« | Home | »

Marktumfeld der Schiffsfinanzierung

Von Dr. Oliver Everling | 7.Oktober 2009

Frachtvolumen/-raten und Charterraten, insbesondere für Container) sind massiv eingebrochen, berichtet Benjamin Kirchhoff, Leiter Strukturierung und Analyse Inland Shipping von der HSH Nordbank (http://www.hsh-nordbank.de/) auf der Scope Circles Investment Conference Schiffe in Frankfurt am Main (http://www.scope.de/). Die Schiffswerte sind von ihren Höchstständen deutliche gefallen. Schiffe fanden keine Beschäftigung oder nur niedrigen Raten. Charterer verhandeln die Charterraten nach, einige wurden insolvent. Covenants (Kreditschutzklauseln) wurden verletzt. Eigenkapital konnte nicht im geplanten Maß eingeworben werden. Projekte benötigen Tilgungsstundungen und Refinanzierungen, während sich die Banken im Kreditgeschäft zurückhalten, berichtet.

Die Neigung der Beteiligten, sich an Restrukturierungen zu beteiligen, variiert stark, stellt Kirchhoff fest. Nur eine geringe Anzahl von Schiffen wurden zwangsversteigert. Die großen Charterer haben massive Restrukturierungsprogramme durchlaufen. Die zunächst harte Haltung der Werften habe sich geändert, sie zeigen sich flexibler. Viele Neubauten konnten verschoben, gewandelt oder storniert werden. Eine Vielzahl von innovativen Finanzierungsvehikeln ist entstanden. Unterm Strich war das Verhalten der Beteiligten – mit Ausnahmen – besonnen, berichtet Kirchhoff. „Alle Beteiligten versuchen, aktiv an einer Lösung zu arbeiten.“

„Gemessen an dem, was wir durchgemacht haben, hätte ich Sodom und Gomorra erwartet“, bekennt Kirchhoff und lobt das Verhalten der Beteiligten. Alle Beteiligten müssen einen angemessenen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten. Der Beitrag der Eigenkapitalseite müsse wesentlich sein. Erhöhte Risiken in der Finanzierung erfordern eine höhere Bepreisung. Wenn die Bank eine Eigenkapitalposition einnimmt, müsse diese auch wie Eigenkapital verzinst werden. Voraussetzungen für eine erfolgreiche, für die Bank akzeptable Restrukturierung seien die Transparenz, zeitnahe und umfassende Informationen, Vorschläge des Managements zur Lösung der Probleme, rasche und professionelle Entscheidungen und Handlungen sowie erfahrenes und engagiertes Management. Erst wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, greifen die Banken zur Verwertung der Sicherheiten. Allerdings sei die Verwertung nie ausgeschlossen, fügt Kirchhoff hinzu.

Die Schiffahrt wird sich erst im Nachgang zu einem Anziehen der Konjunktur erholen, so seine Prognose. Die Zahl der Zwangsversteigerungen wird nicht nennenswert ansteigen, bei den meisten Projekten lohne sich für die Beteiligten die Option „Durchhalten“.

Themen: Fondsrating | Kein Kommentar »

Kommentare

Sie müssen eingelogged sein um einen Kommentar zu posten.

  • Dr. Oliver Everling

    Dr. Oliver Everling ist Geschäftsführer der RATING EVIDENCE GmbH in Frankfurt am Main.

    Als Gesellschafter, Beirat, Aufsichtsrat, Independent Non-Executive Director nach der EU-Verordnung über Ratingagenturen, Mitglied von Ratingkommissionen, Chairman des ISO-TC "Rating Services", Gastprofessor der CUEB in Peking und zum Beispiel als Herausgeber von mehr als 50 Büchern war oder ist er mit Ratingfragen befasst.

    Nach Promotion am Bankseminar der Universität zu Köln war Dr. Oliver Everling Referent des Arbeitskreises Rating der WM Gruppe und ab 1991 Geschäftsführer der Projektgesellschaft Rating mbH sowie von 1993 bis 1998 Abteilungsdirektor und Referatsleiter in der Dresdner Bank.