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Kriminelle schauen ihren Opfern zu

Von Dr. Oliver Everling | 23.April 2008

Selbstbedienungsautomaten sind für Banken wichtig und strategisch interessant. Aktuelle Studien sprechen eine deutliche Sprache, fasst Cornelia Zwirnmann, Business Consultant der SARROS GmbH zusammen: Die Nutzung der Geräte erfreut sich bei den Kunden der Banken und Sparkassen großer Beliebtheit. „Leider ist der Umgang mit Geldautomaten mehr und mehr mit Sicherheitsbedenken verbunden: Zahlreiche Untersuchungen, zum Beispiel des DSGV, gaben Aufschluss über die Häufigkeit von Manipulationen am Geldautomaten.“ Den Untersuchungen zufolge kann der Schaden durch die manipulativen Eingriffe eine Höhe von ca. 3,5 Millionen Euro erreichen, gibt Zwirnmann die Statistik wieder. Dies bedeutet eine erhebliche Steigerung zu den Vorjahren. Die Polizei berichtet ebenfalls zunehmend von Manipulationen an Geldautomaten, die häufig die Plünderung der Konten ahnungsloser Opfer zur Folge haben.

Grundsätzlich florieren mehrere Betrugswege, so Zwirnmann: „Neben dem klassischen Kopieren der Karte existiert ein äußerst geringes Risiko des Erratens bzw. Errechnens der PIN.“ Nach wie vor einer der beliebtesten Wege für Kriminelle sei das „Abfangen“ von Karten oder PINs, die per Post verschickt werden. „Ein besonderes Risiko stellt leider immer noch der Kartenbesitzer selbst dar, indem er trotz zahlreicher Hinweise die PIN auf der Karte notiert und somit Betrügern Tür und Tor öffnet, bei Fund oder Diebstahl der Karte, unberechtigt zu verfügen.“

Die derzeit häufigste Missbrauchsart stellt das Ausspähen der Kartendaten dar, berichtet die SARROS GmbH: Dabei gehen die Kriminellen sehr geschickt vor. Über eine versteckte Minikamera und einen installierten Funksender am Geldautomaten kann die PIN-Eingabe des ahnungslosen Kunden live mit verfolgt werden. Während die Betrüger die Daten auf einer gefälschten Karte einspeisen, ahnt der Bankkunde nichts von alldem und verlässt den Geldautomaten mit der abgehobenen Summe Bargeld. Die betrügerische Bargeldverfügung erfolgt dann im Ausland, da die deutschen Sicherheitsbestimmungen der Nutzung einer gefälschten Karte vorbeugen.

Erst bei der Überprüfung der Kontobewegungen bemerken die ahnungslosen Kunden den Betrug. Bankinterne Ratingsysteme reagieren empfindlich auf Limitüberschreitungen und Kontoüberziehungen. Wird der Betrug nicht erkannt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass dem Kunden der durch die Transaktion ausgelöste Bruch des Limits zugeschrieben und das Rating reduziert wird. Die Kriminellen sorgen somit möglicherweise nicht nur für unmittelbare Vermögensschäden, sondern auch noch Ratingverschlechterungen, die die finanziellen Handlungsspielräume ihrer Opfer weiter verengen.

„Diesen Entwicklungen müssen Banken und Sparkassen schnellstmöglich entgegenwirken, um das in die Geldautomaten gesetzte Vertrauen der Kunden nicht zu erschüttern. Dies wäre für die Kreditinstitute fatal, stellen doch die Selbstbedienungsgeräte eine unverzichtbare und vor allem kostengünstige Alternative zu den klassischen Kassenschaltern dar.“ Es lohne sich folglich, so Zwirnmann weiter, dem Missbrauch dieser Geräte proaktiv einen Riegel vorzuschieben. Mittlerweile biete der Markt zahlreiche Lösungsvorschläge, wie dieses Ziel erreicht werden könne.

Vor dem Hintergrund zunehmender Manipulationsversuche von Geldautomaten sowie von EC- und Bankkarten durch Kriminelle setzt die SARROS in Absprache mit Finanzinstituten auf eine Echtzeit-Alarmierung bei Manipulationsverdacht durch den Manipulations-Assistenten von witSB. Dieser erkennt beschädigte und/oder nicht vorhandene Sicherheitsmerkmale auf Kartendubletten und ermöglicht es den SB-Verantwortlichen der Bank nach Manipulationsversuchen in der Historie zu recherchieren. „Dabei werden typische Verhaltensschemata von Kriminellen erkannt und verfolgt. Somit könnten in naher Zukunft die Finanzinstitute schneller reagieren und die entsprechenden Karten unverzüglich gesperrt bzw. Täter sogar noch vor Ort gestellt werden“, sieht Zwirnmann voraus. „Darüber hinaus ist der Manipulations-Assistent auch in der Lage, Vorbauten am Geldautomaten zu erkennen, die das Ausspähen der Kartendaten überhaupt erst ermöglichen würden. Zudem ist es durch den webbasierten Einsatz des Manipulations-Assistenten möglich dass sogar die Mitarbeiter in den Filialen direkt alarmiert werden, wenn ein Verdacht besteht.“ Die Mitarbeiter können dann einen Sicherheitsbeamten informieren, der vor Ort sofort eingreifen kann. Diese Handlungsweise beinhaltet natürlich erhebliche Kostenreduktionspotentiale.

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