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Nachfolgerating: Wie sich Unternehmensnachfolge messen, bewerten und zukunftsfähig gestalten lässt

Von Dr. Oliver Everling | 14.Oktober 2026

Unternehmensnachfolge gehört zu den anspruchsvollsten Entscheidungen im Leben eines mittelständischen Unternehmens. Sie betrifft nicht nur die Frage, wer künftig Eigentümer oder Geschäftsführer wird. Mit der Nachfolge verändern sich häufig Eigentümerstruktur, Finanzierung, Governance, Management, Unternehmenskultur und strategische Ausrichtung. Das Nachfolgerating schafft einen systematischen Rahmen, um diese Veränderungen zu analysieren und die Qualität einer Nachfolgelösung sichtbar zu machen.

Eine wichtige Grundlage für diesen Ratingansatz bildet das Buch „Nachfolgerating: Rating als Chance für die Unternehmensnachfolge“, herausgegeben von Ann-Kristin Achleitner, Oliver Everling und Stefan Klemm. Das 2005 bei Gabler erschienene Werk umfasst 366 Seiten und versteht Rating ausdrücklich als Instrument zur aktiven Gestaltung der Unternehmensnachfolge. Es entstand vor dem Hintergrund von Basel II und der damit verbundenen stärkeren Bedeutung der Bonität für die Unternehmensfinanzierung.

Die Besonderheit des Buches liegt darin, dass es Nachfolge und Rating nicht als zwei voneinander getrennte Themen behandelt. Vielmehr wird untersucht, wie die Nachfolgesituation selbst auf die Unternehmensbonität wirkt und wie Rating wiederum genutzt werden kann, um eine Nachfolge besser vorzubereiten und zu finanzieren. Das Werk bezeichnet Rating als Managementinstrument und als Bestandteil der „Werkzeugkiste“ des Unternehmers.

Damit greift das Buch eine zentrale Problematik mittelständischer Unternehmen auf: Eine ungeklärte oder schlecht vorbereitete Nachfolge stellt ein wirtschaftliches Risiko dar. Banken, Investoren und andere Kapitalgeber interessieren sich nicht nur für Bilanz und Cashflow, sondern auch für die Frage, ob die Unternehmensführung nach dem Übergang dauerhaft gesichert ist.

Das Buch ist deshalb besonders breit angelegt. Es behandelt etablierte Ratingverfahren ebenso wie die Finanzierung der Nachfolge, die Bedeutung von Basel II und die Rolle interner und externer Ratings. Weitere Beiträge befassen sich mit der geregelten Unternehmensnachfolge, dem bankinternen Rating, Mittelstandsratings, der Rolle des Ratings als strategisches Instrument des Familienunternehmens sowie mit der Beurteilung von Nachfolgeprozessen aus Sicht von Finanzinvestoren.

Besonders interessant ist die Unterscheidung zwischen der Bewertung des Unternehmens und der Bewertung der Nachfolgesituation. Ein Unternehmen kann wirtschaftlich erfolgreich sein und trotzdem ein erhebliches Nachfolgerisiko besitzen. Umgekehrt kann eine sorgfältig vorbereitete Nachfolge einen positiven Beitrag zur zukünftigen Stabilität leisten.

Das Nachfolgerating richtet den Blick deshalb auf die Übergangsfähigkeit des Unternehmens. Ist die Nachfolge rechtzeitig vorbereitet? Sind Verantwortlichkeiten geklärt? Sind Eigentum und Geschäftsführung sinnvoll geregelt? Ist das Wissen des bisherigen Unternehmers gesichert? Verfügt der Nachfolger über die notwendigen Kompetenzen? Ist die Finanzierung des Übergangs tragfähig? Und besitzt das Unternehmen nach dem Generationenwechsel eine überzeugende strategische Perspektive?

Gerade die Finanzierung bildet eine zentrale Schnittstelle. Das Buch entstand in einer Zeit, in der die Auswirkungen von Basel II die Bedeutung von Ratings für die Kreditvergabe deutlich erhöhten. Die Finanzierung einer Nachfolge konnte damit unmittelbar von der Bonität und der Einschätzung des Unternehmens durch Kreditgeber beeinflusst werden.

Heute ist diese Perspektive weiterhin relevant, aber das Nachfolgerating muss wesentlich weiter gedacht werden. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht mehr allein darin, die Finanzierung eines Eigentümerwechsels sicherzustellen. Es geht darum, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens nach dem Übergang zu beurteilen. Damit rückt der Nachfolger selbst stärker in den Mittelpunkt.

Ein Nachfolgerating muss deshalb auch die fachlichen und persönlichen Kompetenzen des künftigen Unternehmers betrachten. Genau hier entsteht eine direkte Verbindung zu den neuen Büchern „Soft Skill Rating“ und „Hard Skill Rating“ von Springer Gabler.

Das 2026 erschienene „Soft Skill Rating“ von Oliver Everling und Dominik Wever beschäftigt sich mit der Messung, dem Management und der Bewertung sozialer Kompetenz. Das Werk zeigt, wie Fähigkeiten wie Kommunikation, Empathie, Resilienz, Führung und Adaptivität systematisch bewertet und in Management- und Ratingprozesse integriert werden können. Dabei kommen unter anderem Verhaltensanker, Situational Judgment Tests, KI-gestützte Analyse und immersive Technologien zum Einsatz.

Für das Nachfolgerating eröffnet dies eine wichtige neue Perspektive. Ein Nachfolger benötigt nicht nur Fachwissen. Er muss Mitarbeiter führen, Konflikte lösen, Vertrauen schaffen, Kundenbeziehungen pflegen und die oftmals über Jahrzehnte gewachsene Unternehmenskultur weiterentwickeln. Gerade bei Familienunternehmen ist die soziale Dimension des Übergangs von erheblicher Bedeutung.

Das „Hard Skill Rating“ von Oliver Everling und Anja Odenthal ergänzt diese Perspektive um die fachlichen Kompetenzen. Für einen Nachfolger sind beispielsweise strategisches Denken, betriebswirtschaftliches Wissen, Branchenkenntnis, Finanzkompetenz, technologische Fähigkeiten und Kenntnisse des jeweiligen Geschäftsmodells relevant.

Damit entsteht ein modernes Kompetenzmodell für Nachfolger: Hard Skills zeigen, was ein Nachfolger fachlich beherrschen muss; Soft Skills zeigen, wie er dieses Wissen in Führung und Zusammenarbeit wirksam macht.

Das Nachfolgerating kann diese beiden Dimensionen mit der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens verbinden. So entsteht ein wesentlich differenzierteres Bild als bei einer reinen Betrachtung der aktuellen Unternehmenszahlen.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen befindet sich in einer technologisch anspruchsvollen Branche. Der Nachfolger besitzt hervorragende soziale Kompetenzen und genießt hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern, verfügt aber nur über begrenzte technologische und strategische Kenntnisse. Das Unternehmen besitzt damit zwar einen starken sozialen Übergang, aber möglicherweise eine fachliche Kompetenzlücke.

Umgekehrt kann ein Nachfolger über hervorragende Branchen- und Finanzkenntnisse verfügen, aber Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter und Kunden für seine Strategie zu gewinnen. Auch daraus entsteht ein Nachfolgerisiko. Genau diese Kombination macht das Nachfolgerating besonders wertvoll. Es bewertet nicht einfach die Person des Nachfolgers, sondern die Passung zwischen Nachfolger, Unternehmen und zukünftigen Anforderungen.

Dabei spielt auch das vorhandene Managementteam eine Rolle. Ein Nachfolger muss nicht jede Kompetenz persönlich besitzen. Entscheidend ist, ob das gesamte Führungssystem die notwendigen Fähigkeiten abdeckt. Ein Nachfolgerating kann deshalb auch die Ergänzungskompetenzen innerhalb der Geschäftsführung berücksichtigen. Damit wird aus dem klassischen Nachfolgerating ein Management- und Kompetenzrating.

Auch die Wissensweitergabe ist entscheidend. Ein mittelständisches Unternehmen verfügt häufig über Erfahrungswissen, das nicht vollständig dokumentiert ist. Kundenbeziehungen, Lieferantenkontakte, Produktionswissen und informelle Entscheidungsstrukturen können über Jahrzehnte entstanden sein. Der Übergang darf deshalb nicht nur rechtlich und finanziell, sondern muss auch wissensbezogen vorbereitet werden.

Das Nachfolgerating kann hier prüfen, wie systematisch der Wissenstransfer organisiert ist. Eine Nachfolge ist dann besonders belastbar, wenn das Unternehmen nicht von einer einzelnen Person abhängig bleibt.

Auch Governance gehört in ein modernes Nachfolgerating. Klare Entscheidungsstrukturen, Beiräte, Kontrollmechanismen und transparente Verantwortlichkeiten können den Übergang stabilisieren. Das Buch „Nachfolgerating“ widmet der Governance und der geregelten Nachfolge ausdrücklich eigene Beiträge.

Damit entsteht eine Verbindung zum Governancerating. Eine gute Nachfolge braucht nicht nur einen geeigneten Nachfolger, sondern auch eine Organisation, die den Wechsel dauerhaft trägt.

Die Digitalisierung erweitert diese Möglichkeiten nochmals. Mit Data2Space kann das Nachfolgerating als immersive Informationslandschaft dargestellt werden. Der Nachfolger steht dabei nicht isoliert im Mittelpunkt. Vielmehr lassen sich seine Kompetenzen mit dem Unternehmen, dem Managementteam, den Kunden, Lieferanten, Märkten, Branchen und weiteren Faktoren verbinden. Dadurch wird sichtbar, welche Kompetenzen für die konkrete Unternehmenssituation erforderlich sind.

Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber einer statischen Bewertung. Ein Nachfolger kann beispielsweise über hervorragende Hard Skills verfügen, während das Unternehmen gleichzeitig vor einer großen kulturellen Veränderung steht. In diesem Fall gewinnen Soft Skills an Bedeutung. In einem anderen Unternehmen steht dagegen eine technologische Transformation bevor, sodass Hard Skills und Innovationskompetenz stärker gewichtet werden. Data2Space kann diese Zusammenhänge immersiv darstellen und damit aus einem Nachfolgerating ein Zukunftsmodell für das Unternehmen machen.

Auch die Finanzierung lässt sich integrieren. Das Unternehmensrating zeigt die aktuelle finanzielle Stabilität. Das Nachfolgerating bewertet die Qualität des Übergangs. Das Hard Skill Rating und Soft Skill Rating liefern Informationen über die Kompetenz des Nachfolgers. Das Managementrating betrachtet die gesamte Führungsstruktur. Das Branchen- und Länderrating beschreibt das externe Umfeld.

Aus diesen einzelnen Ratingdimensionen entsteht ein Gesamtbild der Nachfolgefähigkeit. Damit wird das Nachfolgerating zu einem Bindeglied zwischen Unternehmensbewertung, Personenbewertung und Zukunftsanalyse.

Der große Gedanke des Buches „Nachfolgerating“ erhält dadurch eine neue Aktualität. Was 2005 vor allem unter den Bedingungen von Basel II und der Finanzierung mittelständischer Unternehmensnachfolgen diskutiert wurde, lässt sich heute auf eine wesentlich breitere Grundlage stellen. Die Finanzierung bleibt wichtig, aber hinzu kommen Kompetenz, Governance, Digitalisierung, Innovationsfähigkeit, Unternehmenskultur und Resilienz.

Die neuen Bücher „Soft Skill Rating“ und „Hard Skill Rating“ erweitern diesen Gedanken um eine systematische Betrachtung der Person hinter der Nachfolge. Das Nachfolgerating kann dadurch nicht nur fragen, ob eine Nachfolge finanziell möglich ist, sondern ob der Nachfolger über die fachlichen und sozialen Fähigkeiten verfügt, um das Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln.

Der eigentliche Gamechanger liegt in der Verbindung dieser Perspektiven. Das Nachfolgerating bewertet den Übergang. Das Hard Skill Rating bewertet die fachliche Kompetenz. Das Soft Skill Rating bewertet die soziale Kompetenz. Das Managementrating betrachtet das Führungssystem. Das Unternehmensrating beschreibt die wirtschaftliche Ausgangslage. Data2Space kann diese Informationen in einem gemeinsamen immersiven Raum miteinander verbinden.

So entsteht eine neue Sicht auf die Unternehmensnachfolge. Nicht mehr allein die Frage „Wer übernimmt?“ steht im Mittelpunkt, sondern: Welche Kompetenzen bringt der Nachfolger mit? Welche Kompetenzen benötigt das Unternehmen? Wie gut passen Nachfolger und Geschäftsmodell zusammen? Welche Risiken entstehen durch den Übergang? Und wie verändert sich die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens nach der Übergabe?

Das Nachfolgerating wird damit vom klassischen Finanzierungsinstrument zu einem umfassenden Zukunftsrating für die nächste Generation. Es macht sichtbar, ob aus einem Eigentümerwechsel tatsächlich ein erfolgreicher Übergang in die nächste Unternehmensgeneration wird.

Themen: Hard Skill Rating, Mittelstandsrating, Nachfolgerating, Soft Skill Rating | Kommentare deaktiviert für Nachfolgerating: Wie sich Unternehmensnachfolge messen, bewerten und zukunftsfähig gestalten lässt

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