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Luftfahrt erreicht den Boden

Von Dr. Oliver Everling | 8.Oktober 2009

Die Ausgangslage ist bekannt: Die Weltwirtschaft befindet sich in der schlimmsten Krise der letzten 50 Jahre. Der Ölpreis befindet sich nach einem historischen Höchststand im letzten Jahr wieder in einem Aufwärtstrend. Die Situation in der Luftverkehrsbranche ist dennoch sehr unübersichtlich, zeigt Alexander Zock auf, da mehrere Faktoren zusammenwirken, deren gemeinsame Auswirkungen zurzeit noch nicht klar ersichtlich sind. Zock, Ph.D., ist Geschäftsführer des European Center for Aviation Development (http://www.ecad-aviation.de/) und sprach als Referent bei der Scope Investment Conference Luftfahrt zum Thema „Luftfahrt in Turbulenzen? Marktstabilität, Nachfragetrends, Perspektiven“ (http://www.scope.de/).

Mit der asymmetrischen Verteilung des Nachfragewachstums auf der Welt erhalten neue Standorte und Geschäftsmodelle eine zunehmende Bedeutung (z. B. Dubai). Die mit der Konsolidierung in der Branche einhergehenden Strukturveränderungen beginnen sich erst grob abzuzeichnen. Die Einstufung der „Schweinegrippe – H1N1″ als weltweite Pandemie durch die WHO (letzte Pandemiewarnung liegt 40 Jahre zurück) schafft eine zusätzliche Verunsicherung im weltweiten Verkehrsmarkt, stellt Zock fest.

Der Luftverkehr zeigt auf globaler Ebene seit über 50 Jahren ein starkes Wachstum, welches nur temporär unterbrochen wurde. Die Krisen sind temporär, nicht zyklisch und stark mit der GDP-Entwicklung verbunden, unterstreicht Zock. In den letzten 35 Jahren fiel der weltweite Passagierluftverkehr (in RPK) drei Mal, allerdings jeweils nur für 1 – 3 Jahre. Nachfrageeinbrüche dauerten in den letzten 35 Jahren immer nur zwischen 1 – 3 Jahren. Auf Nachfrageeinbrüche folgten immer wieder nachfragestärkere Jahre mit Wachstumsraten wie vor der Krise.

Die Profitabilität der Luftverkehrsbranche zeigt einen klaren Zyklus mit wachsender Amplitude. Normiert man die Amplitude mit der Marktgröße, so nivelliert sich dieser Effekt. In den letzten 30 Jahren folgten auf 5 schlechte Jahre immer 6 gute Jahre, zeigt Zock an der Statistik. Die Branchenprofitabilität und die Flugzeugauslieferungen liefen weltweit über einen langen Zeitraum gegenläufig. Die Flugzeugbestellung erscheint hierbei in hohem Maße zyklisch zu erfolgen, so der Eindruck von Zock.

Auch in guten Jahren sind nicht alle Fluggesellschaften profitabel. Die Profitabilität ist dabei inhomogen verteilt, weist Zock in einer Übersicht nach. Die Krise im Luftverkehr begann bereits im Sommer 2008. Sowohl im Passagiermarkt als auch im Cargomarkt zeigt sich seit April 2009 eine Bodenbildung auf niedrigem Niveau. Zock analysiert die Veränderung der internationalen Nachfrage im Passagier- und Cargobereich.

Der Weg in die Krise war regional unterschiedlich, stellt Zock fest. Nachdem im weltweiten Passagierluftverkehr im ersten Quartal weltweit der Trend nach unten ging, zeigen sich in den meisten Regionen Bodenbildungen. „Eine Ausnahme ist die Region Middle East, in der sich wieder starkes Wachstum zeigt“, so Zock.

Dramatisch ist der Verlust im Premiumsegment. Die aktuelle Krise führte vor allem auch zu einer dramtischen Schrumpfung des Premiumsegments im Passagierbereich. Die Veränderung der internationalen Premiumnachfrage von August 2007 bis Juni 2009 ist unübersehbar. Die Airlines haben ihre Kapazität angepasst: Die aktuelle Krise führte sowohl im Passagierbereich als auch im Cargobereich zu starken Kapazitätsanpassungen. Die Reaktion der Fluggesellschaften auf den hohen Ölpreis und die Krise ist insbesondere im Bereich der Stilllegung von Flugzeugen zu sehen.

Als Reaktion auf die Krise sind weitere Maßnahmen der Fluggesellschaften zu beobachten: Verstärktes Kostenmanagement („Business as usual“), verstärkte Absenkung der Ticketpreise (z. B. Nordatlantik bis zu -20 %), Kapitalaufnahme an den Finanzmärkten (vor allem Nordamerika und Asien/Pazifik), verstärkte „Sales-Leaseback“ Aktivitäten (insbesondere in Nordamerika und Europa), um den Cashflow zu optimieren, Verschiebung von Flugzeugauslieferungen und verstärkte Konsolidierung (Lufthansa, New Alitalia, British Airways und Iberia etc.) zur Realisierung von Synergien.

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