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EZB als Illusionistin

Von Dr. Oliver Everling | 21.April 2016

Europas Währungshüter halten an ihrem Kurs unbeirrt fest – und das, obwohl die Möglichkeiten, mittels Nullzinspolitik und expansiver Anleihekäufe auf die Realwirtschaft einzuwirken, höchst umstritten und im Ergebnis sehr begrenzt sind. Dass sich das Gesamtbild an den Finanzmärkten momentan freundlicher zeigt, ist jedoch kein Verdienst der Geldpolitik. Entscheidend für den Stimmungswandel ist vielmehr die positive Veränderung wichtiger Konjunkturindikatoren, die nach dem extrem schlechten Start in das neue Anlagejahr so schnell nicht zu erwarten war.

„Noch hält die EZB die Illusion einer monetären Vollkasko-Welt aufrecht. Die bessere Stimmung an den Märkten ist dabei jedoch fundamental nicht untermauert. Nur wenige Probleme sind wirklich gelöst,“ beschreibt Dr. Heinz-Werner Rapp, Chief Investment Officer der FERI Gruppe, die gegenwärtige Lage.

Drei Faktoren sind ausschlaggebend für den neuen Optimismus der Anleger: Die US-FED hat die Zinswende gestoppt, der Ölpreis hat sich oberhalb von 30 Dollar je Barrel stabilisiert und aus China kommen deutliche Signale zu harten Struktur-Reformen.

Dennoch ist und bleibt die Geldpolitik für die Finanzmärkte das Zünglein an der Waage – nicht nur in Europa. Der Blick geht längst nach Japan. Dort kommen die Notenbanker in der nächsten Woche zu einer mit Spannung erwarteten Sitzung zusammen. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Bank von Japan, die seit mehr als zwei Jahrzehnten vergeblich mit einer Politik des billigen Geldes gegen die Wirtschaftskrise im Land ankämpft, tatsächlich mit dem viel diskutierten Helikoptergeld – also direkten monetären Transfers an die Bevölkerung – ein neues geldpolitisches Experiment vorbereitet. „Dass solche radikalen Maßnahmen nicht nur in Japan, sondern auch in Europa verstärkt diskutiert werden, zeigt, dass die Notenbanken mir ihrer expansiven Politik an ihre Grenzen gestoßen sind. Die Entzauberung der obersten Währungshüter hat längst begonnen.“ stellt Rapp fest. 

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