können.
Dabei ist die Plattformunabhängigkeit von besonderer Bedeutung. Eine räumliche Informationswelt muss nicht zwangsläufig über ein VR-Headset betreten werden. Der Zugang kann ebenso über Desktop oder Web erfolgen. XR wird damit zu einer möglichen Zugangsform zu einem gemeinsamen Informationsmodell und nicht zum Selbstzweck.
Für Unternehmen eröffnet dies die Möglichkeit, dieselbe Datenbasis für unterschiedliche Situationen zu nutzen. Ein Analyst kann am Desktop arbeiten, ein Kunde kann die Informationen über den Browser erkunden und ein Team kann dieselbe Umgebung in einer immersiven Sitzung gemeinsam betreten. Die Informationswelt bleibt dabei dieselbe, während sich die Form des Zugangs verändert.
Genau darin könnte eine der strategisch interessantesten Eigenschaften von Data2Space liegen. Die Zukunft immersiver Anwendungen muss nicht darin bestehen, für jede Anwendung eine abgeschlossene virtuelle Welt zu schaffen. Erfolgreicher könnte ein Modell sein, bei dem bestehende Daten in interoperable räumliche Informationswelten überführt werden, die von unterschiedlichen Nutzern und Geräten verwendet werden können.
Damit verändert sich auch die Vorstellung davon, was ein Dashboard sein kann. Ein Dashboard zeigt Informationen. Eine räumliche Informationsumgebung kann Informationen organisieren, Beziehungen darstellen und Interaktion ermöglichen. Der Nutzer erhält nicht nur Antworten, sondern kann die Struktur hinter den Antworten untersuchen.
Für die Finanzwirtschaft ist dies deshalb besonders relevant, weil finanzielle Entscheidungen selten auf einem einzelnen Datenpunkt beruhen. Entscheidend sind Beziehungen, Abhängigkeiten, Szenarien und Entwicklungen. Genau diese Eigenschaften sind prädestiniert für eine Darstellung, die nicht ausschließlich linear funktioniert.
Data2Space steht damit für einen möglichen nächsten Schritt in der Evolution der Datenvisualisierung. Auf Tabellen folgten Diagramme, auf Diagramme Dashboards und auf Dashboards interaktive Datenwelten. Der nächste Schritt könnte darin bestehen, dass Daten nicht mehr nur auf einer Oberfläche dargestellt werden, sondern selbst eine navigierbare Umgebung bilden.
Die eigentliche Innovation liegt folglich nicht darin, Finanzdaten in 3D zu zeigen. Sie liegt darin, aus Daten einen Raum zu machen, in dem Menschen gemeinsam analysieren, kommunizieren und Entscheidungen vorbereiten können. Aus Information wird Umgebung, aus Visualisierung wird Interaktion und aus Präsentation wird ein gemeinsamer Ort für Erkenntnis.
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