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Deutscher Aufschwung verkraftet Japan

Von Dr. Oliver Everling | 18.März 2011

Die direkten Folgen des Erdbebens vom 11. März 2011 in Japan für die deutsche Wirtschaft sind derzeit noch überschaubar, denn der Einfluss Japans auf die Ex- und Importe Deutschlands ist nicht allzu groß. „Es gibt Branchen wie den Maschinenbau oder auch Autohersteller bzw. -zulieferer, die intensiver auf dem japanischen Markt aktiv sind. Jedoch ist der Aufschwung in Deutschland so robust,“ schreibt D&B in einer Pressemeldung, „dass er mögliche Ausfälle weitgehend kompensieren kann.“

Der Aufschwung in Deutschland kann nur durch „hausgemachte“ Probleme abgewürgt werden, wenn beispielsweise die Energieversorgung durch Abschalten von Kraftwerken unterbrochen oder erheblich verteuert würde.

Derzeit erwartet D&B für das laufende Jahr in Japan kein Wachstum mehr und senkt die Prognose von 0,6 Prozent auf minus 0,4 Prozent. Sollte sich die atomare Katastrophe jedoch noch vergrößern, ist ein stärkerer Abschwung der japanischen Wirtschaft fast zwangsläufig, folgert der Auskunftsdienst. D&B hat den Risiko-Indikator für Japan von DB2c auf DB3a heruntergestuft.

Von der Rationierung der Stromversorgung hängt stark die Versorgung mit Lebensmitteln ab. Ebenso müssen Transportwege in manchen Gebieten völlig neu geschaffen werden. „Erst in den kommenden Wochen wird sich abzeichnen,“ warnt D&B, „wie schwer die Lieferketten im japanischen Export und auf dem Heimatmarkt betroffen sind.“ Insgesamt geht D&B davon aus, dass die Auswirkungen beträchtlich schwerwiegender sein werden als nach dem Erdbeben von Kobe 1995, das einen wirtschaftlichen Schaden von 100 Mrd. USD verursachte.

Für Japans sei auch Inflation wieder ein Thema, denn D&B erwartet aktuell eine Inflationsquote von 0,6 Prozent für das laufende Jahr, während Anfang des Jahres noch eine leichte Deflation prognostiziert war. „Auch im besten Fall werden die fehlenden Kapazitäten zur Stromerzeugung im Osten Japans aufgrund mehrerer vom Netz genommener Atomkraftwerke dazu führen, dass auch in Gebieten, die nicht vom Tsunami betroffen sind, Fabriken geschlossen werden müssen.“

Einzelne Wirtschaftsbereiche werde es hart treffen – Bereiche in denen Japan traditionell sehr stark ist, wie Automobil und IT/Elektronik. „Derzeit steht die Produktion bei Toyota, Honda und Nissan still. Bei anhaltend starker Nachfrage vor allem aus China und den USA bleibt abzuwarten, ob es die japanischen Autohersteller schaffen werden, rechtzeitig wieder mit der Produktion zu beginnen.“ Andernfalls könnte es zu Verschiebungen beim weltweiten Automobilabsatz kommen. Auch die Chipindustrie in Japan könne derzeit nicht produzieren. Hier gab es zwar keine direkten Schäden an den Fabriken, trotzdem müssen die empfindlichen Maschinen noch hinsichtlich möglicher Beschädigungen untersucht werden, bevor die Produktion wieder angefahren werden kann.

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