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Ausfallrisiken auch bei Depotbanken beachtlich

Von Dr. Oliver Everling | 30.September 2011

Die Komplexität der Wahl der richtigen Depotbank und Master-KAG wird oft unterschätzt. Selbst institutionellen Investoren sind oft die vielfältigen Faktoren nicht bewusst, die bei der Entscheidung zu berücksichtigen sind, wem Kapital zur Verwaltung anzuvertrauen ist. „Die Depotbankfunktion hatte früher eher Hinterhofcharakter“, sagt Arnulf Manhold, Berater der itechx GmbH aus Frankfurt am Main, anlässlich der Buchvorstellung „Rating von Depotbank und Master-KAG“ (herausgegeben von Volker Braunberger, Dr. Oliver Everling und Uwe Rieken im Gabler Verlag, ISBN SBN 978-3-8349-2578-7). Master-KAGen und Depotbanken bieten oft ähnliche Dienstleistungen an und geraten in Konkurrenz zueinander, bemerkt Manhold.

Manhold macht darauf aufmerksam, dass auch das Kreditrisiko eine Rolle spielen kann. Der Fall der Lehman-Bank zeige, wie lange Anleger auf die Abwicklung ihrer Ansprüche warten müssen, selbst wenn diese grundsätzlich gesichert seien. Die Fragen nach dem effizientesten und transparentesten Anbieter gemäß Depotbankrating sowie nach dem Kreditrating seien daher verwandt.

Die institutionellen Investoren begannen nach der Lehman-Pleite, die Qualität ihrer Abwicklungspartner zu hinterfragen. So wurden Aufträge nicht abgewickelt, die bei Lehman in Auftrag gegeben worden seien. Uwe Trautmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Helaba Invest GmbH, mit seiner Gesellschaft selbst Gegenstand eines Ratings durh eine unabhängige Ratingagentur, weist auf die Problematik hin.

Dietmar Roessler, Mitglied der Geschäftsleitung der BNP Paribas Securities Services S.A., wie Trautmann auch Mitautor des Buches „Rating von Depotbank und Master-KAG“ fügt weitere Beispiele hinzu, wie der Lehman-Fall auch bei den Beziehungen von Depotbanken und Master-KAGen zu ihren Kunden Spuren hinterlassen habe, da heute mehr noch als zuvor Fragen nach den Qualitästen der Anbieter gestellt würden.

Asset Management und Handel müsse getrennt werden, fordert Roessler. Asset Manager machten mit der Kombination beider Geschäftsarten gute Geschäfte, im Interesse der Sicherheit seien diese Funktionen aber besser zu trennen. Dafür müssten standardisierte und effiziente Prozesse sichergestellt werden. Madoff sei ein Beispiel für massive Interessenkonflikte, die nicht erkannt und nicht hinterfragt worden seien. „Das hätte damals auch hier passieren können“, glaubt Roessler. Jetzt sei durch das Depotbankrundschreiben – die „deutsche Reaktion“ darauf – die konkrete Auslegung des Gesetzes niedergeschrieben worden.

Die Fondsbuchhaltung der KAG muss exakt durch die Depotbank gespiegelt werden. Das klassische Modell sei aber in Deutschland, dass die KAG den Fondspreis kalkuliere. „Die Kontrollen waren nicht systematisch genug.“ Die unabhängige Replizierung des Fondspreises sieht Joachim Hüfken von der LBBW als ein wichtiges Element zur heutigen Sicherung der Funktionsfähigkeit des Systems.

„Wenn wir in Kolumbien z.B. oder anderen Ländern Wertpapiere verwahren müssen, stehen wir für die Auswahl der Partner ein“, sagt Roessler, aber die Frage der Verhältnismäßigkeit der Anlage zur Tragfähigkeit der Partner sei ein Anlegerrisiko. Die Depotbanken würden viele Risiken schlucken müssen, ohne sie kostenmäßig weitergeben zu können.

Der wichtigste Punkt sei eigentlich die Trennung der eigenen Bestände von fremden Beständen, meint Manhold. Die großen, internationalen Anbieter hätten „eine Riesentruppe“, um Kontrolle auszuüben bei allen Depotstellen.

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