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Für Versicherer wird es enger

Von Dr. Oliver Everling | 3.Februar 2015

„Niedrige Credit Spreads und tendenziell längere Laufzeiten lassen erhöhte Volatilität erwarten, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld eintrüben sollte“, berichtet Christian Badorff, Associate Director, Financial Services Ratings – Insurance bei Standard & Poor’s Ratings Services auf dem 10. Standard & Poor’s Versicherungssymposium in Frankfurt am Main. Deutsche Versicherungsgruppen profitieren von starker Kapitalisierung ihrer Schadenversicherer, während Lebensversicherer unter den relativ hohen Garantien und dem großem ALM-Mismatch leiden, berichtet Badorff über die Unsicherheiten, die trotz Solvency II bleiben werden.

Übergangsregelungen würden für Lebensversicherer auskömmliche Ergebnisse zum Jahresende 2013 zeigen. 2014 werde aber vermutlich schlechter aussehen. Unternehmen mit internem Modell haben den Vorteil, Risiken unternehmensspezifischer zu erfassen. In einigen Häusern bleibe allerdings noch einiges zu tun.

Die positive Prämienentwicklung werde von stetiger Wirtschaftsentwickllung und Preisanpassungen getragen. Das Prämienwachstum seit 2011 sesi vornehmlich durch geändertes Pricing begründet. „Wir erwarten für 2015 – 2016 abnehmende Wachstumsdynamik“, sagt Badorff. Preiserhöhungen seien insbesondere in unprofitablen Bereichen, wie Kfz und Wohngebäuden, zu erwarten. „2014 war versicherungstechnisch ein sehr gutes Jahr“, berichtet Badorff, die Reservierungsniveaus seien unverändert stark. Beständig niedrige Zinsen und kürzere Aktivduration setzen weiterhin Druck auf die Kapitalerträge.

Das klassische langfristige Sparprodukt verliere eindeutig an Attraktivität, sagt Badorff eine Prognose, obwohl Marketingthemen nicht im Kernkompetenzfeld des Ratings stünden. Gleichzeitig sei Kaufzurückhaltung bei Produkten ohne Garantien zu beobachten, wenngleich derzeit abnehmende Risikoaversion zu erkennen sei. Das Kernproblem der Lebensversicherer besteht darin, dass die nachhaltig zu erzielenden Erträge schneller sinken als die Garantien. Die Umlaufrendite liegt unter dem Niveau der durchschnittlichen Garantie im Bestand. Badorff argumentiert anhand der Entwicklung der Kapitalanlageerträge usw., dass im Ausgleich der Marktschwankungen auch eine Wertschöpfung der Versicherungswirtschaft bestehe.

DIe ZZR-Anforderungen seien weniger zinssensitiv. Anhand der Zinszusatzreserven lassen sich die Probleme analysieren: Badorff erläutert die Deckungsrückstellung nach Tarifgenerationen. Im Szenario steigender Zinsen können bereits die Jahre 2015 und 2016 herausfordernd werden. Zinssensitiv seien aber die erforderlichen Aktivreserven.

Reduktion Gewinnbeteiligung, Stärkung Kapitalanlageergebnis, Ausbau Kosteneffizienz, Pricing und weitere Herausforderungen schränken die Handlungsmöglichkeiten der Versicherungsgesellschaften ein. Das Branchenrisiko für deutsche Lebensversicherer hat sich erhöht, jedoch bleibe das Länder- und Branchenrisiko bei S&P’s in der Kategorie 3. Auch die Krankenversicherung ist zinssensibel, denn der Zins muss in der Beitragsanpassung berücksichtigt werden. Auch bei Krankenversicherern bleibe S&P’s insgesamt aber bei der Kategorie 3 für deutsche Adressen. „Eine 4 hätte Ratingveränderungen zur Konsequenz, diese erwarten wir derzeit aber nicht“, sagt Badorff.

Ratings einiger Leben- und Krankenversicherer profitieren davon, dass sie Kernbestandteile diversifizierter Gruppen sind. Die Ratingentwicklung bleibe weitgehend stabil. Dies misst S&P’s u.a. mit einem Indikator, dass über einen Ratinghorizont von ein bis zwei Jahren stabile Ratings zu erwarten sind. „Jedoch wird der Handlungsspielraum der Lebensversicherer zunehmend enger“, warnt Badorff.

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