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China und Zinsen wirken auf Länderrisiken

Von Dr. Oliver Everling | 2.November 2015

In das „Emerging Market Banks & Sovereigns Seminar“ von S&P’s führt Christian Friedrich ein, neuer Director, Investor Communications & Market Development von Standard & Poor’s Ratings Services. Moritz Kraemer, Chief Rating Officer, Sovereign Ratings bei S&P’s, seit der Schuldenkrise der Staaten eines der bekanntesten Gesichter von S&P’s in Deutschland, befasst sich in seinem Vortrag mit den Risiken souveränder Staaten in einem Umfeld steigender Zinsen. Ein spezieller Fokus gilt China und die Wachstumsabschwächung, die aus China zu erfahren ist.

Brasilien und Russland markiert Kraemer als „Fallen Angels“. Einst Hoffnungsträger gemeinsam mit den anderen BRIC-Staaten, sind diese inzwischen auf spekulatives Niveau nach Maßstäben der US-amerikanischen Agentur abgesunken. Zurzeit gibt es einen leicht negativen Überhangg neggativer Ausblicke für Staatenrisiken insesamt. Vier positiven Ausblicken stehen fünf negative gegenüber, zeit die Statistik von S&P’s. In den Jahren 2010 und 2011 prognostizierte S&P’s überwiegend Verbesserungen.

Welches sind die hauptsächlichen Risiken, mit denen es die Schwellenländer zu tun haben? In jedem Monat macht S&P’s einen Webcast zu Länderrisiken, aus diesem präsentiert Kraemer Befragungsergebnisse. 21 % sehen die Steigerung der globalen Zinssätze als Hauptrisiko, 29 % das Ausmaß der Verschuldung (levverage), 41 % die schnelle Abschwächung des Wachtums in China und 9 % können dazu keine Angaben machen.

Kraemer knüpft an diese Befragungsergebnisse in einer weiteren Untersuchung an, in der die Verwundbarkeit von Staaten gegen dominante Risiken untersucht wird. Zinsen, Leverage und China sind die drei Faktoren, die hier eingehend analysiert werden. In Südafrika besehe ein besonders hohes Chinarisiko. In Südafrika gab es allerdings keinen Kreditboom, so dass in dieser Hinsicht die Verwundbarkeit von Südafrika dagegen äußerst niedrig ist.

In der Türkei sei umgekehrt das Deleveraging Thema Nummer Eins, aber das Chinarisiko sehr gering. „Im Gegenteil, die Türkei könnte sogar eine positive Entwicklung mitnehmen, wenn sich das Wachstum in China abschwächt, da die Türkei u.a. Importeur von Rohstoffen ist.“ Die Türkei steht insofern in einem Konkurrenzverhältnis zu China, das sich bei einer Schwäche Chinas zugunsten der Türkei verschiebt. Angesichts der differenzierten Ergebnisse auch zu allen anderen, von S&P’s untersuchten Ländern warnt Kraemer davor, die weltwirtschaftlichen Wirkungen zu pauschalisieren und warnt davor, sich nicht im Einzelnen mit den Risiken souveräner Staaten zu befassen. „Insbesondere die verwundbaren Staaten sind eher von Downgrades betroffen.“

In einer Befragung von S&P’s gehen 4 % der Befragten davon aus, dass China bis 2020 nie unter 6 % wachsen werden. Die Hälfte der Investoren glaubt an 4 % bis 6 % als Mindestwachstum. Nur 8 % denkt, dass China in diesem Zeitraum auch einmal mit einer Wachstumsrate von nur 2 % oder weniger wachsen könnte. In einer weiteren Befragung zeigt sich, dass 34 % der Investoren in Asien die besten Wachstumsaussichten sehen, Europa 30 %, Afrika 11 %, Lateinamerika 9 % und Mittlerer Osten 5 %.

Während Brasilien BB+/Negative, Russland BB+/Negative und Indien BBB-/Stable von S&P’s geratet werden, bringt es China bei S&P’s auf AA-/Stable. Die BRIC-Staaten Brasilien und Russland liegen bei S&P’s gleichauf mit der Türkei. Mit BB+ werden auch Ungarn (stable), Indonesien (positive) beurteilt. Gleichauf mit China liegt nach Ansicht von S&P’s Chile mit AA-/Stable.

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