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Griechenland im Alleingang abwärts

Von Dr. Oliver Everling | 16.März 2015

Die FERI EuroRating Services stuft im März das Sovereign Rating von Spanien, Portugal, Irland, Estland und Litauen herauf. Das Risiko eines Zahlungsausfalls Griechenlands ist dagegen nochmals gestiegen.

Erfolgreiche Strukturreformen und Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung in Spanien, Portugal, Irland, Estland und Litauen wirken sich positiv auf die Bonitätseinschätzung aus. Das Defizit des staatlichen Haushalts ist in allen diesen Ländern rückläufig, und gute Wachstumsperspektiven lassen eine Fortsetzung dieses Trends auch in den kommenden Jahren wahrscheinlich erscheinen. FERI stuft deshalb die Bonitätseinschätzung Estlands auf A herauf. Die Einschätzung für Spanien, Irland und Litauen verbessert sich auf A-, diejenige von Portugal auf BBB.

Die jüngsten Entwicklungen in Griechenland erhöhen das Risiko eines Zahlungsausfalls: Trotz der Ende Februar im Grundsatz beschlossenen Fortführung des laufenden Hilfsprogramms hat die griechische Regierung bislang nicht die zugesagten Voraussetzungen zur Auszahlung der ausstehenden Gelder geschaffen. Ob dies bis Ende April gelingt, erscheint derzeit ungewiss. Darüber hinaus hat die Unsicherheit infolge des Regierungswechsels offenbar zu einem deutlichen Rückgang der Steuereinnahmen und zu Kapitalflucht in erheblichem Ausmaß geführt. Die tatsächliche Lage der staatlichen Finanzen ist in Ermangelung aktueller Daten im Moment nicht verlässlich abzuschätzen. Angesichts dessen kann nicht ausgeschlossen werden, dass bereits in den kommenden Wochen die griechische Regierung ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Gläubigern nicht erfüllen kann. Eine Herabstufung im Rating auf die Stufe CCC ist deshalb unumgänglich.

Das Sovereign Rating Russlands wurde im März 2015 um zwei Stufen auf BB herabgestuft. Der Verfall der Ölpreise, die Rubelschwäche und die Wirtschaftssanktionen führen zu einer scharfen Rezession der russischen Wirtschaft im Jahr 2015. Auch für das Jahr 2016 ist bestenfalls mit einer leichten Erholung zu rechnen. Der Staatshaushalt weist aktuell ein Defizit auf, und auch in den kommenden Jahren ist mit einem defizitären Haushalt zu rechnen. Auch die anhaltenden Unsicherheiten hinsichtlich einer Lösung der Ukraine-Krise und das damit verbundene Risiko einer weiteren Verschärfung von Sanktionen belasten die Bonität Russlands.

Die Bonitätseinschätzung der Ukraine wird um zwei Stufen auf CCC+ herabgestuft. Das Land kann bereits heute seine Zahlungsverpflichtungen nur mittels internationaler Hilfen, u.a. Kredite seitens des IWF, erfüllen. Mit der Forderung des IWF, die Gläubiger an einem neuen Hilfsprogramm zu beteiligen, wird ein Schuldenschnitt und damit verbunden ein teilweiser Zahlungsausfall in den kommenden Monaten wahrscheinlich.

Das Sovereign Rating Indiens wurde auf BBB heraufgestuft. Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum haben sich unabhängig von den jüngst publizierten Veränderungen in der Berechnungsmethodik des BIP spürbar verbessert, unter anderem wegen niedriger Energiekosten, einer stringenten Bekämpfung der hohen Inflation sowie einer insgesamt wirtschaftsfreundlicheren Haltung der Regierung. Das Haushaltsdefizit bleibt zwar vorerst hoch, jedoch ist ab dem Jahr 2016 mit einem allmählichen Rückgang des Schuldenstandes zu rechnen.

Im März wurde außerdem das Sovereign Rating der Tschechischen Republik auf AA- heraufgestuft. Gesenkt wurde die Bonitätseinschätzung für Venezuela, und zwar mit CCC- auf die zweitniedrigste Stufe oberhalb des Defaults.

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