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Was verdienen Beamte

Von Dr. Oliver Everling | 20.April 2016

Was Torsten Ermel in seinem Buch vorrechnet „bedeutet, dass – unter Einbeziehung der Privilegien – 100 % der Beamten effektiv wesentlich mehr verdienen als der durchschnittlich verdienende Arbeitnehmer“. Zu diesem Ergebnis kommt jeder, der sich in den neuesten Titel von Torsten Ermel „Beamte – Was die Adeligen von heute wirklich verdienen“ aus dem Tectum Verlag vertieft (ISBN 978-3-8288-3656-3). Sein Ergebnis ist insbesondere deshalb alarmierend, da in den untersten Besoldungsgruppen ohnehin kaum noch ein Beamter tätig ist. Die große Mehrheit erreicht real Spitzengehälter, die eben nur nicht explizit ausgewiesen werden.

Ermel befasst sich mit dem Vergleich von Angestellten und Beamten. Auf die vielen Ungerechtigkeiten, die zusätzlich noch im Verhältnis zu Millionen von Selbständigen zu finden wären, kommt er nur am Rande zu sprechen. Tatsächlich genügt die Betrachtung der Diskrepanzen zwischen der Behandlung von Angestellten und Beamten in Deutschland, um kaum Zweifel an der Selbstbedienung der Beamten in deutschen Parlamenten zu haben.

Das Buch von Ermel gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil werden grundlegende Begriffe wie Alimentation, Nominal-, Schatten- und Effektiveinkommen eingeführt, die Verhältnisse von Beamten und Angestellten in Bezug auf Familie, Krankheit und Tod, Riesterrente und Riesterfaktor, Altersversorgung, Arbeitslosenversicherung, Einkommensbesteuerung und sonstigen Privilegien dargestellt.

Dem Leser wird die gesamte Bandbreite der Privilegien vor Augen geführt: Familienzuschläge, Krankenversicherung und Beihilfe, Pflegeversicherung, Sterbegeld, Berufs-, Erwerbs- und Dienstunfähigkeit sind dazu Stichworte. Besonders kompliziert wird es angesichts der Wankelmütigkeit des Gesetzgebers bei den Renten und Pensionen – nur bleibt das Grundprinzip erkennbar, Beamte gegenüber anderen Bürgern bei gleicher Arbeitsleistung zu bevorzugen.

Das Kernstück des Buches ist der zweite Teil, der genau die Einkommensunterschiede aufzeigt und vor Augen führt, wie viel mehr Bruttogehalt ein Angestellter verdienen muss, um an seine beamteten Kollegen real heranzureichen.

Im dritten Teil befasst sich Ermel mit der öffentlichen Meinungsbildung und einem konkreten, fundierten Vorschlag zur Reform der Sozialversicherung. So bemerkt Ermel z.B. auch das Verhalten der Kirchen zu diesem Thema. „Auch die Mitarbeiterschaft der Kirchen besteht aus Beamten und Quasibeamten. Die Repräsentanten der Kirchen, von denen einige aufs Stichwort jede soziale Ungerechtigkeit anprangern können, verhalten sich zum Thema Beamtenprivilegien merkwürdig still. Liegt es daran,“ fragt Ermel, „dass sie selbst Beamte sind?“

„Gerechtigkeit erhöht ein Volk“, zitiert Ermel die Sprüche Salomos Kapitel 14, Vers 34a. „Unter diesem Motto wird gerne gegen die Hartz-Gesetze gepreditgt. Wie wäre es einmal“, ruft Ermel auf, „mit einer Predigt gegen die Beamtenprivilegien?“

Obwohl nicht grundsätzlich neu, so sind die Aufdeckungen von Torsten Ermel doch ein aktualisierter Beweis für die Fehlsteuerung volkswirtschaftlicher Ressourcen in Deutschland. Die Ausgestaltung des Beamtenstatus in Deutschland ist in besonderem Maße dumm: Einerseits werden den Steuerzahlern Opfer aufgebürdet, die weder ökonomisch, noch mit Gerechtigkeitsprinzipien zu begründen sind. Andererseits führt die mangelnde Transparenz der Beamtenprivilegien aber auch dazu, dass sich viele Beamte unterbezahlt fühlen oder neidisch auf die private Wirtschaft schauen, obwohl sie in Wirklichkeit sogar noch besser gestellt sind. Die Umsetzung der Forderungen von Ermel dürfte daher sowohl für Angestellte, als auch für Beamte ein Gewinn sein.

Beamte – Was die Adeligen von heute wirklich verdienen

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  • Die meisten Unternehmen messen ihre Erfolge auch heute noch in Währungseinheiten, in Euro oder Dollar zum Beispiel. Dabei lassen sich die Einflussfaktoren des Erfolgs nicht allein an einer Zahl abbilden. Zur Steuerung von Investitionen reicht es einerseits nicht aus, Investitionen lediglich zu beschreiben, andererseits sind viele Umstände nicht kardinal zu skalieren. Klassifizierungen mit Ratingskalen sind daher eine Methode, mehr Transparenz für praktische Entscheidungen zu schaffen.